Fr, 2015-05-22 12:52
Damaskus (dpa)

Der IS auf dem Vormarsch - Wie stark ist die Terrormiliz? Von Jan Kuhlmann, dpa

Vor einigen Monaten hat es so ausgesehen, als sei die Terrormiliz Islamischer Staat auf dem Rückzug. Doch ihre aktuellen militärischen Erfolge im Irak und Syrien zeigen: Die Extremisten sind noch lange nicht besiegt.

Damaskus (dpa) - Erneut hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) strategisch wichtige Städte erobert. Hier Fragen und Antworten zur Stärke der sunnitischen Dschihadisten.

Welche Gebiete beherrscht der IS jetzt?

In Norden und Westen des Iraks kontrollieren die Extremisten rund ein Drittel des Landes. Nach dem Vormarsch in Palmyra beherrscht der IS zudem mehr als 50 Prozent des syrischen Territoriums. Dabei handelt es sich zwar vor allem um dünn besiedeltes Wüstengebiet. Doch das Gelände ist strategisch bedeutend, da der IS Truppen und Waffen über ein großes Gebiet hin und her bewegen kann. Durch den Sieg in Palmyra ist der Weg in Richtung der Städte Homs und Damaskus in Syriens Zentrum frei, die vom Regime gehalten werden.

Was macht die militärische Stärke der Terrormiliz aus?

Die IS-Anhänger zeichnen sich durch hohe Kampfmoral aus. Ihre Offensiven beginnen sie mit Selbstmordattentätern, die den Weg für den Angriff öffnen. Die militärische Führung besteht vor allem aus gut geschulten Offizieren, die einst in der irakischen Armee unter Saddam Hussein kämpften. Sie verstehen es, aus Niederlagen zu lernen und ihre Strategie anzupassen. Zudem besitzen die Extremisten ein großes Arsenal an schweren Waffen und gepanzerten Fahrzeugen. Sie sind hoch mobil und können ihre Kräfte nach Bedarf schnell verlegen.

Wie sind die Gegner der Extremisten aufgestellt?

Iraks Armee leidet unter Korruption. Die Truppen sind demoralisiert und schlecht ausgebildet. Als der IS im Juni 2014 die Großstadt Mossul einnahm, rannten sie weg. Auch in Syrien sind die Kräfte der Regierung nach schweren Verlusten ausgelaugt. Das Regime kann nur dank massiver Hilfe aus dem Iran und von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah überleben. Auch Syriens Rebellen sind zu schwach, um den IS zu besiegen. Das von den USA angekündigte Trainingsprogramm für gemäßigtere Kräfte kommt kaum voran.

Ist der IS unbesiegbar?

Nein. In den vergangenen Monaten mussten die Extremisten empfindliche Niederlage einstecken. So scheiterten sie mit dem Versuch, die nordsyrische Stadt Kobane einzunehmen. Auch die nordirakischen Kurden konnten mit Waffenhilfe aus dem Westen und Luftunterstützung der internationalen Koalition den IS zurückschlagen. Schiitische Milizen und Armee eroberten zudem im März die irakische Stadt Tikrit zurück.

Das zeigt: Mit den richtigen Waffen und einer guten militärischen Organisation lässt sich der IS militärisch besiegen. Allerdings fehlen für größere Geländegewinne die Bodentruppen. Die USA wollen dafür keine Soldaten schicken. Der Aufbau der irakischen Armee wird noch lange dauern. Noch viel mehr Zeit braucht die Ausbildung gemäßigter syrischer Regimegegner - wenn sie überhaupt gelingt.

Lassen sich die Dschihadisten allein militärisch besiegen?

Nein. Der IS lässt sich nur besiegen, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen ändern. Viele Sunniten in beiden Ländern unterstützen den IS, weil sie die von Schiiten (Irak) bzw. von der Minderheit der Alawiten (Syrien) dominierten Regierungen hassen. Der Zerfall beider Staaten schafft ein Vakuum, dass die Terrormiliz ausnutzt. Erst mit Regierungen, von denen sich auch die Sunniten vertreten fühlen, kann dem IS der Nährboden entzogen werden.

Fr, 2015-05-22 12:28
Riad (dpa)

Bombenanschlag mit mehreren Toten im Osten Saudi-Arabiens

Riad (dpa) - Bei einem Bombenanschlag im ölreichen Osten Saudi-Arabiens sind am Freitag mehrere Menschen getötet oder verletzt worden. Dies berichteten Augenzeugen. Der Sprengsatz soll in einer Moschee nahe der Stadt Katif explodiert sein. Das saudische Innenministerium bestätigte gegenüber dem saudischen Fernsehsender Al-Arabija, dass es in einer Moschee nahe Katif eine Explosion gab. Die Region wird hauptsächlich von Angehörigen der schiitischen Minderheit bewohnt.

Fr, 2015-05-22 12:28
Nairobi/Juba (dpa)

Ärzte ohne Grenzen beklagen Gewalt und Hunger im Südsudan

Nairobi/Juba (dpa) - Angesichts der eskalierten Kämpfe im Krisenland Südsudan sind immer mehr Menschen von Gewalt, Hunger und Krankheiten bedroht. «Wir sind Zeugen schrecklicher Zwischenfälle geworden: von Angriffen auf Frauen, auf Kinder, auf Dörfer», sagte Paul Critchley von Ärzte ohne Grenzen (MSF) am Freitag vor Journalisten in Nairobi. Wegen der prekären Lage sei die humanitäre Hilfe stark eingeschränkt. Viele Krankenhäuser seien geschlossen, um das Personal zu schützen.

In den vergangenen Monaten seien ganze Städte zerstört worden, Zehntausende Menschen seien in die umliegenden Wälder sowie in die Lager bei den UN-Stützpunkten geflohen. Besonders dramatisch sei die Situation rund um die Stadt Leer im Bundesstaat Unity. «Die Flüchtlinge haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln oder Trinkwasser», so Critchley. «Sie müssen sich von wilden Früchten ernähren und sind anfällig für Krankheiten wie Malaria.»

Die derzeitige Situation sei «inakzeptabel» und das Ausmaß des Leidens der Bevölkerung «immens», betonte der stellvertretende Landesdirektor Pete Buth. 

Im erst 2011 unabhängig gewordenen Südsudan herrscht Chaos,seit im Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Vize Riek Machar eskaliert war. Der Konflikt hat auch ethnische Hintergründe. 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2015-05-22 12:10
Damaskus (dpa)

Nach Palmyra-Verlust: Weitere Niederlage für Assad in Nordsyrien

Damaskus (dpa) - Nach der Niederlage in der syrischen Oasenstadt Palmyra hat das Regime auch seinen letzten Rückzugsort in der nordwestlichen Stadt Dschisr al-Schogur verloren. Islamistische Rebellen hätten ein von Regierungskräften gehaltenes Krankenhaus in der Provinz Idlib eingenommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Schätzungen zufolge befanden sich etwa 200 Kämpfer und Zivilisten in der Klinik.

Laut den Menschenrechtlern wurden einige der Kämpfer und Zivilisten getötet oder verletzt. Andere hätten zu einem Kontrollpunkt der Regierung in der Nähe fliehen können. Die Anhänger des Regimes hatten sich vor etwa einem Monat in der Klinik verschanzt, als Dschisr al-Schogur von den Aufständischen eingenommen worden war.

Das Islamisten-Bündnis Dschaisch al-Fatah, dem auch der syrische Al-Kaida Ableger Al-Nusra angehört, hatte in den vergangenen Wochen die Provinz Idlib fast vollständig erobert. Die gleichnamige Provinzhauptstadt wird seit Ende März von der Allianz kontrolliert.

Bereits am Mittwoch hatten die Regierungstruppen eine schwere Niederlage erlitten, als sie die historische Karawanenstadt Palmyra in Zentralsyrien an die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verloren.

Fr, 2015-05-22 12:50
Amman/Kairo (dpa)

Ägyptens Außenminister Schukri: Al-Sisi-Besuch in Berlin nach Plan

Amman/Kairo (dpa) - Der Besuch des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi Anfang Juni in Berlin wird nach den Worten von Außenminister Samih Schukri wie geplant ablaufen. «Der Besuch wird für beide Länder fruchtbar sein», erklärte der Chef der ägyptischen Diplomatie am Freitag am Rande eines Wirtschaftsforums in der jordanischen Hauptstadt Amman. Al-Sisi soll am 3. und 4. Juni in Berlin sein und unter anderen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammentreffen.

Der Besuch ist in Deutschland wegen der Menschenrechtslage in Ägypten umstritten. Al-Sisi hatte als damaliger Militärchef im Juli 2013 den gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt. Dieser wurde am vergangenen Samstag von einem Gericht in Kairo zum Tode verurteilt. Zehntausende Menschen sind in Ägypten aus politischen Gründen inhaftiert, Massentodesurteile sind häufig.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte am letzten Dienstag sein geplantes Treffen mit Al-Sisi in Berlin abgesagt. Merkel hatte daraufhin ihren Termin mit dem ägyptischen Präsidenten ausdrücklich bekräftigt. In den staatstreuen ägyptischen Medien waren Lammerts Absage als Beleidigung interpretiert und die Reise Al-Sisis nach Deutschland in Frage gestellt worden.

Fr, 2015-05-22 12:28
Kathmandu (dpa)

Rotes Kreuz: Zu wenig Geld für Zelte in Nepal

Kathmandu (dpa) - Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal beklagt das Rote Kreuz einen Mangel an Spendengeldern für den Kauf von Zelten. Damit drohe die Gefahr, dass kurz vor Beginn des Monsuns Zehntausende Überlebende ohne oder nur wenig Schutz vor Regen hätten, heißt es am Freitag in einer Mitteilung der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. Spender würden dringend gesucht. Ende April hatte ein Beben der Stärke 7,8 den Himalaya erschüttert. Dabei kamen in Nepal, Indien und China mehr als 6700 Menschen ums Leben.

Das Rote Kreuz bittet um 83 Millionen Euro, um 700 000 Menschen mit Unterkünften und sauberem Wasser versorgen sowie medizinische Hilfe leisten zu können. Bisher hätten 225 000 Menschen unter Zelten und Planen der Organisation Schutz gefunden. In den am stärksten betroffenen Gebieten seien mehr als 90 Prozent der Häuser zerstört.

Die Nothilfebündnisse der Emergency Appeals Alliance haben in Europa bislang mehr als 150 Millionen Spendengelder gesammelt. Allein das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen komme auf 30 Millionen Euro, heißt es in einer Mitteilung. Damit werde Nothilfe von mehr als 50 Organisationen in Nepal finanziert: Notunterkünfte, Decken, sauberes Trinkwasser, Sanitäranlagen, Wasserspeicher, Nahrungsmittel und medizinische Hilfe.

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Fr, 2015-05-22 12:49
London (dpa)

Erdbeben der Stärke 4,2 in britischer Grafschaft Kent

London (dpa) - Ein Erdbeben der Stärke 4,2 hat in der Nacht zum Freitag Teile der britischen Grafschaft Kent leicht erschüttert. Das britische Institut für Geologie erklärte, das Epizentrum habe in der Nähe der Hafenstadt Dover gelegen. Das Erdbeben ereignete sich damit in der Nähe des Nordportals des Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal sowie unweit des Atomkraftwerkes Dungeness. Menschen oder Gebäude kamen nach Angaben der Behörden nicht zu Schaden.

Allerdings fanden sich vielerorts umgeworfene Mülltonnen und Gartenmöbel. «Wir werden das wieder aufbauen», zeigten sich Witzbolde auf Twitter entschlossen. Betroffene sagten, die Erschütterungen hätten sie in der Nacht aus dem Schlaf gerissen. «Es war, als ob man mit dem Auto über einen Buckel fährt», sagte ein Mann aus der Hafenstadt Ramsgate. Bereits vor sieben Jahren hatte die Erde in der Grafschaft Kent gebebt, damals mit einer Stärke von 4,3.

Fr, 2015-05-22 12:20
Berlin (dpa)

OSZE: Festgenommene im Donbass sind russische Soldaten

Berlin (dpa) - Bei den beiden im Donbass festgenommenen Russen handelt es sich nach Informationen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) um russische Soldaten. Die beiden Männer hätten in Gesprächen mit den zivilen OSZE-Beobachtern Angaben gemacht, wonach davon auszugehen sei, «dass sie tatsächlich aktive Angehörige der russischen Streitkräfte sind», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung sei nicht allzu überrascht, fügte er hinzu.

Das ukrainische Militär hatte in dem Kriegsgebiet am vergangenen Wochenende nach eigenen Angaben zwei russische Soldaten gefangen genommen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau hatte zwar die Festnahme in der Ukraine bestätigt. Seinen Angaben zufolge handelt es sich bei den beiden Männer jedoch um ehemalige Soldaten. Die Ukraine beschuldigt Russland, die moskautreuen Separatisten im Donbass mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen.

Fr, 2015-05-22 12:30
Berlin (dpa)

Gauck fordert mehr Hilfe für Flüchtlinge

Berlin (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck hat die Staatengemeinschaft zu mehr Hilfe für Flüchtlinge ermahnt. Bei einem Empfang für den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen sagte Gauck am Freitag in Berlin: «Es widerspricht jeder Vorstellung von Menschenwürde, wenn Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung, auf der Suche nach einem würdigen Leben, abermals ihrer grundlegenden Rechte beraubt werden oder sogar ihr Leben verlieren.»

Deutschland hat im UN-Menschenrechtsrat mit seinen insgesamt 47 Mitgliedern in diesem Jahr den Vorsitz. Präsident ist der Ständige Vertreter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen in Genf, Botschafter Joachim Rücker. In dem Gremium sind auch Staaten vertreten, die selbst massiv gegen grundlegende Menschenrechte verstoßen.

Gauck sagte dazu: «Wir brauchen einen Menschenrechtsrat, der effizient und effektiv arbeitet - im engen Dialog mit allen, die gegen Menschenrechtsverletzungen kämpfen.» Zugleich müssten die Mitgliedsstaaten auch selbst Vorbild sein. «Als Anwalt für Menschenrechte kann international nur überzeugen, wer zu Hause mit gutem Beispiel vorangeht.»

Er erinnerte daran, dass es wegen Angriffen auf Flüchtlingsheime und Überfällen aus rassistischen, antisemitischen oder ausländerfeindlichen Motiven auch Kritik an Deutschland gebe. «Auch wir in der Bundesrepublik werden immer wieder neu auf die Probe gestellt», sagte Gauck. Deutschlands Antwort sei klar. «Wir wehren uns mit aller Entschlossenheit, wenn Menschen bedroht, verletzt oder sogar getötet werden, weil sie nach Überzeugung der Täter nicht zu uns gehören.» 

Fr, 2015-05-22 12:42
Damaskus/Bagdad (dpa)

Wichtige Städte in Syrien und Irak unter IS-Kontrolle

Damaskus/Bagdad (dpa) - Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Stadt beherrscht in Syrien und im Irak mehrere wichtige Städte:

- Im Norden und Osten Syrien kontrolliert der IS die Provinzhauptstädte AL-RAKKA und DAIR AS-SAUR, die vorher von Rebellen gehalten wurden. Al-Rakka ist das wichtigste IS-Zentrum in Syrien.

- Im Januar 2014 brachten die Extremisten die Stadt FALLUDSCHA rund 70 Kilometer westlich von Bagdad unter Kontrolle. Sie war bereits früher ein Zentrum des sunnitischen Widerstands gegen die US-Armee.

- Im Juni 2014 überrannte der IS nordirakische Großstadt MOSSUL, in der viele geschasste Offiziere und Soldaten aus der früheren Armee von Langzeitherrscher Saddam Hussein Zuflucht gefunden haben.

- Vor rund einer Woche eroberten die Extremisten die strategisch wichtige Stadt westirakische RAMADI, Zentrum der Provinz Al-Anbar.

- Mit der Einnahme der historischen Oasenstadt PALMYRA konnte der IS auch das dortige Unesco-Weltkulturerbe unter seine Kontrolle bringen.

Fr, 2015-05-22 11:07
Berlin (dpa)

Museumsdirektor befürchtet Raubgrabungen in Palmyra

Berlin (dpa) - Nach der Eroberung der syrischen Wüstenstadt Palmyra durch die Terrormiliz IS drohen nach Expertenansicht Raubgrabungen. Die ganze Welt befürchte, dass die archäologischen Stätten zerstört würden, sagte der Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, Markus Hilgert, am Freitag im Deutschlandfunk. Es gebe auch die berechtigte Sorge vor unerlaubten Grabungen, um Kulturobjekte zur Finanzierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in den illegalen Handel zu bringen.

Die Ruinen Palmyras aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Die einstige Handelsmetropole gilt als bedeutender Komplex antiker Bauten im Nahen Osten. Palmyra sei für Wissenschaftler so interessant, weil sich dort unterschiedliche kulturelle Einflüsse zu etwas Eigenem verbunden hätten: Römische Architektur, aber auch Einflüsse aus Mesopotamien, sagte Hilgert.

Im Nordirak hatten IS-Anhänger bereits im Frühjahr Kulturstätten vernichtet, etwa Ruinen der Jahrtausende alten Stadt Nimrud. «Die Zerstörung von Bauwerken und Skulpturen hat immer etwas mit der Auslöschung von Identität zu tun», sagte Hilgert. Das sei eine Form der Kriegsführung. Er warnte auch, Palmyra sei bereits seit einigen Jahren Ziel von Plünderern, die sich etwa an Skulpturen der Grabarchitektur zu schaffen machten.

Fr, 2015-05-22 11:49
Karlsruhe (dpa)

Ermittler des Oktoberfestattentats bitten Bürger um Mithilfe

1980 riss eine Bombe auf dem Oktoberfest 13 Menschen in den Tod. Die vor Jahren eingestellten Ermittlungen wurden unlängst wieder aufgenommen. Jetzt soll die Öffentlichkeit helfen.

Karlsruhe (dpa) - 35 Jahre nach dem Münchner Oktoberfestattentat ist die Mithilfe der Bevölkerung gefragt: Für ihre unlängst aufgenommenen Ermittlungen suchen Bundesanwaltschaft und Landeskriminalamt in einem gemeinsamen Aufruf nach Zeugen. Sie setzen darauf, dass Bürger das Attentat auf der Münchner Theresienwiese 1980 beobachtet haben oder sonst noch Angaben dazu machen können. Außerdem suchen sie Fotos vom Anschlagsort - auch solche, die vor der Bombenexplosion gemacht wurden.

Am 26. September 1980 hatte eine Bombe am Haupteingang des Oktoberfests 13 Männer, Frauen und Kinder in den Tod gerissen, auch den rechtsradikalen Attentäter Gundolf Köhler. Die Ermittlungen zu dem Attentat waren erst im Dezember wieder aufgenommen worden, nachdem der Opferanwalt Werner Dietrich neue Zeugenaussagen präsentiert hatte.

«Wir suchen Zeugen, die noch Angaben machen, die sie bisher nicht gemacht haben - aus welchen Gründen auch immer», sagte ein LKA-Mitarbeiter am Freitag dazu. Die Ermittler hoffen auch auf Bilder und Filmaufnahmen, die «Aufschluss geben können über die Zeit vor oder nach der Explosion».

Die neu eingerichtete Sonderkommission heißt «Soko 26. September» und besteht aus 21 Polizisten des bayerischen Landeskriminalamts (LKA). Hinweise nimmt das LKA unter der Telefonnummer 089/1212-1980 oder per Mail ( blka.1980@polizei.bayern.de) entgegen. 

Die Ermittler bitten zudem ausdrücklich Medienvertreter darum, ihnen Bilder und Filmaufnahmen von damals zu überlassen. «Insbesondere ist dabei bisher nicht veröffentlichtes Material von großem Interesse», heißt es. Erste Ergebnisse der neuen Ermittlungen will die Bundesanwaltschaft Ende des Jahres präsentieren.

Geht doch!

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Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Fr, 2015-05-22 11:36
Ruttel-Zetel (dpa)

«So eine Mühle hat ja noch was Menschliches» Von Berit Böhme, dpa

Sie strahlen Gemütlichkeit aus und kommen erst ab Windstärke vier richtig in Gang. Die letzten gewerblichen Windmühlen Niedersachsens werden meist als Familienbetriebe geführt.

Ruttel-Zetel (dpa) - Peter Egenhoff steht auf der Galerie und blickt prüfend zur Windrose hinauf. Dann greift er zur Kette und löst die Bremse. Langsam nehmen die Flügel seines 150 Jahre alten Holländers Fahrt auf. Der Müllermeister aus Zetel gehört zu den letzten gewerblichen Windmüllern Niedersachsens. Mit Windkraft mahlt, quetscht und schrotet er Getreide oder treibt das Sägewerk an.

«Wir brauchen drei bis vier Windstärken. Ab Windstärke acht stellen wir ab. Dann spielt der Wind mit der Mühle», sagt der 56-jährige Egenhoff. «Wenn sich die Windstärke verdoppelt, quadriert sich die Kraft der Mühle.» Früher lief alles mit Windkraft. Heute geht es nicht ohne Elektromotor. Der kommt beispielsweise bei den Förderanlagen zum Einsatz - und bei Windflauten. «Ohne Strom zu arbeiten, würde heute in dieser schnelllebigen Zeit nicht funktionieren», meint Eckhard Meyer, Windmüller aus Bardowick (Kreis Lüneburg).

Familie Egenhoff übernahm die Mühle 1932, mittlerweile arbeitet dort die dritte Generation. Mehl und Backschrot gehen im hauseigenen Laden über die Theke und werden im Mühlencafé zu Spezialitäten wie Buchweizentorte verarbeitet.

Weiter westlich, im ostfriesischen Großefehn (Kreis Aurich), steht die Windmühle Spetzerfehn der Familie Steenblock. «Wir decken 80 bis 85 Prozent mit Windkraft ab», sagt Hajo Steenblock. Der Betrieb hat sich auf die Herstellung von Futtermitteln spezialisiert. Sie werden im angegliederten Landhandel verkauft. «Wir verarbeiten im Moment mehr Getreide als vor 20 Jahren. Derzeit sind es 500 bis 600 Tonnen im Jahr.»

Unter den Kunden sind zunehmend private Tierhalter. Sie kaufen Geflügel- und Pferdefutter. Gerade junge Familien schaffen sich wieder Hühner an, so die Beobachtung. Ein Wettbewerbsvorteil ist die nostalgische Herstellungsart nach Steenblocks Meinung nicht. «Die Kundschaft findet das Windmüllern zwar nicht schlecht, aber Preis und Qualität müssen stimmen.» Außerdem gucken die Behörden bei den Windmüllern ganz genau hin. «Je mehr ich mahle, umso mehr Auflagen muss ich erfüllen, wegen der alten Technik, zwecks Risikovermeidung. Da habe ich viel Papierkram», seufzt Egenhoff.

«So eine Mühle hat ja noch was Menschliches, strahlt Wärme aus», schwärmt Eckhard Meyer, der die Familienmühle in Bardowick im Landkreis Lüneburg 1996 übernahm. «Die Leute sind begeistert, weil es nach Mehl riecht, und weil es rattert und klappert.» Er blickt optimistisch in die Zukunft. «Der Trend zur Regionalität kommt uns zugute», meint der Chef von über 20 Mitarbeitern.

Der Müllermeister ermuntert die «Freiwilligen Müller», öfter mal zu mahlen. «Dann würde man auch als Museumsmüller mehr Wertschätzung bekommen», ist seine Überzeugung. Freiwillige Müller kümmern sich nach Absolvierung eines 160 Stunden umfassenden Theorie- und Praxiskurses ehrenamtlich um historische Wind- und Wassermühlen. Damit sie nicht verrotten, müssen die Industriedenkmäler «gehen».

«Im Müllerberuf wird das Arbeiten mit Wind und Wasser nicht mehr gelehrt», bedauert Eckhard Meyer. «Unsere Mühle ist über 200 Jahre alt, man muss eins werden mit der alten Dame.» Die Müller vertrauen auch auf ihr Gehör. «Wenn sich der Klang verändert, stimmt etwas nicht. Man muss immer ein Ohr am Rüttelschuh haben», sagt Egenhoff. Der Rüttelschuh ist eine pendelnde Holzlade, die das Getreide zum Mahlstein leitet. An ihrem klappernden Rhythmus erkennt Egenhoff, wie schnell seine Mühle läuft und ob er den Mahldruck durch Zusammen- oder Auseinanderfahren der Mühlsteine verändern muss. «Das ist unsere Musik.»

Fr, 2015-05-22 11:22
Padua (dpa)

«Italiener kommen zuerst» - Widerstand gegen Migranten in Padua Von Alvise Armellini, dpa

Fast täglich landen Flüchtlingsboote an Italiens Küsten. In Padua wollen einige Einwohner helfen - und öffnen ihre Häuser. Ihnen schlägt jedoch Widerstand entgegen, auch von offizieller Seite.

Padua (dpa) - Beschimpfungen, Einschüchterungen, Drohungen: Das erlebt Pater Luca Favarin in letzter Zeit jeden Tag. Der katholische Priester leitet die Hilfsorganisation «Percorso Vita» (deutsch: «Pfad des Lebens») in der Stadt Padua. Die Gruppe unterstützt Bootsflüchtlinge, und das passt vielen Menschen in der wohlhabenden norditalienischen Region nicht.

«Das Klima ist sehr schlecht», sagt Favarin der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. «Percorso Vita» gibt etwa 60 Asylsuchenden Unterschlupf, die Helfer nehmen die Flüchtlinge zum Teil in ihren eigenen Wohnungen auf. Widerstand kommt von Teilen der Bevölkerung - und Politikern der rechten Lega Nord.

So kamen am Donnerstagabend etwa 250 Menschen zu einem Fackelzug zusammen, um gegen die Aufnahme von Migranten zu protestieren. Unter ihnen war auch der rechtspopulistische Bürgermeister von Padua, Massimo Bitonci. «Wir sind keine Rassisten, wir sind gegen das Geschäft mit der Aufnahme (von Migranten)», sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa. «Wir sagen Nein zu Flüchtlingen in Privathäusern. Das ist nicht die Art der Aufnahme, die wir wollen.» Vergangenen Woche hatten allerdings in der Stadt rund 1000 Bürger für die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert, darunter die frühere Integrationsministerin Cecile Kyenge, die im Kongo geboren wurde.

«Jeden Tag wird versucht, mich einzuschüchtern», erzählt Priester Favarin. «Manche Leute spucken mich an, andere zeigen mit dem Finger auf mich und sagen: «Denken sie dran, Pater - Italiener kommen zuerst, die Neger danach».»

Die Wirtschaftsflaute in Italien hat die Feindseligkeit gegen Migranten erhöht. Kriminalität, islamistischer Terror und Sozialschmarotzertum werden ihnen vorgeworfen. Die Migranten machten die Stadt unsicherer, beschweren sich Anwohner und Geschäftsleute in Padua.

Patrizia Ferro, eine Frau, die für sechs Flüchtlinge eine 110-Quadratmeter-Wohnung in einem netten Stadtteil zur Verfügung gestellt hatte, wurde dafür in der Öffentlichkeit bloßgestellt, wie die Zeitung «La Repubblica» berichtete. Eine Unterschriftenaktion, die fordert, die Unterbringung von Asylsuchenden in Privathäusern zu verbieten, fand Tausende Unterstützer.

Bürgermeister Bitonci und Wohnbaustadtrat Fabrizio Boron - beide von der Lega Nord - posteten Ende April Fotos von Frau Ferros Haus auf Facebook, angeblich aus Solidarität mit den Nachbarn. Einer der Anwohner sagte der Zeitung: «Wer kann garantieren, dass diese Typen keine Terroristen sind? Sie werden die Immobilienpreise drücken. Ich will Schadenersatz fordern. Außerdem haben wir Angst vor rassistischen Angriffen.»

Der Bruder der Wohnungsbesitzerin sagte kürzlich der Lokalzeitung «Corriere del Veneto», dass man nach diesen Vorkommnissen überlege, die sechs jungen Männer woanders unterzubringen. Die Flüchtlinge aus dem Senegal, Burkina Faso und Nigeria hätten Schreckliches durchgemacht, der Rummel sei nicht gut, fügte Stefano Ferro hinzu.

Stadtrat Boron, der bei den Wahlen am 31. Mai einen Sitz im Regionalparlament anstrebt, kritisiert auf Facebook auch eine weitere Wohltäterin: Die 90-jährige Mara Gambato. Nach der Bootskatastrophe im Mittelmeer im April mit mehr als 800 Toten hatte sie den Helfern angeboten, ihr Haus verbilligt zu mieten. Nun wohnen dort zehn Flüchtlinge, sie selbst zog in eine kleinere Wohnung.

«Percorso Vita» verwaltet nach Angaben Favarins mehrere Flüchtlingswohnungen. 15 weitere Einwohner hätten ihre Hilfe angeboten. Anfang Mai wies Bitonci die Polizei an, die privaten Unterkünfte zu überprüfen. Bei Verletzung von Vorschriften für Gesundheit und Sicherheit droht eine Strafe von 500 Euro.

Insgesamt leben in Padua und der umliegenden Provinz etwa eine Million Menschen. Offiziell sind 90 000 Ausländer gemeldet, die meisten von ihnen aus dem Balkan sowie Osteuropa. Derzeit leben 500 Flüchtlinge in der Provinz. Diese Zahl wird voraussichtlich steigen, da die Behörden in Rom Neuankömmlinge aus Nordafrika im gesamten Land verteilen wollen - trotz allen Widerstandes gegen die angebliche Flüchtlingsinvasion.

Fr, 2015-05-22 11:49
London (dpa)

Amnesty: Im Ukraine-Konflikt foltern beide Seiten Gefangene

London (dpa) - Amnesty International wirft beiden Konfliktparteien in der Ostukraine Folter von Gefangenen vor. Für die fast täglich begangenen Kriegsverbrechen von prorussischen Separatisten und prowestlichen Kämpfern lägen «überwältigende Beweise» vor, teilte die Menschenrechtsorganisation am Freitag in London mit. Ehemalige Gefangenen seien deren Aussagen zufolge die Knochen gebrochen worden, man habe sie mit Elektroschocks gequält, über Tage nicht schlafen lassen, zum Schein hingerichtet und ihnen dringend notwendige medizinische Hilfe verweigert.

Amnesty hat nach eigenen Angaben 33 frühere Gefangene beider Seiten befragt. Ihre Aussagen seien «übereinstimmend und grauenvoll», hieß es in der Mitteilung. Zudem hätten Röntgenbilder, Fotos, fehlende Zähne und Narben sowie Krankenhausakten die Darstellungen bestätigt. Die Befragten seien teils von Separatisten, teils von ukrainischen Vollzugsbehörden und vom ukrainischen Geheimdienst SBU gefangen gehalten und gefoltert worden.

Zudem habe Amnesty von mindestens drei Fällen erfahren, in denen Separatisten Gefangene ohne Prozess hingerichtet hätten. Die Organisation beruft sich dabei auf Berichte von Augenzeugen, Krankenhausakten, Medienberichte und Soziale Netzwerke. Beide Seiten hielten zudem Zivilisten gefangen. Sie müssten ihren Kämpfern klar machen, welche Konsequenzen die Misshandlung von Gefangenen nach internationalem Recht habe, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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