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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.16

Wie Deutschland jetzt den Klimaschutz stärken muss

Text: Wolfgang Hassenstein

Der Jubel war groß, als sich die Weltgemeinschaft im Dezember erstmals auf einen globalen Klimaschutzvertrag einigte. Nun geht es an die Umsetzung. Um die Erwärmung auf „deutlich unter zwei“ oder gar 1,5 Grad zu begrenzen, müssen auch die Deutschen viel mehr tun

Der 12. Dezember 2015 könnte in die Geschichte eingehen – als jener Tag, an dem die Bewohner des Raumschiffs Erde den Grundstein für die Rettung ihres Planeten legten. Doch ob dies gelingt, ist noch längst nicht ausgemacht: Kritiker halten den Vertrag von Paris angesichts der Klimagefahren für viel zu weich. Die unzureichenden CO2-Reduktionszusagen der Länder für die Zeit nach 2020 sollen erst nachträglich überprüft und verschärft werden. Deutschland, dessen Energiewende weltweit bewundert wird, droht schon an seinem Minderungsziel für 2020 zu scheitern – es wäre ein fatales Signal. Wir zeigen, was jetzt passieren muss.

1  Den zügigen Kohleausstieg gesetzlich festschreiben
Nach dem Atom- muss Berlin den Kohleausstieg beherzt angehen. Der Energiesektor stößt mit Abstand am meisten CO2 aus, dabei geht es längst sauberer. Noch wird in großem Stil klimaschädlicher Strom exportiert – ein Skandal. Bis 2040 muss der letzte Kohlemeiler vom Netz.

2 Die Bürgerenergiewende retten und den Ökostromausbau beschleunigen
Die Bundesregierung setzt derzeit alles daran, die Erfolgsgeschichte der Bürgerenergiewende abzuwürgen, den Konzernen Vorteile zu verschaffen und den Wind- und Solarkraftausbau zu drosseln. Paris erfordert das Gegenteil.

3 Die Verkehrswende in den Städten einleiten
Mehr Platz für Fußgänger, Fahrräder, Kinder, Grün – das wollen immer mehr Menschen. Es kann aber nur klappen, wenn die Kommunen mutig sind und den Autos Platz wegnehmen. Tempo 30 muss zur Regel werden.

4 Die Mineralölsteuer erhöhen und Elektromobilität fördern
Wegen des niedrigen Ölpreises boomen Spritschlucker, Fluglinien melden Rekordgewinne. Die Politik muss die Gunst der Stunde nutzen: Mineralölsteuern rauf, mit den Einnahmen die Elektromobilität voranbringen – nicht nur Autos, vor allem die Bahn. Das überfällige Tempolimit auf Autobahnen wäre klimawirksam, billig und würde E-Autos und Züge im Wettbewerb stärken. Güter gehören auf die Schiene.

5 Die Effizienz-Potenziale voll ausschöpfen
Alle Szenarien zeigen: Nur wenn der Energieverbrauch sinkt, funktioniert auch der Klimaschutz. Doch die Gebäudesanierung und die Haushalte bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Intelligente Wärmedämmung und der Austausch alter Fenster und Heizkessel müssen steuerlich gefördert werden, die sparsamsten Geräte als „Top Runner“ den Maßstab setzen.

6 Die Agrarindustrie regulieren, den Fleischkonsum senken
Die Landwirtschaft, vor allem die Massentierhaltung, schadet dem Klima – durch Urwaldrodung fürs Futter, Düngerproduktion und Emissionen aus dem Stall. Nur strenge Auflagen, etwa beim Tierschutz, und damit höhere Preise können den Fleischkonsum drosseln.

7 Einen nachhaltigen Lebensstil pflegen – und aktiv werden
Das Klima geht nicht nur die Politiker, sondern alle an. Also: weniger, dafür bewusster konsumieren, fliegen, heizen. Und für ein gutes Klima auf die Straße gehen!