Greenpeace Magazin Ausgabe 5.14

Ungesühnte Vergewaltigungen

Bis zu 50.000 Frauen und Mädchen wurden im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 Opfer von sexueller Gewalt. Viele Opfer der Massenvergewaltigungen sind traumatisiert und schweigen bis heute. Fast 20 Jahre nach Kriegsende ist dieses dunkle Kapitel noch immer nicht aufgearbeitet. Ein aktueller UN-Bericht zu sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten kritisiert, dass die Aufklärung der Verbrechen in Bosnien-Herzegowina nicht energisch genug betrieben werde.

Bislang seien nur etwas mehr als 60 Täter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden. Die Zahl der Verurteilungen sei „erbärmlich gering“, sagt die UN-Sondergesandte Angelina Jolie. Die Täter „müssen wissen, dass es nach dem Abschluss von Friedensverträgen keine Straffreiheit für Vergewaltigungen gibt“, forderte sie jüngst bei einer Konferenz gegen sexuelle Gewalt in London.

In Bosnien existiert immer noch kein ausreichendes ärztliches und psychologisches Angebot für die Opfer. Die Bemühungen der Regierung des potenziellen EU-Beitrittskandidaten beschränken sich auf eine geringe Grundsicherung. Viele wissen gar nicht, dass es diese gibt, andere halten Scham und Angst vor Stigmatisierung ab, sie zu beantragen: Laut der Hilfsorganisation Medica Mondiale nehmen nur 800 Frauen die Hilfszahlung in Anspruch.