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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.16

Wilddiebe mitten in Deutschland

Text: Andrea Hösch

Heimische Vögel, Amphibien und Reptilien sind sehr begehrt. Deshalb bedienen sich Tierdiebe in der Natur und machen mit illegalen Wildfängen Millionengeschäfte

Sie räubern Nester aus, fangen mit Fallen und Netzen Vögel, Schildkröten, Frösche, Eidechsen und verschachern die Tiere an Sammler – Wilderer, nicht in Afrika, sondern mitten in Deutschland! Je bedrohter eine Art ist, umso begehrter ist sie – und teurer. Für eine Sumpfschildkröte kassieren die Plünderer schon mal 250 Euro, ein Eisvogelpaar kostet 800 Euro und streng geschützte Arten wie Schreiadler oder Bartgeier mehrere tausend Euro. „Kriminelle Tierdiebe machen in Deutschland jedes Jahr dreistellige Millionenumsätze“, schätzt Jürgen Hintzmann, Leiter der Stabsstelle für Umweltkriminalität in Nordrhein-Westfalen.

Als staatlicher Ermittler kämpft Hintzmann bislang allein auf weiter Flur. Angesichts der schwindenden Artenvielfalt wünscht er sich dringend Verstärkung in den anderen Bundesländern, denn „wir kennen nur die Spitze des Eisbergs“. Gegen das gut organisierte Netzwerk der professionellen Händler können die Strafverfolger bisher wenig ausrichten: Denn zum einen ist es schwierig nachzuweisen, ob ein Tier nicht doch aus Zuchtbeständen stammt. Zum anderen sind viele Behörden personell und fachlich überfordert. Menschen, die sich in der Natur selbst bedienen, fühlen sich bis heute relativ sicher, denn sie werden fast nie erwischt. Dabei handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt: Wer ein streng geschütztes Lebewesen einfängt oder gewerbsmäßig mit wild gefangenen Tieren handelt, kann wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.
Dokumentation über Tierdiebe unter: correctiv.org/recherchen/tierdiebe