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Mo, 2015-08-03 16:57
Berlin (dpa)

Unionspolitiker haben die lukrativsten Nebenjobs Von Jonas Schöll, dpa

Bundestagsabgeordnete kriegen für ihren Job als Volksvertreter 9082 Euro brutto im Monat. Doch viele haben noch ganz andere Einkommensquellen - manche fast in Millionenhöhe. Nicht immer ist bekannt, wie hoch die Bezüge wirklich sind.

Berlin (dpa) - Die Bundestagsabgeordneten haben nach Angaben einer Transparenzorganisation seit Beginn der Legislaturperiode insgesamt mindestens rund 11,6 Millionen Euro mit Nebentätigkeiten verdient. Unter den elf Topverdienern sind ausschließlich Parlamentarier von CDU und CSU, wie das Politikportal abgeordnetenwatch.de am Montag mit Verweis auf die Angaben der Volksvertreter auf der Internetseite des Bundestags mitteilte. Zuerst darüber berichtet hatte das Magazin «Der Spiegel».

Die 11,6 Millionen Euro sind aber nur eine Mindestsumme - tatsächlich könnten die Abgeordneten seit Beginn dieser Legislaturperiode vor knapp zwei Jahren den Angaben zufolge sogar bis zu 21,4 Millionen Euro eingestrichen haben. Der Grund für die riesige Grauzone ist, dass Abgeordnete nicht die tatsächliche Höhe eines Nebenverdienstes veröffentlichen, sondern ihre Einkünfte jeweils einer von zehn groben Stufen zuordnen müssen.

Angaben von abgeordnetenwatch.de zufolge gaben 156 der 631 Bundestagsabgeordneten seit Beginn der Legislaturperiode Zusatzeinkommen an, also annähernd jeder Vierte. Bei der CSU ist es sogar jeder Zweite (26 von 56 Bundestagsabgeordneten).

An der Spitze der Topverdiener steht demnach der CSU-Finanzpolitiker und Landwirt Philipp Graf von und zu Lerchenfeld mit 1,1 Millionen Euro seit der vergangenen Wahl. Den zweiten Platz belegt der CDU-Abgeordnete und Landwirt Albert Stegemann mit Nebeneinkünften in Höhe von 878 500 Euro, gefolgt von seinem Parteikollegen Johannes Röring - ebenfalls Landwirt - mit 862 000 Euro. Erst auf Platz 12 taucht ein SPD-Politiker auf: der ehemalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit 189 000 Euro, der im Bundestagswahlkampf 2013 wegen seiner Nebeneinkünfte erheblich in der Kritik stand.

«Wenn Abgeordnete mit ihren Nebentätigkeiten mehr verdienen als die Bundeskanzlerin, läuft etwas gehörig schief», erklärte Gregor Hackmack, Geschäftsführer von abgeordnetenwatch.de. «Wir müssen jetzt darüber diskutieren, ob Nebeneinkünfte nicht komplett verboten werden sollten.»

«Mehr Transparenz ist nötig und möglich: Wir fordern seit langem, dass Abgeordnete ihre Einkünfte in Euro und Cent offenlegen sollen», sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann. Bürger müssten die Möglichkeit haben, zu erfahren, welchen Nebentätigkeiten Abgeordnete nachgehen. Nur so sei nachvollziehbar, ob der Schwerpunkt ihrer Arbeit tatsächlich auf dem Mandat liege.

Abgeordnetenwatch.de kritisiert noch weitere Schlupflöcher bei den Veröffentlichungsregeln. So müssten Parlamentarier bestimmte Einkünfte überhaupt nicht melden: Im Dunkeln blieben zum Beispiel alle Nebenverdienste eines Abgeordneten, die unterhalb von 1 000 Euro monatlich beziehungsweise unterhalb von 10 000 Euro jährlich liegen.

Rechtsanwälte bräuchten ihre Honorare unter bestimmten Umständen gar nicht angeben, auch Gewinne aus der Unternehmensbeteiligung eines Abgeordneten tauchten nirgends auf.

Mo, 2015-08-03 17:31
Haag (dpa)

«Rote Glut» ängstigt Badegäste - Meeresleuchttierchen in Holland

Leuchtend rote Schwärme vor dem Badestrand. Das sieht gefährlich aus. Dann warnen die Behörden in Holland davor, ins Wasser zu gehen. Doch der Spuk ist schnell vorbei.

Den Haag (dpa) - Nach einer Invasion von Meeresleuchttierchen ist an drei Stränden der holländischen Küste das Baden zeitweise verboten gewesen. Die bedrohlich leuchtenden Schwärme von Mikroorganismen - die Medien nannten sie «Rode Gloed» (Rote Glut) - zogen sich jedoch bis Montagnachmittag wieder zurück. In Scheveningen, Wassenaar und Katwijk (Provinz Südholland) holten Rettungsschwimmer ihre roten Warnflaggen daraufhin wieder ein.

Auch viele deutsche Urlauber erlebten das Naturschauspiel an den beliebten Nordseestränden. Die wahrscheinlich Millionen von winzigen Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans) waren am Sonntag vor den Küsten unweit von Den Haag aufgetaucht.   

Die rötlich leuchtenden Mikroorganismen seien zwar nicht giftig, könnten aber Irritation der Haut und der Atemwege verursachen, warnte ein Sprecher der zum Umweltministerium gehörenden Wasserbehörde Rijkswaterstaat. «Es erscheint uns darum besser, wenn Menschen nicht ins Wasser gehen.» An den Stränden fuhren Autos mit Warnschildern entlang: «Zee gevaarlijk» (Gefahr im Meer).

Die meisten Badegästen hielten sich an die Warnung, manche waren verängstigt. Allerdings gab es etliche, die trotzdem ins Wasser gingen. «Wenn ich da wirklich nicht hinein gedurft hätte, dann hätten sie mich doch bestimmt rausgeholt», sagte ein niederländischer Urlauber Reportern. «Das Schwimmen war herrlich.»  

Ein Sprecher des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) erklärte später, das Badeverbot sei vielleicht eine zu starke Reaktion auf das Auftauchen der Meeresleuchttierchen gewesen. Dabei handelt es sich um Einzeller, die sich vor allen von Plankton ernähren und die Fähigkeit besitzen, Licht zu erzeugen. Die Mikroorganismen treten an der niederländischen ebenso wie an der deutschen Nordseeküste in den warmen Monaten immer wieder in großen Schwärmen auf. Sie verschwinden aber meist nach kurzer Zeit.

Mo, 2015-08-03 17:10
Celle (dpa)

IS-Kämpfer schildert vor Gericht Weg von Wolfsburg aufs Schlachtfeld

Von Wolfsburg aus sollen zwei Deutsch-Tunesier in den Kampf für die Terrormiliz Islamischer Staat gezogen sein. Nun stehen sie in Celle vor Gericht. Wie weit waren die beiden jungen Männern in die Gräuel in Syrien und im Irak verwickelt?

Celle (dpa) - Vor dem Oberlandesgericht Celle hat am Montag der Prozess gegen zwei junge Männer aus Wolfsburg begonnen, die sich nach einer religiösen Radikalisierung der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben sollen. Beim Prozessauftakt schilderte einer der Angeklagten in einer vom Verteidiger verlesenen Erklärung seinen Weg von einer ersten Einladung zum Gebet durch einen Arbeitskollegen bis hin auf das Schlachtfeld im Irak.

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen IS-Heimkehrern Ayoub B. (27) und Ebrahim H. B. (26) die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Ayoub B. ist auch wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt, weil er an Kampftrainings teilgenommen und laut Anklage auch zur Waffe gegriffen haben soll. Ebrahim H. B. stand nach den Ermittlungen kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Den beiden Deutsch-Tunesiern drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess begann unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft waren die beiden Dschihadisten auch nach ihrer Rückkehr weiter Feuer und Flamme für den Islamischen Staat.

Ayoub B. stellte dies jedoch in seinen Schilderungen vor Gericht anders dar. Eigentlich sei er nur zum Studium des Islams aufgebrochen und habe sich nicht zum Kämpfen in ein Krisengebiet begeben wollen. Vor Ort sei er dann zur Ausbildung an der Waffe gezwungen worden und habe schnell Pläne zur Flucht zurück nach Deutschland geschmiedet.

In seiner verlesenen Aussage schilderte sich Ayoub B. als das schwarze Schaf unter seinen Geschwistern, dem es nach Schul- und Drogenproblemen nur mit Mühe gelungen sei, als Zeitarbeiter bei VW in Wolfsburg unterzukommen. Als er in radikale Kreise geriet, habe der neu entdeckte Islam ihm geholfen, seine Probleme zu überwinden. Dann sei er Richtung Syrien und Irak aufgebrochen, obwohl sein Vater, der im Vorstand einer tunesischen Moschee aktiv ist, bereits vorher das Landeskriminalamt eingeschaltet hatte, um dies zu verhindern.

In Syrien und im Irak traf Ayoub B. nach seinen Schilderungen nicht nur auf weitere IS-Kämpfer aus Wolfsburg, sondern wurde auch von einem deutschen Konvertiten, der aus Dinslaken oder Bonn stammen soll, verhört. Die Terrororganisation habe über detaillierte Akten über die Neuankömmlinge verfügt. Bei Gefechten sei es seine Aufgabe gewesen, Tote und Verwundete wegzuschaffen, erklärte der 27-Jährige.

Der zweite Angeklagte, Ebrahim H. B., kündigte eine Aussage für einen der kommenden Prozesstage an. Im Gerichtssaal abgespielt wurde ein Fernsehinterview mit dem 26-Jährigen während der Untersuchungshaft. Ein «falscher Prediger» habe ihn sowie andere junge Leute aus Europa, die von Religion keine Ahnung hätten, «verarscht» und unter falschen Vorwendungen für den IS angeworben, sagte Ebrahim H. B. darin.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-08-03 17:04
Celle (dpa)

Unabsichtlich Terrorist? - IS-Rekrut rechtfertigt sich vor Gericht Von Valentin Frimmer, dpa

Sie waren für den Islamischen Staat im Einsatz, das steht fest. Gestritten wird darüber, welche Motive die beiden Angeklagten nach Syrien und in den Irak trieb. Ayoub B. hat seine eigene Version.

Celle (dpa) - Hinter einer Plexiglasscheibe sitzt Ayoub B.. Der junge Mann im weißen Hemd und mit schwarzen Löckchen verfolgt aufmerksam die Worte seines Anwalts, der seine Aussage vorliest. Über Dutzende Seiten zeichnet B. von sich selbst das Bild eines gutgläubigen Verlierers, der erst unwissentlich und später unter Zwang bei der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mitmachte.

Der 27-Jährige muss sich seit Montag zusammen mit Ebrahim H. B. (26) vor dem Oberlandesgericht Celle dafür verantworten, zwischen Juni und Mitte August 2014 beim IS in Syrien und im Irak gewesen zu sein. Das geben die beiden jungen Männer aus der VW-Stadt Wolfsburg auch zu. Allerdings weist Ayoub B. von sich, aus eigenem Antrieb und Überzeugung gehandelt zu haben.

Gegenüber von Ayoub B. sitzt Claudia Gorf von der Bundesanwaltschaft. Nur vier schmale Fenster knapp unter der Decke lassen Licht in den speziell gesicherten Gerichtssaal. Vor dem Gebäude stehen Polizisten mit Maschinenpistolen. Gorf hält den beiden Deutsch-Tunesiern vor, die terroristischen Ziele des IS gefördert und im Internet für den Heiligen Krieg geworben zu haben. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter: Die beiden Angeklagten seien im Sommer 2014 nach Deutschland zurückkehrt, «ohne ihre ideologische Übereinstimmung mit dem IS aufgegeben zu haben.» Beide Angeklagten haben sich mittlerweile öffentlich vom IS distanziert.

Ayoub B. schildert vor Gericht, er habe Probleme in der Schule gehabt, musste auf die Hauptschule wechseln. «Weil ich überfordert war.» Er habe Gras geraucht und rumgehangen. «Ich war das Sorgenkind meiner Familie.» Später arbeitete er als Zeitarbeiter bei VW, das Gehalt aber verspielte er. Er habe getrunken und Kokain konsumiert.

«Beten war mir fremd», sagt Ayoub B. «Wir hatten mit Religion nichts zu tun», sagte auch Ebrahim H. B. in einem Fernseh-Interview, das er vor einigen Wochen im Gefängnis gab. Die beiden Männer waren in Wolfsburg an radikale Islamisten geraten. Die Gruppe gibt Halt. «Wir schaukelten uns gegenseitig hoch.» Wer ist der strengste Muslim?

Im Mai 2014 brechen beide in Richtung Syrien auf. Er sei in dem Glauben dorthin gereist, an einer Islamschule Koranunterricht zu bekommen, sagt Ayoub B. «Es war keine Rede vom kämpfen.»

Er muss das Gericht überzeugen, dass er von seinem IS-Einsatz weder im Vorfeld gewusst, noch ihn befürwortet hat. Andernfalls drohen ihm bis zu 10 Jahre Haft. Laut Anklage soll er an Waffentrainings teilgenommen und sich an Kampfeinsätzen beteiligt haben.

In Syrien müssen sich die Neuankömmlinge entscheiden: Kämpfer oder Selbstmordattentäter? «Ich war total schockiert», sagt Ayoub B. Er entschied sich für Kämpfer. «Dies schien mir als das kleinste Übel und meine einzige Chance zu überleben.» Sie seien bewacht und eingeschüchtert worden: Weglaufen zwecklos, gibt Ayoub B. zu verstehen. Er habe mehrfach darum gebeten, nach Hause zu dürfen, zur Kampfausbildung sei er gezwungen worden. Als Krankenfahrer während eines Kampfes sei er nur tätig gewesen, um zu überleben. Schließlich sei ihm die Flucht gelungen.

Doch es gibt erhebliche Zweifel, ob Ayoub B. tatsächlich so harmlos und naiv ist, wie er tut. Ein Foto zeigt ihn mit Kalaschnikow und Sprengstoffgürtel und IS-Fahne. Ayoub B. erklärt: IS-Männer hätten ihn bewusst in diese Situation gebracht, um seine Familie gegen ihn aufzubringen und ihn zu isolieren.

Zwei Ausraster, die er sich zurück in Deutschland leistete, begründet er so: Er habe sich aus Trotz so gegeben, wie es von ihm erwartet worden sei - als Islamist. Im Gefängnis hatte er unter Gesängen Maschinengewehrsalven imitiert.

Zudem gibt es Mitschnitte von verräterischen Internet-Chats, in denen die beiden Angeklagten neue Mitglieder aus Deutschland werben und sich inbrünstig zum IS bekennen. Auch darauf hat Ayoub B. eine Antwort: Er habe sich nach außen verstellen müssen, damit seine IS-kritische Haltung nicht auffliegt. «Mir blieb gar nichts anderes übrig, als so zu tun, als wäre ich ein glühender Anhänger des IS.»

Mo, 2015-08-03 17:27
Berlin (dpa)

Union: Kondompflicht stärkt Prostituierten den Rücken

Berlin (dpa) - Die geplante Kondompflicht für Prostituierte und deren Freier ist aus Sicht der Union im Bundestag auch bei eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten eine wichtige Verbesserung. «Wenn die Gesellschaft den Schutz der Prostituierten und der Freier durch die Benutzung von Kondomen möchte, muss der Staat es auch unabhängig von der Durchsetzung der Kontrollmöglichkeiten gesetzlich einfordern», sagte der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Marcus Weinberg, am Montag in Berlin. Die Vorschrift, die mit dem neuen Prostituiertenschutzgesetz kommen soll, stärke die Position der Frauen, sich gegen ungeschützten Sex zur Wehr zu setzen.

Das Gesetz, dessen Entwurf derzeit zwischen den Ministerien und mit den Ländern abgestimmt wird, soll vor allem im Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution Fortschritte bringen. Frauen, die sich freiwillig prostituieren, sollen von den neuen Pflichten aber auch nicht überfordert werden, wie die rechtspolitische Fraktionssprecherin Elisabeth Winkelmeier-Becker betonte.

Vorgesehen ist unter anderem, dass Prostituierte sich künftig offiziell anmelden und regelmäßig zur Gesundheitsberatung gehen müssen. Für sehr junge Frauen unter 21 gelten verschärfte Regeln. Wer wissentlich die Dienste einer Zwangsprostituierten nutzt, kann sich strafbar machen. Die Union will außerdem weitere Punkte durchsetzen, etwa einen besonderen Schutz für schwangere Prostituierte.

In Deutschland prostituieren sich laut Winkelmeier-Becker etwa 200 000 bis 400 000 Frauen. Bis zu eine Million Freier nutzten pro Tag ihre Dienste. Das neue Gesetz soll das liberalisierte rot-grüne Prostitutionsgesetz ablösen, das hinter den Erwartungen zurückblieb. Bei der Union geht man davon aus, dass es 2016 in Kraft treten kann.

Mo, 2015-08-03 17:41
Washington (dpa)

12 000 Menschen fliehen vor Waldbränden in Kalifornien

Die Waldbrände in Kalifornien breiten sich rasant aus. Tausende müssen sich in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr kommt nur langsam voran, starker Wind treibt die Flammen schnell vor sich her. Allein nördlich von San Francisco sind mehr als 6000 Gebäude bedroht.

Washington (dpa) - Die Lage in den Waldbrand-Gebieten in Kalifornien wird immer dramatischer. Allein in der Nähe von San Francisco flohen 12 000 Menschen am Sonntag (Ortszeit) vor einem riesigen Flammenmeer. 6300 Gebäude waren bedroht, 50 - darunter 24 Wohnhäuser - wurden bereits zerstört, wie die «Los Angeles Times» am Montag berichtete. Mehrere Campingplätze mussten mitten in der Nacht evakuiert werden, zwei Autobahnen in der Region wurden gesperrt.

9400 Feuerwehrleute kämpften gegen 21 größere Brände, wie die kalifornische Wald- und Feuerschutzbehörde mitteilte. Und es zeichnete sich keine Wetteränderung ab, die bei der Eindämmung der Flammen helfen könnte. Auch für Montag wurde erneut starker Wind erwartet, der die Flammen schnell vor sich hertreibt. Hinzu kommen Hitze und die extreme Dürre, die in Kalifornien herrscht.

So war der größte der Brände, das «Rocky Fire» rund 160 Kilometer nördlich von San Francisco, der «Los Angeles Times» zufolge am Montagmorgen erst zu einem kleinen Teil eingedämmt. Dabei waren allein hier fast 3000 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Flammen hätten sich bereits auf einer Fläche von nahezu 200 Quadratkilometern Wald- und Buschland ausgebreitet, berichteten Medien unter Berufung auf offizielle Angaben.

Um die Einsatzkräfte zu unterstützen, kämpfen nun auch Mitglieder der Nationalgarde gegen die immer weiter um sich greifenden Brände. Sie sollen mit mehreren großen Löschflugzeugen in den Kampf gegen die Flammen eingreifen, die zu einem großen Teil von Blitzschlägen verursacht wurden.

Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, hatte am Samstag den Notstand ausgerufen, um damit schnellere Hilfen zu ermöglichen. Am Donnerstag war ein Feuerwehrmann ums Leben gekommen. Mehrere Schulen wurden zu Evakuierungszentren umfunktioniert, um die geflüchteten Menschen unterzubringen.

Mo, 2015-08-03 17:48
Damaskus (dpa)

Syrien: 31 Tote nach Jet-Absturz - US-Luftunterstützung für Rebellen

Das Zentrum von Ariha gleicht einem Trümmerfeld. Der Absturz eines Armee-Flugzeugs in der syrischen Stadt kostete Dutzende Menschen das Leben. Zugleich dürfen moderate Rebellen im Norden des Landes auf Luftunterstützung der USA hoffen.

Damaskus (dpa) - Mindestens 31 Menschen sind im Norden Syriens bei einem Bombardement und dem anschließenden Absturz eines Kampfflugzeugs getötet worden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mitteilte, griff die syrische Luftwaffe Rebellen in der Provinz Idlib an, bevor eines der Flugzeuge auf das Zentrum der Stadt Ariha in der Nähe eines Marktes stürzte. Demnach wurden zudem 60 Menschen verletzt.

Ob das Flugzeug abgeschossen wurde oder einen technischen Defekt hatte, war zunächst unklar. Videos zeigten heftige Zerstörungen in der Stadt. Ariha wird von einem Rebellenbündnis unter Führung der radikalislamischen Al-Nusra-Front beherrscht, die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida hat.

Im Januar waren bei dem Absturz einer Transportmaschine der syrischen Luftwaffe in der Provinz 35 Regimekämpfer gestorben. Ursache war den Angaben zufolge damals schlechtes Wetter.

Nahe Aleppo können von den USA ausgebildete Rebellen nach blutigen Gefechten auf Luftunterstützung durch die USA hoffen. Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf einen ranghohen US-Regierungsvertreter, Präsident Barack Obama habe nach monatelangen Beratungen diesem Vorgehen zugestimmt.

Im Norden Syriens waren bei Kämpfen zwischen Al-Kaida-Anhängern und US-geschulten Rebellen vergangene Woche sechs Kämpfer getötet worden. Sie gehörten zu einer in der Türkei von US-Soldaten ausgebildeten Einheit, die in Syrien gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen soll.

Russland warnte die USA vor Luftangriffen zum Schutz der Rebellen. Ein solches Vorgehen spiele den Terroristen in die Hände, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Moskau gilt als Verbündeter des Regimes in Damaskus.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach Angaben einer Zeitung, er glaube nicht daran, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in dem über vier Jahre andauernden blutigen Bürgerkrieg an Syriens Machthaber Baschar al-Assad festhalten wird. Russland vertritt bisher den Standpunkt, dass Assad bei einer Lösung des Konflikts nicht ausgeklammert werden dürfe. Die Türkei dagegen will den Sturz des Regimes und unterstützt gemeinsam mit Saudi-Arabien die syrischen Rebellen.

Mo, 2015-08-03 16:58
Heidelberg (dpa)

Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft: drei Verletzte

Heidelberg (dpa) - Bei einer Massenschlägerei von etwa 50 Menschen in einer überfüllten Flüchtlingsunterkunft in Heidelberg sind zwei Bewohner und ein Sicherheitsmitarbeiter verletzt worden. Zwei große Gruppen unterschiedlicher Nationalitäten seien aufeinander losgegangen, teilte die Polizei am Montag mit. Dabei hätten ein 24-Jähriger und ein 27 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter am Sonntag einen Schlag mit einer Eisenstange gegen den Kopf bekommen. Die Männer wurden zusammen mit einem weiteren Flüchtling ärztlich versorgt. In der Heidelberger Anlage lebten zuletzt mehr als 2600 Menschen - ausgelegt war sie ursprünglich für 1000 Asylbewerber.

13 Streifenwagen und eine Hundestaffel waren im Einsatz. Was die Schlägerei ausgelöst hat, war zunächst unklar. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung gegen Unbekannt.

In Flüchtlingsunterkünften kam es zuletzt immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern. Zuletzt hatten sich in einer überfüllten Unterkunft im thüringischen Suhl und in einem Zeltlager in Dresden Dutzende Asylbewerber geschlagen. In Bonn schoss die Polizei auf einen Mann, der einen Mitbewohner im Streit verletzt haben soll.

Mo, 2015-08-03 16:31
Berlin (dpa)

Keiner will's gewesen sein - Spurensuche im Fall Netzpolitik.org Von Christiane Jacke und Diana Niedernhöfer, dpa

Was ist da los? Auf einmal gibt es Ermittlungen gegen Journalisten wegen Landesverrats. Aber keiner will dafür verantwortlich sein. Die Suche nach einem Sündenbock läuft.

Berlin (dpa) - Wenn der Staat gegen Journalisten vorgeht, ist das eine heikle Angelegenheit. Schnell entsteht der Eindruck, als wollten staatliche Stellen Medienleute mundtot machen. Mit derart unschönen Dingen mag keiner gerne in Verbindung gebracht werden. Vor allem nicht, da deutsche Regierende gerne mal Amtskollegen anderswo in der Welt in Sachen Pressefreiheit belehren. Im Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats gegen den Blog Netzpolitik.org ist daher Wegducken angesagt. Die Beteiligten haben sich dabei ihre ganz eigenen Strategien zurechtgelegt, um die Verantwortung von sich zu weisen.

DER VERFASSUNGSSCHUTZCHEF: Hans-Georg Maaßen hat die ganze Sache ins Rollen gebracht. Nachdem Netzpolitik.org in zwei Artikeln vertrauliche Dokumente des Verfassungsschutzes im Internet veröffentlichte, erstattete die Maaßen-Behörde im Frühjahr beim Landeskriminalamt Berlin zwei Anzeigen gegen Unbekannt. Darin tauchten auch die Namen der Blog-Macher auf - lediglich zur Beschreibung der Vorkommnisse, wie es heißt. Das LKA reichte die Anzeigen weiter an die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, und die bat den Verfassungsschutz um eine Stellungnahme zu der Frage, ob es sich bei den veröffentlichten Informationen um Staatsgeheimnisse handele.

Maaßens Amt lieferte dazu ein Gutachten und bejahte die Frage. Es sei dem Behördenchef aber keineswegs darum gegangen, gegen Journalisten vorzugehen, heißt es aus Maaßens Umfeld. Ziel sei gewesen, die undichte Stelle bei Verfassungsschutz, Innenministerium oder im Parlament aufzuspüren, von wo aus die Dokumente an die Blogger gegangen sein könnten. Außerdem sei es allein Sache der Justiz, wie sie mit einer Anzeige weiter umgehe.

DER BUNDESJUSTIZMINISTER: Das Ressort von Heiko Maas erfuhr nach eigenen Angaben schon am 27. Mai von dem Ermittlungsverfahren. Auf Arbeitsebene habe man der Bundesanwaltschaft daraufhin mehrfach Einwände und Bedenken vorgetragen, heißt es aus dem Ministerium. Maas habe sich regelmäßig über den Fall informieren lassen. Als die Ermittlungen vor wenigen Tagen öffentlich wurden, schaltete sich der Ressortchef selbst ein, sprach persönlich mit Range und erklärte danach vor laufender Kamera, dass er große Zweifel an den juristischen Vorwürfen gegen die Blogger habe.

Deutlicher konnte der SPD-Politiker nicht auf Distanz zur obersten deutschen Ermittlungsbehörde gehen. Das Haus von Maas will der Bundesanwaltschaft nun möglichst schnell eine eigene rechtliche Einschätzung zu dem Fall liefern. Die dürfte für den Fortgang des Verfahrens - beziehungsweise sein Ende - entscheidend sein.

DER BUNDESINNENMINISTER: Der Verfassungsschutz ist dem Ministerium von Thomas de Maizière untergeordnet. Der CDU-Politiker will aber erst im Nachhinein von dem Vorgang erfahren haben. Maaßen informierte laut Ministerium zwar vorab die Innenstaatssekretärin Emily Haber und den zuständigen Abteilungsleiter, dass er Anzeige erstatten will. Die beiden hatten demnach keine Einwände, sie bekamen den Wortlaut der Anzeigen allerdings auch nicht vorab zu Gesicht. Dass das Ganze in einem Verfahren gegen die Blogger endete, will die Hausspitze erst vor wenigen Tagen durch die Medien erfahren haben.

De Maizière lässt ausrichten, er halte das Vorgehen von Maaßen für einwandfrei. Allerdings äußert auch der Ressortchef Zweifel an den Landesverrats-Vorwürfen gegen die Journalisten. Das heißt, auch er geht auf Distanz zur Bundesanwaltschaft.

DER GENERALBUNDESANWALT: Auf Harald Range prasselt derzeit am meisten Kritik nieder. Der oberste Chefermittler sieht sich zu Unrecht am Pranger. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft stellt sich die Sache so dar: Nach den Anzeigen des Verfassungsschutzes habe die Behörde zunächst einen «Prüfvorgang» angelegt. Ausschlaggebend für die Einleitung des Verfahrens war dann offenbar das Gutachten des Geheimdienstes: Das konnte Karlsruhe nicht einfach ignorieren. Damit war rein rechtlich betrachtet ein Anfangsverdacht gegeben. An deutliche Warnungen aus dem Justizministerium kann man sich in Karlsruhe laut «Süddeutscher Zeitung» nicht erinnern.

Die Behörde legt außerdem Wert darauf, dass Range schon bei der Einleitung des Verfahrens Mitte Mai - und nicht erst auf Druck von Dienstherr Maas - mit Blick auf die Pressefreiheit entschieden habe, vorerst auf Exekutivmaßnahmen gegen die Blogger zu verzichten und zunächst ein externes und damit objektives Gutachten zu dem Fall abzuwarten. Das Papier aus dem Hause Maas wird nun wohl früher vorliegen. Und die Bundesanwaltschaft hat bereits erkennen lassen, dass davon der weitere Gang der Dinge abhängt. Will heißen: Sehen die Maas-Experten in den veröffentlichten Dokumenten kein Staatsgeheimnis, dürfte das Verfahren wohl eingestellt werden.

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Mo, 2015-08-03 16:51
Moskau/Kiew (dpa)

Ukrainischer Ex-Premier bildet Schattenkabinett - Kontaktgruppe tagt

Von einem geplanten Waffenabzug ist seit Wochen nichts zu spüren in der Ostukraine. Bringt ein Treffen der Kontakt-Gruppe Fortschritte?

Moskau/Kiew (dpa) - Mit einem Schattenkabinett will der im russischen Exil lebende ukrainische Ex-Regierungschef Nikolai Asarow die prowestliche Führung in Kiew unter Druck setzen. «Wir brauchen vorgezogene Wahlen, Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahlen», forderte er bei der Präsentation seines «Komitees zur Rettung der Ukraine» am Montag in Moskau. Vertreter der Regierung in Kiew und der prorussischen Separatisten berieten im weißrussischen Minsk über einen geplanten Waffenabzug von der Donbass-Front.

Der 67-jährige Asarow gilt in der Ukraine als weitgehend einflusslos. Er war 2014 nach seiner Entlassung als Regierungschef vor den blutigen Maidan-Protesten in Kiew geflohen und lebt seither in Russland. «Die Ukraine braucht dringend eine Erneuerung», meinte er.

An der Spitze seines alternativen Führungsteams steht der frühere Rada-Abgeordnete Wladimir Olejnik, der als Präsidentenanwärter der Gruppe gehandelt wird. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies Vorwürfe zurück, Russland stecke hinter Asarows Projekt.

Asarow ist ein scharfer Kritiker der prowestlichen Führung um Präsident Petro Poroschenko und bezeichnet den damaligen Machtwechsel als einen vom Ausland gesteuerten Putsch. Er wirft Kiew vor, mit dem Krieg gegen Separatisten im Donbass das Land ins Chaos zu stürzen.

Trotz des angekündigten Abzugs von Kriegsgerät aus dem Frontgebiet wurden bei Gefechten zwischen Militär und Aufständischen in der Ostukraine vier Soldaten getötet, wie die Behörden in Kiew mitteilten. Im weißrussischen Minsk berieten zunächst Experten über ein Abkommen, das als Grundlage für eine entmilitarisierte Zone dienen soll.

Später sollte die Ukraine-Kontaktgruppe Gespräche führen. Zu dem Gremium gehören die Ukraine, Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Poroschenko hatte zuvor angekündigt, dass bis 3. August ein weiteres Abkommen über den Abzug von Kriegsgerät von der Front unterzeichnet werden solle. Ob es diesmal in Minsk dazu kommen würde, war angesichts der schleppenden Umsetzung bisheriger Friedensschritte zunächst offen.

In einem Interview der österreichischen Tageszeitung «Kurier» kritisierte Poroschenko die Separatisten scharf. Das Minsker Abkommen würde nur Kiew umsetzen, sagte er. «Aber Russland und von Russland unterstützte Terroristen setzen nichts um. Dazu braucht es EU-Friedenstruppen», bekräftigte der Staatschef eine frühere Forderung nach internationaler Hilfe.

Zudem warnte Poroschenko vor möglichen Angriffen Russlands etwa auf Finnland oder das Baltikum. Kremlchef Wladimir Putin werde so weit gehen, wie es ihm die Welt erlaube, sagte der ukrainische Präsident.

Mo, 2015-08-03 16:52
Doha (dpa)

Kerry: Golfstaaten und USA sehen Atomdeal als stabilitätsfördernd

Doha (dpa) - Die Golfstaaten sehen den Atomdeal mit dem Iran nach den Worten von US-Außenminister John Kerry als stabilitätsfördernde Maßnahme für den Nahen Osten. Die Minister seien sich einig, dass das Nuklear-Abkommen, sobald es vollständig umgesetzt sei, auf lange Sicht zur Sicherheit in der Region beitragen werde, sagte Kerry am Montag nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen des Golf-Kooperationsrates (GCC) in Katars Hauptstadt Doha.

Die mehrheitlich sunnitischen Staaten des GCC, unter ihnen Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate, hatten die Einigung des Irans mit den UN-Vetomächen und Deutschland vor drei Wochen mit großer Skepsis verfolgt. Sie werfen dem Iran Hegemoniestreben im Nahen Osten vor.

Mo, 2015-08-03 15:55
Istanbul (dpa)

Erdogan: Putin wird nicht an Syriens Machthaber festhalten

Istanbul (dpa) - Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan glaubt nicht, dass Russlands Präsident Wladimir Putin an Syriens Machthaber Baschar al-Assad festhalten wird. Er denke, dass Putin Assad aufgeben könne, sagte Erdogan nach einem am Montag veröffentlichten Bericht der Zeitung «Habertürk» auf einer Asienreise vor türkischen Journalisten. Putin vertrete nicht mehr den Standpunkt, dass er «bis zum Ende» an Assads Seite stehe.

Putin hatte Erdogan nach dem tödlichen Anschlag im südtürkischen Suruc am 20. Juli sein Beileid ausgesprochen. Zuletzt telefonierten die beiden nach Angaben des Kreml am 26. Juli miteinander.

Russland unterstützt Assad im syrischen Bürgerkrieg und ist gegen eine Lösung, die Assad ausklammert. Die Türkei dagegen will den Sturz des Assad-Regimes und unterstützt gemeinsam mit Saudi-Arabien die syrischen Rebellen.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-08-03 16:33
Düsseldorf (dpa)

Gehört das Duschen zur Arbeitszeit? Mechaniker zieht vor Gericht Von David Fischer, dpa

Wenn er sich duscht oder umzieht, dann ist das für B. Teil der Arbeitszeit. Also sollte er dafür auch bezahlt werden, meint er. Sein Arbeitgeber sieht das anders, nun trafen sich beide vor Gericht.

Düsseldorf (dpa) - Seit fast 20 Jahren arbeitet ein Mann als Mechaniker für die Stadtwerke Oberhausen. In einer Werkstatt repariert er Busse, unter den Fahrzeugen flickt er Schläuche zusammen. Eine Umgebung, in der Ölgeruch so unvermeidlich ist wie Spritzer von Diesel oder Kühlmittel. Früher stopfte B. die verschmutzte Arbeitskleidung zu Hause in die Waschmaschine und bekam eine Pauschale, das Waschgeld. Seit der Betrieb eine Firma engagiert, die sich um die Reinigung kümmert, muss der Mann seine Arbeitskleidung vor Ort ablegen - und damit länger bleiben als ihm lieb ist.

Länger bleiben, das heißt: morgens die Latzhose, Jacke, das T-Shirt anziehen, nach Feierabend die verschmutzte Kleidung ausziehen und Duschen. 20 Minuten braucht er dafür nach seiner Rechnung, gibt der Mann an. 20 Minuten, die in der Lohnabrechnung aber nicht auftauchen. Denn für das Umziehen und Duschen ihrer Mitarbeiter wollen die Stadtwerke nicht aufkommen.

Ende vergangenen Jahres reichte der Kfz-Mechaniker mit 15 anderen Schraubern Klage vor dem Arbeitsgericht Oberhausen ein. Dort setzte er sich durch, der Fall landete in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf.

Durch einen salomonischen Richterspruch konnten sich die Streitparteien dort am Montag in Düsseldorf gütlich einigen. Und das überraschend schnell: Der Mechaniker bekommt die Hälfte seiner Forderung nachbezahlt, also den Lohn für die zehn Minuten, die er täglich für das An- und Ausziehen seiner Arbeitskleidung in sieben Monaten benötigt hatte - 375 Euro. Für das Duschen bekommt er dagegen kein Geld.

Was ist Arbeitszeit, was ist Privatvergnügen? Keine einfache Entscheidung für das Gericht. «Wir haben es mit einem Pilotverfahren zu tun», sagte der Vorsitzende Richter. Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts regele, wann Umziehen zum Job zählt. Dies sei etwa der Fall, wenn Arbeitskleidung aus Gründen der Hygiene oder des Arbeitsschutzes notwendig sei oder die Montur nicht privat getragen werden dürfe.

Allein diese Richtlinien seien branchenübergreifend schwierig zu bewerten: Ein Mechaniker sei eben kein Mitarbeiter eines Atomkraftwerks. Noch schwieriger sei das Duschen, erklärte der Richter. Hierzu gebe es noch keine gesicherte Rechtsprechung. Ab wann darf man duschen? Beginnt Verschmutzung beim bloßen Schweißgeruch? Sind zehn Minuten unter der Brause zu lange?

Der Mechaniker und die Vertreter seines Arbeitgebers haben nun drei Wochen Zeit, gegen die gütliche Einigung Widerspruch einzulegen. Die Stadtwerken Oberhausen könnte das Verfahren letztlich teuer zu stehen kommen: Je nachdem wie der Fall ausgeht, soll die Entscheidung nach Angaben eines Gerichtssprechers auf alle anderen 15 Fälle übertragen werden. «Wenn wir einen Präzedenzfall geschaffen haben, sind wir zufrieden», sagt der Betriebsratsvorsitzende der Stadtwerke, Michael Stemmer.

Mo, 2015-08-03 16:47
Washington (dpa)

«Lahme Ente» Obama schlägt wieder zu - kühner Plan zum Klimaschutz Von Gabriele Chwallek, dpa

Bisher hat sich Obama in Sachen Klimaschutz beim Kongress die Zähne ausgebissen. Jetzt will er im Alleingang die Emissionen der US-Kraftwerke regulieren und saubere Energien erzwingen. Aber ist das realistisch - oder am Ende nur heiße Luft?

Washington (dpa) - Und nun der Klimaschutz. Eine «lahme Ente» zu sein, sei eigentlich ganz schön, hat US-Präsident Barack Obama mehrfach scherzend erklärt. Aber er meint wohl wirklich, was er sagt. Stück für Stück arbeitet er in seiner zweiten Amtszeit die Liste seiner großen politischen Vorhaben ab, die er bisher nicht verwirklichen konnte, entweder, weil der Kongress ihm Knüppel zwischen die Beine warf oder schlicht, weil er wiedergewählt werden wollte. Jetzt ist er befreit - und hat sich eines der in den USA umstrittensten Themen vorgenommen: den Kampf gegen den Klimawandel.

Es sagt viel, dass Obama mit den jetzt beschlossenen Regeln zum Teil noch über die ohnehin schon stark umstrittenen Vorschläge hinausgeht, die er vor einem Jahr zur Diskussion vorgelegt hatte. Das gilt vor allem für die Vorschrift, dass die existierenden Kohlekraftwerke im Land den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005 reduzieren müssen. Der Klimaschutz zählt neben der Gesundheitsreform zu den großen Zielen, die aus Obamas Grundüberzeugungen erwachsen sind. In beiden Fällen glaubt er fest daran, dass nicht Kleckern, sondern nur Klotzen hilft.

Dass er im Kampf gegen den Treibhauseffekt kaum Pflöcke einschlagen konnte, hat stark an ihm genagt, wie Berater in seiner Umgebung sagen. Es wog schwerer für ihn als jede andere der politischen Niederlagen, die er im Ringen mit dem Kongress mehr als einmal einstecken musste. Den Stellenwert, den das Thema für ihn hat, machte spätestens sein Sprecher Josh Earnest am Montag klar, als er in einem CNN-Interview im Zusammenhang mit den neuen Umweltschutz-Regeln Obamas Wahlkampfslogan von 2008 wiederbelebte. «Change we can believe in - Wandel, an den wir glauben können.

Das heißt natürlich nicht, dass Obama nur von hehren Prinzipien geleitet wurde. Wie etwa die «New York Times» herausstellte, ist er auch ganz bewusst dabei, sein politisches Vermächtnis zu formen. Konservative Kritiker warfen ihm vor, dass er ein mehr als schlapper Weltführer sei; nun will sich der Demokrat beim Kampf gegen den Klimawandel als globaler Schrittmacher präsentieren - rechtzeitig vor der geplanten Klimakonferenz in Paris. Das sind gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Zweifellos dürfte ihm der provozierende Schritt am Kongress vorbei, per Anordnung, leichter gefallen sein, weil er längst aus dem Weißen Haus ausgezogen sein wird, wenn der Zeitpunkt der Umsetzung gekommen ist. Wenn dieser überhaupt jemals erreicht wird: Schon bevor die Endversion der Regulierungen am Montag offiziell verkündet war, formierte sich massiver Widerstand. Von der Kohleindustrie über republikanisch regierte Bundesstaaten bis hin zu Konservativen im Kongress: Es zeichnet sich ein mächtiges Anti-Bündnis ab, das die US-Gerichte über eine lange Zeit hinweg beschäftigen wird.

So hat etwa die National Mining Association - die Vereinigung der Kohleförderer - angekündigt, dass sie bei Gericht eine einstweilige Verfügung beantragen wird, um den Plan auf Eis legen zu lassen. Schätzungsweise bis zu 30 Bundesstaaten - darunter das stark von der Kohleindustrie abhängige West Virginia - könnten alle Register ziehen, um eine Umsetzung der Regeln zu blockieren. Dabei geht es nicht nur um handfeste wirtschaftliche Aspekte: Für viele Staaten ist es schlicht ein rotes Tuch, wenn die Bundesregierung in Washington ihnen etwas diktiert.

Und sollte ein Republikaner 2016 ins Weiße Haus einziehen, dürften die Karten ohnehin neu gemischt werden. Dazu muss der nächste Präsident nicht zu jenen Konservativen zählen, die nach wie vor glauben, dass der Klimawandel eine Erfindung ist. Auch moderatere Bewerber laufen Sturm gegen Obamas Klimaschutz-Programm. «Ich halte es für ein Desaster. Es ist verfassungswidrig», sagte etwa Jeb Bush.

Also Hürden in Hülle und Fülle. Heißt dies, dass der Plan im Endeffekt nur heiße Luft ist - kühn und ehrgeizig, mehr auf die innere Erfüllung Obamas und das Image gemünzt als auf Realismus gestützt? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Wie immer die Gerichte entscheiden werden, kann der Demokrat davon ausgehen, dass der Klimaschutz nun zu einem Wahlkampfthema wird, zumal Obamas potenzielle Nachfolgerin Hillary Clinton voll hinter dem Programm steht: «Es ist ein guter Plan. Als Präsidentin werde ich ihn verteidigen.»

Das bedeutet zumindest Diskussion über ein Thema, das viele Republikaner am liebsten totschweigen würden - und damit einen gewissen Druck für ernsthafte Bewerber, zumindest einen Mittelweg zu suchen. Und treten die USA in Paris als Weltmeister im Klimaschutz auf, hätte es jeder künftige Präsident schwerer, die Uhren wieder ganz zurückzustellen. So oder so kann Obama nur gewinnen - und sei es am Ende auch nur durch die eigene Zufriedenheit, dass er sich selber treugeblieben ist.

Mo, 2015-08-03 16:02
Haag (dpa)

Schwärme von Meeresleuchttierchen an holländischen Stränden

Den Haag (dpa) - Nach einer Invasion von Meeresleuchttierchen ist an drei Stränden der holländischen Küste das Baden zeitweise verboten gewesen. Das Verbot in Scheveningen, dem großen Badevorort von Den Haag, wurde am Montagnachmittag wieder aufgehoben, teilte die Rettungsschwimmer-Brigade mit. An den auch bei deutschen Urlaubern beliebten Stränden in Wassenaar und Katwijk wehte die rote Warnflagge dagegen noch.

Die in Schwärmen auftretenden rötlich leuchtenden Mikroorganismen seien zwar nicht giftig, könnten aber Irritation der Haut und der Atemwege verursachen, warnte ein Sprecher des Umweltministeriums. «Es erscheint uns darum besser, wenn Menschen nicht ins Wasser gehen.»

Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans) sind Einzeller, die sich vor allen von Plankton ernähren und die Fähigkeit besitzen, Licht zu erzeugen. Niederländische Medien nannten die leuchtenden Schwärme «Rode Gloed» (Rote Glut). Die Mikroorganismen treten an der Nordseeküste in den warmen Monaten immer wieder in großen Schwärmen auf. Sie verschwinden aber meist nach kurzer Zeit. 

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Die Lage ist ernst!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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