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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.16

Unnötige Angst vorm bösen Wolf

Text: Susanne Tappe

Aufregung in Niedersachsen: Zwei Wölfe sollen einen Jogger verfolgt haben. Gesa Kluth vom Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung beruhigt 

Frau Kluth, eines der beiden Tiere hat den Mann abgeblich von hinten an der Hand berührt und, als er diese wegzog, leicht am Daumen verletzt. Wie schätzen Sie den Fall ein?
Der Jogger hat der Amtstierärztin die Tiere als hochbeinig, schmal und tapsig wie Jungtiere beschrieben. Wolfswelpen sind aber etwas kleiner als erwachsene Tiere und haben zu dieser Jahreszeit ein sehr dickes, plüschig wirkendes Fell. Auch das geschilderte Verhalten passt gar nicht zu Wölfen. Deswegen gehen wir davon aus, dass es Hunde waren. Und bei der Verletzung handelt es sich nicht um einen Biss, sondern einen Riss, den sich der Mann zugezogen haben könnte, als er Äste nach den Tieren warf, um sie zu vertreiben.

Aber es gab in Niedersachsen ja schon einmal ein Rudel, dessen Welpen sich Menschen genähert haben.
Ja, das Munster-Rudel. Wir vermuten, dass die Welpen gefüttert worden sind oder man mit ihnen gespielt hat und sie sich deshalb später so unbedarft Menschen gegenüber verhalten haben.

Was wurde damals unternommen?
Ein Welpe wurde im April überfahren, zwei andere eingefangen und mit Sendern ausgestattet, um sie, wenn sie sich den Menschen nähern, mit Gummigeschossen vergrämen zu können. Das war dann aber nicht mehr nötig. Offenbar hatte das Besendern sie ausreichend verschreckt – oder sie haben mit zunehmendem Alter ihre Neugier abgelegt.

Und wenn das alles nichts genutzt hätte?
Dann hätte man sie – in letzter Konsequenz – erschießen müssen. Trotz des hohen Schutzstatus, den der Wolf in Deutschland genießt, sieht das Gesetz das im Einzelfall vor.