Mo, 2015-05-25 10:18
Berlin (dpa)

Flüchtlingsinitiative «Sea Watch» setzt auf EU-Quotenregelung

Berlin (dpa) - Die Flüchtlingsinitiative «Sea Watch» erhofft sich von einer gerechteten Unterbringung von Bootsflüchtlingen in der ganzen EU Verbesserungen bei der Seenotrettung im Mittelmeer. Der Sprecher der Initiative, Harald Höppner, kritisierte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass bisher die Mittelmeer-Anrainerländer die meisten Flüchtlinge versorgen müssen.

«Das ist auch ein ganz großes Problem in Malta, weshalb dort auch eine ziemliche Fremdenfeindlichkeit herrscht», sagte er. «Ich denke, wenn man den Maltesern erklärt, dass die Flüchtlinge gerecht auf europäische Partnerländer verteilt werden, dass die dann auch der ganzen Sache wirklich ein bisschen aufgeschlossener entgegenschauen und sich auch noch mehr für eine entsprechende Rettung auf See einsetzen.»

Nach den jüngsten Bootsunfällen mit Hunderten toten Flüchtlingen im Mittelmeer hat die aus Brandenburg kommende Initiative «Sea Watch» einen Fischkutter umgebaut und in Richtung Mittelmeer geschickt. «Wir haben die Hälfte des Weges geschafft», berichtete Höppner. Nach einem Zwischenstopp in Lissabon in dieser Woche soll die «Sea Watch» ab Mitte Juni im Mittelmeer kreuzen und Flüchtlingsschiffe in Not der Küstenwache melden.

«Im Wesentlichen sind quasi alle kleinen Flüchtlingsboote in Seenot», erläuterte Höppner. Die kleinen Schlauch- und Holzboote seien hoffnungslos überladen. «Die Leute haben kein Trinkwasser, sie haben keine Schwimmwesten, und allein schon diese Situation spricht für eine Notlage.»

Eine Lösung des Flüchtlingsproblems kann nach Einschätzung Höppners nicht durch zivile Schiffe erbracht werden. «Wir sind der Meinung, dass es wirklich notwendig ist, dass von offizieller Seite - von der EU, von Deutschland, von anderen Ländern - entsprechende Hilfe gebracht wird.» Schon beim Auslaufen des Kutters in Hamburg hatte Höppner sich für ein Hilfsprogramm für das gesamte Mittelmeer ausgesprochen.

Mo, 2015-05-25 10:26
Damaskus (dpa)

Syrische Beobachter: IS richtet in neun Tagen 217 Menschen hin

Damaskus (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Darstellung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Zusammenhang mit der Eroberung der syrische Stadt Palmyra mindestens 217 Menschen hingerichtet. Die Zahl beziehe sich auf Tötungen in den letzten neun Tagen, teilte die Beobachtungsstelle in der Nacht zum Montag mit. Unter den Opfern seien mindestens 150 gefangen genommene Regierungssoldaten sowie 67 Zivilisten gewesen, unter ihnen zwölf Frauen und 14 Kinder.

Die Angaben ließen sich unabhängig nicht bestätigen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Berichte von Aktivisten vor Ort.

Der IS hatte die antike Wüstenstadt Palmyra am vergangenen Mittwoch eingenommen. Die internationale Öffentlichkeit ist seitdem besorgt über das Schicksal Zehntausender Zivilisten, die in der modernen Stadt Palmyra und ihrer Umgebung leben. Darüber hinaus wird befürchtet, dass der IS, der einen fundamentalistischen Islam predigt, die einmalige Tempel- und Ruinenstadt des alten Palmyra zerstören könnte.

Mo, 2015-05-25 10:08
Belgrad (dpa)

Serbien setzt große Hoffnungen auf Merkels Besuch

Belgrad (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel wird im Juli Serbien besuchen. Er erwarte schwere Gespräche mit seinem Gast aus Berlin, sagte der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic am späten Sonntagabend im Belgrader TV-Sender B92.

Dagegen setzen die heimischen Medien riesige Erwartungen in den Besuch. «Grünes Licht aus Berlin. Merkel bringt das Datum mit» (zur Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen), titelte die Zeitung «Nase novine».

Der Bundestag hatte Bedingungen zur Öffnung der ersten Kapitel in den EU-Verhandlungen gestellt. Dabei geht es vor allem um Kompromisse Serbiens im Dauerkonflikt mit seiner vor sieben Jahren abgefallenen und fast nur noch von Albanern bewohnten früheren Provinz Kosovo. Die dortige serbische Minderheit soll sich ins albanisch geführte Staatssystem integrieren.

Merkel könnte ihrem Gastgeber Vucic auch innenpolitisch helfen, erwartet am Montag die größte Zeitung «Blic». Staatspräsident Tomislav Nikolic hatte in der letzten Woche eine Plattform vorgelegt, mit der das Kosovo wieder nach Serbien zurückgeholt werden soll. Die Plattform, die im krassen Gegensatz zu den jahrelangen Kosovo-Vermittlungen der EU steht, sei in Berlin und anderen westlichen Hauptstädten äußerst negativ beurteilt worden, hatte Vucic berichtet.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-05-25 10:31
Berlin (dpa)

Bundesbeauftragte: Erleichterungen für Homosexuelle unzureichend

Berlin (dpa) - Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Christine Lüders, hat eine völlige Gleichstellung homosexueller Lebenspartner mit Eheleuten gefordert. Die von der Bundesregierung geplanten Erleichterungen für homosexuelle Paare im Zivil- und im Verfahrensrecht seien «unzureichend», erklärte Lüders am Montag. «Es gibt keinen sachlichen Grund, gleichgeschlechtlichen Paaren die vollständige Öffnung der Ehe zu verwehren.»

Anlass der neuen Debatte in Deutschland am Pfingstwochenende ist ein Volksentscheid, in dem sich die Iren für die Einführung der Homo-Ehe ausgesprochen hatten.

Lüders forderte eine fraktionsübergreifende Bundestagsinitiative für die Öffnung der Ehe. «Das Recht auf Heirat für Lesben und Schwule ist ein Menschenrecht - das gehört nicht in die Parteipolitik. Ich fände es gut, wenn der Bundestag ohne Fraktionszwang darüber abstimmen würde.» Sie sei sicher, dass die große Mehrheit der Parlamentarier für die Homo-Ehe stimmen werde.

Mo, 2015-05-25 10:05
Berlin (dpa)

Gabriel weist Seehofers Stromtrassen-Vorschlag zurück

Es soll Deutschlands längste Stromtrasse werden, ein Kernstück der Energiewende. Doch die Bayern wollen sie nicht, und Horst Seehofer stellt sich quer. Kommt er damit bei den Nachbarn und in Berlin durch?

Berlin (dpa) - Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den bayerischen Vorschlag zur Verlegung der geplanten Nord-Süd-Stromtrasse nach Hessen und Baden-Württemberg zurückgewiesen. CSU-Chef Horst Seehofer hatte gefordert, den sogenannten SuedLink nach Westen zu verschieben, was Bayern entlasten, die Nachbarländer aber deutlich stärker belasten würde.

«Jedenfalls glaube ich, dass wir jetzt schon der bayerischen Staatsregierung einige Vorschläge gemacht haben, die dazu führen, dass die Belastungen reduziert werden», sagte der fachlich zuständige Vizekanzler am Sonntag in der ZDF-Sendung «Berlin direkt». «Wir werden versuchen und haben das auch schon getan, die Trassen stärker auf bestehende Trassen zu verlegen, Erdkabel anzubieten. Aber was nicht geht ist zu sagen: Bei uns bitte nichts, alles nach Hessen und Baden-Württemberg. Das wird niemand akzeptieren.»

Gabriel erinnerte zudem daran, dass Seehofer die derzeitigen Pläne im Bundesrat mit beschlossen hatte. Auch die beiden betroffenen Länder sehen nicht ein, warum sie zugunsten Bayerns mehr Lasten schultern sollten. «Wir haben eine gemeinsame Verabredung, und die muss auch gelten», sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im ZDF. Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hatte die bayerischen Vorschläge zuletzt ebenfalls massiv kritisiert und Seehofer im «Spiegel» verdächtigt, auf eine «klammheimliche Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken» zu setzen.

Seehofers Agieren ist vor allem durch den Druck von Anwohnern der geplanten Trasse motiviert. Deren Kritik richtet sich vor allem gegen die oberirdische Kabelführung. Gabriel hält deshalb nun «wesentlich mehr Erdkabel für nötig». Allerdings liegen die Kosten dafür weitaus höher. Gabriel argumentierte aber: «Die Technik hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.»

Mo, 2015-05-25 10:41
Berlin/Basel (dpa)

Medienberichte: Verhafteter IS-Mann wollte womöglich Gauck töten

Wollte ein in Schweizer U-Haft sitzender mutmaßlicher IS-Terrorist Bundespräsident Gauck angreifen oder gar töten? Entsprechenden Spuren gehen Ermittler in der Grenzregion nach.

Berlin/Basel (dpa) - Schweizer Ermittler prüfen nach Medienberichten Verdachtsmomente gegen einen im Vorjahr festgenommenen Islamisten, der möglicherweise einen Anschlag auf Bundespräsident Joachim Gauck plante. Wie die «Berliner Morgenpost» und das Onlineportal «Der Westen» am Pfingstwochenende schrieben, ist der Verdächtige ein in Schweizer Untersuchungshaft sitzender, «mutmaßlich hochrangiger IS-Terrorist».

Der 27-jährige Iraker wurde am 21. März 2014 in Beringen im Schweizer Kanton Schaffhausen am Bodensee festgenommen. Konkret wird ihm «Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht» vorgeworfen. Das Bundesstrafgericht der Schweiz in Bellinzona verlängerte kürzlich seinen Gefängnisaufenthalt mit der Begründung, er habe sich als «beliebten und angesehenen Kämpfer» des Islamischen Staates (IS) bezeichnet. Der Mann soll über Kontakte zu Freunden in Österreich, Deutschland und Großbritannien verfügt haben.

«Der Vorgang ist der Bundesanwaltschaft bekannt», bestätigte ein Sprecher in Karlsruhe den Medienberichten zufolge, ohne Details zu nennen. Mit einer Bewertung des Falles halte sich die oberste deutsche Ermittlungsbehörde derzeit zurück, hieß es. Dem Vernehmen nach sollen die Informationen aus deutschen Ermittlerkreisen stammen.

Nach Auswertung der beschlagnahmten elektronischen Kommunikation gehen die Fahnder davon aus, dass der Iraker in der Schweiz eine IS-Terrorzelle aufbauen wollte, heißt es. Die brisanteste Spur des Mannes und zweier ebenfalls festgenommener mutmaßlicher Komplizen führe nach Deutschland: Der Verdächtige habe womöglich vorgehabt, ein Bundeswehr-Krankenhaus anzugreifen, ein Gebäude des Chemiekonzerns Bayer - und Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten.

Die Schweizer Polizei soll auf dem Handy des 27-Jährigen ein Kartenprogramm gefunden und ausgewertet haben. Drei Markierungen zeigten Schauplätze in Syrien, an denen es IS-Anschläge gegeben hatte, drei weitere die genannten Orte in Deutschland.

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Mo, 2015-05-25 10:14
Berlin (dpa)

Politiker fordern: EU muss Verbraucher vor Klonfleisch schützen Von Anja Semmelroch, dpa

Das Klonschaf Dolly war in den 90er Jahren eine Sensation. Heute wird die hochumstrittene Technik nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Tierzucht eingesetzt. Politiker befürchten, dass das Ergebnis auch auf deutschen Tellern landen könnte.

Berlin (dpa) - Deutsche Politiker warnen parteiübergreifend vor zu laxen Regeln für den Umgang mit Fleisch von geklonten Tieren in der Europäischen Union. «Der Verbraucher muss erkennen können, was er isst», sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. «Der Verbraucher will ein Steak vom Bauernhof, kein Klonfleisch aus dem Reagenzglas.» Auch die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, sagte der dpa: «Wir brauchen keine geklonten Tiere für die Lebensmittelproduktion.»

Union, SPD und Grüne fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen, auch mit Stimmen der Linken verabschiedeten Antrag auf, sich auf EU-Ebene für ein dauerhaftes Verbot des Klonens von Tieren zur Lebensmittel-Produktion einzusetzen. Klontiere und deren Fleisch dürften auch nicht importiert werden. Sollte ein Verbot scheitern, fordern die Parlamentarier Kennzeichnungspflichten und Kontrollen.

Die EU-Kommission plant derzeit weniger weitreichende Regelungen. Demnach dürften Nachkommen von Klontieren und Zuchtmaterial weiterhin ohne Beschränkung und Kennzeichnung importiert werden. Genau hier sehen die Parlamentarier eine gravierende Lücke: Denn weil das Klonen aufwendig und teuer sei, stellten gar nicht die Tiere selbst, sondern deren Sperma, Eizellen und Embryonen «das wirtschaftlich interessante Produkt der geklonten Tiere» dar. Sie befürchten, dass Nachkommen von Klontieren vor allem auf diesem Weg «schleichend Einzug in die europäische Nutztierzucht und Lebensmittelwirtschaft halten».

Der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge gibt es schon heute Indizien für einen globalen Handel mit Zuchtmaterial geklonter Tiere. Der Verein Testbiotech, der von unabhängiger Seite über die Risiken der Biotechnologie aufklären will, zeigt auf seiner Homepage Beispiele für den Online-Handel mit dem Sperma geklonter Rinder.

In welchem Umfang weltweit geklont wird, ist laut Testbiotech nicht bekannt. Nach Angaben der EU-Kommission von 2013 haben die USA, Kanada, Australien, Brasilien und Argentinien aber bestätigt, dass in ihrem Hoheitsgebiet Tiere geklont werden. In der EU wird die Klontechnik nach Angaben der 28 Mitgliedstaaten derzeit nirgendwo in der Landwirtschaft oder Lebensmittelproduktion eingesetzt, wie es im Antrag der Fraktionen heißt. «Die Bundesregierung kann jedoch nicht ausschließen, dass bereits Nachkommen von Klontieren Eingang in die deutsche Nutztierzucht und Lebensmittelproduktion gefunden haben.»

Umfragen zeigen laut Connemann, dass knapp drei Viertel (71 Prozent) der Bundesbürger geklontes Fleisch ablehnen, auch aus ethischen Gründen. «Klonen bedeutet für Tiere Leid und Qual», sagte Connemann. Rund 90 Prozent der eingesetzten geklonten Embryonen sterben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge spätestens kurz nach der Geburt. Tiere, die überleben, altern laut Connemann schneller, haben Krankheiten oder Missbildungen.

Aus Sicht von Foodwatch können Kennzeichnungspflichten aber nicht wirksam vor dem Verzehr von Klonfleisch schützen. Im Hackfleisch eines Hamburgers etwa seien so viele Fleischsorten vereint, dass dies praktisch kaum möglich sei, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Er fordert deshalb ein umfassendes Importverbot.

Mo, 2015-05-25 09:02
Stuhr (dpa)

Mehrere Hallen bei Feuer in Müllbetrieb nahe Bremen zerstört

Stuhr (dpa) - Bei einem Brand in einem Müllbetrieb nahe Bremen sind mehrere Lagerhallen vollständig zerstört wurden. Verletzte gebe es nicht, wie ein Feuerwehrsprecher am frühen Montagmorgen sagte. Auf dem Gelände in Stuhr seien zahlreiche Müllberge sowohl innerhalb als auch außerhalb der Hallen in Brand geraten. Mehrere Hallen seien niedergebrannt. «In einer Halle ist zudem noch das Dach eingestürzt», sagte der Sprecher. Gefahr für die Anwohner habe nicht bestanden, da der Wind die Rauchschwaden derzeit auf die Felder treibe. Die Löscharbeiten würden noch mehrere Tage andauern. Wie groß der entstandene Sachschaden ist und wie es zu dem Feuer kam, war zunächst unklar. Die Feuerwehr war mit mehr als 200 Einsatzkräften vor Ort.

Mo, 2015-05-25 09:18
Kathmandu (dpa)

Einen Monat nach Himalaya-Beben: Leben unter Plastik - Monsun kommt

Kathmandu (dpa) - Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben leben Hunderttausende Menschen in Nepal noch unter Konstruktionen aus Bambus und Plastikplanen. «Das ist aber keine dauerhafte Lösung. In zwei bis drei Wochen beginnt der Monsun, dann brauchen die Menschen etwas Stabileres. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Johanna Mitscherlich, die für die Hilfsorganisation Care in Nepal ist. Viele Organisationen seien dazu übergegangen, Wellblech zu verteilen. Dieses könne auch nach der Regenzeit beim Bau richtiger Häuser wiederverwendet werden. Bei dem Himalaya-Beben vor einem Monat, am 25. April, waren mehr als 8700 Menschen in Nepal, Indien und China gestorben.

Mo, 2015-05-25 09:48
Berlin (dpa)

Regierungsbericht: Klimawandel in Deutschland deutlich spürbar

Berlin (dpa) - Die Folgen des Klimawandels sind nach einem Regierungsbericht in Deutschland bereits deutlich spürbar. So sei die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad von drei auf acht pro Jahr gestiegen. Von diesen Hitzewellen seien unter anderem die Energieversorgung, die Landwirtschaft und die Gesundheitsvorsorge betroffen, heißt es in dem am Samstag erstmals vorgelegten «Monitoringbericht der Bundesregierung zur Anpassung an den Klimawandel».

Steigende Temperaturen bergen demzufolge Gesundheitsrisiken, da die Hitze Menschen stark belasten kann. In bestimmten Regionen Süddeutschlands hätten sich zudem neue wärmeliebende Insekten wie die Tigermücke ausgebreitet, die schwere Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber übertragen könnten. In der Landwirtschaft führten Extremereignisse wie Stürme, Starkregen, Hagel oder Trockenheit zu großen Qualitätsschwankungen und Ertragseinbußen. Hitzeperioden hätten 2003 und 2006 die Stromproduktion in Kraftwerken wegen Kühlwassermangels teils massiv eingeschränkt.

Bewährt habe sich der Aufbau eines Hitzewarnsystems, dank dessen sich Pflegeeinrichtungen besser auf längere Hitzeperioden einstellen könnten, heißt es im Bericht. In der Landwirtschaft würden neue Sorten erprobt, denen längere Trockenheit weniger ausmache.

Mo, 2015-05-25 09:41
Berlin (dpa)

BKA-Chef: Polizei kommt bei Islamismus an Kapazitätsgrenzen

Hunderte gefährliche Islamisten, Hunderte Ermittlungsverfahren: Die Polizei hat mit der Bedrohung durch islamistischen Terror alle Hände voll zu tun. An einigen Stellen gebe es schon Engpässe, sagt der BKA-Präsident. Und auch bei der Prävention sei noch viel zu tun.

Berlin (dpa) - Die Sicherheitsbehörden stoßen angesichts der islamistischen Bedrohung an personelle Grenzen. «Natürlich gibt es einen Ressourcenengpass», sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Zahl der islamistischen Gefährder wachse, mittlerweile gebe es mehr als 500 Ermittlungsverfahren gegen Islamisten. Das BKA bekomme zwar mehr Stellen für den Kampf gegen den islamistischen Terror. Die Mitarbeiter müssten aber erst eingestellt und ausgebildet werden. «Das heißt, wir werden in den nächsten Jahren auch zulasten anderer Bereiche Personal umverteilen müssen, um den Kampf gegen den Islamismus zu verstärken. Wir müssen Prioritäten setzen.» Auch einige Länder seien sehr belastet durch die Bedrohung aus der Islamisten-Szene.

Die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland liegt inzwischen bei rund 300. Dies sind Mitglieder der Islamisten-Szene, denen Polizei und Geheimdienste zutrauen, dass sie einen Anschlag begehen könnten. Bislang sind rund 680 Islamisten aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist. Etwa ein Drittel davon ist wieder zurückgekehrt. Bundesweit laufen derzeit mehr als 500 Ermittlungsverfahren gegen 800 Beschuldigte aus dem islamistischen Spektrum.

Münch sagte, es werde immer schwieriger, die steigende Zahl von Ermittlungsverfahren zu stemmen. «Wir kommen da an Grenzen.» Es sei auch nicht möglich, alle 300 Gefährder rund um die Uhr polizeilich zu überwachen. Das gehe schon aus rechtlichen Gründen nicht, aber auch personell sei das nicht machbar.

In einzelnen Ländern gebe es bereits Engpässe bei den Observationskräften, erklärte der BKA-Chef. «Dann muss man entscheiden, ob man in einem Verfahren zur Organisierten Kriminalität Observationskräfte abzieht, weil man sich um einen islamistischen Gefährder kümmern muss.» Einige Länder seien dabei, ihre Spezialkräfte auszubauen, damit nicht mittelfristig die Arbeit in anderen Kriminalitätsfeldern leide. Aber das brauche Zeit. Wichtig sei deshalb, dass sich die Polizei im Verbund gegenseitig unterstütze und Kräfte austausche.

«Wir sind insgesamt gut aufgestellt bei der Zusammenarbeit», sagte Münch. Aber die Bedrohung durch den islamistischen Terror sei eine große Herausforderung. «Wir tun alles, um dem gerecht zu werden.»

Vor wenigen Wochen hatte die Polizei in Hessen zwei Terrorverdächtige festgenommen. Das Paar steht im Verdacht, einen islamistischen Anschlag auf ein großes Radrennen um Frankfurt geplant zu haben. «Gerade die jüngsten Ereignisse zeigen, dass wir die Bedrohung sehr ernst nehmen müssen», sagte Münch. In dem Fall in Hessen habe die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden sehr gut funktioniert. Er räumte aber ein: «Wir können nicht jeden kennen. Immer mal wieder stoßen wir auf Personen, die wir vorher nicht auf dem Zettel hatten.»

Münch forderte deutlich mehr Anstrengungen bei Prävention und De-Radikalisierung. «Wir haben einige gute Projekte und Ansätze in Deutschland, benötigen aber ein übergreifendes System», sagte er. «Wir brauchen einen Masterplan - den sehe ich im Moment noch nicht.»

Mo, 2015-05-25 09:13
München (dpa)

«Töten für Wotan»: Inspirierte heidnischer Götterglaube NSU-Morde? Von Christoph Lemmer, dpa

Im NSU-Prozess soll die Begeisterung des Terrortrios für nordische Gottheiten ausgeleuchtet werden. Dabei könnten obskure Details ans Licht kommen - und womöglich die Antwort auf die Frage, warum die meisten NSU-Morde mittwochs verübt wurden.

München (dpa) - Zu den obskursten Schriftstücken in der Aktensammlung des Münchner NSU-Prozesses gehört eine Ausgabe der rechtsradikalen Untergrundzeitschrift «Der Förderturm» aus dem Jahr 2001. Es handelt sich um ein Magazin für die Neonazi-Szene im Ruhrgebiet. In zahlreichen Texten ist die Rede von «Wotans Reich» oder «Wotans Wille». Mehrere Texte enden mit dem Mantra: «Wotan mit uns», einer sogar mit der Formel: «In diesem Sinne: Töten für Wotan». 

An anderer Stelle stellt ein Autor fest, dass fünf der sieben Wochentage nach nordischen Göttern benannt seien. Der wichtigste sei als Tag des Chefgottes der Mittwoch, auch «Wotanstag» genannt, was noch heute am englischen «Wednesday» erkennbar sei.

Zu den Lesern dieses Heftes gehörten wohl auch Beate Zschäpe und ihre inzwischen toten mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die drei haben nach Erkenntnis der Ermittler einen Brief und eine Geldspende aus dem Untergrund an die «Förderturm»-Redaktion geschickt.

Zschäpe muss sich für die zehn Morde vor Gericht verantworten, die die Bundesanwaltschaft der Gruppe anlastet. Sechs dieser zehn Morde wurden mittwochs verübt. Ebenfalls an einem Mittwoch, dem 9. Juni 2004, soll der NSU den Bombenanschlag auf die Kölner Keupstraße verübt haben, bei dem 22 Menschen verletzt wurden.

Diese Häufung fiel auch bei der Anklagebehörde auf. «Ich weiß, dass der Mittwoch eine bestimmte Rolle spielt im rechtsextremistischen Spektrum», sagte Bundesanwalt Herbert Diemer an einem der letzten Verhandlungstage im NSU-Prozess.

Offiziell will seine Behörde allerdings nichts von religiös oder mystisch angehauchten Mordmotiven wissen. Die Täter hätten «aus einer rassistischen und staatsfeindlichen Gesinnung heraus» gehandelt, teilte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft mit. Für mehr gebe es «keine belastbaren Anhaltspunkte».

Das wollen einige Nebenkläger jetzt ändern. Sie bereiten derzeit Beweisanträge zum Germanenkult des NSU vor und folgen damit einer Anregung des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl. Einer von Ihnen, Rechtsanwalt Yavuz Narin, argumentierte im Prozess, die Täter könnten ihre Verbrechen bewusst auf Mittwoche gelegt haben, um versteckte Signale in die Szene zu senden. Mit dem Mittwoch als Tattag könne es sich ähnlich verhalten wie mit dem Ziffernpaar «88», das in der Szene für «Heil Hitler» steht.

Belegt ist, dass sich das NSU-Trio für die germanische Mystik begeisterte. Beate Zschäpe besuchte Sonnenwendfeiern oder ein «Wikingerfest». Einer ihrer früheren Gesinnungsgenossen, der Gründer des «Thüringer Heimatschutzes» (THS), Tino Brandt, bescheinigte Zschäpe in seinem Zeugenauftritt vor Gericht, sie habe gut über die germanischen Bräuche Bescheid gewusst.

Brandt war es auch, der im Januar 2000 die baden-württembergische NPD-Politikerin Edda Schmidt als Brauchtumsreferentin für ein Wochenendseminar im thüringischen Eisenberg gewann. Im Zeugenstand räumte sie auf Nachfragen ein, wenig später auch eine «Weihnachtsfeier» in Chemnitz geleitet zu haben. Dass es der Anführer der Chemnitzer «Blood & Honour»-Organisation war, der sie dazu eingeladen hatte, will sie nicht gewusst haben. Mitglieder dieser Gruppe hatten zu dieser Zeit das abgetauchte NSU-Trio bei sich versteckt.

Auf die Frage, wie so eine «Weihnachtsfeier» ablaufe, äußerte sich Schmidt wortkarg: «Nichtchristlich. Mit heidnischem Brauchtum.» Tatsächlich nennt die Szene das Fest nicht Weihnachten, sondern Julfest, und gemeint ist damit auch nicht die Geburt des Jesuskindes, sondern die Wintersonnenwende.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-05-25 08:00
Leipzig (dpa)

Im Mäusezirkus: Direktor, Dompteur und Futtermeister in einer Person Von Sabine Fuchs, dpa

Gerald Ruppert ist Direktor, Dompteur und Futtermeister in einem. Seine Stars sind Mäuse.

Leipzig (dpa) - «Monica von Monaco» springt durch einen Feuerreifen, die «Schöne Angela» und der «Dicke Helmut» üben das Balancieren auf einer Stange. Es ist Probe in «Original Rupperts Mäusezirkus», der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert. «Ich bin hier Direktor, Dompteur und Futtermeister», sagt Gerald Ruppert, der seine Karriere mit ersten Dressuren in einer Garage begann.

Etwa 20 Artisten gehören derzeit zu seinem Ensemble. «Es gibt Stars und es gibt Statisten», sagt der 64-Jährige, der ursprünglich Maler gelernt hat. Schnell zeige sich, welche Maus Talent für die hohe Zirkuskunst hat und zum King in der Manege tauge. Dazu zähle «Heidi»: Die Maus schafft nach langer Übung den «Todessprung» aus einer Höhe von 1,30 Metern - und lässt sich dann vom Chef auffangen. Todessprung wieder überlebt.

«Der Zirkus von Ruppert ist klein, aber der winzigste in Deutschland ist er nicht», sagt Gerhard Mette, Chef des Betreibervereins des Zirkusmuseums in Magdeburg. So gebe es noch den «Flohzirkus Freddy» in Hamburg mit einem Dompteur und einem Artisten. Es sei nicht genau bekannt, wie viele Mini-Zirkusse derzeit in Deutschland durch die Lande zögen. Schätzungsweise seien es 350 bis 400 mit drei bis fünf Akteuren und ein paar Tieren. Sie träten häufig in kleinen Städten auf, in die große Zirkusse nie kämen.

«Treten Sie zurück, halten Sie Sicherheitsabstand. Sie sehen eine einmalige gefährliche Zirkusnummer» kündigt Ruppert seine Shows an. Drei Monate braucht es nach seinen Worten, bis eine neugeborene Maus Bühnenreife erlangt. Mit dem berühmten Speck oder mit Käse sind sie zu artistischen Höchstleistungen nicht zu bewegen, Gemüse und Äpfel müsse er für kühne Taten bieten. Und gutes Zureden sei notwendig. Nach etwa drei Jahren sei die Karriere für eine Maus vorbei. Dann gibt es Gnadenbrot.

Obwohl bei Mäusen - anders als bei Wildtieren - eine artgerechte Haltung im Zirkus möglich und durchaus leichter zu gewährleisten sei, müsse der Betreiber sehr verantwortungsbewusst handeln, sagt eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Dazu zähle ausgewogenes Futter und Hygiene. Außerdem müssten die Tieren ausreichend Platz haben, um sich zurückzuziehen zu können.

«Das haben die Tiere bei mir», versichert Ruppert. Zwei- bis dreimal in der Woche würden die Käfige gereinigt, die Mäuse erhielten gesundes Futter und hätten ihre Nischen. Tiere, die sich nicht für die Manege eigneten, gebe er an Zoohandlungen oder private Interessenten ab. Mitunter gibt der Zirkusdirektor auch Mäuse-Vorstellungen vor kleinen Klinikpatienten - bei Veranstaltungen in Parks und Höfen der Krankenhäuser.

Mo, 2015-05-25 08:14
Berlin (dpa)

Neuer BKA-Präsident will weitere Lehren aus NSU-Morden ziehen

Als die Rechtsterroristen des NSU mordeten, tappten die Sicherheitsbehörden im Dunkeln. Auch das BKA löste den Fall nicht. So blind soll das Amt nicht noch einmal dastehen, sagt der neue Chef.

Berlin (dpa) - Als Lehre aus der rechtsterroristischen NSU-Mordserie will das Bundeskriminalamt (BKA) seine Arbeit weiter verändern. Dabei gehe es um Ermittlungstaktiken, um Personalauswahl und interkulturelle Kompetenz in Deutschlands oberster Polizeibehörde, sagte der neue BKA-Präsident Holger Münch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der 53-jährige Bremer leitet das Amt seit knapp einem halben Jahr.

Auch die Zerschlagung der «Oldschool Society» Anfang Mai - eines neuen rechten, mutmaßlich gewaltbereiten Netzwerks - sieht Münch als Fortschritt nach früheren Fehlern der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Rechtsterroristen. «Eine der wesentlichen Lehren aus dem Fall NSU ist doch, dass wir nichts für unmöglich halten dürfen. Die zweite ist, dass wir möglichst früh und konsequent gegen solche Strukturen vorgehen müssen.»

Die bisherigen Ermittlungen hätten den Verdacht der Gründung weiterer terroristischer Vereinigungen nicht bestätigt. Münch beschrieb den harten Kern der rechten Szene: «Wir haben elf Personen, die als Gefährder eingestuft sind in Deutschland. Und wir haben gute hundert «relevante Personen», also Unterstützer, Organisatoren oder Finanziers.» Sorge bereite ihm, dass Rechtsextremisten die steigende Zahl von Asylbewerbern zum Anlass von Angriffen auf Flüchtlingsheime nähmen. «Wir müssen sehr wachsam sein.»

Als der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) von 2000 bis 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordete, hatte auch das BKA das ausländerfeindliche Motiv der Serie verkannt. BKA-Ermittlungen zur Tatwaffe, einer Ceska-Pistole, liefen weitgehend ins Leere. «Wir fragen uns, wie wir mit Ermittlungsverfahren umgehen, bei denen wir am Ende nicht mehr weiterkommen», sagte Münch. Deshalb wolle das BKA künftig in solchen Fällen ein erweitertes Ermittlerteam einsetzen, das auch von einer Gegenhypothese ausgehe.

Derzeit werde im Bundeskriminalamt erhoben, wie hoch der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund sei und wie sich dieser Anteil strategisch entwickeln lasse, sagte Münch. Der BKA-Präsident bescheinigte dem Amt eine Offenheit für Veränderungen: «Wichtig ist die Frage der Fehlerkultur. Da stoße ich aber, das ist meine Beobachtung aus dem ersten halben Jahr in der Behörde, auf eine sehr gute Grundkultur.»

Mo, 2015-05-25 08:15
Berlin (dpa)

Das Bundeskriminalamt - die zentrale Polizeibehörde

Berlin (dpa) - Das Bundeskriminalamt (BKA) ist Deutschlands zentrale Polizeibehörde. Polizei ist in der Bundesrepublik im Grundsatz Ländersache - das 1951 gegründete BKA koordiniert den Kampf gegen die Kriminalität auf nationaler Ebene.

Selbstständig ermittelt die Behörde, wenn es grenzüberschreitend um Terrorismus, Falschgeld oder den illegalen Handel mit Waffen und Drogen geht. Sie führt die Kontakte der deutschen Polizei ins Ausland und gehört zu Interpol. Auch der Schutz von Bundespräsident, Bundesregierung, Bundestag und ausländischen Staatsgästen gehört zu den Aufgaben des BKA.

Die Bundesbehörde hat mehr als 5500 Bedienstete an den Standorten Wiesbaden, Berlin und Meckenheim bei Bonn. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kriminalpolizisten. Seit Januar 2005 ist das BKA in neun Abteilungen gegliedert. An seiner Spitze steht der Präsident - bis November 2014 Jörg Ziercke, seitdem Holger Münch.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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