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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.15

Wege aus der Plastikwelt

Gut abgefüllt
Die „Brunneneinheitsflasche“, auch als Perlenflasche oder einfach Sprudelflasche bekannt , wurde seit ihrer Einführung 1969 fünf Milliarden Mal hergestellt – obwohl sie rund 50-mal wieder befüllt wird. Einheitspfandflaschen sind eine tolle Erfindung: Nach der Rückgabe müssen sie nicht durchs ganze Land gekarrt werden wie die immer beliebteren Spezialflaschen. Vor allem regionale Brunnen, Brauer und Saftabfüller nutzen sie. Also zugreifen, wenn Sie eine der Einheitsflaschen sehen!

Snack-Schurken
Eigentlich verpackt die Natur Gurken schon perfekt: Ihre Schale schützt sie effektiv vor Austrockung. Trotzdem werden sie immer öfter eingeschweißt oder, wie bei Lidl, auf fast schon kriminelle Weise in eine Plastikbox gesperrt.

Plastiglomerat, das. (gr.-lat.)
Mischgestein aus Vulkangestein, Korallenfragmenten, Sandkörnern und geschmolzenen Kunststoffen. Entsteht zum Beispiel bei Kontakt von Strandgut und noch nicht vollständig abgekühlter Lava. Erstmals 2014 von der Geologin Patricia Corcoranan der Küste Hawaiis beschrieben. Könnte später als geologisches Zeugnis des Anthropozäns (der „Menschenzeit“) gelten.

Die Sache mit dem Getränke-„Karton“
Dreimal um die Erde reicht die Schlange der jährlich in Deutschland geleerten Tetra-, Elo- und SIG-Paks. Doch so nachhaltig wie oft behauptet sind sie nicht: Zu rund einem Viertel bestehen sie aus Plastik, bei lange haltbaren Produkten kommt Alu hinzu. Ein Stoffkreislauf ist trotz Grünen Punktes eine Illusion: In den Sortieranlagen wird das Papier zwar herausgelöst, es eignet sich aber nur für Altpapierprodukte geringer Qualität. Für neue Kartons fallen Bäume, vor allem in Schweden. Und das Plastik – wird verbrannt. 42 Prozent landen gar nicht erst im Gelben Sack. Die Deutsche Umwelthilfe, von der die Zahlen stammen, ist für eine Pfandpflicht.

Mindestens haltbar bis*
    2040    Plastiktüte
    2065    Styroporbecher
    2165    Wattestäbchen
    2415    Sixpack-Ringe
    2465    Plastikflasche
    2615    Angelschnur* Jahr, in dem der heute weggeworfene Gegenstand so weit zerfallen ist, dass er mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar ist

Tipps fürs Mülltrennen
Auspacken und einsacken

Verpackungen aus Kunststoff und Metall gehören in Gelbe Säcke und Tonnen, Altglas und Pappe natürlich nicht.
Scheiden tut not
Von Frischkäse und Joghurtbechern die Aludeckel abtrennen – das erhöht die Chancen für die Sortierung per Magnet.
Keine Manschetten haben
Aus dem gleichen Grund Pappmanschetten von Plastik-bechern abfummeln und ins Altpapier werfen.
Nichts für Warmspüler
Joghurtbecher und dergleichen nicht warm ausspülen, das zieht die Ökobilanz ins Minus. Auskratzen reicht.
Warten auf die Wertstofftonne
Spielzeug und Zahnbürsten im Gelben Sack heißen „intelligente Fehlwürfe“. Sie dürfen aber nur in „Wertstofftonnen“.

Großreinemachen im Pazifik
Boyan Slat, ein 21-jähriger Student aus Holland, hat einen Plan: Mit riesigen Schwimmbarrieren will er Plastikmüll aus den Ozeanen filtern. Zwei Millionen Dollar hat er über Crowdfunding schon für sein Projekt gesammelt, 2020 soll im Pazifik der erste Großeinsatz folgen. Zwar bezweifeln manche, dass das funktioniert. Slat feilt aber mit hundert freiwilligen Forschern an seinem Verfahren.
theoceancleanup.com

Wohlstandsmüll
In Europa gibt es ein bemerkenswertes Gefälle bei den kommunalen Abfällen: Je reicher das Land ist, desto mehr Müll verursachen die Menschen – Deutschland ist entsprechend vorne mit dabei. Mehr Geld, mehr Konsum, mehr Müll. Lässt sich diese Logik überwinden?

Kommunale Abfälle in Kilogramm pro Kopf 2013:

Dänemark 747
Deutschland 617
Frankreich 530
Italien 491
Spanien 449
Polen 297
Rumänien 272

350 Euro gibt jede/r Deutsche jährlich für Verpackungen aus