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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.16

Schwer zu ersetzen

Text: Kathrin Burger

Ein Palmöl-Boykott würde die Umwelt nicht entlasten. Wenn dafür weniger ergiebige Ölpflanzen angebaut werden, ist der ökologische Schaden noch größer

Die Umweltbilanz des Palmöls fällt so miserabel aus, weil für die Plantagen im großen Stil artenreiche Regenwälder abgeholzt werden. Dabei hat der Rohstoff aus der Palmfrucht durchaus ökologische Vorteile gegenüber Kokos-, Raps- oder Sojaöl. Denn auf gleicher Fläche liefern die Palmen bei geringerem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden mehr Öl. Deshalb käme ein vollständiger Verzicht auf Palmöl nicht der Umwelt zugute, wenn die gleiche Menge aus anderen Ölpflanzen gewonnen werden müsste. „Weder Kokos-, noch Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Sheabutter können mit den Flächenerträgen von Palmöl mithalten“, sagt Achim Drewes von Nestlé.

Auch nach Einschätzung des World Wildlife Fund (WWF) wäre ein totaler Palmöl-Boykott der falsche Weg. Bei einem Ersatz durch Sonnenblumen-, Raps-, Soja- und Kokosöl stiege der Flächenverbrauch weltweit um rund 1,4 Millionen Hektar an, rechnet der WWF in einer kürzlich veröffentlichten Studie vor. Obwohl die Ölpalme entlang des Äquators an besonders artenreichen Standorten gedeiht, wäre der Schaden für Tiere und Planzen im Alternativszenario noch größer – schließlich wachsen Soja und Kokospalmen in vergleichbaren Klimazonen. Zudem würde der Umstieg auf weniger ertragreiche Ölpflanzen die Kohlendioxidemissionen um jährlich 309 Millionen Tonnen ansteigen lassen.

Die meisten deutschen Hersteller versuchen inzwischen, Palmöl aus möglichst nachhaltigen Quellen zu beziehen – auch wenn die Kriterien der Zertifizierung nach Einschätzung von Umweltschützen deutlich strenger ausfallen und schärfer kontrolliert werden müssten.

Ersetzt wird Palmöl in Produkten vor allem, weil es als Zutat beim Verbraucher einen schlechten Ruf hat. So machen bei Bofrost Kokosfett und Milchprodukte das Eis cremig – Palmöl findet sich lediglich in den Glasuren. Der Bio-Anbieter Rapunzel verwendet etwa in Fruchtriegeln nur noch Sonnenblumenöl.

In Babymilchnahrung gibt es für Palmöl dagegen wegen des hohen Gehalts an Palmitinsäure – einer Fettsäure, die auch in der Muttermilch vorkommt – keinen Ersatz. Bei Reinigungsmitteln und Kosmetika kommt lediglich Kokosfett als Alternative infrage. Doch Kokospalmen lassen sich nicht in großem Stil umweltfreundlich anbauen. Und zurück zum Erdöl, das vielfach durch Palmöl ersetzt wurde, ist erst recht keine Lösung.

 

ABSICHTEN, ERFOLGE UND SCHWARZE SCHAFE
Alle großen Hersteller bekennen sich öffentlich zur Nachhaltigkeit. Einige kommen dabei voran, ergab eine Greenpeace-Umfrage bei großen Konzernen. Doch nicht ein Einziger konnte nachweisen, dass in seinen Produkten kein Palmöl aus abgeholzten Regenwäldern enthalten ist:

FERRERO
Gute Fortschritte bei der Rückverfolgbarkeit des Palmöls bis zur Plantage und bei der Transparenz, Engeganement für Wandel in der Industrie

NESTLÉ
Gute Fortschritte bei der Rückverfolgbarkeit des Öls. Macht Fortschritte, die sicherstellen, dass Lieferanten den Regenwald nicht zerstören

DANONE
Gute Fortschritte beim Bezug sauberen Palmöls, Einsatz für Reform der Industrie, legt aber Zulieferer nicht offen

IKEA
Fortschritte beim Bezug nachhaltig produzierten Palmöls. Ist bereit, unverantwortliche Zulieferer auszuschließen, will sie aber nicht nennen

KELLOGG'S
Guter Fortschritt bei der Rückverfolgbarkeit, Transparenz bei Zulieferern. Muss aber sicherstellen, dass die Produzenten den Regenwald schützen

MARS
Vertretbarer Fortschritt im Bereich der abholzungsfreien Zuliefererkette, hohe Standards und Transparenz bei wichtigen Zulieferern

MONDELEZ/CADBURY
Starke Vorgaben, der Schutz der Wälder muss aber erst noch durchgesetzt werden. Weigert sich, Zulieferer zu benennen

PROCTER & GAMBLE
Hat nur gewisse Vorstellungen über Herkunft des Palmöls, muss noch sicherstellen, dass für die Plantagen kein Regenwald abgeholzt wurde

UNILEVER
Akzeptable Fortschritte bei der Rückverfolgbarkeit. Beginnt problematische Zulieferer auszuschließen, engagiert sich für Wandel in der Industrie

COLGATE-PALMOLIVE
In allen Aspekten mangelhaft. Kennt den Ursprung des verwendeten Palmöls nicht und weigert sich, Zulieferer zu benennen

JOHNSON & JOHNSON
Wenig Fortschritte bei der Vermeidung schmutzigen Palmöls. Setzt sich für starke Standards ein, weigert sich aber, Zulieferer zu benennen

PEPSI
Kaum Nachweise, dass Palmöl nicht mit Abholzung in Verbindung steht, Rückverfolgbarkeit und Kontrolle der Zulieferer muss verbessert werden