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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.13

Teure Atomruinen

An Nur 423 Tagen war der Thorium­­-Hochtemperaturreaktor (THTR) im west­fälischen Hamm in Volllastbetrieb – zu kurz, um finanzielle Rückstellungen für seine Stilllegung zu bilden. Deshalb muss der Steuerzahler für den Abriss des ge­schei­terten Pilotprojekts einspringen. Die letzte Rate soll 2080 fällig sein, also fast hundert Jahre nach dem Abschalten des Pannenmeilers. Auf Anfrage der Grünen räumt die Bundesregierung ein, dass sich die Gesamtkosten nach Angaben des Betreibers für den THTR-Rückbau auf rund 735 Millio­nen Euro belaufen werden. Unabhängige Experten halten diese Summe für nicht realistisch – sie gehen von mindes­tens einer Milliarde Euro aus. In einer Studie hat Greenpeace bereits im Jahr 2012 die Gesamtkosten für Rückbau und Entsorung der deutschen Atomanlagen auf 44 Milliarden Euro veranschlagt; das sind zehn Milliarden mehr als die dafür vorgesehenen Rückstellungen der Konzerne. Und diese sind noch nicht einmal konkurssicher. Seit Jahren fordern Umweltver­bände und sogar Wolfram König, der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, die Rückstellungen in einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu überführen. Das aber hat die Atom­­industrie bisher verhindert.