Greenpeace Magazin

Ausgabe 2.18

2.18 – Vorneweg

Die Globalisierung, liebe Leserinnen und Leser...

KS     ...kommt bei uns also als Wolf im Schafspelz daher.
KL     Ein Cover ist immer plakativ. Und das ist ja genau die Frage, der wir uns in dieser Ausgabe widmen: Ist die Globalisierung zu jeder Zeit eine Bedrohung, zumindest untergründig? Oder ist das nur ein Bild, das wir in uns tragen? Und wenn man mal etwas genauer hinguckt, sieht das hinter der Maske auf unserem Titel auch eher nach einem flauschigen Wölfchen aus. Sonderlich bedrohlich ist das nicht!
KS     Tatsächlich treibt viele Menschen ja gerade eher die Sorge um, ob die positiven Kräfte einer zusammenwachsenden Welt stark genug sind, sich gegen Nationalismus und Protektionismus zu behaupten.
KL     Das finde ich spannend: Die globalisierungskritische Bewegung entsteht vor zwanzig Jahren aus Angst vor der alles verschlingenden Macht der Märkte. Und jetzt fragen wir uns, ob wir im Trump-Zeitalter schon bald etwas von der Globalisierung vermissen könnten.
KS     Beides ist richtig. Das bringt auch der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in unserem Aufmachergespräch auf den Punkt: Die Globalisierung hat Schattenseiten. Aber wenn sie von der falschen Seite bedroht wird, ist das auch bedrohlich. Angesichts der Handgranate, die Donald Trump gerade in die Weltwirtschaftsordnung wirft, habe ich Stiglitz bei unserem Treffen wirklich beunruhigt erlebt.
KL     Gleichzeitig muss man doch sagen: Wenn sich alles ungehemmt weiterentwickelt, frisst die Globalisierung bald ihre Kinder. Die galoppierende Ungleichheit und die ökologischen Probleme bei gleichzeitig wachsender Mobilität: Mir bereitet das nach wie vor Bauchschmerzen.
KS     Greta Taubert hat das für uns mit der Geschichte über ihren Strumpfhosenfimmel eingefangen, ebenso David Owen mit seiner Reportage über Sand als rarer werdendes Gut. Da geht es um Ressourcenmangel und die Klimafolgen von Konsum ohne Nachhaltigkeit.
KL     Ich finde aber auch interessant, wie vielschichtig der Begriff ist, und dass die Globalisierung das Leben sehr vieler Menschen auf der ganzen Welt durchaus besser gemacht hat oder sehr bald besser machen könnte.
KS     Und nicht nur in den reichen Ländern! Nach allem, was wir im Vorfeld gelesen und diskutiert haben, scheint mir jetzt klar, dass der Zugang zum Weltmarkt für einen afrikanischen Baumwollbauern nicht immer ein Fluch sein muss, sondern, natürlich mit den richtigen Rahmenbedingungen, auch ein Segen sein kann.
KL     Noch etwas, habe ich bei der Arbeit an diesem Heft gelernt, spricht gegen die Verdammung der Globalisierung: Sie ist vor allem eine Tatsache. Viele ergehen sich ja manchmal in der Sehnsucht nach vorindustriellen Zeiten. Aber die Vernetzung von Kommunikation, von Waren- und Geldströmen – all das werden wir nicht rückgängig machen.
KS     Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Globalisierung weiterdenken! Dass wir uns fragen: Wie wollen wir morgen leben? Und wie müssen wir heute beginnen, für dieses Ziel die Welt zu verändern?
KL     Dafür geben wir in dieser Ausgabe auf über achtzig Seiten voll spannender Geschichten und starker Bilder Anregungen...
KS     ...und weil Qualität ihren Preis hat, auch bei Herstellung und Versand, kostet das Abo für das gedruckte Magazin nun im Jahr den Gegenwert einer Packung Müsli mehr, nämlich ab jetzt 38,50 Euro.
KL     Das hat auch damit zu tun, dass wir entgegen dem Branchentrend unsere Reporter, Fotografen und Grafiker weiterhin fair bezahlen wollen...
KS     ...um – ganz in Ihrem Sinn, liebe Leserinnen und Leser – auch in Zukunft mit den Besten zusammenarbeiten zu können.

Eine inspirierende Lektüre wünschen Ihnen die Chefredakteure
Kerstin Leesch & Kurt Stukenberg