Greenpeace Magazin

Ausgabe 3.17

3.17 – Vorneweg

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Die Biomilch, den Apfel aus der Region und das gesunde Vollkornbrot auf das Förderband der Supermarktkasse zu legen, beruhigt das Gewissen. Sogar noch ein bisschen mehr, wenn sich davor und dahinter die Fertiggerichte und in Plastik eingeschweißte Importware der anderen Kunden stapeln. Es stellt sich das behagliche Gefühl ein, die bessere Kaufentscheidung getroffen zu haben, mit dem eigenen Konsum etwas Gutes zu tun. Das gilt besonders für Fleisch. Regelmäßig gibt in Umfragen eine stattliche Mehrheit der Deutschen an, strengere Tierschutzstandards in der Landwirtschaft zu befürworten und dafür einen höheren Preis zahlen zu wollen.

Allein: Sie tut es nicht. Zehn Jahre ist es her, dass der Begriff des „strategischen Konsumenten“ hierzulande in Mode kam. Er beschreibt einen Verbraucher, der durch bewussten Einkauf nur die besonders nachhaltigen Hersteller unterstützt. Die Bürger würden mit ihrer Nachfrage für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen sorgen, ohne auf die behäbigen Regulierungsbemühungen der Politik warten zu müssen, so die Hoffnung. Doch noch immer ist Bio ein Nischensegment, für das der Durchschnittsverbraucher gerade einmal 97 Euro pro Jahr aufwendet. Strenge Gesetze, die vor allem in der konventionellen Tierhaltung das Leben der Hühner, Rinder und Schweine verbessern, und Politiker, die sie umsetzen, sind also gefragter denn je. Mit diesem Anspruch haben vor einigen Jahren die ersten grünen Landwirtschaftsminister in den Agrarstaaten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ihr Amt angetreten.

Unser Autor Andreas Weber hat in der Titelgeschichte eine vorläufige Bilanz ihrer Regierungszeit gezogen und dabei vor allem zweierlei gelernt: Progressive Politik kann spürbar etwas bewegen, braucht aber einen langen Atem. Und das Bild des skrupellosen Tierquälers wird vielen engagierten Bauern auch in der konventionellen Landwirtschaft nicht gerecht. Die ganze Geschichte über die komplexe Realität in deutschen Ställen und wie wir das Leben der Tiere jetzt endlich verbessern, lesen Sie in dieser Ausgabe.

Die Biene ist weit mehr als eine emsige Honigproduzentin. Mit der Bestäubung von Kulturpflanzen erbringt sie gewaltige Leistungen für unsere Ernährung – und damit auch für Gesundheit und das Wohlergehen des Menschen. Warum behandeln wir sie dann bloß so stiefmütterlich? Durch ausufernde Mais- oder Raps-Monokulturen und zu häufiges Abmähen der Wiesen setzen wir sie auf Zwangsdiät; Ackergifte geben ihr den Rest. Wenn Bienen sterben, weil sie nichts mehr zu essen finden, dann ist das alarmierend: Ernteausfälle wären die Folge, Obst und Gemüse würden unerschwinglich. Schon aus reinem Eigennutz sollte uns das nicht egal sein. Das Greenpeace Magazin huldigte der fleißigen Arbeiterin schon mit dem mehrfach preisgekrönten Buch „Die Biene – Eine Liebeserklärung“, bereichert ihren Speiseplan mit dem Saatgut „Bienenmenü“ und den ihrer Liebhaber mit leckerem Wald- und Blütenhonig. Ab dieser Ausgabe lassen wir außerdem 20 Quadratmeter Ackerfläche pro neu abgeschlossenem Abonnement bunt erblühen. Dafür kooperieren wir mit dem Netzwerk „Blühende Landschaften“ und Bauer Hauke Hinz aus Kleve in Schleswig-Holstein. Lesen Sie hier alles zu unserer neuen Prämie.

Eine inspirierende Lektüre wünschen Ihnen die Chefredakteure
Kerstin Leesch und Kurt Stukenberg