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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.16

Sind Nahrungsergänzungsmittel eher schädlich oder nützlich?

Text: Maike Ehrlichmann, Ernährungsberaterin

fragt Tina H., per E-Mail

Ich halte nicht viel von Vitamin- und Mineralstofftabletten. Erstens können echte Lebensmittel viel mehr. Sie enthalten eine Fülle von Nährstoffen, die miteinander wirken. Bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe, die zellschützende Effekte haben, verstärken einander. Zum Beispiel wird die antioxidative Kraft von Kurkuma durch die antioxidative Kraft von Pfeffer um das Zweitausendfache erhöht. Kurkuma ist die Grundsubstanz von Curry. Und Pfeffer passt gut dazu. Aber zu viel von beidem schmeckt nicht. Da kommen wir zum nächsten Punkt, der Gefahr einer Überdosierung. Bei Nahrungsergänzungsmitteln gibt es  keine Geschmacksbremse, die uns davor bewahrt. Isoliert können manche Stoffe auch schaden. Weil Menschen, die viel Gemüse essen, seltener Lungenkrebs bekommen, hat man gedacht, Beta-Carotin sei ein Faktor, der vor Krebs schützt und diesen Stoff Krebskranken verabreicht. Aber die Wirkung ist ins Gegenteil umgeschlagen. Der Krebs trat häufiger auf. Mit Karotten ist das nicht passiert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Substanzen in der Karotte sich gegenseitig abpuffern, bevor ein Stoff beginnt, Zellen anzugreifen. Zu viel Vitamin C und E erhöhte in Kohortenstudien die Sterblichkeit, das Risiko für Herzinfakte war gestiegen. Drittens gibt es in Deutschland eine große Lebensmittelauswahl, die es möglich macht, sich gut zu versorgen.