Greenpeace Magazin Ausgabe 2.99

Verbotenes Video

Die russische Pazifikflotte will einen Journalisten mundtot machen, der über die Versenkung von Atom- und Chemiemüll berichtet hat.

Wieder einmal hat Rußlands Geheimdienst einen Umweltschützer vor den Kadi gezerrt. Grigori Pasko hatte in „Flagge des Mutterlandes“, der Truppenzeitung der russischen Pazifikflotte, berichtet, die Marine verklappe flüssige radioaktive und chemische Abfälle un-behandelt in das japanische Meer. Später waren Videoaufnahmen davon auch im japanischen Fernsehen zu sehen. Bevor jetzt in Wladiwostok der Prozeß wegen Verrats begann, saß der Marine-Journalist und Kapitän schon 14 Monate im Gefängnis – ohne rechtliche Grundlage. Wie im Fall des ehemaligen Marinekapitäns Alexander Nikitin aus St. Petersburg (wir berichteten), entbehrt auch bei Pasko die Anklage, nach Angaben der Verteidigung, jeder Grundlage: Wie Nikitin hatte auch Pasko nur Material verbreitet, das öffentlich zugänglich war. „Die Anklage soll nur davon ablenken, daß die Pazifikflotte das Japanische Meer als Müllkippe mißbraucht“, kommentiert Andrej Bitov, der Präsident des russischen Pen-Clubs, der Paskos Verteidigung unterstützt. „Nicht Pasko gehört vor Gericht, sondern Kommandeure und Geheimdienstler, die diese Umweltverschmutzung befehlen und zulassen.“ Paskos Unterstützer veröffentlichten jetzt anderes Material, das russische Marinesoldaten zeigt, die große Mengen alter Munition ins Japanische Meer werfen. Das Video stammt aus Paskos Archiv. Während die Anklage gegen Nikitin im letzten Jahr fallen gelassen wurde, muß Pasko jetzt mit einem langwierigen Verfahren durch mehrere Instanzen rechnen.