Jetzt abonnieren Magazinarchiv durchsuchen

Greenpeace Magazin Ausgabe 5.15

Trampelige Naturschützer

Text: Susanne Tappe

Wanderhirten treiben ihr Vieh über Land, auf dem kaum etwas wächst. Anders als lange angenommen, ist das gut für den Boden

Manche sehen in ihm nur Dreck – dabei ist er das Fundament allen Lebens. Er filtert unser Wasser, reguliert unser Klima und versorgt unsere Pflanzen mit Nährstoffen. Dennoch treten wir ihn mit Füßen. 24 Milliarden Tonnen fruchtbarer Boden gehen jedes Jahr durch falsche Nutzung verloren. Die industrielle Landwirtschaft fügt ihm den größten Schaden zu. Auch Wanderhirten in Steppen und Wüsten galten lange Zeit als Bodenzerstörer. Doch stimmt das?

Rund 41 Prozent der Erde besteht aus Trockengebieten. In ihnen lebt ein Drittel der Weltbevölkerung. Das meiste Land in diesen Gebieten ist nur spärlich mit Gestrüpp und Gras bewachsen. In der Trockenzeit wird Letzteres quasi zu stehendem Heu, das sich nicht zersetzt – es sei denn, es wird von Weidetieren gefressen und als natürlicher Dünger wieder ausgeschieden. „Außerdem brechen ihre Hufe krustigen Boden auf, sodass Wasser einsickern kann und Graswachstum gefördert wird“, schreiben Evelyn Mathias und John Wilson im neuen „Bodenatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung. Vorausgesetzt, die Herden bleiben in Bewegung und es kommt nicht zu Überweidung.

In der Vergangenheit haben wachsende Siedlungen und die Äcker von sesshaften Bauern die Wanderhirten immer weiter eingeschränkt. Doch zunehmend erkennen Regierungen ihre wirtschaftliche Bedeutung: Auf dem afrikanischen Kontinent entfallen bis zu zehn Prozent der Wirtschaftsleistung auf Wanderhirten. Westafrikanische Staaten öffnen ihnen nun Korridore. Landwirte lassen die durchziehenden Herden außerdem auf ihren abgeernteten Feldern weiden und profitieren vom kostenlosen Dünger. In Simbabwe orientieren sich auch die sesshaften Viehzüchter an der bodenfreundlichen Beweidung der Nomaden. Mehrere lokale Bauern treiben ihr Vieh zusammen und lassen die Herde dann eine Weidefläche nach der anderen abgrasen. Namibia arbeitet gar an einem nationalen Weidemanagement nach diesem Modell. Es ist also einiges in Bewegung.