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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.13

Was ist drin? Nürnberger Oblaten-Lebkuchen „Meisterklasse“ von Weiss

Was in Nürnberger Oblaten-Lebkuchen steckt, entschlüsselt Annette Sabersky

Einst wurde der feine Nürnberger Leb­­­­kuchen aus Honig, Mehl, Nüssen, Orangeat, Eiern und Gewürzen gebacken. Heute ist er ein Industrie­produkt mit mehr als 30 Zutaten

Butter
Das Gebäck der absatzstarken Marke Weiss wird mit But­ter­­­reinfett hergestellt, ein Industrieprodukt, das durch Pasteu­risieren, Schmelzen, Kühlen, Separieren und Zentrifugieren von Butter gewonnen wird. Fast frei von Wasser, Ei­­weiß, Milchzucker und Mineralstoffen ist es knapp zwölf statt nur drei Monate haltbar.

Zucker
Ein Nürnberger Lebkuchen (29 Gramm) enthält umgerechnet vier Stück Würfel­zucker. Gleich meh­rere Sorten machen ihn süß: Haushalts­zucker, Glukose-Fruktose-Sirup, Sorbit, Dextrose, Glukose- und Invertzuckersirup. Andere Funktionen des Zuckers: Sorbit hält den Leb­kuchen monatelang frisch. Invertzucker­sirup macht Persipan, den billigen Ersatzstoff für Marzipan, geschmeidig. Im Orangeat werden Zucker und Orangenschalen durch Glukosesirup zusammengehalten.

Aber: Fruktose kann den Stoffwechsel stören, fördert die Fettleibigkeit und erhöht das Risiko von Herzkrankheiten. Zucker schädigt zudem bekanntlich die Zähne.

Kakao
Kakaomasse und -butter sind weder „bio“ noch Fair­trade-zertifiziert. Es kann nicht ausgeschlos­­sen werden, dass beim Anbau der Kakao­­bohnen Kinder ar­­bei­ten müssen, Wasser verschwendet und Pflanzenschutzmittel ge­­spritzt wird. Weiss und die Mutterfirma Lambertz arbeiten aber nach eigenen Angaben an einer Zertifizierung.

Zusätze
Auch wenn sie in der Zutatenliste nicht auftauchen, drin sind die E-Nummern dennoch: Emulgator Sojalezithin (E 322), Säuerungsmittel Zitronensäure (E 330), Verdickungsmittel Gummi ara­bicum (E 414), Feuchthaltemittel Sorbit
(E 420) und Backtriebmittel Natriumhydrogencarbonat (E 500). Zitronensäure greift den Zahnschmelz an, Sorbit wirkt abführend.

Der Teig enthält Ei in Form von Vollei­pulver, das im Sprühtrockner gewonnen wird. Es ist ohne Kühlung bis zu zehn Jahre haltbar. Die Eier stammen aus KAT-zertifizierter Bodenhaltung: Gen-Futter wird nicht verwendet, kranke Tiere werden separat behandelt. Mehr Platz haben die Hennen aber nicht: Neun Tiere teilen sich einen Quadratmeter.

Gentechnik
Der Hersteller versichert, dass weder bei den Rohstoffen noch bei der Herstellung und Verarbeitung der Zu­sätze Gentechnik im Spiel ist. Ein Label, das dies garantiert, trägt der Lebkuchen aber nicht.

Besser-Esser
Bio-Lebkuchen sind auch  recht   zuckrig,  ent­­halten  aber  meist  mehr Nüsse. Selberbacken – das ist die Devise.