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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.10

„Weltkulturerbe schützen“

Die Folgen der Erderwärmung gefährden auch Kulturgüter. Ein Gespräch mit dem Restaurator Ralf Kilian vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Starker Regen und steigende Temperaturen setzen vielen Denkmälern und Kunstwerken zu. Welche leiden besonders unter dem Klimawandel? Jeder kennt natürlich Venedig, wo wertvolle Gebäude aus Marmor immer öfter überflutet werden und Schaden nehmen, und viele wissen, dass die Pyramiden in Ägypten von Erosion bedroht sind. Wir werden auch weniger bekannte Orte untersuchen, zum Beispiel Dorfkirchen in Spanien. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit wird an der Ostseeküste liegen. Auf Rügen hat etwa die Marienkirche, eine der ältesten Backsteinkirchen in Deutschland, innen enorme Probleme mit der Feuchtigkeit. Auch das ist eine direkte Folge des Klimawandels: Je wärmer die Atmosphäre, desto feuchter die Luft. So entstehen Schimmel und Algen, die nicht nur die Fresken zerstören, sondern auch aufwendig und teuer entfernt werden müssen.

Wie lässt sich der schleichende Zerfall verhindern? Das wollen wir herausfinden, indem wir umweltfreundliche Möglichkeiten der Konservierung suchen. Im Fall der Marienkirche müsste man die Innenräume besser klimatisieren. Inzwischen gibt es Lüftungssysteme, die nur 80 Kilowatt verbrauchen – so viel wie eine Glühbirne. Die Oberfläche der Pyramiden lässt sich möglicherweise imprägnieren, da gibt es bereits zahlreiche Erfolge.

Das alles klingt teuer. Wir wollen in den nächsten fünf Jahren – ähnlich wie der britische Ökonom Nicholas Stern – zeigen, dass es sich finanziell lohnt, Denkmäler und Kunstwerke zu erhalten. Was wir jetzt schützen, müssen wir später nicht teuer restaurieren. Unser kulturelles Erbe ist schließlich ein enormes Kapital, nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Identität der Menschen.    

Interview: Marlies Uken