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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.16

Wo liegen die Unterschiede zwischen dem EU-Bio-Siegel und denen der deutschen Bioverbände?

Text: Julia Graven

fragt Monika Engelhart aus Güntersleben

Die Vielzahl der Siegel und Markenlogos auf ökologisch produzierten Lebensmitteln ist verwirrend. Wir zeigen, wie sich die Bio-Label unterscheiden

Alle Ökoverbände müssen die EU-Bio-Vorgaben erfüllen. Zusätzlich haben sie eigene Richtlinien, die zum Teil deutlich strenger als die EU-Vorschriften sind:
• Betriebe müssen komplett auf bio umstellen
• weniger Einsatz von organischem Stickstoffdünger
• 50 Prozent des Futters müssen vom eigenen Hof oder Verbandsbetrieben aus der Region stammen
• weniger Tiere pro Fläche
• weniger Zusatzstoffe in Lebensmitteln
•Verbot von Nanopartikeln

Bioland
Größter Verband, strenge Regeln bei der Düngung, kein Fischmehl im Futter, Verbot von Nitritpökelsalz
Naturland
International aufgestellt, Vorreiter bei ökologischer Aquakultur, Sozialrichtlinien für Angestellte
Demeter
Ältester Verband, strengste Vorgaben, setzt auf anthroposophische Prinzipien, Demeter-Bauern müssen Tiere halten, Rinder werden nicht enthornt
Biokreis
Gegründet in Bayern, Anbaukulturen ohne Erde sind verboten, Futter muss von reinen Bio-Mühlen kommen
Biopark
Verband aus Mecklenburg-Vorpommern mit einigen Großbetrieben, viel Viehhaltung, Verbot von Fischmehl im Futter, keine
Anbindehaltung
Gäa
Vor allem in Ostdeutschland verbreitet, Schutz von Biodiversität, Ressourcen und Umwelt ist verbindlich geregelt, Bienenhaltung wird gefördert
Ecovin
Deutscher Verband ökologischer Weingüter mit 235 Mitgliedern, strenge Vorgaben bei Düngemitteln, Weinberge werden standortgerecht begrünt
Verbund Ökohöfe
2007 aus Gäa hervorgegangen, meist ostdeutsche Großbetriebe, Rinder weiden 100 Tage im Jahr, Anbindehaltung und Enthornung sind verboten
Ecoland
Verband aus Baden-Württemberg, viele Fleischerzeuger (etwa von „boeuf de Hohenlohe“), fördert Landschaftsschutz und Artenvielfalt

Die EU-Öko-Verordnung:
Bei Lebensmitteln mit dem EU-Biosiegel müssen mindestens 95 Prozent der Zutaten aus der ökologischen Landwirtschaft kommen. Auf dem Bioacker sind Kunstdünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verboten. In den Lebensmitteln sind weder Geschmacksverstärker noch künstliche Aromen, Farbstoffe oder Emulgatoren erlaubt. Zugelassen sind jedoch natürliche Aromen. Außerdem müssen die EU-Bio-Landwirte, anders als die in deutschen Anbauverbänden organisierten Bauern, nicht komplett auf ökologische Erzeugung umstellen.

Diese Warenzeichen gehen in einigen Punkten über das EU-Biosiegel hinaus:
Rapunzel
Keine Rieselhilfen, Aromen und synthetische Zusätze
Alnatura
Alle Zutaten aus biologischem Anbau, keine Enzyme, Ascorbin- oder Zitronensäure
Rewe Bio
Kein Hefeextrakt, keine zugesetzten Aromen, kein Transport per Flugzeug

Lebensmittel mit diesen Siegeln halten die EU-Öko-Verordnung ein: Deutsches Biosiegel, EDEKA Bio, Netto BioBio, Lidl Bio Organic, Penny Naturgut, Aldi Bio

Ungleiche Vorgaben:
Siegel Für fairen Handel

Fairtrade

Dieses Label vergibt der hiesige Marktführer für fair gehandelte Produkte aus Übersee. Bei Bananen, Säften oder Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel erhalten die Produzenten Mindestpreise für ihre Waren und Prämien für soziale Projekte vor Ort. Die Vorgaben und Kontrollen gelten als streng, die Umweltauflagen sind vergleichsweise gering. Allerdings tragen 80 Prozent der Fairtrade-Produkte zusätzlich ein Biosiegel.
Rainforest Alliance
Die Anforderungen der Rainforest Alliance an die sozialen Bedingungen beim Anbau und der Verarbeitung von Produkten wie Bananen, Kakao und Tee sind weniger streng als bei anderen Siegeln. Es müssen zwar grundlegende Arbeitsrechte eingehalten werden, jedoch sind weder ein Mindestpreis noch Prämien für soziale Projekte festgeschrieben. Auch die ökologischen Standards sind eher niedrig, und anders als bei Fairtrade tragen nur wenige Produkte mit dem grünen Frosch zusätzlich ein Biosiegel. Deswegen wird das Siegel oft als Feigenblatt der Industrie und des Handels kritisiert (siehe auch Frage 57).
UTZ
UTZ Certified zeichnet Kaffee, Kakao oder Tee aus, wenn bestimmte Umwelt- und Sozialstandards erfüllt sind. Die Auflagen sind aber auch hier nicht sehr hoch: Es gibt keine Mindestabnahmepreise für die Bauern. Die Zahlung von Prämien ist zwar vorgeschrieben, deren Höhe jedoch nicht festgelegt.