Greenpeace Magazin Ausgabe 5.14

Toxisches Geld

Investoren und Mäzene fördern nicht nur den Profifußball. Sie vergiften ihn zuweilen auch

Irgendwann im Jahr 1973 traf Günter Mast, Chef des Likörherstellers Jägermeister, den Präsidenten von Eintracht Braunschweig, Ernst Fricke. Der Traditionsverein stand damals vor der Pleite, also kamen die beiden auf die verrückte Idee, die Brust der Spieler an den Spirituosenhersteller zu vermieten. 100.000 Mark gab es von Mast im ersten Jahr, später stieg der Betrag auf 250.000 pro Saison. Mit dem Logo von Jägermeister erschien erstmals Werbung auf Fußballtrikots. Heute bringt Trikotsponsoring den Bundesligaklubs nach den TV-Rechten das meiste Geld ein.

Da der immer bombastischer präsentierte Spielbetrieb der Profiligen durch Eintrittsgelder und Werbung kaum refinanziert werden kann, holen sich die Klubs immer mehr Sponsoren und Mäzene ins Haus: Der Einfluss der Förderer im Profifußball ist im letzten Jahrzehnt enorm gestiegen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Ausrichter und Vermarkter hat deshalb in der ersten, zweiten und dritten Profiliga den Einfluss von Investoren durch die sogenannte 50+1-Regel beschränkt. Nach dieser Regel muss jeder Klub mindestens 50 Prozent der Anteile plus eine Stimme halten, damit der Verein vor einer Übernahme durch externe Investoren geschützt ist.

Da die meisten Klubs als Vereine (e.V.) eingetragen sind, lagern immer mehr die Profifußballabteilung in Kapitalgesellschaften aus, was eine andere Vermarktung und höhere Einkünfte verspricht: Der FC Bayern München hat das bereits 2002 getan. Heute sind drei Großkonzerne Anteilseigner des Klubs und halten jeweils 8,3 Prozent der Aktienanteile: Adidas, Audi und Allianz.

Der ehemalige Arbeiterklub Borussia Dortmund ist der einzige Verein, dessen Aktie heute an der Börse gehandelt wird. Zuletzt hat die Deutsche Bank, die mit Lebensmitteln spekuliert, in Erwägung gezogen, ihre durch die Finanzkrise ramponierte Glaubwürdigkeit durch einen Einstieg bei der Borussia aufzupolieren, dann aber wie der Abstand davon genommen. Als Mutterunternehmen der Postbank ist die Deutsche Bank bereits in der Bundesliga vertreten, als Hauptsponsor von Borussia Mönchengladbach.

Ein anderes Geldhaus sponsert Hertha BSC: Als der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering 2005 über „Heuschrecken“ schimpfte, meinte er Beteiligungsunternehmen wie Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. Für rund 18 Millionen Euro hat sich KKR 9,7 Prozent an Hertha gesichert und besitzt die Option, seinen Anteil auf 33,3 Prozent zu erhöhen. Vereinstreue in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten sollte man von Private-Equity-Gesellschaften wie KKR nicht erwarten: Sie kaufen sich einzig mit dem Ziel in Unternehmen ein, Rendite zu erwirtschaften.