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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.13

Unter Anklage

Sie habe sich gefühlt „wie in einem Horrorfilm“, sagte die argentinische Greenpeace-Kletterin Camila Speziale über die Attacke des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB auf sie und ihre Kollegen. Ende September hatte das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise die Gewässer in der Nähe der Gazprom-Ölplattform Prirazlomnaya in der arktischen Petschorasee erreicht. Die Umweltschützer wollten die Plattform erklettern, um so gegen die riskante Ölsuche in der Arktis zu protestieren. Es dauerte nicht lange, bis der FSB, der auch für die Küsten­wache zuständig ist, Wind von der Sache bekam und eine Einheit schickte. Mit Messern und Pistolen bewaffnet, zwangen sie die Aktivisten zur Aufgabe. Sie stürmten die Arctic Sunrise und nahmen die Besatzung in Gewahrsam. Anschließend wurde das Greenpeace-Schiff in den Hafen Murmansk geschleppt – tagelang verweigerten die Behörden der Crew jeden Kontakt zur Außenwelt. Gegen den Übergriff demonstrierten Menschen in 30 Ländern vor den russischen Botschaften und sendeten mehr als 400.000 Protestmails. Kurz vor Redaktions­schluss nahm Kreml-Chef Putin den Vorwurf zurück, Greenpeace habe sich der Piraterie schuldig gemacht.