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PRODUKT
der Woche

Beutel-Set

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Der Kleinste hat es in sich: Öffnet man ihn, kommen noch zwei größere Beutel zum Vorschein. Alle drei bestehen aus T-Shirts, die wegen kleiner Produktions- fehler ausgemustert wurden. Sie haben einen praktischen Tunnelzug und sind vielseitig verwendbar, zum Beispiel auf Reisen für Schuhe oder Schmutz- wäsche, fürs Turn- oder Badezeug und manches andere. Genäht werden die Beutel in den Elbe-Werkstätten von Menschen mit Behinderung.

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Do, 2015-07-30 20:12
Portland (dpa)

Greenpeace-Kletterer in Portland blockieren Shell-Eisbrecher

Portland (dpa) - Greenpeace-Aktivisten protestieren in Portland (US-Staat Oregon) mit einer spektakulären Kletteraktion gegen geplante Ölbohrungen in der Arktis. Der Shell-Eisbrecher «Fennica», der nach einer Reparatur im Hafen von Portland Richtung Alaska auslaufen sollte, drehte am Donnerstagvormittag (Ortszeit) nach Protesten um und legte wieder an einem Dock an, wie US-Medien berichteten.

Nach Mitteilung von Greenpeace hatten sich über ein Dutzend Umweltschützer an einer Brücke über dem Willamette-Fluss abgeseilt und damit die Durchfahrt des Eisbrechers behindert. Auf Bannern forderten sie den Schutz der Arktis und das Ende der arktischen Ölausbeutung.

Die Protestaktion in Portland hatte am Mittwoch begonnen. «Die US-Regierung muss endlich die Notbremse ziehen und Shell Bohrungen in der Arktis untersagen», sagte Larissa Beumer, Arktis-Expertin von Greenpeace, in einer Mitteilung.

Der Eisbrecher soll nach Angaben von Greenpeace Eisschollen von den Bohrstellen fernhalten. An Bord sollen sich außerdem wichtige Teile der Notfallausrüstung für die Shell-Bohrflotte befinden.

Do, 2015-07-30 19:42
Kabul (dpa)

Taliban ernennen Vizechef Mansur zum neuen Anführer

Nach dem Eingeständnis des Todes von Mullah Omar wird Vizechef Mansur zum Chef der Taliban ausgerufen. Doch das ist keine Garantie für einen glatten Übergang. Droht den Extremisten eine Führungskrise?

Kabul (dpa) - Die radikal-islamischen Taliban haben den Tod ihres Führers Mullah Omar eingestanden und dessen Stellvertreter Achtar Mohammad Mansur zum neuen Anführer erklärt. Das bestätigte ein Taliban-Funktionär aus der südafghanischen Stadt Kandahar der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Mansur hatte als Stellvertreter Omars gegolten, dem viele Islamisten persönlich die Gefolgschaft geschworen hatten. Beide waren seit dem Kampf gegen die sowjetischen Besatzer des Landes in den 1980er Jahren verbündet.

Die geplanten Gespräche der Taliban mit der afghanischen Regierung in Pakistan wurden am Donnerstag auf Wunsch der Taliban verschoben. Die afghanische Regierung erklärte, sie erwarte, dass mit Omars Tod die Voraussetzungen für die Friedensgespräche nun günstiger seien. US-Analysten der Soufan Group sehen das jedoch anders. Die Todesnachricht könne auch gerade jetzt lanciert worden sein, um die Friedensgespräche zu torpedieren, meinen sie.

Das Bekanntwerden des Todes Omars könne die Taliban in eine Führungskrise stürzen, hieß es. Der neue Anführer werde es schwer haben, sich in der gespaltenen Bewegung durchzusetzen, die sich der Konkurrenz des Islamischen Staates (IS) erwehren müsse. Mansur, der während des Taliban-Regimes der 90er Jahre zeitweise Chef der afghanischen Luftstreitkräfte war, floh nach dem Einmarsch internationaler Truppen nach Pakistan. Gegner werfen ihm vor, auch heute, nach der Rückkehr in sein Heimatland, noch eng mit pakistanischen Militärkreisen verbunden zu sein.

Am Mittwoch hatte die afghanische Regierung erklärt, Omar sei bereits im April 2013 in Pakistan gestorben. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestätigte am Donnerstag, dass Omar nach Angaben seiner Familie an einer Krankheit gestorben sei. Angaben zum Todeszeitpunkt machte er aber nicht. Frühere Todesmeldungen hatten die Taliban wiederholt bestritten.

Mitte Juni hatten die Taliban in einem von Mansur unterschriebenen Brief den selbsternannten Kalifen der Terrormiliz IS, Abu Bakr al-Bagdadi davor gewarnt, sich in ihren «Heiligen Krieg» in Afghanistan einzumischen. «Der Dschihad gegen die Invasionsarmee der Amerikaner und ihrer Diener in Afghanistan muss unter einer Flagge und einer Führung geführt werden», hieß es darin.

Der Brief sollte nach Meinung von Analysten das Überlaufen weiterer Aufständischer zum IS sowie Kämpfe um Territorien und Geld unterbinden. Der IS hat sein Kalifat in großen Teilen Syriens und des Iraks ausgerufen und versucht, in anderen muslimischen Ländern «Provinzen» zu erobern.

Unterdessen griffen die US-Streitkräfte die Taliban in der ostafghanischen Provinz Nangarhar erneut mit Drohnen an. Nach Angaben des Provinzgouverneurs vom Donnerstag wurden dabei mindestens 20 Extremisten getötet. Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan lief Ende vergangenen Jahres offiziell aus. Zumindest die USA fliegen aber weiterhin Angriffe mit unbemannten Flugzeugen auf die Taliban und andere Rebellengruppen.

Do, 2015-07-30 19:50
Villingen-Schwenningen (dpa)

Pilot stürzt mit Sportflugzeug auf Dach einer Spedition und stirbt

Villingen-Schwenningen (dpa) - Ein 74 Jahre alter Pilot ist im Schwarzwald mit seinem Sportflugzeug abgestürzt und an seinen Verletzungen gestorben. Wie die Polizei mitteilte, stürzte der Mann am Donnerstag aus zunächst ungeklärter Ursache über einer Spedition bei Villingen-Schwenningen ab - kurz nach dem Start auf einem nahe gelegenen Flugplatz. Das Flugzeug durchschlug das Dach.

Rettungskräfte eilten zur Unfallstelle, konnten den Piloten aber nicht mehr reanimieren. Kriminalbeamte und Experten für Flugunfälle nahmen Ermittlungen zur Unfallursache auf. Die Bergung des Flugzeugs sollte im Laufe des Abends erfolgen.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Do, 2015-07-30 19:27
Caracas (dpa)

Venezuela wirft Nachbarn Guyana im Ölstreit «Aggression» vor

Caracas (dpa) - Im Grenzkonflikt mit Guyana um eine ölreiche Region im Atlantik hat Venezuela den Ton verschärft. Präsident Nicolás Maduro warf der Regierung des kleinen Nachbarlandes vor, auf sein Angebot einer friedlichen Lösung mit «mehr Aggression, mehr Provokationen und mehr Verletzungen des internationalen Rechts» zu antworten. Bei dem Streit geht es um die Oberhoheit über lukrative Rohstoffreserven im Atlantik. Der US-Konzern Exxon Mobil führt auf Betreiben Guyanas in dem umstrittenen Grenzgebiet Probebohrungen durch und vermutet signifikante Öl-Vorkommen. Kritiker warnen den unter großen innenpolitischen Problemen leidenden Maduro, leichtfertig einen gewalttätigen Konflikt auszulösen.

Do, 2015-07-30 18:42
Angra (dpa)

Akw-Korruptionsskandal erschüttert Brasilien

Unter Helmut Schmidt wurde 1975 mit Brasiliens Militärdiktatur ein Atomabkommen geschlossen, es gilt bis heute. Während Deutschland aussteigt, baut Brasilien mit deutscher Technik gerade einen dritten Reaktor - doch anscheinend wurde bei der Auftragsvergabe geschmiert.

Angra (dpa) - Das auch in Deutschland umstrittene brasilianische Atomprojekt Angra 3 wird von einem Korruptionsskandal erschüttert. Dem bisherigem Präsidenten des Staatsunternehmens Eletronuclear, Othon Luiz Pinheiro da Silva, werde vorgeworfen, Schmiergelder in Höhe von 4,5 Millionen Reais (1,2 Millionen Euro) angenommen zu haben, berichtete die Zeitung «Folha de Sao Paulo».

Dabei geht es um die Vergabe von Bauaufträgen für den Reaktor. Pinheiro, ein Admiral der Marine im Ruhestand, war am Dienstag festgenommen worden. Bei den Ermittlungen der Bundespolizei geht es um die Zeit von 2009 bis 2014.

Das könnte aber nur die «Spitze des Eisberges sein», hieß es; bisher werden jedoch keine europäischen Firmen verdächtigt. Angra 3 soll eigentlich bis 2018 fertiggestellt werden. Seit 1975 gibt es ein deutsch-brasilianisches Atomabkommen, auf dessen Basis die ersten beiden Reaktoren 190 Kilometer südwestlich von Rio de Janeiro ans Netz gingen. Angra 2 entspricht wie der geplante dritte Reaktor vom Typ her dem stillgelegten bayerischen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld.

Fast 30 Jahre nach Planungsstart entschloss sich die Regierung von Präsident Luiz Inácio da Silva 2007, das inzwischen vier Milliarden Euro teure Projekt Angra 3 doch noch zu vollenden. Zwar gibt es für Angra 3 nach langen Debatten keine deutschen Kreditbürgschaften, aber die Grünen fordern auch ein Ende jeglicher technischen Unterstützung - viele Komponenten für Angra 3 wurden teils schon in den 80er Jahren aus Deutschland geliefert und lagern auf dem Gelände am Atlantik.

Der französische Atomtechnikkonzern Areva schloss 2013 mit Eletronuclear einen Vertrag über 1,25 Milliarden Euro für die Fertigstellung des 1405 Megawatt starken Kraftwerks ab, unter anderem soll eine digitale Leittechnik geliefert werden. Auf dpa-Anfrage teilte Areva am Donnerstag mit, dass man den Sachverhalt nicht kommentiere, «da es sich um ein laufendes Verfahren handelt». Der Auftragsumfang sei von den laufenden Ermittlungen nicht betroffen. Brasilien ist zu über 70 Prozent von Wasserkraft abhängig; wegen Dürren und wachsenden Strombedarfs wird der Ausbau der Atomkraft als Alternative gesehen.

Do, 2015-07-30 18:03
York (dpa)

Vereinte Nationen verabschieden erstmals Anti-Wilderei-Resolution

New York (dpa) - Auf Initiative Deutschlands hin haben die Vereinten Nationen erstmals mit einer Resolution zum Kampf gegen Wilderei aufgerufen. Das Töten von Wildtieren und der illegale Handel mit ihnen müsse als «ernstes Verbrechen» behandelt werden, lautet die Forderung in dem am Donnerstag von der UN-Vollversammlung in New York verabschiedeten Papier. Die Gesetzeslage dazu müsse international angeglichen werden, um besser gegen Wilderei kämpfen zu können. Die von Deutschland und dem westafrikanischen Gabun gemeinsam verfasste Resolution ist nach UN-Angaben die erste, die sich allein mit diesem Thema befasst. Sie ist allerdings nicht bindend.

Do, 2015-07-30 18:18
Istanbul (dpa)

Ermittlungen gegen Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei der Türkei

Istanbul (dpa) - Die türkische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Chef der pro-kurdischen Oppositiospartei HDP wegen Provokation eingeleitet. Selahattin Demirtas werde vorgeworfen, Bevölkerungsteile zur Bewaffnung provoziert und gegeneinander aufgewiegelt zu haben, berichtete die regierungsnahe Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Sollte es zur Anklage kommen, drohten Demirtas 24 Jahre Haft.

Hintergrund der Ermittlungen seien die Proteste zum Schutz der von der Terrormiliz IS bedrängten syrisch-kurdischen Stadt Kobane im vergangenen Oktober im Südosten der Türkei. Mehr als 40 Menschen kamen damals beim Zusammenstoß rivalisierender Gruppen ums Leben. Kurdische Kämpfer befreiten Kobane im Januar aus den Händen des IS.

Die HDP überwand bei den Wahlen am 7. Juni erstmals die Zehn-Prozent-Hürde und zog ins türkische Parlament ein. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag gesagt, es könne seiner Ansicht nach gegen einzelne Parteimitglieder der HDP vorgegangen werden, die Verbindungen zu Extremisten hätten. Die HDP steht der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. Den Friedensprozess mit der PKK hatte Erdogan, ebenfalls am Dienstag, vorerst beendet.

Do, 2015-07-30 18:10
York (dpa)

Vereinte Nationen verabschieden erstmals Anti-Wilderei-Resolution

Viele Milliarden Euro werden jedes Jahr mit illegalem Wildtierhandel umgesetzt - Tendenz steigend. Jetzt hat die UN-Vollversammlung sich erstmals mit einer Resolution in den Kampf gegen die Wilderei eingeschaltet. Deutschland hatte schon lange darauf gedrängt.

New York (dpa) - Auf Initiative Deutschlands hin haben die Vereinten Nationen erstmals mit einer Resolution zum Kampf gegen Wilderei aufgerufen. Das Töten von Wildtieren und der illegale Handel mit ihnen müsse als «ernstes Verbrechen» behandelt werden, lautet die Forderung in dem am Donnerstag von der UN-Vollversammlung in New York verabschiedeten Papier.

Die Gesetzeslage dazu müsse international angeglichen werden, um besser gegen Wilderei kämpfen zu können. Die von Deutschland und dem westafrikanischen Gabun gemeinsam verfasste Resolution ist nach UN-Angaben die erste, die sich nur mit diesem Thema befasst. Sie ist allerdings nicht bindend.

Der Kampf gegen Wilderei und Wildtierschmuggel insbesondere in Afrika sei nicht nur eine Aufgabe des Artenschutzes, sondern auch der Außen- und Sicherheitspolitik, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Mit den Erlösen werde häufig Terrorismus finanziert. «Das gefährdet die Entwicklung vieler Staaten Afrikas und birgt die Gefahr der Destabilisierung. Diese Resolution (...) ist ein Signal dafür, dass wir uns dieser Entwicklung entgegenstellen.» Die Umweltschutzorganisation WWF lobte die Resolution als Meilenstein.

Die Wilderei - Opfer sind vor allem Elefanten und Nashörner - in Afrika hat Umwelt- und Tierschutzorganisationen zufolge zuletzt stark zugenommen. Dabei sterben jedes Jahr beispielsweise rund 30 000 Elefanten weltweit - Tendenz steigend. Seit 1989 gibt es eigentlich ein weltweites Handelsverbot. Trotzdem werden beim illegalem Handel der europäischen Polizeibehörde Europol zufolge jedes Jahr bis zu 26 Milliarden Euro umgesetzt.

Do, 2015-07-30 17:11
Brüssel (dpa) 

Verband: Deutschland führt EU bei Ausbau von Meeres-Windkraft an

Brüssel (dpa) - Deutschland hat nach Branchenangaben Großbritannien zum ersten Mal als wichtigster Wachstumsmarkt für Meeres-Windenergie in der EU überholt. In der ersten Jahreshälfte wurden hierzulande Offshore-Turbinen mit einer Leistung von zusammen rund 1,7 Gigawatt ans Netz angeschlossen, wie der Europäische Windenergie-Verband Ewea am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Auf Rang zwei folgt Großbritannien (knapp 0,523 Gigawatt) vor den Niederlanden (0,114 Gigawatt).

Bei der bisher installierten Kapazität erreicht Deutschland mit aktuell 2,755 Gigawatt indes noch nicht Großbritanniens Gesamtleistung von 4,017 Gigawatt. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese (Kluft) in der nahen Zukunft geschlossen wird», erklärte ein Ewea-Sprecher.

Insgesamt gingen in der Europäischen Union von Januar bis Juni knapp 2,343 Gigawatt an Offshore-Leistung ans Netz - dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Dieser Zuwachs ist laut Ewea neben dem starkem Wachstum in Deutschland auch auf größere und damit leistungsstärkere Turbinen zurückzuführen.

Zudem seien besonders viele Bauprojekte abgeschlossen worden. Aus diesem Grund erwartet der Verband für das kommende Jahr eine Abschwächung: Zwar würden weiterhin Investitionen erwartet, bis zum Abschluss dieser Bauprojekte vergehe jedoch einige Zeit.

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Do, 2015-07-30 17:48
Kabul (dpa)

Taliban ernennen Vizechef Mansur zum neuen Anführer

Nach dem Eingeständnis des Todes von Mullah Omar wird Vizechef Mansur zum Chef der Taliban ausgerufen. Doch das ist keine Garantie für einen glatten Übergang. Droht den Extremisten eine Führungskrise?

Kabul (dpa) - Die radikal-islamischen Taliban haben den Tod ihres historischen Führers Mullah Omar eingestanden und dessen Stellvertreter Achtar Mohammad Mansur zum neuen Anführer erklärt. Das bestätigte ein Taliban-Funktionär aus der südafghanischen Stadt Kandahar der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Mansur hatte vier Jahre als Stellvertreter Omars gegolten, dem viele Islamisten persönlich die Gefolgschaft geschworen hatten.

Die geplanten Gespräche der Taliban mit der afghanischen Regierung in Pakistan wurden am Donnerstag auf Wunsch der Taliban verschoben. Die afghanische Regierung erklärte, sie erwarte, dass mit Omars Tod die Voraussetzungen für die Friedensgespräche nun günstiger seien. US-Analysten der Soufan Group sehen das jedoch anders. Die Todesnachricht könne auch gerade jetzt lanciert worden sein, um die Friedensgespräche zu torpedieren, meinen sie.

Das Bekanntwerden des Todes Omars könne die Taliban in eine Führungskrise stürzen, hieß es. Der neue Anführer werde es schwer haben, sich in der gespaltenen Bewegung durchzusetzen, die sich der Konkurrenz des Islamischen Staates (IS) erwehren müsse.

Am Mittwoch hatte die afghanische Regierung erklärt, Omar sei bereits im April 2013 in Pakistan gestorben. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestätigte am Donnerstag, dass Omar nach Angaben seiner Familie an einer Krankheit gestorben sei. Angaben zum Todeszeitpunkt machte er aber nicht. Frühere Todesmeldungen hatten die Taliban wiederholt bestritten.

Mitte Juni hatten die Taliban in einem von Mansur unterschriebenen Brief den selbsternannten Kalifen der Terrormiliz IS, Abu Bakr al-Bagdadi davor gewarnt, sich in ihren «Heiligen Krieg» in Afghanistan einzumischen. «Der Dschihad gegen die Invasionsarmee der Amerikaner und ihrer Diener in Afghanistan muss unter einer Flagge und einer Führung geführt werden», hieß es darin.

Der Brief sollte nach Meinung von Analysten das Überlaufen weiterer Aufständischer zum IS sowie Kämpfe um Territorien und Geld unterbinden. Der IS hat sein Kalifat in großen Teilen Syriens und des Iraks ausgerufen und versucht, in anderen muslimischen Ländern «Provinzen» zu erobern.

Unterdessen griffen die US-Streitkräfte die Taliban in der ostafghanischen Provinz Nangarhar erneut mit Drohnen an. Nach Angaben des Provinzgouverneurs vom Donnerstag wurden dabei mindestens 20 Extremisten getötet. Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan lief Ende vergangenen Jahres offiziell aus. Zumindest die USA fliegen aber weiterhin Angriffe mit unbemannten Flugzeugen auf die Taliban und andere Rebellengruppen.

Do, 2015-07-30 17:11
Wolfsburg (dpa)

«Falscher Prediger» wirbt Wolfsburger für den Dschihad Von Valentin Frimmer und Michael Evers, dpa

Einmal Dschihad und zurück: Zwei Wolfsburger, die sich dem IS-Terror anschlossen, kommen nun in Niedersachsen vor Gericht. Was brachte sie in der florierenden Autobauer-Stadt mit der mustergültigen Integration vieler Ausländer in die Fänge der Extremisten?

Wolfsburg (dpa) - Die Gräuel der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) spielen sich weit weg ab, in Syrien und im Irak. Auf im Internet kursierenden Fotos von Kämpfern in Heldenpose mit schweren Waffen aber tauchen auch hierzulande bekannte Gesichter auf. Inzwischen mehr als 700 Dschihadisten haben sich aus Deutschland auf den Weg ins Kampfgebiet gemacht, die Tendenz ist laut Verfassungsschutz steigend. Mindestens 20 davon kommen aus Wolfsburg, seit langem ein Zentrum radikaler Islamisten in Niedersachsen. Nach der Rückkehr nach Wolfsburg im Sommer 2014 wird zweien von ihnen von Montag an wegen der Unterstützung des IS der Prozess gemacht. Ihnen drohen einige Jahre Haft.

Warum ausgerechnet die VW-Stadt, die mit ihrer internationalen Bevölkerung bekannt ist für die gelungene Integration tausender Arbeiter aus dem Ausland? Die Frage stellt sich neben der generellen Frage, was junge Leute in die Fänge der Extremisten treibt.

Wolfsburg ist anders als andere Städte wohlhabend. Der Autobauer hat hier seinen Sitz. Die Stadt bietet für seine rund 125 000 Einwohner überdurchschnittlich viel. Es gibt ein renommiertes Kunst- und ein Wissenschaftsmuseum sowie die Autostadt, eine Art Freizeitpark von Volkswagen. Die Festnahme eines der zwei mutmaßlichen Dschihadisten erfolgt denn auch nicht dem Klischee entsprechend in einem tristen Vororthochhaus, sondern in einer Straße mit Einfamilienhäuschen im Stadtteil Reislingen.

Die Stadt wies darauf hin, dass viele der betroffenen Familien sehr gut in Wolfsburg etabliert seien. Ihre Kinder hätten ausgesprochen gute Schulabschlüsse, studierten oder machten eine Ausbildung. Im Falle vieler junger Menschen, die sich radikalisiert haben, habe das mit fehlender persönlicher Anerkennung zu tun. Wolfsburg hat auf die Entwicklungen reagiert und im Februar eine «Dialogstelle Jugendschutz» eingerichtet.

Als Gebetshaus für türkisch- und tunesischstämmige Muslime, meist der älteren Generation von VW-Arbeitern, beschreibt der Landesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Yilmaz Kilic, die Moschee beim Bahnhof. Dort soll laut Bundesanwaltschaft ein IS-Mitglied die beiden Männer rekrutiert haben, die nun vor Gericht kommen. «Die Radikalen klappern meist bestehende Moscheen ab - mit dem Versuch, sich dort zu festigen.» So sei es auch bei der radikalen Clique gewesen, die zunächst in der arabischen und später der Ditib-Moschee Hausverbot bekam. Eine ganz normale Moschee, sagt auch der Verfassungsschutz, der das Gotteshaus nicht unter Beobachtung hatte.

«Dem äußeren Anschein nach war dies ein ganz normaler jugendlicher Freundeskreis. Sie kamen zum Gebet und unterhielten sich untereinander», so Kilic. Erst nach Hinweisen gab es ein Hausverbot. Der Annahme, dass sich die Radikalisierung quasi unbemerkt in dem ansonsten unspektakulären Wolfsburg abspielte, widerspricht Kilic. «Der letzte Stand der Dinge ist, dass schon vor Bekanntwerden der Terrorzelle diesbezüglich Gespräche mit der Stadt, dem Bürgermeister, Landeskriminalamt und Verfassungsschutz geführt wurden.»

Das Landeskriminalamt widersprach Medienberichten, nach denen sich Angehörige wegen der drohenden Abreise eines der Männer an das LKA gewandt haben, die Behörden die Ausreise aber nicht verhindert hätten. Laut LKA gab es lediglich einen mündlichen Hinweis auf eine mögliche Ausreise. Da der Hinweisgeber den Kontakt abbrach, hätten die Behörden zu wenig für einen Passentzug in der Hand gehabt.

Was aber ist das Profil der Islamisten «made in Germany», die in Krisengebiete aufbrechen, aus denen die örtliche Bevölkerung zu Hunderttausenden flieht? Besonders anfällig für islamischen Extremismus seien junge Muslime, denen ein männliches Leitbild fehle, sagte kürzlich der Geschäftsführer des Landespräventionsrates, Erich Marks. Für den Geschäftsführer des Islamischen Kulturzentrums Wolfsburg, Mohamed Ibrahim, könnten die Gründe für eine Radikalisierung unter anderem Perspektivlosigkeit, Ausgrenzung und Langeweile sein. «Aber eine genaue Begründung dazu kann ich Ihnen nicht liefern», sagte er nach den Berichten zur Terrorzelle.

«Wir hatten mit Religion nichts zu tun», beteuerte einer der Angeklagten in einem in der Untersuchungshaft geführten Interview mit NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung». Ein «falscher Prediger» sei gekommen und habe Druck aufgebaut. «Wie kannst Du in Ruhe schlafen, also in der Wärme mit Heizung, wo junge Muslime gerade verhungern oder Frauen vergewaltigt werden?», soll er gefragt haben. Der Mann machte demnach auch Versprechungen: Von teuren Autos und vier Frauen gleichzeitig sei die Rede gewesen.

Der Wirbel um die Wolfsburger Zelle und die gefassten mutmaßlichen Terrorhelfer hinterlässt in der Stadt Spuren: «Man schaut sich mehr um», sagt eine 15-Jährige, die mit Freundinnen am Pizzastand ansteht. Obwohl ihr natürlich klar sei, dass nicht jeder bärtige Mann extrem ist. Die Islamistenszene sei Thema im Freundeskreis. «Es verunsichert natürlich, wenn man merkt, das kommt näher.» Bis vor kurzem hätten sie nichts davon geahnt.

Eine ältere Dame, eine frühere Lehrerin, drückt es nüchterner aus: «Es ist nicht schön.» Sie hofft, dass keiner ihrer früheren Schützlinge unter den Islamisten ist. «Ich habe keine Angst. Aber es tut mir leid um diese jungen Leute.»

Do, 2015-07-30 17:49
Kahramanmaras/Istanbul (dpa)

Schärfere Sicherheitsvorkehrungen für deutsche Soldaten in der Türkei

Nach der Aufkündigung des Friedensprozesses mit der kurdischen PKK wächst die Furcht vor Anschlägen in der Türkei. Auch die dort stationierte Bundeswehrtruppe geht auf Nummer sicher. Die Soldaten dürfen die Kaserne nicht mehr in Uniform veranlassen.

Kahramanmaras/Istanbul (dpa) - Angesichts der jüngsten Gewalteskalation in der Türkei hat die dort stationierte Bundeswehrtruppe ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Für die Raketenabwehr-Soldaten in Kahramanmaras wurde eine Ausgangssperre verhängt. Sie dürfen ihre Kaserne nur noch zu dienstlichen Zwecken und in Zivil verlassen. Zudem wurde die Bewachung der Kaserne durch türkische Kräfte verstärkt.

Bei Gefechten und einem Anschlag in der Türkei kamen allein am Donnerstag sechs Menschen ums Leben, darunter drei türkische Soldaten. Die türkische Luftwaffe flog neue Angriffe auf Stellungen der kurdischen PKK im Nordirak.

Das Auswärtige Amt rät angesichts der angespannten Situation in der Türkei bei Reisen über Land zu besonderer Umsicht und Vorsicht. «Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Anschläge auf die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul», heißt es aktuell in den Reise- und Sicherheitshinweisen auf der AA-Homepage.

Die Polizeidirektion in Istanbul teilte auf Anfrage mit, es liege zurzeit keine Sicherheitswarnung von türkischer Seite für die Metropole vor. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aber offensichtlich erhöht. So wurden zuletzt in einem Einkaufszentrum an der zentralen Geschäftsstraße Istiklal Besucher durchsucht, bevor sie eingelassen wurden.

Über die Schutzmaßnahmen der deutschen Soldaten informierte das Verteidigungsministerium die Fachleute der Bundestagsfraktionen in einem Schreiben. «Es liegen derzeit keine konkreten Hinweise vor, dass die in Kahramanmaras stationierten Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einer erhöhten Gefährdung ausgesetzt wären», heißt es darin. Dennoch seien zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen veranlasst worden. Dazu zähle auch die Beschränkung von Fahrten «auf das absolut notwendige Maß».

Die Stimmung unter den deutschen Soldaten in der Türkei ist nach Angaben ires Kommandeurs Michael Hogrebe weiterhin gut. Sie erfüllten «unaufgeregt und professionell ihren Auftrag», sagte der Oberst der Deutschen Presse-Agentur. «Gleichwohl, die berühmte hundertprozentige Sicherheit, die man gern immer hätte, gibt es nun mal leider nicht.»

In Kahramanmaras sind rund 260 deutsche Soldaten mit «Patriot»-Abwehrraketen stationiert. Der Nato-Partner Türkei hatte vor zweieinhalb Jahren um die Unterstützung zum Schutz vor Angriffen aus Syrien gebeten. Die Bundeswehrtruppe ist in einer türkischen Kaserne stationiert.

Die Skepsis gegenüber dem Einsatz wächst. Der Bundeswehrverband forderte eine Bundestagsdebatte über einen vorzeitigen Abzug der Soldaten aus der Türkei. Ein solcher Schritt dürfe kein Tabu sein, sagte Verbandschef André Wüstner der «Rheinischen Post» (Donnerstag).

Er wies wie der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels darauf hin, dass die Soldaten in der Türkei überlastet seien. Bartels sagte der «Nordwest-Zeitung» (Donnerstag): «Je länger der Einsatz läuft, desto schwieriger wird es. Vielleicht ist die Flugabwehr im Zuge der Bundeswehrreform doch zu klein geworden.»

Im vergangenen September musste das Verteidigungsministerium einräumen, dass bei gut einem Viertel (28 Prozent) der seit Anfang 2013 eingesetzten Soldaten die Karenzzeit von 20 Monaten zwischen zwei vier- bis sechsmonatigen Einsätzen nicht eingehalten werden konnte.

Nach mehreren Terroranschlägen mit Dutzenden Toten fliegt die türkische Luftwaffe seit vergangener Woche Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und der PKK im Nordirak. Das Vorgehen gegen die Kurden, deren Kämpfer den IS in Syrien zurückschlagen und somit Verbündete der USA sind, ist international höchst umstritten. Die türkische Regierung und die PKK erklärten den 2013 eingeleiteten Friedensprozess für nichtig.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Do, 2015-07-30 17:41
Brüssel (dpa) 

EU will Hilfen für Bauern nach Russland-Embargo verlängern

Brüssel (dpa) - Vom russischen Lebensmittel-Einfuhrstopp betroffene Branchen sollen weiterhin Hilfe von der Europäischen Union bekommen. Laufende Stützungsmaßnahmen sollten bis ins kommende Jahr hinein verlängert werden, teilte die Brüsseler EU-Kommission am Donnerstag mit.

Der Westen wirft Moskau Unterstützung der Separatisten im ukrainischen Bürgerkrieg mit Soldaten und Waffen vor. Die EU verhängte im vergangenen Jahr Wirtschaftssanktionen, Russland stoppte den Import vieler westlicher Lebensmittel. Beide Seiten verlängerten ihre jeweiligen Maßnahmen vor kurzem. Um den heimischen Markt angesichts wegbrechender Exporte zu stützen, greift die EU Landwirten seit vergangenem Jahr unter die Arme.

Um die Milchpreise zu stabilisieren, kaufen Behörden Butter und Magermilchpulver auf, zudem gibt es Hilfen für die vorübergehende Lagerung dieser Produkte. Diese Maßnahmen würden normalerweise Ende September auslaufen und sollen bis Ende Februar verlängert werden.

Für besonders betroffene Obst- und Gemüsesorten sollen Regelungen, die Ende Juni ausliefen, um ein weiteres Jahr verlängert werden. Dabei wird die Ware zum Beispiel gratis an wohltätige Organisationen abgegeben, an Tiere verfüttert oder kompostiert oder auch gar nicht geerntet. All dies soll helfen, durch eine Verknappung des Angebots die Preise zu stabilisieren. Die EU-Kommission arbeitet derzeit noch an juristischen Details, die Annahme der Vorschläge ist nach Darstellung der Behörde aber nur eine Formsache.

Do, 2015-07-30 16:55
(dpa)

Aufnahmestopp für Flüchtlings-Zeltlager nach Krankheitsfällen

Marburg/Wetzlar/Gießen (dpa) - Wegen ansteckender Erkrankungen von Bewohnern gilt für zwei Flüchtlings-Zeltlager in Hessen ein  Aufnahmestopp. Nach einem Windpocken-Fall in Marburg dürfe dort niemand aufgenommen werden, der nicht sicher gegen die Krankheit immun sei, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. In Wetzlar gab es einen Fall von Hepatitis A, der ebenfalls zu einem Belegungsstopp führte. «Der Betroffene wird derzeit im Krankenhaus behandelt. In Absprache mit dem Gesundheitsamt werden alle Kontaktpersonen vorsorglich geimpft.»

Der Marburger Patient sei auf die Krankenstation in Gießen verlegt worden, hieß es weiter. Eine Ärztin in Marburg beobachte, ob es Ansteckungen unter den rund 330 Bewohnern gebe. Die fraglichen Unterkünfte gehören zu Hessens Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Der Aufnahmestopp könnte eine stärkere Belastung für andere Unterkünfte bedeuten.

Do, 2015-07-30 17:06
Haag/Moskau (dpa)

Internationale Empörung nach Russlands Veto gegen MH17-Tribunal

Vor einem Jahr wurde Flug MH17 über der Ostukraine abgeschossen. 298 Menschen starben. Werden die Täter jemals vor ein Gericht kommen? Moskau sagt erstmal njet zu einem UN-Tribunal.

New York/Den Haag/Moskau (dpa) - Russland ist nach seinem Veto gegen ein UN-Tribunal zum Abschuss des Passagierfluges MH17 international scharf kritisiert worden. Die Regierungschefs der am meisten von der Tragödie betroffenen Länder reagierten am Donnerstag zutiefst empört und enttäuscht.

Eine EU-Sprecherin sagte: «Wir bedauern sehr, dass der UN-Sicherheitsrat die Resolution wegen des russischen Vetos nicht verabschiedet hat.» Mit ihr wäre ein verbindlicher und glaubwürdiger Mechanismus zur Verfolgung der Verantwortlichen für die schreckliche Katastrophe mit 298 Todesopfern geschaffen worden.

Russland verteidigte hingegen seine Ablehnung. Die Veto-Macht hatte die Resolution über ein UN-Tribunal am Mittwochabend mit dem Hinweis auf die noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen blockiert. Die Boeing der Malaysia Airlines war vor einem Jahr über der Ostukraine abgeschossen worden. Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig für die Katastrophe verantwortlich.

Durch das Veto hätten die internationalen Bemühungen um einen unabhängigen Prozess einen «Rückschlag» erlitten, erklärte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte in Den Haag. Da die meisten Opfer Niederländer waren, leitet das Land alle Ermittlungen zu Ursache und Tätern. Die Untersuchungen laufen noch; ein Schuldiger wurde bisher nicht benannt.

Die Niederlande bekräftigten ihre Entschlossenheit, die Verantwortlichen vor ein Gericht zu bringen. «Daran ändert das Veto nichts», erklärte Rutte. Die am meisten von der Katastrophe betroffen Länder - Niederlande, Ukraine, Malaysia, Australien und Belgien - prüfen nun andere Möglichkeiten der Strafverfolgung.

Australiens Regierungschef Tony Abbott nannte das Veto «unerhört». Russland habe das Recht der Opferfamilien missachtet zu erfahren, wer für den Absturz verantwortlich sei, ließ er mitteilen. Damit werde die Sorge unterstrichen, dass Moskau die Täter schütze.

Russland verteidigte dagegen seine Entscheidung. Die Initiative sei voreilig und politisch motiviert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau trete dafür ein, dass diese Ermittlung nicht zu einem politischen Schauprozess werde. Das Außenministerium bekräftigte zugleich, dass Russland zu einer objektiven Aufklärung beitragen wolle.

Die ukrainische Führung in Kiew warf indes Russland vor, den Fall selbst zu politisieren. «Es geht um eine individuelle strafrechtliche Verantwortung für Mord. Es geht nicht um Politik», kommentierte Außenminister Pawel Klimkin.

Die Ukraine sieht das Veto zugleich auch als Beweis für die Verantwortung Moskaus. «Das Veto Russlands ist ein überzeugender Beweis der Schuld russischer Terroristen und der direkten Verbindung des Kremls zum Mord an unschuldigen Leuten», schrieb der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk bei Facebook. 

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Die Lage ist ernst!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

Keine Anzeige!

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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