Guten Abend,

na, schon gebucht? Man darf ja jetzt wieder. Schon seit ein paar Wochen treibt, wie es in Medienberichten gern heißt, angeblich „ganz Deutschland“ eine Frage um: Was wird aus unserem Sommerurlaub? Schließlich steht dieser bei den Deutschen beinahe im Rang eines verfassungsmäßigen Rechts, und zwar unabhängig von der Erscheinungsform. Ballermann oder Bildungsreise, nah, halb oder ganz fern, Hauptsache weg.

Nicht alle Optionen sind dieses Jahr machbar (Kreuzfahrten) oder ratsam (USA, Russland, Brasilien). Immerhin, im Schengen-Raum und auch in anderen Regionen Europas entfallen die Grenzkontrollen wohl größtenteils ab Montag. Für Ballermann sieht es 2020 trotzdem eher schlecht aus. Die Balearen tasten sich erst mal vorsichtig an die Tourismussaison heran. Bis zu 10.900 Deutsche – nicht mal ein Prozent der Massen, die in der zweiten Junihälfte des letzten Jahres dort ihren Urlaub verbrachten – dürfen schon vor der offiziellen Eröffnung am 1. Juli ihre Lieblingsinsel Mallorca besuchen, gewissermaßen als Versuchskaninchen im Rahmen eines „Pilotprojekts“.

Das könnte ziemlich traumhaft werden, einerseits. Ohne allzu viele bárbaros del norte, Barbaren aus dem Norden, die mit der Oberbekleidung auch die Manieren ablegen und halbnackt Einlass in die Kathedrale von Palma begehren. Ohne Briten, die gern mal vom Balkon ihres Quartiers in den Pool springen oder das zumindest versuchen. Ohne Frühstücksbuffet im Hotel, ohne Currywurst in der Schinkenstraße und Sangria aus Zehn-Liter-Eimern. Dafür mit reichlich Abstand zwischen den Sonnenliegen. Und viel Platz am wunderschönen Strand Es Trenc, mitten im Naturschutzgebiet gelegen, schwer zu erreichen und trotzdem Anziehungspunkt für sehr, sehr viele.

So mag es aussehen, wenn man erst die Anreise überstanden hat. Klar, beim Warten, Einchecken und bei der Sicherheitskontrolle gilt der Mindestabstand von anderthalb Metern. Während des Fluges dürfen dann aber zumindest bei Lufthansa und Eurowings alle auf Tuchfühlung mit Sitznachbar oder -nachbarin gehen und müssen fest auf die Klimaanlage in der Kabine vertrauen. Das Entfallen des Duty-Free-Angebots an Bord lässt sich wohl verschmerzen, anderes wird schwieriger: Bei Ryanair muss man artig anfragen, ob man aufs Klo darf. Offenbar kein Scherz.

Andererseits: Alle, die in irgendeiner Form vom Tourismus leben, fragen sich, wie die Saison mit den neuen Regeln wohl verlaufen wird. Für viele Betriebe geht es ums Überleben. Es ist ein mentaler Spagat zwischen freudiger und banger Erwartung der Touristenströme, in Dörfern und Städten, auf Bergen und Hügeln, an Küsten und auf Inseln. Ja klar, Cafés und Restaurants sollen wieder florieren, Souvenirläden warten auf Kundschaft, Hotels und Ferienanlagen wollen vermieten, Surflehrer surfen lehren und Taxifahrer Taxi fahren.

Wie sehr ihnen der Turbotourismus aber eben auch auf den Geist ging, merkten viele Einheimische während des verordneten Stillstands der letzten Wochen. War es nicht herrlich ohne sich durch enge Gassen quetschende Menschenmassen? Die Orte so ruhig, die Strände so leer, das Wasser so klar und der Himmel so blau. Sogar Sylt habe etwas von seinem früheren Charme zurückgewonnen, versicherten mir hingerissene Freundinnen und Verwandte und belegten das mit entsprechenden Bildern. Weißt Du noch früher, im Frühling, Herbst und Winter? Als die Saison noch nicht das ganze Jahr dauerte? Oh ja. Aber wie kommt man aus der Übertourismus-Nummer wieder raus? Brutal abwürgen ist keine Lösung, sanft umsteuern erfordert viel Geduld, Ideen und Fingerspitzengefühl.

Da war doch noch was. Ach ja, das Klima! Wenn Sie jetzt noch mal das Greenpeace Magazin 6.19 durchblättern – Motto: Gute Reise! –, werden Sie verblüfft feststellen: Vieles von dem, was da drinsteht, lässt sich auf die derzeitige Situation anwenden. Wandern, Rad fahren, Mikroabenteuer, „Safari“ im Osten Deutschlands wären Alternativen nicht nur, aber auch in Coronazeiten. Übrigens, das im Heft beschriebene europäische Nachtzugnetz bekommt Zuwachs. Der private Bahnkonzern RDC schickt ab 4. Juli seinen „Alpen-Sylt-Nachtexpress“ auf Fahrt. Sicher klimaschonend und hoffentlich virenfrei.

2020 – anders reisen

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Was wohl die Tiere zur Rückkehr der Touristen sagen? Wir wissen es nicht, aber wir wissen, wie Vogelstimmen und Walgesänge klingen. Nachzuhören auf unserem CD-Set Tierstimmen, jetzt eine Woche lang 20 Prozent reduziert.

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