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ratgeber / 03.Sep 2015

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Fr, 2015-09-04 11:08
Arnheim (dpa)

Affe bringt Drohne zum Absturz Von Silvia Kusidlo, dpa

Schimpansen sind clever - auch bei der Abwehr von «Eindringlingen». Selbst eine Drohne können sie binnen kurzer Zeit vom Himmel holen.

Arnheim (dpa) - Ein Schimpanse hat eine Drohne in einem Zoo in den Niederlanden gezielt zum Absturz gebracht. Eine Filmcrew wollte mit dem kleinen Fluggerät Aufnahmen aus der Luft von einer Affengruppe im Royal Burgers' Zoo in Arnheim machen. Doch Weibchen Tushi brachte die Drohne kalkuliert zur Strecke: Sie kletterte auf ein Gerüst und attackierte mit einem fast zwei Meter langen Zweig das Flugobjekt.

Ein Bericht dazu ist jetzt in der Zeitschrift «Primates» (Wissenschaftsverlag Springer) erschienen; der Absturz ereignete sich bereits im April. Jan van Hooff und Bas Lukkenaar vom Royal Burgers' Zoo sehen diesen Vorfall als weiteren Beweis dafür, dass Schimpansen vorausschauend Werkzeuge nutzen können - auch als Waffen. Die Schimpansen fackeln dabei nicht lange und nutzen als Hilfsmittel, was immer ihnen zwischen die Finger kommt, teilte der Verlag mit.

Bereits bei einem Testlauf erweckte die Drohne die Aufmerksamkeit der Schimpansen: Manche schnappten sich Weidenzweige vom Boden. Vier der Tiere erklommen so bewaffnet ein Klettergerüst in der Nähe der Drohne. Dieses Verhalten sei für Schimpansen eher untypisch.

Als die Aufnahmen begannen, zoomte die Kamera auf die beiden Weibchen Tushi und Raimee: Sie saßen immer noch auf dem Holz-Gerüst und hielten Zweige in den Händen, die etwa 180 Zentimeter lang waren. Tushi schwenkte ihren Zweig zweimal durch die Luft - der zweite Streich holte die Drohne auf den Boden und zerstörte sie, wie die letzten Filmaufnahmen zeigen. Vor und während des Hiebs schnitt das Tier, das 1992 in der Gruppe zur Welt kam, Grimassen.

Obwohl ihr Gesicht ihre Anspannung verriet und sie ihre Zähne bleckte, zeigte Tushi den Forschern zufolge keinerlei Anzeichen von Furcht. Daraus - so die Studie - kann man schlussfolgern, dass sie mit Absicht auf die Drohne einschlug, nicht aus Reflex.

«Die Benutzung eines Stocks als Waffe war eine in diesem Kontext einzigartige Handlung», kommentierte van Hooff. «Sie schien sehr durchdacht.» Lukkenaar ergänzte: «Diese Begebenheit liefert uns weitere Anzeichen, dass Schimpansen die Benutzung von Werkzeug vorausplanen.» Nach dem Absturz inspizierten die Schimpansen die Drohne und warfen sie herum, bis sie das Interesse daran verloren.

Immer wieder verblüffen Schimpansen mit ihren Fähigkeiten, auch in der Wildnis. Sie können zum Beispiel mit ihren Zähnen Äste anspitzen und gehen damit auf Jagd nach kleinen Primaten. In einer Region im Senegal nutzten vor allem die Weibchen solche Waffen, berichteten Forscher im Fachblatt «Royal Society Open Science». In Guinea beobachteten Wissenschaftler, wie wilde Schimpansen Blätter im Mund zerknitterten, um sie als Schwamm zu gebrauchen: Mit dem Löffelersatz kamen die Affen an vergorenen Palmensaft heran, heißt es im gleichen Fachblatt. Im Durchschnitt enthielt das süffige Getränk 3,1 Prozent Alkohol. Nach dem Gelage legten sich viele Tiere schlafen.

Fr, 2015-09-04 11:31
Berlin (dpa)

Beamtenbund: Öffentlichen Dienst für Flüchtlinge aufstocken

Berlin (dpa) - Der Beamtenbund (dbb) hat 10 000 zusätzliche Beschäftigte im öffentlichen Dienst für die Integration und den Umgang mit den Flüchtlingen gefordert. Neben den geplanten 2000 zusätzlichen Stellen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) seien etwa über 1000 neue Stellen allein bei der Bundespolizei nötig, sagte der dbb-Vorsitzende Klaus Dauderstädt am Freitag in Berlin. Gebraucht werde auch zusätzliches Personal in den Kommunen, um etwa Kitas und den Sozialbereich ausreichend auszustatten. Gestärkt werden müssten auch Jobcenter und Gesundheitsämter.

Bis zusätzliches Personal eingestellt werde, seien rasche Zwischenlösungen nötig. So könnten noch mehr Ruheständler befristet reaktiviert werden. «Wir haben eine hohe Motivation der Beschäftigten», sagte Dauderstädt. Flexibilität, Engagement und die Bereitschaft zu Überstunden seien angesichts der großen Herausforderungen an vielen Stellen im öffentlichen Dienst zu finden.

Fr, 2015-09-04 11:45
Al-Arisch (dpa) 

Sechs Friedenssoldaten bei Explosion im Sinai verletzt

Al-Arisch (dpa) - Bei einer Bombenexplosion auf der Sinai-Halbinsel sind am Freitag sechs internationale Friedenssoldaten verletzt worden. Das gaben die ägyptischen Sicherheitskräfte bekannt. Der Sprengsatz detonierte in der Nähe des Stützpunkts der internationalen Beobachtertruppe MFO in Al-Gora.

Die Herkunftsländer der Soldaten wurden zunächst nicht mitgeteilt. Zur MFO (Multinational Forces of Observers) gehören Soldaten und Beobachter, die auf dem Sinai die Umsetzung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages von 1979 überwachen.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

Außerdem Interessant

New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Fr, 2015-09-04 11:55
Wladiwostok (dpa)

Putin schmiedet Pläne für Bündnis gegen Islamischen Staat

Russland will Regierungen in Nahost und im Westen im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat an einen Tisch bringen. Dafür wirbt Kremlchef Putin in Gesprächen mit US-Präsident Obama und weiteren Staatschefs. Will Russland auch militärisch eingreifen?

Wladiwostok (dpa) - Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak schmiedet Kremlchef Wladimir Putin Pläne für eine internationale Koalition. Darüber habe er unter anderem mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat gesprochen, sagte der russische Präsident bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok an der Pazifikküste am Freitag. Bislang sei es jedoch verfrüht, von einem Kampfeinsatz russischer Soldaten gegen den IS zu sprechen, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.

«Wir wollen eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus und Extremismus gründen», betonte Putin. Dafür habe er auch mit den Führungen in der Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten gesprochen.

Putin will auch die syrische Armee an dem Bündnis gegen den IS beteiligen. Dies stößt vor allem bei der vom Westen unterstützten Opposition des Bürgerkriegslandes auf scharfe Kritik. Russland gilt als enger Partner des Präsidenten Baschar al-Assad. Der Kremlchef verwies darauf, dass Moskau Damaskus im Bürgerkrieg mit Waffen und der Ausbildung von Soldaten unterstütze. Es handele sich um Rüstungsverträge, die bereits vor fünf bis sieben Jahren unterschrieben worden seien.

Russland prüfe verschiedene Möglichkeiten zur Bekämpfung des IS. Einen Gefechtseinsatz von Soldaten schloss er zwar nicht ausdrücklich aus, doch stehe das Thema noch nicht auf der Tagesordnung, betonte Putin. Der Kreml hatte zuvor israelische Medienberichte dementiert, wonach Russland die Absicht habe, Militärflugzeuge zur Bekämpfung des IS nach Syrien zu schicken.

Die radikale Sunnitenstreitmacht hat in weiten Teilen Syriens und des Iraks ein Kalifat ausgerufen. US-geführte Luftangriffe auf IS-Stellungen in beiden Staaten kritisierte Putin. «Die Effektivität dieser Luftangriffe ist gering», meinte er.

Fr, 2015-09-04 11:37
Mainz (dpa)

Scharfe SPD-Kritik am Chef des Flüchtlings-Bundesamtes

Mainz (dpa) - In der SPD wächst die Kritik am Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt. Der Behördenchef war am Freitag bei der Klausur der SPD-Bundestagsfraktion in Mainz zu Gast. Teilnehmer der Sitzung berichteten der Deutschen Presse-Agentur, Schmidt habe einen wenig überzeugenden Auftritt hingelegt. Es sei ziemlich erstaunlich, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) noch nicht erkannt habe, dass sein Spitzenbeamter Schmidt ein «Totalausfall» sei, hieß es aus SPD-Kreisen.

Minutenlang habe der BAMF-Chef ohne ein Wort der Selbstkritik versucht, die Fehleinschätzungen und Probleme in seiner Behörde zu rechtfertigen. Das BAMF sah - trotz früher Warnungen aus den Ländern - über Monate das Anwachsen der Flüchtlingszahlen auf bis zu 800 000 Menschen nicht kommen. Schmidt habe sich verteidigt, wer Flüchtlingszahlen mit der Glaskugel vorhersagen könne, den stelle er sofort ein.

Derzeit sollen bei der Behörde über 250 000 unbearbeitete Asyl-Anträge auf Halde liegen. Die Bearbeitungszeit beträgt im Schnitt 5,4 Monate - in den Niederlanden sind es in vielen Fällen nur acht Tage. Schmidt kündigte vor den SPD-Abgeordneten an, in diesem Jahr würden noch 200 000 Asyl-Anträge entschieden. Im Mai hatte die Politik beschlossen, dass die Nürnberger Behörde 2000 Extra-Stellen bekommt. Kritiker monieren, es dauere zu lange, bis die neuen Leute eingearbeitet seien, um sich um Asylverfahren zu kümmern. Nach Schilderung von Schmidt gibt es momentan über 9000 Bewerbungen.

Fr, 2015-09-04 11:13
Bonn (dpa)

UN-Klimakonferenz in Bonn kommt kaum voran

Bonn (dpa) - Trotz des jüngsten Bekenntnisses von US-Präsident Barack Obama zum Klimaschutz kommt die UN-Klimakonferenz in Bonn nur stockend voran. Die Konferenz hat den Auftrag, den Text für das Klimaabkommen zu formulieren, das beim Weltklimagipfel im Dezember in Paris beschlossen werden soll. Präsident Obama hatte in dieser Woche in Alaska zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen.

Der Klimaexperte der Hilfsorganisation Oxfam, Jan Kowalzig, kritisierte am Freitag in Bonn: «Die Verhandlungen sind unerträglich langsam - bleibt es bei dem Tempo, bekommen die Minister in Paris ein unfertiges Abkommen vorgelegt, das sie dann überstürzt zurechtschustern müssen.» Die Bonner Konferenz geht an diesem Freitag zu Ende.

Fr, 2015-09-04 11:18
Ritterhude (dpa) 

Explosion im Wohngebiet: «Wir standen vor dem Nichts» Von Irena Güttel, dpa

Mitten in einem Wohngebiet explodiert vor einem Jahr im niedersächsischen Ritterhude eine Chemiefabrik. Viele Familien verlieren ihr Zuhause. Die meisten Schäden sind inzwischen beseitigt - die Ursachen des Unglücks aber noch immer unklar.

Ritterhude (dpa) - Vor einem Jahr zerbricht die Welt um Silvia Schwark in Tausend Scherben. Sie will gerade ins Bett gehen, erschöpft, aber zufrieden nach einem anstrengenden Tag: Ihr Haus ist nun endlich fertig renoviert. «Dann macht es auf einmal Peng und alle Fenster kommen mir entgegen», erinnert sie sich. Mit einem ohrenbetäubenden Knall fliegt die Chemiefabrik auf der gegenüberliegenden Straßenseite in die Luft. Danach ist für die Anwohner der Kiepelbergstraße im niedersächsischen Ritterhude nichts mehr, wie es war.

Die Explosion ist bis ins nahe gelegene Bremen zu hören. Stundenlang kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen. Ein Mitarbeiter der Entsorgungsfirma für Chemieabfälle stirbt später an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Druckwelle beschädigt rund 40 Häuser. Zahlreiche Familien verlieren vorrübergehend ihr Zuhause.

Ein Jahr später: Fast alle Spuren der Verwüstung sind beseitigt, die Trümmer auf dem Fabrikgelände so gut wie abgetragen. Fast alle Anwohner sind in ihre Häuser zurückgekehrt - vergessen aber können sie das Unglück nicht. «Für uns ist es wichtig, dass die Leute, die uns das eingebrockt haben, bestraft werden», sagt Uwe Vanester. Mit seiner Nachbarin Silvia Schwark sitzt er in seinem Wintergarten.

An die Explosion am 9. September 2014 und die Minuten danach kann Vanester sich nicht erinnern - umso präsenter sind ihm die Monate danach. Erst lebten er und seine Frau im Wohnmobil, dann auf einer Baustelle. «Man hat nur noch funktioniert», sagt er. «Wir standen vor dem Nichts», ergänzt Nachbarin Schwark. «Wir hatten kein Haus mehr, keine Autos, keine Sachen.»

Dass sie nun langsam in ihr normales Leben zurückkehren können, wollen Vanester, Schwark und andere Nachbarn am 12. September mit einem Straßenfest feiern. Dort wollen sie auch den vielen Helfern danken, die ihnen eine Unterkunft besorgt, mit ihnen Kisten gepackt, geputzt und renoviert haben. «So eine Krise schweißt zusammen», sagt Bürgermeisterin Susanne Geils, «hinterlässt aber auch Spuren».

Vor allem die vielen offenen Fragen beschäftigen die Ritterhuder. Dass es in der Vergangenheit schwere Versäumnisse bei dem Unternehmen und den Aufsichtsbehörden gab, steht nach einer Untersuchung des niedersächsischen Umweltministeriums inzwischen fest. Doch was genau zur Explosion führte, ist noch immer nicht geklärt. Die Ermittlungen werden nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft voraussichtlich noch Monate dauern.

Auch wie es mit dem Gelände der Fabrik weitergeht, ist noch offen. Eine neue Produktionsstätte will der Eigentümer dort nicht mehr bauen, denkt aber über ein Verwaltungsgebäude nach. Geht es nach Vanester und Schwark, soll besser ein reines Wohngebiet entstehen. Damit es ein richtiger Neuanfang werde, sagen sie.

Fr, 2015-09-04 10:54
Berlin (dpa)

Neues Land, neues Glück: Prominente Flüchtlinge in Deutschland

Berlin (dpa) - So mancher Flüchtling, der Zuflucht in Deutschland fand, wurde später berühmt. Einige Beispiele:

NEVEN SUBOTIC: Der Fußballer floh 1990 mit seiner Familie aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland. Im Jahr 1999 lief die Aufenthaltserlaubnis ab. Subotic zog in die USA, erhielt aber einen Vertrag beim FSV Mainz 05 und kam als 17-Jähriger allein nach Deutschland zurück.

YARED DIBABA: Der heute 46-jährige Moderator floh 1979 aus Äthiopien, wo zu dieser Zeit Bürgerkrieg herrschte, nach Deutschland. Dibaba lernte nicht nur Deutsch, Französisch und Englisch - sondern auch noch Plattdeutsch, Oromo und Amharisch, die Sprachen seiner Familie.

JASMIN TABATABAI: Die Schauspielerin und Musikerin (48) floh im Dezember 1978, wenige Monate vor dem Sturz des Schahs, aus dem Iran nach Deutschland. Sie schrieb über ihre Familie zwischen Persien und Deutschland das Buch «Rosenjahre» (2010).

LENA GORELIK: Die Schriftstellerin kam 1992 mit ihren Eltern als jüdischer Kontingentflüchtling aus Russland nach Deutschland. Zunächst lebte sie in einem Asylbewerberheim. Ihre Erfahrungen als neue Deutsche beschrieb sie in ihrem Erstlingswerk «Meine weißen Nächte» (2004).

FATMIRE BAJRAMAJ: Die Fußballerin trägt seit ihrer Heirat 2013 den Nachnamen Alushi. Sie wurde - unter ihrem Mädchennamen - zweimal Europameisterin, Weltmeisterin und Champions-League-Siegerin. 1992 war ihre Familie aus dem Kosovo nach Deutschland geflohen.

SASA STANISIC: Der Schriftsteller schrieb seinen Roman «Vor dem Fest», mit dem er 2014 den Leipziger Buchpreis gewann, nicht in seiner Muttersprache. Zusammen mit seinen Eltern war er 1992 als Kriegsflüchtling von Bosnien nach Deutschland geflohen.

Fr, 2015-09-04 10:21
Genf (dpa)

UN-Kommissar: EU sollte 200 000 Flüchtlinge auf Staaten verteilen

Mit wachsender Sorge wird bei den UN der Streit der Europäer über die Aufnahme von Flüchtlingen verfolgt. Nun ruft der zuständige UN-Kommissar die EU zu Solidarität und Verantwortungsbewusstsein auf.

Genf (dpa) - Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, hat an die EU appelliert, sich auf Verteilung von bis zu 200 000 Flüchtlingen auf die Mitgliedstaaten nach verbindlichen Quoten zu einigen. Zugleich müssten ausreichende Erstaufnahmezentren geschaffen werden, forderte Guterres in einer am Freitag in Genf veröffentlichten Erklärung.

«Solidarität kann nicht allein in der Verantwortung einiger weniger EU-Staaten liegen», erklärte der UN-Hochkommissar mit Blick auf das EU-Außenministertreffen zur Flüchtlingskrise in Luxemburg. Insbesondere Griechenland, wo der größte Teil der Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisenländern wie Syrien, dem Irak und Afghanistan ankämen, brauche Hilfe.

Die EU müsse «dringende und mutige Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu stabilisieren». Danach komme es darauf an, Wege zu finden, um mittelfristig die Zuständigkeiten für die Bewältigung der Flüchtlingskrise fair zu teilen. «Die EU muss bereit sein, mit der Zustimmung und Unterstützung der direkt betroffenen Regierungen - vor allem jener von Griechenland, Ungarn und Italien - adäquate Kapazitäten für die Erstaufnahme, Unterstützung und Registrierung zu schaffen.»

Von eine fehlenden gemeinsamen Reaktion Europas würden einzig und allein Schlepper und Menschenschmuggler profitieren. Eine stärkere internationale Kooperation beim Kampf gegen Schlepperbanden sei unbedingt nötig.

Zugleich müssten all jene Migranten, die nicht auf internationalen Schutz angewiesen sind und keine Aussicht auf legale Einwanderung haben, Unterstützung für eine rasche Rückkehr erhalten. Dies müsse unter voller Respektierung ihrer Menschenrechte erfolgen.

Insgesamt hätten in diesem Jahr bereits mehr als 300 000 Menschen bei gefährlichen Bootsfahrten über das Mittelmeer ihr Leben riskiert, mehr als 2600 seien dabei umgekommen - unter ihnen der erst drei Jahre alte syrische Junge Aylan. «Nachdem sie Europas Küsten oder Landgrenzen erreicht haben, erleben die Menschen auf ihrer weiteren Reise chaotische Zustände, erdulden Erniedrigungen, Ausbeutung und Gefahren», kritisierte der UN-Hochkommissar. Zugleich lobte er «die selbstlose Großherzigkeit vieler Bürger und Hilfsorganisationen».

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2015-09-04 10:31
Stuttgart (dpa) 

Bosch-Spartenchef: CO2-Ziele ohne Verbrennungsmotor nicht erreichbar

Stuttgart (dpa) - Die Autoindustrie wird nach Einschätzung von Bosch-Kfz-Spartenchef Rolf Bulander noch über Jahre hinaus auf den klassischen Verbrennungsmotor setzen müssen. «Nur mit verbesserten Diesel- und Benzinmotoren können wir die CO2-Ziele der EU erreichen», sagte der Chef des Kfz-Geschäfts bei dem Technologie-Konzern der Deutschen Presse-Agentur. Mit den noch kleinen Stückzahlen von Hybridmotoren, die klassischen Verbrenner und E-Antrieb vereinen, sei das von der EU für 2021 ausgegebene Ziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer für die Flotten der Hersteller nicht zu schaffen.

Bei den Verbrennermotoren gebe es noch entscheidende Fortschritte, so Bulander. Vor allem in der Subkompaktklasse und Kompaktklasse seien solche Maßnahmen notwendig, um CO2-Ziele zu erreichen. «Bei großen Fahrzeugen müssen diese Maßnahmen teilweise mit einer Elektrifizierung ergänzt werden, um die CO2-Ziele zu erreichen.»

«Ein optimierter Turbolader bringt beispielsweise zwei bis drei Prozent Einsparungen, der elektronische Horizont zehn Prozent und ein aktives Fahrpedal noch einmal ein paar Prozent», sagte Bulander. Mit Benzin-Direkteinspritzung sinke der Verbrauch um 15 Prozent - und mit diesen Systemen seien in Europa 2016 erst 50 Prozent der Benziner ausgestattet. Oft sei es so, dass die Lösungen mit zunehmender Finesse anspruchsvoller und damit tendenziell teurer würden, räumt der Bosch-Spartenchef ein. «Mindestens die nächsten 10 bis 15 Jahre werden wir nicht Elektromotor «oder» Verbrennungsmotor sagen, sondern «und».»

Fr, 2015-09-04 10:58
Arnheim (dpa)

Affe bringt Drohne zum Absturz - neu: andere Studien Von Silvia Kusidlo, dpa

Schimpansen sind clever - auch bei der Abwehr von «Eindringlingen». Selbst eine Drohne können sie binnen kurzer Zeit vom Himmel holen.

Arnheim (dpa) - Ein Schimpanse hat eine Drohne in einem Zoo in den Niederlanden gezielt zum Absturz gebracht. Eine Filmcrew wollte mit dem kleinen Fluggerät Aufnahmen aus der Luft von einer Affengruppe im Royal Burgers' Zoo in Arnheim machen. Doch Weibchen Tushi brachte die Drohne kalkuliert zur Strecke: Sie kletterte auf ein Gerüst und attackierte mit einem fast zwei Meter langen Zweig das Flugobjekt.

Ein Bericht dazu ist jetzt in der Zeitschrift «Primates» (Wissenschaftsverlag Springer) erschienen; der Absturz ereignete sich bereits im April. Jan van Hooff und Bas Lukkenaar vom Royal Burgers' Zoo sehen diesen Vorfall als weiteren Beweis dafür, dass Schimpansen vorausschauend Werkzeuge nutzen können - auch als Waffen. Die Schimpansen fackeln dabei nicht lange und nutzen als Hilfsmittel, was immer ihnen zwischen die Finger kommt, teilte der Verlag mit.

Bereits bei einem Testlauf erweckte die Drohne die Aufmerksamkeit der Schimpansen: Manche schnappten sich Weidenzweige vom Boden. Vier der Tiere erklommen so bewaffnet ein Klettergerüst in der Nähe der Drohne. Dieses Verhalten sei für Schimpansen eher untypisch.

Als die Aufnahmen begannen, zoomte die Kamera auf die beiden Weibchen Tushi und Raimee: Sie saßen immer noch auf dem Holz-Gerüst und hielten Zweige in den Händen, die etwa 180 Zentimeter lang waren. Tushi schwenkte ihren Zweig zweimal durch die Luft - der zweite Streich holte die Drohne auf den Boden und zerstörte sie, wie die letzten Filmaufnahmen zeigen. Vor und während des Hiebs schnitt das Tier, das 1992 in der Gruppe zur Welt kam, Grimassen.

Obwohl ihr Gesicht ihre Anspannung verriet und sie ihre Zähne bleckte, zeigte Tushi den Forschern zufolge keinerlei Anzeichen von Furcht. Daraus - so die Studie - kann man schlussfolgern, dass sie mit Absicht auf die Drohne einschlug, nicht aus Reflex.

«Die Benutzung eines Stocks als Waffe war eine in diesem Kontext einzigartige Handlung», kommentierte van Hooff. «Sie schien sehr durchdacht.» Lukkenaar ergänzte: «Diese Begebenheit liefert uns weitere Anzeichen, dass Schimpansen die Benutzung von Werkzeug vorausplanen.» Nach dem Absturz inspizierten die Schimpansen die Drohne und warfen sie herum, bis sie das Interesse daran verloren.

Immer wieder verblüffen Schimpansen mit ihren Fähigkeiten, auch in der Wildnis. Sie können zum Beispiel mit ihren Zähnen Äste anspitzen und gehen damit auf Jagd nach kleinen Primaten. In einer Region im Senegal nutzten vor allem die Weibchen solche Waffen, berichteten Forscher im Fachblatt «Royal Society Open Science». In Guinea beobachteten Wissenschaftler, wie wilde Schimpansen Blätter im Mund zerknitterten, um sie als Schwamm zu gebrauchen: Mit dem Löffelersatz kamen die Affen an vergorenen Palmensaft heran, heißt es im gleichen Fachblatt. Im Durchschnitt enthielt das süffige Getränk 3,1 Prozent Alkohol. Nach dem Gelage legten sich viele Tiere schlafen.

Fr, 2015-09-04 09:59
Mainz (dpa)

SPD offen für Grundgesetzänderung für Flüchtlingsunterbringung

Mainz (dpa) - Die SPD im Bundestag ist offen für eine Änderung des Grundgesetzes zur schnelleren Unterbringung von Flüchtlingen. «Wenn wir 100 000 zusätzliche Plätze in der Erstaufnahme in kurzer Zeit schaffen wollen, dann brauchen wir mindestens für einen befristeten Zeitraum eine Abweichung von den komplizierten Standards im Baurecht, im Umweltrecht, im Vergaberecht», sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann am Freitag am Rande einer Fraktionsklausur in Mainz. «Wenn dazu eine Änderung des Grundgesetzes notwendig ist, dann sind wir dazu bereit.» Das Asylrecht im Grundgesetz solle nicht geändert werden. Zusätzliche Länder könnten ohne Verfassungsänderung sogenannte sichere Drittstaaten werden.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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