Guten Abend,

manchmal sind die Dinge anders, als sie scheinen. Das gilt nicht nur für die „Fakten“ in den Tweets des US-Präsidentendarstellers Donald Trump, sondern ebenso für andere Sachverhalte, auch im Tierreich. Ich meine jetzt nicht den kürzlich in Panama entdeckten blinden Schleichenlurch Dermophis donaldtrumpi, über den man nicht viel mehr weiß, als dass er gern den Kopf in den Sand steckt, ähnlich seinem Namensgeber beim Thema Klimawandel. Aber der Reihe – oder der Größe – nach.

Der Austritt Japans aus der Internationalen Walfangkommission IWC traf erwartungsgemäß auf heftige Kritik von Tier- und Umweltschützern. Das Land kündigte Ende letzten Jahres an, den kommerziellen Walfang wiederaufzunehmen, für den seit 1986 ein internationales Moratorium gilt. Man werde, hieß es aus Tokio, ausschließlich in japanischen Hoheitsgewässern und exklusiven Wirtschaftszonen jagen, nicht aber in antarktischen Gewässern oder in der südlichen Hemisphäre.

Das hatte Japan nämlich zuvor getan und dafür ein Schlupfloch in der IWC-Vereinbarung genutzt, das den Walfang „zu wissenschaftlichen Zwecken“ gestattete. Walschützer und -forscher hielten dies von Anfang an für ein Deckmäntelchen. Über 10.000 Wale sollen dieser Praxis in den letzten drei Jahrzehnten zum Opfer gefallen sein.

Deshalb gibt es auch Experten, die meinen, dass die japanische Entscheidung für die Wale gar nicht so schlecht sein könnte, weil möglicherweise weniger Tiere gefangen würden als zuvor. Zumal der Appetit der Japaner auf Walfleisch zusehends schwindet: Verzehrten sie 1965 noch über 200.000 Tonnen, sank die Nachfrage bis 2015 auf gerade mal 4000 Tonnen. Letztlich werde, vermutet Justin Cooke, der die Internationale Naturschutzunion IUCN berät, für Walprodukte nur ein Nischenmarkt übrig bleiben.

Kommen wir nun zu sehr viel kleineren Tieren: den Termiten, die gemeinhin als Plage gelten. Ihre Leibspeise ist totes Holz. Dielenbretter oder Dachbalken, Geldscheine oder Gerichtsakten – wenn Zellulose drin ist, gibt es kein Halten mehr. Dass sie nebenbei kunstvolle mehrstöckige Bauwerke mit ausgeklügelten Lüftungssystemen errichten, hilft ihnen beim Sammeln von Sympathiepunkten auch nicht weiter. Vielleicht aber die Erkenntnisse eines Teams um Hannah Griffiths und Kate Parr von der Uni Liverpool, die herausgefunden haben, dass Termiten dem Regenwald nützen.

Die Forscherinnen beobachteten 2015 und 2016 während einer vom El-Niño-Phänomen hervorgerufenen Dürre auf Borneo, dass es Pflanzen in Arealen mit intakter Termitenpopulation besser ging als in anderen. Der Boden enthielt dort infolge der fleißigen Tunnelbauarbeiten der Insekten mehr Nährstoffe, und die Feuchtigkeit lag um ein Drittel höher. Termiten brauchen nämlich eine feuchte Umgebung, und dafür graben sie sich nötigenfalls Dutzende Meter tief ins Erdreich.  

Noch kleiner als Termiten sind fünf Millimeter lange durchscheinende Krebstierchen, deren englischer Name „gribbles“ sehr viel lustiger und harmloser klingt als ihr deutscher, in dem sich das Unheil schon andeutet: Holzbohrasseln. Die Winzlinge sind der Schrecken von Seefahrern und Hafenmeistern, weil sie sich von nassem Holz ernähren, gern auch von Schiffsplanken und den Stützpfeilern von Dockanlagen. Zur Verdauung der Nährstoffe im Holz dienen ihnen nicht Darmbakterien, sondern sogenannte Hämocyanine. Wissenschaftler sind begeistert, denn mit der Übertragung dieses Prinzips auf die Energieerzeugung ließe sich Biomasse aus Holz wesentlich effizienter gewinnen, und die Konkurrenz mit Nahrungspflanzen entfiele.

Und da wir gerade tierisch in Schwung sind: Viel zu lernen gibt es auch von einem enorm beliebten und sympathischen Tier, der Biene. Um die geht es am 25./26. Januar beim Fair Bee Camp in der Forum Factory Berlin. Mit dabei ist unter anderem Thomas Radetzki, Imkermeister, Bienenbotschafter und Gründer der Aurelia Stiftung.

Tierische Aha-Erlebnisse // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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