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Beutel-Set

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Der Kleinste hat es in sich: Öffnet man ihn, kommen noch zwei größere Beutel zum Vorschein. Alle drei bestehen aus T-Shirts, die wegen kleiner Produktions- fehler ausgemustert wurden. Sie haben einen praktischen Tunnelzug und sind vielseitig verwendbar, zum Beispiel auf Reisen für Schuhe oder Schmutz- wäsche, fürs Turn- oder Badezeug und manches andere. Genäht werden die Beutel in den Elbe-Werkstätten von Menschen mit Behinderung.

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Mi, 2015-07-29 15:05
Tunis (dpa)

Deutschland baut Militärkooperation mit Tunesien aus

Das Mutterland des «Arabischen Frühlings» ist von zwei schweren Terroranschlägen erschüttert worden. Die EU will Tunesien helfen, die Sicherheitslage zu verbessern. Verteidigungsministerin von der Leyen macht bei einem Besuch Zusagen.

Tunis (dpa) - Nach den Terroranschlägen auf Touristen in Tunesien weitet Deutschland seine militärische Kooperation mit dem nordafrikanischen Land aus. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte am Mittwoch bei einem Besuch in Tunis die Lieferung militärischer Ausrüstung für 1,2 Millionen Euro und eine verstärkte Ausbildung tunesischer Soldaten zu. Zudem soll Tunesien Unterstützung bei der Grenzsicherung erhalten. «Der Terror fordert uns heraus, schnell und konkret zu handeln», sagte die CDU-Politikerin.

Ende Juni hatte ein Attentäter im Badeort Sousse 38 Urlauber erschossen. Bereits im März waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.

«Die Bundesregierung sieht sich in der Verantwortung, Ihnen in dieser Situation zur Seite zu stehen», sagte von der Leyen. Die tunesischen Streitkräfte erhalten nun zunächst ein schwimmendes Dock für die Reparatur von Booten, eine Barkasse für Patrouillen, fünf Kleinlastwagen sowie 3000 Helme und 700 Doppelfernrohre.

Zudem wird die militärische Ausbildungshilfe ausgeweitet und intensiviert. Unter anderem sollen Mechaniker geschult werden, die militärische Fahrzeuge aus deutschen Beständen reparieren sollen. Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits 400 tunesische Soldaten ausgebildet.

Im Zentrum der deutschen Hilfsangebote steht aber die Sicherung der 600 Kilometer langen Grenze zu Libyen. Damit soll verhindert werden, dass islamistische Terroristen und Waffen nach Tunesien gelangen. Das Nachbarland ist in Herrschaftsgebiete zweier konkurrierender Regierungen und mehrerer Milizen zerfallen.

Bei der Grenzsicherung handelt es sich in erster Linie um eine polizeiliche Aufgabe. Inwieweit die Bundeswehr dabei helfen kann, ist unklar. «Entscheidend ist für mich das, was Sie als unsere Partner benötigen, um den Kampf gegen den Terror anzugehen», sagte von der Leyen.

Die Ministerin traf in Tunis Präsident Béji Caïd Essebsi, Verteidigungsminister Farhat Horchani und Parlamentarier. Zudem besuchte sie das Bardo-Museum, den Ort des Anschlags vom März. Horchani würdigte die deutschen Hilfsangebote. «Wir bauen sehr auf die deutsche Unterstützung», sagte er.

Mi, 2015-07-29 15:07
Paris (dpa)

Jane Birkin will Kult-Tasche ihren Namen entziehen

Die Tasche gilt als Kult, gerade auch in Kroko. Seit Jahrzehnten ist sie nach Jane Birkin bekannt. Nun will die Schauspielerin erstmal ihren Namen zurück. Grund ist das grausame Video einer Krokodilzucht.

Paris (dpa) - Nach grausamen Bildern von geschlachteten Krokodilen will die britische Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin (68) ihren Namen für die seit 1984 als Kult-Tasche verehrte «Birkin bag» bis auf weiteres zurückziehen. «Jane Birkin äußerte ihre Bedenken bezüglich der Praxis, Krokodile zu schlachten», hieß es in einer Stellungnahme des Herstellers Hermès vom Mittwoch in Paris. Das Luxuslabel ist nach eigenen Angaben «ebenso schockiert über die jüngsten Bilder».

Die Reaktion Birkins, die 1969 «Je t'aime, moi non plus» mit Serge Gainsbourg sang, geht zurück auf ein Video der Tierschutzorganisation Peta mit Schlachtszenen von einer Zuchtfarm. «Ich habe Hermès gebeten, der «Birkin Croco» den Namen zu nehmen bis bessere Praktiken in Einklang mit internationalen Normen in Kraft gesetzt werden», schrieb Birkin in einer Stellungnahme.

Laut Hermès wird die gezeigte Farm in Texas derzeit untersucht. Verstöße gegen internationale Tierschutzabkommen würden «behoben und sanktioniert». Der Hersteller wies darauf hin, diese Farmen gehörten nicht Hermès «und die Krokodilhäute werden nicht für die Fertigung einer Birkin bag verwendet».

Die exklusiven Taschen werden handgefertigt. Der Preis für die Variante in Kroko-Leder, für die laut Peta das Leder von zwei bis drei Tieren benötigt wird, beträgt rund 33 000 Euro.

Die Namensgebung geht zurück auf ein zufälliges Treffen von Birkin mit dem damaligen Hermès-Chef Jean-Louis Dumas. Birkins Wunsch nach einer ebenso eleganten wie praktischen Damentasche führte zu dem schließlich nach ihr benannten Design. Ausgeführt wurde die Tasche unter anderem von der britischen Sängerin Victoria Beckham, US-Sternchen Kim Kardashian oder den Heldinnen der TV-Serie «Sex and the City».

Mi, 2015-07-29 15:24
Wolfsburg (dpa)

VW-Konzern fällt nach starkem Jahresstart zurück - China bremst Von Heiko Lossie, dpa und Bernd Zeberl, dpa-AFX

Nach hohen Touren zum Jahresanfang muss Volkswagen vom Gas gehen. Der Konzern kassierte seine Verkaufsprognose für das laufende Jahr. Ein Grund für den Gegenwind ist China. Sorgen gibt es aber auch anderswo genug.

Wolfsburg (dpa) - Die jüngste Flaute auf dem wichtigsten Markt China und teils dramatische Einbrüche in anderen Absatzregionen setzen dem VW-Konzern zu. In seiner Halbjahresbilanz zeigte Europas größter Autobauer am Mittwoch Licht und Schatten und kassierte seine Prognose für die Verkäufe, die 2015 nur noch Vorjahresniveau erreichen sollen.

Noch Ende April hatte Volkswagen bekräftigt, ein «moderates» Plus bei den Auslieferungen zu erreichen. Das Tieferstapeln folgt ausgerechnet direkt auf einen Etappensieg, mit dem die Wolfsburger Anfang dieser Woche am Weltmarktführer Toyota vorbeigezogen waren und zur Halbzeit 2015 mehr Auslieferungen als der Rivale aus Japan vorweisen konnten.

Doch zu den anhaltenden Einbrüchen in Russland und Südamerika sowie zum Rückstand in den USA gesellten sich zuletzt Rückschläge in China, wo der Konzern ein Drittel aller Fahrzeuge losschlägt. Konzernchef Martin Winterkorn sprach von «einem immer härteren Marktumfeld».

Angesichts der verhaltenen Töne wird die Bedeutung des vor einem Jahr gestarteten Milliarden-Sparprogramms immer offensichtlicher. Es soll VW den Puffer bringen für teure Zukunftsaufgaben - auch dann, wenn sich künftig die Dämpfer häufen sollten. Herausforderungen gibt es genug: etwa den Eroberungszug des Digitalen in der Autowelt oder die Abgaspolitik, die aller Hersteller zu mehr Elektrofahrzeugen zwingt.

Neben dem Absatz verlor Volkswagen im Frühsommer auch finanziell den Anschluss an das starke Quartal zu Jahresbeginn. Der Überschuss des Zwölf-Marken-Konzerns fiel zwischen April und Ende Juni um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Auf Sicht der ersten sechs Monate steht der Überschuss damit im Minus: 1 Prozent runter auf 5,66 Milliarden Euro.

Eine zentrale Erklärung ist China. Dort arbeitet VW mit Partnern und weist die Gewinne daher gesondert aus. Während das erste Quartal den anteiligen operativen Gewinn aus China im Vergleich zum Start 2014 noch um rund 360 Millionen Euro hatte anschwellen lassen, schmolz dieser Puffer nun zum Halbjahr auf rund 122 Millionen Euro.

Nach Einbrüchen zur Jahresmitte stehen die Verkäufe in China per Juni drei Prozent im Minus und zogen auch die globale Auslieferungsbilanz 0,5 Prozent bergab. Einstige Hoffnungsträger wie Russland (41 Prozent Minus) und Brasilien (30 Prozent Minus) sind schon länger im Keller.

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte am Mittwoch, China werde sich nicht rasch berappeln. «Das wird seine Zeit brauchen». Im Reich der Mitte beginne nach Jahren des Booms eine «neue Normalität». Zudem verschiebe sich die Nachfrage in andere Modellsegmente - etwa hin zu günstigen Geländelimousinen, wo VW in China aber Nachholbedarf hat.

Getrieben vom schwachen Euro schraubten die Wolfsburger ihren Umsatz im Quartal trotz des geringeren Absatzes um rund 10 Prozent auf 56 Milliarden Euro. Auch zum Halbjahr steht bei den Erlösen ein Zehntel Verbesserung: 108,8 Milliarden Euro kamen per Juni zusammen.

Spürbar voran kam die renditeschwache Kernmarke VW-Pkw, die in dem Zwölf-Marken-Konzern für rund die Hälfte der zuletzt gut 10 Millionen Fahrzeugverkäufe pro Jahr steht. Die Hausmarke um Golf und Passat steigerte ihren Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf gut 1,4 Milliarden Euro, was im Halbjahresvergleich 41 Prozent Plus sind.

Den Schub des Sparprogramms bezifferte Pötsch für das erste Halbjahr mit einer «sichtbaren dreistelligen Millionen-Euro-Summe», die über das Jahr die Milliarden-Euro-Hürde nehmen könnte. Zudem entfalte das Projekt für mehr markenübergreifende Bauteile die geplante Zugkraft.

Wie gewohnt legten auch die Renditeperlen Porsche und Audi zu. Sie stehen zusammen für zwei Drittel des Betriebsgewinns im Konzern. Und selbst das Sorgenkind Seat, zuvor Jahre in den roten Zahlen, kommt voran und schrieb, wie schon im ersten Quartal, einen kleinen Gewinn.

Bereits seit Dienstag bekannt sind negative Einflüsse des Münchner Lkw-Bauers MAN. Er liegt nach den ersten sechs Monaten unter dem Strich 52 Millionen Euro im Minus. Der Nutzfahrzeugbauer kämpft mit Problemen in Brasilien und hat kürzlich einen großen Umbau gestartet.

Konzernweit verbesserte sich der operative Gewinn (Ebit) im ersten Halbjahr um rund 10 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Jedoch war das Plus im Auftaktquartal mit 17 Prozent höher ausgefallen und sackte im zweiten Quartal auf nur noch rund fünf Prozent Verbesserung ab.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mi, 2015-07-29 15:39
Berlin (dpa)

Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise für Türkei

Berlin (dpa) - Das Auswärtige Amt hat angesichts der angespannten Situation in der Türkei seine Reise- und Sicherheitshinweise aktualisiert. «Bei Reisen über Land wird zu besonderer Umsicht und Vorsicht geraten. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Anschläge auf die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul», heißt es am Mittwoch auf der AA-Homepage.

In den Provinzen Hatay, Kilis, Gaziantep, Sanliurfa, Diyarbakir, Mardin, Batman, Bitlis, Bingöl, Siirt, Mus, Tunceli, Sirnak, Hakkari und Van bestehe ein erhöhtes Risiko für Reisende. Die aktuelle Berichterstattung sollte aufmerksam verfolgt werden.

Die türkischen Luftangriffe auf Stellungen der PKK und der Terrormiliz IS in Syrien und im Irak hätten bisher aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Ferienregionen.

Mi, 2015-07-29 15:13
Genf (dpa)

Hilfsorganisationen warnen vor Meningitis-Epidemie in Afrika

Afrika droht eine Meningitis-Epidemie. Impfungen könnten die Menschen in den betroffenen Ländern schützen. Doch Pharmafirmen bleiben zu passiv. Das bemängeln vier große Hilfsorganisationen in einem Appell.

Genf (dpa) - In einem gemeinsamen Aufruf warnen vier große Gesundheitsorganisationen vor einer Meningitis-Epidemie in Afrika. Gegen die vor allem in der Trockenzeit auftretende Hirnhautentzündung müssten Pharmahersteller sofort die Produktion von Impfstoffen ausbauen, mahnten die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk Unicef, Ärzte ohne Grenzen (MSF) und die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) am Dienstagabend. Bis Januar würden fünf Millionen Impfdosen gegen Meningitis C benötigt.

Die Fälle von Meningitis C nähmen in Afrika seit 2013 zu, sagte William Perea, der für die WHO den Kampf gegen Infektionskrankheiten koordiniert. Nach MSF-Angaben erkrankten im ersten Halbjahr von 2015 allein in Niger und Nigeria 12 000 Menschen an Meningitis C, auch weil es an Impfstoffen mangelte. 800 Patienten starben bislang. «Wir müssen uns für die Meningitis-Saison 2016 auf eine deutlich höhere Zahl von Fällen vorbereiten», warnte Perea.

Zwar habe man die Hersteller auf den Bedarf an Impfungen hingewiesen, beklagt Unicef-Mitarbeiter Imram Mirza in der gemeinsamen Erklärung. Die Unternehmen hätten ihre Produktionspläne bislang jedoch nicht überarbeitet. Verursacht werden die Ausbrüche der Hirnhautentzündung durch das Bakterium Neisseria meningitidis, von dem zwölf Serotypen bekannt sind.

Übertragen werden die Meningitis-Erreger durch Tröpfcheninfektion. Die Krankheit beginnt mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackensteifheit. Fünf bis zehn Prozent der Patienten sterben, die Überlebenden behalten oft bleibende Hirnschäden zurück.

Epidemien treten immer wieder im Abstand von einigen Jahren im sogenannten Meningitis-Gürtel auf - meist in der Trockenzeit von Dezember bis Juni. Das Gebiet erstreckt sich über insgesamt 26 Länder - von Mauretanien im Nordwesten bis nach Tansania im Südosten. Bis 2010 entstanden mehr als 80 Prozent der Erkrankungen durch den Erreger von Meningitis A. Impfprogramme, bei denen bis Januar 2015 mehr als 217 Millionen Menschen geimpft wurden, haben die Zahl der Fälle durch diesen Erregertyp drastisch gesenkt.

Mi, 2015-07-29 15:25
Tunis (dpa)

«Stärker als der Terror» - Von der Leyen ermutigt Tunesien Von Michael Fischer und Mey Dudin, dpa

Zwei Terroranschläge auf Touristen haben Tunesien hart getroffen. Verteidigungsministerin von der Leyen besucht das Land, um Solidarität zu demonstrieren und Hilfe anzubieten.

Tunis (dpa) - Touristen sind weit und breit nicht zu sehen, als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am tunesischen Nationalmuseum Bardo eintrifft. Die Straße davor ist mit breiten Beton-Barrieren gesperrt. Für den Besuch aus Deutschland wurde das Museum vorübergehend geschlossen. Aber auch sonst wäre kaum jemand hier.

Am 18. März feuerten Attentäter vor dem Museum mit Kalaschnikows auf Touristen, verbarrikadierten sich anschließend in dem Bau und töteten mehr als 20 Menschen. Drei Monate später folgte der zweite Schlag: Am Strand von Sousse wurden 38 Urlauber erschossen. Seitdem trauen sich nur noch wenige Touristen nach Tunesien.

Am Eingang des Museums erinnert ein Mosaik an die Toten. Gegenüber hängen die Fahnen der zehn Herkunftsländer. Von der Leyen hält eine Minute inne, gedenkt der Anschlagsopfer. In das Gästebuch schreibt sie: «In tiefer Trauer gedenken wir der Opfer, stehen wir auf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte.»

Die Ministerin ist nach Tunis gekommen, um dem demokratischen Vorzeigeland der arabischen Welt ihren Respekt zu zollen und es zu ermutigen, den Weg der Reformen weiterzugehen. «Diese junge, ganz besondere Demokratie muss aber auch geschützt werden, sie muss kraftvoll sein - stärker als der Terror», sagt sie im alten Plenarsaal des Parlaments vor Abgeordneten - in einer auf Französisch gehaltenen Rede.   

Von der Leyen will sich in Tunis zunächst einmal anhören, was benötigt wird. Als Zeichen der Solidarität hat sie etwas mitgebracht: Die tunesischen Streitkräfte erhalten von der Bundeswehr militärische Ausrüstung für 1,2 Millionen Euro - Helme, Doppelfernrohre, Unimog-Kleinlaster, ein Patrouillenboot und ein schwimmendes Dock für Schiffsreparaturen. Das alleine wird den Kampf gegen den Terror nicht wesentlich voranbringen. Aber es ist eine Geste, die zeigen soll: Wir sind bereit zu helfen. Schnell und unkompliziert.

Deutschland will sich dabei vor allem auf den Grenzschutz konzentrieren. Im Gespräch ist die Ausbildung tunesischer Grenzschutzposten durch die Bundespolizei. Zudem wird Technik nötig sein. Was die Bundeswehr tun kann, ist noch unklar. Grenzschutz ist in erster Linie eine polizeiliche Aufgabe.

Tunesien hat eine rund 460 Kilometer lange Grenze zu Libyen, die weitgehend unkontrolliert ist. In dem benachbarten Bürgerkriegsland war nach derzeitigen Erkenntnissen der islamistische Attentäter ausgebildet worden, der Ende Juni im Badeort Sousse die 38 Urlauber erschoss.

Die tunesische Regierung hat nun mit dem Bau einer 168 Kilometer langen und zwei Meter hohen Befestigung begonnen. Bis Ende des Jahres soll der Schutzwall fertig sein und Dschihadisten daran hindern, unerkannt aus Libyen nach Tunesien zu kommen. Von ihren Verbündeten erhofft sich die Regierung in Tunis im Anti-Terror-Kampf eine rasche militärische Aufrüstung. Geplant ist bereits, dass das Land von den USA bis Ende 2016 acht Black-Hawk-Hubschrauber bekommt, die erste Charge von insgesamt zwölf, die das Land bestellt hat.

Eine gut gesicherte libysch-tunesische Grenze mit wachsamen Kontrolleuren birgt allerdings auch Risiken: Viele Bewohner der Region, in der die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist, leben vom Schmuggel. Stämme, die sowohl in Tunesien als auch in Libyen ansässig sind, bringen Benzin und andere Waren aus Libyen ins Land. Als im Frühjahr eine Ausreisesteuer eingeführt wurde und Grenzübergänge teurer machten, gab es blutige Unruhen.

Der tunesische Verteidigungsminister Farhat Horchani bemüht sich jedenfalls, auf eine Frage nach dem Bauprojekt an der Grenze klarzustellen: «Es wird niemals eine Mauer zwischen Libyen und Tunesien geben.» Er betont: «Es geht nicht darum, unsere beiden Völker zu trennen.» Es gehe vielmehr um Sandwälle und Gräben. Das werde alles natürlich sein.

Mi, 2015-07-29 14:55
München (dpa)

München erhöht Lärmschutzwand vor Kita - Nachbarn klagten

München (dpa) - Eine höhere Lärmschutzwand soll die Nachbarn einer Münchner Kindertagesstätte beruhigen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden Richters verpflichtete sich die Stadt München am Mittwoch vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, die Schallschutzwand zum Anwesen der Kläger von zwei Metern auf zweieinhalb Meter zu erhöhen und eine bestehende Lücke zu schließen (Az.: 2B 151088/15).

Die Nachbarn hatten gegen die Baugenehmigung für die Kita geklagt, die seit September 2014 teilweise in Betrieb ist. Vor dem Verwaltungsgericht München hatten sie in erster Instanz Erfolg.

Die Tagesstätte ist für insgesamt 136 Kinder vorgesehen, davon 36 Kleinkinder in der Krippe und je 50 Besucher des Kindergartens und des Horts. Ein solches Projekt sprenge den Rahmen eines zumindest allgemeinen, wenn nicht reinen Wohngebiets, machte ein Kläger-Anwalt in der mündlichen Verhandlung geltend. Eine Vertreterin der Stadt pochte auf den Bedarf an Kita-Plätzen, der eine solche Einrichtung selbst in einem reinen Wohngebiet ausnahmsweise erlaube.

Richter Hans-Joachim Dösing machte den Klägern wenig Hoffnung auf einen Erfolg in zweiter Instanz. Er verwies auf eine Sondervorschrift des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Demnach sind Geräusche einer Kindereinrichtung im Regelfall keine «störende Einwirkung», sie müssten als «sozialadäquat» hingenommen werden. Auch seien die Kinder wohl kaum alle gleichzeitig draußen, sagte Dösing.

Mi, 2015-07-29 14:57
Berlin (dpa)

Merkel hofft auf weiteren Friedensprozess mit Kurden in der Türkei

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat an die Türkei appelliert, den Friedensprozess mit den Kurden wieder in Gang zu setzen. Nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel hat der Prozess eine große Bedeutung für die Türkei - sie hoffe, dass es bald neue Ansatzpunkte gebe, sagte Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Mittwoch in Berlin. Die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Sawsan Chebli, erklärte: «Am Ende ist es für die Zukunft der Türkei am besten, wenn dieser Friedensprozess aufrechterhalten und fortgesetzt wird.»

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Friedensprozess mit den Kurden am Dienstag für beendet erklärt. Nach mehreren Terroranschlägen mit Dutzenden Toten fliegt die türkische Luftwaffe seit voriger Woche Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien sowie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak.

Das Vorgehen gegen die Kurden, deren Kämpfer den IS in Syrien zurückschlagen und somit Verbündete der USA sind, ist international höchst umstritten. Der Irak kritisierte die Luftangriffe als gefährliche Eskalation und Verletzung seiner Souveränität.

Das Bundesverteidigungsministerium teilte mit, dass die Sicherheitsmaßnahmen für die in der Türkei stationierten 260 Bundeswehrsoldaten erhöht worden seien. Sie sind nahe der Grenze zu Syrien für das Raketenabwehrsystem «Patriot» eingesetzt und in einer türkischen Kaserne untergebracht.

Linksvizefraktionschefin Sahra Wagenknecht forderte: «Die Bundesregierung muss den Angriffskrieg der Türkei unmissverständlich verurteilen. Die Nato-Bündnistreue mit dem Autokraten Erdogan ist aufzukündigen.»

Mi, 2015-07-29 15:40
Harare (dpa)

US-Jäger tötet Löwen Cecil - Entrüstung in Simbabwe

Der Löwe Cecil mit seiner schwarzen Mähne galt als ein Wahrzeichen Simbabwes. Jetzt hat ein US-Jäger das Raubtier getötet. Seine örtlichen Helfer müssen sich vor Gericht verantworten.

Harare (dpa) - Ein amerikanischer Jäger hat in Simbabwe einen bekannten Löwen namens Cecil getötet und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der 13 Jahre alte Löwe mit der schwarzen Mähne galt als ein Wahrzeichen des Hwange-Nationalparks im Nordwesten des afrikanischen Landes in der Nähe der Victoriafälle. Zwei mutmaßliche örtliche Helfer des Jägers wurden festgenommen und sollten am Mittwoch vor Gericht erscheinen.

Der Jäger nutzte offenbar einen perfiden Trick, um den Löwen aus dem Nationalpark zu locken. Der im US-Staat Minnesota lebende Zahnarzt Walter Palmer habe ein totes Tier an ein Auto gebunden, teilte der Vorsitzende der Umweltorganisation Zimbabwe Conservation Task Force (ZCTF), Johnny Rodrigues, mit. Mit einem anderen Jäger habe er die Raubkatze so aus dem Park gelockt. Außerhalb des Parks ist die Jagd mit den entsprechenden Genehmigungen legal.

Palmer habe dann mit Pfeil und Bogen auf Cecil geschossen, das Tier aber nicht erlegt. Erst 40 Stunden nach der nächtlichen Aktion hätten die Jäger den Löwen entdeckt und erschossen. Anschließend hätten sie ihn gehäutet und geköpft. Zudem hätten sie vergeblich versucht, sein mit einem GPS-Sender versehenes Halsband zu zerstören, das Forscher des von der Oxford-Universität unterstützten Projekts Hwange Lion Research ihm angelegt hatten. 

Palmer bekannte sich zu der Tötung des Löwen, die sich bereits Anfang Juli zutrug aber erst Anfang der Woche bekannt wurde, und bat um Entschuldigung. «Ich hatte keine Ahnung, dass der Löwe ein bekannter, lokaler Liebling war, ein Halsband trug und bis zum Ende der Jagd Teil einer Studie war», schrieb er laut einem Bericht der Zeitung «Star Tribune». «Meiner Kenntnis nach war alles an dieser Reise legal und wurde ordnungsgemäß gehandhabt und durchgeführt.» Er habe professionelle Jäger beauftragt und alle nötigen Genehmigungen besorgt. Die Behörden in Simbabwe oder den USA hätten ihn noch nicht kontaktiert.

Ein örtlicher Jäger, der Palmer half, und der Besitzer des Grundstücks, auf dessen Land das Tier getötet wurde, müssen sich wegen Verdachts auf Wilderei vor Gericht verantworten. Auch nach Palmer, der umgerechnet rund 45 000 Euro für die Löwenjagd bezahlt haben soll, wird Berichten zufolge gesucht.

Die Löwenjagd ist mit entsprechenden Genehmigungen in mehreren Ländern des südlichen Afrikas in geringem Maße erlaubt. Befürwortern zufolge helfen die Einnahmen aus der Jagd, Schutzmaßnahmen vor Wilderei und den Artenschutz allgemein zu finanzieren.

Gegner sehen in der Trophäenjagd jedoch ein perfides Hobby, das Tierbestände dezimiert sowie Korruption und illegalen Handel fördert. Die Naturschutzorganisation Pro Wildlife etwa fordert nicht nur ein Ende der Trophäenjagd sondern auch ein weltweites Handelsverbot für Löwen und andere Jagdtrophäen. Zudem sollte die EU die Einfuhr solcher Trophäen verbieten «um die fatalen Auswirkungen der Großwildjagd zu stoppen».

Rund 130 000 Menschen unterzeichneten nach Cecils Tod eine an Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe gerichtete Petition, Genehmigungen zur Jagd auf vom Aussterben bedrohte Tiere zu stoppen. «Der traurigste Teil von Cecils Tod ist, dass der rangnächste Löwe Jericho nun höchstwahrscheinlich alle von Cecils Jungen töten wird, damit er seine eigene Blutlinie in die des Weibchens einfügen kann», schrieb Rodrigues von der ZCTF. «Das ist bei Löwen das Standardverfahren.»

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Mi, 2015-07-29 15:25
Hamburg/Cuxhaven (dpa)

Aufsichtsrat könnte im Machtkampf bei Windpark-Firma PNE entscheiden

Hamburg/Cuxhaven (dpa) - Der interne Machtkampf beim Windpark-Projektierer PNE Wind AG geht möglicherweise in die entscheidende Runde. Am Mittwoch wollten sich die sechs Aufsichtsräte des Cuxhavener Unternehmens treffen, um Vorstandschef Martin Billhardt abzuberufen, berichtete das «Handelsblatt». Eine Zustimmung der Aktionäre sei dafür nicht nötig, sagte ein Firmensprecher. «Das ist allein Sache des Aufsichtsrats.»

Die Hauptversammlung von PNE im Juni hatte wegen der Querelen in einem Chaos geendet. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Darüber und über die Tagesordnung muss das Kontrollgremium noch entscheiden.

Laut dem «Handelsblatt»-Bericht ist der Aufsichtsrat in zwei Lager zerstritten. Bisher stützt Chefaufseher Dieter Kuprian Vorstandschef Billhardt. Doch dies soll sich nach der letzten Hauptversammlung geändert haben. Dort hatten die Aktionäre fast den gesamten Aufsichtsrat abgewählt.

Der Vorstand musste die Sitzung aber abbrechen, ohne die Ergebnisse verkünden zu können. Mit dem Vorschlag, einen neuen unabhängigen Aufsichtsrat zu benennen, soll Billhardt nun Kontrolleure aus beiden Lagern gegen sich aufgebracht haben.

Mi, 2015-07-29 15:43
Riga (dpa)

Zwölf russische Flugzeuge über Ostsee - Nato-Jets steigen auf

Riga (dpa) - Kampfjets der Nato sind über dem Baltikum aufgestiegen, um auf zwölf russische Militärflugzeuge über der Ostsee zu reagieren. Nahe der lettischen Grenze seien in internationalem Luftraum am Mittwoch vier Transportmaschinen, vier Abfangjäger und vier Jagdbomber identifiziert worden, teilten die lettischen Streitkräfte im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Zuvor waren am Dienstag bereits ein Schiff und drei Transportflugzeuge der russischen Armee geortet worden. Seit Beginn der Ukraine-Krise wurden an den Grenzen der baltischen Staaten vermehrt russische Militärflugzeuge und Kriegsschiffe gesichtet.

Im Zuge des Konflikts erhält auch die lettische Freiwilligenarmee weiter Zulauf. Das Interesse an der Zemessardze (Landwehr) habe nicht nachgelassen, sagte Befehlshaber Leonids Kalnins im Radio. Bis Ende Juni hätten sich 750 Menschen für den freiwilligen Dienst an der Waffe gemeldet - so viele wie im gesamten Jahr zuvor.

Als Teil der regulären lettischen Armee zählt die Freiwilligenarmee derzeit etwa 8000 Mitglieder, die in ihrer Freizeit an der Waffe ausgebildet werden. Die Einheiten können im Kriegsfall oder für Hilfsaufgaben mobilisiert werden.

Mi, 2015-07-29 17:00
Thimphu/Berlin (WWF)

Internationaler Tag des Tigers - Bhutan veröffentlicht neue Bestandszahlen

Zum Internationalen Tag des Tigers präsentiert die Regierung von Bhutan das Ergebnis ihrer ersten, landesweiten Tigerzählung. Demnach leben in dem Himalajastaat derzeit noch 103 Tiger in freier Wildbahn. Eine frühere Schätzung ging von nur 75 Tieren aus. Der WWF warnte zum Tag des Tigers, dass die Raubkatzen in weiten Teilen Südostasien aussterben könnten und rief alle Staaten zur Zählung und zum verstärkten Schutz ihrer Bestände auf. Teile von Tigern wie etwa die Knochen sind ähnlich wie Elfenbein und Nashorn-Hörner in Asien sehr begehrt und die Knochen werden noch immer illegal für pseudomedizinische Zwecke eingesetzt.
"Es ist ein gutes Signal, dass erstmals in der Geschichte Bhutans die Regierung eine nationale, wissenschaftliche Bestandserhebung durchgeführt hat. Erst wenn bekannt ist, wo und wie viele Tiger in einem Land leben, können geeignete, wirksame Schutzmaßnahmen ergriffen werden", erkläre Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand beim WWF Deutschland.

Erst vor einigen Tagen hatte auch Bangladesch die Zahl der dort wild lebenden Tiger bekannt gegeben. Die wissenschaftliche Zählung ergab nur 106 Tiere, wesentlich weniger als zuvor geschätzt. Der WWF geht davon aus, dass frühere Angaben auf einer wenig verlässlichen Zählmethode beruhten und zu positiv waren. Zugleich warnte der WWF vor einem Verschwinden des Tigers in weiten Teilen Südostasien. So sei zu befürchten, dass die Zahl der in Malaysia lebenden Tiger von 500 im Jahr 2010 auf weniger als 250 Tiere geschrumpft ist. In Kambodscha, Vietnam und Laos gibt es nach WWF-Einschätzung heute keine fortpflanzungsfähigen Populationen mehr. Außerdem sei unbekannt, wie viele Tiger es noch in Thailand, Indonesien und Myanmar gibt.

"Auf dem internationalen Tigergipfel 2010 hat sich die internationale Staatengemeinschaft darauf  verständigt die Bestandszahlen auf mehr als 6000 Tiger verdoppeln zu wollen. Diesem Versprechen müssen endlich auch in Südostasien Taten folgen. Die südostasiatischen Tiger-Länder müssen nun endlich Bestände zählen und die Wilderei wirksam bekämpfen. Das ist die zwingende Grundlage für erfolgreichen Artenschutz",  fordert WWF-Vorstand Brandes.

Neben Bhutan und Bangladesch ist derzeit bekannt, dass es in Indien seit 2010 eine Zunahme von 1.706 auf 2.226 Tiere gab. Russlands letzte Zählung kam im Frühjahr 2015 auf 540 Tiere. In Nepal stieg die Zahl von 155 (2008) auf 198 im Jahr 2013. Der WWF arbeitet in zahlreichen Projekten in allen Tigerstaaten zusammen mit Regierungen, Behörden und Wissenschaftlern an der Verdoppelung der Tigerzahlen bis 2022.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mi, 2015-07-29 17:00
Portland/USA (Greenpeace e.V.)

Greenpeace-Kletterer protestieren in Portland gegen Auslaufen von Shell-Eisbrecher

Gegen Shells Ölbohrungen in der Arktis protestieren Greenpeace-Kletterer heute in Portland/Oregon. Die 26 Umweltschützer hängen weithin sichtbar an der St. Johns Brücke über dem Willamette-River und haben Verpflegung für mehrere Tage dabei, auf Bannern fordern sie, dass die Arktis geschützt wird. Der Grund für den Protest: Der Shell-Eisbrecher „Fennica“ will jetzt nach einer Reparatur Portland in Richtung Arktis verlassen. Das Schiff ist Teil der Bohrflotte und war Anfang Juli auf dem Weg in die Arktis offenbar auf Grund gelaufen, ein ein Meter langer Riss im Rumpf der „Fennica“ zwang daraufhin das Schiff zur Umkehr. Jetzt soll es erneut zur Bohrstelle fahren und dort Shell bei der Ölsuche unterstützen. „Die US-Regierung muss endlich die Notbremse ziehen und Shell Bohrungen in der Arktis untersagen“, sagt Larissa Beumer, Arktis-Expertin von Greenpeace.

Die US-Regierung hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass Shell vor der Küste Alaskas erst mit der Ölsuche beginnen könne, wenn der Eisbrecher „Fennica“ vor Ort eingetroffen ist. Bis dahin darf der Konzern lediglich oberflächliche Bohrungen durchführen, die nicht in ölführende Schichten vordringen. Das 22 Jahre alte Schiff soll Eisschollen von den Bohrstellen fern halten, an Bord befinden sich außerdem wichtige Teile der Notfallausrüstung. Dass es jederzeit zu einem Ölunfall kommen kann, zeigt auch eine Risikoabschätzung der US-Behörde „Bureau of Ocean Energy Management“. „Sollte Shell Öl finden, läge demnach die Wahrscheinlichkeit für mindestens einen schweren Unfall während des Förderzeitraums bei 75 Prozent“, sagt Beumer.

In den vergangenen Tagen haben auch hochranginge US-Politiker der Demokratischen Partei, darunter Hillary Clinton und Al Gore sowie US-Senatoren verschiedener Bundesstaaten, Zweifel an der Sicherheit von Ölbohrungen in der Arktis geäußert. Oregons Senator Jeff Merkley hat zusammen mit fünf anderen US-Senatoren ein Gesetz gegen arktische Ölbohrungen vorgeschlagen.

Seit 2012 wird Shells Ölsuche in der Arktis von Pannen begleitet, beim damaligen ersten Versuch kam es zu mehreren schweren Zwischenfällen vor der Küste Alaskas. Unter anderem lief die „Kulluk“-Bohrplattform während eines Sturms auf Grund; auch das Bohrschiff „Noble Discoverer“ wäre fast havariert. Der Konzern musste in Folge dessen die Probebohrungen für zwei Jahre aussetzen. „All diese Vorfälle zeigen, wie unverantwortlich Shell in der Arktis handelt“, so Beumer.

Mi, 2015-07-29 14:11
Berlin (dpa)

Linke im Bundestag beantragt Ausschuss-Sondersitzung zu Türkei

Berlin (dpa) - Angesichts der türkischen Luftangriffe auf die kurdische PKK haben die Linken im Bundestag eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses beantragt. Bei dem Treffen kommende Woche solle die Bundesregierung darlegen, wie sie «dieses Agieren eines Nato-Mitgliedslandes und EU-Beitrittskandidaten bewertet und welche Konsequenzen dies haben wird», erklärte der Obmann Stefan Liebich am Mittwoch in Berlin.

«Angesichts des fortgesetzten Militäreinsatzes der türkischen Armee gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK in der Türkei, im Irak und in Syrien, der Aufkündigung des Friedensprozesses durch Präsident Erdogan und mit Blick auf die in der Türkei stationierten Soldaten der Bundeswehr muss die stillschweigende Kumpanei der Bundesregierung mit Präsident Erdogan beendet werden», erklärte er.

Mi, 2015-07-29 14:08
Ankara (dpa)

1300 Festnahmen in der Türkei - Parlament debattiert Angriffe auf PKK

Ankara (dpa) - Die türkische Regierung greift hart gegen angebliche Anhänger der verbotenen Kurdenpartei PKK, der Terrormiliz Islamischer Staat sowie regierungskritische linke Gruppierungen durch. In den vergangenen Tagen seien mehr als 1300 Verdächtige festgenommen worden, teilte die Regierung am Mittwoch mit. Die Zahl wurde nicht aufgeschlüsselt. Nach Angaben von Kurdenvertretern handelt es sich zu einem großen Teil um Mitglieder kurdischer und linker Gruppen. Wie viele Verdächtige sich noch in Haft befinden, wurde nicht mitgeteilt.

Auf Antrag der pro-kurdischen HDP soll das Parlament die Luftangriffe der Armee auf Stellungen der PKK und des IS erörtern. Auch das Sicherheitskabinett soll am Mittwochabend zusammenkommen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, das Land, die Demokratie und die Menschenrechte würden angegriffen. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag den Friedensprozess mit den Kurden aufgekündigt und auch die Strafverfolgung von HDP-Abgeordneten angedroht.

Die oppositionelle HDP hingegen warf der Regierung einen «zivilen Coup» nach ihrer Wahlschlappe im Juni vor. In der Türkei seien immer wieder Parteien kaltgestellt worden, sagte die HDP-Abgeordnete Pervin Buldan. Erdogan spekuliere bei immer wahrscheinlicher werdenden Neuwahlen auf einen Stimmenzuwachs für die islamisch-konservative AKP, die ihre absolute Mehrheit verloren hatte, so die Opposition.

Wie CNN Türk berichtete, eröffnete ein Staatsanwalt Ermittlungen zur Aufhebung der Immunität von HDP-Chef Salahattin Demirtas. Grund seien Aussagen im Wahlkampf über Machtmissbrauch der AKP.

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

Keine Anzeige!

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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