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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.16

Schiff voraus

Text: Svenja Beller

Der Verein „Jugend Rettet“ hat ein Schiff gekauft. Nun läuft der Umbau für den Einsatz im Mittelmeer. Die Zeit drängt – mehr als tausend Menschen sind seit Beginn des Jahres auf ihrer Flucht ertrunken / TEIL III

Es ist wieder warm genug fürs Mittelmeer. Seit wir Europäer zum Badeurlaub an die Südstrände reisen, sterben von Süden kommend in demselben Meer auch wieder vermehrt Menschen. 191.000 haben seit Anfang 2016 die Flucht mit wackeligen Booten über den Seeweg gewagt, knapp 1400 Männer, Frauen und Kinder sind dabei ertrunken. Und „Jugend Rettet“? Muss zusehen, immer noch.

Die jungen Erwachsenen halten offene Treffen ab, akquirierten schon in knapp vierzig Städten Botschafter, sammeln Spenden, organisieren die künftigen Einsätze – und haben endlich ein Schiff gekauft. Dass Jakob Schoen, Gründer des Vereins, den Kaufvertrag im niederländischen Stellendam überhaupt noch unterschreiben würde, daran hatte der 19-Jährige zuletzt selbst gezweifelt. Anfang Mai stand schon ein Termin, er war nach Brüssel geflogen, von dort mit einem Mietwagen weitergefahren. Dann, einen Tag vor der geplanten Unterzeichnung, hatte der Notar Fehler in den Papieren des Schiffsverkäufers entdeckt. Bis nachts um zwei hatten sich die Anwälte bemüht, das Problem zu lösen, vergeblich.

Müde und abgekämpft saß Schoen am nächsten Morgen an Deck des Schiffes, das seinem Verein nun doch noch nicht gehörte, und blinzelte in die Sonne. Er deutete auf den Boden, wellig und pockig, der neu gemacht werden müsste. Auf den gelben Kran für das Beiboot, der hoffentlich halten würde. Auf die verwohnten Kajüten, die umzubauen wären. Eine Werft in Emden und freiwillige Helfer waren bereit für den Umbau, die Mannschaft für die Überführung dorthin schon gefunden, nur der Vertrag fehlte.

Am 19. Mai verbreitete Jugend Rettet dann die erlösende Nachricht: „Der Kaufvertrag ist unterzeichnet!!“, dahinter das Symbol einer Konfettibombe. 130.000 Euro hat die „Alk Explorer“ gekostet, 54 Jahre alt, 33 Meter lang, ursprünglich für die Fischerei gebaut, zuletzt als Sicherheitsschiff für Ölplattformen im Einsatz.

Den Zeitverlust wollen die jungen Aktivisten mit einem schnellen Umbau wettmachen. Der Druck wächst mit jedem Bootsunglück und damit auch das öffentliche Interesse. Medienanfragen häufen sich – alle wollen dabei sein, wenn Jakob Schoen und seine Mitstreiter auslaufen, um Menschen zu bergen, die auf ihrer Flucht vor den Küsten Europas zu Tausenden ertrinken.

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