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Mi, 2016-05-04 02:46
Indianapolis (dpa)

Cruz beendet seinen US-Präsidentschaftswahlkampf

Indianapolis (dpa) - Ted Cruz beendet seinen Wahlkampf für die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner. Mit dieser Entscheidung, die der Senator von Texas in er Nacht zum Mittwoch nach seiner Wahlniederlage in Indiana verkündete, ist der Weg für den Milliardär Donald Trump als Kandidat seiner Partei für das Weiße Haus frei.

Mi, 2016-05-04 02:59
Indianapolis (dpa)

Cruz beendet seinen US-Präsidentschaftswahlkampf

Indianapolis (dpa) - Ted Cruz gibt den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner auf. Der Senator von Texas sagte in der Nacht zum Mittwoch vor Anhängern in Indianapolis, er beende seinen Wahlkampf schweren Herzens. Mit dieser Entscheidung ist der Weg für den Milliardär Donald Trump als Kandidat seiner Partei für das Weiße Haus frei.

Cruz erklärte, er habe immer gesagt, er kämpfe so lange weiter, wie es eine realistische Chance auf die Kandidatur gebe. Er müsse aber nach dem Ergebnis der jüngsten Vorwahl in Indiana am Dienstag anerkennen, dass die Wähler anderes wollten.

Cruz lag nach Auszählung von etwa 70 Prozent der Stimmen in Indiana weit abgeschlagen hinter Trump. Der erzkonservative Senator hätte die Vorwahl in dem Bundesstaat unbedingt gewinnen müssen, um Trump noch blockieren zu können.

Mi, 2016-05-04 02:38
Indianapolis (dpa)

US-Medien: Cruz steigt aus Präsidentschaftswahlkampf aus

Indianapolis (dpa) - Ted Cruz steigt nach Angaben mehrerer US-Medien aus dem Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner aus. Mit dieser Ankündigung vom Dienstag (Ortszeit) unter Berufung auf das Wahlkampfteam des Senators von Texas wäre der Weg für den Milliardär Donald Trump als Kandidat seiner Partei für das Weiße Haus frei.

Mi, 2016-05-04 01:05
Indianapolis (dpa) 

Trump siegt auch in Indiana - Gegner bei US-Vorwahl abgeschlagen

Indianapolis (dpa) - Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat die Vorwahl der Republikaner im US-Bundesstaat Indiana nach übereinstimmenden Medienangaben mit großem Abstand gewonnen. Er lag nach Auszählung erster Stimmen am Dienstag (Ortszeit) bereits uneinholbar vorn, wie mehrere US-Sender berichteten. Seine Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich waren mit bis zu 20 Punkten weit abgeschlagen. Trump hat damit die Kandidatur als Präsidentschaftskandidat der Republikaner zwar noch nicht sicher, sie ist ihm aber kaum noch zu nehmen. Der New Yorker Milliardär muss für die Nominierung die Schwelle von 1237 Delegierten erreichen. Mit dem Sieg in Indiana kommt er ihr nochmals näher.

Mi, 2016-05-04 01:31
Indianapolis (dpa) 

Trump siegt auch in Indiana - Knappes Rennen bei US-Demokraten

Indianapolis (dpa) - Auf dem Weg zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner hat Donald Trump auch die Vorwahl im US-Bundesstaat Indiana mit großem Abstand gewonnen. Er lag nach Auszählung erster Stimmen am Dienstag (Ortszeit) bereits uneinholbar mit etwa 20 Prozentpunkten vorn, wie mehrere US-Sender berichteten.

Bei den Demokraten zeichnete sich dagegen ein deutlich knapperes Rennen ab. Die frühere First Lady und Ex-Außenministerin Hillary Clinton lag nach Auszählung von 15 Prozent der Stimmen nur einen Punkt vor ihrem Konkurrenten Bernie Sanders, dem Senator von Vermont. Im Rennen der Demokraten liegt Clinton insgesamt mit weitem Abstand vorne.

Trumps Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich waren weit abgeschlagen. Trump hat damit die Kandidatur als Präsidentschaftskandidat der Republikaner zwar noch nicht sicher. Sie ist ihm aber kaum noch zu nehmen. Der New Yorker Milliardär muss für die Nominierung die Schwelle von 1237 Delegierten erreichen. Mit dem Sieg in Indiana kommt er dieser Marke nochmals näher.

Mi, 2016-05-04 00:49
Indianapolis (dpa)

Vorwahl in Indiana: Clinton und Trump nach ersten Auszählungen vorn

Indianapolis (dpa) - Bei der Vorwahl im US-Bundesstaat Indiana zeichnen sich nach der Auszählung erster Stimmen klare Siege der Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und Hillary Clinton ab. Beide gingen als Favoriten in die Wahl. Nach Angaben mehrerer US-Fernsehsender lag Trump bei den Republikanern ebenso deutlich vor seinen Konkurrenten wie Clinton bei den Demokraten vor Bernie Sanders. Die Wahl am Dienstag (Ortszeit) gilt als vorentscheidend für den weiteren Verlauf der Vorwahlen, in denen die Parteien landesweit ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 8. November bestimmen.

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Mi, 2016-05-04 00:27
Tegucigalpa (dpa)

Nach Aktivisten-Mord in Honduras: Deutsche Firmen prüfen Engagement

Wegen ihrer Beteiligung am Bau eines Wasserkraftwerks in Honduras stehen Siemens und Voith in der Kritik. Eine Gegnerin des Projekts war getötet worden, ein Verdacht soll auf den lokalen Bauträger gefallen sein. Die deutschen Firmen beobachten die Ermittlungen genau.

Tegucigalpa (dpa) - Nach dem Mord an der prominenten honduranischen Umweltschützerin Berta Cáceres wollen die deutschen Unternehmen Siemens und Voith ihre Beteiligung an einem umstrittenen Staudammprojekt in dem mittelamerikanischen Land überprüfen. Zuvor hatte die Nichtregierungsorganisation Oxfam den Firmen Siemens und Voith vorgeworfen, nicht genug gegen Menschenrechtsverletzungen zu tun.

Cáceres war Anfang März in ihrem Haus erschossen worden. Die Aktivistin setzte sich seit Jahren für die Rechte der Lenca-Indianer ein und kämpfte gegen den Bau des Wasserkraftwerks Agua Zarca. Siemens und Voith liefern über ein Joint Venture Turbinen, Generatoren und Automatisierungstechnik im Wert von rund acht Millionen Euro an die örtliche Baufirma Desa.

«Siemens und Voith verhalten sich wie Pontius Pilatus, der seine Hände bekanntlich auch in Unschuld waschen wollte. Das ist fahrlässiges Risikomanagement in punkto Menschenrechte und hat leider Methode», sagte Marita Wiggerthale von Oxfam am Dienstag. Die Firmen kämen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nicht nach.

«Auch wer wegsieht, macht sich schuldig. Mit ihrer Untätigkeit missachten Siemens und Voith weithin anerkannte internationale Standards zu Wirtschaft und Menschenrechten», sagte Christian Russau von der Initiative Gegenströmung.

Voith teilte auf Anfrage mit, das Unternehmen ziehe sich nicht auf seine Rolle als Zulieferer zurück, sondern setze sich gemeinsam mit Naturschutz- und Nichtregierungsorganisationen für hohe Standards bei der Umsetzung von Wasserkraftprojekten ein.

Grundsätzlich seien Energieprojekte für die Menschen vor Ort von Nutzen. «Sie leben unter zum Teil prekären Verhältnissen und haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Wasser, Bildung und Wohlstand. Um diese Menschen aus der Armut zu führen, braucht es wirtschaftliche Entwicklung», sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Angehörige und Kollegen von Cáceres machen die örtliche Baufirma Desa für den Anschlag auf die Umweltschützerin verantwortlich. Am Montag wurden in Honduras vier Verdächtige festgenommen. Mindestens einer der Männer soll ein Mitarbeiter von Desa sein. Das hat auch für Siemens und Voith die Lage noch einmal verändert.

«Natürlich würden wir uns aus einem Projekt zurückziehen, wenn ein Gericht einen Zusammenhang zwischen gewaltsamen Todesfällen und einem unserer Kunden nachweisen würde», teilte Siemens auf Anfrage mit. «Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt».

Auch Voith will sein Engagement in Agua Zarca auf den Prüfstand stellen. «Wir haben den Kunden in Honduras unverzüglich zu einer Stellungnahme zu diesen Berichten aufgefordert und prüfen derzeit parallel weitere Schritte», sagte ein Voith-Sprecher.

Bereits nach dem Mord an Cáceres im März erklärte Voith, es werde unabhängig von den offiziellen Ermittlungen sein Engagement im Projekt Agua Zarca überprüfen und mit Desa etwaige Auswirkungen auf das Vertragsverhältnis erörtern.

Di, 2016-05-03 21:14
Paris (dpa)

Unregelmäßigkeiten bei Unterlagen zu AKW-Bauteilen in Frankreich

Paris (dpa) - Der französische Atomkonzern Areva hat Unregelmäßigkeiten in Unterlagen zu Hunderten Bauteilen entdeckt, die zum Teil in Atomkraftwerken verbaut sind. Areva-Chef Philippe Knoche sagte der Zeitung «Les Echos», er könne nicht ausschließen, dass Angaben gefälscht wurden. Die Atomaufsicht ASN teilte am Dienstag mit, dass es um Dokumente zu etwa 400 Teilen gehe, die seit 1965 im Schmiedewerk Creusot Forge hergestellt wurden. Gut 50 davon seien in französischen Atomkraftwerken im Einsatz.

Sie sprach von «Unstimmigkeiten, Veränderungen oder Weglassen» bei Herstellungsparametern und Testergebnissen. Creusot Forge stellt unter anderem große Teile für den nuklearen Teil von Kernkraftwerken her, die nicht leicht auszutauschen sind - zum Beispiel Reaktorbehälter.

Nach Angaben Arevas wären solche Unregelmäßigkeiten in dem traditionsreichen Werk, das der Konzern 2006 übernommen hatte, heute nicht mehr möglich. Die Nachforschungen zu den Hintergründen der Auffälligkeiten sind noch nicht abgeschlossen. Bislang gebe es keine Hinweise, die die mechanische Integrität infrage stellten, hatte Areva am Freitag bekanntgegeben.

Die Unregelmäßigkeiten waren bei einer Überprüfung aufgeflogen, die Areva auf Aufforderung der ASN angesetzt hatte. Anlass war die Entdeckung von Anomalien am Reaktorbehälter des im Bau befindlichen Europäischen Druckwasserreaktors von Flamanville.

Di, 2016-05-03 20:56
Berlin (dpa)

Pressefreiheit auch in Deutschland nicht selbstverständlich

Bei Demonstrationen werden Journalisten oft bedroht. Sie müssen sich nicht nur aggressive Sprüche anhören. Die Bedrohung für die Pressefreiheit in Deutschland geht nicht vom Staat, sondern von der Straße aus.

Berlin (dpa) - Die Möglichkeiten freier Berichterstattung stoßen auch in Deutschland oft an Grenzen. «Die Arbeit ist komplizierter geworden, weil die Bedrohungen zunehmen», sagte Peter Bandermann, Journalist von den «Ruhr Nachrichten», der seit vielen Jahren über Rechtsextremismus und Neonazis berichtet. «Sie suchen mich und meine Familie an meiner Privatadresse auf. Es gibt Briefe an mich und meine Tochter. Das lässt einen nicht kalt», erzählte Bandermann am Dienstagabend bei einer Veranstaltung zum Thema «Pressefreiheit in Gefahr - auch in Deutschland?» in Berlin. Dazu hatten unter anderem Reporter ohne Grenzen und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) eingeladen.

Der Ton habe sich in Deutschland spürbar verändert, sagte Stephan Scherzer, VDZ-Hauptgeschäftsführer. Und bei Einschüchterungsversuchen bleibt es oft nicht. Bandermann schilderte einen aktuellen Vorfall aus Unna in Nordrhein-Westfalen. Dort war ein Kollege nicht nur bei der Berichterstattung behindert worden, ihm wurde bei einer Demonstration gleich die Kamera gestohlen. Für Bandermann eine bezeichnende Eskalationsstufe.

Erst vor 14 Tagen habe er selbst einen Waffen- und Munitionskatalog zugeschickt bekommen - als Drohgebärde. Längst sei auch üblich, persönliche Daten von Journalisten zur Einschüchterung im Internet zu veröffentlichen, in seinem Fall etwa seine Joggingstrecke.

Daniela Schadt, Journalistin und Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Joachim Gauck, sieht ebenfalls eine beunruhigende Entwicklung. Es gebe inzwischen eine Menge Menschen, die zum Beispiel bei Pegida-Demonstration aggressiv bis zur Tätlichkeit auf journalistische Berichterstattung reagierten. Da habe sich etwas verschoben. «Der Schritt schon zum tätlichen Angriff ist eine neue Qualität, das beunruhigt mich.»

Laut Gemma Pörzgen, Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen, sind in Deutschland inzwischen Mechanismen zu beobachten, die man lange nur aus anderen Regionen der Welt kannte. Versuche, Journalisten bei ihrer Arbeit zu behindern und einzuschüchtern, gehören für sie an erster Stelle dazu. In einer besonders schwierigen Situation sind nach ihrer Einschätzung viele freie Journalisten, die oft beispielsweise nicht den gleichen juristischen Schutz hätten wie festangestellte Kollegen.

Das gilt gerade auch für Bedrohungen von rechts, bestätigte Peter Bandermann. Denn das sei das Besondere in Deutschland, dass die Bedrohungen für die Pressefreiheit nicht von staatlicher Seite ausgehe, sondern ein Phänomen sei, das eng mit Fremdenfeindlichkeit verknüpft ist. «Aber wir dürfen nicht einknicken, weil andere wollen, dass wir wegschauen», lautete Bandermanns Fazit zum internationalen Tag der Pressefreiheit.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Di, 2016-05-03 20:06
Berlin (dpa)

Schäuble wirbt für TTIP und beklagt übertriebene Angst der Deutschen

Berlin (dpa) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat für einen Abschluss des umstrittenen Freihandelsabkommens TTIP zwischen der EU und den USA geworben. «Die Vorteile sind sehr viel größer», sagte Schäuble am Dienstagabend in Berlin. Er verstehe die Ängste. Aber die Deutschen müssten aufpassen, dass sie am Ende vor lauter Bedenken gar nichts mehr tun. «Wir überziehen bei den Ängsten ein wenig.» Der Begriff «German Angst» habe inzwischen in vielen Sprachen Eingang gefunden.

Mit Blick auf den VW-Abgasskandal verwies Schäuble auf die hohen Umwelt- und Verbraucherschutzstandards in den USA. Die Aufdeckung des Fifa-Skandals wäre ohne die US-Justiz nicht so aufgedeckt worden. Auch beim weltweiten automatischen Informationsaustausch von Finanz- und Steuerdaten wäre man ohne Druck aus den Vereinigten Staaten nicht so weit gekommen.

Aus Sicht Schäubles wollen alle die Vorteile einer möglichst großen Arbeitsteilung genießen - auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die diese Woche TTIP-Dokumente veröffentlicht hat. Sollten sich Europa und die USA einigen, sei dies auch ein guter Dienst für globale Standards. 

Kritiker werfen der US-Regierung vor, im Interesse amerikanischer Konzerne europäische Umwelt- und Verbraucherschutzstandards aushöhlen zu wollen.

Di, 2016-05-03 20:36
Tegucigalpa (dpa)

Oxfam kritisiert nach Mord an Aktivistin deutsche Firmen

Tegucigalpa (dpa) - Nach dem Mord an der prominenten honduranischen Umweltschützerin Berta Cáceres hat die Nichtregierungsorganisation Oxfam zwei deutsche Firmen kritisiert. Die beiden Unternehmen Siemens und Voith sind über ein Joint Venture am Bau des umstrittenen Staudammprojekts Agua Zarca beteiligt, gegen das Cáceres protestiert hatte. Die Unternehmen wiesen Vorwürfe zurück.

«Siemens und Voith verhalten sich wie Pontius Pilatus, der seine Hände bekanntlich auch in Unschuld waschen wollte. Das ist fahrlässiges Risikomanagement in punkto Menschenrechte und hat leider Methode», sagte Marita Wiggerthale von Oxfam am Dienstag.

Angehörige und Kollegen von Cáceres machen die örtliche Baufirma Desa für den Anschlag verantwortlich. Am Montag wurden in Honduras vier Verdächtige festgenommen. Einer der Männer soll Mitarbeiter von Desa sein.

«Wir haben den Kunden in Honduras unverzüglich zu einer Stellungnahme zu diesen Berichten aufgefordert und prüfen derzeit parallel weitere Schritte», sagte ein Sprecher von Voith der Deutschen Presse-Agentur. Siemens erklärte: «Wir begrüßen die Schritte der Behörden, für Aufklärung zu sorgen. Wir beobachten die Ermittlungen und mögliche Gerichtsprozesse aufmerksam und verurteilen jegliche Form von Gewalt.»

Di, 2016-05-03 19:46
Aviv (dpa)

Jüdischer Extremist muss wegen Mordes 45 Jahre in Haft

Tel Aviv (dpa) - Ein jüdischer Extremist muss wegen der brutalen Ermordung eines 16-jährigen Palästinensers 45 Jahre ins Gefängnis. Er hatte gemeinsam mit zwei Jugendlichen den Palästinenser Mohammed Abu Chedair im Juli 2014 als Rache für den Mord an drei israelischen Jugendlichen bei lebendigem Leib verbrannt. Das Bezirksgericht in Jerusalem verurteilte den 30-Jährigen zu lebenslanger Haft plus weiteren 20 Jahren, wie das israelische Radio am Dienstag berichtete. Lebenslang entspricht in Israel 25 Jahren Gefängnis.

Kurz vor der Verkündung des Strafmaßes entschuldigte sich der Angeklagte und bat um Vergebung. Für die Tat wollte er allerdings keine Verantwortung übernehmen.

Die beiden anderen Täter waren bereits im Februar zu lebenslanger beziehungsweise 21 Jahren Haft verurteilt worden. Im Fall des Hauptangeklagten wurde wegen einer möglichen psychischen Störung zunächst kein Urteil gefällt. Im vergangenen Monat hatte das Gericht allerdings entschieden, dass sich der Mann während der Tat seiner Handlungen vollständig bewusst gewesen sei.

Der Tod des Jugendlichen aus dem arabischen Ostteil Jerusalems hatte damals gewaltsame Proteste ausgelöst. Die Morde an den drei jüdischen Teenagern und an Abu Chedair gelten als ein Auslöser des Gaza-Kriegs im Sommer 2014.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2016-05-03 19:38
Berlin (dpa)

Berliner Aussichtsballon gerät in Turbulenzen

Schock in der Luft: Der große Aussichtsballon mit dem «Welt»-Logo nahe dem Checkpoint Charlie gerät in heftige Windböen. 20 Menschen an Bord klammern sich fest.

Berlin (dpa) - Schock in Berlin: Der im Stadtbild bekannte Aussichtsballon mit dem «Welt»-Logo ist am Dienstagabend in heftige Turbulenzen geraten. 19 Passagiere an Bord und der Ballonführer kamen mit einem Schrecken davon, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr. «Es gab keine Verletzten.»

Der Fessel-Ballon nahe dem Checkpoint Charlie sei in 150 Meter Höhe aufgestiegen - das Maximum bei den vor allem bei Touristen beliebten Fahrten - als der Ballonführer eine Unwetterfront bemerkt habe, berichtete der Sprecher.

Um ihr auszuweichen, habe der Mann den Ballon wieder auf 110 Meter Höhe sinken lassen, geriet dabei aber in eine Kaltfront - die den Ballon durchschüttelte. Der Fahrer habe die Gäste dann angewiesen, sich flach auf den Boden zu legen. «Er hat sehr umsichtig gehandelt», erklärte der Feuerwehrsprecher.

Erst nach einigen Minuten gelang es schließlich, den umherfliegenden Ballon zurück zum Boden zu bringen. Zuvor war er immer wieder in Richtung eines Hauses abgedriftet.

Die Passagiere - darunter eine elfköpfige Reisegruppe - wurde vor Ort medizinisch betreut. Ins Krankenhaus musste niemand. Ein Feuerwehrbus sollte die Gruppe in ihre Unterkunft bringen.

Warum der Ballon trotz angekündigten schlechten Wetters in die Luft ging, war noch offen. Die Betreiber waren am Abend zunächst nicht zu erreichen. Der Aussichtsballon ist am Boden befestigt und steigt normalerweise nur auf und ab.

Di, 2016-05-03 19:05
Stuttgart (dpa)

Verteidigungsminister beraten über Ausweitung des Kampfes gegen IS

Stuttgart (dpa) - US-Verteidigungsminister Ashton Carter berät am Mittwoch in Stuttgart mit Amtskollegen aus zehn Ländern über eine Ausweitung des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Dabei soll es nicht nur um Syrien und den Irak gehen, wo der IS sich am stärksten ausgebreitet hat. Auch das Erstarken der Islamisten in Libyen soll Thema sein.

Die elf Verteidigungsminister gehören alle der internationalen Allianz gegen den IS mit insgesamt mehr als 60 Staaten an, die im September 2014 gegründet wurde. Seitdem hat die Koalition nach eigenen Angaben fast 12 000 Luftangriffe in Syrien und im Irak geflogen. In Libyen ist sie noch nicht aktiv.

Deutschland beteiligt sich mit Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak und mit der Ausbildung kurdischer Soldaten am Kampf gegen den IS. Zudem unterstützen sechs «Tornado»-Aufklärungsflugzeuge und ein Tankflugzeug die Luftangriffe. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird an dem Treffen in Stuttgart teilnehmen.

Di, 2016-05-03 19:12
Washington (dpa)

Trump bringt Vater von Cruz mit Kennedy-Mörder in Verbindung

Das US-Vorwahlrennen ist auf der Zielgeraden. Jetzt geht es wirklich um Alles oder Nichts - vor allem bei den Republikanern. Da gewinnt der Wahlkampf noch einmal an Hässlichkeit.

Washington (dpa) - Am Rande der wichtigen Vorwahl zur Präsidentschaft am Dienstag im US-Staat Indiana hat der Wahlkampf der Republikaner noch einmal an Schärfe gewonnen. Der texanische Senator Ted Cruz nannte den Spitzenreiter Donald Trump «unmoralisch», einen «Narzissten» und «pathologischen Lügner». Der Multimilliardär hatte zuvor die Darstellung eines Boulevardblattes aufgegriffen und den Vater von Cruz mit dem Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald in Verbindung gebracht.

Trump war bei den Republikanern als Favorit in die Vorwahl in Indiana gezogen, auf demokratischer Seite Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Beide können sich zwar mit Siegen noch nicht die Nominierung sichern, aber ihrem Ziel einen entscheidenden Schritt näher kommen. Für Cruz galt die Abstimmung in Indiana als die möglicherweise letzte Chance, Trumps Kür zum Spitzenkandidaten noch zu verhindern.

Letzte Umfragen sahen Trump mit durchschnittlich zehn Punkten vor seinem Hauptrivalen. Clinton führte mit durchschnittlich fünf Punkten weniger deutlich vor ihrem Konkurrenten Bernie Sanders. Nach dem monatelangen Abstimmungsmarathon gibt es nach Indiana nur noch acht Wahltage in US-Bundesstaaten, Außengebieten und der Hauptstadt Washington DC.

Trump übernahm am Dienstag in einem Telefoninterview des Senders Fox News die Behauptung des «National Enquirer», Rafael Cruz sei kurz vor dem Mord an John F. Kennedy mit dem Attentäter Lee Harvey Oswald zusammengewesen. Dem Blatt zufolge zeigt ihn ein Bild mit Oswald beim Verteilen von Pro-Fidel-Castro-Flugblättern in New Orleans im Jahr 1963 - ein paar Monate vor Kennedys Ermordung in Dallas.

«Was hatte er mit Lee Harvey Oswald zu schaffen, kurz vor dem Tod?» fragte Trump. «Es ist schrecklich.»

Di, 2016-05-03 19:51
Berlin (dpa)

Pressefreiheit auch in Deutschland nicht selbstverständlich

Berlin (dpa) - Die Möglichkeiten freier Berichterstattung stoßen auch in Deutschland oft an Grenzen. «Die Arbeit ist komplizierter geworden, weil die Bedrohungen zunehmen», sagte Peter Bandermann, Journalist von den «Ruhr Nachrichten», der seit vielen Jahren über Rechtsextremismus und Neonazis berichtet. «Sie suchen mich und meine Familie an meiner Privatadresse auf. Es gibt Briefe an mich und meine Tochter. Das lässt einen nicht kalt», erzählte Bandermann am Dienstagabend bei einer Veranstaltung zum Thema «Pressefreiheit in Gefahr - auch in Deutschland?» in Berlin, zu der unter anderem der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) eingeladen hatte.

Bei Einschüchterungsversuchen bleibt es oft nicht. Bandermann schilderte einen aktuellen Vorfall aus Unna in Nordrhein-Westfalen. Dort war ein Kollege nicht nur bei der Berichterstattung behindert worden, ihm wurde bei einer Demonstration gleich die Kamera gestohlen. Für Bandermann eine bezeichnende Eskalationsstufe. «Aber wir dürfen nicht einknicken, weil andere wollen, dass wir wegschauen», sagte Bandermann bei der Veranstaltung am internationalen Tag der Pressefreiheit.

Di, 2016-05-03 19:27
Detroit (dpa)

US-Automarkt brummt - doch VW verkauft erneut weniger

Billiger Sprit und günstige Finanzierungszinsen befeuern den US-Automarkt. Doch nicht nur der durch die «Dieselgate»-Affäre angeschlagene Branchenriese VW ist bei der US-Kundschaft abgemeldet. Auch andere deutsche Hersteller taten sich zuletzt schwer.

Detroit (dpa) - US-Autokäufer bleiben in Kauflaune, machen nach dem Abgas-Skandal aber weiter einen Bogen um Volkswagen. Der Neuwagen-Absatz der Marke VW brach im April verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 9,7 Prozent auf 27 112 Stück ein, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Damit fiel das Minus allerdings nicht mehr ganz so deutlich aus wie im Vormonat.

Der Wolfsburger Hersteller läuft der Konkurrenz auf dem US-Markt schon lange hinterher. Die im September 2015 bekanntgewordene Affäre um manipulierte Abgaswerte verschärfte die Situation noch weiter. VW hatte den Verkauf von Diesel-Modellen danach gestoppt, was den Absatz seit Monaten zusätzlich belastet.

Besser lief es im letzten Monat bei der VW-Oberklassetochter Audi. Die Ingolstädter verkauften 17 801 Wagen und damit 5,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Premium-Rivale Daimler tat sich hingegen schwer - der Absatz trat mit 31 825 Autos auf der Stelle. Noch schlechter sah es beim bereits in den Vormonaten schwächelnden Konkurrenten BMW aus, der ein Minus von 8,3 Prozent verkraften musste. Vor allem die Tochter Mini zog das Ergebnis nach unten.

Insgesamt zeigte sich der US-Markt aber gut in Schwung. So brachte Fiat Chrysler im April 5,6 Prozent mehr Autos auf die Straße und verbuchte damit den 73. Monat in Folge mit steigenden Verkäufen. Ford schaffte ein Plus von 3,6 Prozent, soll aber laut dem Branchendienst Truecar auch kräftig mit Rabatten nachgeholfen haben.

Die japanischen Hersteller Honda und Nissan lieferten mit 14- und 13-prozentigen Anstiegen ihre bislang besten April-Ergebnisse. VW-Erzrivale Toyota wurde 3,8 Prozent mehr Neuwagen bei der US-Kundschaft los. Die schwächsten Zahlen seit Januar 2014 legte hingegen US-Branchenführer General Motors vor. Die Verkäufe des Opel-Mutterkonzerns sanken um 3,5 Prozent.

Insgesamt zeigt sich in den USA das gewohnte Bild: Vor allem Pick-up-Trucks und SUV bleiben gefragt. «Verbraucher profitieren von niedrigen Zinsen und günstigen Spritpreisen», sagt Christopher Hopson vom Analysehaus IHS Automotive. Die Firma geht davon aus, dass in den USA in diesem Jahr 17,8 Millionen Autos verkauft werden. Der Rekord von knapp 17,5 Millionen aus dem Vorjahr würde damit geknackt.

Di, 2016-05-03 19:21
Dresden (dpa)

Hass und Hetze: Schuldspruch für Pegida-Chef Bachmann Von Martin Fischer, dpa

Für seine Hetzreden gegen Flüchtlinge ist er bekannt und nun auch verurteilt. Wegen Volksverhetzung soll Pegida-Chef Lutz Bachmann fast 10 000 Euro zahlen - und die Prozesskosten.

Dresden (dpa) - «Gelumpe», «Viehzeug», «Dreckspack» - wegen dieser herabwürdigen Bezeichnungen für Flüchtlinge kommt zum langen Vorstrafenregister von Pegida-Chef Lutz Bachmann nun wohl eine weitere hinzu: wegen Volksverhetzung. «Das geht einfach so nicht», befand Hans Hlavka, Strafrichter am Amtsgericht Dresden, als er den 43-Jährigen am Dienstag mit 9600 Euro Geldstrafe belegte. Mit diesen pauschalen Diffamierungen habe Bachmann die Menschenwürde eines Teils der Bevölkerung herabgesetzt und dadurch den öffentlichen Frieden gestört.

«Unrecht!» skandierten die Pegida-Anhänger im Zuschauerraum. Mehrere aufgebrachte Bachmann-Anhänger mussten den Saal verlassen, bevor Hlavka sein Urteil begründen konnte. Auch die Eltern des gelernten Kochs saßen auf den Zuschauerstühlen. Ehefrau Vicky hatte erneut neben ihrem Mann auf der Anklagebank Platz genommen.

Die Strategie der Verteidigung, die Bachmanns Urheberschaft der im September 2014 bei Facebook geposteten Kommentare bestritten hatte, ging nicht auf. Dass die Worte «Gelumpe», «Viehzeug», «Dreckspack» von Bachmann stammten, sei für ihn schon nach der Aussage der Zeugin am ersten Verhandlungstag klar gewesen. Auf deren Facebook-Seite hatte der 43-Jährige seine Kommentare hinterlassen, später dann aber wieder gelöscht, sagte Hlavka. Auch Manipulationen an den als Beweis vorliegenden Ausdrucken des Kommentarverlaufs schließe er aus.

Bachmanns Rede bei einer Pegida-Kundgebung im Februar vergangenen Jahres, in der er sich für Worte entschuldig hatte, «die wohl jeder schon mal am Stammtisch geäußert hat», ließen keinen anderen Schluss zu. «Für mich ist das ein klares Schuldeingeständnis», sagte Hlavka. Die «recht hohe Geldstrafe» sei angesichts der Schwere der Tat angemessen. «Das wird die Einkommensverhältnisse der Eheleute Bachmann schmälern.» Lutz Bachmann verzog kaum eine Miene, eifrig machte er sich Notizen.

Mit seinem Spruch blieb Hlavka hinter der Forderung von Staatsanwalt Tobias Uhlemann zurück. Der hatte auf sieben Monate Gefängnis ohne Bewährung plädiert und dabei auch den Bogen zu Pegida geschlagen, obwohl das islam- und fremdenfeindliche Bündnis erst einen Monat nach den Einträgen gegründet worden war. Die Kommentare Bachmanns seien aber genau das, «was der Angeklagte einen Monat später zu seinem Programm gemacht hat», sagte er.

Bachmanns Verteidigerin Katja Reichel versuchte, ihren Mandanten als unschuldiges Opfer darzustellen, und forderte Freispruch. Indirekt unterstellte sie der Zeugin, der Justiz und den Medien ein abgekartetes Spiel. «Und dann soll Herr Bachmann hier einen fairen Prozess erwarten?», fragte sie.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft überlegt noch, ob sie Rechtsmittel einlegt. Bachmann äußerte sich im Gericht gar nicht dazu. Eine Woche haben beide Seiten nun Zeit.

Zuletzt richtete Hlavka noch mahnende Worte an Bachmann. Auch als Pegida-Redner müsse er sich vor Volksverhetzung hüten. «Ob es wieder mal eine Geldstrafe gibt, glaube ich weniger. Und eine Freiheitsstrafe steht bei Ihnen immer im Raum», warnte er mit Blick auf das lange Vorstrafenregister. Da finden sich bereits weit mehr als ein Dutzend Verurteilungen unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung und Drogenhandels.

Di, 2016-05-03 18:55
Budapest (dpa)

Ungarn: Gericht ermöglicht Referendum über EU-Flüchtlingsquote

Budapest (dpa) - Das Oberste Gericht in Budapest hat grünes Licht für eine Volksabstimmung über die EU-Flüchtlingsquote gegeben. Die Richter erhoben keinen Einwand gegen das von der rechts-konservativen Regierung initiierte Referendum, berichtete die Nachrichtenagentur MTI. Das Gericht folgte damit dem positiven Entscheid der Landeswahlkommission (NVB), gegen den Oppositionelle Einspruch erhoben hatten.

Ungarns Bürger können nun im Sommer oder Herbst über die folgende Frage abstimmen: «Wollen Sie, dass die Europäische Union auch ohne Zustimmung des Parlaments die zwingende Ansiedlung von nicht ungarischen Staatsbürgern in Ungarn vorschreiben kann?» Ein Termin für das Referendum steht noch nicht fest. Die Opposition kündigte einen Boykott an.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban betreibt eine Politik der Abschottung gegenüber Flüchtlingen, die von fremdenfeindlichen Kampagnen begleitet wird. Unter anderen ließ er Zäunen an den Grenzen Ungarns zu Serbien und Kroatien errichten. Die EU-Quote für die Aufnahme von Flüchtlingen hatte Orban von Anfang an abgelehnt.

Gemäß dem Quotenbeschluss der EU sollen in den kommenden zwei Jahren 160 000 Flüchtlinge aus Griechenland und Italien auf die anderen Mitgliedsländer der EU verteilt werden. Auf Ungarn würden knapp 1300 Asylsuchende entfallen.

Di, 2016-05-03 18:28
Dresden (dpa)

Hohe Geldstrafe wegen Volksverhetzung - Pegida-Chef verurteilt

Pegida-Chef Lutz Bachmann nimmt die Anklage wegen Volksverhetzung locker. Selbstsicher sitzt er beide Prozesstage im Gericht ab, seine Frau an seiner Seite. Auch das Urteil schockt ihn nicht.

Dresden (dpa) - Schuldig im Sinne der Anklage: Pegida-Gründer Lutz Bachmann ist wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Strafrichter Hans Hlavka verhängte am Dienstag im Dresdner Amtsgericht eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 80 Euro - insgesamt 9600 Euro - gegen den Chef des islam- und fremdenfeindlichen Bündnisses. Er ließ unter Verweis auf Zeugenaussagen keinen Zweifel daran, dass er den 43-Jährigen für den Autor der Facebook-Kommentare vom September 2014 hält, in denen Flüchtlinge herabgewürdigt wurden und zum Hass gegen sie angestachelt wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der wegen anderer Delikte wie Diebstahl und Drogenhandel bereits vorbestrafte Angeklagte hatte bestritten, dass diese Posts von ihm stammten. Richter Hlavka wertete Bachmanns Erklärung dazu bei einer Pegida-Kundgebung Anfang Februar als «klares Schuldeingeständnis». Bachmann hatte sich damals «für Worte entschuldigt, die jeder schon am Stammtisch benutzt hat».

Laut Anklage hatte Bachmann Flüchtlinge bei Facebook unter anderem als «Viehzeug», «Gelumpe» und «Dreckspack» beschimpft. Nachdem das durch die Medien ging, hatte seine Chatpartnerin Ausdrucke des Gesprächsverlaufs über einen Journalisten der Staatsanwaltschaft zugespielt. Er habe prüfen lassen wollen, ob das rechtmäßig sei, erklärte der Reporter am Vormittag als Zeuge.

Der Angeklagte könne sich auch nicht auf Meinungsfreiheit berufen, sagte Hlavka. Er habe Flüchtlinge in ihrer Menschenwürde herabgesetzt und dadurch den öffentlichen Frieden gestört, begründete er das Urteil. Das nahm Bachmann emotionslos auf und schrieb während der rund 20-minütigen Begründung eifrig mit. Geäußert hat er sich auch am zweiten und letzten Verhandlungstag nicht.

Die Staatsanwaltschaft wollte ihn hinter Gittern sehen und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung. Sie will nun prüfen, ob sie in Berufung geht. Die Verteidigerin verlangte Freispruch und betonte, dass ihr Mandant im geschlossenen Account gechattet habe. Sie warf der Staatsanwaltschaft vor, bei Facebook keinen Nachweis für die Urheberschaft der umstrittenen Posts eingeholt zu haben. Mehrere Beweisanträge, unter anderem auf Anhörung eines Technikexperten von Facebook, wurden abgelehnt. Der Prozess hatte am 19. April begonnen.

Di, 2016-05-03 18:32
Berlin (dpa)

Berliner Fessel-Ballon gerät in Unwetterfront

Berlin (dpa) - Schreckmoment in Berlin: Der Aussichts-Fesselballon nahe dem Checkpoint Charlie ist am Dienstagabend durch Windböen in Turbulenzen geraten. Der Ballon sei in 150 Meter Höhe in eine Unwetterfront geraten, erklärte ein Sprecher der Polizei. In der halboffenen Kabine für Passagiere unterhalb des Ballons waren zu dem Zeitpunkt 20 Menschen, so der Sprecher. Einige kauerten sich einem Augenzeugenbericht zufolge hin und hielten sich fest. Wegen des starken Windes gelang es für mehrere Minuten nicht, den Ballon wieder an den Boden zu holen. Er driftete immer wieder in Richtung eines Hauses ab.

Nach Angaben der Polizei konnten die Passagiere schließlich in Sicherheit gebracht werden. Die Menschen wurden vor Ort medizinisch betreut. Ob sie verletzt wurden, war noch unklar. Der Ballon, der zum Berliner Stadtbild gehört, ist am Boden befestigt und steigt normalerweise nur auf und ab.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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