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Mo, 2015-08-03 23:41
Juan (dpa)

Puerto Rico bedient Anleihe nicht und gerät in Zahlungsverzug

Washington/San Juan (dpa) - Das hoch verschuldete Puerto Rico ist in Zahlungsverzug geraten. Eine öffentliche Anleihe der staatlichen Public Finance Corporation (PFC) über insgesamt 58 Millionen Dollar (53 Mio Euro) sei nur mit 628 000 Dollar bedient worden, teilte die Entwicklungsbank von Puerto Rico am Montag mit. Die nötigen Mittel seien nicht vorhanden, hieß es in einer Stellungnahme.

Die Ratingagentur Moody's erklärte daraufhin laut US-Medien den Zahlungsausfall. Puerto Rico ist als selbstverwaltetes Außengebiet zwar US-Territorium, aber kein US-Bundesstaat. Es kann deshalb nur begrenzt auf Hilfe aus Washington hoffen. Das Land hat insgesamt einen Schuldenberg von rund 72 Milliarden Dollar (66 Mrd Euro). Dass Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, kommt nicht überraschend.

Puerto Ricos Gouverneur Alejandro García Padilla hatte bereits Ende Juni Zahlungsausfälle angekündigt, sollten die Gläubiger keine Zugeständnisse machen: «Ziel ist ein Moratorium, um die Begleichung der Schulden einige Jahre zurückzustellen.» Bereits Anfang Juli konnte nur knapp verhindert werden, dass der staatliche Energieversorger Prepa in Zahlungsverzug gerät.

Mo, 2015-08-03 22:19
Detroit (dpa)

US-Automarkt brummt weiter - VW mit erneutem Absatzplus

Die Kauflaune am US-Automarkt ist ungebrochen hoch. Die Branche bleibt dank günstigem Sprit und niedrigen Zinsen auf Kurs, das beste Absatzergebnis seit mehr als zehn Jahren zu erreichen. Doch nicht alle deutschen Hersteller konnten zuletzt zulegen.

Detroit (dpa) - Billiges Benzin und günstige Finanzierungen befeuern den US-Automarkt weiter. Die Verkäufe zogen im Juli deutlich an, wie die am Montag veröffentlichten Absatzzahlen der Hersteller zeigen. Einige deutsche Anbieter taten sich zuletzt allerdings schwer. Während die Nachfrage nach Geländewagen und Pickup-Trucks boomt, lässt das Kaufinteresse an spritschonenden Modellen kräftig nach.

Angetrieben von steigenden Golf-Verkäufen geht der Aufwärtstrend für Volkswagen in den USA weiter. Der Absatz der Hausmarke VW kletterte im Juli um 2,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 31 300 Autos. Nach langer Durststrecke ist es bereits der dritte Monat mit einem Verkaufsplus in Folge. Der Anstieg fiel allerdings schwächer aus als in den beiden Monaten zuvor.

Bei den VW-Töchtern Audi und Porsche läuft es indes weiter rund. Während Porsche den Absatz um zehn Prozent steigerte, brachten kräftige Zuwächse bei SUV-Geländewagen Audi sogar ein Plus von 21 Prozent. Doch nicht alle deutschen Anbieter konnten zuletzt zulegen. Schwächelnde Nachfrage nach Limousinen der 3er-, 4er und 5er-Reihen ließen die Verkäufe von BMW um 0,2 Prozent auf 32 161 Autos sinken.

Auch für die BMW-Tochter Mini lief es in den USA schlechter: Die Verkäufe schrumpften um 10,7 Prozent. Vor allem die Mini-Geländeversion Countryman war weniger gefragt. Sinkende Verkäufe bei der Kleinwagen-Tochter Smart haben auch Daimler ein Absatzminus eingebrockt. Die Verkäufe des Konzerns schrumpften um zwei Prozent auf 30 130 Autos.

Zu den Gewinnern des vergangenen Monats zählten die großen US-Hersteller. General Motors und Fiat Chrysler brachten jeweils gut sechs Prozent mehr Wagen auf die Straße. Ford schaffte ein Plus von fünf Prozent. Mit Zuwächsen von knapp acht Prozent konnten auch die japanischen Autobauer Nissan und Honda Erfolge feiern. Der große VW-Rivale Toyota wurde hingegen nur 0,6 Prozent mehr Fahrzeuge los.

Laut Daten des Fachblatts «Automotive News» wurden in den USA im Juli insgesamt 1,51 Millionen Wagen an die Kundschaft gebracht. Das waren 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit bleibt die Branche auf Kurs, in diesem Jahr die Marke von 17 Millionen verkauften Fahrzeugen zu knacken. Das gelang seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Der Markt wird weiter durch niedrige Zinsen und günstige Spritpreise angetrieben. Energieeffizienz hat als Kaufanreiz stark eingebüßt. Während schwergewichtige Benzinschlucker Absatzerfolge sichern, sind die Verkaufszahlen von Hybrid-Modellen wie GM's Volt oder Fords C-Max im Keller. Das gilt auch für Nissans Elektroauto Leaf.

Mo, 2015-08-03 21:43
Washington (dpa)

Obama verschärft Klimaziele - Widerstand und Zuspruch

Obama will mit ehrgeizigen US-Klimazielen zum Kampf gegen den Treibhauseffekt beitragen. Aber eine Umsetzung der neuen Regeln wird schwer werden. Die Kohleindustrie, Republikaner und zahlreiche Bundesstaaten laufen Sturm. Dagegen kommt Beifall aus Deutschland.

Washington (dpa) - Vier Monate vor der Internationalen Klimakonferenz in Paris hat US-Präsident Barack Obama die bisher schärfsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts verkündet. Als Kernpunkt der neuen Regeln müssen Kraftwerke in den USA erstmals ihren Schadstoffausstoß reduzieren - bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005. Obama selber sprach von dem bisher «wichtigsten einzelnen Schritt» der USA gegen den Klimawandel. Wenn jetzt nicht gehandelt werde, sei es zu spät. «Wir haben nur ein Zuhause, einen Planeten», so der Präsident. «Es gibt keinen Plan B.»

Verschärfte Klimaschutz-Maßnahmen zählten von Anfang an zu den wichtigsten innenpolitischen Vorhaben Obamas. Er konnte sie aber nicht im Kongress durchsetzen. Jetzt ordnete er sie als Ergänzung bereits bestehender Regulierungen zur Luftreinhaltung an.

Allerdings zeichnet sich massiver Widerstand gegen das Programm ab - und damit eine wahrscheinlich langjährige juristische Auseinandersetzung. Zahlreiche Bundesstaaten haben bereits gerichtliche Klagen angekündigt, republikanische Präsidentschaftsbewerber kritisierten den Plan als verfassungswidrig. Auch die Kohleindustrie läuft Sturm. Der «New York Times» zufolge müssten Hunderte Kohlekraftwerke schließen, sollten die Regeln umgesetzt werden. Dagegen begrüßten Umweltschützer und die Bundesregierung die Klimaziele.  

Obama verwies auf die bereits spürbaren drastischen Folgen der Erderwärmung wie Eisschmelze, Überflutungen, Dürre und Waldbrände. Der Klimawandel sei nicht mehr zu leugnen, das Problem könne nicht mehr auf die nächste Generation verschoben werden. Wenn es um den Klimawandel gehe, «gibt es so etwas wie dass man zu spät kommen kann», sagte Obama.

Die neuen Regeln gehen zum Teil über die Vorschläge hinaus, die bereits vor einem Jahr vorgelegt und dann zur Diskussion gestellt worden waren. So war zunächst eine 30-prozentige Reduzierung der Emissionen angepeilt worden. Die einzelnen Bundesstaaten sollen dagegen etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant haben, die ihnen jeweils von Washington vorgegebenen Reduzierungsziele zu erreichen. Auch können sie selber entscheiden, wie sie diese Vorgaben umsetzen. Aber weigern sie sich, wird ihnen ein Plan vorgeschrieben.

Obama zielt mit den Maßnahmen zugleich darauf ab, dass Energieunternehmen stärker und rascher auf Wind- und Sonnenenergie umstellen. Nach dem neuen Programm sollen erneuerbare Energien bis 2030 28 Prozent der US-Kapazitäten ausmachen.

Insgesamt sollen die Regeln auch eine mutige Vorgabe für den Klima-Gipfel in Paris Ende des Jahres sein, wenn die Welt nach jahrelangem Zögern entschlossene Schritte gegen Treibhausgase und Erderwärmung beschließen will.  

Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, lehnte Obamas Vorschläge als unrealistisch und wachstumshemmend ab. Er rief die Gouverneure aller 50 US-Staaten in einem Brief auf, den Plänen nicht zu folgen. Millionen Amerikaner müssten in Zukunft mit höheren Stromkosten rechnen, kritisierte der republikanische Präsidentschaftskandidat Marco Rubio. Mitbewerber Jeb Bush nannte die Regulierungen ein «Desaster».

Dagegen begrüßte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Initiative Obamas. «Der Schritt zeigt, dass Präsident Obama das Thema Klimaschutz als eines der prioritären Themen für seine zweite Amtszeit betrachtet», erklärte die SPD-Politikerin.

Die Umweltorganisation Germanwatch sprach von einem wichtigen Schritt im weltweiten Klimaschutz. «Auch in den USA zeigt sich: Die Zeit der Kohle läuft ab», sagte Lutz Weischer, der bei Germanwatch für Internationale Klimapolitik verantwortlich ist. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sprach ebenfalls von einem wichtigen Signal Obamas. «Damit stimmt Obama auf das Ende des globalen Kohlezeitalters ein», sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-08-03 20:55
Doha (dpa)

Russischer Außenminister: Frieden in Syrien nur durch Verhandlungen

Doha (dpa) - Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat ein Ende ausländischer Einmischung in den Syrien-Konflikt gefordert. «Wir verlangen [...], dass jede Einmischung von außen in die syrische Krise gestoppt wird und die syrischen Parteien zu gemeinsamen Verhandlungen gedrängt werden», sagte Lawrow nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus den USA und Saudi-Arabien, John Kerry und Adel al-Dschubair, am Montag in Katars Hauptstadt Doha. Eine Lösung des blutigen Bürgerkrieges müsse durch friedliche Mittel auf einer gemeinsamen Basis erreicht werden.

Kerry wiederholte die Sicht der USA, wonach die Brutalität des Regimes von Syriens Machthaber Baschar al-Assad gegen die eigene Bevölkerung die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und die Anwesenheit von ausländischen Kämpfern in Syrien gefördert hat. Assad dürfe deshalb keinen Platz im künftigen Syrien haben. Die USA wollten gemeinsam mit Russland und Saudi-Arabien weiter nach einer politischen Lösung im Syrien-Konflikt suchen, sagte Kerry laut US-Außenministerium..

Moskau gilt als Unterstützer des Assad-Regimes und vertritt den Standpunkt, dass dieses bei einer Lösung des Konflikts nicht ausgeklammert werden dürfe. Dagegen befürworten Saudi-Arabien, aber auch die Türkei einen Sturz des Assads. Die USA bombardieren gemeinsam mit ihren arabischen Verbündeten seit September Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien.

Mo, 2015-08-03 19:58
Washington (dpa)

Die republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2016

Washington (dpa) - Während Hillary Clinton sich mit riesigem Abstand an die Spitze des kleines Feldes der demokratischen Präsidentenbewerber gesetzt hat, rechnen sich bei den Republikanern gleich mehrere Bewerber Chancen auf die Spitzenkandidatur aus. Übersicht nach dem Umfrage-Ranking von «Real Clear Politics»:

DONALD TRUMP (69) schmeißt mit reißerischen Parolen um sich und beherrscht damit nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch die Umfragen. Ein politisches Amt bekleidete der Immobilienunternehmer noch nie, gewann im Jahr 2000 aber die Vorwahlen in Kalifornien. Der in New York lebende Investor hat fünf Kinder aus drei Ehen.

SCOTT WALKER (47) hat als Gouverneur von Wisconsin Schlagzeilen der besonderen Art gemacht - und Nerven gezeigt. Nach einer umstrittenen Sparpolitik wollten Kritiker ihn mit einer Abstimmung aus dem Amt jagen. Doch Scott überstand den Angriff und überlebte als Gouverneur. Nach Trump rechnen ihm Demoskopen derzeit die besten Chancen aus.

JEB BUSH (62) könnte die Dynastie von Vater und Ex-Präsident George Bush Senior sowie Bruder und Ex-Präsident George W. Bush fortsetzen. Ob sein Nachname ihm im Wahlkampf hilft oder schadet, muss sich noch zeigen. Der ehemalige Gouverneur von Florida gilt als moderat und kann dank seiner Kontakte wichtige Spender hinter sich versammeln.

MARCO RUBIO (44) ist der Sohn kubanischer Einwanderer und buhlt daher vor allem um die wichtigen Stimmen der Latinos. Der Senator aus Florida fordert eine umfassende Einwanderungsreform und lehnt die Annäherung zwischen Havanna und Washington vehement ab. Er gilt als enger Freund von Jeb Bush, zudem als etwas zu jung und unerfahren.

MIKE HUCKABEE (59) war bereits 2008 im Rennen und gewann sogar die erste Vorwahl in Iowa, musste später aber aufgeben. Seitdem tingelt der Baptistenprediger und Ex-Gouverneur von Arkansas durch die TV-Sender, etwa mit einer Talk-Show beim konservativen Sender Fox News. Er trifft besonders den Nerv der religiösen Rechten.

BEN CARSON (63) ist in Medizinerkreisen weltberühmt: Der Neurochirurg gilt als Pionier der operativen Trennung Siamesischer Zwillinge. Den ersten erfolgreichen Eingriff führte er 1987 an einem deutschen Brüderpaar aus Ulm durch. Der Afroamerikaner kommt aus sehr armen Verhältnissen und gilt als äußerst konservativer Tea-Party-Mann.

RAND PAUL (52) gilt als Querdenker und Außenseiter, der mit strikt libertären Ansichten vor allem Tea-Party-Anhänger hinter sich hat. Das politische Credo des Senators aus Kentucky: Kleiner Staat, wenig Steuern, gegen militärische Interventionen. Bemerkenswert ist seine Opposition gegen die massive Überwachung durch den Geheimdienst NSA.

TED CRUZ (44) sitzt zwar erst seit 2013 im Senat, hat aber schon durch bizarre Aktionen von sich reden gemacht - etwa mit 20 Stunden Dauerreden, wobei er teils aus Kinderbüchern zitierte. Der Texaner ist Tea-Party-Mann: Gegen Abtreibung, Waffengesetze und gegen «Big Government». Die Parteibasis liebt ihn, Wechselwähler fürchten ihn.

JOHN KASICH (63) machte sich vor allem im Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses einen Namen, als er gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten Bill Clinton einen Plan zum Abbau des Haushaltsdefizits auf den Weg brachte. Der Gouverneur Ohios gilt als sehr konservativ.

CHRIS CHRISTIE (52) besticht durch gewaltigen Körperumfang und erhebliches Charisma. Zeitweise wurde der Gouverneur von New Jersey als Geheimfavorit gehandelt. Anhänger loben seine volkstümliche Art, Kritiker werfen ihm dagegen ein «großes Maul» vor und halten ihn für zu grobschlächtig fürs Weiße Haus. Er gilt als politisch moderat.

RICK PERRY, früherer langjähriger Gouverneur von Texas, Louisianas Gouverneur BOBBY JINDAL, Senator LINDSEY GRAHAM sowie der konservative Ex-Senator RICK SANTORUM kandidieren ebenfalls. Ernstzunehmende Chancen haben sie Umfragen zufolge aber nicht - ebenso wie die ehemalige Hewlett-Packard-Chefin CARLY FIORINA, der ehemalige New Yorker Gouverneur GEORGE PATAKI und der Ex-Gouverneur von Virginia, JIM GILMORE.

Mo, 2015-08-03 20:23
Pristina (dpa)

Kosovo macht Weg für Sondertribunal frei

Pristina (dpa) - Das Parlament im Kosovo hat sich internationalem Druck gebeugt und mit einer Verfassungsänderung den Weg für ein Sondertribunal geebnet. Das Gericht soll Gräueltaten von Albanern an Serben im Kosovo-Krieg Ende der 1990er Jahre ahnden. 85 Parlamentarier stimmten am Montag für die Vorlage, 5 votierten dagegen. Die Opposition im Parlament mit 120 Sitzen boykottierte die Abstimmung. Es soll um Morde, Verschleppungen, Vertreibungen, sexuelle Gewalt und die Zerstörung von Kirchen gehen.

Die Verbrechen sollen Rebellen der inzwischen aufgelösten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) in der Zeit von 1998 bis Ende 2000 begangen haben. UCK-Veteranen protestierten vor dem Parlament gegen das Tribunal und riefen «Verräter». Das Tribunal gilt als Teil des Normalisierungsprozesses zwischen Serbien und dem Kosovo, um den sich die Europäische Union bemüht. Ziel der EU ist es, die serbische Minderheit in dem fast nur noch von Albanern bewohnten Kosovo in diesen Staat zu integrieren.

Mo, 2015-08-03 20:23
Doha (dpa)

Russischer Außenminister: Frieden in Syrien nur durch Verhandlungen

Doha (dpa) - Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat ein Ende ausländischer Einmischung in den Syrien-Konflikt gefordert. «Wir verlangen [...], dass jede Einmischung von außen in die syrische Krise gestoppt wird und die syrischen Parteien zu gemeinsamen Verhandlungen gedrängt werden», sagte Lawrow nach einem Treffen unter anderem mit US-Außenminister John Kerry am Montag in Katars Hauptstadt Doha. Eine Lösung des blutigen Bürgerkrieges müsse durch friedliche Mittel auf einer gemeinsamen Basis erreicht werden.

Moskau gilt als Unterstützer des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad und vertritt den Standpunkt, dass Assad bei einer Lösung des Konflikts nicht ausgeklammert werden dürfe. Die Worte Lawrows richten sich auch an die USA, die gemeinsam mit arabischen Verbündeten seit September Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien bombardieren. Syriens nördlicher Nachbar, die Türkei, aber auch arabische Länder wie Saudi-Arabien befürworten einen Sturz des Assad-Regimes.

Mo, 2015-08-03 20:16
Cleveland (dpa)

Wer hat Angst vor Donald Trump? Republikaner treten in TV-Debatte an Von Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Nach wochenlangem Drängeln stellen sich zehn Top-Republikaner im US-Vorwahlkampf einem Kreuzverhör. Während das Enfant Terrible Donald Trump austeilt, warnen einige schon vor der «Trumpokalypse». Wird der Milliardär bei der Debatte nun selbst durch den Fleischwolf gedreht?

Cleveland (dpa) - Zur Vorbereitung auf die erste TV-Debatte im amerikanischen Vorwahlkampf ging Donald Trump erstmal golfen. Über Politik wollte er bei einem Besuch in Schottland eigentlich gar nicht sprechen, aber ein paar Kommentare konnte er sich am Ende dann doch nicht verkneifen. Als US-Präsident werde er «die Welt vereinen», sagte Trump laut einem Bericht des britischen «Guardian». Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin werde er «sehr gut auskommen». Diplomatie werde überbewertet und die USA seien trotz aller politischen Korrektheit weltweit unbeliebt. «Alle hassen uns.»

Trumps Bemerkungen geben einen kleinen Vorgeschmack auf das, was sich bei der ersten TV-Debatte der Republikaner am Donnerstag (3 Uhr MESZ am Freitag) abspielen könnte. Der milliardenschwere Unternehmer hat sich mit seinen reißerischen Bemerkungen nicht nur an die Spitze der Umfragen bei den republikanisch neigenden Wählern gesetzt, sondern ist dank seiner spitzen Zunge auch der neue Medienliebling. Kaum ein Tag vergeht ohne Trump-Titelzeile. Die Aufregung um Hillary Clintons E-Mails war gestern - Trump beherrscht die Schlagzeilen.

Ob der Marktschreier allerdings auch eine echte politische Diskussion überlebt, muss sich erst noch zeigen. Als Gewinner könne er in Cleveland dann vom Platz gehen, wenn er überzeugende Argumente liefert ohne zu feindselig zu klingen, meint die «New York Times». Er müsse sich als seriöse Stimme gegen das Establishment der neun weiteren Kandidaten behaupten, die anders als der quer einsteigende New Yorker Investor früh Karrieren als Berufspolitiker begannen.

Allen voran wäre da Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida sowie Sohn und Bruder zweier ehemaliger Präsidenten. Trotz seines massiven Finanzierungsapparats - Bush kommt schon jetzt auf Spenden von mehr als 114 Millionen Dollar - hat er das Ruder bisher kaum an sich reißen können. Ein Liebling alteingesessener Konservativer bleibt er trotzdem. Wenn die zehn nach Ergebnissen aus fünf nationalen Umfragen ausgewählten Top-Kandidaten sich in die rhetorische Kneifzange nehmen, dürfte vor allem spannend werden, wie das Duell zwischen Trump (20,8 Prozent Zustimmung) und Bush (12,2 Prozent) ausgeht.

Auch Wisconsins Gouverneur Scott Walker hat mit 13,7 Prozent Zustimmung der Wähler einen Platz in der zweistündigen Debatte sicher. Und auch er sollte sich auf Attacken Trumps gefasst machen. «Wisconsin ist ein Durcheinander», wetterte der Immobilienunternehmer kürzlich. Floridas Senator Marco Rubio, Arkansas' Ex-Gouverneur Mike Huckabee und der äußerst konservative Tea-Party-Mann Ben Carson dürften es ebenfalls in die Top 10 schaffen. Auch die Senatoren Rand Paul und Ted Cruz gelten als sicher - New Jerseys Gouverneur Chris Christie muss dagegen noch um seinen Platz in der Debatte bangen.

Allzu sehr kann Trump sich in den voraussichtlich weniger als zehn Redeminuten nicht in politischen Fachfragen verheddern. Dennoch werden die Moderatoren des Senders «Fox News» versuchen, ihn aus der Reserve zu locken. «Bislang ist er mit stürmischer Kritik und pauschalen Verallgemeinerungen davongekommen», sagt Wahlkampfberater Kevin Madden gegenüber der «New York Times».

Zwar brüstet sich der Mann mit der meistdiskutierten Frisur Amerikas damit, sich trotz der Hilfsangebote seiner Berater überhaupt nicht auf die Debatte vorzubereiten. Doch die «Fox»-Moderatoren dürften ihm mehr entlocken wollen als holzschnittartige Kritik am iranischen Atomabkommen oder der Außenpolitik von Amtsinhaber Barack Obama. Oder wird er gar seinen heimlichen, angeblich «narrensicheren» Plan zum Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat erläutern müssen?

Dass ein echtes politisches Streitgespräch schnell zum Bremsklotz für die Trump'sche Tour de Force werden könnte, zeigten zuletzt seine verwirrenden Kommentare zum Umgang mit Migranten: Alle Einwanderer ohne Papiere sollten abgeschoben werden, sagte er im CNN-Interview. Die «guten» sollten dann durch einen «beschleunigten Prozess» wieder ins Land gelassen werden und legal in den USA leben können - aber nicht als Bürger. «Ich will sie aussiedeln. Ich will sie wieder rein holen und sie legal bleiben lassen. Aber sie müssen legal hier sein.» Nicht wenige US-Kommentatoren kratzten sich am Kopf.

Mit Obama und der demokratischen Spitzenreiterin Hillary Clinton haben die 17 offiziell kandidierenden Republikaner zwar gemeinsame Zielscheiben. Zerfleischen dürften sich die zehn Top-Kandidaten trotzdem. Und ihre Chance, die eigene Botschaft in die Welt zu setzen, dürfte in den wenigen Minuten Rampenlicht im Schlagabtausch mit Trump kommen. «Er ist von Natur aus sehr aggressiv und bereit, nahezu alles zu sagen», sagt Newt Gingrich, ehemaliger Vorsitzender des Abgeordnetenhauses. Seine Metapher für Trump: Nitroglycerin.

Mo, 2015-08-03 20:53
Washington (dpa)

Obama verkündet drastische Klimaschutz-Maßnahmen

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat am Montag drastische Maßnahmen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts verkündet. Als Kernpunkt der neuen Regeln müssen bestehende Kraftwerke erstmals ihren Schadstoffausstoß reduzieren - bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005. Der Klimawandel «ist die größte Bedrohung für unsere Zukunft», sagte Obama. Es gebe keine Zeit mehr zum Abwarten - sonst sei es zu spät. «Wir haben nur ein Zuhause, nur einen Planeten», beschwor Obama Kritiker seines Programmes. «Es gibt keinen Plan B.»

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Mo, 2015-08-03 19:00
Hannover (dpa)

Continental legt Halbjahresbilanz vor

Hannover (dpa) - Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental zieht am Dienstag (08.30 Uhr) Bilanz für die ersten sechs Monate des Jahres. Der schwache Euro, niedrige Rohstoffpreise für Kautschuk und das starke Wachstum aus eigener Kraft treiben den Dax-Konzern derzeit an. Branchenanalysten rechnen daher damit, dass Conti Umsatz und Gewinn vor Zinsen und Steuern auch im zweiten Quartal steigerte. Sie sehen jedoch auch eine höhere Steuerlast, weswegen der Konzern unterm Strich beim Gewinn auf Vorjahresniveau liegen dürfte. Conti hatte zuletzt im Mai seine Jahresprognose erhöht. Der Konzern will verstärkt im Bereich Software wachsen. Dort stärkte sich Conti zuletzt auch mit einem Zukauf und übernahm für 600 Millionen Euro Elektrobit aus Erlangen.

Mo, 2015-08-03 19:32
Hannover (dpa)

Kater stirbt in Tierklinik - Besitzer will Behandlung nicht zahlen

Hannover (dpa) - Ein Zivilstreit zwischen einem Katzenbesitzer und einer Tierklinik wird am Dienstag (14.30 Uhr) im Amtsgericht in Hannover verhandelt. Weil sein Kater Gizmo in der Klinik starb, will der Besitzer die Behandlungskosten nicht zahlen. Er glaubt, dass sein Tier von den Ärzten falsch behandelt wurde und dass dies letztlich zum Tod des Katers geführt hat. Die Tierklinik aus Hannover will aber trotz des Todes des Katers die Rechnung von fast 1500 Euro bezahlt haben.

Der Tierbesitzer hatte Gizmo 2011 in die Klinik gebracht, weil er nicht mehr viel gefressen und getrunken hatte. Die Ärzte gaben dem Tier Medikamente und Bluttransfusionen. Eineinhalb Wochen später starb der Kater. Erst bei einer Obduktion stellte sich später heraus, dass das Tier eine Herzerkrankung hatte. Dies habe der Klinik auffallen müssen, argumentiert der Besitzer.

Mo, 2015-08-03 19:32
Doha (dpa)

Kerry und die arabischen Verbündeten: Iran-Atomdeal stärkt Stabilität

Die Golfstaaten befürchten, der Iran könnte nach dem Atomdeal weiteren Einfluss in der arabischen Welt gewinnen. Bei seinem Besuch in Doha konnte US-Außenminister Kerry die Verbündeten beruhigen - zumindest ein wenig.

Doha (dpa) - Die arabischen Golfstaaten haben nach anfänglicher Skepsis das Atomabkommen mit dem Iran begrüßt, aber eine vollständige Umsetzung verlangt.. Zugleich äußerten die Mitglieder des Golf-Kooperationsrates (GCC) die Sorge, dass der Iran seinen Einfluss in der Region weiter ausbauen könnte. US-Außenminister John Kerry versprach den arabischen Verbündeten am Montag in Katars Hauptstadt Doha, die militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit auszubauen, um einer Destabilisierung der Region vorzubeugen.

Dabei geht es nach den Worten von Kerry beispielsweise um ein gemeinsames Training von Sondereinheiten oder den Austausch von Geheimdienstinformationen. Auch den Kampf gegen Extremisten wolle man weiter gemeinsam führen. Zum Golf-Kooperationsrat gehören Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Katars Außenminister Chalid al-Attija sagte, er hoffe, dass das Atomabkommen auf die gesamte Region ausgeweitet werde - eine Anspielung auf Israel, das zwar allgemein als Atommacht gilt, dies aber nicht offiziell bestätigt hat..

Die Minister seien sich einig, dass das Atomabkommen, sobald es vollständig umgesetzt sei, auf lange Sicht zur Sicherheit in der Region beitragen werde, sagte Kerry. «Unser Ziel ist es, dieses Abkommen vollständig umzusetzen und darauf zu hoffen, dass sich das Verhalten des Irans bessert.»

Die arabischen Verbündeten der USA haben die Atomeinigung des Irans mit den UN-Vetomächten und Deutschland vor drei Wochen mit großer Skepsis verfolgt. Sie werfen dem schiitischen Iran vor, er wolle seinen Einfluss in den mehrheitlich sunnitischen arabischen Ländern Stück für Stück ausbauen. Die Atomvereinbarung soll verhindern, dass der Iran Atomwaffen baut. Im Gegenzug sollen Wirtschaftssanktionen des Westens schrittweise aufgehoben werden.

Aus Teheran kamen versöhnliche Töne: «Diplomatie ist der einzige Weg, um Missverständnisse auszuräumen», sagte Vizeaußenminister Hussein Amirabdollahian an Saudi-Arabien gewandt. Die arabische Regionalmacht sich den Iran als gefährlichen Rivalen. Teheran würde jeden konstruktiven Schritt Riads positiv erwidern, sagte er dem Nachrichtensender Al-Alam.

In Doha fand zudem später am Tag ein Treffen zwischen Kerry, dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem saudischen Chefdiplomaten Adel Al-Dschubeir statt. Thema war unter anderem der Syrien-Konflikt. Russland ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes unter Machthaber Baschar al-Assad.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-08-03 18:55
Washington (dpa)

Obama verschärft Klimaziele - Widerstand und Zuspruch

Obama will mit ehrgeizigen US-Klimazielen zum Kampf gegen den Treibhauseffekt beitragen. Aber eine Umsetzung der neuen Regeln wird schwer werden. Die Kohleindustrie, Republikaner und zahlreiche Bundesstaaten laufen Sturm. Dagegen kommt Beifall aus Deutschland.

Washington (dpa) - Vier Monate vor der Internationalen Klimakonferenz in Paris hat die Regierung von US-Präsident Barack Obama verschärfte Maßnahmen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts bekanntgegeben. Als Kernpunkt der neuen Regeln müssen Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern, wie aus einer Mitteilung des Weißen Hauses hervorgeht. Obama wollte das Maßnahmenbündel - den sogenannten Clean Power Plan - am Montagabend (MEZ) offiziell verkünden.

In einem vorab auf Facebook veröffentlichten Video hatte er die Maßnahmen bereits am Sonntag als den bisher «größten, wichtigsten Schritt» der USA im Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet. Allerdings zeichnet sich massiver Widerstand gegen das am Kongress vorbei angeordnete Programm ab. Zahlreiche Bundesstaaten kündigten gerichtliche Klagen an, republikanische Präsidentschaftsbewerber kritisierten den Plan als verfassungswidrig.

Auch die Kohleindustrie läuft Sturm. Der «New York Times» zufolge müssten Hunderte Kohlekraftwerke schließen, sollten die Regeln nach den erwarteten langwierigen juristischen Auseinandersetzungen umgesetzt werden. Dagegen begrüßten Umweltschützer und die Bundesregierung die Klimaziele.  

Obama sagte in dem Video, der Klimawandel sei nicht mehr zu leugnen. Es sei nicht länger ein Problem, das auf die nächste Generation verschoben werden könne. Der Kampf gegen den Treibhauseffekt gehörte von Anfang an zu Obamas wichtigsten innenpolitischen Vorhaben, aber bisher waren seine Pläne am Widerstand des Kongresses gescheitert.

Die neuen Regeln gehen zum Teil über die Vorschläge hinaus, die bereits vor einem Jahr vorgelegt und zur Diskussion gestellt worden waren. So war zunächst eine 30-prozentige Reduzierung der Emissionen angepeilt worden. Die einzelnen Bundesstaaten sollen dagegen etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant haben, die ihnen jeweils von Washington vorgegebenen Reduzierungsziele zu erreichen. Auch können sie selber entscheiden, wie sie diese Vorgaben umsetzen. Aber weigern sie sich, wird ihnen ein Plan vorgeschrieben.

Obama zielt mit den Maßnahmen zugleich darauf ab, dass Energieunternehmen stärker und rascher auf Wind- und Sonnenenergie umstellen. Insgesamt sollen die Regeln auch eine mutige Vorgabe für den Klima-Gipfel in Paris Ende des Jahres sein, wenn die Welt nach jahrelangem Zögern entschlossene Schritte gegen Treibhausgase und Erderwärmung beschließen will.  

Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, lehnte Obamas Vorschläge als unrealistisch und wachstumshemmend ab. Er rief die Gouverneure aller 50 US-Staaten in einem Brief auf, den Plänen nicht zu folgen, wie der Sender CNN berichtete. Millionen Amerikaner müssten in Zukunft mit höheren Stromkosten rechnen, kritisierte der republikanische Präsidentschaftskandidat Marco Rubio. Mitbewerber Jeb Bush nannte die Regulierungen ein «Desaster».

Dagegen begrüßte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Initiative Obamas. «Der Schritt zeigt, dass Präsident Obama das Thema Klimaschutz als eines der prioritären Themen für seine zweite Amtszeit betrachtet», erklärte die SPD-Politikerin. Dies sei auch ein wichtiges Signal für die Klimakonferenz in Paris.

Die Umweltorganisation Germanwatch sprach von einem wichtigen Schritt im weltweiten Klimaschutz. «Auch in den USA zeigt sich: Die Zeit der Kohle läuft ab», sagte Lutz Weischer, der bei Germanwatch für Internationale Klimapolitik verantwortlich ist. «Nachdem bereits die EU, China und andere Länder detaillierte Klimaschutzmaßnahmen vorgestellt haben, ist Obamas Plan eine weitere gute Nachricht.»

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sprach ebenfalls von einem wichtigen Signal Obamas. «Damit stimmt Obama auf das Ende des globalen Kohlezeitalters ein», sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Pläne der Amerikaner zum Klimaschutz seien aber noch ausbaufähig.

Mo, 2015-08-03 19:14
Berlin (dpa) 

Bundesregierung will Hilfe für Flüchtlinge vor dem Winter klären

Viele Flüchtlinge werden derzeit in Zelten untergebracht. Sie müssen vor dem Winter ein festes Dach über dem Kopf haben. Für den Herbst geplante Bund-Länder-Beratungen kommen da zu spät. Das soll nun schneller gehen.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung stellt den Ländern wegen der Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen schnellere Entscheidungen in Aussicht. Danach könnte ein für den Herbst geplantes Bund-Länder-Treffen auf September vorgezogen und dabei auch über Finanzhilfen des Bundes gesprochen werden.

Zur Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) nach einem Termin im September sagte Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Montag im ZDF-«Morgenmagazin»: «Dafür sind wir sehr offen.» Dazu werde es «in diesen Tagen» Gespräche geben.

Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz betonte in Berlin, über die Herausforderungen müsse vor allem vor Einbruch der kalten Jahreszeit gesprochen werden. Das Innenministerium erklärte, auch eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern, die sich mit den Fragen der Leistungen für Asylbewerber befasst, soll noch im September und nicht erst im Herbst zu Ergebnissen kommen.

Sachsen will bis zum Winter alle Flüchtlinge und Asylbewerber in regulären Unterkünften unterbringen. Die Menschen brauchten ein festes Dach über dem Kopf, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) nach einem Besuch des umstrittenen Zeltlagers in Dresden. Nordrhein-Westfalen will die Hilfesuchenden künftig auch in Großzelten für jeweils 1000 Menschen unterbringen.

Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) lehnte den Vorstoß aus Baden-Württemberg ab, mehr Flüchtlinge in Ostdeutschland unterzubringen, weil es dort leerstehende Gebäude gebe. Die Verteilung von Flüchtlingen auf die Bundesländer nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel mit der Orientierung an Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft sei eine gerechte Regelung. Sachsen-Anhalt hat derzeit einen Anteil von rund drei Prozent. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kritisierte: «Der Vorschlag wird auch durch permanente Wiederholung nicht besser.»

Der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, hält auch nichts von der Idee. «Es löst ja das Problem der Erstaufnahme nicht», sagte Schmidt beim Besuch der überbelegten Landeserstaufnahmestelle im baden-württembergischen Ellwangen. Wenn Betten verlagert würden, müsse - um es effektiv zu machen - eigentlich auch die Verwaltung nachgezogen werden. Das halte er für unwahrscheinlich.

Angesichts vermehrter Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte forderte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Handeln auf. Sie müsse allen Bürgern klar sagen, dass Deutschland ein Land sei, «das ausländerfeindliche Anschläge und Hetze nicht duldet», sagte er der «Rheinischen Post».

Die Linke warnte davor, das Thema Asyl fast ausschließlich als Bedrohung oder Belastung für das Land zu sehen. Aussagen über vermeintlichen Asylmissbrauch seien die ideologische Unterfütterung für fremdenfeindliches und rassistisches Verhalten, sagte Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn. Notwendig seien nun vor allem zusätzliches Personal für die Bearbeitung der Asylanträge sowie eine vollständige Übernahme der Unterbringungskosten durch den Bund. Seehofer hatte am Sonntag vom Bund dauerhaft und spürbar mehr Hilfe für Länder und Kommunen verlangt. Die derzeit vorgesehene eine Milliarde Euro im Jahr müsse mindestens verdoppelt werden.

Die SPD drängte Merkel erneut, in der Union den Weg für ein Einwanderungsgesetz in dieser Wahlperiode zu ebnen.

Mo, 2015-08-03 19:00
München (dpa)

NSU-Prozess geht in die Sommerpause

München (dpa) - Im Münchner NSU-Prozess findet am Dienstag (11.00 Uhr) der letzte Sitzungstag vor der Sommerpause statt. Das Gericht pausiert danach für knapp einen Monat. Am 2. September geht das Verfahren weiter.

Einziger Zeuge ist am Dienstag ein Polizeibeamter aus der Schweiz. Er war an den Ermittlungen zur Tatwaffe vom Typ «Ceska» beteiligt, die nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft aus der Schweiz nach Deutschland zu den NSU-Tätern geschleust worden sein soll. Diese Pistole wurde bei neun der zehn NSU-Morde verwendet. Verantworten muss sich dafür als mutmaßliche Mittäterin die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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