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Di, 2016-05-03 10:54
Damaskus (dpa)

Was steht einer Waffenruhe in Syrien entgegen?

Damaskus (dpa) - Eigentlich gilt in Syrien seit Ende Februar eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe. In den ersten Wochen kam es immer wieder zu Verstößen gegen die Feuerpause, im Großen und Ganzen hielt sie allerdings.

Vor allem in der nordsyrischen Aleppo hat die Gewalt in den vergangenen Tagen jedoch massiv zugenommen. Die Opposition und Regierungen im Westen machen dafür die Regierung in Damaskus verantwortlich, die die Vorwürfe zurückweist. Viele Beobachter sehen derzeit kein Interesse der Führung in Damaskus an einer Feuerpause, da sie dank Hilfe ihrer Verbündeten Russland und Iran zuletzt einige Erfolge erzielen und die Rebellen unter Druck setzen konnte.

Die frühere Handelsmetropole Aleppo gilt nicht nur strategisch, sondern auch symbolisch als wichtigstes Schlachtfeld in Syrien. Wer die Stadt beherrscht, wird den Bürgerkrieg nicht zwangsläufig gewinnen, kann dem Gegner aber einen massiven Schlag versetzen.

Bislang ist die Stadt geteilt. Das Regime und seine Verbündeten versuchen seit langem, die Rebellen im Osten der Stadt von der Außenwelt abzuschneiden. Militäranalysten rechnen damit, dass die Armee mit russischer Luftunterstützung eine neue Offensive plant. Sollte diese erfolgreich sein, wäre die Regierung bei neuen Friedensgesprächen in einer deutlich stärkeren Verhandlungsposition.

Ausgenommen von der Waffenruhe ist zudem neben der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Al-Nusra-Front, Ableger von Al-Kaida. Die radikale Miliz kämpft jedoch oft Seite an Seite mit moderateren Kräften, weshalb auch dieser immer wieder unter Feuer geraten. Zudem betrachten das Regime und Russland auch die radikalen Gruppen Dschaisch al-Islam und Ahrar al-Scham als Terrororganisationen, die bekämpft werden müssen. Regimegegner und die USA sehen diese Islamistentruppen hingegen als legitimen Teil der Opposition.

Di, 2016-05-03 10:32
Berlin (dpa)

EU-Ausschussvorsitzender Lange zweifelt an TTIP

Berlin (dpa) - Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange, zweifelt am Zustandekommen des Freihandelsabkommens TTIP der EU mit den USA. «Obwohl wir jetzt drei Jahre miteinander reden, stehen immer noch die Maximalpositionen gegenüber. Die Amerikaner bewegen sich null komma null», sagte er am Dienstag im rbb-Inforadio.

«Ich hatte gehofft, dass mit dem Besuch von (US-Präsident Barack) Obama das Barometer etwas ansteigt und er etwas im Rucksack hat. Hatte er aber nicht. Fromme Worte sind genug gewechselt», sagte Lange.

Es gebe eine Reihe ungelöster Fragen wie die gegenseitige Anerkennung von Standards, Arbeitnehmerrechte, geistiges Eigentum, sagte Lange. «Deswegen ist es rein zeitlich dieses Jahr gar nicht mehr möglich, ein vernünftiges Ergebnis hinzukriegen.» Über die amerikanische Blockadehaltung sei breite Frustration zu spüren.

Greenpeace hatte am Montag bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente mit US-Forderungen veröffentlicht und Washington vorgeworfen, im Interesse amerikanischer Konzerne europäische Umwelt- und Verbraucherschutzstandards aushöhlen zu wollen.

Di, 2016-05-03 10:47
Münster (dpa)

Rätselraten um das Versteck des tödlichen Ehec-Keims Interview: Petra Kaminsky, dpa

Fünf Jahre nach der großen Ehec-Epidemie wissen Forscher viel mehr über das gefährliche Bakterium als damals. Aber längst nicht alles.

Münster (dpa) - Vor fünf Jahren stand Professor Helge Karch plötzlich mitten in einem Sturm: Eine mysteriöse Darmkeim-Epidemie griff im Frühjahr 2011 um sich. Tausende erkrankten, viele starben. Karch gilt als einer der besten Kenner von Ehec-Erregern. Eine aggressive Variante des Bakteriums war damals die Ursache - und das Team des Wissenschaftlers aus Münster sollte helfen, die unheimliche Welle zu stoppen. Heute wissen die Forscher viel mehr über Ehec O104:H4 - so der Fachname des Keims. Einige große Rätsel sind aber ungelöst, wie Karch der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Frage: War das der Grund, warum dieser Ehec-Erreger so viele Menschen so schwer krank machte?

Antwort: Unsere Forschungsarbeiten der letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass es drei Gründe gibt: Ein Grund ist, dass er ein Arsenal verschiedener Giftstoffe produziert. Der Gift-Cocktail ist in dieser Kombination einzigartig. Und die Kombination ist möglicherweise auch für die Schwere der Erkrankungen verantwortlich. Der zweite Punkt ist das feste Anheften an Oberflächen - auch an die Darmwand. Den dritten Grund haben wir erst im letzten Jahr entdeckt: Der Erreger sondert seine Giftstoffe in kleinen Bläschen ab. Wir sprechen von Vesikeln. Diese Vesikel, die im Mikroskop ausschauen wie kleine Luftballons, werden von menschlichen Zellen besonders leicht aufgenommen.

Frage: Welche Forschungsfragen sind noch offen?

Antwort: Es gibt eine Reihe von offenen Fragen: Nach wie vor kennen wir nicht das Reservoir, also den Ort, wo der Erreger sich aufhält bis zu einem Ausbruch. Meines Wissens wurde er seither in Tieren und Lebensmitteln nicht nachgewiesen. Wir wissen sehr wenig über sein Verhalten in der Umwelt. Auch nicht, wo der Ausbruchsstamm von Ehec O104:H4 womöglich überlebt.

Frage: Es soll der Mensch sein?

Antwort: Ja, das ist unsere Hypothese, dass es Menschen gibt, die ohne erkrankt zu sein, mit diesem Keim besiedelt sind. Und dass sie diesen Keim auch ausscheiden.

Frage: Also auch Sie und ich könnten theoretisch den Keim in uns tragen?

Antwort: Das wäre theoretisch möglich. Denn wenn man keine Symptome und keinen Durchfall hat, lässt man ja keine mikrobiologischen Tests durchführen. Und auch viele Patienten mit Durchfall gehen nicht zum Arzt. Und selbst wenn man Durchfall hat und beim Arzt ist, führt das nicht immer dazu, dass der Arzt eine Stuhlprobe auf Ehec untersuchen lässt.

Frage: Dieser Keim könnte wieder einen Ausbruch hervorrufen?

Antwort: Es gibt keine Garantie, dass Ehec O104:H4 oder andere hochpathogene Erreger-Stämme keinen Ausbruch bei uns mehr verursachen. O104:H4 ist nur einer von 42 Ehec-Stämmen, die sehr schwere Krankheitsbilder - HUS genannt - erzeugen können. Und von denen wir - bis auf die fünf häufigsten - nicht wissen, wo sie eigentlich leben und wie sie verbreitet werden. (...) Wir haben ihn zuletzt im September 2015 aus einer Stuhlprobe von einem HUS-Patienten in Nordrhein-Westfalen isoliert - mit einigen Mutationen. Das heißt, er hat fast viereinhalb Jahre in Deutschland überlebt. Ohne dass wir wissen, wo.

ZUR PERSON: Helge Karch, Jahrgang 1953, ist ein international renommierter Mikrobiologie und gilt in Deutschland als «Ehec-Papst». Er kam 2001 an die Westfälische Wilhelms-Universität und wurde Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster. Zu den Hauptforschungsgebieten Karchs gehören die Analyse von gefährlichen Keimen und Ansteckungsketten etwa bei Lebensmittelinfektionen. Ihm gelang die erste zentrale Beschreibung von Ehec O104:H4.

Di, 2016-05-03 10:36
Münster (dpa)

Rätselraten um das Versteck des tödlichen Ehec-Keims Interview: Petra Kaminsky, dpa

Fünf Jahre nach der großen Ehec-Epidemie wissen Forscher viel mehr über das gefährliche Bakterium als damals. Aber längst nicht alles.

Münster (dpa) - Vor fünf Jahren stand Professor Helge Karch plötzlich mitten in einem Sturm: Eine mysteriöse Darmkeim-Epidemie griff im Frühjahr 2011 um sich. Tausende erkrankten, viele starben. Karch gilt als einer der besten Kenner von Ehec-Erregern. Eine aggressive Variante des Bakteriums war damals die Ursache - und das Team des Wissenschaftlers aus Münster sollte helfen, die unheimliche Welle zu stoppen. Heute wissen die Forscher viel mehr über Ehec O104:H4 - so der Fachname des Keims. Einige große Rätsel sind aber ungelöst, wie Karch der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Frage: Wie erinnern Sie den Anfang der Ehec-Epidemie?

Antwort: Wir haben die ersten Proben im Mai 2011 bekommen. Auffällig war, dass in mehreren Städten Patienten schwer erkrankt waren an einem hämolytisch-urämischen Syndrom, so heißt die sehr schwere Ehec-Form. Das ist ungewöhnlich, weil das hämolytisch-urämische Syndrom - kurz HUS - eine sehr seltene Krankheit ist mit 50 bis 100 Fällen pro Jahr in Deutschland.

Frage: War noch etwas 2011 seltsam?

Antwort: Wir haben auch relativ schnell gesehen, dass es sich um einen ungewöhnlichen Ehec-Stamm handelte. Und haben durch molekularbiologische Techniken zeigen können, dass er einem Fund sehr ähnlich ist, den wir 2001 bei zwei Geschwisterkindern mit diesem Krankheitsbild isoliert hatten. Also: Es war für uns kein neuer Keim, sondern einer, der sich in unserer Stammsammlung befand und dessen genetisches Profil wir kannten.

Frage: War er komplett identisch?

Antwort: Er hatte sich verändert, das ist normal bei Bakterien. Sie durchlaufen eine sehr schnelle Evolution. Ehec-Bakterien können sich an veränderte Umweltbedingungen sehr gut anpassen. Und innerhalb weniger Tage können neue Varianten entstehen. Von daher ist es nicht erstaunlich, dass dieser Stamm neue Eigenschaften besitzt. So hat er unter anderem Elemente, die ihm eine einzigartige Fähigkeit verleihen, sich sehr fest an Oberflächen anzuheften - auch an menschliche Zellen.

Frage: War das der Grund, warum dieser Ehec-Erreger so viele Menschen so schwer krank machte?

Antwort: Unsere Forschungsarbeiten der letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass es drei Gründe gibt: Ein Grund ist, dass er ein Arsenal verschiedener Giftstoffe produziert. Der Gift-Cocktail ist in dieser Kombination einzigartig. Und die Kombination ist möglicherweise auch für die Schwere der Erkrankungen verantwortlich. Der zweite Punkt ist das feste Anheften an Oberflächen - auch an die Darmwand. Den dritten Grund haben wir erst im letzten Jahr entdeckt: Der Erreger sondert seine Giftstoffe in kleinen Bläschen ab. Wir sprechen von Vesikeln. Diese Vesikel, die im Mikroskop ausschauen wie kleine Luftballons, werden von menschlichen Zellen besonders leicht aufgenommen.

Frage: Welche Forschungsfragen sind noch offen?

Antwort: Es gibt eine Reihe von offenen Fragen: Nach wie vor kennen wir nicht das Reservoir, also den Ort, wo der Erreger sich aufhält bis zu einem Ausbruch. Meines Wissens wurde er seither in Tieren und Lebensmitteln nicht nachgewiesen. Wir wissen sehr wenig über sein Verhalten in der Umwelt. Auch nicht, wo der Ausbruchsstamm von Ehec O104:H4 womöglich überlebt.

Frage: Es soll der Mensch sein?

Antwort: Ja, das ist unsere Hypothese, dass es Menschen gibt, die ohne erkrankt zu sein, mit diesem Keim besiedelt sind. Und dass sie diesen Keim auch ausscheiden.

Frage: Also auch Sie und ich könnten theoretisch den Keim in uns tragen?

Antwort: Das wäre theoretisch möglich. Denn wenn man keine Symptome und keinen Durchfall hat, lässt man ja keine mikrobiologischen Tests durchführen. Und auch viele Patienten mit Durchfall gehen nicht zum Arzt. Und selbst wenn man Durchfall hat und beim Arzt ist, führt das nicht immer dazu, dass der Arzt eine Stuhlprobe auf Ehec untersuchen lässt.

Frage: Dieser Keim könnte wieder einen Ausbruch hervorrufen?

Antwort: Es gibt keine Garantie, dass Ehec O104:H4 oder andere hochpathogene Erreger-Stämme keinen Ausbruch bei uns mehr verursachen. O104:H4 ist nur einer von 42 Ehec-Stämmen, die sehr schwere Krankheitsbilder - HUS genannt - erzeugen können. Und von denen wir - bis auf die fünf häufigsten - nicht wissen, wo sie eigentlich leben und wie sie verbreitet werden. Also: Der Stamm O104:H4 kommt noch vor, aber er hat keine Ausbrüche mehr verursacht und ist selten, eine Rarität. Trotzdem: Wir haben ihn zuletzt im September 2015 aus einer Stuhlprobe von einem HUS-Patienten in Nordrhein-Westfalen isoliert - mit einigen Mutationen. Das heißt, er hat fast viereinhalb Jahre in Deutschland überlebt. Ohne dass wir wissen, wo.

Frage: Sind wir besser vorbereitet, falls es eine neue Welle geben sollte?

Antwort: Ich denke, die Ehec-Epidemie hat dazu geführt, dass unsere Lebensmittel sicherer geworden sind. Wir haben erkannt, dass nicht nur rohe, tierische Lebensmittel, sondern auch pflanzliche Lebensmittel Ehec-Ausbrüche hervorrufen können. Und es hat Maßnahmen gegeben, um auch pflanzliche Lebensmittel sicherer zu machen. Da hat sich viel verändert. Trotzdem gibt es viele Wege, auf denen Ehec verbreitet wird. Die rund 1600 Ehec-Erkrankungen, die jährlich gemeldet werden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Deshalb sollte jeder von uns durch Hygiene zu Hause seinen Teil beitragen im Kampf gegen Ehec: Dazu gehört rohe tierische und pflanzliche Lebensmittel zu trennen - auch im Kühlschrank. Und Händewaschen.

ZUR PERSON: Helge Karch, Jahrgang 1953, ist ein international renommierter Mikrobiologie und gilt in Deutschland als «Ehec-Papst». Er kam 2001 an die Westfälische Wilhelms-Universität und wurde Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster. Zu den Hauptforschungsgebieten Karchs gehören die Analyse von gefährlichen Keimen und Ansteckungsketten etwa bei Lebensmittelinfektionen. Ihm gelang die erste zentrale Beschreibung von Ehec O104:H4.

Di, 2016-05-03 10:21
Damaskus (dpa)

18 Tote bei Luftangriff auf IS-Hochburg in Syrien - Opfer in Aleppo

Damaskus (dpa) - Bei Luftangriffen auf die nordsyrische IS-Hochburg Al-Rakka sind mindestens 13 Zivilisten und fünf Kämpfer der Extremisten getötet worden. Dutzende Menschen seien zudem verletzt worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag.

Militärjets flogen demnach mehr als 35 Angriffe auf die Stadt unter Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es sei unklar, ob Flugzeuge der russischen Luftwaffe oder der US-geführten internationalen Koalition für die Angriffe verantwortlich seien.

Zugleich kamen bei heftigem Beschuss der Rebellen auf von der Regierung beherrschte Teile der nordsyrischen Stadt Aleppo mindestens zwei Menschen ums Leben. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete zudem von mehr als 20 Verletzten. Die Menschenrechtsbeobachter meldeten vier Todesopfer, darunter ein Kind. Die Gewalt in der umkämpften Stadt hatte in den vergangenen Tagen massiv zugenommen.

UN-Sondervermittler Staffan de Mistura will sich an diesem Dienstag in Moskau mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen. Die beiden wollen über eine Rückkehr zu der eigentlich seit Ende Februar geltenden Waffenruhe für das Bürgerkriegsland beraten. Syriens Armeeführung hatte am Freitag eine neue vorübergehende Feuerpause für Teile des Landes erklärt, Aleppo davon aber ausgenommen.

Di, 2016-05-03 09:14
Paris (dpa)

Pariser Staatssekretär: Stopp der TTIP-Verhandlungen wahrscheinlich

Paris (dpa) - Der französische Außenhandels-Staatssekretär Matthias Fekl hält den Stopp der TTIP-Verhandlungen mit den USA derzeit für die «wahrscheinlichste Option». Als Grund nannte Fekl dem französischen Radiosender Europe 1 am Dienstag die derzeitige Haltung der USA in den Verhandlungen über das Freihandels- und Investitionsabkommen mit der EU. Im aktuellen Zustand werde Frankreich das Abkommen nicht unterzeichnen, sagte Fekl.

Greenpeace hatte am Montag bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente mit US-Forderungen veröffentlicht und Washington vorgeworfen, im Interesse amerikanischer Konzerne europäische Umwelt- und Verbraucherschutzstandards aushöhlen zu wollen.

Frankreich hatte bereits zuvor den Ton in der TTIP-Debatte verschärft und den Amerikanern mangelndes Entgegenkommen vorgeworfen. Premierminister Manuel Valls warnte vergangene Woche, das Abkommen könne scheitern, falls es den französischen Ansprüchen bei Gesundheit und Umweltschutz nicht genüge. Und Präsident François Hollande hatte vor Kurzem deutlich gemacht, dass er ein solches Abkommen nicht akzeptieren werde, falls es keinen Zugang zu öffentlichen Aufträgen in den USA gebe oder die europäische Landwirtschaft gefährdet werde.

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Di, 2016-05-03 09:18
Nablus (dpa)

Israelische Armee zerstört Wohnung von Attentäter

Nablus (dpa) - Die israelische Armee hat in der Nacht zum Dienstag die Wohnung eines palästinensischen Attentäters im nördlichen Westjordanland zerstört. Der Mann aus Nablus sei an einem Anschlag auf eine israelische Familie im Oktober beteiligt gewesen, sagte eine Sprecherin der Armee. Dabei waren die Eltern vor den Augen ihrer vier Kinder in der Nähe der Siedlung Itamar erschossen worden. Der Attentäter sei Mitglied der radikal-islamischen Hamas in Nablus gewesen.

Die Zerstörung der Wohnsitze mutmaßlicher, verurteilter oder auch getöteter Terroristen ist völkerrechtlich umstritten. Menschenrechtsorganisationen lehnen solche Strafmaßnahmen als Kriegsverbrechen ab. Israel rechtfertigt sie hingegen als wichtige Abschreckung.

Di, 2016-05-03 09:50
Mexiko-Stadt (dpa)

Mexiko-Stadt löst wegen hoher Ozonwerte wieder Umweltalarm aus

Mexiko-Stadt (dpa) - Die Millionenmetropole Mexiko-Stadt hat wegen überhöhter Ozonwerte zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten einen Umweltalarm ausgelöst. Als Vorsichtsmaßnahme verschärfte die örtliche Umweltbehörde am Montag (Ortszeit) bereits geltende Beschränkungen für den Autoverkehr. Demnach sollte am Dienstag fast die Hälfte der täglich etwa fünf Millionen in der Hauptstadt verkehrenden Fahrzeuge stehen bleiben. Seit einem ersten Alarm Mitte März gilt für Autos je nach Nummernschild einmal pro Woche ein Fahrverbot.

Ursache für die aktuell überhöhten Ozonwerte waren nach Angaben der Behörden intensive Sonneneinstrahlung und Hitze. Die Luftqualität im Großraum Mexiko-Stadt mit seinen rund 20 Millionen Einwohnern verschlechtert sich stetig.

Di, 2016-05-03 09:18
Wolfsburg/Berlin (dpa)

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Wolfsburg/Berlin (dpa) - Weltweit sind rund elf Millionen Dieselfahrzeuge vom Abgas-Skandal bei Volkswagen betroffen. Eine Übersicht:

MOTOREN: Kern des Problems ist nach VW-Angaben der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Seit Dienstag werden rund 15 000 Modelle des Golf TDI Blue Motion mit 2,0 Liter-Motor und Schaltgetriebe umgerüstet - damit reagiert Volkswagen auf massive Probleme bei der Passat-Umrüstung. Denn der für Ende Februar geplante Start der Werkstattbesuche für rund 160 000 Passat-Modelle konnte bislang nicht umgesetzt werden. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verweigert VW die Freigabe. Zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen.

Für den kleinen 1,2-Liter-Motor nennt Volkswagen in einem Kundenbrief einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sind dann ab dem 5. September dran.

Insgesamt müssen in Deutschland rund 2,5 Millionen VW-Modelle zurück. Beim 1,6-Liter-Antrieb soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. VW betont, alle Fahrzeuge seien aber auch ohne diese Nachbesserungen «technisch sicher und fahrbereit». In den USA sind zudem 85 000 Autos mit 3,0-Liter-TDI unterwegs, die eine nach US-Recht verbotene Motorsoftware enthalten.

MODELLE: Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen. Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi. Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

MARKEN: VW-Vorstandschef Matthias Müller gab in einer Rede vor der Belegschaft im vergangenen Oktober an, dass weltweit insgesamt rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw unter die Affäre fallen. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700 000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Di, 2016-05-03 09:45
Algarrobo/Hamburg (dpa)

«Uns hat der Blitz getroffen» - Was von der Ehec-Krise bleibt

Erst bekommen spanische Gurken die Schuld, dann sind es Sprossen. Im Mai 2011 sorgt ein aggressiver Darmkeim für überfüllte Krankenhäuser. Mehr als 50 Menschen sterben. Und heute? Sind unsere Lebensmittel fünf Jahre danach sicherer?

Algarrobo/Hamburg (dpa) - Manche Ereignisse zerschneiden das ganze Leben in vorher und nachher. Sie fressen sich tief in die Erinnerung der Betroffenen ein. Bei anderen Menschen bleibt eine vage Angst: die Angst vor etwas, was keiner im Griff hat. So ein Ereignis war die Ehec-Epidemie vor fünf Jahren in Deutschland. Der Darmkeim machte aus Tausenden Menschen über Nacht sterbenskranke Patienten. Der Erreger schürte die Furcht vor gesunder Rohkost: vor Salat, Gurken, Sprossen. Und er zog weltweit Kreise.

«An jenem Tag hat uns der Blitz getroffen», sagt Antonio Lavao. Der spanische Unternehmer und Gemüse-Exporteur denkt ungern an den 26. Mai 2011 zurück. Der aggressive Ehec-Keim grassiert seit Anfang Mai besonders in Norddeutschland. Er sorgt für blutige Durchfälle und Nierenversagen. Die Krankenhäuser sind voll.

Behörden und Forscher suchen nach verseuchtem Gemüse als Quelle. Ende Mai nennen die Behörden in Hamburg dann den Namen seines Unternehmens: Auf Gurken, die die Firma Frunet geliefert hatte, seien Ehec-Erreger gefunden worden. Das Kürzel steht für «enterohämorrhagische Escherichia coli».

Wenige Tage später sollte sich die Schuldzuweisung als falsch herausstellen. Die Ehec-Bakterien an den Gurken auf dem Hamburger Großmarkt haben nichts mit der Epidemie zu tun. Wo sie genau herkamen, bleibt ungeklärt. Der schlimme Keim gehört zu einem anderen Stamm: Ehec O104:H4, so der Fachname.

Für Lavaos Betrieb kommt der entlastende Befund zu spät. «Wir waren tot», beschreibt Vertriebschef Richard Soepenberg (51) die Situation. Um 17 Uhr habe der erste Kunde angerufen, um seine Bestellung zu stornieren. «Um 20 Uhr hatten wir keine Kunden mehr», erinnert sich der Niederländer. Bald stehen TV-Teams auf dem Hof. Die Firma, rund 40 Kilometer östlich von Málaga, ist weltweit in den Schlagzeilen.

Seit Jahren ist Frunet auf Bioware spezialisiert, vertreibt Gurken, Zucchini, Auberginen und Paprika aus der Region. Der Betrieb baut außerdem selbst Tomaten sowie Avocados und Mangos an. Der 45-jährige Lavao lacht oft, wenn er von der Gründungszeit vor 20 Jahren erzählt. Der dreifache Familienvater, dunkelhaarig und mit Bart, ist jovial und offen. Der Andalusier ist mit Leidenschaft bei der Sache. Sein Motto: Es ist besser, in einem kleinen Bereich groß zu sein, als in einem großen Geschäftsbereich klein. 2011 läuft das Geschäft für Lavao gut, Deutschland ist der wichtigste Markt.

Dann steht sein Betrieb plötzlich am Pranger. Rund 50 Arbeitsplätze, fast die Hälfte der Stellen, habe er streichen müssen. Sein Lächeln ist verschwunden. «Es gab eine Zeit, da habe ich Angst gehabt, dass sie mich ins Gefängnis stecken», erzählt er. «Für etwas, was ich nicht getan hatte und von dem ich keine Ahnung hatte.» Der Stress setzt ihm zu, zwei Nierenkoliken bringen ihn ins Krankenhaus.

Betroffen von der Ehec-Krise ist aber nicht nur Lavaos Unternehmen. Gemüsebauern vielerorts in Europa erleiden Verluste. Verbraucher meiden frische Ware. Schließlich weiß noch keiner, ob der unsichtbare Feind nicht in Tomaten, Spinat oder Blattsalaten steckt. Die Europäische Union (EU) springt mit Millionenhilfen ein.

Antonio Lavaos Firma ist bald wieder aus den Medien raus. Dafür richtet sich der Blick auf einen kleinen Biohof in Niedersachsen. Er liegt südlich von Lüneburg. In kriminalistischer Kleinarbeit, mit Befragung von Kranken und dem Nachzeichnen von Lieferwegen, findet eine sogenannte Task Force Ehec eine Spur. Die Indizien deuten auf diesen Sprossen-Anbieter als einen Ausbruchsort.

Heute - fünf Jahre nach ihrer existenzgefährdenden Krise - wollen die Betreiber nicht mehr darüber sprechen. Das grüne Metalltor am Ende der Dorfstraße bleibt verschlossen. Wenn man anruft, läuft nur der Anrufbeantworter. Ähnlich wie damals.

Vor dem Hof am Ortsrand stehen an einem warmen Junitag 2011 plötzlich die TV-Übertragungswagen. Sie senden live in die USA und nach Großbritannien, nach Frankreich oder Russland. Mehrere Sender sind aus Lavaos Heimat Spanien angereist.

Heute sieht die Straße so ruhig aus wie vorher. Der Hof hat auf dem Marktplatz von Lüneburg seinen kleinen Stand. Mittwochs und samstags. Doch damals hat es den Betrieb schwer getroffen.

Von einst 15 Mitarbeitern seien nur wenige übrig geblieben, hat einer der Geschäftsführer ein Jahr nach der Krise gesagt. Nach sechs Wochen hätten er und seine Partnerin einen Nervenzusammenbruch erlitten. Auf dem Biohof nahmen Experten in Schutzanzügen Proben. Rund tausend Stück. «Obwohl bei uns nichts gefunden wurde, sind wir in der Öffentlichkeit immer noch der Ehec-Hof», so der Betreiber damals. Die Behörden gehen davon aus, dass Sprossensamen aus Ägypten, die dort angezogen wurden, viele der Krankheitsfälle auslösten.

Eine der rund 4000 Kranken ist Brigitte Weden. «Das war das totale Chaos», erinnert sich die 76-Jährige an die Situation, als sie im Mai das erste Mal ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) kommt. Am Morgen nach dem Duschen hat sie Blut im Handtuch bemerkt. «Ich dachte sofort: Das ist Ehec.» Die ehemalige Sekretärin fährt in die Klinik. Dort wartet sie mit rund 100 mutmaßlichen Ehec-Patienten. Nach mehreren Stunden wird sie untersucht - und nach Hause geschickt.

Daheim sei die Durchfall-Krankheit erst richtig losgegangen. «Das Blut wurde immer mehr. Ich habe zwei Nächte auf dem Klo verbracht. Es war furchtbar.» Auch beim zweiten Klinik-Besuch sei sie weggeschickt worden. «Ich hab' mich verpackt wie ein Baby», sagt sie beschämt. Irgendwann entscheidet die Tochter, den Notruf zu verständigen.

Nach der Klinik-Aufnahme änderte sich die Behandlung. «Man hat sich sehr um mich gekümmert», sagt die weißhaarige Frau anerkennend. Sie sei am Herzen operiert worden. Die Herzkranzgefäße hätten an drei Stellen «rebelliert». Der Erreger, der einen Gift-Cocktail abgibt, habe aber vor allem in ihrem Kopf sein Unwesen getrieben. Irgendwann werden ihre Blutwerte besser. Nach zwei Wochen kehrt sie - noch schwach - nach Hause zurück.

Rolf Stahl, Professor für Innere Medizin und Nierenheilkunde am UKE, urteilt heute, dass die Klinik insgesamt einen «exzellenten Job» gemacht habe. Die hohe Zahl der Patienten war für viele Häuser damals eine Herausforderung. Dass im UKE alles perfekt gelaufen sei, behauptet der Ehec-Experte nicht. Aber: «Wir haben gelernt, wie man mit solchen Ausbrüchen umgehen kann.» Bei einer ähnlichen Epidemie wäre das Klinikum noch besser aufgestellt, ist sich Stahl sicher.

Brigitte Weden fühlt sich weiter nicht völlig gesund. Auch wenn sie wieder ehrenamtlich in einem Bürgercafé arbeitet. «Ich habe durch die Krankheit einen Schlag mitgekriegt.» Zwei Jahre danach sei Bluthochdruck dazugekommen. Manchmal könne sie nicht gut sprechen.

Worum sie heute beim Essen einen Bogen macht? Die Salattheke im Supermarkt um die Ecke. Sie glaubt, dass die Erreger in einer Portion versteckt waren, die sie sich mit Sprossen zusammengestellt hatte.

Anders als Brigitte Weden denken viele Verbraucher am Gemüsestand kaum noch an das Schreckgespenst Ehec. Zumal die Politik angesichts von mehr als 50 Ehec-Toten 2011 versprach, Gesetze und Kontrollen bei Lebensmitteln zu prüfen. Mit welchem Ergebnis? Sind Sprossen heute entspannt genießbar? Sind Salate und anderes Grünzeug unbedenklich?

Unser Essen sei nach der Ehec-Krise sicherer geworden, stellt das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin fest. Viele Experten stimmen zu.

«Die Lebensmittel in Deutschland sind sicher. Aber: Krankheitserreger in Lebensmitteln lassen sich nicht zu 100 Prozent vermeiden», sagt etwa Juliane Bräunig, Fachgruppen-Leiterin beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

In der gesamten EU gucken die Behörden den Sprossen-Produzenten seit 2013 genauer auf die Finger. Hersteller müssen selbst regelmäßige Ehec-Tests machen. Denn von dem gefährlichen Erreger O104:H4 reichen schon wenige Exemplare, um gesunde Erwachsene aus der Bahn zu werfen.

Verbraucherschützer, etwa von Foodwatch, beklagen allerdings, dass viele Regel-Verschärfungen nur Sprossen betreffen. Und nicht auch andere Frischwaren wie in Tüten verpackte Salate oder Gurken.

Als Erfolg werten alle, dass die Meldung des Arztes - Achtung, Ehec-Patient - heute schneller beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin eintreffen muss. Dort führen Experten Buch über gefährliche Infektionen. Drei bis fünf Tage sind für den Weg vorgesehen. 2011 dauerte es oft mehr als 14 Tage. So war ein Großteil der kontaminierten Ware vor fünf Jahren schon gegessen, als im Juni die Warnung vor verseuchten Bockhornklee-Sprossen rausging. Also Fortschritt? Ja. Hundertprozentiger Schutz beim Essen: nicht machbar.

So ähnlich sieht es bei der Forschung aus: «Es gab erstaunlich viele wissenschaftliche Publikationen als Folge des Ausbruchs zu vielen Themenbereichen: 133 Arbeiten in 4 Jahren danach», fasst Prof. Gerard Krause, Mediziner vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, zusammen. Er war 2011 noch selbst beim RKI und bei der Fahndung nach dem Auslöser dabei gewesen.

Trotzdem klaffen Lücken. Eines der größten Rätsel ist, wie Ehec O104:H4 denn genau in die Samen aus Ägypten oder in die Sprossen kam. Ein Verdacht: Das Bakterium ist in der Lage, lange, vielleicht Jahre, in einem «Schlafzustand» auszuharren. Dann wird es durch irgendetwas geweckt. Es vermehrt sich und schüttet sein Gift im Menschen aus.

Mindestens genauso spannend ist die Frage, wo der aggressive Angreifer nach dem Ende der Epidemie hin ist. «Nach wie vor kennen wir nicht das Reservoir, also den Ort, wo der Erreger sich aufhält bis zu einem Ausbruch», sagt einer der besten Ehec-Kenner, Professor Helge Karch aus dem westfälischen Münster. Er vertritt die These: Es gibt hierzulande Menschen, die, ohne erkrankt zu sein, mit diesem Keim besiedelt sind. Und die ihn auch ausscheiden.

Noch im September 2015 hat sein Labor am Institut für Hygiene den Ehec-Keim aus einer Stuhlprobe in Nordrhein-Westfalen isoliert. «Der Stamm O104:H4 kommt noch vor, aber er hat keine Ausbrüche mehr verursacht und ist selten, eine Rarität», sagt Karch. Das heißt: kein Grund zur Angst, aber zur Vorsicht.

Auch in Spanien hat die Firma Frunet die Vorsichtsmaßnahmen noch mal erhöht. Bevor Besucher die Halle betreten, müssen sie, ähnlich wie in einer Arztpraxis, einen Fragebogen ausfüllen: «Waren Sie in der letzten Woche krank? Hatten Sie eine Durchfall- oder Magenerkrankung?» Unternehmer Antonio Lavao erläutert: «Von jeder Lieferung behalten wir zur Kontrolle eine Probe hier.» Die Firma achte noch stärker auf Lebensmittelsicherheit. «Wir machen noch mehr Kontrollen und noch mehr Laboranalysen.»

In der großen Krise kommt damals auch der Vorschlag, die Firma zu schließen. Oder den Namen zu ändern. Betriebswirt Lavao rückt seine Brille zurecht und ballt die Faust: «Aber diesen Gedanken fand ich unwürdig, ich hätte das als persönliche Niederlage empfunden.»

Also geht er in die Offensive. Das Unternehmen aus Algarrobo engagiert eine internationale Beraterfirma und eine Anwaltskanzlei in Deutschland, Lavao gibt eine Pressekonferenz in Hamburg, auf der er sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzt.

Im September 2011 kommt die Wende - auch emotional. Und dies hat der Spanier ausgerechnet einem Großkunden aus Deutschland zu verdanken. Dieser wollte bei ihm Mangos bestellen. «Ich fragte ihn, ob wir unseren Firmennamen von den Etiketten entfernen sollten», erzählt Lavao. «Aber warum denn, ihr habt ja nichts falsch gemacht», habe der Kunde erwidert. «Das hat uns sehr viel Kraft gegeben.»

Ende 2011 verklagt das Unternehmen die Stadt Hamburg auf 2,3 Millionen Euro Schadenersatz. Weil Ende Mai bei der Warnung vor dem Verzehr spanischer Gurken auch der Firmenname genannt wurde. Im Oktober 2015 gibt das Landgericht der Klage zum Teil statt. Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz geht in Berufung: Sie sieht die Art und Weise der Warnung weiter als rechtens an.

Die meisten Kunden, berichtet Lavao, seien im Laufe der Jahre zurückgeholt worden (Umsatz 2015: rund 29 Millionen Euro). Deutschland sei aber nicht mehr der Hauptabnehmer.

«Es gibt zweifellos ein Vorher und ein Nachher», sagt Lavao. Auch privat. Als alles soweit im Lot war, zog er mit seiner Frau und den drei Kindern für ein Jahr nach England. Er habe Abstand gebraucht. Die Firma bleibe ein wichtiger Teil seines Lebens, «aber die Familie kommt nun an erster Stelle».

Und die Gurken? Damals machten sie nur einen kleinen Teil der Exporte aus. «Eigentlich waren wir uns einig, sie nach alledem aus dem Sortiment zu nehmen.» Doch Kunden in Schweden hätten sie unbedingt gewollt. So sind Gurken inzwischen zu einem wichtigen Geschäftsfeld geworden - und werden auch wieder nach Deutschland verkauft. «Unglaublich, nicht wahr?», sagt Lavao und lacht.
 

Di, 2016-05-03 10:00
Berlin (Oxfam)

Siemens und Voith tragen Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen

Oxfam und GegenStrömung dokumentieren Beteiligung der Konzerne an hochumstrittenen Wasserkraftprojekten

Zwangsumsiedlungen, Gewalt und Morde: Siemens und Voith sind mitschuldig an Menschenrechtsverletzungen in Ländern wie Honduras, Brasilien, Kolumbien und China. Das Hintergrundpapier „Schmutzige Geschäfte mit Wasser“ von Oxfam und GegenStrömung dokumentiert die Rolle der beiden deutschen Konzerne im Zusammenhang mit mehreren umstrittenen Wasserkraftprojekten. Diese weisen, wie zuletzt beim Mord an der international bekannten Aktivistin Bertá Cáceres, jedwede Verantwortung von sich und verletzen damit ihre Sorgfaltspflichten aus den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Oxfam und GegenStrömung fordern Siemens und Voith auf, ihre Zuschauerrolle abzulegen und alles zu tun, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zu verhindern.

Staudammprojekte stoßen häufig auf Widerstand, weil Menschenrechte verletzt, Menschen ermordet, Existenzgrundlagen durch Zwangsumsiedlungen zerstört oder wertvolle Ökosysteme überschwemmt werden. Ein wichtiger Akteur in diesem Geschäft ist Voith Hydro mit Firmensitz in Heidenheim, das zu den weltweit führenden Konzernen für die Lieferung von Staudamm-Turbinen gehört. An diesem Joint Venture hält Voith 65 Prozent und Siemens 35 Prozent. Auf Vorwürfe reagiert Voith regelmäßig mit dem Verweis auf seine Rolle als bloßer Zulieferer und auf die Vorteile für die Stromversorgung und den Klimaschutz. Siemens erklärt sich für nicht zuständig, weil sie nicht Teil des Konsortiums seien und nur eine Beteiligung von 35 Prozent an Voith Hydro hielten. „Das sind billige Ausflüchte. Siemens und Voith verhalten sich wie Pontius Pilatus, der seine Hände bekanntlich auch in Unschuld waschen wollte. Das ist fahrlässiges Risikomanagement in punkto Menschenrechte und hat leider Methode“, kritisiert Marita Wiggerthale, Oxfams Expertin für Landrechte.

Verletzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte beschreiben, wie Unternehmen ihrer Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte gerecht werden sollten. Sie gilt für die gesamte Geschäftstätigkeit. Die Argumente von Siemens und Voith halten einer Überprüfung hinsichtlich ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nicht stand. So führte Voith Hydro im Falle des Agua-Zarca-Staudammprojekts in Honduras keine menschenrechtliche Risikoanalyse durch und reagierte nicht einmal, als es Kenntnis von massiven Menschenrechtsverletzungen erhielt. Auch Siemens hätte reagieren müssen, als es von den Projekten und den Geschäftsbeziehungen seines Beteiligungsunternehmens erfuhr. Der Konzern übt seinem Geschäftsbericht zufolge einen maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik von Voith Hydro aus. Diesen Einfluss müsste das Unternehmen einer Klarstellung des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte zufolge geltend machen. „Auch wer wegsieht, macht sich schuldig. Mit ihrer Untätigkeit missachten Siemens und Voith weithin anerkannte internationale Standards zu Wirtschaft und Menschenrechten“, kritisiert Staudammexperte Christian Russau von GegenStrömung.

Hintergrund 
Aktuellstes Beispiel für die Missachtung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht durch Siemens und Voith sind Vorfälle im Zusammenhang mit dem Staudammprojekt Agua Zarca in Honduras. Gegen den Bau hatte sich jahrelang die indigene Menschenrechtsorganisation COPINH gewehrt, weil das Projekt den Zugang zum Fluss Gualcarque gefährdet. Im März wurde die mit dem renommierten Goldman-Umweltpreis ausgezeichnete Aktivistin Bertá Cáceres ermordet und ihr Mitstreiter Nelson García von Sicherheitskräften im Zusammenhang mit einem dortigen Landkonflikt erschossen.
Weitere Fälle sind der Hidrosogamoso-Staudamm in Kolumbien. Zwischen 2009 und 2014 wurden sechs Staudammgegner ermordet, weitere Menschen verschwanden spurlos. Beim Belo-Monte-Staudamm in Brasilien wurde der indigenen Bevölkerung das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung verweigert, mehr als 20.000 Menschen sollen zwangsumgesiedelt werden, beim Drei-Schluchten-Damm in China waren es sogar 1,3 Millionen Menschen.

Menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen gesetzlich regeln
Staudammprojekte sind nur ein Beispiel von vielen. Immer wieder zeigt sich, dass freiwillige Selbstverpflichtungen von Konzernen nicht ausreichen, um den internationalen Menschenrechtsschutz zu gewährleisten. Oxfam und GegenStrömung fordern deshalb eine gesetzlich verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für Unternehmen. Derzeit erarbeitet die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“, mit dem sie zeigen kann, wie ernst sie es mit dem Menschenrechtsschutz meint.

Protest in München und Interviewwünsche
Mehrfache Anfragen für ein persönliches Gespräch vor Ort blieben von Siemens unbeantwortet. Am Mittwoch, den 4.5.2016, findet zwischen 11 und 15 Uhr in München eine Protestaktion von Oxfam und zwei COPINH-Mitgliedern auf dem Karlsplatz sowie vor dem Firmensitz von Siemens statt. Francisco Javier Sánchez (Gemeinderatspräsident von Río Blanco, einer Gemeinde, die vom Agua Zarca Wasserkraftwerk bedroht ist) und José Asención Martínez (Mitglied der Generalkoordination von COPINH) stehen für Pressegespräche zur Verfügung.

Di, 2016-05-03 08:44
Athen (dpa)

Flüchtlingszustrom nach Griechenland im April deutlich gesunken

Athen (dpa) - Im April sind deutlich weniger Migranten aus der Türkei nach Griechenland angekommen als ein Jahr zuvor. Insgesamt kamen 3469 Menschen. Im April 2015 waren es 13 556 gewesen. Dies teilten das UN-Hilfswerk UNHCR und der griechische Stab für die Flüchtlingskrise mit.

Auch im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres sank die Zahl der Migranten im April deutlich. Im Januar waren 67 415, im Februar 57 066 und im März 26 971 Migranten und Flüchtlinge angekommen.

Auch in den ersten Maitagen bleibt die Zahl der Migranten niedrig, wie der griechische Krisenstab am Dienstag weiter mitteilte. Am Wochenende hätten nur 112 Menschen aus der Türkei zu den griechischen Inseln übergesetzt.

Der deutliche Rückgang wird auf den EU-Türkei-Flüchtlingspakt zurückgeführt. Seit seinem Inkrafttreten am 20. März können die illegalen Neuankömmlinge in die Türkei zurückgeschickt werden; zuvor aber dürfen sie einen Asylantrag stellen. Bislang sind knapp 400 Migranten in die Türkei zurückgeschickt worden. Nach Angaben der Internationalen Organisation für die Migration sind dieses Jahr im Mittelmeer 1343 Menschen ums Leben gekommen oder werden vermisst.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2016-05-03 08:41
Clearwater (dpa)

Hulk Hogan verklagt Online-Plattform «Gawker» erneut

Clearwater (dpa) - Der ehemalige Wrestler Hulk Hogan (62) hat die Internetplattform «Gawker» ein weiteres Mal verklagt. Nachdem Hogan bereits eine Millionen-Entschädigung wegen der Veröffentlichung eines wohl heimlich gedrehten Sexvideos zugesprochen bekommen hatte, wirft er dem Portal laut US-Medien nun vor, geheime Gerichtsdokumente weitergegeben zu haben. Dabei soll es sich um die Abschrift einer privaten Unterhaltung handeln, in der sich Hogan rassistisch geäußert haben soll, berichtete CNN am Montag (Ortszeit). Nach der Veröffentlichung dieser Unterhaltung im «National Enquirer» im Juli 2015 wurde der Sportler vom Wrestling-Verband WWF gefeuert.

«Gawker» weist den Vorwurf zurück, das versiegelte Dokument an das US-Boulevardmagazin weitergeleitet zu haben. «Es wird lächerlich. Es ist Zeit für Hulk Hogan, die Verantwortung für seine eigenen Worte zu übernehmen», schrieb das Unternehmen in einem Statement, aus dem mehrere Medien zitierten.

Hogan hatte im März umgerechnet rund 125 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen bekommen, weil «Gawker» ein Sexvideo von ihm gezeigt hatte. Die Online-Plattform hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Di, 2016-05-03 08:40
Berlin (dpa) 

Ehec: Wie die Politik reagierte

Berlin (dpa) - Die Ehec-Epidemie im Jahr 2011 war eine der größten Epidemien ihrer Art weltweit. Nur ein halbes Jahr nach einem Skandal um Dioxin in Futtermitteln zweifelten damals viele daran, dass das Essen auf dem Teller sicher ist - und dass die Behörden die Sache im Griff haben. Die Politik reagierte: Die Europäische Union (EU), die im Lebensmittelrecht oft die Richtung vorgibt, erließ Verordnungen. Deutschland verabschiedete Gesetze. Eine Auswahl wichtiger Neuerungen:

Rasche Meldung gefährlicher Lebensmittel:

Nach der Ehec-Epidemie wurde das Lebensmittelrecht mehrfach geändert. Seit 2013 müssen die Behörden der Lebensmittelüberwachung den Gesundheitsämtern umgehend melden, falls ein Lebensmittel im Verdacht steht, eine ansteckende Krankheit zu verursachen.

Schnellere Meldung von ansteckenden Krankheiten:

Das «Gesetz zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften» wurde im August 2011 auf den Weg gebracht. Es trat jedoch erst im Juni 2013 in Kraft. Gesundheitsämter müssen demnach den Ausbruch schwerer Infektionskrankheiten spätestens am folgenden Arbeitstag an das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin melden. Zuvor waren wöchentliche Meldungen vorgesehen.

Damit soll vor allem die Meldezeit bei ansteckenden Krankheiten verringert werden: Statt bisher bis zu 16 Tage sollen nun nur noch 3 bis 5 Tage vergehen, bis ein Fall beim RKI registriert ist. Innerhalb der nächsten Jahre wird zudem das elektronische Meldesystem DEMIS aufgebaut, das die Aufnahme und Speicherung der Daten am RKI erleichtert.

Einige Fachleute wünschen sich seit längerem, dass der Arzt am Computer den Fall eingibt und er sofort in die RKI-Datenbank einfließt. Nur wenn die Zahlen rasch eintreffen, kann das RKI früh Alarm schlagen. Durchschnittlich gerechnet registrieren die Ärzte nämlich aktuell ohnehin vier Menschen pro Tag mit Ehec-Durchfall. Und erst wenn sich die Fälle stärker häufen, wird eine Krise erkennbar.

Bessere Hygiene bei der Sprossen-Herstellung:

Bereits am 5. Juli 2011 verbot die EU die Einfuhr ägyptischer Samen und Bohnen. Alle Samen, die seit 2009 importiert wurden, mussten vernichtet werden. Das Einfuhrverbot galt bis ins Jahr 2012.

Darüber hinaus gelten seit dem 1. Juli 2013 verschärfte Hygieneregeln für Sprossen. Wer in der EU Sprossen herstellt, muss eine Zulassung als Lebensmittelunternehmer beantragen. Sie wird erst nach einer Prüfung der Produktionsbedingungen erteilt. Zudem ist der Hersteller verpflichtet, die Sprossen regelmäßig auf Ehec zu untersuchen.

Sprossen aus dem Ausland müssen nach europäischen Sicherheitskriterien produziert worden sein, andernfalls dürfen sie nicht in die EU eingeführt werden. Um krankmachende Sprossen im Notfall schneller zurückverfolgen zu können, müssen sie auf dem gesamten Weg vom Hersteller zum Verbraucher gekennzeichnet sein, etwa durch eine Nummer.

Di, 2016-05-03 08:35
Berlin (dpa)

Ehec und E. coli: Darmbewohner als Gefahrenquelle

Berlin (dpa) - Das Bakterium Escherichia coli (E. coli) kommt im Verdauungstrakt vieler Tiere vor. Es ist auch Bestandteil der natürlichen Darmflora des Menschen. Meist sind die Bakterien harmlos und keine Krankheitserreger. Sie helfen beim Verdauen. Dabei lassen sich die Darmbewohner in unterschiedliche Stämme einteilen, mit unterschiedlichen Eigenschaften - guten und schlechten.

Manche E.-coli-Stämme können beim Menschen Übelkeit, Durchfall und Fieber auslösen. Über den Kot von Wiederkäuern wie Rindern oder Schafen gelangen die Bakterien in Bäche oder Badeseen. Auch Lebensmittel, vor allem tierische, können mit den Erregern verunreinigt werden. Etwa wenn bei der Herstellung Fehler passieren, oder wenn nicht genau auf Sauberkeit geachtet wird. Im Jahr 2014 erkrankten in Deutschland 8415 Menschen an E.-coli-Durchfall, wie das Robert Koch-Institut (RKI) zählte.

Ehec, kurz für «enterohämorrhagische Escherichia coli», ist ein oft sehr ansteckender, aggressiver Erreger. Es handelt sich um eine Sonderform der Kolibakterien. Sie können besondere Giftstoffe produzieren und abgeben. Die Erkrankten haben oft starken Durchfall, 5 bis 20 Prozent von ihnen sogar blutigen. Bei einigen Kranken versagen die Nieren. Der schwere Verlauf endet in etwa zwei Prozent der Fälle tödlich. An der schweren Form - kurz HUS genannt - erkranken oft vor allem Kinder. Sie infizieren sich zum Beispiel beim direkten Kontakt mit Wiederkäuern. Auch bei Ehec-Erregern existieren unterschiedliche Stämme.

Ehec O104:H4 ist ein ungewöhnlicher Stamm. Vor 2011 war wenig über ihn bekannt. Beim großen Ausbruch vor fünf Jahren befiel er viele Erwachsene - und besonders häufig Frauen.

Di, 2016-05-03 08:38
Berlin (dpa)

Riecht nicht, schmeckt nicht: Krankheitserreger in Lebensmitteln

Berlin (dpa) - Mit Keimen verseuchtes Essen kann Krankheiten auslösen. Immer wieder infizieren sich Menschen beim Verzehr von tierischen Produkten. Die Erreger können aber auch auf andere Lebensmittel wie Salat übertragen werden. Tückisch dabei: Die Gefahr kann man oft weder riechen noch schmecken. Ein Überblick über häufige Erreger:

SALMONELLEN sind Bakterien, die unter anderem über kontaminiertes Fleisch, Wurstwaren oder rohe, unzureichend erhitzte Eier in die Nahrung kommen. Eine typische Infektion führt zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Fieber, Durchfall und manchmal zu Erbrechen. In der Regel hören die Beschwerden nach wenigen Tagen auf. Bei Kleinkindern und älteren Menschen kann der Durchfall aber den Körper lebensgefährlich austrocknen.

CAMPYLOBACTER-BAKTERIEN treten besonders häufig bei Geflügel auf. Eine Infektion kann zu Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen führen. Kurze Zeit später folgen Erbrechen, teils blutiger Durchfall und heftige Bauchschmerzen. Bei Verdacht auf eine Campylobacter-Infektion sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Die Krankheit war 2014 nach Noroviren - die hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertragen werden - die am häufigsten gemeldete Durchfallerkrankung in Deutschland. Allerdings gab es auch schon Erdbeeren, die durch Noroviren verseucht waren.

EHEC-BAKTERIEN (Enterohämorrhagische E. coli) führen meist zu unblutigem, wässrigem Durchfall. In 5 bis etwa 20 Prozent der Fälle kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf mit blutigem Durchfall und krampfartigen Bauchschmerzen - genannt HUS. Auch das Blut selbst kann angegriffen werden. Insbesondere bei Kindern können Ehec-Infektionen zu akutem Nierenversagen führen. Ehec wird durch die Aufnahme von Fäkalspuren, beispielsweise in kontaminierten Lebensmitteln oder in verseuchtem Wasser, übertragen. Oder durch winzige Kotspuren an Händen, Gegenständen oder im Fell von Tieren.

LISTERIEN machen Gesunden in der Regel keine Probleme. Bei Älteren und chronisch Kranken kann eine Infektion zu Blutvergiftungen und eitrigen Hirnhautentzündungen führen. Listerien können bei Schwangeren Früh- oder Totgeburten verursachen. Die Erreger findet man sowohl auf tierischen als auch auf pflanzlichen Lebensmitteln.

Di, 2016-05-03 07:35
Singapur (dpa)

Ölpreise leicht gestiegen

Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Dienstag nach kräftigen Verlusten vom Vortag wieder leicht gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 46,22 US-Dollar. Das waren 39 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni stieg um 30 Cent auf 45,08 US-Dollar.

Weder enttäuschende Stimmungsdaten zur chinesischen Industrie noch die Erwartung weiter steigender Rohöllagerbestände in den USA konnten am Dienstag die Preise weiter drücken. Insgesamt gehen viele Experten aber davon aus, dass der kräftige Preisanstieg seit Anfang April angesichts der momentanen Fundamentaldaten übertrieben sein könnte. Der schwache Dollar und Wachstumshoffnungen geben laut Heinrich Peters, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), kurzfristig Rückwind. «Bäume wachsen aber nicht in den Himmel.»

Am Vortag hatten die Preise deutlich nachgegeben, nachdem bekanntgeworden war, dass die irakischen Rohölexporte im April auf einen Rekordwert gestiegen waren. Der Irak ist das zweitgrößte Förderland der Organisation erdölexportierender Länder (Opec).

Di, 2016-05-03 07:30
Indianapolis (dpa)

Ted Cruz betet für den Sieg - Republikaner-Rennen auf Zielgeraden

In Indiana zählt es für die US-Republikaner: Gewinnt Donald Trump den Staat im Mittleren Westen, ist seine Präsidentschaftskandidatur praktisch nicht mehr zu stoppen. Ted Cruz braucht jede Stimme.

Indianapolis (dpa) - Wenn Ted Cruz auf Wahlkampftour ist, dann ist die Bibel nicht weit. Gott, der Allmächtige, ist Stammgast in den Redemanuskripten des Texaners. Vor der vielleicht entscheidenden Vorwahl der US-Republikaner bei der Suche nach einem Präsidentschaftskandidaten in Indiana gingen die Anhänger des erzkonservativen Texaners noch einen Schritt weiter: Sie beteten auf offener Bühne für ihren Mann. Die Not muss groß sein. Die letzte Umfrage sah den Konkurrenten Donald Trump 15 Prozentpunkte in Front.

Tatsächlich steht die beispiellose Kandidatensuche der Republikaner an einem Scheidepunkt. Cruz muss die Wahl in Indiana gewinnen, will er noch eine echte Chance haben, Donald Trump auf seinem Marsch in Richtung Kandidatur aufzuhalten. Gewinnt Trump in Indiana klar, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit jene 1237 Delegierten hinter sich scharen, die auf dem Parteitag in Cleveland im Juli zu einer absoluten und damit unumkehrbaren Mehrheit führen. 

Beiden Lagern ist der Ernst der Lage klar. «Die Augen der Nation sind auf Indiana gerichtet», sagt Carly Fiorina, die Ted Cruz vor wenigen Tagen in einer Art Akt der Verzweiflung als seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin auserkoren hatte. «Wir brauchen jede einzelne Stimme», betont Cruz selbst. Und Donald Trump sagt es auf seine Art: «Wenn wir hier gewinnen, ist es vorbei - dann sind sie weg.»

6,4 Millionen Dollar haben Ted Cruz, seine Spendensammler und die Anti-Trump-Koalition gemeinsam allein in Fernsehwerbung in Indiana gepumpt. Auf den Lokalsendern vergeht kaum eine Viertelstunde, in der nicht der Senator aus dem Fernseher grüßt. Trump kam mit einer Million aus. Für die Menschen in Indiana ist das ungewohnt.

Bei früheren Wahlen war das Rennen längst gelaufen, als ihr Staat an der Reihe war. «Das ist aufregend und furchteinflößend zugleich», sagt Rob Butzun, ein Familienvater aus Indianapolis.

Die Menschen in Indiana sind genervt, weil viele Industrie-Arbeitsplätze zuletzt nach Mexiko abwanderten. Auch der Klimaanlagenbauer Carrier verlagert sein Werk mit 1500 Leuten nach Mexiko. Allein in den vergangenen drei Monaten gingen 5000 Jobs in der Produktion verloren. Das ist die Proteststimmung, in der Trumps Thesen fruchtbaren Boden finden.

Ted Cruz hatte sich zuletzt als Alternativkandidat gegen Trump positioniert und damit eine gewisse Unterstützung auch des Partei-Establishments erreicht. Mit minutiöser Kleinarbeit hat er seit Monaten die Delegiertenplätze in den Staaten möglichst mit seinen Leuten besetzt. Dies sollte eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag in Cleveland vorbereiten - wenn die Delegierten im zweiten oder dritten Wahlgang nicht mehr an das Vorwahlergebnis ihres Staates gebunden sind, dann sollten sie für Cruz stimmen. 

Trump hatte das gewurmt; der politische Seiteneinsteiger ohne nennenswerte Hausmacht in der Partei ließ keine Gelegenheit aus, das Vorwahlsystem als manipulativ zu brandmarken - wenngleich er selbst der größte Profiteur ist.  

Die Wahlsystematik bescherte Trump Kantersiege - zunächst in New York, wo er mit 60 Prozent der Stimmen 90 Prozent der Delegierten holte. Dann in Pennsylvania und vier weiteren Staaten mit ähnlichen Relationen. Der Schluss der Vorwahlkalenders 2016 sieht weitere Trump-Hochburgen vor. In New Jersey oder West Virginia führt der 69-Jährige haushoch. In Kalifornien, dem größten Vorwahlstaat überhaupt, hat er seinen Vorsprung vor Cruz in den vergangenen vier Wochen auf mehr als 30 Prozentpunkte verdreifacht. 

Nicht nur, dass für Cruz nach Indiana kaum noch Reparaturchancen bleiben. Die Umfragewerte sind vernichtend für den Familienvater aus Texas. Seine Sympathiewerte sind deutlich hinter diejenigen von Trump gerutscht; die weitaus meisten Republikaner wollen, dass der Bewerber mit den meisten Stimmen auch Kandidat wird. Fast wehrlos erschien der 45-Jährige, als sein eigener Parteifreund John Boehner ihn vor Tagen schwer beleidigte und behauptete, Cruz habe den «Teufel im Leib». Vermutlich hilft tatsächlich nur noch beten.
 

Di, 2016-05-03 08:01
Indianapolis (dpa)

Fünf Gründe, warum die Vorwahl im US-Staat Indiana besonders wichtig ist

Indianapolis (dpa) - Die Vorwahlen zur Ermittlung der Präsidentschaftskandidaten in den USA sind zu einem ermüdenden Marathon geworden. In Indiana kommt jetzt wieder Spannung ins Rennen - zumindest bei den Republikanern. Wird Donald Trump für die Grand Old Party ins Präsidentschaftsrennen ziehen? Fünf Gründe, warum Indiana entscheidend sein kann: 

- Trump liegt nach 42 der 56 Vorwahlen mindestens 410 Delegierte vor seinem Widersacher Ted Cruz. Der kann ihn nicht mehr überholen, hofft aber auf einen Coup, falls auch Trump nicht die absolute Mehrheit einheimst. Wenn Trump schon vor dem Parteitag im Juli die magische Zahl von 1237 Delegierten schaffen will, braucht er jeden einzelnen Delegierten. 

- Cruz hat nicht mehr allzu viele Chancen, Trump die absolute Mehrheit streitig zu machen. Indiana ist neben Nebraska einer der wenigen Staaten, in denen das überhaupt noch gelingen kann. 

- Wenn Trump Indiana klar gewinnt und alle 57 Delegierten abräumt, ist er auch mathematisch kaum noch zu stoppen. Er hätte dann die 1000er Grenze gesprengt und fast doppelt so viele Delegierte wie Cruz. 

- In den wichtigeren der verbleibenden Staaten, wie New Jersey (51 Delegierte), West Virginia (34) und Kalifornien (172) liegt Trump klar vorn. Gewinnt er Indiana, gibt es kaum ein Argument gegen ihn. 

Di, 2016-05-03 06:39
Caracas (dpa)

Rund 1,8 Millionen Unterschriften gegen Präsident Maduro überreicht

Caracas (dpa) - Venezuelas Opposition hat nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Unterschriften gesammelt, um ein Referendum zur Absetzung von Präsident Nicolás Maduro auf den Weg zu bringen. Dem Nationalen Wahlrat (CNE) in der Hauptstadt Caracas seien zunächst 80 Kisten mit etwa 1,85 Millionen Unterschriften zur Prüfung übergeben worden, teilte der Chef des Oppositionsbündnisses MUD, Jesús Torrealba, am Montagabend (Ortszeit) auf Twitter mit. Um Zwischenfälle mit gewaltbereiten Anhängern der Regierung zu vermeiden, seien die Kisten in der Nacht überreicht worden.

Zur Einleitung des Referendums sind in einem ersten Schritt rund 195 000 Unterschriften nötig - das entspricht einem Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung. Um das Referendum durchzusetzen, müssen in einem zweiten Schritt knapp vier Millionen Unterschriften gesammelt werden, was 20 Prozent der Wahlberechtigten gleichkommt. Das südamerikanische Land verfügt zwar über die größten Erdölreserven der Welt, steht nach 16 Jahren sozialistischer Regierung aber vor dem Ruin und wird von einer schwere Energie- und Versorgungskrise erschüttert. Im Dezember hatte die Opposition die Parlamentswahl gewonnen.

Di, 2016-05-03 05:15
Washington (dpa)

Klage wegen zuviel Eis im Eiskaffee - Starbucks: Kalter Kaffee 

Ein zu kurzes Sandwich, überraschend tödlicher Tabak, Amerikaner ziehen ja gerne vor Gericht. Nun: Wie viel Eis darf geeister Kaffee enthalten? Nicht zuviel! Sagt eine Frau aus Illinois. Und verklagt Starbucks.

Washington (dpa) - Viel zu wenig Kaffee, viel zu viel Eis: Dem Vorwurf dieses Missverhältnisses in ihrem geeisten Kaffee sieht sich die US-Kaffee-Kette Starbucks ausgesetzt. Stacy Pincus aus Illinois reichte Klage ein. Sie argumentiert, wer bei Starbucks kalte Getränke kaufe, bekomme viel weniger Getränk als angezeigt.

«Wir nehmen die Klage zur Kenntnis», teilte eine Starbucks-Sprecherin der dpa in einer Stellungnahme mit. Man sei allerdings überzeugt, dass sie keinerlei Erfolg haben werde.

«Unsere Kunden verstehen und erwarten, dass Eis ein essenzieller Bestandteil eines jeden geeisten Getränks ist. Wenn jemand mit der Zubereitung nicht zufrieden ist, sind wir glücklich, es neu zubereiten zu dürfen», erklärte Starbucks.

In der Klageschrift heißt es, Starbucks führe seine Kunden in die Irre. «Beispiel. Wenn eine Gallone Benzin drei Dollar kosten soll, und ein Kunde bezahlt drei Dollar und tankt, erwartet er eine Gallone Benzin. Nicht ungefähr eine halbe.» ABC berichtete, die Frau habe auf fünf Millionen US-Dollar geklagt.

Die Klage vor einem Bezirksgericht in Illinois macht beim geeisten Kaffee nicht halt. Sie erstreckt sich auch auf Eistee und andere gekühlte Getränke. Wenn es um die Größe der Getränke gehe, spreche Starbucks in Wirklichkeit von der Größe der Becher und nicht von der Menge des darin befindlichen Getränks.

Mit großem Ernst wird ausgeführt: «Die Menge der Flüssigkeit in einem Kaltgetränk ist ein Faktum, das ein verantwortlicher Konsument ernst zu nehmen weiß.» Hätte die Klägerin gewusst, wie viel weniger Kaffee der geeiste Kaffee tatsächlich enthalte, hätte sie weniger bezahlt. Oder gar nichts.

Fastfood-Ketten in den USA haben es nicht immer leicht. Subway musste sich gerichtlich des Vorwurfs erwehren, eines ihrer Sandwiches sei - anders als behauptet - gar nicht «einen Fuß» (etwas 30 Zentimeter) lang. Historisch auch die Klage einer Frau, die bei McDonalds heißen Kaffee bestellte, sich wegen eines (so der Vorwurf) losen Deckels verbrühte und klagte: Der heiße Kaffee, er sei zu heiß gewesen.
 

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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