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Zu jung zum Wegsehen

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.15

Zu jung zum Wegsehen

Text: Julia Lauter Foto: Peter Breuer

Unabhängig davon, was auf der nächsten Klimakonferenz in Paris beschlossen werden wird – der Klimawandel verändert schon jetzt unsere Umwelt. Den größten Schaden werden die kommenden Generationen haben. Was erwarten Jugendliche von der Zukunft? Wir haben bei Schülern nachgefragt

Der Klimawandel wird kommen, doch die Folgen sind noch nicht so ganz abzusehen. Der Meeresspiegel steigt an, genauso wie die Temperaturen, die Zahl der Wetterkatastrophen und der ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis unser Planet ein unausstehlicher Ort geworden ist. Und wenn wir so weitermachen, darf jeder von uns es noch erleben.

Unsere verschiedenen Jahreszeiten können wir vergessen, zumindest stelle ich es mir so vor. Immer mehr Menschen werden in den Norden ziehen. Die ganze Weltbevölkerung rutscht ein Stück nach oben, da der untere Teil der Erdkugel mit seinen hohen Temperaturen zum Leben keinen Raum mehr bietet. Und im Norden wird es eng. Wenn in Zukunft acht Milliarden Menschen sich auf nur einer Erdhalbkugel befinden, ist es nicht mehr so einfach mit dem Essen und den Rohstoffen.

Die Menschen werden zunehmend egoistischer werden, jeder muss an sein eigenes Überleben denken. Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn die Ressourcen aufgebraucht sind? Charles Darwins Theorie zeigt bereits auf, dass im Tierreich nur das stärkste Tier überlebt. Also, warum sollten wir Menschen uns in Zukunft nicht genauso wie Tiere verhalten und einfach die Schwächeren ausbeuten, damit die Starken überleben? In diesem Überlebenskampf wird es nicht mehr auf humane Weise zugehen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird noch weiter auseinanderklaffen. Und wenn Unzufriedenheit herrscht, sind Menschen auch schneller gewaltbereit. Ich bin mir sicher: In solchen Situationen kann es schnell zu Kriegen kommen. Die Menschen werden einen Hass auf die Politiker haben, da sie wie immer die Schuld nicht bei sich selbst sehen werden. Es wäre auch möglich, dass damit die Demokratie zu Ende ist. Ich denke, keiner von uns will, dass es nur annähernd so weit kommt wie in diesem Text beschrieben. Aber es wäre zumindest denkbar. Deshalb muss jeder von uns den Klimawandel stoppen. Und da hilft schon, wenn jeder für sich mitmacht und anstatt mit dem Auto einfach mal mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt oder darauf achtet, woher sein Holz oder Essen kommt, damit keinen schützenswerten Gebieten wie zum Beispiel dem Regenwald Schaden zugefügt wird.
Anika Hasenmaile, 15 Jahre
Anika besucht die 11. Klasse eines Gymnasiums in Stuttgart. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Volleyball

Klimawandel ist eigentlich nicht aufzuhalten. Die Menschen werden älter und das Klima ändert sich. Es leben sehr viele Greise unter uns, die das Klima zum Negativen verändern.
Artur, 15 Jahre

Durch den vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2, durch Autos, Fabriken und so weiter wird der Treibhauseffekt verstärkt. Der natürliche Treibhauseffekt ist wichtig für die Erde, da es ansonsten zu kalt werden würde. Allerdings ist der anthropogene Treibhauseffekt schlecht, weil das Klima dadurch zu warm wird. Durch den Klimawandel schmelzen die Pole und Gletscher. Es werden Gebiete überflutet und Lebensräume zerstört.
Jasmin, 15 Jahre

Vor zwei Jahren ist mir der Klimawandel das erste Mal wirklich bewusst geworden. Es war der Abend der Klimakonferenz und wie jedes Mal zuvor sagte der Reporter in den Nachrichten, dass die Staats- und Regierungschefs zu keinem nennenswerten Ergebnis gekommen sind. Ich fragte mich, wie es sein kann, dass wir trotz der Nachricht, dass der Klimawandel alles zerstören kann, nichts dagegen tun. Trotz meiner Recherchen fällt es mir immer noch schwer, mir das Ausmaß eines solchen Wandels vorzustellen. Wahrscheinlich wäre er Gift für das zivile Leben. Es würde gigantische Flüchtlingswellen geben. Die Erde würde im Krieg um Lebensmittel und Land nachhaltig zerstört werden. Der Klimawandel ist für mich das Zeichen für den falschen Umgang mit unserem Gastgeber Erde, denn auch wir sind nur Gäste auf diesem Planeten. Aber wir verhalten uns nicht dementsprechend. Der Klimawandel ist nur ein Signal dafür, dass wir etwas an unserem Gast-Gastgeber-Verhältnis ändern müssen. Wenn wir ihn nicht rechtzeitig eindämmen, dann dürfte es die letzte Warnung sein, die wir noch mitbekommen.

Der Ball liegt auf der Seite der Regierungen. Diese müssen endlich handeln, damit nicht nur der Klimawandel gestoppt wird, sondern damit es endlich Klimagerechtigkeit auf diesem Planeten gibt. Leider ist das bis jetzt nur ein Wort, das im Lexikon steht, aber keineswegs eins, das einen realen Zustand beschreibt. Im Gegenteil. Obwohl in den Presseerklärungen der Regierungen das Wort immer noch ganz oben bei den Lieblingswörtern steht, sieht die Realität anders aus. Wohl eher Klima-Ungerechtigkeit wäre das Stichwort. Der Weg zu einer Welt, in der es Klimagerechtigkeit gibt, wird wohl nur ohne das Wirtschaftssystem Kapitalismus möglich sein, denn dieses sorgt für die Überforderung der Erde, für ökologisches Ungleichgewicht und schließlich auch für den Klimawandel. Die Wirtschaft verheizt mit Braunkohle unser Klima. Sie diktiert dem Markt neue Produkte, die nur einen Zweck haben: den Profit eines Unternehmens zu vergrößern. Das geht dann auf Kosten der Umwelt, denn der Verbraucher will alles schön billig und trotzdem komfortabel. Die Regierungen müssen endlich aufhören mit Klimakonferenzen, deren Sinn es ist, den Klimawandel auf dem Papier zu bekämpfen. Ein solches Problem kann man nicht auf dem Papier bekämpfen. Der Klimawandel hat eine tiefere Ursache als nur der Ausstoß von Kohlendioxid. Er ist ein Zeichen für eine falsche Wirtschaftspolitik. Die Grenzen der Erde haben wir bereits mehrfach überschritten. Deshalb müssen wir jetzt für kommende Generationen handeln, denn was die Erde über Milliarden von Jahren erschaffen hat, ist beeindruckender als jede technische Erfindung, die der Mensch je tätigen wird. Vielleicht ist es noch möglich, die verheerenden Folgen des Klimawandels abzuwenden, auch wenn dieser in vollem Gange ist. Aber wenn uns wirklich etwas an diesem Planeten liegt, dann sollten wir schnell damit anfangen, das Klima zu schützen.
Leonard Hepermann, 15 Jahre
Leonard besucht die 9. Klasse des Ruhr-Gymnasiums Witten und engagiert sich als Klimaaktivist. Er will die Bevölkerung für den Klimawandel sensibilisieren

Klimawandel ist ein großes Problem in der Welt, da das Klima sich die ganze Zeit ändert. Nein Quatsch, ich habe es mit etwas anderem verwechselt. Also, noch mal: Klimawandel ist, wenn sich das Klima ändert. Es gibt verschiedene Klimas wie zum Beispiel das Makroklima. Klima gibt es überall auf der Welt, es schwebt um uns, und wir leben damit. Manchen Menschen macht das Klima Probleme, denn wenn man immer nur auf ein Klima abgestimmt ist und nicht an andere gewöhnt ist, bekommt man Kopfschmerzen. Es ist sehr komisch und unerwartet, neue „Klimas“ in anderen Ländern oder Regionen kennenzulernen. Doch was kann man gegen dieses Unerwartete tun, das in uns aufkommt?
Celina, 15 Jahre

Als 15-Jährige kann ich sagen, dass ich persönlich was Schreckliches damit verbinde, denn das Klima hier mochte ich eigentlich sehr und wieso soll es sich dann verändern oder wandeln? In was verwandelt es sich denn? Die Frage werden viele erwachsene Menschen beantworten können, aber unsere Welt verbessern, in der wir leben, das können die Erwachsenen nicht.
Annika, 15 Jahre

„Notfalls eine Zeitmaschine bauen!“
Die jungen Darsteller der Hamburger Performancegruppe Hajusom setzen sich kritisch mit dem Zeitgeschehen auseinander. Viele von ihnen mussten aus ihren Heimatländern fliehen. Wir wollten wissen, wie sie über den Klimawandel denken

Wie verändert sich die Welt durch den Klimawandel?

Die Welt wird ziemlich trocken aussehen. Viele kahle Stellen, wie die Haare auf dem Kopf eines 40-jährigen Mannes. Ich kann mir vorstellen, dass es bis dahin aber Möglichkeiten geben wird, das Ganze künstlich nachzustellen.
Francesco, 19 Jahre

Die Erde war schon immer im Wandel. Also wird sie sich sicher weiterhin verändern. Leider haben wir diesen Prozess beschleunigt. Schade um die Menschen, die an den Küsten wohnen oder in der Wüste oder überall auf der Welt. Sicher wird es für sie schrecklich sein. Nur die Europäer werden sich auf das sonnigere Wetter freuen (die Schweine!).
Katalina, 21 Jahre

Die Erde ist unsere Mutter. Ich kann nicht ohne meine Mutter leben. Wir sollen auf die Erde, unsere Mutter, aufpassen.
Hamed, 20 Jahre

Wie sieht dann die Gesellschaft aus?

Die Gesellschaft ist wie ein wildes Tier geworden. Die Menschen kämpfen um ihr Leben, weil nicht nur die Klimaveränderung das Leben der Menschen beeinflusst, sondern auch die Kriege, durch die Menschen selbstverständlich zerstört werden.
Francesco, 19 Jahre

Ein Mensch kämpft bis zum Ende seines Lebens, um zu leben, egal wo, egal für was. Da spielt einfach nur die Hoffnung eine Rolle. Am Ende werden alle tot sein. Niemand redet, niemand fühlt Liebe.
Sahar, 21 Jahre

Aber wir können nur dann überleben, wenn wir gemeinsam um unser Wohlergehen kämpfen. Es sollte keinen Platz für egoistische Ärsche auf der Welt geben, sie sind das wahre Problem. Nicht die Umwelt, nicht die Natur!
Katalina, 21 Jahre

Die Menschen verhalten sich zuerst sehr schlecht zueinander, denke ich! Es gibt auch später Demokratien. Es gibt keine Grenzen mehr. Es gibt noch ein bisschen Krieg. Es gibt keine Liebe mehr, aber Familien.
Zahra, 17 Jahre

Wie stellst du dir dein Leben in dieser Zukunft vor?

Mir ist das egal. Andere Menschen sollen sich darum kümmern. Es reicht, wenn ich auf mein Verhalten achte – und gut is’. Alle dramatisieren, und wenn nicht, ist mir das auch egal!
Francesco, 19 Jahre

Als meine Mutter geheiratet hat, habe ich sie gefragt, warum wir unbedingt nach Deutschland zu ihrem Mann ziehen müssen. Sie hat gesagt, dass in der Zukunft ein großer Kampf um Kraftstoffe ausbrechen wird und in Europa würden wir sicherer sein als in Südamerika. Seitdem mache ich mir Sorgen um die Zukunft. Aber gleichzeitig bin ich sehr neugierig. Da diese „Zukunft“ so ungewiss ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als flexibel und wachsam zu sein.
Katalina, 21 Jahre

Ich habe keine Angst vor den Veränderungen und dem Klimawandel, da ich persönlich diesbezüglich hundert Prozent auf Gott vertraue, dass ich nicht „untergehen“ werde. Die Menschheit kann alles versuchen, um den Klimawandel zu stoppen, aber den entscheidenden Hebel werde nicht ich umlegen. Weder mit Spannung noch mit Gleichgültigkeit sehe ich diesen Veränderungen entgegen.
Sarah, 21 Jahre

Ich stelle mir vor, dass die Tiere und Pflanzen in unserer neuen Umwelt halb Auto halb Tier sein werden.
Soheil, 18 Jahre

Ich mache mir Sorgen um die Tiere und Pflanzen, weil wir Menschen jetzt nur an unser eigenes Leben denken, aber nicht an die anderen Lebewesen.
Aboubakar, 20 Jahre

Die Verursacher des Klimawandels werden die schlimmsten Auswirkungen nicht erleben. Wie findest du das?

Natürlich ist das scheiße... aber was kann ich denn dagegen tun? Ich versuche, nicht in ihre Fußstapfen zu treten. Notfalls eine Zeitmaschine bauen und diese Menschen abknallen!
Katalina, 21 Jahre

Ein guter Freund lud mich vor kurzem zum Grillen ein, er feierte seinen 18. Geburtstag. Und wie wir da zusammensaßen, kamen wir auf die wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen: Essen und Trinken. Doch können wir immer so weiter machen, mit Steak, Würstchen und Bier für alle? Wird das alles weiterhin für uns Millenniumskinder verfügbar sein? Wenn die Wetterereignisse extremer werden und jedes Kalb dazu beiträgt, dass die Gletscher kalben und der Treibhauseffekt stärker wird? Gut, Fleisch esse ich ja seit einem Jahr nicht mehr. Gibt ja genug anderes zu essen. Doch was das in Zukunft sein wird, diese Frage treibt mich seither um. Was werden wir säen, wenn es nicht klappt mit den schönen Klimazielen und die Temperaturen rapide steigen? Vielleicht wird es der „deutschen“ Kartoffel dann zu heiß hier, wir müssten uns von den geliebten Erdäpfeln auf unseren Feldern verabschieden. Wenn sich die Vegetationszonen nach Norden verschieben, wird das Nahrungssortiment im Supermarkt sicher nicht breiter werden. Die Ölpreise sind dann zu hoch, um Kiwis und Äpfel aus Neuseeland über die Weltmeere zu transportieren und die sonnigen Regionen in Südeuropa zu trocken, um weiterhin so viele verschiedene Arten von Paprika und Tomaten zu exportieren und damit meterlange Regalreihen zu füllen. Vielleicht werden stattdessen Datteln und Palmöl zum spanischen Exportschlager. Aber immerhin: Die Qual der Wahl zwischen den Mineralwasser-Sorten „still“, „medium“ oder „classic“ leiden wir nicht mehr. Wenn dann noch holländische Gärtner eine Zusatzausbildung zum Taucher brauchen, um ihre Gewächshäuser zu erreichen, dann werden wir wohl auf Tomaten „Made in Norway“ hoffen müssen. Und auch in Deutschland wird dann jeder Fetzen Land genutzt werden, um die Ausfälle an Agrarflächen im Rest der Welt zu kompensieren. Vielleicht sogar mit so extremen Mitteln wie in Christopher Nolans „Interstellar“, in dem Mais die einzige anbaubare Nutzpflanze ist. Sie dürfen mich nicht falsch verstehen, ich mag Mais. Dennoch hoffe ich, dass im Jahr 2057 zum 60. Geburtstagsfest im Garten etwas anderes als nur Maiskolben auf den Grill kommt.“
Vincent Welzel , 17 Jahre
Vincent lebt in Haussach im Schwarzwald und besucht die 12. Klasse des dortigen Gymnasiums