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Tür zur Natur

Greenpeace Magazin Ausgabe 1.18

Tür zur Natur

Text: Svenja Beller Foto: Manfred Jarisch

Die Norweger suchen gern das Weite – zum Wandern, Angeln, Nachdenken. Dafür haben sie sogar ein Wort, das mit Freiluftleben nur unzureichend übersetzt ist. Unsere Autorin hat sich von einem Profi eine Woche lang zeigen lassen, was „Friluftsliv“ bedeutet

Norwegens Mitte versinkt im Sumpf. Ganz so, als wollte sich das Zentrum die umliegenden Hochebenen, Berge und Fjorde einverleiben. Unsere Schritte schmatzen und gurgeln, manchmal sacken die Füße so tief ein, dass der Schlamm von oben in die Schuhe läuft. Zumindest bei mir. Die Stiefel von Jens Kvernmo sind massiv, wasserdicht und gehen bis zur Wade – Heimvorteil. Gemeinsam mit Nira und Thunder, zwei braunschwarzen Gordon Settern, entfernen wir uns von der Straße, auf der wir mehr Elchen als Autos begegnet sind, von den Holzstegen, die auf der anderen Seite des Sees den Sumpf überbrücken, von Handyempfang und von Strommasten. Und laufen immer weiter hinein in den Blåfjella-Skjækerfjella-Nationalpark, ins norwegisch-schwedische Grenzland knapp 150 Kilometer nördlich von Trondheim.

Vor uns: Eine Woche Einsamkeit, nur wir, die Hunde, der Fotograf, in einer kleinen Hütte am Fluss. Jagen, Fischen, Beeren sammeln, in der Natur sein, über das Leben nachdenken. „Friluftsliv“ nennen das die Norweger, nur unzureichend übersetzt mit „Freiluftleben“ oder „Leben im Freien“. Es gibt einen nationalen Friluftsliv-Verband, 1993, 2005 und 2015 rief die Regierung als Jahre des Friluftsliv aus. Seine Ausübung ist gesetzlich verankert: Das sogenannte Jedermannsrecht erlaubt das Wandern, Reiten, Schlitten- und Fahrradfahren auf nicht kultiviertem Land, das Kampieren für 48 Stunden mit mindestens 150 Metern Abstand zum nächsten Wohnhaus und das Baden in den Seen und im Meer. Achtzig Prozent der Norweger gehen durchschnittlich zweimal die Woche in die Natur. Die etwas trockene Definition des norwegischen Umweltministeriums für Friluftsliv: „Aufenthalt und körperliche Aktivität im Freien und in der Freizeit, mit dem Ziel einer Umgebungsveränderung und eines Naturerlebnisses.“

Etwas lebensnaher wird es, wenn man weiß, wie Friluftsliv an norwegischen Schulen gelehrt wird: (...)

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