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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.16

Schöner Schein

Text: Kerstin Eitner

Banknoten haben eine sehr spezielle Symbolik. Ein Bildband zeigt, wie bedrucktes Papier Botschaften von Macht und Ruhm, Frieden und Glück, Fortschritt und Wohlstand transportiert

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da reisten Fürsten und Könige nicht nur mit großem Gefolge, sondern auch mit Truhen, Kisten und Schatullen voller Münzgeld durch die Lande; manche Taler waren riesig und konnten fast ein Pfund wiegen. Eine wahrhaft beschwerliche und für Hosennähte strapaziöse Angelegenheit. In China, wo man die Papierherstellung erfunden hatte, war Papiergeld bereits in Umlauf, als Marco Polo 1295 dort eintraf. Nach Venedig zurückgekehrt, berichtete er davon, stieß aber allenthalben auf Unglauben und Skepsis. In Europa begann die Geschichte des Geldes aus bedrucktem Papier, abgesehen von der Ausgabe von Notgeld in Krisenzeiten, erst im 17., auf deutschem Gebiet im späten 18. Jahrhundert. Geldscheine sind illustrierte Historie. Sie erzählen Geschichten, zeigen berühmte Persönlichkeiten oder Statussymbole, geben Zeugnis von Politik und Wirtschaft, Macht und Einfluss, Kunst und Kultur ihrer Zeit oder verkünden politische Botschaften. So wollen Euro-Scheine die europäische Idee mit dem Bild einer Brücke vermitteln.

Der Bildband „Money“ des Zürcher Grafiker-Trios Prill Vieceli Cremers zeigt Bilder auf Banknoten. Wir sehen: starke und glückliche Menschen bei der Arbeit, häufig mit viel Pathos dargestellt, fantastische Landschaften mit üppiger Tierwelt sowie technische Errungenschaften, die eine glorreiche Zukunft verheißen sollen. Für Tania Prill, Alberto Vieceli und Sebastian Cremers sind die Geldscheine Miniplakate, die mittels einer sich wiederholenden Ikonografie von einer heilen Welt künden und dem Ruhm der Macht dienen. In ihrem Buch beschwören sie „den Geist, der aus der Ornamentik der Banknoten spricht“ (Walter Benjamin) und zeigen, mit welchen Bildern einem Stück Papier, das selbst keinen Wert besitzt, ein solcher aufgedruckt wird.

Money
Prill Vieceli Cremers (Hrsg. und Gestaltung), Edition Patrick Frey 2015, gebunden, 300 Farbabbildungen, 256 Seiten, 24 x 33 cm, 54 Euro