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Beutel-Set

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Der Kleinste hat es in sich: Öffnet man ihn, kommen noch zwei größere Beutel zum Vorschein. Alle drei bestehen aus T-Shirts, die wegen kleiner Produktions- fehler ausgemustert wurden. Sie haben einen praktischen Tunnelzug und sind vielseitig verwendbar, zum Beispiel auf Reisen für Schuhe oder Schmutz- wäsche, fürs Turn- oder Badezeug und manches andere. Genäht werden die Beutel in den Elbe-Werkstätten von Menschen mit Behinderung.

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Mi, 2015-07-29 15:57
Berlin (dpa)

Bund: Atomkonzerne müssen für Altlasten aufkommen - Neue Zweifel

Jahrzehnte haben die Energiekonzerne Milliarden mit der Atomkraft verdient. Für die Altlasten sollen sie dauerhaft geradestehen. Ein neues Gutachten nährt die seit langem bestehenden Zweifel, ob die unter Druck geratenen Energieriesen das auch schaffen.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung will die Energiekonzerne bei den Milliarden-Kosten des Atomausstiegs weiter dauerhaft in die Pflicht nehmen - auch bei schwächeren Geschäften der Stromriesen. «Die Konzerne haften für sämtliche Kosten, die durch den Rückbau und die Endlagerung der Atomkraftwerke, mit den sie ja über viele Jahre viel Geld verdient haben, entstehen», bekräftigte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Tobias Dünow, am Mittwoch in Berlin.

«Das geltende Recht ist ziemlich klar», sagte er zu Befürchtungen, dass die Konzerne ihren Milliardenverpflichtungen nicht nachkommen und am Ende die Steuerzahler einspringen müssen. Die Bundesregierung bereite einen Stresstest vor sowie ein Gesetz, das die Haftung bei gesellschaftsrechtlichen Veränderungen nochmals klarer fasse.

Die Konzerne verdienen wegen des Ökostrombooms mit ihren Kraftwerken viel weniger Geld. Es gibt schon seit längerem Zweifel, ob sie dauerhaft für Atom-Altlasten geradestehen können. Für den Rückbau der Kernkraftwerke haben die Konzerne rund 36 Milliarden Euro an Rückstellungen in ihren Bilanzen stehen. Das Geld haben die Kunden über den Strompreis bezahlt.

Ein neues Gutachten im Auftrag der Grünen nährt nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» die Zweifel, ob die beiden größten deutschen Versorger Eon und RWE in den nächsten Jahren ihren Milliardenverpflichtungen nachkommen können. Eon und RWE wiesen die Bedenken zurück. Die Angemessenheit der Rückstellungen werde regelmäßig von unabhängigen Wirtschaftsprüfern überprüft, hieß es.

Anfang Juli hatten die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD vereinbart sicherzustellen, «dass sich die Energiekonzerne nicht ihrer Verantwortung für den Rückbau von Atomkraftwerken und für die Lagerung des Atommülls entziehen können». Es werde dafür gesorgt, dass sich das Haftungsvermögen nicht verkleinere.

Die Gutachter Wolfgang Irrek und Michael Vorfeld von der Hochschule Ruhr West (HRW) warnen laut «Süddeutscher Zeitung»: «Sowohl bei Eon als auch bei RWE ist festzustellen, dass die vorhandene materielle Substanz derzeit höchstens annähernd ausreicht, um die Gesamtheit langfristiger Verpflichtungen decken zu können».

Die Professoren gehen davon aus, dass sich die Lage in den nächsten Jahren sogar noch zuspitzen könnte, wenn die schwierige Branchensituation andauere. Im Jahr 2024 könnten die wesentlichen Vermögenswerte und Beteiligungen der Konzerne nur noch weniger als die Hälfte der langfristigen Verpflichtungen ausmachen. Irrek und Vorfeld empfehlen dem Bericht, den Konzernen die Rückstellungen abzunehmen und in einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu übertragen.

Mi, 2015-07-29 16:10
Zagreb (dpa)

Kroatien beendet Schiedsverfahren im Grenzstreit mit Slowenien

Zagreb (dpa) - Im jahrzehntelangen Konflikt mit seinem Nachbarn Slowenien um die Grenze in der Bucht von Piran an der nördlichen Adria lässt Kroatien das internationale Schiedsverfahren platzen. Das kroatische Parlament hat am Mittwoch einstimmig den Beschluss gefasst, das von der EU vermittelte und seit sechs Jahren tagende Schiedsgericht zu verlassen.

Alle Parlamentsparteien sowie die Regierung begründeten diesen rechtlich umstrittenen Schritt mit Indiskretionen von slowenischer Seite. Der slowenische Vertreter im fünfköpfigen Schiedsgericht hatte geheime Informationen aus dem Prozess ausgeplaudert. Kroatische Geheimdienste hörten entsprechende Telefonate ab.

Nach diesen Informationen soll das schon gefällte, aber noch nicht veröffentlichte Urteil Slowenien zwei Drittel der Piran-Bucht auf der Halbinsel Istrien zusprechen. Damit erhielte das kleine Land Zugang zu internationalen Gewässern.

Der slowenische Schiedsrichter und eine Expertin im Außenministerium waren nach dem Skandal zurückgetreten. Slowenien hatte am Vortag einen neuen Vertreter bestellt und behauptet, Kroatien könne nach internationalem Recht das Verfahren nicht einseitig beenden.

Eine EU-Sprecherin hatte Kroatien kurz vor dem Parlamentsbeschluss eindringlich aufgefordert, nicht aus dem Schiedsverfahren auszuscheiden. Eigentlich hatten sich beide Seiten 2009 verpflichtet, den Schiedsspruch als letzte Instanz uneingeschränkt anzuerkennen.

Mi, 2015-07-29 16:37
Istanbul (dpa)

Türkisches Parlament erörtert Luftschläge gegen PKK und IS

Istanbul (dpa) - Das Parlament in Ankara ist zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um über die türkischen Luftschläge gegen die Terrormiliz IS und die kurdische PKK zu beraten. Zuvor hatten PKK-nahe Medien am Mittwoch neue Angriffe auf Stellungen der Kurden in den nordirakischen Kandil-Bergen in der Nacht gemeldet. Im Südosten der Türkei habe es Gefechte zwischen der türkischen Armee und PKK-Kämpfern gegeben.

Binnen weniger Tage wurden nach Regierungsangaben mehr als 1300 Anhänger von PKK und IS sowie regierungskritischen linken Gruppierungen festgenommen. Nach Angaben von Kurdenvertretern handelt es sich zu einem großen Teil um Mitglieder kurdischer und linker Gruppen. Wie viele Verdächtige sich noch in Haft befinden, wurde nicht mitgeteilt. Staatschef Recep Tayyip Erdogan und die PKK hatten die 2013 ausgerufene Waffenruhe jüngst für nichtig erklärt.

Die Parlamentssitzung hatte die pro-kurdische Partei HDP beantragt, die bei der Parlamentswahl im Juni aus dem Stand rund 13 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP hatte ihre absolute Mehrheit verloren. Die HDP warf Erdogan vor, er spekuliere bei immer wahrscheinlicher werdenden Neuwahlen auf einen Stimmenzuwachs für die AKP.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mi, 2015-07-29 16:02
München (dpa)

Jugendlicher aus München wollte sich dem IS anschließen

München (dpa) - Die türkische Polizei hat einen Münchner Jugendlichen auf dem Weg zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an der syrischen Grenze aufgehalten. Einen entsprechenden Bericht im Internetblog «Erasmus Monitor» griff die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwoch) auf. In Behördenkreisen wird die Meldung als zutreffend bezeichnet.

Der inzwischen 14-jährige Junge ist den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt. Er hatte sich an der Koran-Verteilaktion «Lies» beteiligt, die Salafisten 2011 gestartet hatten. Auch die besorgte Mutter wandte sich in der Vergangenheit hilfesuchend an die Behörden. Seit gut einer Woche wurde er in Bayern vermisst. Laut «Erasmus-Monitoring» wollte er mit einer Verwandten nach Syrien fahren, die dort einen IS-Kämpfer heiraten wollte. Die türkische Grenzpolizei stoppte demnach zwar die Frau schon bei der Einreise, ließ den Jungen jedoch weiterreisen.

In der Millionenstadt Gaziantep nahe der syrischen Grenze wusste er nicht mehr weiter und versuchte, über das Internet die Schleusung nach Syrien zu organisieren. Die Kontaktversuche wurden aber offensichtlich von einem bei «Erasmus Monitor» aktiven Blogger bemerkt, der die deutschen Behörden informierte. Derzeit befindet sich der Junge noch in einem Jugendheim in der Türkei.

Mi, 2015-07-29 16:21
Erfurt (dpa)

Guildo Horn pflegt seine Klischees

Erfurt (dpa) - Schlagersänger Guildo Horn (52) pflegt seine Klischees - auch die der geliebten Nussecken. «Als Unterhaltungskünstler sind Klischees enorm wichtig, um sich zu etablieren», sagte Horn am Mittwoch bei Dreharbeiten zu der KiKA-Serie «Schloss Einstein» in Erfurt. Der eine versuche es mit einer Mütze, der andere mit einer Brille, er könne eben von Nussecken nicht genug kriegen.

Mi, 2015-07-29 16:07
Trier (dpa)

Beklemmende Enge unter Flüchtlingen - Konflikte programmiert Von Jörg Fischer, dpa

Der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland hält unvermindert an. Entsprechend eng ist es in den Unterkünften. Auch die rheinland-pfälzische Erstaufnahmestelle in Trier platzt aus allen Nähten. Konflikte sind in solch einer Umgebung vorprogrammiert.

Trier (dpa) - Weiß steht für Eritreer, Flieder für Iraner und Grün für Albaner. Bunte Schildchen an einer Magnetwand zeigen, wie die Zimmer in der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber (Afa) in Trier belegt sind. Menschen aus völlig verschiedenen Kulturkreisen werden hier untergebracht - getrennt nach Sprache, Ethnie und Religion. Damit wollen Heimleiter Frank-Peter Wagner und sein Team die konfliktträchtige Situation entschärfen.

Menschen aus Dutzenden Nationen leben in den drei ehemaligen Kasernengebäuden in der rheinland-pfälzischen Stadt unter einem Dach. Es herrscht beklemmende Enge. Auf den Fluren stehen Betten, im Hof wurden Container aufgestellt, am Wochenende sogar Zelte. «Viele haben angesichts der Enge drinnen lieber draußen geschlafen», erzählt Wagner. Als das Wetter schlechter geworden sei, habe man sich für die vorübergehende Unterbringung in Zelten entschieden.

Ausgelegt war die Unterkunft einst für nur 844 Menschen, derzeit leben hier etwa 1500 Flüchtlinge. In einer von der Diakonie betreuten Außenstelle der Trierer Afa sind es fast noch mal so viele. Dort sorgte in dieser Woche eine Massenschlägerei am Rande eines Fußballspiels zwischen Syrern und Albanern für Schlagzeilen. Ein Mensch wurde verletzt, ein großes Aufgebot der Polizei musste für Ruhe sorgen.

Welche Lehren sind aus solchen Vorfällen zu ziehen? Für Wagner geht es vor allem darum, persönliche Streitereien im Haus möglichst früh anzugehen. Das würden seine Sozialarbeiter seit jeher tun. Die Flüchtlinge würden auch ermutigt, Beleidigungen und andere Straftaten vor Ort sofort anzuzeigen. Zudem patrouillieren Polizisten seit einiger Zeit in Uniform übers Gelände, um Präsenz zu zeigen. «Früher waren die in Zivil und kaum zu erkennen», erzählt Wagner.

Die Gewalt-Eskalation in der Außenstelle war laut Wagner der bisher schwerste Vorfall dieser Art in Rheinland-Pfalz. Angesichts der zunehmenden Enge nehmen solche Konflikte tendenziell bundesweit zu. In Baden-Württemberg etwa kam es in Aufnahmestellen schon mehrfach zu handfesten Auseinandersetzungen. Auch aus dem hessischen Gießen und Hamburg wurde Ähnliches gemeldet.

Anlass sind nach der Erfahrung von Wagner meist persönliche Rivalitäten, die dann regelrecht explodierten. Funke im Pulverfass bei der Trierer Massenschlägerei war offenbar, dass bei einem lockeren Kick ein syrischer Flüchtling gegen ein albanisches Team ein Tor schoss.

Auch der 24-jährige Obida kommt aus Syrien. Er ist seit zehn Tagen in der Trierer Afa-Hauptstelle. Er sagt: «Ich fühle mich hier schon sicher, aber manchmal gibt es Konflikte.» Andere Bewohner etwa aus Eritrea schildern die große Enge, die in Zimmern herrsche.

Für all die Menschen ist die Erstaufnahmestelle nur eine Zwischenstation auf dem langen Weg zum begehrten Asyl. Maximal drei Monate sollen sie laut Gesetz hierbleiben, in Trier sind es im Schnitt gerade mal vier bis fünf Wochen. Der Durchlauf sei enorm, sagt Wagner. «Wir kommen nicht mal mehr dazu, die Zimmer zu renovieren, weil sie sofort wieder belegt werden.»

Mi, 2015-07-29 16:17
Berlin (dpa)

Union und SPD tasten sich bei Einwanderungsgesetz vor

Die Rede ist schon von einem «Deal» zwischen Union und SPD: Einwanderungsgesetz gegen Einstufung weiterer Westbalkanstaaten als sichere Herkunftsländer. Erst einmal muss sich die Union aber intern einig werden.

Berlin (dpa) - In die jahrelange Debatte um ein Einwanderungsgesetz kommt neue Bewegung. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet zeigt sich zuversichtlich, dass Union und SPD noch in dieser Wahlperiode einen Kompromiss finden. «Wir haben keinen fundamental ideologischen Streit. Es geht um pragmatische Lösungen», sagte er am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Auf das SPD-Angebot zu einem politischen Tauschhandel - das von SPD wie Grünen schon lange geforderte Einwanderungsgesetz gegen die von der Union verlangte Einstufung weiterer Balkanstaaten als sichere Herkunftsländer - ging er nicht näher ein. Er verwies darauf, dass die CDU sich erst einmal bei ihrem Bundesparteitag im Dezember zu einem Einwanderungsgesetz positionieren müsse.

Dann müsste die CDU sich noch mit der Schwesterpartei CSU einig werden: Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte im ARD-Morgenmagazin: «Ich sehe keinen Bedarf an neuen rechtlichen Regelungen.» CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärte über den Kurzmitteilungsdienst Twitter: «Wir sollten nicht über ein Einwanderungsgesetz, sondern über ein Asyl-Missbrauchs-Verhinderungs-Gesetz reden.»

Thomas Strobl, ebenfalls CDU-Vize sagte der «Saarbrücker Zeitung», es sei nicht gut, dass die SPD nötige Änderungen beim Thema Herkunftsländer an Bedingungen knüpfe. Der stellvertretende SPD-Chef Torsten Schäfer-Gümbel hatte erklärt, wenn die Union einem Einwanderungsgesetz zustimme, sei die SPD unter Umständen bereit, weitere Länder zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) begrüßte die Debatten sowohl über ein neues Einwanderungsgesetz als auch über sichere Herkunftsländer. Beide seien notwendig. Die Linke-Politikerin Ulla Jelpke sprach von einem «Kuhhandel auf dem Rücken der Flüchtlinge».

Zur CDU-internen kontroversen Diskussion über ein Einwanderungsgesetz sagte Laschet, dass er anfangs wie Innenminister Thomas de Maizière (CDU) dem Vorstoß von CDU-Generalsekretär Peter Tauber zu einem solchen Gesetz skeptisch gegenüber gestanden habe. Schließlich gebe es in Deutschland schon viele Regelungen zur Zuwanderung. Die Debatte habe aber an Dynamik gewonnen, weil es angesichts vieler Flüchtlinge darum gehe, Asylverfahren strikt von Einwanderungsmöglichkeiten zu trennen. Viele Menschen vom Westbalkan könnten ganz normal über Arbeitsmigration nach Deutschland kommen und sollten gar nicht erst ins Asylverfahren geraten. Insofern könne ein spezielles Einwanderungsgesetz hilfreich sein. Er glaube, dass de Maizière das «ähnlich pragmatisch» sehe.

Ein Sprecher de Maizières sagte, der Minister habe deutlich gemacht, dass am Aufenthaltsgesetz möglicherweise nachgebessert werden könne.

Die Bundesregierung hatte 2014 angesichts einer großen Zahl an aussichtslosen Asylanträgen Serbien, Mazedonien und Bosnien- Herzegowina als «sichere» Herkunftsländer klassifiziert, um Asylbewerber von dort schneller wieder zurückschicken zu können. Wegen sehr vieler Asylsuchender aus dem Kosovo und Albanien wird nun darüber diskutiert, auch diese beide Staaten sowie Montenegro in die Liste aufzunehmen. Die Flüchtlingszahlen wachsen seit Monaten. Bis Jahresende rechnen die Behörden mit mindestens 450 000 Asylanträgen.

Mi, 2015-07-29 16:52
Jerusalem (dpa)

«Schwarzer Freitag»: Amnesty wirft Israel Kriegsverbrechen vor

Erneut werden Israel Kriegsverbrechen vorgeworfen: Nach der Entführung eines Soldaten im Gazastreifen habe die Armee Zivilisten getötet. Israel wehrt sich - im Krieg werde eben geschossen.

Jerusalem (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation «Amnesty International» wirft Israel vor, während des sogenannten «Schwarzen Freitags» im Gaza-Konflikt Kriegsverbrechen begangen zu haben. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht hervor.

Am 1. August 2014, einem Freitag, war der israelische Soldat Hadar Goldin während einer Feuerpause von Hamas-Kämpfern nahe der Stadt Rafah im Gazastreifen gefangen genommen worden. Die Armee erklärte ihn später für tot. In den Tagen nach der Entführung beschoss Israel die Region massiv. Dabei wurden Amnesty zufolge mindestens 135 Zivilisten getötet.

«Es gibt starke Beweise dafür, dass Israel durch seine unerbittliche und massive Bombardierung von Wohngebieten in Rafah Kriegsverbrechen begangen hat», sagte Philip Luther, Direktor des Nahost- und Nordafrika-Programms, einer Mitteilung zufolge. Die Armee habe verhindern wollen, dass die Hamas Goldin in einen anderen Teil des Küstenstreifens bringt und deshalb «unverhältnismäßig und unterschiedslos» angegriffen. Mit Goldin als Geisel hätte Israel so wie mit dem 2006 verschleppten Soldaten Gilad Schalit erpresst werden können. Schalit war 2011 im Austausch gegen 1027 palästinensische Häftlinge freigekommen.

Das israelische Außenministerium schrieb in einer Stellungnahme, Amnesty International habe «ein falsches Verständnis des Völkerrechts». Der Bericht fuße auf falschen Annahmen: Die Angriffe in Rafah hätten in keinem direkten Zusammenhang mit der Entführung des Soldaten gestanden. Amnesty habe offenbar vergessen, dass damals Krieg herrschte. Alle Angriffe der israelischen Armee hätten im Einklang mit dem Völkerrecht gestanden. Vorwürfe von Fehlverhalten würden untersucht.

Im Sommer 2014 hatten Israel und militante Palästinenser 50 Tage lang gekämpft. Mehr als 2200 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden getötet. Menschenrechtsorganisationen haben beiden Parteien vorgeworfen, während des Konflikts gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen zu haben.

Mi, 2015-07-29 16:16
Philadelphia (dpa)

Achtjähriger bekommt in den USA neue Hände transplantiert

Nach einer Infektion verlor ein Jungen in Philadelphia vor ein paar Jahren beide Hände und Füße. Jetzt transplantierten Ärzte dem Achtjährigen zwei neue Hände - mit der weltweit ersten erfolgreichen Operation dieser Art.

Philadelphia (dpa) - Einem acht Jahre alten Jungen sind in Philadelphia zwei neue Hände transplantiert worden. Nach Angaben des Kinderkrankenhauses der US-Ostküstenstadt handelte es sich dabei um die weltweit erste erfolgreiche Transplantation von beiden Händen bei einem Kind. «Diese Operation war das Ergebnis von jahrelangem Training und Monaten der Planung und Vorbereitung von einem bemerkenswerten Team», sagte der leitende Chirurg Scott Levin.

Dem «fröhlichen» und «klugen» Jungen waren vor einigen Jahren nach einer Infektion Hände und Füße amputiert worden, außerdem hatte er eine neue Leber bekommen müssen. Inzwischen hat er Fußprothesen, mit denen er gehen, rennen und springen kann. Mögliche Handprothesen hatten ihm aber bislang nicht gefallen, und so brachte er sich selbst bei, ohne Hände zu essen, zu schreiben und sogar Videospiele zu spielen.

Als ein möglicher Spender gefunden wurde, entschieden sich die Eltern des Jungen für eine Transplantation. Vor wenigen Wochen transplantierte ihm ein Team aus 40 Ärzten und Krankenschwestern in einer zehnstündigen Operation neue Hände und Unterarme. Der Junge müsse nun noch einige Wochen in einer Reha-Klinik verbringen, es werde aber erwartet, dass er sich vollkommen erhole, teilte das Krankenhaus mit. Damit könne der größte Wunsch des Jungen, einmal einen Football zu werfen, wahr werden.

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Mi, 2015-07-29 16:03
Philadelphia (dpa)

Achtjähriger bekommt in den USA neue Hände transplantiert

Philadelphia (dpa) - Einem acht Jahre alten Junge sind in Philadelphia zwei neue Hände transplantiert worden. Nach Angaben des Kinderkrankenhauses der US-Ostküstenstadt handelte es sich dabei um die weltweit erste erfolgreiche Transplantation von zwei Händen bei einem Kind. Dem Jungen waren vor ein paar Jahren nach einer Infektion Hände und Füße amputiert worden, außerdem hatte er eine neue Leber bekommen. In einer zehnstündigen Operation hat ihm nun vor wenigen Wochen ein Team aus 40 Ärzten und Krankenschwestern neue Hände und Unterarme transplantiert. Damit könne der größte Wunsch des Jungen, einen Football zu werfen, wahr werden, teilte das Krankenhaus mit.

Mi, 2015-07-29 16:15
München (dpa)

Strafermittler weisen Zschäpes Anzeige zurück

Beate Zschäpe will ihre ursprünglichen Verteidiger im NSU-Prozess loswerden, hat sie sogar angezeigt. Zumindest diese Strafanzeige verläuft nun im Sande. Im Prozess sorgt ein Geheimdienstler für Ärger.

München (dpa) - Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe ist mit ihrer Strafanzeige gegen drei ihrer vier Verteidiger im Münchner NSU-Prozess gescheitert. Die Staatsanwaltschaft München I lehnte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens «mangels Straftat» ab, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Zschäpe hatte den Anwälten Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm vorgeworfen, mit dem Gericht vertrauliche Informationen besprochen zu haben, etwa zur Möglichkeit einer Aussage zu den Anklagevorwürfen.

Die Prüfung der Vorwürfe habe ergeben, «dass das Verhalten der Rechtsanwälte keinen Straftatbestand erfüllt», teilte die Staatsanwaltschaft mit. «Vielmehr handelt es sich bei den Angaben gegenüber dem Gericht um ein legitimes Verhalten von Verteidigern, die als Organe der Rechtspflege selbstständig und unabhängig von der Angeklagten agieren.» Es seien keinerlei Informationen an das Gericht weitergegeben worden, «die sich auf die Frage der Schuld oder Unschuld der Angeklagten beziehen».

Zschäpe hat sich in dem seit mehr als zwei Jahren andauernden Prozess bisher nicht geäußert. Die Anklage lautet auf Mittäterschaft bei den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden des «Nationalsozialistischen Untergrunds».

Offen ist weiter ein Antrag Zschäpes auf Entlassung der drei Anwälte. Beobachter halten eine Entscheidung an diesem Donnerstag für möglich. Als vierten Pflichtverteidiger Zschäpes hatte das Gericht vor drei Wochen den Münchner Rechtsanwalt Mathias Grasel berufen.

Im Prozess spielte die Anwaltskrise am Mittwoch keine Rolle. Kontroversen gab es bei der Vernehmung eines brandenburgischen Verfassungsschutzbeamten. Wie schon bei seinem ersten Auftritt vor Gericht erschien er maskiert unter einer Kapuze und mit einer Perücke. Die Anwälte des wegen Beihilfe mitangeklagten Ralf Wohlleben und die Anwälte Heer und Stahl kritisierten das. Der Senat stellte einen Aktenordner sicher, den der Zeuge mitgebracht hatte. Das Gericht ordnete an, den Inhalt zu kopieren. Das hatten die Verteidiger, unterstützt von Anwälten von NSU-Opfern, verlangt.

Der Zeuge war Ende der 1990er Jahre V-Mann-Führer des vertraulichen Informanten «Piatto». Mehrere Fragen zu dessen Tätigkeit beantwortete er nicht oder nur widersprüchlich. Als es um die Beschaffung einer Waffe und eine SMS dazu auf das Handy von «Piatto» ging, blätterte der Zeuge länger in dem Ordner. Rechtsanwältin Nicole Schneiders sagte, nach ihrem Augenschein habe der Mann Protokolle des Bundestags-Untersuchungsausschusses zum NSU-Terror aufgeschlagen. Das Gericht kündigte an, den Zeugen erneut zu laden.

Für Ärger sorgte auch die Vernehmung eines BKA-Ermittlers, der eine Liste möglicher weiterer NSU-Anschlagsziele in München, Nürnberg und Dortmund ausgewertet hatte. Der Mann sagte, darauf hätten sich diverse Institutionen und Privatpersonen befunden, etwa Staatsanwälte, Pfarrer, Friedhöfe und Kindergärten. Zudem seien «islamistische» Einrichtungen vermerkt gewesen, wobei er auf Nachfragen sagte, er meine damit allgemein Einrichtungen mit muslimischem Bezug. Weiteres habe er nicht in Erfahrung gebracht.

Das brachte ihm scharfe Kritik von Opferanwalt Mehmet Daimagüler ein. Er nannte die Auswertung «oberflächlich». Am Rande sagte Daimagüler, er habe die Liste beim BKA eingesehen und sich gewundert, dass viele protestantische Geistliche darauf vermerkt gewesen seien.

Mi, 2015-07-29 16:21
Karlsruhe (dpa)

Karlsruher Zoo eröffnet zweitgrößtes Exotenhaus Deutschlands

Karlsruhe (dpa) - Sein neues Exotenhaus hat der Karlsruher Zoo am Mittwoch eröffnet. In dem umgebauten früheren Hallenschwimmbad leben rund 2000 Tiere. Unter den knapp 100 Arten sind frei in der großen Halle fliegende exotische Vögel sowie Krokodile, Warane, Piranhas und Riesenschildkröten. Flughunde und Faultiere lümmeln frei über dem Besucher. In einer Fledermausgrotte kann man die Tiere hautnah erleben. Das für 21 Millionen Euro gebaute Exotenhaus mit mehr als 6200 Quadratmetern Fläche wird Zoo-Chef Matthias Reinschmidt zufolge bundesweit nur von einer Tropenhalle in Leipzig übertroffen.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mi, 2015-07-29 16:33
Peking (dpa)

Erdogan in China: Präsident Xi verteidigt Umgang mit Uiguren

Erhobener Zeigefinger statt Händedruck: In der Kontroverse zwischen China und der Türkei über den Umgang mit den turkstämmigen Uiguren schreckt Chinas Präsident nicht vor deutlichen Worten zurück.

Peking (dpa) - Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat den Kampf gegen uigurische Separatisten als notwendig für die Verteidigung der nationalen Sicherheit bezeichnet. Mit unerwarteter Deutlichkeit ging Xi Jinping bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Peking auf die Kontroverse zwischen beiden Ländern über die Behandlung des muslimischen Turkvolkes im Nordwesten Chinas ein. Das Verhältnis zwischen China und der Türkei ist in den vergangenen Wochen besonders durch türkische Hilfe für uigurische Flüchtlinge belastet worden.

Xi Jinping sagte, es gehe China bei der Verfolgung «ostturkestanischer Unabhängigkeitskräfte» um «Kerninteressen» seines Landes. China wolle «wirksame» Maßnahmen ergreifen, um den separatistischen Aktivitäten Einhalt zu gebieten. Auf diesem Wege könnten sich auch die Beziehungen zur Türkei «gesund und stabil» entwickeln, sagte er zu den Differenzen mit seinem Gast.

Viele Angehörige des muslimischen Turkvolkes in der nordwestchinesischen Region Xinjiang verlassen China mit Hilfe von Menschenschmugglern meist in Richtung Südostasien, weil sie sich politisch, kulturell und religiös unterdrückt fühlen. China wirft türkischen Diplomaten vor, ihnen dort mit Reisedokumenten zu helfen.

Die Abschiebung von rund 100 Uiguren durch Thailand nach China hatte Anfang des Monats in Istanbul zu gewaltsamen Protesten vor dem thailändischen Konsulat geführt. Spannungen gibt es auch wegen anti-chinesischer Proteste in der Türkei - nach Berichten über Beschränkungen für Muslime in China während des Fastenmonats Ramadan.

Erdogan hatte die Behandlung der Uiguren in China 2009 als «eine Art Völkermord» bezeichnet. Das Turkvolk beklagt Unterdrückung, während Chinas Behörden uigurische Gruppen des Separatismus und Extremismus beschuldigen. Uigurische Unabhängigkeitskräfte wollen die frühere Republik Ostturkestan wiederherstellen, die sich die Kommunisten nach ihrer Machtübernahme 1949 einverleibt hatten. Nach einer Reihe von Terroranschlägen gehen die Sicherheitskräfte verschärft gegen Uiguren vor, was auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei geführt hat.

Trotz Differenzen in der Uiguren-Frage wollen China und die Türkei wirtschaftlich enger zusammenarbeiten. Die beiden Staatsführer sprachen am Mittwoch laut chinesischen Staatsmedien unter anderem über eine engere Kooperation in den Bereichen Kernenergie und Raumfahrt sowie neue Infrastrukturprojekte in der Türkei.

Erdogan will zudem die Gespräche über einen möglichen Kauf eines Raketenabwehrsystems aus China fortsetzen. Das Nato-Mitglied Türkei hatte sich 2013 für ein 3,4 Milliarden US-Dollar teures Angebot der China Precision Machinery Import and Export Corporation ausgesprochen, was aber Sorgen über die Kompatibilität mit Nato-Systemen auslöste. Vor seiner Reise sagte Erdogan, er sei offen für ein verbessertes Angebot der chinesischen Seite.

Bei dem Staatsbesuch in China, den Erdogan am Mittwoch begann, sollen auch Gespräche zur Vorbereitungen auf den G20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer im November im türkischen Antalya geführt werden.

Mi, 2015-07-29 16:43
Kabul (dpa)

Afghanischer Regierungsvertreter: Taliban-Chef Mullah Omar ist tot

Seit mehr als zehn Jahren war der geheimnisumwobene Taliban-Anführer Omar im Untergrund abgetaucht. Nur gelegentlich meldete er sich zu Wort. Todesmeldungen dementierte die radikalislamische Gruppe immer. Zu den neuen Berichten hüllte sie sich zunächst in Schweigen.

Kabul (dpa) - Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar ist nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen tot. Er sei vor zwei Jahren in Pakistan an einer Krankheit gestorben, sagte ein Vertreter der afghanischen Regierung am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Er berief sich auf pakistanische Behörden und Taliban-Quellen. Der Sprecher der radikalislamischen Gruppe, Sabiullah Mudschahid, kündigte eine Stellungnahme an. Die Todesmeldung Omars wollte er zunächst weder bestätigen noch dementieren. Ein Sprecher der Regierung in Kabul sagte, die Berichte würden geprüft.

Der nach unterschiedlichen Angaben 1959 oder 1960 geborene Mullah Omar stand von 1996 bis 2001 der radikalislamischen Taliban-Regierung in Afghanistan vor. Er gewährte Al-Kaida-Chef Osama bin Laden Unterschlupf. Nach dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan tauchte er Ende 2001 ab und wurde in Pakistan vermutet.

Der Regierungsvertreter aus Kabul, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Deutschen Presse-Agentur zu Omar: «Wir haben die Bestätigung von den pakistanischen Behörden und Taliban-Quellen, dass er vor zwei Jahren an einer Krankheit in Pakistan gestorben ist.» Dies sei auch Thema einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates im Präsidentenpalast gewesen.

In zwei Tagen soll die zweite Runde der direkten Gesprächen zwischen Vertretern der Regierung in Kabul und Repräsentanten der Taliban stattfinden. Mitte Juli war Omar eine Botschaft zugeschrieben worden, in der er anlässlich des Auftakts der Gespräche Unterstützung für Verhandlungen über ein Ende des Krieges signalisierte.

Ein weiterer Regierungsvertreter sagte, Kabul sei der Tod Omars aus Geheimdienstquellen bestätigt worden. Die Regierung bemühe sich aber um einen definitiven Todesbeweis, bevor sie an die Öffentlichkeit gehe.

Unter Berufung auf einen hochrangigen Taliban-Vertreter berichtete die pakistanische Zeitung «Express Tribune», Omar sei vor zwei Jahren an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung gestorben. Sein Sohn habe die Leiche des Taliban-Anführers identifiziert. Omar sei auf der afghanischen Seite der Grenze bestattet worden.

Omar hatte in den 1980er Jahren gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan gekämpft. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1992 brach ein Bürgerkrieg in Afghanistan aus, von 1996 bis 2001 waren die Taliban an der Macht. Nach den Al-Kaida-Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington weigerten sich die Taliban, Bin Laden an die USA auszuliefern. US-geführte Truppen marschierten in Afghanistan ein, die Taliban wurden gestürzt. Omar verschwand im Untergrund. Die USA setzten damals ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Dollar auf ihn aus. Frühere Meldungen über seinen Tod hatten die Taliban wiederholt dementiert.

Mi, 2015-07-29 15:05
Tunis (dpa)

Deutschland baut Militärkooperation mit Tunesien aus

Das Mutterland des «Arabischen Frühlings» ist von zwei schweren Terroranschlägen erschüttert worden. Die EU will Tunesien helfen, die Sicherheitslage zu verbessern. Verteidigungsministerin von der Leyen macht bei einem Besuch Zusagen.

Tunis (dpa) - Nach den Terroranschlägen auf Touristen in Tunesien weitet Deutschland seine militärische Kooperation mit dem nordafrikanischen Land aus. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte am Mittwoch bei einem Besuch in Tunis die Lieferung militärischer Ausrüstung für 1,2 Millionen Euro und eine verstärkte Ausbildung tunesischer Soldaten zu. Zudem soll Tunesien Unterstützung bei der Grenzsicherung erhalten. «Der Terror fordert uns heraus, schnell und konkret zu handeln», sagte die CDU-Politikerin.

Ende Juni hatte ein Attentäter im Badeort Sousse 38 Urlauber erschossen. Bereits im März waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.

«Die Bundesregierung sieht sich in der Verantwortung, Ihnen in dieser Situation zur Seite zu stehen», sagte von der Leyen. Die tunesischen Streitkräfte erhalten nun zunächst ein schwimmendes Dock für die Reparatur von Booten, eine Barkasse für Patrouillen, fünf Kleinlastwagen sowie 3000 Helme und 700 Doppelfernrohre.

Zudem wird die militärische Ausbildungshilfe ausgeweitet und intensiviert. Unter anderem sollen Mechaniker geschult werden, die militärische Fahrzeuge aus deutschen Beständen reparieren sollen. Die Bundeswehr hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits 400 tunesische Soldaten ausgebildet.

Im Zentrum der deutschen Hilfsangebote steht aber die Sicherung der 600 Kilometer langen Grenze zu Libyen. Damit soll verhindert werden, dass islamistische Terroristen und Waffen nach Tunesien gelangen. Das Nachbarland ist in Herrschaftsgebiete zweier konkurrierender Regierungen und mehrerer Milizen zerfallen.

Bei der Grenzsicherung handelt es sich in erster Linie um eine polizeiliche Aufgabe. Inwieweit die Bundeswehr dabei helfen kann, ist unklar. «Entscheidend ist für mich das, was Sie als unsere Partner benötigen, um den Kampf gegen den Terror anzugehen», sagte von der Leyen.

Die Ministerin traf in Tunis Präsident Béji Caïd Essebsi, Verteidigungsminister Farhat Horchani und Parlamentarier. Zudem besuchte sie das Bardo-Museum, den Ort des Anschlags vom März. Horchani würdigte die deutschen Hilfsangebote. «Wir bauen sehr auf die deutsche Unterstützung», sagte er.

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Die Lage ist ernst!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

Keine Anzeige!

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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