Mo, 2015-07-06 17:57
Berlin (dpa)

Syrien-Rückkehrer muss dreieinhalb Jahre in Haft

Berlin (dpa) - Ein Syrien-Rückkehrer muss als Terrorhelfer für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Berliner Kammergericht sprach den 28-Jähriger der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland sowie des Betrugs schuldig. Der Angeklagte habe in Syrien operierenden Terrorgruppen 8550 Euro sowie einen Geländewagen im Wert von etwa 10 000 Euro zukommen lassen, hieß es am Montag im Urteil.

Der Mann, der zuletzt in Frankfurt am Main lebte, war 2013 nach Syrien gereist. Er habe geglaubt, vor Ort Hilfe leisten zu müssen, sagte der Vorsitzende Richter. Bei seinem Aufenthalt habe er auch Mitglieder der Terrorgruppe Junud al-Sham getroffen. Es sei aber nicht nachgewiesen worden, dass der zweifache Familienvater Mitglied dieser Organisation wurde, befanden die Richter. Im Juni 2013 habe er einen Kredit in Höhe von 25 000 Euro erschlichen und mit Teilbeträgen davon Terrorgruppen unterstützt.

Der 28-Jährige war im März 2014 verhaftet worden. Der Mann, der früher als Gepäckfahrer an einem Flughafen arbeitete, musste sich in dem seit Januar laufenden Prozess zunächst gemeinsam mit einem 36-Jährigen aus Berlin verantworten. Das Verfahren gegen diesen Mann, der an Kämpfen in Syrien teilgenommen haben soll, wurde zwischenzeitlich jedoch abgetrennt.

Mo, 2015-07-06 18:05
München (dpa)

Zschäpes neuer Anwalt - bisher Internet-Experte für Alltagsfälle

München (dpa) - Mathias Grasel, der neue Verteidiger von Beate Zschäpe im NSU-Prozess, ist bisher in keinem Strafverfahren öffentlich in Erscheinung getreten. Mit knapp 31 Jahren ist er fast zehn Jahre jünger als seine Mandantin. Nach eigener Aussage arbeitet er seit 2011 als Rechtsanwalt in München. Im Internet ist er auf mehreren Webportalen als juristischer Experte registriert, der Fragen zu rechtlichen Problemen beantwortet.

Auf einer dieser Seiten war er bis in die letzten Tage besonders aktiv. Dort wird er mit 126 Beiträgen gelistet - meist zu Alltagsthemen wie Betrug bei Internetgeschäften, Blitzer-Knöllchen oder Streit unter Nachbarn. 

Sein neues Mandat für Zschäpe nannte er «eine Mammutaufgabe». Aber: «Ich denke, mit Unterstützung des Senats und der bisherigen Kollegen lässt sich das bewerkstelligen». Aus Justizkreisen ist zu hören, dass Grasel seine Mandantin bereits einige Zeit im Hintergrund berät und sie mehrmals in der Justizvollzugsanstalt besucht haben soll.

Mo, 2015-07-06 18:06
Kairo (dpa)

Ägyptens Regierung will Pressefreiheit weiter einschränken

Kairo (dpa) - Ägypten will die Pressefreiheit für die Berichterstattung über Anschläge und Terrorismus einschränken. Ein Gesetzentwurf sieht beispielsweise vor, dass ägyptische und ausländische Journalisten mit bis zu zwei Jahren Haft rechnen müssen, wenn sie abweichend von offiziellen Stellungnahmen - und aus Sicht der Regierung damit falsch - über Anti-Terror-Einsätze berichten.

Der Entwurf enthalte Artikel, die die Pressefreiheit bei der Beschaffung von Informationen einschränkten, kritisierte die ägyptische Presse-Vereinigung nach einer Dringlichkeitssitzung am Montag in Kairo.

Vergangene Woche hatten Medien nach dem Angriff eines Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf der Sinai-Halbinsel teilweise über weit höhere Opferzahlen unter Soldaten berichtet, als offiziell angegeben worden waren. Sie beriefen sich auf meist anonyme Quellen.

Die Beschränkung der Pressefreiheit gehört zu den von Präsident Abdel Fattah al-Sisi angekündigten Anti-Terror-Maßnahmen nach einem tödlichen Bombenanschlag auf Generalstaatsanwalt Hischam Barakat vor gut einer Woche. Es wird erwartet, dass er das Gesetz in den kommenden Tagen unterschreibt.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-07-06 18:30
York/Oslo (dpa)

Ban: Extreme Armut innerhalb einer Generation ausrotten

Eine Welt ohne Hunger? Die Vereinten Nationen halten das innerhalb einer Generation für möglich, weil es große Fortschritte gibt. Aber nicht alle Menschen profitieren.

New York/Oslo (dpa) - Die größte Armut kann nach Ansicht von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon innerhalb einer Generation ausgerottet werden. In den vergangenen 15 Jahren sei mit den sogenannten Jahrtausendzielen (MDG) der Vereinten Nationen ein großer Schritt in diese Richtung gemacht worden. «Die MDG waren die erfolgreichste Kampagne zur Bekämpfung von Armut der Geschichte», sagte Ban am Montag in Oslo. Die Jahrtausendziele seien zum großen Teil erreicht worden, auch wenn es noch wichtige Lücken gebe.

Im Jahr 2000 hatten Politiker aus aller Welt unter dem Dach der Vereinten Nationen die Millennium Development Goals verabschiedet. Innerhalb von 15 Jahren sollte die Zahl der Hungernden halbiert, jedes Kind eine Grundschulbildung bekommen, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel gesenkt und Frauen und Mädchen gleichberechtigt werden. Auch der Kampf gegen Krankheiten und Klimawandel waren Teil der acht Ziele, für die zum Teil das Jahr 1990 als Vergleichsbasis gewählt wurde.

Die Zahl der Menschen, die mit 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen, hat sich den UN zufolge in den vergangenen 25 Jahren von 1,9 Milliarden auf 836 Millionen mehr als halbiert. Die Kindersterblichkeit fiel um etwas mehr als die Hälfte - angestrebt waren zwei Drittel - von 90 auf 43 Tote je 1000 Kindern unter fünf. Die Müttersterblichkeit sank um 45 Prozent. Bessere Prävention und Betreuung hätten den Tod von 6,2 Millionen Menschen durch Malaria und 37 Millionen durch Tuberkulose verhindert. Auch bei der Beteiligung von Mädchen und Frauen seien «dramatische Fortschritte gemacht worden.

«Die Jahrtausendziele haben die Leben von Millionen Menschen gerettet und die von Millionen weiteren entscheidend verbessert», sagte Ban. «Mehr als eine Milliarde Menschen wurde aus extremer Armut befreit, mehr als 2,6 Milliarden Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser bekommen und mehr Mädchen gehen in die Schule als je zuvor.» Im vergangenen Jahr hätten 13,6 Millionen Menschen Medikamenten gegen Aids/HIV bekommen; gut zehn Jahre zuvor seien es nur 800 000 gewesen.

«Diese Erfolge sollte die Weltgemeinschaft feiern. Und zugleich sehen wir, wo wir noch nicht erfolgreich waren», sagte Ban. Viele Menschen hätten nicht profitiert und zu oft würden noch Bedürftige wegen Geschlecht, Herkunft oder Behinderung ausgegrenzt. Zudem gebe es 60 Millionen Flüchtlingen - so viele wie nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. «Diese Lücken sind nun unsere nächste Aufgabe», sagte Ban.

Mo, 2015-07-06 17:56
München (dpa)

Zschäpes neuer Anwalt - bisher Internet-Experte für Alltagsfälle

München (dpa) - Mathias Grasel, der neue Verteidiger von Beate Zschäpe im NSU-Prozess, ist bisher in keinem Strafverfahren öffentlich in Erscheinung getreten. Mit knapp 31 Jahren ist er fast zehn Jahre jünger als seine Mandantin. Nach eigener Aussage arbeitet er seit 2011 als Rechtsanwalt in München. Im Internet ist er auf mehreren Webportalen als juristischer Experte registriert, der Fragen zu rechtlichen Problemen beantwortet.

Auf einer dieser Seiten war er bis in die letzten Tage besonders aktiv. Dort wird er mit 126 Beiträgen gelistet - meist zu Alltagsthemen wie Betrug bei Internetgeschäften, Blitzer-Knöllchen oder Streit unter Nachbarn. 

Sein neues Mandat für Zschäpe nannte er «eine Mammutaufgabe». Aber: «Ich denke, mit Unterstützung des Senats und der bisherigen Kollegen lässt sich das bewerkstelligen». Aus Justizkreisen ist zu hören, dass Grasel seine Mandantin bereits einige Zeit im Hintergrund berät und sei mehrmals in der Justizvollzugsanstalt besucht haben soll.

Mo, 2015-07-06 17:29
Moskau (dpa)

Putin trifft iranischen Präsidenten Ruhani bei Gipfel in Ufa

Moskau (dpa) - Der russische Präsident Wladimir Putin will an diesem Donnerstag mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani über einen Ausbau der Zusammenarbeit beider Länder sprechen. Ein bilaterales Treffen sei beim Gipfel der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) in der russischen Industriestadt Ufa geplant, teilte der Kreml am Montag in Moskau mit.

Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sagte, dass in Ufa auch über die SCO-Aufnahme Irans entschieden werde. Das Treffen der maßgeblich von Russland und China geführten Organisation ist am 9. und 10. Juli geplant.

Die rund 1300 Kilometer südöstlich von Moskau gelegene Stadt Ufa ist auch Gastgeberin des Gipfels der aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics), der am 8. und 9. Juli angesetzt ist. Dabei werde eine Strategie zur Wirtschaftsentwicklung bis 2020 verabschiedet, sagte Uschakow.

Kremlchef Putin plant demnach insgesamt bilaterale Treffen mit elf Staats- und Regierungschefs. Themen seien auch das iranische Atomprogramm, der Kampf gegen den Terrorismus, die Krise in Griechenland, der Konflikt in der Ukraine sowie weitere globale Probleme, sagte Uschakow. Russland strebt nach einer multipolaren Welt und will mit den Gipfeln nicht westliche Allianzen stärken.

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Mo, 2015-07-06 17:37
München (dpa)

Beate Zschäpe wird jetzt von vier Anwälten vertreten

München (dpa) - Das Oberlandesgericht München hat der Hauptangeklagten im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, am Montag einen vierten Pflichtverteidiger beigeordnet. Es handelt sich um den Münchner Anwalt Mathias Grasel. Der 31-Jährige teilte mit, Zschäpe habe ihn «darum gebeten, ihre Verteidigung zu übernehmen».

Aufgrund des «fortgeschrittenen Prozessverlaufs» und «des immensen Aktenvolumens» werde er sich «von einem renommierten Strafverteidiger» unterstützen lassen. Einen Namen nannte Grasel nicht.

Zschäpe muss sich seit mehr als zwei Jahren wegen der mutmaßlichen Mittäterschaft an den zehn Morden des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) verantworten.

Mit ihrem neuen Anwalt war Zschäpe in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim dem Vernehmen nach schon seit längerem in Kontakt. Zu ihren bisherigen Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm war sie in den letzten Monaten auf Distanz gegangen.

Das Gericht lehnte es aber zuletzt ab, Sturm von der Verteidigung Zschäpes zu entbinden. In der vergangenen Woche hatte Zschäpe verlangt, den Prozess bis zur Berufung Grasels auszusetzen. Auch dies hatte das Gericht abgelehnt.

Mo, 2015-07-06 17:17
Frankfurt/Main (dpa)

Nachwuchs bei Frankfurter Gorillas

Frankfurt/Main (dpa) - Der Frankfurter Zoo freut sich über Nachwuchs bei seinen Gorillas. Bereits am Donnerstag brachte Weibchen Shira ein Junges zur Welt. «Alles sieht gut aus», teilte Zoodirektor Manfred Niekisch am Montag mit. «Vier Tage nach der Geburt können wir sicher sagen: Shira kümmert sich bestens um ihr Junges. Die Geburt ist problemlos verlaufen. Das Kleine wirkt gesund und kräftig. Also alles so, wie es sein soll.» Shiras erster Sohn Tandu wurde im Oktober 2013 geboren, starb aber bereits mit einem halben Jahr an einem Darminfekt. Das Geschlecht des Neugeborenen ist noch unbekannt.

Mo, 2015-07-06 17:12
Osnabrück (dpa)

Nasenbär Norbert aus Zoo ausgebüxt

Osnabrück (dpa) - Ein Nasenbär namens Norbert ist aus dem Osnabrücker Zoo ausgerissen. Wie der Tierpark am Montag mitteilte, kletterte der aus Südamerika stammende Kleinbär aus seinem Außengehege und entkam so aus dem Zoo. Norbert ist schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate weggelaufen: Seit Ende März haben die Nasenbären einen erweiterten Außenbereich, in dem sie zu fünf an Bäumen befestigten Plattformen klettern können. Norbert ist offenbar so geschickt, dass er trotz einiger Nachbesserungen erneut in den benachbarten Wald verschwinden konnte. Beim ersten Mal brachte ihn die Feuerwehr zurück. Der Nasenbär sei nicht gefährlich für Menschen, sagte Zoodirektor Michael Böer. Er könne sich selbst versorgen. Wer ihn sehe, solle die Feuerwehr oder die Polizei verständigen.

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PRODUKT
der Woche

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-07-06 16:58
Berlin (dpa)

Tropisches Deutschland: Nach Rekordhitze ziehen Unwetter auf

Auf den Hitzerekord folgen Sturm und Regen. Doch nach der Abkühlung kehren die schweißtreibenden Temperaturen zurück. Wird das ein Sahara-Sommer?

Berlin (dpa) - Nach Deutschlands Hitzerekord mit bis zu 40,3 Grad und einer Abkühlung zum Wochenanfang kann es schon am Dienstag wieder richtig heiß werden. In weiten Teilen der Republik gewitterte es in der Nacht zum Montag. Oberleitungsschäden und umgestürzte Bäume führten bei Tausenden Bahnkunden zu Frust. In Schleswig Holstein wirbelte ein Unwetter auf einem Campingplatz. Zehntausende Blitze gingen alleine über Nordrhein-Westfalen nieder.

«Das heiße Wochenende lässt keine Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf des Sommers zu», erklärte der Meteorologe Helge Tuschy vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Es lag daran, dass außergewöhnlich viel heiße Luft aus Nordafrika nach Deutschland gepumpt wurde. Verlässliche längerfristige Prognosen über den weiteren Sommerverlauf sind laut DWD unmöglich. Nach einer Abkühlung ab der Wochenmitte werde es auch wieder wärmere Phasen geben. «Das Wechselspiel geht erst einmal weiter», sagte der Wetterexperte.

Die teils erheblichen Störungen im Bahnverkehr durch Unwettertief Siegfried dauerten bis weit in den Montag an, etwa auf der wichtigen Ost-West-Verbindung Berlin-Wolfsburg-Hannover. Es kam zu Verspätungen - auch im Ruhrgebiet oder Köln. Auch im Flugverkehr gab es Behinderungen und zahlreiche Umleitungen, betroffen waren Flughäfen wie Berlin-Tegel, Schönefeld, Leipzig oder auch Paderborn.

Zehntausende Blitze gingen am Abend und in der Nacht laut DWD allein über dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen nieder. In Recklinghausen schlug ein Blitz in den Turm einer 150 Jahre alten Kirche ein. Ein anderer traf eine Anlage am Essener Hauptbahnhof, seitdem war der Verkehr zwischen Essen und Duisburg gestört.

In Teilen Niedersachsens wurden Feuerwehren von abgedeckten Dächern und beschädigten Autos auf Trab gehalten. In Schleswig-Holstein wurden Urlauber auf einem Campingplatz in Waabs (Kreis Rendsburg-Eckernförde) aus dem Schlaf gerissen: Zelte flogen davon, mehrere Wohnwagen wurden umgeweht.

Im Berliner Olympiastadion brach Helene Fischer am Sonntagabend wegen eines Unwetters ihr Konzert ein Viertelstunde vor Ende ab. Bei einem Fischer-Konzert am Samstag war ein 25-Jähriger ums Leben gekommen. Ob dessen Tod mit der Hitze zusammenhing, teilte die Polizei allerdings nicht mit. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung darüber berichtet. Die wegen Hitze gesperrte Reichstagskuppel soll bis Freitag für Wartungsarbeiten der Sonnensegel geschlossen bleiben.

Strände und Seen hatten am bislang heißesten Wochenende des Jahres einen Ansturm erlebt. Bundesweit gab es mindestens 13 Badetote. In Berlin-Neukölln wurde am Sonntag ein Freibad nach einer Massenschlägerei vorzeitig geräumt, rund 6000 Besucher des Columbiabads wurden nach Hause geschickt.

Nach der Abkühlung vom Montag sollten am Abend erneut Gewitter aufziehen. Am Dienstag soll es an den Küsten mit Temperaturen von 27 Grad recht angenehm werden. Bis zu schweißtreibende 37 Grad werden dagegen am Oberrhein erwartet. In der Nacht zum Mittwoch ziehen dann von Westen teils schwere Gewitter über Deutschland hinweg.

Die Höchsttemperaturen reichen am Mittwoch von nur noch 19 Grad an der Nordsee und in höheren Mittelgebirgslagen bis zu 27 Grad im Süden. Auch am Donnerstag bleibt es mit Tageshöchsttemperaturen von 16 Grad im Norden bis zu 25 Grad im Süden vergleichsweise frisch.

Der neue Hitzerekord mit 40,3 Grad war am Sonntag im bayerischen Kitzingen gemessen worden. Es ist laut Deutschem Wetterdienst (DWD) die höchste jemals gemessene Temperatur in Deutschland seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

Mo, 2015-07-06 17:14
Istanbul (dpa)

Familie: Tatverdächtiger von Bombenanschlag in Diyarbakir IS-Mitglied

Istanbul (dpa) - Der mutmaßliche Täter des tödlichen Doppelanschlags im osttürkischen Diyarbakir ist nach Angaben seiner Familie Anhänger der Terrormiliz IS. Ihr Sohn habe sich im Oktober nach Syrien abgesetzt und der Terrormiliz angeschlossen, sagten die Eltern des 20-Jährigen Orhan G. der Zeitung «Radikal» (Montag).

Kurz vor der Parlamentswahl am 7. Juni waren bei zwei Sprengstoffanschlägen auf eine Veranstaltung der prokurdischen Partei HDP mindestens vier Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. G. war kurz nach dem Attentat festgenommen worden.

Die Familie sagte weiter, sie habe ihren Sohn wegen seiner Radikalisierung den Behörden gemeldet. Kurz vor dem Attentat sei G. von Syrien nach Diyarbakir zurückgekehrt und wegen Fahnenflucht kontrolliert worden. Er sei jedoch nicht weiter belangt worden, obwohl G. nach Angaben von «Radikal» als «zu Terror neigende vermisste Person» eingestuft worden war.

Mo, 2015-07-06 17:25
Sanaa (dpa)

Berichte: Mehr als 40 Tote nach Luftangriff im Südjemen

Sanaa (dpa) - Bei einem Luftschlag der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz sind im Südjemen laut Medienbericht mehr als 40 Menschen getötet worden. Wie die von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrollierte Nachrichtenagentur Saba berichtete, schlug das Geschoss am Montag in einem Viehmarkt in der Provinz Lahdsch ein. Der Nachrichtenseite «Aden al-Ghad» zufolge waren zahlreiche Händler vor Ort, als der Angriff begann.

Erst am Sonntag waren laut Medienbericht bei einem Luftangriff auf einen Markt in der Küstenprovinz Hadscha im Norden des Landes mindestens 30 Menschen getötet worden. Solche Angaben aus dem Bürgerkriegsland sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Im bitterarmen Jemen kämpfen seit mehreren Monaten Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten gegen Anhänger von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Eine vom Nachbarland Saudi-Arabien angeführte sunnitische Koalition bombardiert die Rebellen seit Ende März aus der Luft.

Nach gescheiterten Friedensgesprächen kam der UN-Gesandte Ismail Ould Cheikh Ahmed am Sonntag in Sanaa an, um mit den Konfliktparteien über eine erneute humanitäre Feuerpause zu verhandeln.

Mo, 2015-07-06 17:38
Potsdam (dpa)

Hitze macht Mauersegler-Nachwuchs zu schaffen

Potsdam (dpa) - Die extreme Hitze der vergangenen Tage macht dem Nachwuchs der Mauersegler massiv zu schaffen. Nach Angaben des Naturschutzbunds (NABU) in Brandenburg vom Montag wurden zuletzt viele tote Kücken in der Nähe von Nestern entdeckt. Die Vogelart brüte vor allem an hohen Gebäuden unter Dächern und in Nistkästen, die sich mitunter extrem erhitzten. Auf der Suche nach Abkühlung am luftigen Nesteingang stürzten dann immer wieder Jungtiere ab und blieben hilflos am Boden liegen.

«Selbst wenn sie den Sturz unverletzt überstehen, sind ihre Überlebenschancen leider gering. Denn im Gegensatz zu anderen Vogelarten füttern Mauersegler ihre Jungen nicht außerhalb des Nestes», erklärte NABU-Geschäftsführerin Christiane Schröder. Folgenlos sei dieser Verlust nicht, denn die Bestände des Mauerseglers seien wegen fehlender Nistplätze und des knappen Nahrungsangebot gefährdet.

Mo, 2015-07-06 17:19
Bern (dpa)

Schweizer Atomkraftwerk nach Störung automatisch abgeschaltet

Bern (dpa) - Wegen einer unklaren Reglerstörung im Wasserkreislauf ist am Montag der Reaktor des Atomkraftwerks Mühleberg unweit von Bern automatisch abgeschaltet worden. «Das ist ein außergewöhnliches Ereignis», sagte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft BKW der Schweizer Nachrichtenagentur sda.

Es sei aber keine erhöhte Menge an Radioaktivität freigesetzt worden und der Reaktor sei in einem sicheren Zustand. Ob die Störung im Wassersystem mit den hohen Temperaturen der vergangenen Tage zusammenhänge, könne man noch nicht sagen. Die Ursache der Störung werde abgeklärt.

Das Kraftwerk Mühleberg ist seit 1972 in Betrieb. Die Anlage soll 2019 endgültig geschlossen werden. Ähnlich wie Deutschland hatte die Schweiz nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 eine Energiewende beschlossen. Ihre fünf Atomkraftwerke sollen nach Laufzeiten von jeweils 50 Jahren ab 2019 bis 2034 stillgelegt werden.

Mo, 2015-07-06 17:22
Wien/Teheran (dpa)

Atomabkommen mit dem Iran in Reichweite

Im Atompoker mit dem Iran läuft die Frist ab, jetzt müssen Entscheidungen her. Trotz letzter Streitpunkte scheint ein Kompromiss möglich. Aber: Die Uhr tickt.

Wien/Teheran (dpa) - Im Atomstreit mit dem Iran läuft die Zeit für eine Einigung unaufhaltsam ab. Einen Tag vor Fristablauf haben alle Außenminister der sieben beteiligten Nationen am Montag um letzte strittige Punkte gerungen. Nach übereinstimmenden Angaben aus den Delegationen in Wien sind die Lücken im Text des angestrebten Abkommens zwar geschrumpft. Als besonders heikel gilt weiterhin der Zeitplan zur Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran.

«Ein umfassendes Abkommen ist in Reichweite», sagte Chinas Außenminister Wang Yi in Wien. Alle Seiten, vor allem aber die USA und der Iran, müssten schnellstmöglich endgültige Entscheidungen treffen, forderte Wang. Bis Dienstagnacht soll eine Übereinkunft der 5+1-Gruppe (die fünf UN-Vetomächte USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland) stehen.

Das Abkommen soll sicherstellen, dass der Iran die Kernkraft zivil nutzen kann, ohne in den Besitz einer Atombombe zu kommen. Im Gegenzug sollen die Wirtschaftssanktionen des Westens schrittweise aufgehoben werden.

Medienberichte, dass die Aufhebung des UN-Waffenembargos gegen den Iran eine große Hürde bei der Einigung darstelle, wurden von iranischen Delegationskreisen nicht bestätigt. Das Embargo sei Teil einer Atomeinigung. Aber zunächst sollten Beschränkungen für Ölexporte und im internationalen Zahlungsverkehr fallen.

Ob der Abschluss gelingt, ist weiter offen, auch wenn Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) von einer «einmaligen Chance» sprach. Eine Einigung um jeden Preis werde es nicht geben, hieß es einhellig aus der 5+1-Gruppe.

Im Iran bereiten sich die Verantwortlichen bereits auf eine Einigung vor. Die Menschen sollen allerdings nicht zu ausgelassen feiern, denn der Mittwoch ist ein religiöser Trauertag in der Islamischen Republik. Musik und Tanz ist an diesem Tag untersagt. Das Innenministerium ließ vorab wissen, dass es im Falle eines Durchbruchs keine spontanen Straßenfeste erlauben und auch keine Feier ausrichten werde.

Die Grundsatzeinigung im April hatten Zehntausende Teheraner mit spontanen Jubelfeiern, Hupkonzerten und Sprechchören wie «Obama, Obama» gefeiert.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf den Weltmächten am Montag vor, sie machten täglich mehr Konzessionen. Das Verhandlungsmotto müsse aber lauten: «Besser keinen Deal als diesen sehr schlechten Deal.» Netanjahu sieht in dem iranischen Atomprogramm die größte Bedrohung seiner Existenz.

Bis zur Nacht auf Mittwoch soll ein Abkommen stehen. Seitens der iranischen Verhandler wurde aber bereits laut darüber nachgedacht, nach Fristablauf weiter zu verhandeln. Liegt dem US-Kongress eine Übereinkunft bis Donnerstag vor, hätten die Abgeordneten 30 Tage Zeit zur Überprüfung. Bei Verzögerungen verdoppelt sich diese Frist. Dies würde Gegnern eines Abkommens - besonders in den USA, im Iran und auch in Israel - mehr Zeit geben, die Übereinkunft zu torpedieren.

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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