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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.16

Wie gut sind „Superfoods“ und welche lokalen Alternativen gibt es?

Text: Maike Ehrlichmann, Ernährungsberaterin

fragt Sonja Hochgesand aus Hamburg

Super Essen aus der Ferne ist vor allem superlukrativ für die Industrie. Ständig lockt neue Wundernahrung. Dabei hat jeder Kulturkreis supergesunde traditionelle Speisen.

1_Hirse statt Quinoa
Quinoa ist reich an Kieselsäure und hat ein gutes Maß an Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen. Diesen Gehalt an Kieselsäure hat die Hirse auch. Sie ist ein altes europäisches Getreide, das von Nährstoffen bis hin zu den Mineralstoffen sehr nah an Quinoa herankommt – und übrigens auch an Amaranth. Hirse ist außerdem wesentlich preiswerter als südamerikanische „Superfoods“. Man kann sie sich konsequent für jeden Tag leisten. Sie ist etwas Alltägliches und kein Luxusprodukt.

2_Haselnuss statt Avocado
Die Avocado ist wegen ihrer großen Menge an gesunden Fetten berühmt und beliebt. Mit rund zwanzig Prozent hat die „Butterfrucht“ den höchsten Fettanteil aller Früchte. Der besteht vor allem aus einfach ungesättigten Fettsäuren. Auch in der Haselnuss stecken davon eine Menge. Die Nuss enthält zwar etwas weniger Vitamine als die Avocado, aber die entscheidenden – B1, C und E – sind vorhanden, genauso wie Kalzium, Eisen und Eiweiß.

3_Leinsamen statt Chia
Chiasamen enthalten viele gute Fette wie auch Ballaststoffe. Dadurch regen sie die Verdauung an. Sie haben einen sehr großen Quellfaktor und bilden ein Gel, wenn man sie in Wasser legt. Weil sie Desserts ohne Gelatine ermöglichen, sind sie in der veganen Küche sehr beliebt. Aber Leinsamen haben ungefähr dieselben Eigenschaften – mit dem Vorteil, dass sie häufig aus Deutschland stammen und auch in Bioqualität erschwinglich sind, im Gegensatz zu Chia.

4_Rote Bete statt Gojibeere
Die Goji- und auch die Açaibeeren sind wegen ihrer blauroten Farbstoffe, der sogenannten Polyphenole, so gesund. Sie schützen die Zellen, indem sie freie Radikale einfangen. Aber sie finden sich auch in anderen blauroten Früchten wie der Brombeere, Hagebutte oder Pflaume. Der Farbstoff der Roten Bete ist gut erforscht: Er ist zell- und herzschützend. Rote-Bete-Drinks werden im Sport immer beliebter. Für die Industrie ist das Gemüse unattraktiv. Es lässt sich nicht in teuren Müsliriegeln vermarkten wie die importierten Superbeeren. Gut so! Denn dafür kann man mit Roter Bete einfache, preiswerte Gerichte kochen. Wunderbar schmeckt sie zum Beispiel als Backofengemüse mit Kartoffeln. Dazu nimmt man Quark, in den man Leinöl rührt.

5_Walnussöl statt Arganöl
Arganöl hat viele mehrfach ungesättigte Omega-6- und Omega-3-Fette, wobei für uns vor allem Omega-3 wichtig ist. In der Regel nehmen die Menschen in Deutschland davon zu wenig auf, weil es – wie etwa in Fisch – schnell verdirbt und daher von den Lebensmittelherstellern ungern eingesetzt wird. Walnussöl hat sogar einen viel höheren Omega-3-Anteil als Arganöl – Leinöl auch. Aber die Walnuss hat auch diesen sensationell nussigen Geschmack des Arganöls.