Mo, 2015-05-04 17:06
Kabul (dpa)

Tote und Vermisste nach Taliban-Angriff im Nordosten Afghanistans

Kabul (dpa) - Bei einem Taliban-Angriff in der nordostafghanischen Provinz Badachschan sind mindestens 18 Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte getötet und 15 weitere verletzt worden. Insgesamt 21 Soldaten und Polizisten würden seit dem Angriff auf eine Basis der Sicherheitskräfte in der Nacht zuvor im Unruhedistrikt Wardudsch vermisst, hieß es am Montag aus der Provinzregierung. Die Aufständischen hätten insgesamt 18 gepanzerte sowie ungepanzerte Fahrzeuge und 40 Waffen erbeutet.

Angaben über Opfer unter den Taliban, die sich zu dem Angriff bekannten, lagen zunächst nicht vor. Die Bundeswehr war 2012 aus Badachschan abgezogen.

Ein Selbstmordattentäter riss am Montag in der Hauptstadt Kabul mindestens einen Menschen mit in den Tod, wie das Innenministerium mitteilte. 15 Menschen seien verletzt worden. Der Attentäter habe sich neben einem Bus mit Mitarbeitern der Generalstaatsanwaltschaft in die Luft gesprengt. Die Taliban sprachen von einem Angriff gegen «skrupellose Mitarbeiter des Büros des Generalstaatsanwalts».

Bei einem Luftangriff in der ostafghanischen Provinz Nangarhar wurden nach Angaben der Polizei mindestens zwölf Aufständische getötet. Sie seien in einem Auto und auf zwei Motorrädern unterwegs gewesen, als die Fahrzeuge am Sonntagabend aus der Luft beschossen worden seien, sagte Nangarhars Polizeisprecher Hasrat Hossein Maschrekiwal. Es sei unklar, ob der Angriff von afghanischen Kampfhubschraubern oder von Flugzeugen der ausländischen Truppen ausgeführt worden sei.

Mo, 2015-05-04 17:16
Berlin (dpa)

Umfragen: SPD setzt vielfach falsche Themenschwerpunkte

Berlin (dpa) - Die SPD beschäftigt sich laut dem Forschungsinstitut Forsa vielfach mit Themen, die am Interesse der Mehrheit der Wähler vorbeigehen. Zwar halten zum Beispiel die Zustimmung zum Mindestlohn 83 Prozent der Wahlberechtigten für richtig, aber nur zwei Prozent sehen dieses Thema insgesamt für wichtig an. Das zeigten Umfrageergebnisse, erklärte Forsa-Chef Manfred Güllner am Montag. Auch bei der Frauenquote sind die Befragten skeptisch. Nur 40 Prozent glauben, dass die Quote zu einer besseren Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf beiträgt.

Zudem weisen die Befragten der CDU mehr politische Kompetenz zu als der SPD. 34 Prozent glauben, dass die CDU mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird. Der SPD trauen es zehn Prozent zu, wie Umfrageergebnisse seit Jahresbeginn zeigen. Das Forsa-Institut befragt wöchentlich in repräsentativen Erhebungen Wahlberechtigte in Deutschland ab 18 Jahren.

Mo, 2015-05-04 16:23
Berlin (dpa)

SPD-Linke: Partei muss gegenüber Union mehr Profil zeigen

Berlin (dpa) - Linke SPD-Abgeordnete aus Bund, Ländern und EU-Parlament fordern eine schärfere Abgrenzung ihrer Partei vom Koalitionspartner Union. Bei einem Treffen in Berlin verabschiedeten die rund 60 Abgeordneten aus verschiedenen Parlamenten ein Papier, in dem die Bundes-SPD zu klarer Kante in der EU-Flüchtlingspolitik, bei Arbeitsmarkt, Steuern und dem umstrittenen Handelsabkommen TTIP mit den USA aufgefordert wird.

Der Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Finanzexperte Carsten Sieling, sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur: «Bis zur Bundestagswahl 2017 müssen wir auf allen Ebenen unser sozialdemokratisches Profil schärfen. Die Unterschiede zwischen SPD und Union müssen deutlich erkennbar sein.»

Bei Mindestlohn, Begrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen sowie der Lohngleichheit von Männern und Frauen dürfe die SPD gegenüber der Union «keinen Millimeter zurückweichen», heißt es. Die SPD-Linken bekennen sich auch klar zu höheren Steuern: «Angesichts wachsender Ungleichheit brauchen wir eine Politik, die auch durch Steuern die Verteilung von Einkommen und Vermögen beeinflusst.» Die Abgeltungsteuer müsse abgeschafft, in Europa dagegen die lange versprochene Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte eingeführt werden. Hohe Erbschaften sollten künftig stärker besteuert werden.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel mischt in der Steuerpolitik wieder stärker mit. Er will die Milliardenüberschüsse des Staates nicht nur für Investitionen nutzen, sondern auch kleine und mittlere Einkommen absehbar entlasten. Die von der SPD-Linken geforderte Wiedereinführung der Vermögensteuer lehnt Gabriel jedoch strikt ab.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-05-04 16:12
Washington (dpa)

Bill Clinton verteidigt Familienstiftung

Washington (dpa) - Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hat die umstrittene Spendenpraxis seiner Familienstiftung verteidigt. Die Spenden in Millionenhöhe von ausländischen Regierungen hätten keinen Einfluss auf die US-Politik gehabt, sagte Clinton dem TV-Sender NBC am Montag. Zuletzt hatten sich die Clintons nach mehrfacher Kritik allerdings bereit erklärt, nur noch Spenden von sechs westlichen Geberländern anzunehmen, darunter auch Deutschland. Damit sollen Zweifel an der Unabhängigkeit der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ausgeräumt werden. Dieser Schritt sei aber keineswegs ein Eingeständnis vergangener Fehler, sagte Bill Clinton gegenüber NBC.

Die Spenden während Hillary Clintons Zeit als Außenministerin (2009-2013) kamen unter anderem von Regierungen, die diplomatisch, militärisch und finanziell komplizierte Beziehungen mit den USA haben, darunter Kuwait, Katar und Oman. Unter den Geberländern war auch Saudi-Arabien, wo Frauen vom Staat krass diskriminiert werden. Auch eine kanadische Regierungsbehörde war darunter, die sich für den Bau der umstrittenen Keystone-XL-Pipeline einsetzt, das Öl von Kanada quer durch die USA an den Golf von Mexiko transportieren soll. Seit 2001 kamen aus dem globalen Netzwerk fast zwei Milliarden Dollar (1,8 Mrd Euro) Spenden zusammen, die für Entwicklungshilfe genutzt werden.

Mo, 2015-05-04 16:23
Kairo (dpa)

Berlin will wieder engere Kontakte zu Ägypten

Deutschland knüpft wieder engere Kontakte zu Ägypten. Erst besuchte Außenminister Steinmeier in Kairo, nächsten Monat kommt Ägyptens Präsident Al-Sisi nach Berlin - vielleicht sogar mit einem Angebot im Streit um die Arbeit deutscher Stiftungen.

Kairo (dpa) - Deutschland will die Zusammenarbeit mit Ägypten trotz Unzufriedenheit mit der dortigen Militärherrschaft wieder ausbauen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete das Land am Montag in Kairo als wichtigen Partner. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass bis zum Berlin-Besuch von Präsident Abdel Fattah al-Sisi Anfang Juni eine Lösung für die Arbeit der deutschen politischen Stiftungen in Kairo gefunden wird.

Steinmeier sagte, Ägypten spiele für die Stabilität und Sicherheit im Nahen und Mittleren Osten eine «zentrale Rolle». Der SPD-Politiker verwies auf die zahlreichen Konflikte in der Nachbarschaft wie in Libyen, Syrien oder im Jemen. «Es gibt gar keine Alternative zu einem wirklichen politischen Dialog mit einem unserer wichtigsten Partner hier in der arabischen Welt.»

Zugleich machte der Minister nach einem Treffen mit Al-Sisi deutlich, dass die Bundesregierung mit den gegenwärtigen Zuständen in Ägypten nicht zufrieden ist. Wichtig sei, dass «möglichst breite Teile der Gesellschaft» mitgenommen würden. Steinmeier forderte auch mehr Anstrengungen für Rechtsstaatlichkeit, eine bessere Verwaltung und bei der Bekämpfung von Korruption.

In Ägypten ist seit dem Putsch gegen den islamistischen Staatschef Mohammed Mursi im Juli 2013 eine Militärregierung an der Macht. Das Parlament ist schon seit drei Jahren aufgelöst, ohne dass es einen konkreten Termin für Wahlen gibt. Deshalb ist auch die Einladung an Al-Sisi nach Berlin umstritten. Kritiker im In- und Ausland werfen den Militärs vor, die demokratische Bewegung nach dem Arabischen Frühling massiv zu unterdrücken.

Mit Blick auf die deutschen politischen Stiftungen sagte Steinmeier, Al-Sisi habe eine Lösung in Aussicht gestellt. Vor allem die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, aber auch andere Stiftungen klagen seit Jahren über eine massive Behinderung ihrer Arbeit. Ägyptens Außenminister Samih Schukri warb dafür, die  Beziehungen zwischen Kairo und Berlin wieder zu «konsolidieren».

Deutschland will auch insgesamt 600 Flüchtlinge aufnehmen, die vorübergehend in Ägypten Zuflucht gefunden haben. Dabei geht es um 300 Menschen aus Syrien, die wegen des jahrelangen Bürgerkriegs ihr Heimatland verlassen haben. Die anderen 300 kamen zumeist aus afrikanischen Ländern nach Ägypten.

 

Mo, 2015-05-04 16:04
Kassel (dpa)

K+S zu Bahnstreik: Kali-Transporte nur im Notfall auf die Straße

Kassel (dpa) - Der am Montag angelaufene Lokführerstreik trifft auch den größten deutschen Rohstoff-Produzenten K+S. Auf die Straße will das Unternehmen seine Transporte von Kali und Düngerprodukten aber vorerst nicht verlagern. «Glücklicherweise sind unsere Lager derzeit nicht sehr voll», erklärte am Montag ein K+S-Sprecher in Kassel. «Eine Verlagerung auf die Straße planen wir daher nur für den Notfall.» Zunächst könne die Produktion unter anderem im hessisch-thüringischen Werra-Revier dank der fast leeren Lager wie gewohnt weiterlaufen. Man sei auch im engen Kontakt mit den Logistik-Unternehmen, um zumindest einige Züge zu den Seehäfen fahren lassen zu können.

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Mo, 2015-05-04 16:11
Berlin (dpa)

Regierung will enge Kooperation mit NSA - BND: Kein Landesverrat

Jahrelang soll der BND der NSA beim Spionieren geholfen haben. Die Opposition verlangt von der Kanzlerin Aufklärung, auch die SPD wird ungeduldiger. Doch geht nicht der Schutz vor Terror vor?

Berlin (dpa) - Trotz der Spionage-Vorwürfe gegen den BND setzen Bundesregierung und Geheimdienste weiter auf enge Zusammenarbeit mit dem US-Dienst NSA. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte am Montag zwar, befreundete Länder sollten sich nicht ausspionieren. Für die Sicherheit der Bürger sei die Kooperation mit der NSA aber wichtig. BND-Präsident Gerhard Schindler wies Vorwürfe des Landesverrats zurück. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) verlangte ungewöhnlich deutlich rückhaltlose Aufklärung. Die Opposition pochte auf eine schnelle Herausgabe der NSA-Spionagelisten.

Im Oktober 2013 hatte Merkel noch gesagt: «Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht.» Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass der BND der NSA jahrelang geholfen haben soll, europäische Politiker und Firmen auszuspähen, unter anderem die EU-Kommission und die französische Regierung. Zu den Vorwürfen sagte Merkel nun: «Das, was zu verbessern ist, muss verbessert werden.»

Zugleich betonte sie, die Bundesregierung werde alles daran setzen, die Arbeitsfähigkeit des deutschen Auslands-Nachrichtendienstes BND zu gewährleisten. Notwendig sei eine Balance zwischen Schutz der Privatsphäre und Sicherheitsinteressen. Das Kanzleramt werde die parlamentarischen Kontrollgremien über Einzelheiten informieren.

Einer möglichen Ladung vor den NSA-Untersuchungsausschuss komme Merkel «gerne» nach, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Linke und Grüne verlangten eine Aussage Merkels vor dem Gremium. Das Kanzleramt hat die Aufsicht über den BND.

BND-Präsident Schindler lehnte es auf einer Tagung zur Bedrohung durch islamistischen Terrorismus ab, zu den Vorwürfen konkret Stellung zu nehmen. Er wies zurück, dass der BND zu einem willigen Werkzeug der NSA geworden sei. «Internationale Zusammenarbeit ist unverzichtbar». Die «stückweise mediale Zerlegung» des BND drohe diese zu beschädigen und beeinträchtige die Motivation der BND-Mitarbeiter. Die Kenntnisse über die Terrormiliz Islamischer Staat zum Beispiel könnten nie gut genug sein.

Gabriel sagte: «Was wir jetzt erleben, ist eine Affäre, ein Geheimdienstskandal, der geeignet ist, eine sehr schwere Erschütterung auszulösen.» Zweimal habe er Merkel gefragt, ob der BND einen Beitrag zur Wirtschaftsspionage durch die NSA geleistet habe. «Beide Male ist mir das gegenüber verneint worden.» Dem NSA-Ausschuss und dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) müssten die abgefragten Suchmerkmale (Selektoren) wie Telefonnummern oder IP-Adressen von Computern zugänglich gemacht werden. Es stehe immer noch der Verdacht der Beihilfe zur Wirtschaftsspionage im Raum.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte an, er werde seinen Auftritt vor dem PKGr an diesem Mittwoch dazu nutzen, die Unterstellungen gegen ihn auszuräumen. Bei einer Information des BND an ihn als damaligen Kanzleramtsminister im Jahr 2008 sei es nicht um konkret belastbare Hinweise für einen Missbrauch der Zusammenarbeit von BND und NSA gegangen. Es sei darum gegangen, eine bestimmte Zusammenarbeit nicht zu vertiefen, um Missbrauch zu vermeiden.

«Wir müssen uns noch viel mehr mit unseren Partnern austauschen», sagte de Maizière. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sprach von einer «neuen Dimension der Gefahr» durch islamistischen Terror. Maaßen wandte sich gegen öffentliche Kritik am Innenminister.

Der oberste Geheimdienstkontrolleur im Parlament, André Hahn (Linke), warf der Bundesregierung mangelnden Aufklärungswillen vor. «Die Regierung gibt immer nur das zu, was sie nicht mehr leugnen kann», sagte der PKGr-Vorsitzende der Deutschen Presse-Agentur. «Es geht nicht mehr, das Parlament mit Halb-Informationen abspeisen zu wollen.» Die Obfrau der Linkspartei im NSA-Ausschuss, Martina Renner, forderte von der Regierung in der ARD eine Herausgabe der NSA-Spionagelisten an das Parlament bis zum Ende der Woche. Sonst werde man den Klageweg beschreiten.

Mo, 2015-05-04 16:51
Berlin (dpa)

Ein Schulterschluss und ein Geheimdienst im Dilemma Von Jörg Blank und Georg Ismar, dpa

Seit Tagen steht der Bundesnachrichtendienst wegen seiner Zusammenarbeit mit den Lauschern von der NSA in der Kritik. Jetzt hat sich dessen Präsident Gerhard Schindler erstmals öffentlich erklärt. Doch viele Details bleiben offen - sie sind geheim.

Berlin (dpa) - Es arbeitet in dem Mann, das ist nicht zu übersehen. Die Mundwinkel zucken, der Kiefer mahlt, die Lippen pressen sich gegeneinander, als wenn sie gleich den ganzen Ärger der vergangenen Tage ausspucken wollen. Als Gerhard Schindler am Montag beim Verfassungsschutz-Symposium in Berlin auf dem Podium sitzt, ist es, als ob die Affäre um die Zusammenarbeit des Bundesnachrichtendienstes mit den umstrittenen globalen Lauschern von der National Security Agency (NSA) seine Gesichtszüge beherrscht.

«Eigentlich hätte ich gar nicht kommen wollen, weil die Ausschüsse nahen und ich mich vorbereiten muss. Aber ich habe meinem Freund Hans-Georg Maaßen versprochen, dass ich komme», versucht der BND-Präsident gespielt locker in sein vierminütiges Statement zur aktuellen BND-NSA-Affäre zu kommen. Wohl am Mittwoch muss er den Geheimdienstkontrolleuren im Parlament Rechenschaft ablegen.

Seit Tagen kommt Schindlers Dienst nicht aus den Schlagzeilen. Es geht vor allem darum, ob die deutschen Auslandsspione der NSA rechtswidrig über ihre Abhörstation im bayerischen Bad Aibling geholfen haben, europäische Partner auszuspionieren. Auch von Wirtschaftsspionage ist die Rede.

Schindler nennt den Vorwurf des Landesverrats erregt «schlicht und ergreifend abwegig». Bei aller internationalen Zusammenarbeit arbeite sein Dienst «für deutsche Interessen, für Deutschland und für niemand anderes. Der Bundesnachrichtendienst ist auch deshalb kein willfähriges Werkzeug der USA.»

Trotz aller Kritik betont Schindler angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus: «Ohne internationale Zusammenarbeit könnte der BND seinen Auftrag nicht erfüllen.» Und er warnt: «Dass die stückweise mediale Zerlegung eines Nachrichtendienstes nicht nur die internationale Zusammenarbeit schädigt, sondern sich auch negativ auf die Motivation meiner Kolleginnen und Kollegen auswirkt, versteht sich von selbst.» Das könne Folgen für Deutschlands Sicherheit haben.

Schindler, der BND und der wegen seiner Rolle als früherer Kanzleramtsminister in der Affäre ebenfalls stark in der Kritik stehende Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatten zuvor erwartungsgemäß Rückendeckung vom obersten Verfassungsschützer bekommen. «Die Berichterstattung in den vergangenen Tagen gerade zu Ihrer Person empfand ich als zutiefst unanständig», mischt sich Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen ungewohnt offen in den medialen und politischen Umgang mit der Affäre ein.

«Nicht jeder Fehler ist ein Skandal - auch wenn er Mitarbeitern eines Nachrichtendienstes unterläuft», sagt Maaßen. Und es gebe «auch Skandale, die als Skandale kaum wahrgenommen werden», keilt er in Richtung jener, von denen er vermutet, dass sie geheimste Unterlagen an die Medien weiterreichen. Das sei Sache der Strafverfolger.

Für die schwarz-rote Koalition wird die Affäre in der Zwischenzeit immer mehr zur Belastung. Mehr Konflikt wagen, lautet die Devise der SPD - wohl auch, um das eigene Profil zu schärfen und aus dem Umfragekeller zu kommen. Doch ungewöhnlich ist es schon, wie SPD-Chef Sigmar Gabriel bei einem Termin zu einem ganz anderen Thema ein kleines Tabu bricht und aus persönlichen Gesprächen mit Angela Merkel berichtet.

Zweimal habe er die Kanzlerin gefragt, ob der BND einen Beitrag zur Wirtschaftsspionage durch die NSA geleistet habe. «Beide Male ist mir das gegenüber verneint worden.» Würde es doch anders kommen, wäre das Vertrauen der Wirtschaft in staatliches Handeln schwer erschüttert, schiebt er nach. Mit großen Worten zielt Gabriel auf Merkels Union:  Geheimdienstskandal, Erschütterung des Vertrauens in die Demokratie.

Die Kanzlerin wählt nach der scharfen Kritik der Regierungszentrale am BND («technische und organisatorische Defizite») vor knapp zwei Wochen nun verständnisvolle Worte gegenüber dem Auslandsnachrichtendienst, fast könnte man sie als eine Art Schulterschluss interpretieren.

Klar sei, dass ein Ausspionieren befreundeter Länder «nicht passieren sollte», sagt Merkel nach einem Treffen mit tschechischen Regierungschef Bohuslav Sobotka auf eine Reporterfrage. Die Bundesregierung werde aber alles daran setzen, die Arbeitsfähigkeit des BND zu gewährleisten. Und: Für die Sicherheit der Bürger sei die Kooperation gerade mit der NSA besonders wichtig. Im Oktober 2013, als bekanntgeworden war, dass der US-Dienst jahrelang ihr Handy abgehört hatte, war sie noch wesentlich schärfer gegenüber den USA: Da hatte sie gesagt: «Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht.»

Mo, 2015-05-04 16:40
Aleppo (dpa)

Amnesty International wirft Syriens Regime Kriegsverbrechen vor

Aleppo (dpa) - Syriens Regime bombardiert die Stadt Aleppo nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International regelmäßig mit Fassbomben und begeht damit Kriegsverbrechen. Einige Vergehen der Regierung in Damaskus kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichen Bericht der Menschenrechtler. Die Zivilisten in Aleppo seien schierem Terror und einem unerträglichen Leiden ausgesetzt.

Bei Angriffen mit Fassbomben kamen in der nordsyrischen Stadt seit Anfang 2014 mehr als 3000 Zivilisten ums Leben, wie es weiter hieß. Im ganzen Land seien durch den Einsatz dieser Waffe seit 2012 mehr als 11 000 Menschen getötet worden. Das Regime nehme Schulen, Kliniken, Moscheen und volle Märkte ins Visier. Die «verwerflichen Angriffe» offenbarten «eine Strategie vorsätzlicher und systematischer Angriffe auf Zivilisten», erklärte Amnesty.

Bei Fassbomben handelt es sich um Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metallteilen gefüllt sind. Da sie sehr breit streuen, sind unter ihren Opfern regelmäßig viele Zivilsten. Syrien bestreitet bislang den Einsatz von Fassbomben.

Laut dem Bericht begingen auch die Rebellen Kriegsverbrechen. Sie benutzten unpräzise Waffen und hätten bei Angriffen auf Aleppo im vergangenen Jahr mindestens 600 Zivilisten getötet. Zudem entführten und folterten beide Konfliktparteien Zivilisten, beklagt der Bericht.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-05-04 16:45
Damaskus (dpa)

Assad in Not - Al-Kaida und Rebellen gewinnen in Syrien an Boden Von Jan Kuhlmann, dpa

Syriens Regime hat im Bürgerkrieg empfindliche Niederlagen einstecken müssen. Die Armee und ihre Verbündeten leiden unter einem hohen Blutzoll. Es mehren sich die Indizien, dass sie ausgelaugt sind.

Damaskus (dpa) - Angeblich spricht der Offizier am Telefon mit Präsident Baschar al-Assad persönlich. «Meine Hochachtung, Herr Generaloberst», ruft der Mann mit dunklem Schnurrpart in sein Mobilgerät, während um ihn herum Dutzende syrische Soldaten dem Gespräch lauschen. «Unsere Kräfte haben sich zurückgezogen. Bei mir sind 800 Kämpfer. Aber wir brauchen Munition. Alle werden zurückkehren. Aber ihr müsst uns mit Munition unterstützen.»

Seit Tagen kursiert im Internet das unscharfe Video mit dem Gespräch zwischen Oberst Suheil al-Hassan, Spitzname «Der Tiger», und Assad oder einem anderen hohen Vertreter des Regimes. Es soll im Nordwesten Syriens aufgenommen worden sein, wo Assads Anhänger zuletzt gleich mehrere empfindliche Niederlagen erlitten haben. Das Telefonat wirft ein schlechtes Licht auf den Zustand der regimetreuen Kräfte. Nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg mehren sich die Indizien, dass die Armee und die mit ihr verbündeten Milizen zunehmend ausgelaugt sind.

Ende März verloren sie die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens an ein Bündnis aus mehreren islamistischen Rebellengruppen. Ende April dann konnten die Regimegegner westlich davon den strategisch wichtigen Ort Dschisr al-Schogur einnehmen. Die Rebellen sind damit sehr nahe an die syrische Mittelmeerküste vorgerückt, dem Kernland der religiösen Minderheit der Alawiten, die das Regime trägt. Auch im Süden Syriens haben Assads Truppen deutlich an Boden verloren.

Ein unmittelbares Ende des Regimes steht damit zwar nicht bevor - doch langfristig schwinden Assads Aussichten. Der Blutzoll unter seinen Anhängern in den vergangenen vier Jahren war massiv. Das Regime sei geschwächt, weil ihm Kämpfer fehlten, sagt der Syrien-Experte von der Universität Edinburgh, Thomas Pierret: «Das ist ein unumkehrbarer Prozess, der letztlich zu seinem Untergang führen wird. Aber das kann lange dauern.»

Halten konnte sich das Regime zuletzt vor allem, weil Damaskus massive Hilfe aus dem Ausland bekommt, insbesondere aus dem Iran. So kämpft die von Teheran finanzierte Schiiten-Miliz Hisbollah aus dem Libanon an der Seite Assads. Auch Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden sollen im Einsatz sein.

Im Land selbst haben sich zudem lokale Milizen gebildet, die die Schwäche der Armee ausgleichen sollen. Die empfindlichen Niederlagen gegen die Rebellen konnten sie nicht verhindern. «Die einzige Waffe, die das Regime noch hat, ist die Luftwaffe», sagt Osama Abu Zaid, Berater des gemäßigten Rebellenbündnisses Freie Syrische Armee.

Gleichzeitig werden aufseiten der Gegner Assads islamistische Kräfte stärker. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrscht schon seit Monaten rund ein Drittel des Landes im Norden und Osten Syriens. Zu dem Rebellenbündnis, das im Nordwesten Erfolge erzielt hat, gehört die Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie ist zwar mit dem IS verfeindet, teilt aber seine Dschihad-Ideologie.

Unklar ist, ob die Nusra-Front die Rebellen im Nordwesten anführt. Eine gewichtige Rolle spielt sie aber auf jeden Fall. Die Erfolge des Bündnisses sind das Ergebnis einer besseres Kooperation zwischen den Regimegegnern. Im Hintergrund sollen sich laut Beobachtern Saudi-Arabien, Katar und die Türkei stärker eingeschaltet haben.

Für die neuen Syrien-Sondierungsgespräche, die in dieser Woche unter UN-Vermittlung in Genf beginnen sollen, sind das keine guten Aussichten. Zwar hat UN-Sondervermittler Staffan de Mistura rund 40 Delegationen von Regierung und Opposition in die Schweiz eingeladen - der Einfluss der dort vertretenen Assad-Gegner auf das Kampfgeschehen im Land ist aber äußerst begrenzt. Radikale islamistische Rebellen wie die Nusra-Front sind in Genf überhaupt nicht vertreten. An ihnen vorbei aber wird es in Syrien keine Frieden geben.

Gleichzeitig macht das Regime trotz der jüngsten Niederlagen keine Anstalten, der gemäßigteren Opposition entgegenzukommen. Diese wiederum beharrt auf der Forderung, dass es ohne einen Abgang Assads keine Lösung geben kann. So sind die Erwartungen an die Gespräche in Genf gering. Samir Naschar vom Oppositionsbündnis Nationale Syrische Koalition bringt es mit einem Satz auf den Punkt: «Ich glaube nicht, dass die Treffen zu einem Ende der Krise führen werden.»

Mo, 2015-05-04 16:01
Prag (dpa)

Protest: Tschechische Künstler «schenken» Putin ihren Präsidenten

Prag (dpa) - Tschechische Künstler wollen ihren Präsidenten Milos Zeman symbolisch dem russischen Staatschef Wladimir Putin schenken. Ein «Geschenkzertifikat» sei auf dem Postweg nach Moskau, teilten die Unterzeichner am Montag mit. Mit der ungewöhnlichen Aktion wolle man gegen die prorussische Politik Zemans protestieren, sagte der Schriftsteller Jaroslav Rudis («Die Stille in Prag») der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind ein kleines Land und haben nichts Wertvolleres als unseren Präsidenten anzubieten», hieß es ironisch.

In Tschechien sorgt für Diskussionen, dass Zeman an diesem Freitag zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Kriegsendes nach Moskau reisen will. Die meisten westlichen Politiker bleiben der Veranstaltung wegen des Russland-Ukraine-Konflikts demonstrativ fern. Der 70 Jahre alte Linkspolitiker war vor zwei Jahren als erster tschechischer Präsident direkt vom Volk gewählt worden.

Mo, 2015-05-04 16:01
Berlin (dpa)

Wirtschaft: Bahnstreik kostet bis zu einer halben Milliarde Euro

Die Wirtschaftsbosse sind alarmiert: Sie glauben, dass der lange Lokführerstreik viele Unternehmen hart treffen wird, die auf Lieferungen «just in time» angewiesen sind. Die Firmen sorgen vor.

Berlin (dpa) - Deutschlands Konzerne fürchten durch den knapp einwöchigen Bahnstreik einen Schaden von bis zu einer halben Milliarde Euro. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer forderte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag auf, noch die Notbremse zu ziehen und den Streik abzusagen: «Der gesamten deutschen Wirtschaft drohen Schäden von täglich 100 Millionen Euro. Das Vorgehen der GDL ist verantwortungslos und vollkommen unverhältnismäßig.»

Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, kritisierte: «Der Bahnstreik kostet die Wirtschaft nicht nur Nerven, sondern richtig Geld.» Bei mehrtägigen Ausständen komme die Lieferkette ins Stocken. «Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro.»

In der Autoindustrie werden im schlimmsten Fall Produktionsengpässe oder der Ausfall von Schichten für möglich gehalten. Ein bis zwei Tage Streik seien zu verkraften. «Doch je länger ein Streik im Güterverkehr dauert, desto größer wird die Gefahr, dass die Produktionsabläufe ins Stocken geraten und die Bänder stehen bleiben», sagte der Präsident des Autoverbands VDA, Matthias Wissmann, der «Bild»-Zeitung (Dienstag).

Der Autobauer BMW hat schon vorgesorgt. Fertig produzierte Neuwagen würden zwar üblicherweise aus dem Münchner Werk per Bahn abtransportiert, doch habe man teils auf Lastwagen umgebucht und sei außerdem in Gesprächen mit der Bahn und mit privaten Anbietern, sagte ein BMW-Sprecher. Viele Mitarbeiter wollten Fahrgemeinschaften bilden oder Werksbusse nutzen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen.

Auch die Stahl- und die Chemiebranche sind auf die pünktliche Anlieferung von Rohstoffen angewiesen. «Eine solche Streikwelle ist Gift für ein hoch entwickeltes Industrieland wie Deutschland», kritisierte Dieter Schweer, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Die Maschinenbauer blicken dem mehrtägigen Streik bei der Bahn weitgehend gelassen entgegen - auch wenn einzelne Firmen durchaus bei Lieferungen Probleme bekommen könnten: «Die deutschen Maschinenbauer sind durch den Lokführerstreik nur in Maßen betroffen, da die Lieferung von Vorprodukten und Komponenten sowie der Transport der fertigen Maschinen an die Kunden in erster Linie durch Lastkraftwagen erfolgt», erklärte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, in Frankfurt.

Der Stuttgarter Technikkonzern Bosch ist zuversichtlich, die Streikfolgen abfedern zu können. Nur ein geringer Prozentsatz der Landfrachten werde auf Schienen transportiert. Im Fall eines betroffenen Güterzuges werde die Ware auf Lkw geladen.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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