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Fr, 2016-02-12 06:59
Paris (dpa)

Hollande fordert erneut Ende der Macht von Assad

Paris (dpa) - Frankreichs Präsident François Hollande hat erneut ein Abtreten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gefordert. «Wir müssen dafür sorgen, dass Baschar al-Assad die Macht abgibt», sagte Hollande am Donnerstagabend im französischen Fernsehen. Der französische Staatschef forderte ein Ende der russischen Unterstützung Assads, der einen Teil seines Volkes massakriere.

Fr, 2016-02-12 06:50
Singapur (dpa)

Ölpreise erholen sich von erneuten Verlusten

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben sich am Freitag von abermaligen Verlusten am Vortag leicht erholt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April 31,55 US-Dollar. Das waren 1,49 Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zur Lieferung im März stieg um 1,27 Dollar auf 27,48 Dollar.

Am Donnerstag hatte amerikanisches Leichtöl ein neues mehrjähriges Tief erreicht. Der Preis fiel bis auf 26,05 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2003. Europäisches Rohöl lag dagegen etwas über seinem gut zwölfjährigen Tiefstand. Unverändert drückt ein zu hohes weltweites Angebot auf die Preise. Mitte 2014 musste für ein Fass Rohöl mit etwa 110 Dollar fast das Vierfache des aktuellen Preises gezahlt werden.

Fr, 2016-02-12 06:09
München (dpa)

Lawrow: Luftangriffe auf IS und Nusra in Syrien gehen weiter

München (dpa) - Russland will auch nach Inkrafttreten der in Syrien geplanten Waffenruhe seine Luftangriffe auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) fortsetzen. Das kündigte Außenminister Sergej Lawrow nach den nächtlichen Verhandlungen am Freitagmorgen in München an. Die Waffenruhe, die innerhalb einer Woche beginnen soll, gelte nicht im Kampf gegen den IS und die Al-Nusra-Front, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Russland, die USA und wichtige Regionalmächte hatten sich in stundenlangen Gesprächen auf die Feuerpause geeinigt. Lawrow betonte, zunächst müssten aber die syrische Regierung und die Opposition einwilligen.

Fr, 2016-02-12 06:32
Nürnberg (dpa)

Trotz Bürgerkrieg: Handel mit Luxus-Seife aus Aleppo geht weiter Von Klaus Tscharnke, dpa

Die Lage in der Region Aleppo hat sich zuletzt dramatisch verschärft. Trotzdem geht selbst in der bürgerkriegserschütterten syrischen Millionenstadt das Leben irgendwie weiter - noch immer wird dort eine in Deutschland geschätzte Luxusseife produziert.

Nürnberg (dpa) - Es sind nur noch wenige. Aber für diejenigen, die bis heute durchgehalten haben, ist es offensichtlich ein einträgliches Geschäft: Trotz Bombenhagels und Belagerung produzieren bis heute ein paar wenige Familie in der bürgerkriegserschütterten syrischen Millionenstadt Aleppo eine luxuriöse Bio-Naturseife - überwiegend für den deutschen Markt, berichtet der in Deutschland lebende Syrer Bassam Al Machout.

Zusammen mit seinem Bruder präsentiert er die nach jahrhundertealtem syrischen Rezept hergestellte Aleppo-Seife derzeit auf der Nürnberger Naturkosmetikmesse Vivaness. Jahr für Jahr setzt er über die in Stuttgart sitzende Importfirma Zhenobya rund 70 Tonnen der grünlich-grauen Seifenblöcke auf dem deutschen Markt ab - im eigenen Online-Shop ebenso wie in Naturkostläden, Reformhäusern, Apotheken und luxuriösen Parfümerien.

Klar wirke es angesichts der jüngsten Schreckensnachrichten über die immer heftiger werdenden Kämpfe in der Region Aleppo auf den ersten Blick etwas befremdlich, wenn man jetzt mit Aleppo-Seife hausieren gehe, räumt Al Machout ein. «Aber für uns Syrer ist das ein Zeichen: Das Leben in Syrien geht weiter. Ich möchte die Leute, die in ihrem Land bleiben statt zu fliehen, unterstützen», betont der mit einer Schwäbin verheiratete Syrer.

Trotzdem: Der jahrelange Bürgerkrieg macht für Al Machout und seinen Bruder das Geschäft mit der Aleppo-Seife immer schwieriger: «Die Seifenproduktion ist auf 15 Prozent der früheren Menge geschrumpft», berichtet er an seinem Messestand. Den letzten Container mit rund 20 Tonnen Aleppo-Seife hat er letzten Sommer via Hamburger Hafen erhalten. Inzwischen hat er auch schon mal Seife einfliegen lassen. «Das waren aber nur 170 Kilo.»

Jetzt hofft er, dass es ein in Afrin, einer Stadt im syrischen Kurdengebiet, stehender voll beladener Container in den nächsten Wochen unbeschadet in die syrische Hafenstadt Latakia schafft. Von dort geht die Ladung in 15 Tagen per Schiff nach Hamburg. «Solche Transporte sind sehr gefährlich. Die Transporteure verlangen dafür das Vier- bis Fünffache des normalen Preises. Aber das nehmen wir in Kauf. Hauptsache wir bekommen wieder eine Lieferung der Original-Seife», sagt Machout.

Während die von Seifensieder-Familien hergestellte Rohmasse in einem Gewerbegebiet von Aleppo weiter verarbeitet wird, formen sie später spezielle Maschinen in einem Werk in Afrin zu kleinen Blöcken. Was die Besonderheit der Aleppo-Seife nach Machouts Angaben ausmacht: Die Seife bestehe allein aus Olivenöl mit unterschiedlichen Anteilen Lorbeeröl - und wechselnden Duftnoten. Die Aleppo-Seife sei ein Stück syrischer Kulturgeschichte. «Die Inhaltsstoffe haben sich seit dem 8. Jahrhundert nicht geändert», behauptet er.

Nicht sonderlich überrascht zeigt sich Mouna Sabbagh über den noch immer florierenden Handel mit Aleppo-Seife. «In Aleppo sind seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs zwar drei Viertel der Wirtschaft zusammengebrochen. Aber es gibt durchaus einen Teil, der noch funktioniert», berichtet die Vorsitzende des in Passau sitzenden Vereins «Hilfe für Aleppo». Die gebürtige Syrerin hat noch immer enge Kontakte zu Verwandten und Freunden in Aleppo. Bei häufigen Telefonaten informiert sie sich über die Lage dort.

Selbst in den bisher von Rebellen gehaltenen und stark zerstörten Teilen der Stadt Aleppo gehe das Leben weiter, macht sie deutlich. «Die Menschen in Aleppo sind Lebenskünstler, die mit viel Kreativität und Erfindungsreichtum die Probleme lösen», erzählt sie. Dass die Aleppo-Seife selbst im Bombenhagel ihren Weg nach Europa findet, bezweifelt sie keinen Moment. «Meine Landsleute sind sehr erfinderisch», sagt sie.

Fr, 2016-02-12 06:52
München (dpa)

Neue Hoffnung für Syrien - Jetzt folgt der Realitätstest Von Michael Fischer, dpa

Der Rettungsversuch für den Friedensprozess in Syrien ist zunächst einmal geglückt. Aber was ist die Vereinbarung von München wert? Von einem Durchbruch will niemand reden.

München (dpa) - Manchmal ist schon der Teilnehmerkreis einer Pressekonferenz eine wichtige politische Botschaft. Als die Außenminister der USA und Russlands, John Kerry und Sergej Lawrow, in der Nacht zum Freitag in einem Münchner Luxushotel vor die rund 100 seit Stunden wartenden Journalisten treten, ist klar: Es gibt wieder Hoffnung auf Frieden in Syrien.

Kerry leitet sein Statement zwar mit Vorwürfen an das Regime von Präsident Baschar al-Assad und seine Helfer ein - ohne Russland zu nennen. Dann stellte er aber einen Plan vor, der den noch jungen Friedensprozess retten soll. «Ich glaube, wir haben Fortschritte gemacht», sagt er vorsichtig.

Nach den ernüchternden, teils schockierenden Ereignissen der vergangenen beiden Wochen war das kaum zu erwarten. Die syrische Armee war nördlich von Aleppo flankiert von russischen Luftangriffen vorgerückt. Mindestens 500 Menschen sollen bei der Offensive getötet worden sein, Zehntausende sind auf der Flucht. Die Friedensgespräche zwischen Assads Regime und der Opposition in Genf wurden nach nur wenigen Tagen abgebrochen. Die Amerikaner warfen den Russen vor, den noch jungen Friedensprozess zu sabotieren. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt über das Verhalten Moskaus.

Jetzt gibt es einen Plan mit drei Punkten:

- Die Gewalt in Syrien soll sofort deutlich eingedämmt werden. Innerhalb einer Woche soll eine «Feuerpause» erzielt werden. Dieser Begriff wurde mit Bedacht gewählt. Pause bedeutet, dass die Waffen nicht unbedingt dauerhaft schweigen sollen. In einen solchen «Waffenstillstand» will die syrische Opposition erst einwilligen, wenn Assad nicht mehr an der Macht ist. Außerdem soll der Kampf gegen die Terrororganisationen Islamischer Staat und al-Nusra ausgenommen werden. Kontrolliert werden soll der Prozess von einer Arbeitsgruppe unter Leitung der USA und Russlands.   

- Die humanitäre Hilfe für belagerte Gebiete soll sofort ermöglicht werden. In der Münchner Erklärung werden die Orte genannt, zu denen Hilfskonvois Zugang erhalten sollen.

- Der politische Prozess zur Bildung einer Übergangsregierung soll so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Über das Ziel dieses Prozesses besteht aber weiterhin keine Einigkeit. Der Westen will Assad loswerden, Russland steht ihm weiter zur Seite.

Trotzdem ist der Rettungsversuch für die Friedensgespräche nun zunächst einmal geglückt. Auf dem Papier ist die Vereinbarung von München ein deutlicher Fortschritt. Aber was ist dieses Papier wert?

Die Ukraine-Krise hat gezeigt, wie schwer Vereinbarungen über Feuerpausen umsetzbar sind. Der Minsker Friedensplan, der unter Vermittlung Merkels zustande kam, wird an diesem Freitag ein Jahr alt. Die Bilanz ist ernüchternd. In der Ostukraine gibt es immer noch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Wo eigentlich längst eine entmilitarisierte Zone sein sollte, stehen nach wie vor schwere Waffen.

Und der Syrienkonflikt ist noch deutlich komplizierter. Russland und die USA, Iran und Saudi-Arabien, die Türkei - alle verfolgen ihre eigene Agenda. Allerdings scheint auch Russland eingesehen zu haben, dass es in dem Bürgerkrieg keinen militärischen Sieger geben wird. Andernfalls würde es Verhandlungen wie im November in Wien und jetzt in München gar nicht geben.

Überzeugt von einem Erfolg ihrer Vereinbarung wirken Kerry und Lawrow auf der Pressekonferenz nicht. Die beiden würdigen sich kaum ein Blickes. «Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob sich alle Mitglieder der Gruppe in der Realität an die Verpflichtungen halten», sagt Kerry. Und Lawrow meint: «Das ist eine komplizierte Aufgabe. Es gibt zu viele Kräfte, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind.»

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wollte die Einigung nicht zu überschwänglich kommentieren. «Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch.»

Eine Alternative gibt es aber nicht.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew, der am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz reden wird, machte das in einem am Donnerstag veröffentlichten «Handelsblatt»-Interview mit drastischen Worten deutlich. Angesichts der vielen verschiedenen Kriegsparteien seien Verhandlungen der einzige Ausweg, sagte er: «Alle Seiten müssten gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen», mahnte er.

Der Weg für Gespräche ist jetzt wieder eröffnet - mehr aber noch nicht. 

Fr, 2016-02-12 05:45
Nürnberg/Köln (dpa)

Zoos klären am Valentinstag über Liebesleben der Tiere auf Von Cathérine Simon, dpa

«Zoo in love» und «Tour d'amour»: Zum Valentinstag haben sich einige Tiergärten einen besonderen PR-Gag einfallen lassen: Führungen rund um das Liebesleben von Tiger und Co.

Nürnberg/Köln (dpa) - Monogame Pinguine, rollige Löwen und emanzipierte Affen: Wer schon immer einmal alles rund um das Liebesleben der Tiere wissen wollte, ist am Valentinstag in so manchem Zoo richtig. Statt Rosen und Pralinen bieten etwa die Tiergärten in Nürnberg, Köln, Hannover, Krefeld oder Osnabrück an diesem Sonntag spezielle Führungen für Paare und Singles an. Natürlich ist das vor allem ein Trick, um Besucher anzulocken.

Doch man wolle die Tiere auch mal aus einer anderen Perspektive zeigen, sagt der Biologe und Nürnberger Zoo-Pädagoge Christian Dienemann: «Wir wollen schon etwas über den biologischen Hintergrund des Verhaltens erzählen. Es soll also kein Klamauk sein, aber auch nicht bierernst, sondern augenzwinkernd.» Manche Zoos bieten ganze Pakete mit Sekt oder Glühwein an. Billig sind die Führungen nicht: Zwischen fünf und 40 Euro kostet der Spaß pro Nase.

Themen sind etwa: Wie findet sich ein Tier-Paar überhaupt, welche Probleme gibt es dabei und wie funktioniert die Jungtieraufzucht? Ein Beispiel darf dabei natürlich nicht fehlen: Pinguine sind bekannt für ihre Treue. «Sie sind in der Regel sehr lange mit ihrem Partner zusammen - wenn auch nicht immer ihr ganzes Leben», sagt Dienemann.

Auch das Beziehungsverhalten der Seevögel sei recht ähnlich wie bei den Menschen: «Wenn Pinguin-Pärchen ganz neu zusammen sind, balzen die ganz viel.» Aber sie könnten sich meist nicht einigen, wer auf das Junge aufpasst. Wenn das Paar dann länger zusammen sei, werde weniger geturtelt. «Dafür sind sie dann bei der Aufzucht ganz routiniert. Wenn einer aufsteht, setzt sich der andere sofort aufs Ei. Bei Menschen sagt man ja auch: «Wie ein altes Ehepaar».»

Bei der Partnerwahl setzten die Tiere übrigens auf Hüftgold: «Humboldt-Pinguin-Weibchen bevorzugen dickere Männchen.» Denn dies sei ein Zeichen, dass sie bei der Jagd meist erfolgreich sind. Auch Rotschnabeltokos - kleine Hornvögel aus Afrika - haben einen speziellen Test für potenzielle Partner: «Bevor sich das Weibchen mit einem Männchen zusammentut, muss es sie füttern. Nur wenn es das gut macht, paart sie sich mit ihm.»

Flamingos legen bei ihrem Partner dagegen Wert auf Körpergefühl: Das Imponierverhalten bei der Balz sei stark ritualisiert, sagt Dienemann. «Man könnte sagen, sie tanzen.» Dabei suchten sich die Tiere einen Partner, der sich möglichst synchron mit ihnen bewegt.

manzipiert sind Zwergseidenäffchen-Weibchen aus Südamerika - die kleinsten echten Affen, die es gibt. Obwohl sie nur so groß sind wie eine Faust, bekämen sie fast immer Zwillinge. «Aber das Weibchen säugt die Jungtiere nur.» Der Kraftakt wäre sonst zu groß. Daher kümmern sich die Männchen oder der ältere Nachwuchs um die Babys.

Dass das Weibchen das wahre starke Geschlecht ist, zeigt sich auch an den Clownfischen - bekannt durch die Filmfigur «Nemo». Wenn sie geschlechtsreif werden, sind die Fische zunächst männlich. In jeder Gruppe ist das größte Tier immer das einzige Weibchen und es hat einen «Harem» aus Männchen. Stirbt die Chefin, verwandelt sich das stärkste Männchen in ein Weibchen. «Das zeigt, wie schwierig die Paarfindung manchmal sein kann - und welche Alternativen es gibt: «So Jungs, einer wird jetzt zur Frau»», erzählt Dienemann. «Es ist immer schön zu sehen, wie die Männer in den Führungen darauf reagieren.»

Auch über Löwen können die Biologen Spezielles berichten: «Löwen paaren sich während der etwa fünf bis sieben rolligen Tage des Weibchens zwischen 30- und 50-mal am Tag - im Schnitt ist das alle 15 Minuten», erzählt der Zoo-Pädagoge. «Da kann man sich als Mensch durchaus fragen: Möchte man das auch?»

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Fr, 2016-02-12 05:30
Regensburg (dpa)

Regensburger will mit Kutter Flüchtlinge im Mittelmeer retten Von André Jahnke, dpa

Die Bayern sind nicht gerade als Seefahrervolk bekannt. Nachdem im Mittelmeer aber Tausende Flüchtlinge ertrunken sind, will ein Mann aus Regensburg mit einem Kutter helfen.

Regensburg (dpa) - Mehr als 3700 Menschen sind im Vorjahr auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Als dann noch die italienische Marine ihre Operation «Mare Nostrum» zur Flüchtlingsrettung einstellte, platzte dem Regensburger Michael Buschheuer der Kragen. Für ihn war klar: «Viele haben es emotionslos hingenommen, dass Menschen ertrinken, und Deutschland diskutiert nur noch über die Verteilung der Flüchtlinge. Das geht nicht.» Er gründete vor fünf Monaten die Initiative «Sea Eye» und kaufte ein Schiff. Am 20. Februar soll der 24 Meter lange Hochseefischkutter von Rostock aus in See stechen. Ziel: Die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer.

Der 39-Jährige ist ein leidenschaftlicher Segler und war mit seiner Familie schon oft im Urlaub im Mittelmeer unterwegs. «Wir haben in der Sonne gebadet, unsere Füße im Meer gekühlt, und etwas südlich von uns ertrinken Menschen.» Dann habe er sich gefragt, ob er diese Situation noch aushält. «Die Antwort lautete: Nein. Und dann kam mir der Gedanke, im Mittelmeer zu kreuzen und mich selbst um die Rettung von Flüchtlingen zu kümmern.»

Buschheuer ist kein Romantiker oder Träumer. Er führt in Regensburg eine Firma für Korrosionsschutz mit 30 Mitarbeitern. Mit der Effizienz eines Unternehmers koordiniert er auch sein Hilfsprojekt. Nach dem Kauf des Kutters wird das Schiff derzeit in einer Rostocker Werft see- und rettungstauglich gemacht. Der 74 Kubikmeter große Laderaum wird mit Rettungsinseln für 400 Menschen und rund 700 Schwimmwesten sowie mit Wasser und Nahrung gefüllt. Die für Fischkutter typischen Winden werden abgebaut, ein Rettungsboot mit Außenbordmotor sowie eine Satellitenstation an Bord gebracht.

Der zweifache Vater will mit der insgesamt achtköpfigen Besatzung südlich der italienischen Insel Lampedusa kreuzen. «Entdecken wir ein in Not geratenes Flüchtlingsschiff, werden wir ein SOS absetzen und so eine Seenotrettung erzwingen», erläutert Buschheuer den geplanten Einsatz. «Bis zum Eintreffen qualifizierter Retter und der Küstenwache sichern wir das Überleben der Menschen auf den oft hoffnungslos überladenen Schlauchbooten. Nur im Notfall werden wir Flüchtlinge auf unserem Kutter aufnehmen.»

Die Initiative «Sea Eye» hat schnell Unterstützer gefunden. Aus Köln kommen wöchentlich die Reiseleiter Stefanie Zettl und ihr Lebenspartner Christian Eckert zu den Besprechungen nach Regensburg. «Ich kenne die Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen, und habe oft die Gastfreundlichkeit dieser Menschen erlebt», sagt Eckert, ein begeisterter Hochseesegler. Daher sei es für ihn selbstverständlich zu helfen. Seine Partnerin hat zwar Respekt vor dem Wetter und den Wellen in der Region, aber: «Ich habe oft an den Stränden auf Sizilien Holzplanken und Sandalen gesehen. Die Menschen sind gezwungen zu flüchten, da muss ich helfen», sagt Zettl. Beide opfern ihren Urlaub und viel Freizeit für die Aktion.

Fünfeinhalb Monate soll der Einsatz zunächst dauern. Die achtköpfige Crew besteht vor allem aus Menschen mit nautischer Erfahrung. Nach etwa zehn Tagen auf See wird die Besatzung ausgetauscht. Bislang haben sich 40 Freiwillige für den Bordeinsatz gemeldet, die ihren Urlaub opfern. «Niemand geht blauäugig in das Projekt. Aber es ist klar, dass der Einsatz auf Eigenverantwortung basiert», erläutert Buschheuer.

Derzeit sind einige private Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Neben «Sea Watch I» und «Sea Watch II» war vor einigen Tagen die  «Aquarius» von Bremerhaven aus Richtung Mittelmeer gestartet. Das 77 Meter lange Schiff kann sogar 200 Flüchtlinge an Bord nehmen, im Notfall auch bis zu 500.

Der Einsatz der «Sea Eye» kostet ungefähr 250 000 Euro. Die Initiative ist auf Spenden angewiesen. Einfach sei es nicht, an Gelder zu kommen, bedauert Buschheuer. Der Zeitgeist spreche nicht für das Unternehmen. «Es scheint leider ein Unterschied zu sein, ob man Menschen vor dem Ertrinken rettet oder eben Flüchtlinge.»

Fr, 2016-02-12 05:00
München/Moskau (dpa)

Syrien-Konferenz verabredet Ziel einer Feuerpause in einer Woche

Bekommt der Frieden in Syrien eine Chance? Binnen einer Woche soll es eine Feuerpause geben. Das Ergebnis eines hochrangigen Treffens in München wird aber selbst von Teilnehmern vorsichtig beurteilt.

München/Moskau (dpa) - Nach fünf Jahren Bürgerkrieg in Syrien mit Hunderttausenden Toten gibt es einen Hoffnungsschimmer. Binnen einer Woche sollen die Waffen schweigen. Auf dieses Ziel verständigten sich die USA, Russland und wichtige Regionalmächte in der Nacht zum Freitag in München.

«Es hat eine Verabredung heute gegeben, dass wir sofort starten mit einer - wie wir gesagt haben - signifikanten Reduzierung der Gewalt», sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach mehrstündigen Gesprächen. «Und das soll einmünden in einer Woche in einem Ende der Kampfhandlungen.» Gemeint sei ein Ende der Kampfhandlungen zwischen den Regimetruppen von Machthaber Baschar al-Assad auf der einen Seite und den Milizen der Opposition auf der anderen Seite. Ausgenommen seien aber Angriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat, erklärte er.

US-Außenminister John Kerry äußerte sich zurückhaltend über das Ergebnis der Konferenz: «Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob sich alle Mitglieder der Gruppe in der Realität an die Verpflichtungen halten.» Sein russischer Kollege Sergej Lawrow sagte zur angestrebten Feuerpause: «Das ist eine komplizierte Aufgabe. Es gibt zu viele Kräfte, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind.»

Ein Vertreter des Hohen Verhandlungskomitees der Regimegegner (HNC) sagte in München: «Wir müssen sehen, dass tatsächlich etwas passiert. Wenn etwas passiert und wenn die Vereinbarungen umgesetzt werden, dann werden wir uns sehr bald in Genf sehen». Die Friedensgespräche dort waren nach wenigen Tagen unterbrochen worden.

Zuletzt hatte sich der Konflikt nochmals verschärft: Westliche Länder warfen Russland vor, mit Bombardements in Syrien Zivilisten zu treffen und das Regime von Assad zu stützen. Seit Tagen hatte es massive Kämpfe um die Stadt Aleppo gegeben. Auch die USA bomben in Syrien, vor allem um den IS zurückzudrängen. Der zentrale Streitpunkt, ob Assad künftig noch eine Rolle in Syrien spielen soll, sei nicht beigelegt, erklärten Kerry und Lawrow. Aus US-Sicht muss der Machthaber abtreten, die Russen halten an ihm fest.

Die sogenannte Syrien-Unterstützergruppe, zu der auch die wichtigen Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien gehören, verständigte sich in München darauf, dass es schnelle humanitäre Hilfe für belagerte Orte geben müsse. Kerry sagte: «Alle waren sich über die Dringlichkeit humanitärer Hilfe einig.» Eine neue Task Force bei den Vereinten Nationen in Genf soll sich laut Steinmeier ausschließlich um den Zugang für humanitäre Transporte kümmern.

Im dem seit fast fünf Jahren tobenden Bürgerkrieg gab es bislang nur geografisch sehr begrenzte Feuerpausen in einigen Dörfern, aber keine Waffenruhe im ganzen Land. Mehr als 250 000 Menschen wurden in dem brutalen Konflikt schon getötet, Millionen in die Flucht geschlagen. Viele Gebiete sind derzeit von jeder Versorgung abgeschnitten.

Steinmeier sprach insgesamt von «Zwischenzielen», die man schaffen müsse, damit hoffentlich «in absehbarer Zeit» die politischen Gespräche zwischen Regime und Opposition in Genf fortgesetzt werden könnten. Er betonte: «Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch. Ob das ein Durchbruch war, wird sich in den nächsten Tagen beweisen müssen.» Er sei aber froh, dass man in München nun derart weit gekommen sei.

Die Friedensverhandlungen zwischen den syrischen Konfliktparteien in Genf waren vor einer Woche nach nur wenigen Tagen abgebrochen worden. Auslöser waren die massiven Angriffe des syrischen Regimes und der russischen Luftwaffe in der Region Aleppo. Die Kämpfe und Bombardements trieben Zehntausende Bewohner zur Flucht in Richtung Türkei. Trotz internationaler Appelle verweigert die Türkei ihnen an der Grenze aber bislang die Einreise.

Noch vor den Münchner Syrien-Verhandlungen hatte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew vor einem «Weltkrieg» im Falle der Entsendung westlicher oder arabischer Bodentruppen nach Syrien gewarnt. Bodentruppen würden den Krieg in Syrien nur auf unabsehbare Zeit verlängern, sagte er dem «Handelsblatt» (Freitag). Auch angesichts der vielen verschiedenen Kriegsparteien in Syrien sprach sich Medwedew für Verhandlungen als alleinige Möglichkeit zur Beendigung des Konflikts aus. Und verband das mit einer scharfen Warnung: «Alle Seiten müssten gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen.»

Die Bemühungen um ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien stehen ab Freitag auch im Mittelpunkt der Münchner Sicherheitskonferenz. Bis Sonntag beraten mehr als 30 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 60 Außen- und Verteidigungsminister über diesen und andere Krisenherde.

Fr, 2016-02-12 05:00
Arapata (dpa)

Koka als Exportschlager? Boliviens Traum und seine Grenzen Von Georg Ismar und Mario Roque, dpa

Koka-Tee, Koka-Zahnpasta, Koka-Gesichtscreme: Boliviens Präsident Evo Morales würde gern Kokablatt-Produkte zum Exportschlager machen. An der Blätter-Ökonomie hängen fast 150 000 Arbeitsplätze. Der Preis ist aber derzeit im Keller - ein Vorteil für die Kokainmafia.

Arapata (dpa) - Seit 65 Jahren pflückt sie diese Blätter. In sengender Hitze, von neun Uhr morgens bis mindestens 17 Uhr nachmittags. Acht Stunden, fast ohne Pause: Immer nur Koka. Franziska Berra hat nichts anderes gelernt.

«Gerade ist der Preis im Keller», klagt die 80-Jährige, die den ganzen Tag gebückt die grünen Blätter pflückt, den Kopf mit einem Tuch bedeckt, damit sie keinen Sonnenstich bekommt. Es ist Erntezeit - und Bolivien hat eine Überproduktion an Koka. Für die Libra (etwa ein Pfund) bekomme sie derzeit nur vier Bolivianos (0,50 Euro) Lohn.

«Das Koka-Blatt sichert mein Überleben», sagt Berra. Pro Tag verdient sie momentan aber oft nur 5 bis 7 Euro - es fehlen neue Absatzmärkte, um den Preis zu steigern. Wie kein anderes Land versucht Bolivien, gegen das Koka-Stigma anzukämpfen - und die Blätter international zu vermarkten. Heute hängen fast 150 000 Jobs an dem Agrarzweig. Arapata in den sogenannten Yungas, dem tropischen Bergregenwald, ist ein Zentrum des legalen Koka-Anbaus.

Entlang der staubigen Schotterstraßen sind überall die in Terrassen angelegten Plantagen mit den grünen, alkaloidhaltigen Blättern zu sehen. Sogar am Fußballplatz des Ortes blühen die Sträucher. «Die beste Koka Boliviens», meint der Taxifahrer Julio Mamani. «Aber klar, der niedrige Preis kann ein Anreiz sein, lieber an die Drogenhändler zu verkaufen», sagt er. Das ist das Dilemma der Koka-Wirtschaft.

Präsident Evo Morales würde gerne Koka-Tee, Koka-Zahnpasta, Koka-Wein und Koka-Cremes in aller Welt verkaufen. So wie die Quinoa, die als «Inka-Korn» in Bio-Supermärkten etwa in Berlin Karriere macht, da sie viele Proteine enthält und bei Vegetariern beliebt ist. 2009 holte Morales bei einer UN-Konferenz in Wien demonstrativ Koka-Blätter aus der Tasche und kaute sie. Auch Coca-Cola hat lange Koka-Extrakte benutzt und dabei von einer Sonder-Einfuhrgenehmigung profitiert.

Der gesamte Sektor macht nach Angaben der UN in Bolivien einen Umsatz von 251 Millionen Euro im Jahr (2014), was immerhin 0,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts entspricht und 8,8 Prozent der Umsätze des gesamten Agrarsektors - aber keiner weiß genau, wie groß die Kokain-Schattenwirtschaft ist. Kritiker werfen Präsident Morales vor, unter dem Deckmantel seiner Koka-Offensive viel zu wenig zur Bekämpfung der Kokainherstellung im Land zu tun.

Doch der Staatschef, früher selbst Koka-Bauer, predigt wie ein Mantra: «Das Koka-Blatt ist nicht gleich Kokain.» Mehr Koka-Absatzmärkte gleich weniger Kokainproduktion, lautet seine Theorie. In seinem Werbefeldzug für eine Legalisierung von Koka-Produkten hing er Papst Franziskus bei dessen Besuch im Juli 2015 in Bolivien nach der Ankunft einen Beutel mit Koka-Blättern um.

Franziskus hatte sich zuvor mit einem Koka-Tee im Flugzeug auf die Höhe Boliviens vorbereitet. Das Koka-Blatt hat in dem Andenstaat eine lange Tradition, die «Indigenas» nutzen es für ihre Kult-Zeremonien - und der Konsum ist legal. Er dämpft Erschöpfungserscheinungen, gilt als gesund und hilft Touristen, etwa in der rund 3600 Meter hoch gelegenen Metropole La Paz eine Höhenkrankheit zu vermeiden. Der Konsum ist nicht berauschend, Koka-Tee hat Ähnlichkeiten mit grünem Tee. Erst durch die Beigabe von Chemikalien entsteht in einem langwierigen Prozess die Droge Kokain - neben Bolivien sind Peru und Kolumbien die Hauptproduzenten des Rauschgiftes.

Für den legalen Sektor wurden 2014 laut UN 19 797 Tonnen Blätter produziert - auf dem Markt betrug der Durchschnittspreis für ein Kilogramm 58 Bolivianos (7,30 Euro). Das Gesetz erlaubt in Bolivien einen legalen Anbau auf 12 000 Hektar. Nach Angaben der Anti-Drogen-Behörde der Vereinten Nationen wurde die Koka-Anbaufläche 2014 zwar von 23 000 Hektar auf 20 400 Hektar verringert. Aber: Das bedeutet, dass weiterhin rund 40 Prozent der Blätter in den illegalen Markt wandern, in die Kokainproduktion. Für ein Kilo Kokain-Paste sind 120 Kilo der Koka-Blätter nötig.

Es gibt zwei Koka-Hauptanbaugebiete, das traditionelle in den Yungas, diese Blätter werden primär zum Kauen und für Koka-Tee verwendet. Und das größere, erst in den 1980er Jahren entstandene Anbaugebiet im tropischen Chapare bei Cochabamba, wo die Blätter alkaloidhaltiger und damit besser geeignet für die Kokainproduktion sind. Dort allein arbeiten rund 100 000 Koka-Bauern. Versuche der EU, den alternativen Anbau von Ananas und Bananen zu fördern, scheiterten wiederholt daran, dass mit Koka viel höhere Verdienste zu erzielen sind. Und pro Jahr sind bis zu vier Ernten der schnell wachsenden Blätter möglich.

Der Haken bei Boliviens Koka-Expansion ist die UN-Drogenkonvention. Vor vier Jahren kündigte Bolivien die Unterstützung der Konvention, weil sie die Koka-Pflanze ächtet, daher dürfen Koka-Tee und -Bonbons nicht nach Europa eingeführt werden. Erst nach einer Sonderregelung, die Bolivien den Blatt-Konsum erlaubt, trat Morales der Konvention wieder bei. Doch bisher sieht es nicht danach aus, dass es bald zu einer Öffnung für Koka-Produkte «Made in Bolivia» kommen könnte.

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde
Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

Geht doch!

Es muss nicht immer das Auto sein


Ein innovatives Mobilitätskonzept für Helsinki soll Mensch und Umwelt zugute kommen.

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Finnlands Hauptstadt will die Blechlawinen eindämmen. Aber nicht mit Verboten, sondern mit einer attraktiven Mobilitäts-App: Mit einem Klick verrät diese das optimale Verkehrsmittel für die jeweilige Route. Die Kunden können flexibel Carsharing, Leihräder, Busse, Bahnen oder auch Kleinbusse nutzen. Diese holen Passagiere nach Bedarf ab und bieten Gratis-Wi-Fi. Bezahlt werden muss nicht jeder Fahrschein einzeln, das System rechnet die Fahrten zentral ab. Bis 2025 will die Stadtverwaltung Helsinkis das innovative Konzept einführen und dadurch den öffentlichen Nahverkehr so einfach und günstig machen, dass private Autos überflüssig werden. Stadtentwickler und Verkehrsplaner schwärmen schon heute von den neuen Perspektiven für die Bewohner: Aus Parkplätzen werden Radwege, Alleen oder Fußgängerzonen und aus Parkhäusern Wohnraum. Die kommunale Verkehrsexpertin Sonja Heikkilä ist überzeugt, dass sich diese Vision realisieren lässt, zumal die junge Generation Autos nicht mehr als Statussymbol betrachte. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: An Konzernen wie Google führt bei dieser Mobilitätsnutzung kein Weg vorbei. Der Fahrgast wird gläsern.
hsl.fi/en/strategy

 

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Hamburg/Dortmund: Draht nach Hause
Angeblich um eine illegale Nutzung zu verhindern, stellen die Behörden in Flüchtlingsheimen oft keinen Internetzugang bereit. Private Initiativen wie die Freifunker wollen das ändern: Sie stellen WLAN-Router zur Verfügung und ermöglichen Hunderten von Flüchtlingen, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, online Deutsch zu lernen oder sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
freifunk.net

USA: Ölfressende Pflanzen
Biologisch abbaubare Substanzen sollen in Zukunft Ölteppiche beseitigen. Aus Pflanzen entwickelten US-Wissenschaftler einen als Phytol bezeichneten Alkohol, der den Ölfilm zusammendrängt. Die organischen Moleküle werden im Wasser gespalten und abgebaut. Aufgelegt wurde das Forschungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Finanziert hat es ausgerechnet der Mineralölkonzern BP.

Kopenhagen: Reste à la carte
Im dänischen Restaurant „Rub & Stub“ kommt seit Herbst 2014 auf den Tisch, was sonst im Müll gelandet wäre. Das nachhaltige Konzept kommt gut an – die Gäste stehen Schlange und sind gespannt darauf, welches Menü die Küchencrew aus den gelieferten Zutaten zaubert. In Amsterdam und Berlin macht das Experiment Schule. „Restlos glücklich“ heißt der deutsche Ableger. Das deutsche Start-up rief Mitte August eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Die Macher wollen nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch ihre Gäste zum Nachdenken über ihren Umgang mit Nahrungsmitteln anregen.

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Fr, 2016-02-12 04:00
Essen (dpa)

GM-Chefin erwartet von Opel in diesem Jahr schwarze Zahlen

Essen (dpa) - Der US-Autokonzern General Motors (GM) rechnet in diesem Jahr mit schwarzen Zahlen bei seiner deutschen Tochter Opel. «2016 wird ein entscheidendes Jahr», sagte GM-Chefin Mary Barra der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Freitag). «Wir wollen in diesem Jahr mit Opel die Gewinnschwelle durchbrechen. Das steht im Mittelpunkt.»

Opel hatte 2015 im Europageschäft einen operativen Verlust von 813 Millionen Dollar (744 Mio Euro) eingefahren, eine gute halbe Milliarde weniger als im Jahr zuvor. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte sich ebenfalls zuversichtlich geäußert, die Verlustzone verlassen zu können. «Wir behalten die Gewinnschwelle fest im Visier», bekräftigte er Anfang des Monats.

Zur Frage, ob bei den Diesel-Fahrzeugen von Opel alles korrekt und sauber sei, sagte Barra: «Unsere Fahrzeuge erfüllen die erforderlichen Abgasgrenzwerte. Sie haben alle erforderlichen abgasbezogenen Typzulassungstests erfolgreich durchlaufen.» Es gebe keine GM-Software, die erkenne, ob ein Auto auf einem Prüfstand betrieben werde.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte beim Kraftfahrt-Bundesamt beantragt, die Zulassung für Opel Zafira 1.6 cDi zu widerrufen. Die Umwelthilfe behauptet auf Grundlage von Tests, der Wagen stoße deutlich höhere Stickoxid-Werte aus als angegeben. Opel hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Fr, 2016-02-12 03:21
Berlin (dpa)

Iraks Regierungschef: Offensive auf IS-Hochburg Mossul beginnt bald

Wer den IS besiegen will, muss ihn aus der nordirakischen Metropole Mossul vertreiben. Doch das ist ein extrem schwieriges Unterfangen. Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi glaubt trotzdem an einen Sieg noch in diesem Jahr.

Berlin (dpa) - Die Offensive auf die IS-Hochburg Mossul soll nach Angaben des irakischen Regierungschefs Haidar al-Abadi sehr bald beginnen. «Wir planen, wahrscheinlich im nächsten Monat, eine volle militärische Operation zu starten, um die Stadt wiedereinzunehmen», sagte Al-Abadi der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview. «In diesem Jahr ist die Zeit gekommen, in der wir Daesh im Irak militärisch ein Ende setzen.» Daesh ist die arabische Abkürzung für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Extremisten hatten die nordirakische Millionenmetropole Mossul im Sommer 2014 überrannt. Die IS-Hochburg gilt als Schlüssel, um die Dschihadisten im Irak und auch in Syrien besiegen zu können. Die irakische Armee hatte Ende vergangenen Jahres mit Luftunterstützung vor allem der USA die westirakische Provinzhauptstadt Ramadi zurückerobert und dem IS damit einen Schlag versetzt.

Die Schlacht um Ramadi habe gezeigt, dass die Extremisten den irakischen Sicherheitskräften nicht die Stirn bieten könnten. «Ihr Widerstand ist zusammengebrochen, obwohl sie sehr hart gekämpft haben», sagte Al-Abadi. «Es gibt ein neues Selbstvertrauen in unsere militärischen Kräfte.» Zugleich sprach er sich für eine politische Lösung des syrischen Bürgerkriegs aus. «Syrien ist ein großer Stachel in unserem Kampf», erklärte er. Eine politische Lösung des Konflikts werde alle im Kampf gegen den IS vereinen.

Von Deutschland wünscht sich der schiitische Politiker Training und Ausrüstung, um Sprengsätze zu beseitigen, die der IS in großer Zahl benutzt. «Wir brauchen da eine große Anstrengung», sagte Al-Abadi. «Deutschland hat die Expertise und die Ausrüstung.» Wenn Deutschland zudem Polizei trainieren könne, dann werde er das begrüßen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Al-Abadi am Donnerstag bei einem Treffen in Berlin einen neuen Kredit über 500 Millionen Euro zugesagt. Er soll dem vom Zerfall bedrohten Irak beim Wiederaufbau helfen. Zu Bitten des Ministerpräsidenten um militärische Hilfe äußerte sich Merkel zurückhaltend. Deutschland unterstützt bereits die nordirakischen Kurden im Kampf gegen den IS militärisch.

Zugleich warf Al-Abadi den europäischen Staaten vor, im Kampf gegen Menschenschmuggler nicht an einem Strang zu ziehen. Es müsse eine konzertierte Aktion geben, die er jedoch nicht erkennen könne. «Ich kann interne Streitigkeiten zwischen den europäischen Ländern sehen darüber, wer für die Flüchtlinge verantwortlich ist», sagte er. «Jeder versucht, das Problem an den anderen weiterzureichen.»

Der Irak gehört zu den wichtigsten Herkunftsländern der Flüchtlinge, die nach Europa kommen. Nach offiziellen Angaben der Vereinten Nationen gibt es im Irak etwa 3,2 Millionen Binnenvertriebene. Hinzu kommen etwa 250 000 Flüchtlinge aus Syrien.

Fr, 2016-02-12 04:02
Milwaukee (dpa)

Sachliche TV-Debatte der US-Demokraten - Innen- und Sozialpolitik

Milwaukee (dpa) - Sachlich und inhaltlich: Nach den ersten beiden Vorwahlen in den USA war die TV-Debatte der Demokraten geprägt von Auseinandersetzungen über innen- und sozialpolitische Themen. Einen klaren Sieger gab es am Donnerstag (Ortszeit) nicht.

Hillary Clinton und Bernie Sanders trafen in Milwaukee (Wisconsin) aufeinander. Clinton hatte Iowa hauchdünn gewonnen, Sanders entschied New Hampshire mit weitem Abstand für sich.

Neben Fragen der Einwanderung und der Wahlkampffinanzierung gehörten zu den Themen unter anderem eine Gesundheitsversicherung für alle Bürger, der Arbeitsmarkt oder eine Polizeireform. Sanders sagte: «Wir müssen die Polizei entmilitarisieren, damit sie nicht mehr wie eine Besatzungsarmee aussehen.»

Clinton sagte, Masseninhaftierungen müssten beendet werden. Auch gebe es in den USA einen systemischen Rassismus, der ausradiert werden müsse. Sanders sagte, am Ende seiner ersten Amtszeit würden die USA nicht mehr das Land mit den vergleichsweise meisten Gefangenen weltweit sein.

Im kürzeren außenpolitischen Teil der Debatte profitierte Clinton von ihrer Erfahrung als frühere US-Außenministerin.

Die nächste Vorwahl der Demokraten findet am 20. Februar in Nevada statt. Die republikanischen Kandidaten treten am gleichen Tag in South Carolina an.

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

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Fr, 2016-02-12 03:30
Berlin (dpa)

Koalition dringt nach VW-Skandal auf Änderungen bei Emissionstests

Berlin (dpa) - Die schwarz-rote Koalition dringt angesichts des VW-Skandals auf generelle Änderungen bei Abgasmessungen. «Um verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, müssen die Aussagekraft von Emissionstests deutlich verbessert und umfassende Transparenz hergestellt werden», heißt es in einem Antrag von Union und SPD, über den der Bundestag voraussichtlich an diesem Donnerstag (18.2.) beraten soll.

Die Bundesregierung wird darin unter anderem aufgefordert, sich für den Aufbau staatlicher Prüfstände beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Nachmessen von Emissionen einzusetzen. Über Nachprüfungsergebnisse solle das Amt die Öffentlichkeit umfänglich unterrichten. Alle Autohersteller sollten dem KBA künftig ihre Motorsoftware offenlegen, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Ähnliche Neuregelungen hat auch eine von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Kommission zur Untersuchung des VW-Skandals vorgeschlagen. SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte: «Manipulationen wie bei Volkswagen müssen in der Zukunft verhindert werden. Ansonsten leidet das Vertrauen der Verbraucher.» Notwendig seien mehr Transparenz und eine bessere staatliche Kontrolle.

In dem Antrag mit dem Titel «Kfz-Emissionen senken und deutsche Automobilindustrie stärken» wird auch die Bedeutung der Branche für Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze in Deutschland unterstrichen. Zugleich wird betont, dass in den kommenden Jahren die Effizienz von Verbrennungsmotoren weiter gesteigert werden müsse. Die Zukunft der Antriebe werde besonders durch Wasserstoff und Strom bestimmt sein.

Fr, 2016-02-12 02:42
Berlin (dpa)

Iraks Regierungschef: Offensive auf IS-Hochburg Mossul beginnt bald

Berlin (dpa) - Die Offensive auf die IS-Hochburg Mossul soll nach Angaben des irakischen Regierungschefs Haidar al-Abadi sehr bald beginnen. «Wir planen, wahrscheinlich im nächsten Monat, eine volle militärische Operation zu starten, um die Stadt wiedereinzunehmen», sagte Al-Abadi der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview. «In diesem Jahr ist die Zeit gekommen, in der wir Daesh im Irak militärisch ein Ende setzen.» Daesh ist die arabische Abkürzung für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Extremisten hatten die nordirakische Millionenmetropole Mossul im Sommer 2014 überrannt. Die IS-Hochburg gilt als Schlüssel, um die Dschihadisten im Irak und auch in Syrien besiegen zu können.

Zugleich warf Al-Abadi den europäischen Staaten vor, im Kampf gegen Menschenschmuggler nicht an einem Strang zu ziehen. Es müsse eine konzertierte Aktion geben, die er jedoch nicht erkennen könne. «Ich kann interne Streitigkeiten zwischen den europäischen Ländern sehen darüber, wer für die Flüchtlinge verantwortlich ist», sagte er. Der Irak gehört zu den wichtigsten Herkunftsländern der Flüchtlinge.

Fr, 2016-02-12 01:24
München (dpa)

Neue Hoffnung für Syrien - Jetzt folgt der Realitätstest Von Michael Fischer, dpa

Der Rettungsversuch für den Friedensprozess in Syrien ist zunächst einmal geglückt. Aber was ist das Münchner Abkommen wert? Von einem Durchbruch will niemand reden.

München (dpa) - Manchmal ist schon der Teilnehmerkreis einer Pressekonferenz eine wichtige politische Botschaft. Als die Außenminister der USA und Russlands, John Kerry und Sergej Lawrow, in der Nacht zum Freitag in einem Münchner Luxushotel vor die rund 100 seit Stunden wartenden Journalisten treten, ist klar: Es gibt wieder Hoffnung auf Frieden in Syrien.

Kerry leitet sein Statement zwar mit Vorwürfen an das Regime von Präsident Baschar al-Assad und seine Helfer ein - ohne Russland zu nennen. Dann stellte er aber einen Plan vor, der den noch jungen Friedensprozess retten soll. «Ich glaube, wir haben Fortschritte gemacht», sagt er vorsichtig.

Nach den ernüchternden, teils schockierenden Ereignissen der vergangenen beiden Wochen war das kaum zu erwarten. Die syrische Armee war nördlich von Aleppo flankiert von russischen Luftangriffen vorgerückt. Mindestens 500 Menschen sollen bei der Offensive getötet worden sein, Zehntausende sind auf der Flucht. Die Friedensgespräche zwischen Assads Regime und der Opposition in Genf wurden nach nur wenigen Tagen abgebrochen. Die Amerikaner warfen den Russen vor, den noch jungen Friedensprozess zu sabotieren. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt über das Verhalten Moskaus.

Jetzt gibt es einen Plan mit drei Punkten:

- Die Gewalt in Syrien soll sofort deutlich eingedämmt werden. Innerhalb einer Woche soll eine «Feuerpause» erzielt werden. Dieser Begriff wurde mit bedacht gewählt. Pause bedeutet, dass die Waffen nicht unbedingt dauerhaft schweigen sollen. In einen solchen «Waffenstillstand» will die syrische Opposition erst einwilligen, wenn Assad nicht mehr an der Macht ist. Außerdem soll der Kampf gegen die Terrororganisationen Islamischer Staat und al-Nusra ausgenommen werden. Kontrolliert werden soll der Prozess von einer Arbeitsgruppe unter Leitung der USA und Russlands.   

- Die humanitäre Hilfe für belagerte Gebiete soll sofort ermöglicht werden. In der Münchner Erklärung werden die Orte genannt, zu denen Hilfskonvois Zugang erhalten sollen.

- Der politische Prozess zur Bildung einer Übergangsregierung soll so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Über das Ziel dieses Prozesses besteht aber weiterhin keine Einigkeit. Der Westen will Assad loswerden, Russland steht ihm weiter zur Seite.

Trotzdem ist der Rettungsversuch für die Friedensgespräche nun zunächst einmal geglückt. Auf dem Papier ist das Abkommen von München ein deutlicher Fortschritt. Aber was ist dieses Papier wert?

Die Ukraine-Krise hat gezeigt, wie schwer Vereinbarungen über Feuerpausen umsetzbar sind. Der Minsker Friedensplan, der unter Vermittlung Merkels zustande kam, wird an diesem Freitag ein Jahr alt. Die Bilanz ist ernüchternd. In der Ostukraine gibt es immer noch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Wo eigentlich längst eine entmilitarisierte Zone sein sollte, stehen nach wie vor schwere Waffen.

Und der Syrien-Konflikt ist noch deutlich komplizierter. Russland und die USA, Iran und Saudi-Arabien, die Türkei - alle verfolgen ihre eigene Agenda. Allerdings scheint auch Russland eingesehen zu haben, dass es in dem Bürgerkrieg keinen militärischen Sieger geben wird. Andernfalls würde es Verhandlungen wie im November in Wien und jetzt in München gar nicht geben.

Überzeugt von einem Erfolg ihrer Vereinbarung wirken Kerry und Lawrow auf der Pressekonferenz nicht. Die beiden würdigen sich kaum ein Blickes. «Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob sich alle Mitglieder der Gruppe in der Realität an die Verpflichtungen halten», sagt Kerry. Und Lawrow meint: «Das ist eine komplizierte Aufgabe. Es gibt zu viele Kräfte, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind.»

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wollte die Einigung nicht zu überschwänglich kommentieren. «Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch.»

Eine Alternative gibt es aber nicht.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew, der am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz reden wird, machte das in einem am Donnerstag veröffentlichten «Handelsblatt»-Interview mit drastischen Worten deutlich. Angesichts der vielen verschiedenen Kriegsparteien seien Verhandlungen der einzige Ausweg, sagte er: «Alle Seiten müssten gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen», mahnte er.

Der Weg für Gespräche ist jetzt wieder eröffnet - mehr aber noch nicht. 

Fr, 2016-02-12 01:21
München (dpa)

Die Vereinbarungen der Münchner Syrien-Konferenz

München (dpa) - Stundenlang haben die USA, Russland und wichtige Regionalmächte in München über eine Eindämmung des Syrienkriegs verhandelt. Dabei wurden nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier folgende Vereinbarungen getroffen:

- FEUERPAUSE: Es soll umgehend mit einer «signifikanten Reduzierung der Gewalt» begonnen werden. Dies soll laut Steinmeier in einer Woche in ein «Ende der Kampfhandlungen» münden - zwischen den Regimetruppen einerseits und den Milizen der Opposition auf der anderen Seite. Ausgenommen sind Angriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat. Russland und Iran sollen das Assad-Regime dazu bringen, die Waffen ruhen zu lassen. Um zu überprüfen, ob die Kämpfe wirklich eingestellt werden, soll es laut Steinmeier dichtere Abstimmungen «auch auf der militärischen Ebene» zwischen den USA und Russland geben. Dazu würden die beide Regierungen noch einmal Gespräche miteinander aufnehmen.

- HUMANITÄRE HILFE: Eingeschlossene Gebiete in Syrien sollen möglichst schnell mit Lebensmitteln, Medikamenten und ähnlichem versorgt werden - aus der Luft oder mit Lkw-Konvois. Dazu wurden viele Ortschaften konkret benannt. Erste Transporte sollen bereits bis zum Wochenende starten. Um dies zu gewährleisten, sollen alle Staaten der Syrien-Kontaktgruppe ihren Einfluss auf die unterschiedlichen Akteure in Syrien geltend machen. Bei den Vereinten Nationen in Genf wird eine neue Task Force geschaffen, die sich ausschließlich um den Zugang für humanitäre Transporte kümmern soll. Diese Task Force soll bereits an diesem Freitagnachmittag die Arbeit aufnehmen. Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen sollen überall im Land Zugang zu notleidenden Menschen erhalten.

- FRIEDENSPROZESS: Ziel ist laut Steinmeier, dass «in absehbarer Zeit» die politischen Gespräche zwischen Regime und Opposition in Genf fortgesetzt werden können. Diese waren vor einer Woche nach nur wenigen Tagen abgebrochen worden. «Dann muss und dann kann endlich verhandelt werden über die politische Zukunft Syriens und die Einrichtung einer nationalen Übergangsregierung, so wie die internationale Gemeinschaft das seit vier Jahren fordert», betont er.

Fr, 2016-02-12 01:22
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Steinmeier über die Ergebnisse der Syrien-Konferenz

«Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch. Ob das ein Durchbruch war, wird sich in den nächsten Tagen beweisen müssen.»

(Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Abschluss der Syrien-Gespräche am frühen Freitagmorgen in München.)

Fr, 2016-02-12 00:57
München/Moskau (dpa)

Syrien-Konferenz verabredet Ziel einer Feuerpause in einer Woche

Nach massiven Kämpfen um Aleppo gibt es nun einen Hoffnungsschimmer für Syrien: Die USA, Russland und wichtige Regionalmächte wollen eine Feuerpause binnen einer Woche. Bekommt der Frieden nun eine Chance?

München/Moskau (dpa) - Nach fünf Jahren Bürgerkrieg mit Hunderttausenden Toten sollen in Syrien binnen einer Woche die Waffen schweigen: Auf dieses Ziel verständigten sich die USA, Russland und wichtige Regionalmächte in der Nacht auf Freitag in München.

«Es hat eine Verabredung heute gegeben, dass wir sofort starten mit einer - wie wir gesagt haben - signifikanten Reduzierung der Gewalt», sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach mehrstündigen Gesprächen. «Und das soll einmünden in einer Woche in einem Ende der Kampfhandlungen.» Gemeint sei ein Ende der Kampfhandlungen zwischen den Regimetruppen von Machthaber Baschar al-Assad auf der einen Seite und den Milizen der Opposition auf der anderen Seite. Ausgenommen seien aber Angriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat, erklärte er.

US-Außenminister John Kerry äußerte sich zurückhaltend über das Ergebnis der Konferenz: «Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob sich alle Mitglieder der Gruppe in der Realität an die Verpflichtungen halten.» Sein russischer Kollege Sergej Lawrow sagte zur angestrebten Feuerpause: «Das ist eine komplizierte Aufgabe. Es gibt zu viele Kräfte, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind.»

Zuletzt hatte sich der Konflikt nochmals verschärft: Westliche Länder warfen Russland vor, mit Bombardements in Syrien Zivilisten zu treffen und das Regime von Assad zu stützen. Seit Tagen hatte es massive Kämpfe um die Stadt Aleppo gegeben. Auch die USA bomben in Syrien, vor allem um den IS zurückzudrängen. Der zentrale Streitpunkt, ob Assad künftig noch eine Rolle in Syrien spielen soll, sei nicht beigelegt, erklärten Kerry und Lawrow. Aus US-Sicht muss der Machthaber abtreten, die Russen halten an ihm fest.

Die sogenannte Syrien-Unterstützergruppe, zu der auch die wichtigen Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien gehören, verständigte sich in München darauf, dass es schnelle humanitäre Hilfe für belagerte Orte geben müsse. Kerry sagte: «Alle waren sich über die Dringlichkeit humanitärer Hilfe einig.» Eine neue Task Force bei den Vereinten Nationen in Genf soll sich laut Steinmeier ausschließlich um den Zugang für humanitäre Transporte kümmern.

Im dem seit fast fünf Jahren tobenden Bürgerkrieg gab es bislang nur geografisch sehr begrenzte Feuerpausen in einigen Dörfern, aber keine Waffenruhe im ganzen Land. Mehr als 250 000 Menschen wurden in dem brutalen Konflikt schon getötet, Millionen in die Flucht geschlagen. Viele Gebiete sind derzeit von jeder Versorgung abgeschnitten.

Steinmeier sprach insgesamt von «Zwischenzielen», die man schaffen müsse, damit hoffentlich «in absehbarer Zeit» die politischen Gespräche zwischen Regime und Opposition in Genf fortgesetzt werden könnten. Er betonte: «Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch. Ob das ein Durchbruch war, wird sich in den nächsten Tagen beweisen müssen.» Er sei aber froh, dass man in München nun derart weit gekommen sei.

Die Friedensverhandlungen zwischen den syrischen Konfliktparteien in Genf waren vor einer Woche nach nur wenigen Tagen abgebrochen worden. Auslöser waren die massiven Angriffe des syrischen Regimes und der russischen Luftwaffe in der Region Aleppo. Die Kämpfe und Bombardements trieben Zehntausende Bewohner zur Flucht in Richtung Türkei. Trotz internationaler Appelle verweigert die Türkei ihnen an der Grenze aber bislang die Einreise.

Noch vor den Münchner Syrien-Verhandlungen hatte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew vor einem «Weltkrieg» im Falle der Entsendung westlicher oder arabischer Bodentruppen nach Syrien gewarnt. Bodentruppen würden den Krieg in Syrien nur auf unabsehbare Zeit verlängern, sagte er dem «Handelsblatt» (Freitag). Auch angesichts der vielen verschiedenen Kriegsparteien in Syrien sprach sich Medwedew für Verhandlungen als alleinige Möglichkeit zur Beendigung des Konflikts aus. Und verband das mit einer scharfen Warnung: «Alle Seiten müssten gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen.»

Die Bemühungen um ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien stehen ab Freitag auch im Mittelpunkt der Münchner Sicherheitskonferenz. Bis Sonntag beraten mehr als 30 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 60 Außen- und Verteidigungsminister über diesen und andere Krisenherde.

Fr, 2016-02-12 00:17
München (dpa)

Syrien-Konferenz verabredet Ziel einer Feuerpause in einer Woche

München (dpa) - Bei den Syrien-Verhandlungen in München haben sich Russland, die USA und wichtige Regionalmächte eine Feuerpause in dem Bürgerkriegsland innerhalb einer Woche zum Ziel gesetzt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte nach schwierigen, stundenlangen Verhandlungen am frühen Freitagmorgen: «Es hat eine Verabredung heute gegeben, dass wir sofort starten mit einer - wie wir gesagt haben - signifikanten Reduzierung der Gewalt. Und das soll einmünden in einer Woche in einem Ende der Kampfhandlungen.» Ausgenommen seien aber die Angriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat.

Steinmeier betonte: «Ob das ein Durchbruch war, das werden wir erst in einigen Tagen feststellen können.» Auch US-Außenminister John Kerry erklärte: «Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob sich alle Mitglieder der Gruppe in der Realität an die Verpflichtungen halten.» Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte zur angestrebten Feuerpause: «Das ist eine komplizierte Aufgabe. Es gibt zu viele Kräfte, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind.»

Die sogenannte Syrien-Unterstützergruppe, zu der auch die wichtigen Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien gehören, verständigte sich in München aber darauf, dass es schnelle humanitäre Hilfe für belagerte Orte geben müsse. Kerry sagte: «Alle waren sich über die Dringlichkeit humanitärer Hilfe einig.»

Fr, 2016-02-12 01:00
Berlin (dpa)

Ex-Generalinspekteur Kujat lobt Russlands Rolle in Syrien

Berlin (dpa) - Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, hat die Rolle Russlands im Syrien-Konflikt gelobt. «Die Russen haben mit ihrem militärischen Eingreifen den Friedensprozess erst ermöglicht», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Freitag). Bis September 2015 habe dort Stillstand geherrscht. «Weder die Amerikaner noch die Europäer hatten eine Strategie für ein friedliches Syrien und waren auch nicht bereit, sich massiv zu engagieren. Die Russen haben es gemacht und damit ein Fenster für eine politische Lösung aufgestoßen», sagte Kujat.

Vor dem russischen Eingreifen habe die syrische Armee vor ihrem Ende gestanden. «Ich hätte ihr nur noch wenige Wochen gegeben. Dann wäre Syrien kollabiert und der IS hätte das Land übernommen.» Das nächste Ziel wäre nach Kujats Worten der Libanon gewesen - und das übernächste Israel. «Das hätte weitreichende Folgen auch für uns gehabt.»

Kujat widersprach auch der Vermutung, der russische Präsident Wladimir Putin habe mit den Bombardements in Aleppo gezielt versucht, die Lage zu verschärfen. Russland gehe in Syrien nach einem strategischen Plan vor: «Putins Ziel lautet, den Vormarsch der syrischen Truppen in Richtung IS-Gebiet zu unterstützen. Aleppo ist auf diesem Weg bisher wie ein Sperrriegel gewesen, weil die Stadt von der syrischen Opposition gehalten wurde.»

Fr, 2016-02-12 00:13
Berlin (dpa)

Bauern: Fleischverzicht in der Fastenzeit rettet nicht das Klima

Berlin (dpa) - Der Deutsche Bauernverband hält nichts von Aufrufen, während der Fastenzeit zugunsten des Umweltschutzes auf Fleisch zu verzichten. «Umweltverbände und Politiker der Grünen sollten den Verbrauchern nicht vorgaukeln, mit dem Fasten und dem Verzicht auf Fleisch könne das Klima gerettet werden», erklärte der Verband in Berlin. Ein Zwei-Personen-Haushalt spare bei einem ganzjährigen Verzicht auf Fleisch im Vergleich zur Ernährung mit Mischkost lediglich 3,5 Prozent seines Ausstoßes des Klimagases CO2 ein, erklärte der Verband unter Berufung auf den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes. Ein Flugzeug-Trip von Berlin nach Mallorca zu zweit verursache 1,92 Tonnen CO2 und schlage damit mehr als doppelt so stark zu Buche wie der Unterschied zwischen Mischkost und vegetarischer Ernährung.

Umweltschützer hatten die Verbraucher in Deutschland vor Beginn der Fastenzeit dazu aufgerufen, ihren übermäßigen Fleischkonsum um die Hälfte zu drosseln. In Deutschland übersteigt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch mit 88,3 Kilogramm jährlich den Welt-Durchschnitt um das Doppelte. Die Viehhaltung ist global für mehr Treibhausgase verantwortlich als alle Autos, Lkw und Flugzeuge zusammen.

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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