Guten Abend,

aus Krisengewinnlern können schnell Verlierer werden. In den USA zum Beispiel sitzen jetzt zwei Brüder auf 17.000 Flaschen mit Desinfektionsmittel, zusammengehamstert, um sie auf Amazon und anderen Online-Plattformen zu Mondpreisen zu verscherbeln. Hat auch kurzzeitig geklappt – bis die Plattformen das unterbanden und drohten, solche Anbieter künftig komplett zu sperren.

Verlierer könnten auch die US-Fracking-Industrie und die Plastikproduktion werden, glauben Finanzexperten des Landes. Beide sind eng miteinander verwoben, denn ein Nebenprodukt der Erdgasgewinnung durch Fracking ist Ethanol, unverzichtbarer Ausgangsstoff für Plastik. Fracking aber ist eine aufwendige und teure Technologie, viele Firmen sind bereits hochverschuldet, und die wegen der wirtschaftlichen Einbrüche sinkende Nachfrage in Kombination mit dem ebenfalls sinkenden Ölpreis trübt die Aussichten weiter ein. Die Umwelt wird es freuen.

Auch Drohgebärden führen in diesen Zeiten eher zu Verlusten, zumindest beim Image: Die Agrarlobbyisten von „Land schafft Verbindung“ hatten noch mal auf eine Aussetzung der neuen Düngeverordnung gedrängt und durchblicken lassen, es könne sonst „zu einer Gefährdung der Lebensmittelversorgung“ kommen. Der Bundesrat hat sich davon nicht beeindrucken lassen, nur in Teilen ein paar Monate Aufschub gewährt und der Verordnung ansonsten zugestimmt. Gewinner: unser häufig nitratbelastetes Trinkwasser.

Das gilt auch für den Ökostrom. Sein Anteil könnte in der Krise bei sinkendem Bedarf, fallenden Strom- und steigenden CO2-Preisen noch weiter steigen, während der Beitrag der Kohle weiter abnehmen dürfte. Schon im letzten Jahr hatten die Erneuerbaren bei der Stromerzeugung in der gesamten EU die Kohle überholt. Auch das Radfahren, in Hamburg wie in vielen anderen Städten sonst eine Risikosportart, macht derzeit viel mehr Spaß. Es könnte so schön sein mit weniger Autos!

Und sonst? Macht man sich Gedanken und Sorgen um liebe Menschen nah und fern. Um Bobby in New York, der alles ist, was man dort nie und jetzt schon gar nicht sein darf: arm, alt, schwarz. Um Halima in Lagos, die zwar jung, aber asthmakrank ist. Man kann von hier aus nicht viel mehr tun als ein bisschen Geld schicken. In London sitzt ein Freund mit Frau und Hund im Homeoffice, alles gut, nur: Dass sich der National Health Service nach monatelangem Drängeln endlich wie geplant um sein Knie kümmert, „so richtig mit Röntgen und Scannen und echt medizinisch“, das kann er jetzt vergessen.

Die Freundin, die ihr Sport- und Rhythmik-Studio schließen musste, genießt das Fehlen der Hektik und des kompletten Verplantseins und verdrängt die Existenzangst. Sie sorgt sich aber um ihre sehr alten Eltern, die sie derzeit nicht besuchen darf. Sie habe ihnen neulich Einkäufe auf die Terrasse gestellt und sich aus ein paar Metern Entfernung mit ihnen unterhalten – laut schreiend, denn die Eltern sind schwerhörig. Ein anderer Freund übt schon mal für die Rente, gar nicht so einfach, findet er. Als Autor und freier Journalist sei er trotz verlorener Aufträge aber zum Glück nicht zu komplettem Nichtstun verdammt.

Meine ebenfalls selbstständige Nichte, die in weiser Voraussicht vor einigen Jahren eine Arbeitslosenversicherung abgeschlossen hat, beantragt nun die Unterstützung – und muss einen Haufen Papier einreichen, um alles akribisch zu belegen. Dokumentiert die Agentur für Arbeit denn den Verlauf nicht? Und wie tritt man mit dieser in Kontakt, wenn das Telefon dauerbesetzt ist, der persönliche Kontakt unmöglich und eine E-Mail-Adresse (wir schreiben das Jahr 2020!) nicht vorhanden? Bitte buchstabieren Sie „unbürokratisch“!

Einen hab ich noch. Eine Freundin, die im Wendland wohnt, machte mit ihrem Hund einen Spaziergang im Walde so für sich hin. Alles war still, nur die Vögel zwitscherten. Dann erspähte sie in der Astgabel eines abgestorbenen Baumstumpfs etwas Weißes. Ah, dachte sie, ein Salzleckstein für die Rehe! Beim Näherkommen jedoch stellte sich heraus: Dort steckte eine schneeweiße Rolle Klopapier, mitten im Nirgendwo.

Zum Wochenausklang machen uns Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters Rotterdam Mut. Andrà tutto bene. Alles wird gut.

Verlierer, Gewinner und Menschen wie du und ich

Kerstin Eitner
Redakteurin

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