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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.05

Tanktourismus schönt CO2-Bilanz

Während die rot-grüne Bundesregierung Deutschland im aktuellen Klimaschutzbericht als „Spitzenreiter im Umweltschutz“ feiert, ziehen Experten eine kritischere Bilanz. Nach Angaben von Umweltminister Jürgen Trittin sanken die CO2-Emissionen von 1990 bis heute um 19 Prozent, es fehlten nun nur noch zwei Prozentpunkte zum Kyoto-Ziel (21 Prozent Minderung bis 2012). Während bei Kraftwerken, anteilsmäßig die größten CO2-Produzenten, die Emissionen in den vergangenen Jahren sogar wieder deutlich anstiegen, seien sie im Straßenverkehr rückläufig: Ökosteuer, sparsamere Motoren und ein höherer Anteil von Dieselfahrzeugen haben demnach in diesem Sektor zwischen 1999 und 2003 zu einem CO2-Rückgang von knapp neun Prozent geführt. Doch weil die Verkehrsemissionen auf Grundlage des verkauften Sprits ermittelt werden, ist dieser „Erfolg“ rein statistisch: Denn immer mehr Deutsche tanken wegen niedrigerer Preise im Ausland –– was die deutsche Klimabilanz schönt. Allein Österreich rechnet wegen des Tanktourismus mit einem Plus von sieben Millionen Tonnen CO2, die eigentlich größtenteils in der deutschen Statistik auftauchen müssten. Der Verkehrsclub Deutschland kritisiert, dass die Bundesregierung ihr Ziel verfehlt habe, deutliche Anreize für niedrigeren Spritverbrauch zu schaffen. So berechne sich die Kfz-Steuer noch immer auf Basis des Hubraumes – und nicht auf Basis der Emissionen.