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PRODUKT
der Woche
Mi, 2015-09-02 15:38
Berlin/Düsseldorf (dpa)

Eon würde gegen Haftungsgesetz für Atomausstiegs-Kosten klagen

Berlin/Düsseldorf (dpa) - Deutschlands größter Energiekonzern würde gegen ein Gesetz zur unbegrenzten Haftung für Atomausstiegs-Kosten voraussichtlich vor Gericht ziehen. Das kündigte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch in Düsseldorf an. «Der Entwurf für ein sogenanntes Konzernnachhaftungsgesetz dürfte einer verfassungsrechtlichen Überprüfung nicht standhalten», sagte der Eon-Sprecher. Das gelte vor allem für die geplante zeitlich und betragsmäßig unbegrenzte Haftung. «Sollte es in dieser Form verabschiedet werden, müssten wir aller Voraussicht nach Rechtsmittel einlegen.»

Nach Informationen der Wochenzeitung «Die Zeit» und der Deutschen Presse-Agentur plant das Bundeswirtschaftsministerium die Einführung einer gesetzlichen «Nachhaftung» für Atomausstiegs-Kosten. Damit will der Bund sicherstellen, dass die Konzerne auch dann dauerhaft für die Milliardenkosten beim AKW-Rückbau und der Endlagerung des Atommülls aufkommen, wenn sie ihr Atomgeschäft in Tochterfirmen ausgliedern.

Der Eon-Konzern hat angekündigt, sein Geschäft mit Atom, Gas und Kohle in die neu gegründete Gesellschaft Uniper abzuspalten. Ohne das neue Gesetz würde die gesamtschuldnerische Nachhaftung von Eon fünf Jahre nach der Abspaltung enden. Der Konzern hat nach eigenen Angaben per Ende vergangenen Jahres 16,6 Milliarden Euro für den Atom-Ausstieg zurückgestellt. Insgesamt haben die Atom-Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW 35,8 Milliarden Euro an Rückstellungen für den AKW-Rückbau und die Endlagerung gebildet.

Mi, 2015-09-02 15:05
Istanbul (dpa)

Bericht: Türkische Luftwaffe fliegt Vergeltungsangriff gegen PKK

Istanbul (dpa) - Nach dem Tod eines Soldaten in der Südosttürkei hat die Luftwaffe nach einem Medienbericht einen Vergeltungsschlag gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK geflogen. 20 PKK-Kämpfer seien am Mittwoch in der Provinz Hakkari getötet worden, berichtete die regierungsnahe Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Sicherheitskreise. F-16 Kampfflugzeuge seien aufgestiegen, nachdem der Soldat bei Gefechten zwischen Armee und PKK getötet worden war. Die Armee habe auch Maschinengewehrstellungen zerstört. Die Armee und die PKK machten zu dem Angriff zunächst keine Angaben.

Mi, 2015-09-02 15:14
Brüssel (dpa)

EU-Kommission erlaubt Shell Übernahme von Gasförderer BG Group

Brüssel (dpa) - Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell darf nach einer Entscheidung der EU-Kommission den britischen Gasförderer BG Group übernehmen. Auch nach dem Zusammenschluss werde es eine Reihe starker Konkurrenten auf dem Markt in Europa geben, so dass Shell nicht die Preise diktieren könne, teilte die oberste Wettbewerbsbehörde Europas am Mittwoch in Brüssel zur Begründung mit.

Shell lässt sich den Kauf nach früheren Angaben 47 Milliarden Pfund (64 Mrd Euro) in bar und in Aktien kosten. Das Geschäft soll Anfang 2016 perfekt gemacht werden.

Nach ihrer Prüfung kam die EU-Kommission zu dem Ergebnis, dass die Übernahme Shell auf den Märkten für die Erkundung von Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie beim Großhandel mit flüssigem Erdgas (LNG) keine dominierende Stellung verschaffen wird. Der Konzern könne Konkurrenten auch nicht vom Zugang zu seinen Verflüssigungsanlagen und von seiner Transport-Infrastruktur in der Nordsee ausschließen.

Shell will sich gemeinsam mit dem Partner künftig vor allem auf die Stärken bei Tiefsee-Bohrungen und bei Flüssiggas konzentrieren. Für Shell ist es der größte Zukauf seit der Fusion des niederländischen und des britischen Zweiges im Jahr 2005. Mit der Übernahme gehen der größte und der drittgrößte Gasproduzent Großbritanniens zusammen. Shell steht wegen des Verfalls des Ölpreises massiv unter Druck.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Mi, 2015-09-02 15:30
Brüssel (dpa)

EU-Sanktionen gegen Putin-Vertraute werden sechs Monate verlängert

Knapp 150 Russen und prorussische Separatisten bleiben wegen ihrer Beteiligung am Ukrainekonflikt auf der «Schwarzen Liste» der EU. Betroffen sind auch Vertraute des Präsidenten.

Brüssel (dpa) - Die EU-Sanktionen gegen Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin und prorussische Separatisten werden um weitere sechs Monate verlängert. Darauf einigten sich am Mittwoch Vertreter der EU-Mitgliedstaaten in Brüssel. Betroffen sind nach Angaben von Diplomaten 149 Personen, die den Ukrainekonflikt auf die eine oder andere Art angeheizt haben sollen. Ihre in EU-Staaten vorhandenen Vermögenswerte bleiben damit eingefroren. Zudem dürfen sie nicht nach Deutschland oder in andere EU-Staaten einreisen.

Von den Vermögenssperren sind neben den Einzelpersonen auch 37 Einrichtungen, Unternehmen und Organisationen betroffen. Die Strafmaßnahmen waren zuletzt bis zum 15. September dieses Monats verlängert worden. Nun sollen sie bis zum 15. März des kommenden Jahres gelten.

Zu den prominentesten Namen auf der «Schwarzen Liste» der EU gehören der stellvertretende russische Verteidigungsminister Arkadi Bachin sowie der Geschäftsmann und Milliardär Arkadi Rotenberg. Rotenberg war früher Judopartner Putins und gilt bis heute als dessen enger Vertrauter. Zu den Betroffenen zählen auch zwei wichtige Teilhaber der Bank Rossiya, die ebenfalls Putin nahestehen sollen.

Keine spürbaren Konsequenzen haben die Sanktionen allerdings dann, wenn die Gelisteten weder Konten oder Immobilien in der EU besitzen noch in die EU reisen wollen. Nach Angaben aus EU-Kreisen gilt dies vermutlich für einen Großteil der 149 Personen. Die bereits im Sommer verlängerten Wirtschaftssanktionen gegen Russland gelten als wesentlich härtere Strafmaßnahme.

Die Entscheidung der Vertreter der Mitgliedstaaten muss noch bis zum 15. September formalisiert werden.

Mi, 2015-09-02 15:37
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Zitat: Regierungssprecher Seibert zum Asylrecht

«Ein ganz klares Bekenntnis zum Asylrecht, wie es unser Grundgesetz vorsieht: Es gibt keine Pläne, das zu ändern. Es ist einer der Leitsterne, dem wir folgen, beim Umgang mit der Herausforderung durch die vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen.»

(Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin auf die Frage, ob die Bundesregierung Eingriffe in das Grundrecht auf Asyl ausschließe. Im Grundgesetz-Artikel 16a heißt es: «Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.»)

Mi, 2015-09-02 15:19
Belgrad (dpa)

Warum gibt es gerade jetzt so viele Flüchtlinge?

Belgrad (dpa) - Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr 800 000 Asylsuchende erwartet. Das sind vier Mal so viele wie im vergangenen Jahr und mehr als je zuvor.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg ist die dramatische Lage in Syrien. Auch im fünften Jahr des blutigen Bürgerkriegs ist kein Ende in Sicht, stattdessen wird die Zerstörung immer größer. Das Regime bombardiert Zivilisten aus der Luft mit Fassbomben, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine Terrorherrschaft errichtet. «Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs wollten die Flüchtlinge so schnell wie möglich in ihre Heimat zurückkehren», sagte UNHCR-Sprecherin Karolin Eberle der Deutschen Presse-Agentur. Inzwischen hätten die Syrer aber die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr verloren.

Zudem wird die Lage für die Flüchtlinge in den Nachbarländern schwieriger. Syrer in der Türkei berichten von schlechten Lebensbedingungen und Perspektivlosigkeit. Kinder können nicht zur Schule gehen. Hilfsorganisationen wie das UN-Hilfswerk UNHCR bekommen von den internationalen Geldgebern zu wenig Hilfe. Sie können deshalb viele Flüchtlinge nicht einmal mit dem Lebensnotwendigen versorgen. Im Libanon - wo syrische Flüchtlinge inzwischen gut ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen - müssen sie ohne Geld jeden Tag um ihr Überleben kämpfen.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl sieht noch einen anderen Grund für die zunehmende Zahl der Flüchtlinge aus Syrien und aus dem Irak. In Griechenland seien unter Ministerpräsident Alexis Tsipras seit Anfang des Jahres die Grenzen zur Türkei durchlässiger geworden, sagt Geschäftsführer Günter Burkhardt. Das Tor nach Europa steht damit ein Stück weiter offen.

Dass so viele Syrer, Iraker und Afghanen nach Deutschland wollen liegt daran, dass viele hier Verwandte und Bekannte haben. 100 000 Iraker, 150 000 Syrer und 85 000 Afghanen seien bereits hier, sagt Burkhardt. «Man geht immer dahin, wo es Netzwerke gibt.»

Von den in Deutschland registrierten Asylbewerbern kamen in den ersten sieben Monaten des Jahres aber auch 40 Prozent aus den Ländern des westlichen Balkan. Den Anfang machten im Februar die Kosovo-Albaner. Damals hatten sich die beiden eigentlich tief verfeindeten großen Parteien zu einer Regierung zusammengefunden. Das wurde in dem bitterarmen Land als Zeichen gedeutet, dass die politische Klasse weiter Staat und Wirtschaft plündern will und so an eine Besserung der sozialen Lage nicht zu denken ist.

Die zugespitzte politische Krise und die soziale Dauermisere wird auch für die Massenflucht aus Mazedonien verantwortlich gemacht. Wirtschaftlich miserabel geht es großen Teilen der Bevölkerung auch in Serbien. In Bosnien gab es vor eineinhalb Jahren wegen der Verarmung breiter Schichten gewaltsame soziale Aufstände.

Mi, 2015-09-02 15:07
Essen (dpa)

RWE-Aktie stürzt immer tiefer - Aktionär kritisiert den Vorstand

Unruhe bei RWE: Der Aktienkurs fällt immer weiter, ein wichtiger Anteilseigner kritisiert öffentlich den Vorstand. Für Konzernchef Peter Terium dürfte die anstehende Aufsichtsratssitzung am 18. September eine wenig vergnügliche Veranstaltung werden.

Essen (dpa) - Die Krise beim zweitgrößten deutschen Energieversorger RWE sorgt zunehmend für Unruhe bei den kommunalen Aktionären und drückt auf den Aktienkurs. Die für den 18. September geplante Aufsichtsratssitzung dürfte für Konzernchef Peter Terium wenig vergnüglich werden - auch wenn die künftige Dividende dabei nicht auf der Tagesordnung steht. RWE leidet unter den Umwälzungen der Energiewende und verdient mit seinen konventionellen Kraftwerken immer weniger Geld.

Am Mittwoch kritisierte der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, in der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ) ungewöhnlich offen den RWE-Vorstand: «Gelegentlich wird der Eindruck erweckt, das Unternehmen sei nicht mehr in der Lage, Gewinne zu erwirtschaften. Das entspricht aber nicht der Realität. Als Anteilseigner würde ich mir eine bessere Kommunikation des Vorstands wünschen.» Die Dortmunder Stadtwerke zählen mit knapp 3,6 Prozent der Anteile an RWE zu den bedeutenden Aktionären des Unternehmens.

Der Aktienkurs fiel am Mittwoch auf einen neuen Tiefpunkt von bis zum Nachmittag knapp 13 Euro. Zuvor war bekanntgeworden, dass RWE Ende September aus dem Index der 50 wichtigsten Unternehmen der Eurozone Euro-Stoxx herausfällt. Im Juli 2012 beim Amtsantritt des jetzigen Vorstandschefs Terium hatte der Kurs noch bei gut 33 Euro gelegen. Ende 2007 waren es fast 98 Euro.

Die Kommunen, die zusammen rund 24 Prozent an dem Konzern halten, befürchten vor allem eine weitere Dividendenkürzung. «Wir haben schon die Erwartung, dass die Dividende von 1 Euro nicht unterschritten wird», sagte der Dortmunder Stadtwerke-Chef. «Wir gehen davon aus, dass RWE die Dividende für 2015 unverändert bei einem Euro pro Aktie lässt», meinte Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbandes kommunaler RWE-Aktionäre (VKA), in der «Rheinischen Post» (Mittwoch).

Eine RWE-Sprecherin sagte, das Ausscheiden aus dem Euro-Stoxx habe den Markt wohl nicht überrascht. Es sei eine Konsequenz aus dem fallenden Kurs, die man habe vorhersehen können. Bei passiven Investoren, die nicht aktiv handeln, sondern Indizes abbilden, könne das Ausscheiden von RWE aber zu weiteren Aktienverkäufen führen. Nachfolger von RWE im Euro-Stoxx wird der Gesundheitskonzern Fresenius.

RWE hatte 2013 und 2014 je einen Euro Dividende gezahlt, die Gewinne schrumpfen seit Jahren aber rapide. Ende 2014 hatte der Essener Konzern eine neue Ausschüttungspolitik eingeführt, die sich nicht mehr nur an den Nettogewinnen orientiert, sondern auch die Verschuldung sowie Investitionsvorhaben berücksichtigt. Analysten erwarten, dass nun bei der - seit 2012 bereits halbierten - Dividende erneut der Rotstift angesetzt werden könnte.

Mi, 2015-09-02 15:39
Damaskus (dpa)

Zehn Tote bei Autobombenanschlag in Assad-treuer Stadt in Syrien

Damaskus (dpa) - Bei einem der bislang schwersten Anschläge in der von regierungstreuen Syrern bewohnten Küstenstadt Latakia sind nach offiziellen Angaben zehn Menschen getötet worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, explodierte dort am Mittwoch eine Autobombe. Rund 25 Menschen wurden demnach verletzt. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezeichnete die Attacke als die größte in der Stadt seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad im Frühjahr 2011.

Latakia war bislang vom Bürgerkrieg weitgehend verschont geblieben. Die Region ist Kernland der schiitischen Alawiten - zu denen auch Assad gehört. Die Mehrheit der Syrer ist sunnitisch. Der Bürgerkrieg hat nach UN-Schätzungen bereits eine Viertelmillion Menschen das Leben gekostet.

Mi, 2015-09-02 15:44
Berlin (dpa)

«Eltern haften für ihre Kinder»: Gabriel knöpft sich Atomkonzerne vor Von Tim Braune, dpa

Lange waren Kernkraftwerke für die Stromkonzerne «Gelddruckmaschinen». Seit dem Atomausstieg ist alles anders. Nun will die Politik verhindern, dass die Betreiber sich bei den Kosten für Abriss und Endlagerung vom Acker machen.

Berlin (dpa) - An jeder Baustelle hängt das gelb-schwarze Schild mit der Warnung «Eltern haften für ihre Kinder». Geht es nach Sigmar Gabriel, können sich auch die Bosse der Atomkonzerne den Spruch bald in ihren Vorstandszimmern an die Wand nageln.

Den Wirtschaftsminister und viele Experten treibt nämlich seit langem die Sorge um, dass die Herren von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW - denen einbrechende Gewinne und Aktienkurse schwer zu schaffen machen - sich trickreich aus dem Staub machen könnten, wenn irgendwann die Milliarden-Abrechnung für den Atomausstieg kommt.

Zwar haben die Versorger insgesamt knapp 36 Milliarden Euro an Rücklagen für den Abriss der Kernkraftwerke und den Bau eines Endlagers gebildet. Doch wie sicher ist das Geld auf Dauer? Niemand mag die Hand dafür ins Feuer legen, dass die großen Stromkonzerne die Ökostrom-Revolution und den absehbaren Untergang ihres fossilen Kerngeschäfts überleben.

Kurz vor Weihnachten 2014 trat Eon-Chef Johannes Teyssen die Flucht nach vorn an. Deutschlands größer Energieversorger spaltet seine Kraftwerke in die neue Gesellschaft Uniper ab, die 2016 startet. Uniper betreibt dann die Eon-Atommeiler und nimmt von der einstigen Eon-Mutter 14,6 Milliarden Euro an Rückstellungen mit. Nur: Nach geltender Rechtslage würde aus Sicht der Bundesregierung die Haftung von Eon bei Uniper nach fünf Jahren auslaufen.

Bereits 2012 kappte der schwedische Staatskonzern Vattenfall einen Beherrschungsvertrag mit seiner deutschen Tochter, damit die schwedischen Steuerzahler nicht für die Risiken aus den längst stillgelegten Meilern Krümmel und Brunsbüttel geradestehen müssen.

Nun will Gabriel auf Nummer Sicher gehen. Er hat ein «Rückbau- und Entsorgungskostennachhaftungsgesetz» vorgelegt, das noch im September vom Kabinett beschlossen werden soll. Weil Gabriel den Wählern dieses Namensungetüm nicht zumuten will, hat er sich die griffige Formel «Eltern haften für ihre Kinder» ausgedacht.

In diesem Sinne soll eine eigenständige atomrechtliche Nachhaftung eingeführt werden, die auf die Mutterkonzerne der Gesellschaften abzielt, die die Reaktoren betreiben. Zieht sich ein Konzern durch eine Umstrukturierung aus dem Atomgeschäft zurück, soll die neue Regelung greifen, wenn die Betreibergesellschaft ihre Verpflichtungen beim Atomausstieg nicht selbst erfüllen kann. «Ziel ist es daher, durch eine gesetzliche Neuregelung eine langfristige Konzernhaftung für die nukleare Entsorgung zu gewährleisten und somit die Risiken für die öffentlichen Haushalte zu reduzieren», heißt es in dem Gesetzentwurf.

Den Strombossen schmeckt das gar nicht. Eine unbegrenzte Haftung passt nicht in ihre Strategie, sich voll auf die Ökostrom-Zukunft zu konzentrieren und das alte, unrentabel gewordene Geschäft mit Öl, Gas und Atom geordnet auslaufen zu lassen. Eon-Chef Teyssen polterte kürzlich, Gabriels Idee der «Ewigkeitshaftung» sei eine Zumutung. Der Topmanager dreht den Spieß einfach um. Wer habe denn die Meiler gewollt? «In der Geschichte der Bundesrepublik ist kein Atomkraftwerk gebaut worden, das nicht vom Staat bestellt wurde.»

Eon drohte am Mittwoch prompt eine Klage gegen Gabriels Gesetz an. Bereits gegen den 2011 beschlossenen Atomausstieg wehren sich die Konzerne mit mehreren Klagen, Vattenfall versucht parallel vor einem Schiedsgericht in den USA, mehrere Milliarden Schadenersatz zu bekommen.

Auch in der Union gibt es Widerstand gegen Gabriels Pläne. Bereits bei seiner gescheiterten Klima-Strafabgabe für alte Kohlekraftwerke musste der SPD-Chef erleben, dass eine Allianz aus Union, SPD-Ländern, Industrie und Gewerkschaften ein übermächtiger Gegner ist. Allerdings dürfte es den Wählern nur schwer vermittelbar sein, was schlecht daran sein soll, Konzerne, die lange Zeit mit abgeschriebenen Atommeilern riesige Gewinne machten und Milliardensubventionen erhielten, für den strahlenden Atommüll dauerhaft in die Pflicht zu nehmen.

In Kürze will Gabriel im Einvernehmen mit dem Kanzleramt eine Kommission einsetzen, die prüfen soll, ob eine Atom-Stiftung ein guter Weg ist, um die gewaltige Aufgabe von Abriss und Endlagerung finanziell zu steuern. Gerade ist ein Wirtschaftsprüfer dabei, die Bilanzen der vier Atomkonzerne zu durchleuchten, ob die Rückstellungen sicher sind.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, findet, dass das Haftungsgesetz ein Schritt in die richtige Richtung ist. Entscheidend sei nun der Aufbau eines öffentlich-rechtlichen Fonds mit Nachschusspflicht für die Konzerne. «Die Bundesregierung muss sich entscheiden: Entweder die Steuerzahler absichern oder den Konzernen nicht weh tun. Beides zugleich geht nicht.»

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mi, 2015-09-02 14:54
(dpa)

Bruterfolg bei Thüringer Auerhühnern

Unterweißbach (dpa) - Babyboom bei Auerhühnern: Die staatliche Zuchtstation für das hierzulande vom Aussterben bedrohte Auerhuhn hat in diesem Jahr 39 Jungvögel aufgezogen. Das sind mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. «Wir haben die Erwartungen deutlich übertroffen», sagte Leiterin Luise Stephani am Mittwoch bei der Auswilderung der letzten Jungtiere. Unter anderem seien andere Methoden ausprobiert worden - etwa, Eier von Leihhennen ausbrüten und dann von Auerhühnern adoptieren zu lassen.

Seit 2011 gibt es in Thüringen ein neues Rettungsprogramm für das Auerhuhn, dessen Herzstück die Zuchtstation in Langenschade bei Saalfeld ist. Das Ziel: In freier Wildbahn soll wieder ein stabiler Bestand von etwa 100 Tieren entstehen. «Um das zu erreichen, brauchen wir einen langen Atem», sagte Stephani. Von den 2014 ausgewilderten 15 Tieren habe offensichtlich mehr als die Hälfte überlebt. Zudem sei erstmals seit Jahren wieder ein Gelege von freilebenden Auerhühnern nachgewiesen worden.

Mi, 2015-09-02 15:23
Hamburg/Damaskus (dpa)

Gewaltforscher zu IS: Unterlegenheitsgefühl oft Grund für Zerstörung

Hamburg/Damaskus (dpa) - Mit der Zerstörung kulturhistorischer Schätze in Syrien will die Terrormiliz Islamischer Staat nach Meinung von Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer die Geschichte der Menschheit neu schreiben. Die Ruinenstadt Palmyra sei ein Symbol für kulturelle Vielfalt, sagt der Sozialwissenschaftler der Wochenzeitung «Die Zeit» (Donnerstag). Menschen verschiedenster Religionen und Herkunftsländer seien dort aufeinandergetroffen - ohne einander zu bekriegen. «Wenn es dem IS gelänge, Palmyra zu zerstören, würde er auch ein sichtbares Zeugnis einer Zeit vernichten, in der Christen und Muslime eine friedliche Gemeinschaft gebildet haben.»

IS-Extremisten haben im zentralsyrischen Palmyra zuletzt den rund 2000 Jahre alten, weltberühmten Baaltempel gesprengt und angekündigt, alle Gebäude in dem Unesco-Weltkulturerbe in Schutt und Asche zu legen. Laut Heitmeyer wollen die IS-Führer «eine unantastbare überlegene kulturelle Identität und Ordnung erschaffen». Dafür müsse die Erinnerung an andere Kulturen ausgelöscht werden. Der Experte des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung fügt hinzu, solche Taten seien oft die Folge massiver Unterlegenheitsgefühle. Akteure, «die sich selbst als Opfer wahrnehmen, werden gefährlich, wenn sich ihre Ohnmacht plötzlich in Allmacht verwandelt».

Mi, 2015-09-02 14:50
Leipzig (dpa)

Urteil: Gemeinden dürfen Pferdesteuer erheben

Leipzig (dpa) - Die Kommunen in Deutschland dürfen eine Pferdesteuer erheben. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in einem Streit zwischen Pferdehaltern und der hessischen Stadt Bad Sooden-Allendorf am Mittwoch entschieden. Das Halten eines Pferdes gehe über das Alltägliche hinaus und erfordere einen zusätzlichen Vermögensaufwand, teilte das Gericht in Leipzig mit. Pferdebesitzer seien wirtschaftlich so leistungsfähig, dass sie auch mit Steuern belegt werden dürften.

Mit seinem Beschluss (Az.: BVerwG 9 BN 2.15) wies das Gericht eine Nichtzulassungsbeschwerde der Pferdehalter und eines Reitvereins zurück. Bereits der Hessische Verwaltungsgerichtshof hatte die Pferdesteuer für rechtens erklärt. Dieses Urteil hat nun Bestand.

Bad Sooden-Allendorf hatte als erste Kommune in Deutschland die Pferdesteuer eingeführt. Pro Tier wurden jährlich 200 Euro gefordert. Weitere Kommunen folgten dem Beispiel der nordhessischen Kleinstadt. Gegen die Pferdesteuer hatte es heftige Proteste gegeben.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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