Greenpeace Magazin Ausgabe 1.98

Sonderangebote fordern hohen Preis

Satellitenstarts zum Dumping-Tarif bietet Rußland feil. Die Bevölkerung zahlt mit ihrer Gesundheit.

Für die klamme russische Staatskasse bringen die kommerziellen Satellitenstarts vom Weltraumbahnhof Baikonur einen warmen Geldregen. Der Bevölkerung der autonomen Republik Altai im Ländereck China-Kasachstan-Mongolei-Rußland bescheren sie einen Gift- und Trümmerregen mit dramatischen gesundheitlichen Folgen. In manchen Dörfern leidet die Hälfte der Neugeborenen unter Gelbsucht und extrem geschwollenen, giftbelasteten Lebern. Auch Schäden am zentralen Nervensystem treten häufig auf, berichten britische Wissenschaftler, die die Region besucht haben. Ursache ist wahrscheinlich der hochgiftige Raketentreibstoff „Heptyl“ (Dimethylhydrazin). Wenn die veralteten russischen „Proton“-Raketen eine Höhe von 100 Kilometern erreicht haben, wird die erste Stufe abgesprengt, die immer noch bis zu zehn Prozent des gefährlichen Treibstoffs enthält. Die Reste regnen auf die Region ab – Schätzungen zufolge bislang 1400 Tonnen. Altai ist zusätzlich von Atomtests betroffen gewesen. Doch die rasch steigende Zahl der „Gelbsucht“-Babys, sind die Beobachter sicher, weist auf Heptyl als Auslöser hin. Rußland will ungeachtet dessen die Zahl seiner Raketenstarts erhöhen.