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Do, 2016-05-26 09:44
Dresden (dpa)

Verfassungsschutz-Chef: Rechtsextremisten in neue Kreise vorgedrungen

Dresden (dpa) - Sachsens Verfassungsschutzchef Gordian Meyer-Plath beobachtet mit Sorge, dass sich Rechtsextreme zunehmend in früher für sie unzugänglichen Teilen der Gesellschaft ausbreiten. Die Anti-Asyl-Demonstrationen «führten dazu, dass Rechte in Kreise vordringen konnten, die bislang Distanz zu ihnen gehalten haben. Da ist ihnen einiger Geländegewinn gelungen», sagte er «Spiegel Online».

Seine Sorge sei auch, dass Rechtsextremisten verstärkt der Meinung sein könnten, asylfeindliche Demonstrationen genügten nicht mehr. «In der Konsequenz könnten sich weitere Zellen wie die «Oldschool Society» oder die «Gruppe Freital» bilden. Solche rechtzeitig zu erkennen, ist ungeheuer schwierig.»

Der Verfassungsschutz in Sachsen schaue genau hin, was Rechtsextremisten bei Pegida tun - und ob sie dort in relevanter Weise Einfluss nehmen. «Bislang haben wir keine ausreichenden Hinweise darauf, dass es sich bei Pegida um eine Gruppe handelt, deren Ziel die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist», sagte Meyer-Plath.

Zur Lage in Leipzig, wo es in den vergangenen Monaten wiederholt schwere Ausschreitungen von Links- und Rechtsextremisten gab, sagte Meyer-Plath: «In Leipzig ist die Situation brisant. Mir macht vor allem Sorge, dass sich Autonome aus Westdeutschland und Berlin verstärkt nach Leipzig bewegen. Sie glauben, dort ein gutes Umfeld für ihre Aktionen vorzufinden, und sind bereit, schwerste Straftaten zu begehen.»

Do, 2016-05-26 09:21
Mainz (dpa)

Botaniker und ein uraltes Buch: Ein Kräutergarten wie im Mittelalter Von Peter Zschunke und Andreas Arnold , dpa

Sauerampfer vertreibt Spulwürmer, und Knoblauch ist gut gegen Läuse: Über Jahrhunderte hinweg verließen sich die Menschen auf Heilmittel aus der Pflanzenwelt. Jetzt hat der Botanische Garten in Mainz diese Tradition nach einem Buch aus dem Jahr 1485 zum Wachsen gebracht.

Mainz (dpa) - Ein Buch aus dem späten Mittelalter wird wieder lebendig: Der Botanische Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat Beete mit 70 Pflanzen aus dem 1485 in Mainz entstandenen Kräuterbuch «Gart der Gesundheit» angelegt. «Der ganzheitliche Ansatz des Kräuterbuchs ist bis heute aktuell», sagt der Kustos des Botanischen Gartens, Ralf Omlor, bei einem Rundgang zwischen Alraune und Beifuß, Diptam und Odermennig.

«Vor 500 Jahren beruhte die medizinischen Versorgung zum größten Teil auf Pflanzen», erklärt der Botaniker. Die Menschen hätten aber nicht erwartet, dass ein Leiden sofort kuriert werde. «Vielmehr sollte die Heilpflanze den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen und so eine Heilung ermöglichen.»

Verfasser des Kräuterbuchs war der Frankfurter Stadtarzt Johann Wonnecke von Kaub, der Auftrag dazu kam von dem Mainzer Domherrn Bernhard von Breidenbach. In seiner Vorrede schreibt der Domherr: «Oft und viel habe ich bei mir selbst betrachtet die wundersamen Werke des Schöpfers der Natur». Das Buch solle darstellen, «durch welcher Kräuter und Kreaturen Kraft der kranke Mensch ... zu seines Leibes Gesundheit wieder mag kommen».

Das Buch enthält Holzschnitte und Bearbeitungen zu 382 Heilpflanzen sowie 25 tierischen Wirkstoffen und 28 Mineralien. Im Kapitel über den Knoblauch heißt es etwa: «Mit Knoblauchsaft geschmieret das Haupt tötet die Läuse und auch die Nissen darauf.» Auch bei anderen Pflanzen machen therapeutische Empfehlungen deutlich, mit welchen Leiden sich die Menschen vor mehr als 500 Jahren herumplagen mussten: Der Samen von Sauerampfer soll als Mittel zur Vertreibung von Spulwürmern wirksam sein.

Der Verfasser des ersten gedruckten Kräuterbuchs in deutscher Sprache habe drei unterschiedliche Stränge des zu seiner Zeit vorhandenen Wissens zusammengeführt, erklärt Omlor und nennt die Überlieferung antiker Quellen zusammen mit arabischen Einflüssen, die mittelalterliche Klostertradition und die oft nur mündlich überlieferte Volksmedizin. Daher finden sich in dem Werk bis heute gültige Befunde wie die antibakterielle Wirkung von Knoblauch neben abwegigen Vorstellungen aus dem Volks- und Aberglauben. Auch Schriftstellen der pflanzenkundigen Mystikerin Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert lassen sich in dem Kräuterbuch nachweisen.

Die Empfehlungen aus dem «Gart der Gesundheit» haben Generationen von Menschen beeinflusst. Bis ins 18. Jahrhundert hinein erschienen mehr als 60 Nachdrucke und Bearbeitungen.

In Natursteinplatten in der Mitte des Themengartens wurden die Darstellungen von Holzschnitten aus dem Kräuterbuch eingemeißelt. Mit seinen oft sehr naturnahen Abbildungen stehe der «Gart der Gesundheit» an der Schwelle zu den Anfängen der wissenschaftlichen Botanik, sagt Omlor.

Zu den ersten Besuchern des Themengartens zählt der Koblenzer Apotheker Otto Eichele, der auch selbst botanische Führungen gestaltet. «Ich versuche, den Menschen die Augen zu öffnen», sagt er. Auch wenn sie sich nicht alle Pflanzennamen merken könnten, würden sie auf diese Weise doch dazu gebracht, in der Natur genauer hinzuschauen. «Ein großer Teil der Bevölkerung will zurück zur Natur - das merke ich als Apotheker, wenn unsere Kunden nach pflanzlichen Mittel fragen.»

Heilsame Wirkung kann bereits ein Besuch des Kräutergartens entfalten. Wer danach auch in der Natur einzelne Pflanzen wiederfindet wie etwa den Borretsch mit seinen schönen blauen Blüten kann auch heute noch dem Rat im «Gart der Natur» folgen: «Borretschblumen roh gegessen nimmt das Herzzittern und macht den Menschen wohlgemut.»

Do, 2016-05-26 09:14
Frankfurt/Main (dpa)

Ölpreis über 50 US-Dollar: Ist das Ende des Billigöls besiegelt? Von Tobias Schmidt, dpa-AFX

Der Ölpreis steigt und steigt derzeit - und viele Gründe sprechen dafür, dass dieser Trend andauert. Oder folgt dem Hoch doch schon bald wieder ein Tief?

Frankfurt/Main (dpa) - Billiges Öl bedeutet für die deutschen Verbraucher vor allem eines: Sie sparen beim Tanken und müssen weniger fürs Heizen zahlen. Seit fast zwei Jahren haben sich die Verbraucher an diesen Komfort gewöhnt. Von Mitte 2014 bis Anfang 2016 waren die Ölpreise von über 100 auf etwa 30 Dollar je Barrel (159 Liter) eingebrochen. Doch seither hat sich der Wind gedreht. Am Donnerstag übersprang der Preis für die Nordseesorte Brent erstmals seit einem halben Jahr wieder die Marke von 50 US-Dollar. Ist die Kehrtwende am Ölmarkt endgültig erreicht? Einiges spricht dafür. Aber Experten bleiben vorsichtig.

Der Hauptgrund für den jüngsten Preisanstieg ist in den USA zu suchen, denn hier sinkt die Fördermenge. Ende April erreichte sie sogar den tiefsten Stand seit Herbst 2014. Der Grund für den Rückgang: Ein großer Teil der US-Produktion wird mit Fracking gewonnen. Diese Fördertechnik, bei der chemische Flüssigkeiten in tief liegende Gesteinsschichten gepresst werden, ist nicht nur wegen möglicher Folgen für Mensch und Umwelt umstritten, sie ist auch relativ teuer. Die Fracker leiden daher besonders stark unter den niedrigen Preisen und müssen ihre Produktion teilweise auf Eis legen.

Die USA sind an den Finanzmärkten im Fokus, wenn es darum geht, das Überangebot am Ölmarkt abzuschätzen. Mittwochs schauen die Anleger wie gebannt auf die vom Energieministerium veröffentlichten Daten zum Rohöllagerbestand in den USA. Kaum ein Indikator sorgt für stärkere Reaktionen am Ölmarkt als diese Zahl. Das Credo der Anleger: Je höher die Reserven, umso höher offenbar das weltweite Angebot. Bis Anfang Mai erklommen die Reserven immer neue historische Rekordstände. Doch damit ist es jetzt vorbei. Die Märkte wurden Mitte des Monats mit einem Rückgang der Reserven auf dem falschen Fuß erwischt.

Doch der Anstieg der Ölpreise ist nicht allein auf die USA zurückzuführen. Das schwarze Gold ist auf dem Weltmarkt derzeit gefragt. Aufgrund einer robusten Nachfrage aus China, Indien und anderen Schwellenländern sei von einem schnelleren Abbau des weltweiten Überangebots an Rohöl auszugehen als bislang angenommen, meinen Experten der Internationalen Energieagentur (IEA), einer Organisation, in der sich 29 Staaten als Gegengewicht zu den Ölfördernationen zusammengeschlossen haben. Im Laufe dieses Jahres sei daher sogar mit einer «dramatischen» Schrumpfung des Überangebots zu rechnen.

Dennoch ist unter Experten umstritten, ob die Kehrtwende am Ölmarkt tatsächlich bereits erreicht ist, ob also neue deutliche Preisrückgänge auf absehbare Zeit auszuschließen sind. Einige argumentieren, der jüngste Preisanstieg sei vor allem auf kurzfristige Effekte zurückzuführen. Die rückläufigen US-Ölreserven seien nicht zuletzt auf die verheerenden Waldbrände im Nachbarland Kanada zurückzuführen, wo die Produktion teilweise gestoppt werden musste. Hinzu kommen Terroranschläge und Unruhen beispielsweise im Förderland Nigeria.

Dagegen sehen einige Experten auf lange Sicht vor allem die Förderpolitik der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) als Hindernis für eine deutliche Erholung am Ölmarkt. Denn die Opec-Staaten fahren ihre Produktion immer weiter hoch. Zuletzt erreichte die Förderung sogar das höchste Niveau seit 2008. Die Wüstenstaaten hängen besonders stark von den Einnahmen aus Ölexporten ab und kompensieren mangels Alternativen die niedrigeren Preise durch Masse. Das wiederum drückt weiter auf den Preis. Letzte ernsthafte Versuche, sich zusammen mit Russland auf eine Förderbegrenzung zu einigen, sind im April gescheitert.

Die Lage am Ölmarkt bleibt also durchwachsen. Der Ölsektor sei «noch nicht wirklich aus dem Schneider», sagt Heinrich Peters, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Aus den Fundamentaldaten - den langfristigen Informationen über reale Produktionsbeziehungen - seien derzeit keine Argumente für deutlich höhere Preise abzulesen.

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Do, 2016-05-26 10:00
Athen (dpa)

Athen verbietet Flüge aus Libyen nach Griechenland

Athen (dpa) - Der Nato-Staat Griechenland hat seinen Luftraum für Flüge aus Libyen bis zum 8. September gesperrt. Eine entsprechende Anordnung trat am Donnerstag in Kraft, berichteten griechische Medien übereinstimmend. Die zuständigen griechischen Behörden haben demnach bereits eine Anweisung an Piloten (Notice to Airmen - NOTAM A 1117/16) ausgegeben. Das griechische Außenministerium wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. In Athen wurde spekuliert, dass die NOTAM-Anweisung einer der ersten Schritte vor einem möglichen Einsatz der Nato oder einiger Nato-Staaten in oder über Libyen sein könnte. In dem nordafrikanischen Land ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zuletzt immer stärker geworden.

Do, 2016-05-26 08:57
Ise-Shima (dpa)

EU will Schutz vor billigen Stahlimporten aus China verbessern

Ise-Shima (dpa) - Die Europäische Union will sich stärker gegen billige Stahlprodukte aus China schützen, die unter Preis auf den Markt geworfen werden. Solches Dumping müsse auch berücksichtigt werden, wenn die EU über die von China geforderte Gewährung des Marktwirtschaftsstatus diskutiere, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Donnerstag auf dem Gipfel sieben großer Industrienationen (G7) im japanischen Ise-Shima. Eine solche Einstufung würde China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen.

«Die globalen Überkapazitäten im Stahlbereich sind eine große Sorge für die Europäer», sagte Juncker. Die Stahlflut habe in Europa schon tausende Arbeitsplätze gekostet. Die Überkapazitäten in China seien nach Schätzungen doppelt so groß wie die gesamte EU-Stahlproduktion. «Wir haben klar gemacht, dass wir unsere Schutzmechanismen im Handel ausweiten werden», sagte Juncker. Die EU-Kommission wolle als nächstes einen Bericht über die Auswirkungen einer Einstufung Chinas als Marktwirtschaft vorlegen.

Der Streit um das Dumping und die europäische Weigerung, China den Marktwirtschaftsstatus zu gewähren, droht zu einem Handelskonflikt zu eskalieren. China hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits konkret mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die deutsche Wirtschaft und ihre Autobauer gedroht. Der Vertrag über Chinas Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) 2001 sicherte China den Status der Marktwirtschaft eigentlich bis Ende 2016 zu, doch wollen die Europäer das Versprechen nicht erfüllen, ohne mit China einen Kompromiss über weitere Schutzmechanismen gefunden zu haben.

Do, 2016-05-26 08:44
Athen (dpa) 

Putin zu Streit mit EU: Keine Seite kann das Spiel monopolisieren

Athen (dpa) - Einen Tag vor seinem Besuch in Griechenland hat sich der russische Präsident Wladimir Putin optimistisch darüber geäußert, dass die Probleme in den Beziehungen Russlands zur EU gelöst werden können. Dazu aber müsste «die falsche Logik über Bord geworfen werden, dass eine Seite das Spiel monopolisieren kann», sagte Putin der konservativen Athener Zeitung «Kathimerini» (Donnerstag). Nach den Ereignissen in der Ukraine müsse man die nötigen Schlüsse daraus ziehen und den Aufbau einer Zone der Kooperation vom Atlantik bis zum Pazifik starten, meinte Putin weiter.

Russland habe weiter Interesse an Gaslieferungen durch eine Pipeline, die russisches Erdgas über Griechenland nach Italien fördern würde. Russische Unternehmen können sich an den geplanten Privatisierungen der griechischen Bahnen und des Hafens von Thessaloniki beteiligen, meinte Putin weiter. 

Am Freitagnachmittag wird Putin zu Gesprächen mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras in Athen erwartet. Am Samstag wird Putin zur Autonomen Mönchsrepublik Berg Athos reisen. Sie gilt als Hochburg des orthodoxen Christentums. Putin werde ein überwiegend von Russen bewohnte Kloster besuchen, hieß es aus Regierungskreisen in Athen.

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Do, 2016-05-26 08:51
Paris (dpa)

Französische Demonstranten errichten neue Blockaden

Paris (dpa) - Französische Gewerkschafter haben ihre Proteste gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform mit Straßenblockaden an Treibstoffdepots fortgesetzt. Behörden und Medien berichteten am Donnerstagmorgen von Aktionen in Brest, Rennes und in der Normandie. Nach tagelangen Streiks und Blockaden, die Versorgungsengpässe an vielen Tankstellen ausgelöst haben, wollen die Gegner des Gesetzes mit einem neuen nationalen Aktionstag den Druck auf die Regierung erhöhen.

In Paris und zahlreichen weiteren Städten sind Kundgebungen angekündigt, auch im Bahnverkehr und am Flughafen Paris-Orly sind wegen Streiks Störungen zu erwarten. Die Gewerkschaft CGT hat auch Streiks in Atomkraftwerken angekündigt.

Do, 2016-05-26 08:56
Bonn (dpa)

Die schwierige Umsetzung des Pariser Klimaabkommens Von Christoph Driessen, dpa

Seit Abschluss des Pariser Abkommens ist das Thema Klimaveränderung in der Öffentlichkeit weitgehend abgehakt. Dabei gibt der Vertrag nur das globale Ziel vor - die Umsetzung hängt ganz von den einzelnen Ländern ab.

Bonn (dpa) - Der vergangene April war weltweit der heißeste seit Beginn der Messungen im 19. Jahrhundert. So wie auch schon die elf Monate davor jeweils die wärmsten waren. Das im Dezember abgeschlossene Pariser Klimaabkommen ändert daran vorerst gar nichts. Eine elftägige UN-Konferenz in Bonn hat gerade gezeigt, wie kompliziert es ist, den Vertrag mit Leben zu füllen.

Zunächst einmal muss noch einiges geschehen, damit der Vertrag überhaupt in Kraft treten kann: Mindestens 55 Staaten, die wenigstens 55 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verursachen, müssen ihn unterzeichnen und ratifizieren. Ende dieses Jahres könnte es vielleicht soweit sein - sagen Optimisten.

Bisher haben den Vertrag gerade einmal 17 Länder ratifiziert - fast alles kleine Inselstaaten, denen das Wasser schon jetzt bis zum Hals steht. Die anderen haben es nicht ganz so eilig. «Wir planen, dass es dieses Jahr durchs Parlament geht», sagt Andreas Kübler, Sprecher des Bundesumweltministeriums. Ungefähr zum Jahreswechsel könne der Bundespräsident dann das entsprechende Gesetz unterschreiben.

Ein großes Thema ist der Klimaschutz derzeit nicht mehr. In der Öffentlichkeit herrscht das Gefühl vor, dass die Sache mit Paris irgendwie abgehakt ist - das aber wäre ein riesiger Irrtum. Im Pariser Klimaabkommen verpflichten sich zwar fast alle Staaten der Welt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, besser 1,5 Grad zu begrenzen. Doch was das für jedes einzelne Land bedeutet, sagt der Vertrag nicht. Das darf jede Regierung selbst festlegen. Und was sich die Länder bisher vorgenommen haben, reicht bei weitem nicht aus.

Auf der Grundlage der derzeitigen nationalen Klimaschutzziele läuft es nach übereinstimmender Forschermeinung auf eine Erwärmung von drei Grad hinaus - mit entsprechend desaströsen Folgen. «Das Problem ist dabei: So zwischen 2025 und 2030 ist das globale Emissionsbudget für eine Temperatur-Obergrenze von maximal 1,5 Grad aufgebraucht», gibt Jan Kowalzig, Klimaexperte der Hilfsorganisation Oxfam, zu bedenken. «Egal, was man dann unternimmt - die 1,5 Grad wären schon nicht mehr zu schaffen.» Die scheidende UN-Klimachefin Christiana Figueres mahnt deshalb: «Es gibt keine andere Option, als das Tempo zu beschleunigen.»

Was das nun zum Beispiel für Deutschland heißt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sieht die Bundesregierung weiterhin als «treibende Kraft» bei der Umsetzung des Abkommens. Doch WWF-Klimaexpertin Regine Günther kritisiert: «Während die Bundesregierung im Ausland ambitioniert auftritt, kommt der Klimaschutz zuhause nicht richtig voran.» Sie vermisst unter anderem ein «glaubwürdiges Kohleausstiegsszenario». 

Ein anderer schwieriger Punkt ist die Finanzhilfe für ärmere Länder. Entwicklungs- und Schwellenländer werden im Jahr 2030 für schätzungsweise drei Viertel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sein. Das heißt, die reichen Länder können sich noch so anstrengen, sie allein werden das Problem nicht lösen können.

Den ärmeren Ländern fehlt aber das Geld, ihre Wirtschaft zügig auf erneuerbare Energien umzustellen. Der Oxfam-Klimaexperte Kowalzig kritisiert: «Die Geberländer haben sich in Paris erfolgreich um alle Verpflichtungen herumgedrückt, die armen Länder beim Klimaschutz wie auch bei der Anpassung an mehr Dürren, mehr Überschwemmungen und mehr Unwetterkatastrophen zu unterstützen.»  

Die nächste Klimakonferenz kommt bestimmt - im November in Marrakesch. Nach einem sicher sehr heißen Sommer. 

Do, 2016-05-26 07:37
Singapur (dpa)

Ölpreise steigen weiter - Brent wieder über 50 US-Dollar

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben am Donnerstag ihren Höhenflug fortgesetzt. Die Nordseesorte Brent stieg auf ein Sechs-Monats-Hoch. Ein Barrel (159 Liter) zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 50,08 US-Dollar. Das waren 34 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 32 Cent auf 49,88 Dollar.

Am Dienstagnachmittag und Mittwoch hatten die Ölpreise bereits deutlich zugelegt. Händler begründeten die weiteren Zuwächse im asiatischen Handel nach wie vor mit den jüngsten Lagerdaten aus den USA. Diese hatten am Vortag einen Rückgang bei den Ölreserven gemeldet.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Do, 2016-05-26 06:30
Karlsruhe (dpa)

Showdown beim «ewigen Widerrufsrecht» - Banken kämpfen bis zuletzt

Noch können Bankkunden aus Formfehlern in alten Kreditverträgen finanzielle Vorteile ziehen. Aber am 21. Juni ist Schluss damit. Auf den letzten Metern schenkt man sich vor den Gerichten nichts.

Karlsruhe (dpa) - Der Fall ist typisch: Bankkunden streiten mit ihrem Kreditinstitut darüber, ob sie mehrere Darlehensverträge Jahre nach dem Abschluss immer noch widerrufen können. Voraussetzung dafür ist, dass die Belehrung im Vertrag über das Widerrufsrecht Fehler hat - und darüber gehen die Ansichten auseinander. Landgericht und Oberlandesgericht geben den Kunden Recht, in letzter Instanz soll der Bundesgerichtshof (BGH) den Streit klären. Aber dazu kommt es nicht.

Einen Tag vor der Verhandlung am 24. Mai wird mitgeteilt, der Rechtsstreit sei «übereinstimmend für erledigt erklärt worden» (Az. XI ZR 366/15). Damit ist der Termin abgesagt. Zu den Hintergründen ist bei der betroffenen Sparda-Bank Baden-Württemberg niemand zu erreichen. Aber BGH-Sprecherin Dietlind Weinland weiß aus Erfahrung: «Dahinter steckt oft ein Vergleich zwischen den Parteien.»

Nur wenige Wochen zuvor hatte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einem ganz ähnlichen Fall eine Verhandlung am obersten deutschen Zivilgericht in Karlsruhe durch Rücknahme der Revision kurzfristig platzen lassen (Az. XI ZR 478/15). Auf Anfrage spricht die Bank von einer Entscheidung «im konkreten Einzelfall».

Aber das Ganze hat System, meint der Berliner Banken- und Immobilienrechtsanwalt Johannes von Rüden, dessen Kanzlei viele Mandanten beim Thema Darlehenswiderruf vertritt. Für ihn steckt dahinter eine klare Strategie der Banken: erst Berufung und Revision einlegen, um den Streit möglichst in die Länge zu ziehen - und am Ende ein Grundsatzurteil durch einen Rückzieher in letzter Minute vermeiden. «Es geht darum, einen Zustand der Rechtsunsicherheit aufrechtzuerhalten», ist von Rüden überzeugt. Nicht dass noch mehr Kunden auf die Idee kommen, ihren Vertrag zu widerrufen.

Das hat auch mit einem Stichtag zu tun: In wenigen Wochen, am 21. Juni, greift eine von Verbraucherschützern scharf kritisierte Gesetzesänderung, die den Banken das Leben um einiges leichter macht.

Es geht um das «ewige Widerrufsrecht»: Bisher haben Fehler in Widerrufsbelehrungen von Kreditverträgen zur Folge, dass die üblicherweise 14-tägige Frist, in der es sich der Bankkunde noch einmal anders überlegen kann, gar nicht erst beginnt.

Und solche Fehler gibt es in rauen Mengen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat in den vergangenen Jahren die Belehrungen in rund 50 000 Verträgen unter die Lupe genommen. Mal war der genaue Beginn der Frist nicht klar, mal fehlten Informationen, mal stand da Überflüssiges, das verwirrte. Unterm Strich entsprachen aus dem besonders kritischen Zeitraum zwischen 2002 und 2010 acht bis neun von zehn Belehrungen nicht dem gesetzlichen Muster.

Für die Kunden ist das vor allem von Vorteil, seit die Zinsen im Keller sind: Im Idealfall kommen sie durch Widerruf noch nach Jahren aus ihrem Kreditvertrag heraus und können zu deutlich günstigeren Konditionen eine Anschlussfinanzierung abschließen.

Den Banken ist das naturgemäß ein Dorn im Auge. In Berlin haben sie sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass für viele Verträge bald Schluss ist mit dem «ewigen Widerrufsrecht». Inzwischen ist beschlossene Sache, dass alle Immobiliendarlehen, die zwischen Herbst 2002 und dem 10. Juni 2010 abgeschlossen wurden, nach dem 21. Juni nicht mehr widerrufen werden können - Fehler hin oder her.

Den Streit vor den Gerichten hat das nur angefacht. «Es wird immer mehr geklagt», beobachtet Alexander Krolzik, der bei der Verbraucherzentrale Hamburg den Bereich Immobilienfinanzierung leitet. «Und die Reaktion der Banken ist zunehmend: mehr mauern.» Sein Mitleid mit den Instituten, die für den vorzeitigen Ausstieg aus einem Kredit auf regulärem Wege nicht selten höhere fünfstellige Summen Entschädigung kassieren, hält sich in Grenzen. «Da ist es nur legitim, wenn auch der Verbraucher nun seine Vorteile sucht.»

Zum Teil wird allerdings mit harten Bandagen gekämpft. Krolzik und von Rüden berichten übereinstimmend, dass die LBBW inzwischen ihrerseits mit Klagen gegen Kunden vorgeht, die ihren Kredit widerrufen und eigentlich auf eine gütliche Einigung hoffen.

Rund 15 solcher Fälle sind von Rüden bekannt. Er spricht von einer «Abschreckungsmaßnahme». Ein LBBW-Sprecher teilt dazu mit, die Kunden hätten das Vertragsverhältnis selbst infrage gestellt. Die Landesbank habe daher «ein berechtigtes Interesse, den Fortbestand des Darlehens gerichtlich feststellen zu lassen». Generell sei man «an einer raschen Klärung der rechtlichen Situation interessiert».

Am BGH steht bereits am kommenden Dienstag die nächste Verhandlung zum Widerruf an (Az. XI ZR 511/15). Und Verbraucherschützer Krolzik ist sich sicher, dass auch mit dem 21. Juni keine Ruhe einkehrt.

Denn für Verträge, die zwischen Juni 2010 und März 2016 geschlossen wurden, hat das «ewige Widerrufsrecht» auch nach der neuen Gesetzeslage Bestand. Höchstrichterliche Entscheidungen zu verbreiteten Fehlern stehen hier noch aus. So haben mehrere Gerichte jüngst etwa selbst Widerrufsinformationen gekippt, die dem gesetzlichen Muster entsprechen, wie Krolzik berichtet. «Wenn sich diese Rechtsprechung durchsetzt, dann würde das wohl eine Vielzahl der Verträge aus dieser Zeit nachträglich fehlerhaft machen.»
 

Do, 2016-05-26 06:00
Detmold (dpa)

Die letzten Zeugen von Auschwitz

In einem der letzten Auschwitz-Prozesse haben sie das Leiden in Worte gefasst: Als Nebenkläger schilderten Überlebende vor dem Landgericht Detmold die Gräuel im NS-Vernichtungslager. Elf Menschen und ihre bewegenden Dokumente der Geschichte.

Detmold (dpa) - Für die hochbetagten Überlebenden des Holocausts ist der Auschwitz-Prozess in Detmold eine der letzten Möglichkeiten, vor einem deutschen Gericht Gehör zu finden. In der seit Februar laufenden Verhandlung gegen den heute 94-jährigen ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning haben sie Zeugnis abgelegt über die Gräuel der Tötungsmaschine im NS-Vernichtungslager. Vor den erwarteten Plädoyers ihrer Anwälte gibt dpa einen Überblick über die letzten Zeugen des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte und ihre bewegenden Aussagen - chronologisch nach ihrem Auftritt vor Gericht.

LEON SCHWARZBAUM: Als 22-Jähriger wurde er in seinem oberschlesischen Dorf verhaftet und wie schon seine Familie nach Auschwitz deportiert. Bis heute verfolgen ihn Bilder brennender Schlote der Krematorien und von Menschen, die wie Vieh in die Gaskammern transportiert werden. Mit sehr direkten Worten richtet er sich zum Prozessauftakt an den Angeklagten: «Wir sind fast gleichalt, und wir stehen bald vor dem höchsten Richter. Ich möchte Sie auffordern, uns die historische Wahrheit zu erzählen.» Heute lebt Schwarzbaum in Berlin.

JUSTIN SONDER: Als 17-Jähriger, der sich vor der SS als Monteur ausgibt, überlebte er das KZ - und insgesamt 17 Selektionen. Im Zeugenstand berichtet der heute 90-Jährige von der quälenden Todesangst, der er sich wieder und wieder ausgesetzt sah, wenn jene Häftlinge aussortiert und in die Gaskammern geschickt wurden, die schwach und krank waren. Auch die Willkür der SS-Wachleute schildert er: «Ich habe erlebt, wie Häftlinge erschossen wurden, weil sie aus der Reihe gelaufen sind.» Heute lebt Sonder in Chemnitz, er hat viele Jahre als Kriminalpolizist gearbeitet.

ERNA DE VRIES: «Auschwitz war immer Brüllen und Schlagen», sagt die geborene Kaiserslauterin vor Gericht. Sie hatte darauf bestanden, ihre Mutter nach Auschwitz zu begleiten, ohne zu wissen, was sie dort erwartet. Mit 19 Jahren entging sie knapp der Vergasung. Sie sei kurzfristig von einem SS-Mann im Todesblock 25 für einen Transport ins Lager Ravensbrück ausgewählt worden. «Wenn er zehn Minuten später gekommen wäre, wäre ich ins Gas gekommen.» Die Mutter wurde ermordet. An ihre Worte beim Abschied erinnert sich die heute 92-Jährige: «Du wirst überleben, und du wirst erzählen, was man mit uns gemacht hat.» Dem folgt die heute in Lathen im Emsland lebende Frau auch mit Vorträgen in Schulen.

TIBOR «MAX» EISEN: Er war 15, als er und seine Familie nach Auschwitz deportiert wurden. Dort angekommen, wurde er unmittelbar mit der Grausamkeit der Wachleute konfrontiert: Als im Duschraum eine kurzsichtiger Häftling sich bückte, um seine heruntergefallene Brille zu suchen, trat ein Wachmann auf ihn ein, wieder und wieder: «Ich konnte seine Rippen krachen hören. Der Wachmann, völlig in Rage, trat und stampfte weiter auf den Mann ein, bis er tot war.» Eisen selbst arbeitete zehn Stunden auf den Feldern, bei täglichen 200 Kalorien Nahrung. Als ihn der Gewehrkolben eines Wachmannes am Kopf traf, verschaffte ihm ein Mithäftling Schutz vor der Selektion: Mit einem weißen Kittel wurde er zum OP-Helfer und musste herausgebrochene Goldzähne und Füllungen säubern. Über die SS-Leute sagt er heute: «Jeder von ihnen war ein Rädchen in einer gut geölten Maschine der Zerstörung. Jeder spielte seine Rolle in der Entmenschlichung der Zwangsarbeiter, jeder trug damit zum Völkermord an den Juden bei.» Eisen wanderte nach dem Krieg nach Toronto (Kanada) aus.

IRENE WEISS: Sie wurde mit 13 Jahren mit ihrer Familie nach Auschwitz verschleppt. Im Lager erlebte sie, wie Wachleute grundlos Frauen auspeitschten oder ihre Hunde zur Belustigung auf die Gefangenen hetzten. «Es war offensichtlich, dass wir den SS-Wachmännern noch weniger wert waren als Sklaven.» Fast alle Familienmitglieder starben in den Gaskammern. Heute lebt Weiss im Bundesstaat Virginia in den USA.

WILLIAM «BILL» GLIED: Der 85-jährige Jude stammt aus dem heutigen Serbien. Als kleiner Junge wurde er mit seiner Familie in überfüllten Waggons von Ungarn aus nach Auschwitz gebracht. Die Erinnerung an die Ankunft an der Rampe verfolge ihn bis heute, sagt er. Das brutale Chaos, Familien, die für immer getrennt wurden, SS-Leute, die auf die Ankommenden einschlugen. «Dieser Ort ist der stumme Zeuge des unglaublichen Ereignisses, dass eine kleine Gruppe Männer, unterstützt von ein paar Tausend SS-Männern, die den Ort bewachten, unschuldige Menschen zu einem schrecklichen Tode verurteilten», übersetzten die Dolmetscher Glieds englischsprachige Aussage. Heute lebt er in Toronto.

MORDECHAI ELDAR: Er war 13 Jahre alt, als er an der Rampe in Auschwitz von seinen Eltern und jüngeren Brüdern getrennt wird. Eindrücklich schilderte er die Gewalttätigkeit der zu Aufsehern gemachten Blockältesten unter den Gefangenen. «Wer nicht schnell genug auf die Pritschen sprang, wurde geschlagen. Wer sprach, wurde geschlagen. Wer nachts auf die Latrine ging, wurde geschlagen.» Auch von sexuellem Missbrauch an Kindern und Schaukämpfen, zu denen Gefangene gezwungen wurden, berichtet Eldar, der heute Israeli ist.

BEN LESSER: «Ich war etwa zehn Jahre alt, als meine ganze Welt zusammenbrach, als die Nazis einmarschierten.» Lessers Geschichte fing in Polen an. 1943 flüchtete er als 14-Jähriger im doppelten Boden eines Lkw nach Ungarn. Ein Jahr später wurde er nach Auschwitz deportiert und erlebte Grauenvolles. Nachts habe er Feuerschein beobachtet und Kinderschreie gehört. Man habe ihm erklärt, dass Leichen aus den Gaskammern in Feuergruben verbrannt und darauf Kinder geworfen würden. Lesser, der heute in Las Vegas lebt, appellierte an alle Zuhörer im Gericht: «Sie gehören zu den letzten Menschen, die Aussagen noch von Überlebenden direkt hören können.» Die Hörer sollten es nutzen, damit es keinen weiteren Holocaust gebe.

ANGELA OROSZ RICHT-BEIN: Die 72-Jährige war unter widrigsten Umständen 1945 in Auschwitz zur Welt gekommen. Sie ist eines von nur zwei dort geborenen Kindern, die das Vernichtungslager überlebten. Trotz der Sterilisierungsexperimente, die Lagerarzt Josef Mengele an ihrer Mutter vorgenommen habe, sei sie zur Welt gekommen. Diese Experimente seien aber der Grund dafür, dass sie keine Geschwister mehr bekommen habe. Die SS bekam von der Geburt nichts mit, weil sie nur ein Kilo gewogen habe und nicht habe schreien können. Fünf Wochen später sei Auschwitz befreit worden. «Nach einem Jahr habe ich drei Kilo gewogen, soviel wie andere Kinder bei der Geburt.» Erst nach Jahren habe sie gehen können.

HEDY BOHM: Die heute 87-Jährige war als Jugendliche mit ihren Eltern nach Auschwitz deportiert worden. Die Eltern habe sie seit der Ankunft in Auschwitz nicht mehr wiedergesehen, berichtet sie im Gericht. Sie selbst sei nach Monaten mit anderen Gefangenen zur Zwangsarbeit in eine Munitionsfabrik nach Fallersleben gebracht worden. Zuvor war die Gruppe offenbar schon zur Ermordung in der Gaskammer vorgesehen, der Befehl wurde aber vermutlich kurzfristig abgeändert, sagte ein Anwalt der Nebenklage. Bohm, die heute in Toronto lebt, fordert im Gericht wie schon andere Zeugen den Angeklagten Hanning auf, ihr in die Augen zu sehen. Der 94-Jährige blickt aber auch dieses Mal nicht auf.

IMRE LEBOVITS: Der damals 15-Jährige gibt der ungarischen Führung des Jahres 1944 eine große Mitschuld an der Vernichtung von zwei Dritteln der ungarischen Juden. Während des Zweiten Weltkriegs verlor er den Großteil seiner Familie, unter anderem seine Mutter in Auschwitz. Wie damals viele Menschen in seiner Heimat über Juden dachten, hätten die Worte eines Ortsvorstehers gezeigt, berichtet der Mann aus Budapest. «Auf Wiedersehen als Kompost», habe der vor dem Abtransport Hunderter Juden gesagt.
 

Do, 2016-05-26 05:30
Washington (dpa)

Elizabeth Warren will für Trump Violine spielen

Washington (dpa) - Elizabeth Warren, linke Senatorin aus Massachusetts, entwickelt sich bei den Demokraten immer mehr zur lautesten Kritikerin Trumps. In einer flammenden Rede in Washington nannte sie ihn einen «kleinen, unsicheren Geldraffer», der sich über die Finanzkrise gefreut habe. «Donald Trump hat gesabbert beim Gedanken, dass die Immobilien-Blase platzt, weil es für ihn bedeutet, dass er billiger an Grundstücke kommt.» Für Trumps jüngste Äußerungen, er wolle Regulierungen aus dem Finanzmarktrecht ändern, hatte sie nur Spott übrig. «Ich suche mir jetzt die kleinste Violine der Welt, um ein trauriges Lied zu spielen.»

Trump holzt gegen prominenteste Latina der Republikaner

Albuquerque (dpa) - Donald Trump macht weiterhin keine echten Anstalten, die Republikaner zu einen oder sich insgesamt zurückzuhalten. Mit Sorge nimmt die Parteiführung seine Ausfälle gegen Susana Martinez zur Kenntnis, als erste Gouverneurin von New Mexico und Chefin der Gouverneursvereinigung prominenteste Latina der Partei. Sie solle endlich anfangen, ihren Job zu machen, sagte Trump in Albuquerque, und teilte ordentlich aus. Martinez reagierte sehr kühl. Solche Angriffe Trumps auf Hispanics, eine entscheidende Wählergruppe, gelten auch in der eigenen Partei als ebenso problematisch wie seine Attacken auf Frauen.

Stürzen die Demokraten ihre Parteichefin?

Washington (dpa) - Auf den Fluren des Kapitols wird viel geredet. Unter demokratischen Senatoren soll es dieser Tage Mauscheleien darüber geben, die Parteichefin Debbie Wasserman Schultz vor dem Parteitag im Juli zu stürzen. So mancher habe die Befürchtung, Wasserman Schultz sei die falsche Führungsfigur, um die Partei zu einen und damit Hillary Clinton zum Sieg zu verhelfen, berichtet das Online-Portal «The Hill». Die 49-Jährige hat ein schwieriges Verhältnis zu dem demokratischen Bewerber Bernie Sanders.

Republikaner diskutieren neuen Wahlkalender

Washington (dpa) - Nach einem chaotischen und einzigartigen Vorwahlkampf beginnen die Republikaner zu diskutieren, ob der Wahlkalender geändert werden sollte. So schwere innerparteiliche Verwerfungen wie 2016 dürfe es nicht noch einmal geben, berichtet die «New York Times» aus der Partei. Traditionell machen die kleinen Bundesstaaten New Hampshire und Iowa den Auftakt der Vorwahlen. Ziel solle sein, künftig deutlich mehr Wähler zur Abstimmung zu bekommen und so rascher ein deutlicheres Bild zu bekommen.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Do, 2016-05-26 04:24
Ise-Shima (dpa)

Die «Gs» dieser Welt

Ise-Shima (dpa) - Seit mehr als 40 Jahren gibt es G-Spitzentreffen. Hier eine Übersicht:

- G6: Die Mutter aller Gs. Erfunden wurde die Gruppe der sechs größten Wirtschaftsmächte von Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing 1975 im Zuge der Weltwirtschaftskrise. Mitglieder: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, Japan, Italien.

- G7: Schon 1976 kam Kanada beim «Weltwirtschaftsgipfel» als Nummer sieben hinzu - auf Wunsch der USA.

- G8: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Russland Schritt für Schritt in die Staatengruppe integriert - bis zur Vollmitgliedschaft 2002.

- G8 plus 5: 2005 lud die G8 erstmals die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika zum Gipfeltreffen nach Schottland ein, um bei Themen wie Klimaschutz besser voran zu kommen. Das Format gab es aber nur drei Jahre.

- G20: Abgelöst wurde die G8 plus 5 dann 2008 durch ein erstes Gipfeltreffen der G20, die es bis zu diesem Zeitpunkt nur auf Ebene der Finanzminister gab. In dieser Gruppe sind zusätzlich Länder wie Saudi-Arabien, Australien und Indonesien.

- G7 neu: 2014 wurde aus der G8 wieder die G7. Russland muss wegen der Annexion der Krim draußen bleiben.

- G193: Ob G7, G8 oder G20 - viele Kritiker halten diese Staatengruppen für elitär und verzichtbar. In ihren Augen sollte nur eine Organisation über globale Fragen entscheiden: die Vereinten Nationen, zu denen 193 Staaten gehören. G7-Kritiker bezeichnen die UN deswegen auch als G193.

Do, 2016-05-26 04:32
Kiew (dpa)

Ukrainische Pilotin Sawtschenko frei - Hoffnung auf Entspannung

Im Zuge eines Gefangenenaustausches kommt die ukrainische Pilotin Sawtschenko aus russischer Haft frei. Die Übereinkunft zwischen den Nachbarländern nährt Hoffnungen auf eine Entspannung auch im Kriegsgebiet Ostukraine. Aber aus Kiew kommen kämpferische Töne.

Kiew (dpa) - Die Freilassung der ukrainischen Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko durch Russland hat Hoffnungen auf eine Entspannung im Kriegsgebiet der Ostukraine ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Heimkehr der Pilotin, die im Rahmen eines Gefangenenaustausches möglich wurde. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte nach Angaben des Bundespresseamtes vom Mittwochabend weiter, es sei zu wünschen, dass der Austausch Sawtschenkos eine neue Dynamik in die Gespräche über humanitäre Fragen und den weiteren Austausch von Gefangenen im Rahmen der Minsker Vereinbarungen bringe.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hatte nach der Begnadigung Sawtschenkos von möglichen positiven Auswirkungen auf den Konflikt gesprochen. Bei einem Treffen mit Hinterbliebenen der Getöteten betonte er russischen Nachrichtenagenturen zufolge: «Ich hoffe, dass ähnliche Schritte, die vor allem von den Motiven des Humanismus diktiert sind, zur Senkung der Gewalt in der Konfliktzone beitragen und helfen werden, schreckliche und unnötige Verluste zu vermeiden.»

Russland hatte die zu 22 Jahren Haft verurteilte Sawtschenko begnadigt und an ihr Heimatland überstellt. Die 35-Jährige, die als Symbol für den Widerstand gegen prorussische Separatisten gilt, wurde am Flughafen Borispol bei Kiew von Präsident Petro Poroschenko sowie Angehörigen und zahlreichen Parlamentariern begrüßt.

Sawtschenko und Poroschenko schlugen jedoch unversöhnliche Töne an. «Ich bringe nicht die Toten zurück, aber ich bin weiter dazu bereit, der Ukraine mein Leben auf dem Schlachtfeld zu opfern», sagte die für flammende Reden bekannte Kampfpilotin nach ihrer Ankunft in der Heimat. Und auch Poroschenko gab sich kämpferisch: «So wie wir Nadeschda zurückgeholt haben, werden wir auch den Donbass und die Krim zurückholen.»

Die Außenbeauftragte der EU, Fedrica Mogherini, rief die Konfliktparteien auf, den Gefangenenaustausch als Ansporn für weitere Schritte zur Entspannung zu nehmen. Die Friedensvereinbarungen von Minsk müssten nun umgehend umgesetzt werden und alle Gefangenen beider Seiten freigelassen werden. In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatten Putin und Poroschenko unter Vermittlung Merkels und des französischen Präsidenten François Hollande im Februar 2015 Vereinbarungen für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts getroffen. Dabei geht es vor allem um eine Waffenruhe, den Abzug schwerer Waffen und eine Autonomie für die Rebellengebiete.

Hollande sprach von einem ermutigenden Zeichen: «Dies ist ein wichtiger Schritt für die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen.» Auch Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte die Hoffnung, dass die Freilassung ein Signal für eine Annäherung beider Länder sein könnte. Er hoffe auf «einen Beitrag zur Vertrauensbildung zwischen der Ukraine und Russland». EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) begrüßte die Überstellung als «gutes Signal».

Sawtschenko war in Russland in einem umstrittenen Prozess zu 22 Jahren Haft verurteilt worden. Die russische Justiz macht sie für die Ermordung von zwei russischen Reportern in der Ostukraine verantwortlich. Im Gegenzug für ihre Freilassung entließ Kiew zwei mutmaßliche russische Soldaten, die wegen Teilnahme an Kämpfen im Kriegsgebiet Donbass zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren. Russland bestreitet Vorwürfe, dass reguläre russische Truppen in der Ostukraine kämpfen.

Do, 2016-05-26 04:38
Ise-Shima (dpa)

G7-Gipfel beginnt - EU fordert mehr Solidarität in Flüchtlingskrise

Zum Auftakt ihres Gipfels besuchen die Staats- und Regierungschefs die japanische Sonnengöttin - dann packen sie die großen Probleme der Welt an. Finden die G7-Chefs die richtigen Lösungen für die Krisen?

Ise-Shima (dpa) - Die internationale Gemeinschaft soll sich nach dem Willen der Europäischen Union stärker an der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Europa beteiligen. Zu Beginn des Gipfels sieben großer Industrienationen (G7) am Donnerstag im japanischen Ise-Shima forderte EU-Ratspräsident Donald Tusk höhere Finanzzusagen für die Versorgung von Flüchtlingen. Der G7-Gruppe komme eine wichtige Rolle zu. «Wenn wir nicht die Führung bei der Bewältigung der Krise übernehmen, wird es sonst niemand tun», sagte Tusk, der zusammen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an den Beratungen teilnimmt.

Zum Auftakt besuchten die Staats- und Regierungschefs mit Gastgeber Shinzo Abe den berühmten Ise-Schrein. In dem wichtigsten Heiligtum der japanischen Ur-Religion Shinto wird die Sonnengöttin Amaterasu verehrt. Zwei Tage lang will die G7-Gruppe über die Krisen der Welt, die Bemühungen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft, den Kampf gegen Terror und Cyber-Attacken, den Klimawandel und Entwicklungsfragen beraten. Zu der G7 gehören Deutschland, die USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und zusätzlich die Europäische Union.

Zur Lösung der Flüchtlingsprobleme forderte EU-Ratspräsident Tusk mehr Geld auch für Länder wie die Türkei, Jordanien und Libanon, die den Großteil der Schutzsuchenden versorgen müssen. Sie leisteten damit einen globalen Dienst, der dann auch von der internationalen Gemeinschaft finanziert werden müsse, sagte Tusk. «Wir erwarten von der Weltgemeinschaft, dass sie Solidarität zeigt und anerkennt, dass es sich um eine globale Krise handelt.» Die G7 sollte sich auch darum bemühen, die Möglichkeiten legaler Zuwanderung zu verbessern.

Kanzlerin Angela Merkel war am Morgen in dem Ferienort rund 300 Kilometer südwestlich von Tokio eingetroffen, nachdem US-Präsident Barack Obama bereits am Vorabend mit Japans Premier konferiert hatte. Als erster amtierender US-Präsident wird Obama am Freitag die japanische Stadt Hiroshima besuchen - den Ort des ersten Abwurfs einer Atombombe durch die USA im August 1945. Die Visite hat hohen symbolischen Charakter, doch plant Obama keine Entschuldigung. 70 000 Bewohner starben sofort, rund 70 000 bis 80 000 später.

Der Gipfel wird begleitet von den größten Sicherheitsvorkehrungen in der jüngeren japanischen Geschichte. Allein 23 000 Polizisten sind am Gipfelort im Einsatz. Zu den erweiterten Beratungen sind auch die Staats- und Regierungschefs aus Bangladesch, Indonesien, Laos, Papua Neuguinea, Sri Lanka sowie der Tschad eingeladen, der derzeitig den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Weltbankpräsident Jim Young Kim und die Präsidentin des Weltwährungsfonds Christine Lagarde nehmen teil.

Zu Beginn appellierten Entwicklungsorganisationen an die reichen Industriestaaten, mehr für den Kampf gegen Hunger und Armut und zur Entwicklung der Gesundheitssysteme in der Welt zu tun. Die G7-Gruppe will auch über die Umsetzung der Vereinbarungen des Weltklimagipfels in Paris beraten, die von 170 Staaten unterzeichnet wurden.

Die globale Erwärmung scheine sich zu beschleunigen, warnte die Umweltorganisation Greenpeace. Die gemessenen globalen Temperaturen seien im vergangenen Jahr so hoch wie nie zuvor gewesen. «Es sollte den G7-Führern eine Warnung sein», sagte Klimaexperte Jens Mattias Clausen. Sie müssten über ihre bisherigen Versprechen hinausgehen und bis 2018 Pläne vorlegen, wie bis Mitte des Jahrhunderts nur noch erneuerbare Energien genutzt werden könnten.

Do, 2016-05-26 04:30
Ottobrunn (dpa)

Algen für den Flugzeugtank und Brezn-Salz für die Algen

Mit besserem Gewissen fliegen? Forscher der Technischen Uni München arbeiten an einem Flugzeugtreibstoff der Zukunft: aus Algen.

Ottobrunn (dpa) - Wenn Thomas Brück das Licht voll aufdreht, kriegen seine Algen einen Schock. Das will der Professor für Industrielle Biokatalyse an der Technischen Universität München tunlichst vermeiden und reguliert daher eine Hightech-LED-Anlage immer haargenau. Darunter gedeihen die Algen. Grün plätschert das Wasser durch stufenartig aufgebaute Kunststoffbecken und wird am Ende wieder hochgepumpt. Der Kreislauf beginnt von vorn.

Drei bis vier Wochen gedeihen die Algen. Dann soll aus ihnen der Grundstoff für Biokerosin entstehen. «Algen wachsen 10 mal schneller als Landpflanzen, produzieren 30 mal mehr Fette als etwa Raps, brauchen kein Süßwasser und verwerten auch noch Kohlendioxid», zählt Brück die Vorteile auf. Doch bislang taugen Algen als Treibstoff für Flugzeuge noch nicht, da sie nicht in wirtschaftlich ausreichenden Mengen zu rentablen Konditionen produziert werden können.

Mehrere Forschungsprojekte gibt es auf der ganzen Welt, unter anderem im nordrhein-westfälischen Jülich. Brück und sein Team wollen herausfinden, welche Algen wo am besten wachsen - und simulieren dafür Klimazonen von der Halbwüste bis zu den Subtropen in zwei Gewächshäusern in Ottobrunn bei München.

Das Algentechnikum ist eine Art Supergewächshaus. In den Glasscheiben ist eine Folie, so dass UV-Strahlen durchkommen. Mit der LED-Anlage ergänzen die Wissenschaftler das natürliche Sonnenlicht um die fehlende Intensität, damit die Strahlung einem typischen Tagesverlauf etwa im südspanischen Almería entspricht. Die Luftfeuchtigkeit wird entsprechend angepasst. Dann gluckert das blassgrüne Wasser durch die Apparatur, bis sich die Algen zu einer sattgrünen Masse vermehrt haben. Die Kosten von mehr als zehn Millionen Euro haben sich die Airbus Group und das bayerische Wissenschaftsministerium geteilt.

Vom Jahr 2020 soll der weltweite Luftverkehr nach Angaben der Biokraftstoff-Initiative der Deutschen Luftfahrt (Aireg) CO2-neutral wachsen. Dazu beitragen soll der Einsatz regenerativer Treibstoffe. Diese sollen 2025 in Deutschland zu zehn Prozent beigemischt werden.

Manfred Aigner, Vorstandsmitglied und Leiter des Instituts für Verbrennungstechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, sagt: «Die technischen Voraussetzungen zum Einsatz von Biosprit sind da.» Einige Airlines haben ihn schon getestet. «Der Linienverkehr scheitert an den Kosten.» Mit dem Fall des Erdölpreises sei herkömmliches Kerosin im Vergleich zum Biokerosin noch billiger geworden. Den Anteil zu steigern werde nur unter Zwang oder mit Unterstützung klappen. Bei Algen komme hinzu, dass es technische Probleme etwa bei der Ernte zu lösen gelte. Noch sei der Energieaufwand hoch, die Ausbeute gering.

Die Initiative Aireg bezeichnet den Beitrag der ältesten und einfachsten Organismen zum Biokerosin als «vielversprechend». Neben den hohen Kosten seien Investitionen in Algenproduktionsanlagen im großindustriellen Maßstab erforderlich. Zum Zehn-Prozent-Ziel würden Algen «wahrscheinlich einen noch kleinen Beitrag» leisten. Auch Brück geht davon aus, dass Algen kein Allheilmittel sind. Der Kerosinbedarf in der Welt betrage pro Jahr 1,7 Milliarden Liter, erklärt er. «Wir wären froh, wenn drei bis fünf Prozent mit Algen zu decken sind.»

Den Algen in den Testläufen werden nach rund zwei Wochen Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff entzogen. Weil sie dann keinen Zucker mehr produzieren können, bilden sie Lipide, erklärt Mitarbeiter Daniel Garbe. Der Fettgehalt liege derzeit bei 60 bis 70 Prozent, die fast vollständig mittels eines Katalysators in Kerosin verwandelt werden. Wenn die Forscher die besten Bedingungen für die ergiebigsten Algen gefunden haben, soll die industrielle Produktion starten - nach Brücks Schätzung wird es in sieben bis zehn Jahren so weit sein. 

Bis dahin rödeln zwei riesige Klimaanlagen im Obergeschoss des 1500 Quadratmeter großen Gebäudes. Vor der Stromrechnung graue es ihm, sagt Brück. Aber Mitarbeiter Garbe macht deutlich, dass es günstiger sei, alle möglichen Klimata im Algentechnikum zu testen, statt überall auf der Welt Testanlagen zu installieren: «Entweder Sie gehen nach Papua-Neuguinea oder Sie bringen Papua-Neuguinea nach Bayern.»

Apropos Bayern: Das Team arbeitet mit Algen aus hypersalinen Seen, also solchen mit einem Salzgehalt von sechs bis neun Prozent. Zum Vergleich: Das Meer hat im Schnitt einen Salzgehalt von drei Prozent. Um eine gute Konzentration für die Algen zu mischen, seien viele Salze getestet worden, sagt Brück. «Das beste war das Brezn-Salz.»
 

Do, 2016-05-26 04:50
Ise-Shima (dpa)

G7-Gipfel beginnt - EU fordert mehr Solidarität in Flüchtlingskrise

Zum Auftakt ihres Gipfels besuchen die Staats- und Regierungschefs die japanische Sonnengöttin - dann packen sie die großen Probleme der Welt an. Finden die G7-Chefs die richtigen Lösungen für die Krisen?

Ise-Shima (dpa) - Die internationale Gemeinschaft soll sich nach dem Willen der Europäischen Union stärker an der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Europa beteiligen. Zu Beginn des Gipfels sieben großer Industrienationen (G7) am Donnerstag im japanischen Ise-Shima forderte EU-Ratspräsident Donald Tusk höhere Finanzzusagen für die Versorgung von Flüchtlingen. Der G7-Gruppe komme eine wichtige Rolle zu. «Wenn wir nicht die Führung bei der Bewältigung der Krise übernehmen, wird es sonst niemand tun», sagte Tusk, der zusammen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an den Beratungen teilnimmt.

Zum Auftakt besuchten die Staats- und Regierungschefs mit Gastgeber Shinzo Abe den berühmten Ise-Schrein. In dem wichtigsten Heiligtum der japanischen Ur-Religion Shinto wird die Sonnengöttin Amaterasu verehrt. Zwei Tage lang will die G7-Gruppe über die Krisen der Welt, die Bemühungen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft, den Kampf gegen Terror und Cyber-Attacken, den Klimawandel und Entwicklungsfragen beraten. Zu der G7 gehören Deutschland, die USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und zusätzlich die Europäische Union.

Zur Lösung der Flüchtlingsprobleme forderte EU-Ratspräsident Tusk mehr Geld auch für Länder wie die Türkei, Jordanien und Libanon, die den Großteil der Schutzsuchenden versorgen müssen. Sie leisteten damit einen globalen Dienst, der dann auch von der internationalen Gemeinschaft finanziert werden müsse, sagte Tusk. «Wir erwarten von der Weltgemeinschaft, dass sie Solidarität zeigt und anerkennt, dass es sich um eine globale Krise handelt.» Die G7 sollte sich auch darum bemühen, die Möglichkeiten legaler Zuwanderung zu verbessern.

Kanzlerin Angela Merkel war am Morgen in dem Ferienort rund 300 Kilometer südwestlich von Tokio eingetroffen, nachdem US-Präsident Barack Obama bereits am Vorabend mit Japans Premier konferiert hatte. Als erster amtierender US-Präsident wird Obama am Freitag die japanische Stadt Hiroshima besuchen - den Ort des ersten Abwurfs einer Atombombe durch die USA im August 1945. Die Visite hat hohen symbolischen Charakter, doch plant Obama keine Entschuldigung. 70 000 Bewohner starben sofort, rund 70 000 bis 80 000 später.

Der Gipfel wird begleitet von den größten Sicherheitsvorkehrungen in der jüngeren japanischen Geschichte. Allein 23 000 Polizisten sind am Gipfelort im Einsatz. Zu den erweiterten Beratungen sind auch die Staats- und Regierungschefs aus Bangladesch, Indonesien, Laos, Papua Neuguinea, Sri Lanka sowie der Tschad eingeladen, der derzeitig den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Weltbankpräsident Jim Young Kim und die Präsidentin des Weltwährungsfonds Christine Lagarde nehmen teil.

Zu Beginn appellierten Entwicklungsorganisationen an die reichen Industriestaaten, mehr für den Kampf gegen Hunger und Armut und zur Entwicklung der Gesundheitssysteme in der Welt zu tun. Die G7-Gruppe will auch über die Umsetzung der Vereinbarungen des Weltklimagipfels in Paris beraten, die von 170 Staaten unterzeichnet wurden.

Die globale Erwärmung scheine sich zu beschleunigen, warnte die Umweltorganisation Greenpeace. Die gemessenen globalen Temperaturen seien im vergangenen Jahr so hoch wie nie zuvor gewesen. «Es sollte den G7-Führern eine Warnung sein», sagte Klimaexperte Jens Mattias Clausen. Sie müssten über ihre bisherigen Versprechen hinausgehen und bis 2018 Pläne vorlegen, wie bis Mitte des Jahrhunderts nur noch erneuerbare Energien genutzt werden könnten.

Do, 2016-05-26 03:30
Berlin (dpa)

Russland und der Westen kooperieren bei humanitärer Hilfe in Syrien

Berlin (dpa) - Russland und westliche Staaten arbeiten bei der humanitären Hilfe für die syrische Bevölkerung intensiver zusammen, als bisher bekannt. «Die Aufnahme der technisch anspruchsvollen Flüge, bei denen Hilfsgüter aus 6000 Metern Höhe mit Spezialfallschirmen abgeworfen werden, ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Russland und den westlichen Staaten», zitiert die «Rheinische Post» (Donnerstag) aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken. Auf diese Weise würden rund 100 000 Menschen in den von der Terrororganisation Islamischer Staat belagerten Teilen der Stadt Deir es-Zor aus der Luft versorgt. Insgesamt erhielten nach der Regierungsmitteilung 255 000 Menschen in belagerten Gebieten Hilfe.

Dramatisch ist nach Einschätzung der Bundesregierung vor allem die Lage in Aleppo. Dort sollen etwa 300 000 Menschen in Stadtvierteln unmittelbar an den Frontlinien leben. «Diese leiden an mangelhafter Versorgung aufgrund von Luftangriffen und dem Abschneiden von Versorgungswegen durch das Vorrücken der syrischen Armee», lautet die Schilderung des Auswärtigen Amtes. Daneben hätten rund 150 000 Binnenflüchtlinge Schutz im syrisch-türkischen Grenzgebiet gesucht. Nur ein Teil von ihnen sei in Lagern untergekommen. Die Mehrheit lebe unter freiem Himmel und sei von regelmäßiger Versorgung mit Nahrung und Medikamenten abgeschnitten.

Do, 2016-05-26 03:00
Ise-Shima (dpa)

Krisen, Klima, Konjunktur - um diese Themen geht es beim G7-Gipfel

Zwei Tage und eine lange Liste: Es geht um Syrien und die Krim, um Terroristen und Hacker, Flüchtlinge und ihre Schlepper, die schwache Weltwirtschaft und den Klimawandel - ist das überhaupt zu schaffen?

Ise-Shima (dpa) - Die Welt blickt auf den Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen (G7) im japanischen Ise-Shima. Seit Monaten haben Regierungsbeamte und Minister die Beschlüsse und Diskussionen vorbereitet. Darum geht es:

KRISEN: Der Krieg in Syrien und der Konflikt mit Russland über die Ukraine und die Annexion der Krim spielen eine wichtige Rolle. Diskutiert wird eine Verlängerung der Ende Juli auslaufenden europäischen Sanktionen gegen Russland. Kanzlerin Angela Merkel hofft auf Unterstützung bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme in Europa. Auch will die G7 beraten, wie die Fluchtursachen und der Menschenschmuggel bekämpft werden können.

TERRORISMUS: Die G7 will einen Aktionsplan gegen Terrorismus und gewaltsamen Extremismus annehmen. Nach den blutigen Anschlägen von Paris und Brüssel sollen den Terroristen die Finanzströme gekappt und der Zugriff auf Waffen und Ausrüstung verwehrt werden. Auch will die G7 die Bewegungsfreiheit von Kämpfern einschränken. Die Geheimdienste wollen Informationen austauschen und enger kooperieren.

KONJUNKTUR: Ein gemeinsames Vorgehen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft gibt es nicht. Gastgeber Shinzo Abe hätte sich ein globales Konjunktur- und Ausgabenprogramm gewünscht, was die anderen und besonders Deutschland ablehnen. Die G7 plädiert vielmehr für Strukturreformen gekoppelt mit haushalts- und finanzpolitischen Maßnahmen. Angesichts der Aufwertung des Yen, unter der Japans Exporteure leiden, wird vor Währungsinterventionen gewarnt.

KLIMA: Nach der Klimaabkommen von Paris geht es um die Ratifizierung und konkrete Umsetzung der Beschlüsse. Für den geplanten Klimafonds müssen bis 2020 jährlich etwa 90 Milliarden Euro zur Minderung der Treibhausgase und zur Anpassung an den Klimawandel zusammengebracht werden, auf die besonders die Entwicklungsländer hoffen.

MARITIME SICHERHEIT: Mit einer geplanten Erklärung zu den Inselstreitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer wird sich die G7 den Zorn Chinas zuziehen. China streitet mit Japan und anderen Nachbarn über seine Territorialansprüche auf weite Meeresgebiete mit reichen Fisch- und Rohstoffvorkommen, durch die auch wichtige Schifffahrtsstraßen gehen. Indem es Land gewinnt, Einrichtungen und Militäranlagen auf den Inseln baut, verändert China den Status Quo.

INTERNET: Die G7 will energisch gegen Cyber-Aggressoren vorgehen. Angriffe über das Internet sollen mit herkömmlichen bewaffneten Attacken durch ein Land oder Terroristen gleichgesetzt werden. Auch für Internet-Attacken soll das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen gelten. So können sich Staaten auf das Recht zur Selbstverteidigung berufen und gewaltsam gegen Angreifer vorgehen.  

STEUERN: Die Enthüllungen der «Panama Papers» über Steueroasen haben einmal mehr die Bedeutung von Steuergerechtigkeit und Transparenz verdeutlicht. Die G20 versucht bereits, die Steuerumgehung mit Hilfe der boomenden «Schattenfinanzindustrie» einzudämmen. Auch die Europäer haben ihr Vorgehen verschärft. Kritiker fordern einen besseren Dialog auch mit Entwicklungsländern, die besonders darunter leiden. Konkrete Beschlüsse werden nicht erwartet.

BREXIT: Die G7 ist besorgt über das EU-Referendum am 23. Juni und die Folgen eines drohenden Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. Sie fürchten Risiken für die Stabilität der Weltwirtschaft und schweren Schaden für die europäische Idee. Premierminister David Cameron hofft auf demonstrative Rückendeckung der G7 für den von ihm gewünschten Verbleib.

GESUNDHEIT: Nach den schlechten Erfahrungen im Umgang mit dem Ebola-Ausbruch in Afrika will die G7 die Möglichkeiten der Weltgemeinschaft stärken, schneller und wirksamer auf solche Pandemien und gesundheitliche Krisen zu reagieren. Auch soll der allgemeine Zugang zu Gesundheitsversorgung weltweit verbessert werden. Kritiker beklagen aber Geldmangel.

ENTWICKLING: Nach der Zusage vor einem Jahr beim Gipfel im bayerischen Elmau, bis 2030 rund 500 Millionen Menschen vom Hunger befreien zu wollen, wäre ein Umsetzungsplan notwendig. Die G7 will die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDG) bekräftigen. Entwicklungsorganisationen fordern, dass die G7 mehr Geld für den Kampf gegen Hunger und Arbeit bereitstellt.
 

Do, 2016-05-26 02:15
Hiroshima (dpa)

«Keine schlafenden Hunde wecken» - Obama vor Balanceakt in Hiroshima

Vor fast 71 Jahren warfen die USA die erste Atombombe auf Hiroshima. Nun besucht Obama als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte. Mancher Überlebender des atomaren Infernos blickt jedoch mit gemischten Gefühlen auf den historischen Besuch.

Hiroshima (dpa) - Auf diesen Tag hat Haruko Moritaki jahrzehntelang gewartet. Wenn US-Präsident Barack Obama an diesem Freitag als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte des Atombombenabwurfs in Hiroshima besucht, hat Moritaki große Erwartungen: «Sagen Sie der Welt als Präsident einer Nation, die uns ins Atomzeitalter versetzt hat, dass der Abwurf der Atombomben ein Fehler war», heißt es in einem Brief, den die 77-jährige Japanerin als Vertreterin einer Organisation zur Abschaffung von Atomwaffen an Obama schickte. Und weiter: «Bitte entschuldigen Sie sich bei den Opfern.»

Doch das will Obama nicht tun, wie er selbst kurz vor seinem Besuch wissen ließ. Er plant vielmehr mit seinem historischen Besuch ein Signal für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. Japans rechtskonservativer Premier Shinzo Abe, der Obama begleiten wird, hat auch gar keine Entschuldigung gefordert, denn das läge nach Meinung von Beobachtern ohnehin nicht in seinem Interesse.

Der gemeinsame Besuch hat große symbolische Bedeutung. «Er ist ein Schritt, der zeigen soll, dass die japanisch-amerikanische Wiederaussöhnung in der Nachkriegszeit erfolgreich war», sagte Sven Saaler, Professor für moderne Geschichte an Tokios renommierter Universität Sophia. Denkbar wäre auch ein Besuch Abes in Pearl Harbor. Nach Japans Angriff 1941 auf die in Pearl Harbor auf Hawaii liegende US-Pazifikflotte waren die USA in den Krieg eingetreten. Einen konkreten Plan für einen Besuch habe er aber nicht, sagte Abe.

Die Betonung der heute engen Allianz ist auch ein klares Signal an China oder Südkorea, mit denen es immer wieder zu Spannungen kommt - auch wegen Tokios Umgang mit seinen früheren Kriegsverbrechen. Die Geschichte der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ist in Japan indes seit Jahrzehnten unvermeidlich durch die Opferperspektive bestimmt. Dass Hiroshima eine logische Konsequenz für Japans Aggressionskrieg war, akzeptieren nur wenige. Japan habe zwar Unrecht begangen. Trotzdem seien die Atombomben Verbrechen an Unschuldigen gewesen. Die Mehrheit der Amerikaner hält die Atombombenabwürfe dagegen für richtig, auch wenn die Zahl der Befürworter geringer geworden ist.

Das macht den Besuch für Obama zu einem Balanceakt, will er nicht die öffentliche Meinung im eigenen Land gegen sich aufbringen. Jeder Schritt in Hiroshima wird mit Argusaugen verfolgt werden.

Auch Abe müsste nach Einschätzung von Beobachtern fürchten, dass eine Entschuldigung der USA eine Pandorabüchse öffnet: Erneut könnte es Fragen nach Japans eigenem Verhalten in Asien und neue Forderungen nach Entschuldigungen geben. Abe gehört jedoch zu jener Generation von Japanern, die es leid sind, dass sich ihr Land ständig wegen begangener Gräuel im Zweiten Weltkrieg entschuldigen soll.

Abe verfolgt mit Macht eine nationalistische Agenda, deren Ziel es ist, sich vom Nachkriegsregime zu verabschieden und die militärische Rolle Japans an der Seite der USA, von dessen Atomschild es seit Jahrzehnten beschützt wird, deutlich auszuweiten. Abes Regierung ist sogar der Auffassung, dass es nicht gegen die Verfassung des Landes verstoßen würde, wenn Japan eines Tages selbst Atomwaffen hätte.

Würde sich Obama entschuldigen oder sein Besuch als Entschuldigung gesehen werden, so die Sorge, würde dies den Gegnern der Sicherheitsallianz nur in die Hände spielen. Zudem könnte dies den seit dem GAU in Fukushima spürbaren Widerstand in Japan gegen die Atomkraft stärken. «Kurzum: Lieber nicht die schlafenden Hunde wecken», brachte es der Politikprofessor Koichi Nakano in einem Interview auf den Punkt.

Überlebende des Atombombenabwurfs blicken denn auch mit gemischten Gefühlen auf den gemeinsamen Besuch von Obama und Abe in Hiroshima. «Es wird wohl bei einer symbolischen Darbietung bleiben», sagte der heute 89-jährige Shozo Muneto, fügte jedoch hinzu: «Aber es wäre großartig, wenn Präsident Obama den Weg für eine Abschaffung von Atomwaffen ebnen würde». Das wollte Obama eigentlich schon 2009 mit seiner Rede in Prag. «Seither haben wir keine Fortschritte gesehen», kritisiert Frau Moritaki. «Wir hoffen, dass Präsident Obama durch seinen Besuch in Hiroshima seine eigenen Widersprüche überwindet.»
 

Do, 2016-05-26 01:46
Berlin (dpa)

«The Nice Guys»: Ryan Gosling und Russell Crowe als Privatdetektive

Berlin (dpa) - Wirklich nett sind «The Nice Guys» nicht: Ryan Gosling und Russell Crowe spielen in der Gangsterkomödie zwei ungleiche Privatdetektive, die bei der Suche nach einem vermissten Mädchen gemeinsame Sache machen. Kult-Regisseur Shane Black («Kiss Kiss Bang Bang», «Iron Man 3») siedelt die schwarzhumorige und stellenweise brutale Action im Los Angeles der 70er Jahre an. Das Männer-Duo wird von Oscar-Preisträgerin Kim Basinger und der australischen Jungschauspielerin Angourie Rice unterstützt. «The Nice Guys» feierte bei dem Filmfestspielen in Cannes außerhalb des Wettbewerbs seine Weltpremiere.(The Nice Guys, USA 2016, 116 Min., FSK o.A., von Shane Black, mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Kim Basinger,  http://www.theniceguys-film.de)

«Moment der Wahrheit»: Robert Redford als strauchelnder TV-Moderator (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Dan Rather (Robert Redford) war als Moderator der wöchentlichen Investigativ-Sendung «60 Minutes» in den Vereinigten Staaten über Jahrzehnte eine Institution. 2004 musste er aber nach einem schlampig recherchierten Bericht über die Militärvergangenheit George W. Bushs seine Sendung abgeben. Das Journalismusdrama «Der Moment der Wahrheit» erzählt diesen Skandal nach und bezieht deutlich Stellung für Rather und seine Redakteurin Mary Mapes (Cate Blanchett). (Der Moment der Wahrheit, USA 2015, 126 Min., FSK 0, von James Vanderbilt, mit Cate Blanchett, Robert Redford, Topher Grace, Elisabeth Moss,  https://www.universumfilm.de/filme/141186/der-moment-der-wahrheit.html)

«Everybody Wants Some!!»: Richard Linklater-Komödie (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - 2014 wurde Richard Linklater vielerorts gefeiert und gelobt für sein Werk «Boyhood», für das der amerikanische Regisseur über einen Zeitraum von zwölf Jahren tätig war. Nun kommt Linklaters neuer Film in die Kinos; es geht um die letzten drei Tage vor dem Beginn des Colleges. Diese Tage verbringen die männlichen Protagonisten mit verschiedenen kurzweiligen Aktivitäten: Bier trinken, Marihuana rauchen, Tischtennis spielen, Tanzen und den Frauen nachjagen. Linklater hat seine knapp zweistündige Komödie mit wenigen bekannten Namen besetzt, darunter Zoey Deutch. Der Soundtrack umfasst eine ganze Reihe an 70er- und 80er Jahre-Klassikern. (Everybody Wants Some!!, USA 2016, 117 Min., FSK ab 12, von Richard Linklater, mit Zoey Deutch, Juston Street, Blake Jenner, http://www.constantin-film.de/kino/everybody-wants-some/)

Patrick Stewart als Neonazi: Thriller «Green Room» (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Als die Punkrock-Band von Pat, Reece, Sam und Tiger in einer von Neonazis geführten Raststätte spielen soll, verwandelt sich ihre eher erfolglose Tour in einen blutigen Überlebenskampf. Ihr Konzert bringen sie zwar noch halbwegs glimpflich über die Bühne, als Pat im Backstage-Raum Zeuge eines Mordes wird. Die Freunde verbarrikadieren sich in dem Raum, bald wird ihnen aber klar, dass nur sie sich nur selbst mit einem Fluchtversuch aus der lebensgefährlichen Lage befreien können. Und so setzt die blutige zweite Hälfte des Films ein - Macheten, Pitbulls, Teppichmesser: Die blutigen Action-Szenen sind kein Stoff für schwache Nerven. (Green Room, USA 2015, 96 Min., FSK ab 18, von Jeremy Saulnier, mit Imogen Poots, Sir Patrick Stewart, Anton Yelchin, http://www.green-room-film.de/)

«Whiskey Tango Foxtrot»: Selbstfindungskomödie mit Taliban (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - US-Komikerin Tina Fey spielt Kim Baker, eine Mittvierziger-Fernsehjournalistin, die sich 2003 freiwillig für einen Reportereinsatz in Afghanistan meldet. Dort angekommen spürt sie schnell, wie naiv sie an Krieg und Konflikt im Nahen Osten herangegangen ist. Zusätzlich wird mit den rowdyhaften Gepflogenheiten von Kriegs-Journalisten konfrontiert und verguckt sich auch noch in einen Kollegen. (Martin Freeman, Watson in der TV-Serie «Sherlock»). Der Film hat einiges über vergessene Kriege und den aufreibenden Alltag im TV-Business zu sagen, und als Kim Baker bietet Fey erstmals im Film mehr Charakter als nur Karikatur. (Whiskey Tango Foxtrot, USA 2016, 112 Min., FSK o.A., von Glenn Ficarra und John Requa, mit Tina Fey, Martin Freeman, Margot Robbie, Alfred Molina, Billy Bob Thornton,  http://www.wtf-film.de/)

«Vor der Morgenröte»: Die Flucht Stefan Zweigs aus Europa (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Anfang der 30er Jahre ist Stefan Zweig neben Thomas Mann der meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller der Welt. Strikt vertritt er die Auffassung, künstlerische und aktuelle politische Stellungnahmen von einander zu trennen. Doch als die Nazis auch seine Existenz bedrohen, geht Zweig mit seiner Frau ins Exil. Zunächst nach England, dann über New York nach Brasilien - stets auf der Suche nach einer neuen Heimat. An äußeren und inneren Vorgängen verzweifelnd, nimmt sich der Verfasser der eben beendeten «Schachnovelle» mit 60 Jahren zusammen mit seiner Gattin 1942 bei Rio de Janeiro das Leben. Mit einem eindrucksvollen Josef Hader in der Hauptrolle erzählt die Schauspielerin Maria Schrader die Flucht Zweigs als optisch aufwendiges Zeitgeschichtsdrama. (Vor der Morgenröte, Deutschland, Frankreich, Österreich 2016, 106 Min., FSK ab 0, von Maria Schrader, mit Josef Hader, Barbara Sukowa, Matthias Brandt, http://www.x-verleih.de/de/filmdatenbank/null/VOR-DER-MORGENROETE-AT.de)

«Seitenwechsel»: Amüsanter Körpertausch zwischen Mann und Frau (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Männer und Frauen sehen das Leben meist aus völlig unterschiedlicher Perspektive. Wie anders diese Wahrnehmung sein kann, zeigt der Film «Seitenwechsel». Ein Paar will sich scheiden lassen. Doch dann geschieht ein Wunder: Beim Aufwachen haben sich ihre Körper getauscht. Fußballtrainer Alex (Wotan Wilke Möhring) hat plötzlich die Gestalt seiner Frau Teresa, und die Psychotherapeutin sieht aus wie Alex. Ein Schock, doch irgendwie müssen sie den Alltag auf die Reihe bekommen. Alex muss mit seiner Mannschaft 1. FC Union Berlin unbedingt das nächste Spiel gewinnen, sonst droht der Abstieg. Wie das funktionieren soll, ist beiden ein Rätsel. Und Alex versteht nicht, warum die Patienten in der Psychotherapeutenpraxis seiner Frau überhaupt Probleme haben. Allmählich wird Alex und Teresa klar, wie wenig sie nach 15 Jahren Ehe voneinander wissen. (Seitenwechsel, Deutschland 2016, 100 Min., FSK ab 12, von Vivian Naefe, mit Wotan Wilke Möhring, Mina Tander, Frederik Lau, http://www.seitenwechsel-derfilm.de)

«Mikro & Sprit»: Zwei Außenseiter auf Frankreichs Landstraßen (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Daniel ist schüchtern und künstlerisch begabt, Théo aufgeweckt und draufgängerisch. Es ist neu in der Klasse und ein Außenseiter so wie Daniel. Als die Sommerferien anstehen, beschließen beide, sich eine fahrende Hütte zu bauen. Mit 20 Kilometer pro Stunde machen sie Frankreichs Landstraßen unsicher. Mit «Mikro & Sprit» hat der französische Filmemacher Michel Gondry ein Roadmovie gedreht, das für die beiden Schüler lustige und spannende Abenteuer bereithält. In den Hauptrollen spielen Ange Dargent als Daniel, Audrey Tautou als dessen Mutter sowie Théophile Baquet, der den Bastler Théo verkörpert. (Mikro & Sprit, Frankreich 2015, 104 Min., FSK ab 6, von Michel Gondry, mit Audrey Tautou, Ange Dargent, Théophile Baquet, http://www.studiocanal.de/kino/mikro_sprit)

«Tomorrow»: Lösungen für eine bessere Welt (Mit Meldung) =

Berlin (dpa) - Erwärmung der Atmosphäre, Luftverschmutzung, Plastikmüll: Gefahren, die das Leben auf der Erde bedrohen. Um das Ende der Zivilisationen verhindern, haben der französische Aktivist Cyril Dion und die französische Schauspielerin Mélanie Laurent «Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen» gedreht. In dem Dokumentarfilm haben sie nach Lösungen zur Rettung der Welt gesucht. Dazu reiste das Duo in zehn Staaten, um vor Ort mit Umweltschützern, Experten und Wissenschaftlern zu reden. Sie zeigen Alternativen und Projekte. Dabei suchen sie auch nach Auswegen aus der Bank- und Wirtschaftskrise. Die Doku, im Original «Demain», wurde mit dem französischen César in der Kategorie Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. (Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen, Frankreich 2015, 118 Min. FSK o.A., von Cyril Dion und Mélanie Laurent, http://www.tomorrow-derfilm.de

«The Other Side of the Door»: Horrorstück um verzweifelte Mutter =

Berlin (dpa) - Eine junge Familie, deren Glück auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird, als der jüngste Sohn bei einem Unfall sein Leben lassen muss. Die Mutter aber will sich damit nicht abfinden, und eines Tages erfährt sie von einem alten Ritual. Durch dieses soll es möglich werden, dass sich die Mutter doch noch einmal von ihrem verstorbenen Sohn verabschieden kann. In einem verlassenen antiken Tempel soll es eine Tür geben, die eine Verbindung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits herstellen kann. Die verzweifelte Mutter indes missachtet alle Warnungen. Regisseur Johannes Roberts hat schon Gruselstreifen wie «Forest of the Damned» in Szene gesetzt. (The Other Side of the Door, Großbritannien/Indien/USA 2016, 96 Min., FSK ab 16, von Johannes Roberts, mit Sarah Wayne Callies, Jeremy Sisto, Sofia Rosinsky, http://www.fox.de/the-other-side-of-the-door)

«Doktor Proktors Zeitbadewanne»: Bunter Familienspaß =

Berlin (dpa) - Anfang 2015 kam «Doktor Proktors Pupspulver» in die hiesigen Kinos. Nun gibt es zu der deutsch-norwegischen, auf der Kinderbuchreihe von Jo Nesbø basierenden Adaption eine Fortsetzung: Lise und Bulle erhalten eine mysteriöse Postkarte aus dem Jahr 1969. Die Karte kommt aus Paris und bald schon ist den beiden klar, dass ihr Freund Doktor Proktor im Paris der 1960er in ernsten Schwierigkeiten stecken muss. Um in die französische Hauptstadt dieser Zeit zu gelangen, nutzen sie eine vom Doktor erfundene Zeitmaschine in Form einer Badewanne. Die Regie stammt, wie schon beim Vorgänger, vom Norweger Arild Fröhlich. Anke Engelke gehört erneut zum Darsteller-Ensemble. (Doktor Proktors Zeitbadewanne, Deutschland/Norwegen 2016, 95 Min., FSK ab 6, von Arild Fröhlich, mit Emily Glaister, Gard B. Eidsvold, Kristin Grue, http://www.wildbunch-germany.de/movie/doktor-proktors-zeitbadewanne)

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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