Mo, 2015-04-27 05:44
Taipeh (dpa)

Atomreaktor in Taiwan nach Feuer abgeschaltet

Taipeh (dpa) - Nach einem Brand durch einen defekten Transformator musste ein Reaktorblock eines Kernkraftwerkes im Süden von Taiwan abgeschaltet werden. Das Feuer am Montagmorgen außerhalb des nuklearen Bereichs des Atommeilers in Pingtung sei innerhalb von 17 Minuten gelöscht worden, berichtete der Betreiber Taiwan Power Company (Taipower). Es sei keine Radioaktivität ausgetreten. Auch sei der andere Reaktorblock normal in Betrieb geblieben.

Es war der zweite Zwischenfall dieser Art in zwei Jahren in dem Kraftwerk, berichtete die Nachrichtenagentur CNA. Der Brand löste in sozialen Medien der demokratischen Inselrepublik heftige Diskussionen über die Risiken aus. Taiwan hat drei Atomkraftwerke und bezieht rund ein Sechstel seines Stroms aus der Kernenergie. Das 1985 in Betrieb genommene Atomkraftwerk ist der jüngste Meiler Taiwans.

Bei dem letzten Unfall 2013 konnte der Reaktor erst 85 Tage später wieder angefahren werden. Diesmal soll es innerhalb von zwei Wochen schon möglich sein, wie Taipower mitteilte.

Mo, 2015-04-27 05:45
Dachau (dpa)

«Mörderschule der SS» - 70 Jahre nach der Befreiung des KZs Dachau Von Sabine Dobel und Cordula Dieckmann, dpa

Dachau, der Name ist weltweit verbunden mit der Erinnerung an die grauenvollen NS-Verbrechen. Hier errichteten die Nazis ihr erstes großes dauerhaftes KZ. Vor 70 Jahren befreiten US-Soldaten das Lager - sie fanden 30 000 ausgemergelte und kranke Häftlinge und viele Tote.

Dachau (dpa) - Auf der Wiese blühen Gänseblümchen, Bäume leuchten grün. Doch vor mehr als 70 Jahren war hier ein Ort unvorstellbaren Grauens, das bis heute spürbar ist. Im Konzentrationslager Dachau quälten und ermordeten die Nationalsozialisten zehntausende Menschen. Hier unterrichteten sie ihre Schergen im Töten, in der «Mörderschule der SS». Am 29. April 1945 kamen US-Truppen und setzten dem entsetzlichen Treiben ein Ende. Zum 70. Jahrestag der Befreiung erinnert die KZ-Gedenkstätte am Sonntag (3. Mai) an diesen Schicksalstag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird sprechen, auch Überlebende und Befreier mit ihren Angehörigen werden erwartet.

Hilbert Margol ist einer der US-Soldaten der Rainbow-Division, die das KZ am 29. April erreichen. Als sie sich dem Lager nähern, bemerken sie einen grauenvollen Gestank. Hilbert und sein Zwillingsbruder Howard werden losgeschickt, um nach der Ursache zu suchen. «Das Erste, was wir sahen, waren einige Güterwaggons», sagt der 93-Jährige. Darin ein unbeschreiblicher Anblick: Menschliche Körper, kreuz und quer übereinander, verhungert, verdurstet, erschossen. Der Geruch des Todes liegt in der Luft.

Im Lager dann weit über 30 000 ausgezehrte Menschen, in völlig überfüllten Baracken zusammengedrängt. Typhus grassiert. In der Totenkammer, im Krankenbereich, im Krematorium - überall häufen sich Leichen. Sogar unter freiem Himmel liegen geschundene, nackte Körper.

Mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa saßen hier zwischen 1933 und 1945 in Haft, unter katastrophalen Bedingungen. Dazu härteste Arbeit, Hunger, drangvolle Enge und willkürliche Repressalien. Etliche Häftlinge wurden für medizinische Experimente missbraucht. Wer zu schwach war, um zu arbeiten, dessen Schicksal war ohnehin besiegelt.

Wie viele Opfer es insgesamt gab, ist nicht klar. Lagerunterlagen listen knapp 32 000 Tote auf. Historiker gehen aber von mehr als 40 000 aus. Viele Exekutionen, etwa von tausenden russischen Kriegsgefangenen, wurden nicht erfasst. «Die Totenlisten werden immer länger und länger», schrieb der holländische Journalist Nico Rost am 4. März 1945 in sein Tagebuch.

Am 22. März 1933, wenige Wochen, nachdem Adolf Hitler an die Macht gekommen war, nahmen die Nazis die ersten Menschen in Dachau bei München in Haft, wenig später wurden die ersten ermordet. Zunächst traf es politische Gegner: Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Dann evangelische und katholische Geistliche, Zeugen Jehovas, Juden, Roma und Sinti sowie Homosexuelle; nach Kriegsbeginn Widerstandskämpfer aus anderen Ländern und Kriegsgefangene. Auch der gescheiterte Hitler-Attentäter Georg Elser oder der Schriftsteller Alfred Andersch waren hier eingesperrt.

Arbeitsfähige Häftlinge schufteten unter mörderischen Bedingungen etwa im Straßenbau oder in der Rüstungsindustrie. Jeden Tag mussten sie dabei durch das Tor mit dem zynischen Satz «Arbeit macht frei». Anfang November 2014 wurde das Tor gestohlen - zum 70. Jahrestag wird eine Replik eingesetzt.

Aus den regional verteilten Arbeitskommandos entstand ein System von Außenlagern. Das KZ Dachau war mit bis zu 169 Außenkommandos der größte Lagerkomplex überhaupt. Mit seiner grausamen Perfektion wurde es zum Modell für die vielen späteren Konzentrationslager, für eine unvorstellbare Vernichtungsmaschinerie. Als Ausbildungsstätte für Nazi-Schergen wurde es zur «Schule der Gewalt».

«Die SS-Männer, die einige Jahre später den millionenfachen Mord mit Giftgas durchführten, lernten zuerst im Konzentrationslager Dachau, andersdenkende Menschen als minderwertig zu betrachten und sie kaltblütig zu ermorden. Die Umsetzung der nationalsozialistischen Theorien in blutige Realität nahm im Konzentrationslager Dachau ihren Anfang», heißt es in einem Abriss des Historikers Wolfgang Benz und der früheren Leiterin der Dachauer KZ-Gedenkstätte, Barbara Distel.

Anfang 1945 dämmerte vielen Verantwortlichen, dass Hitlers Tage gezählt sein könnten. Als ab Mitte April der Geschützdonner im Lager zu hören war, verbrannten sie Akten, versuchten, Spuren zu verwischen und flohen. Am 26. April schickten sie rund 7000 Gefangene auf einen Todesmarsch Richtung Alpen, bei dem Hunderte starben. Als die US-Soldaten am 29. April kamen, herrschte Chaos. Das Krematorium war außer Betrieb. Seit Tagen wurden Sterbefälle nicht mehr dokumentiert.

Die Häftlinge konnten ihr Glück kaum fassen, als ihre Retter da waren. «Alle geraten in Bewegung, Kranke verlassen die Betten, die fast Gesunden und das Blockpersonal rennen auf die Blockstraße, springen aus den Fenstern, klettern über Bretterwände, laufen auf den Appellplatz. Man hört von weitem bis hierher das Schreien und Hurra-Rufen. Es sind Freudenschreie», hält der Dichter und Autor Edgar Kupfer-Koberwitz in seinen Aufzeichnungen fest. «Wir küssen uns wie Brüder und beglückwünschen uns. Viele haben Tränen in den Augen. Wir drücken uns die Hände: Frei, frei!»

Mo, 2015-04-27 05:45
Nigel (dpa)

Gewalt und Enteignung: Südafrikas weiße Farmer leben in Angst Von Sinikka Tarvainen, dpa

In Europa bereiten fallende Agrarpreise Bauern schlaflose Nächte. Südafrikas weiße Farmer plagen ganz andere Existenzsorgen. Eine Reihe von Ihnen wurde Opfer von Überfällen, und auch die Furcht vor Enteignung geht um.

Nigel (dpa) - Landwirt Johann Pistorius sorgt sich um seine Zukunft. «Wenn ich hier vertrieben werde, gehe ich nach Mosambik, oder in ein anderes Land in Afrika», sagt der 36-Jährige Südafrikaner. Seit sechs Generationen bewirtschaftet die weiße Farmerfamilie den 1000 Hektar großen Betrieb etwa 80 Kilometer östlich von Johannesburg. Eine Schafherde genießt die letzten Sonnenstrahlen an diesem warmen Nachmittag, die Mais- und Sojafelder erstrecken sich in die Ferne.

Trotz dieser Idylle ist Pistorius beunruhigt: «Es hat hier Angriffe auf weiße Bauern gegeben, und ich fürchte ständig, dass mir die Regierung meine Farm wegnimmt.» Nach Angaben der Landwirte-Union TAUSA wurden in Südafrika zwischen 1990 und 2014 mehr als 1000 weiße und 72 schwarze Farmer getötet. Von der Polizei, die keine Statistiken über Angriffe auf landwirtschaftliche Betriebe führt, wurden diese Zahlen nicht bestätigt.

TAUSA-Vertreter Chris van Zyl sagt, die Angriffe seien sehr brutal, Opfer würden oft gefoltert und berichteten über rassistische Beschimpfungen. Dies deutet laut TAUSA darauf hin, dass manche der Angreifer sich an den Weißen für die Ungerechtigkeiten des Apartheid-Regimes von 1948-94 rächen wollten. Die weiße Minderheit kontrollierte damals etwa 90 Prozent von Grund und Boden.

Seitdem hat sich nicht viel geändert. Etwa 67 Prozent der Landfläche entfallen auf 40 000 Farmen, die meisten von ihnen im Besitz von Weißen, heißt es beim Institut für Armut, Land- und Agrarstudien (PLAAS) der Universität Western Cape. Zwei Millionen schwarze Landwirte erwirtschaften demnach auf ihren kleinen Flächen hingegen nur genug zum Überleben, nur 200 000 produzieren Überschüsse. Nach offiziellen Zahlen liegt das Monatseinkommen in mehr als der Hälfte der ländlichen Haushalte bei umgerechnet 47 Euro.

Die Linkspartei der «Wirtschaftlichen Freiheitskämpfer» EEF will Agrarland verstaatlichen und an die schwarze Bevölkerung verteilen. Für sie sind ländliche Armut und Bodendiebstahl durch Weiße eng verknüpft. «Wir verlangen nicht, dass Weiße das Land verlassen», sagt der EEF-Abgeordnete Andile Mngxitama der Deutschen Presse-Agentur. «Aber die Siedler haben das Land gestohlen.»

Die Regierungspartei ANC versprach 1994, dass bis 2014 etwa 30 Prozent des weißen Agrarlandes Schwarzen gehören werde. Doch bislang wurden nur acht Prozent umverteilt. Für Kritiker liegt das Problem darin, dass die Farmer nicht gezwungen werden, ihr Land an den Staat zu verkaufen. Unter zunehmendem Druck des EFF zieht der ANC aber die Schrauben an. Gewerbliche Landwirte sollen, wenn es nach den Plänen der Regierung geht, bis zu 50 Prozent ihrer Betriebe an ihre Arbeiter überschreiben. Zudem soll eine Besitzobergrenze von 12 000 Hektar eingeführt und Ausländer vom Grunderwerb ausgeschlossen werden.

«Das Schicksal von zu vielen liegt in den Händen von zu wenigen», sagte Präsident Jacob Zuma über das Problem der Nahrungssicherung. Doch für PLAAS-Experten Ben Cousins sind solche Aussagen populistisch. Die arme Landbevölkerung interessiere die Regierung nicht, meint er. Von der Umverteilung würden nur einige Farmer mit engen Verbindungen zu den Mächtigen profitieren.

Gegner einer Neuverteilung führen das Nachbarland Simbabwe als abschreckendes Beispiel an. Dort wurden Tausende weiße Farmer vertrieben, das Resultat waren Nahrungsmittelknappheit, internationale Sanktionen und wirtschaftlicher Abstieg. Auch in Südafrika fehlt es vielen schwarzen Neu-Farmern an Erfahrung und Finanzmitteln. Profite zu erwirtschaften, ist für viele schwierig.

«Ich habe mir die Hände wund gearbeitet, warum sollte ich also meinen Betrieb hergeben?», fragt Pistorius und versucht indessen, sich und sein Land so gut wie möglich zu schützen. Er hat Zäune errichtet und Alarmanlagen installiert. Gemeinsam mit anderen Farmern hat er eine Wachtruppe gebildet. Die Behauptung weißer Farmer, dass die Polizei sie nicht beschütze, weist Polizeisprecher Solomon Makgale zurück. Es werde kein Unterschied gemacht, betont er. Pistorius ist hingegen überzeugt: «Als weißer Landwirt bin ich in den Augen der Regierung ein Feind.»

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-04-27 03:00
Berlin (dpa)

Kein Gas-Fracking wegen Atommüll-Endlagersuche?

Berlin (dpa) - Für alle Regionen in Deutschland, die als Standort für ein Atommüll-Endlager in Frage kommen, soll ein Fördermoratorium für Rohstoffe erlassen werden - das fordern führende Mitglieder der Endlager-Kommission des Bundestages. «Wir brauchen eine Klarstellung im Bergrecht, die alle potenziellen Endlagerorte sichert», sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Dann müssten zum Beispiel in solchen Gebieten Anträge auf Gasförderung («Fracking») oder Ölförderung zurückgestellt werden.

Wenzel ist Mitglied der 33-köpfigen, beim Bundestag angesiedelten Kommission, die die Grundlagen für die bundesweite Endlagersuche erarbeitet. Der Vorsitzende, Michael Müller (SPD), sagte, in dem Moment, wo die Kriterien klar definiert seien, müssten in Frage kommende Regionen entsprechend gesichert werden. «Das übergeordnete Interesse gehört der Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen».

Fallen Regionen dann im weiteren Verlauf durch das Raster, sei auch wieder eine andere Nutzung möglich. Die Kommission hatte jüngst die Regierung aufgefordert, eine solche Regelung zu prüfen. Streitpunkt ist die von der Bundesregierung bereits beschlossene Verlängerung der im August auslaufenden Veränderungssperre für den Salzstock Gorleben, die damit andere Nutzungen wie Salzförderung weiterhin ausschließt.

Der Bundesrat sollte am 8. Mai abschließend darüber entscheiden, wegen des Rufes nach einer Klarstellung auch für andere mögliche Endlagerorte wurde die Entscheidung vertagt. Wenzel warnte vor einer Ungleichbehandlung, wenn es nur für Gorleben eine Veränderungssperre gibt. «Wenn wir das Konzept der weißen Landkarte nicht umsetzen, laufen wir Gefahr, dass am Ende nur Gorleben übrig bleibt und wir in der gleichen Sackgasse landen wie in den letzten 35 Jahren.»

Mo, 2015-04-27 03:47
Bremen (dpa)

Rot-Grün vor Bremen-Wahl optimistisch - AfD und FDP zittern Von Sönke Möhl, dpa

Die SPD steht vor ihrem achten Jahrzehnt ununterbrochener Regierung in Bremen. Knapp zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl gibt es kaum Zweifel an einer Bestätigung von Rot-Grün. Spannend wird es trotzdem: Schaffen es FDP und AfD ins Parlament?

Bremen (dpa) - Echten Nervenkitzel dürfte die Bürgerschaftswahl in Bremen am 10. Mai nur für Politiker aus der zweiten Reihe bieten. Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) wird einer aktuellen Umfrage zufolge seine rot-grüne Koalition fortsetzen können. Die SPD würde dann in das achte Jahrzehnt gehen, in dem sie an der Weser ohne Unterbrechung den Regierungschef stellt - unangefochtener Rekord in Deutschland. Auch dem kleinen Koalitionspartner winkt eine Bestleistung: Es wäre nach Angaben des Parteienforschers Lothar Probst das erste Mal, dass Grüne in einem Bundesland in drei Legislaturperioden nacheinander mitregieren.

Nur die allergrößten Optimisten in der CDU hoffen, an vier weiteren rot-grünen Jahren in Bremen noch etwas ändern zu können. Selbst Spitzenkandidatin Elisabeth Motschmann setzt auf Platz und nicht auf Sieg, will Böhrnsen aber zu einem Wechsel des Koalitionspartners überreden. Als Voraussetzung dafür betrachtet die 62 Jahre alte Bundestagsabgeordnete ein besseres Wahlergebnis als die Grünen.

Das zumindest könnte klappen. Laut Umfrage liegt die CDU bei 23 Prozent und würde sich damit von den 20,4 Prozent der Wahl 2011 etwas erholen. Die Grünen, denen unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 22,5 Prozent gelangen, können demnach diesmal mit 16 Prozent rechnen.

Selbst ein deutlicher Verlust bei den Grünen würde die komfortable Mehrheit von Rot-Grün allerdings nicht gefährden. Die SPD kann laut Umfrage mit einem ähnlichen Ergebnis wie beim letzen Wahlgang rechnen. 2011 erzielten die Sozialdemokraten 38,6 Prozent. Regierungschef Böhrnsen (65) lässt keinen Zweifel daran, dass ihm an der Fortsetzung des Bündnisses mit den Grünen gelegen ist.

Erwartet Bremen nun eine langweile Wahl ohne jede Spannung? Nein, denn für kleinere Parteien dürfte es eng werden. Sollte die in Bremen seit Jahren bedeutungslose FDP ein Comeback schaffen, wäre das nach Hamburg der zweite Wahlerfolg der Liberalen auf Länderebene. Laut Umfrage liegt die FDP ebenso bei fünf Prozent wie die rechtskonservative AfD, die hofft, ihre Serie von Erfolgen bei Landtagswahlen ausbauen zu können.

Was sind die großen Themen im Wahlkampf? Bremen ist bis über die Ohren verschuldet. Die Schuldenbremse lässt wenig Spielraum und dämpft auch die Lust der Parteien auf Versprechungen. «Wir wollen und wir werden die Schuldenbremse schaffen», verspricht Böhrnsen. Nur die Linken möchten den Geldhahn wieder weiter aufdrehen. Die CDU will mehr Polizisten und Lehrer einstellen und dafür an anderer Stelle Personal einsparen. Auch SPD und Grüne setzen auf Bildung. Die soziale Spaltung der Stadt treibt alle Parteien gleichermaßen um. Motschmann: «Ein Drittel unserer Kinder leben hier in Armut. Jeder Armutsbericht zeigt, dass es schlimmer wird.»

Eine wahrnehmbare Wechselstimmung herrscht nach einer Vorwahlanalyse des Parteienforschers Probst nicht. Es gebe aber eine latente Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung. Als einen Hauptgrund dafür sieht der Professor die Sparpolitik des Senats und die dadurch eingeengten Handlungsspielräume der Koalition.

Den Erfolg für die SPD soll Böhrnsen garantieren, der nach Probsts Einschätzung aufgrund seiner ruhigen, besonnenen und integrierenden Art populär und beliebt ist. Vorhersagen und Spekulationen lassen Böhrnsen unbeeindruckt: «Warten wir mal ab, wie sich das Wahlergebnis zeigt, ich bin zuversichtlich.»

Mo, 2015-04-27 03:31
Berlin (dpa)

Unerquickliche Stunden im Kanzleramt Von Georg Ismar und Basil Wegener, dpa

Sechs Stunden sitzen die führenden Politiker des Landes im Kanzleramt zusammen. Da sollte Zählbares herauskommen, sollte man meinen. Doch Streit im Vorfeld, etwa um CSU-Chef Seehofer, wird zur schweren Last.

Berlin (dpa) - Thomas Oppermann bekommt von der Union zum Geburtstag nichts geschenkt. Zumindest nicht im politischen Sinne. Nach vier Stunden zäher Gespräche, garniert mit Spargel, ist Mitternacht erreicht. Der SPD-Fraktionschef wäre nun, zu seinem 61. Geburtstag, gerne daheim in Göttingen. Zwar hat die Kanzlerin Schampus zum Anstoßen organisiert, aber beim zentralen Streitpunkt Mindestlohn geht nichts voran. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gibt einen Bericht, der wird zur Kenntnis genommen. Am Ende heißt es: Vertagung.

Als der Koalitionsgipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach sechs Stunden um zwei Uhr morgens zu Ende geht, ist die Ernüchterung groß. «Ziemlich schlimm», «Im Grunde nichts beschlossen», «unheimlich dürftig», lauten Kommentare aus Koalitionskreisen. Eigentlich sollte das Treffen der Partei- und Fraktionschefs im Kanzleramt den Auftakt zu einem «Frühjahr der Entscheidungen» bilden. Nun heißt es in der Koalition: «Das Frühjahr ist da, aber die Entscheidungen noch nicht.» Von SPD-Seite wird dafür vor allem einer verantwortlich gemacht: CSU-Chef Horst Seehofer. Der hatte vorab via «Bild am Sonntag» kräftig gegen die SPD ausgeteilt.

«Die Regelungswut und das Dokumentationswirrwarr beim Mindestlohn sind auch Gründe für die schlechten Umfrageergebnisse der SPD», hatte er etwa gestichelt. Und er warf der SPD vor, mit «allen Tricks unsere Projekte» zu bekämpfen, das sei eine schwere Belastung der Koalition.

Zum einen habe Seehofer mit seinem Forderungen nach substanziellen Änderungen an den Mindestlohnregeln die Latte sehr hoch gelegt. Zum anderen mit seinen Attacken die Einigungsbereitschaft torpediert, heißt es hinterher. Richtig angefressen wirken die Sozialdemokraten. Mal sehen, wie dieser Abend auf die Koalitionsarbeit nachwirken wird.

So wurde erst einmal in schwieriger Atmosphäre stundenlang über ein Schlüsselprojekt, die Reform der Bund/Länder-Finanzbeziehungen beraten. Was soll etwa aus dem unbeliebten Solidaritätszuschlag werden, wenn er 2019 ausläuft? Die SPD würde ihn gerne danach in die Einkommensteuer integrieren, damit die klammen Länder auch etwas von den bisher dem Bund zustehenden Milliardeneinnahmen bekommen.

Die Union will den «Soli» zwar auch nicht gleich beerdigen, aber schrittweise abschaffen. Spätestens bis 2029. Seehofer spricht vollmundig von der «größten Steuersenkung aller Zeiten» mit 20 Milliarden Euro Volumen. Zudem will er den Länderfinanzausgleich, mit dem Bayern Länder wie Berlin mitfinanziert, um zwei Milliarden Euro kappen. Auch das Thema kommt auf Wiedervorlage, weitere Beratung.

Mit ernstem Gesichtsausdruck betritt Nahles um 21.20 Uhr das Kanzleramt, wo die Koalitionsspitzen schon seit mehr als einer Stunde tagen. Für sie heißt es erstmal warten, warten, Spargel essen.

Als sie nach Mitternacht und Oppermanns Geburtstag drankommt, kann sie mit einem umfassenden Bericht über die Erfahrungen mit dem seit Januar geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro aufwarten - ihr Fazit stand schon vorher fest: Geändert werden muss nichts. Es bleibt dabei, dass vor allem die CSU das ganz anders sieht. Die Union hätte im Verbund mit der Wirtschaft gerne, dass in Branchen wie Bau und Gastronomie die Schwelle zum Aufschreiben von Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit nur bis zu einem Mitarbeitergehalt von 1900 statt derzeit 2958 Euro gilt. Doch die Verordnung bleibt erstmal - also ist das vorläufige Festhalten ein kleiner Sieg für die Sozialdemokraten.

Doch befriedet ist diese Baustelle nicht. In der Flüchtlingsfrage - eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Zeit - wird immerhin eine «Sprachregelung» verabschiedet. Die versprochene verstärkte Seenotrettung im Mittelmeer will Deutschland unterstützen - aufgenommen werden sollen vor allem Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Und Italien und Griechenland wird personelle Hilfe bei Aufnahme und Registrierung von Flüchtlingen angeboten. Und dann ist da ja noch die umkämpfte, von weiten Teilen der Union abgelehnte Klimaabgabe für alte Kohlemeiler, wenn sie ein Kohlendioxid-Limit überschreiten.

Vizekanzler, SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hätte gerne ein Bekenntnis der Kanzlerin hierzu bekommen. Am Ende wird nur das Ziel bekräftigt, nicht aber das Instrument, um es zu schaffen: 40 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2020 als noch 1990. Das steht aber wortgleich auch schon im Koalitionsvertrag.

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Mo, 2015-04-27 03:48
Bremen (dpa)

Die Spitzenkandidaten zur Bremer Bürgerschaftswahl Von Irena Güttel, dpa

Bei der Bremer Bürgerschaftswahl gibt es kaum Köpfe, die bundesweit bekannt sind. Wer sind die Spitzenkandidaten?

Bremen (dpa) - Zehn Parteien und Wählervereinigungen stehen am 10. Mai in Bremen zur Wahl. In Bremerhaven tritt außerdem noch die NPD  an. Im Landtag sind bisher SPD, Grüne, CDU, Linke und die rechtspopulistischen Bürger in Wut vertreten. Die Spitzenkandidaten der Parteien, die es bei der Bürgerschaftswahl ins Parlament schaffen könnten:

Bürgermeister, Hanseat, Bremer heißt es auf den Wahlplakaten von JENS BÖHRNSEN. Der Regierungschef will die SPD zum dritten Mal zum Wahlsieg führen und denkt mit 65 noch lange nicht an Ruhestand. Der gebürtige Bremer bewahrt stets einen kühlen Kopf, vergreift sich nie im Ton und wird selbst von politischen Gegnern als Verhandlungs- und Gesprächspartner geschätzt. Der soziale Zusammenhalt im kleinsten Bundesland liegt Böhrnsen besonders am Herzen. Er selbst stammt aus einer Arbeiterfamilie, studierte Jura und zog 1995 in die Bürgerschaft ein.

Die Spitzenkandidatin der Grünen hat Ausdauer. Seit acht Jahren ist KAROLINE LINNERT Finanzsenatorin im hoch verschuldeten Bremen - keiner ihrer Vorgänger hat es so lange im Amt ausgehalten. Mit ihrer Sparpolitik macht sich die 56-Jährige nicht immer Freunde. Trotzdem ist sie Überzeugungstäterin. Seit 1980 ist sie bei den Grünen, seit 1991 sitzt sie in der Bürgerschaft. Nun will sie vier weitere Jahre auf einen ausgeglichenen Haushalt hinarbeiten.

Die Wahl kann ELISABETH MOTSCHMANN nicht gewinnen. Doch davon lässt sich die CDU-Spitzenkandidatin nicht abschrecken. Mit guter Laune und viel Ehrgeiz kämpft die 62-Jährige für ein gutes Abschneiden ihrer Partei und hofft den Grünen als Koalitionspartner der SPD den Rang abzulaufen. Seit 1976 ist Motschmann in der CDU, saß in der Bürgerschaft und ist jetzt Bundestagsabgeordnete in Berlin. In der Vergangenheit ist sie mit konservativ-christlichen Positionen aufgefallen, hat diese aber nach eigenen Angaben zum Teil überdacht.

Mit KRISTINA VOGT setzt die Linke auf Beständigkeit. Die 49-Jährige war schon bei der Wahl 2011 Spitzenkandidatin. Seither führt sie die Linksfraktion im Landtag. Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte will vor allem die ärmeren Stadtteile in Bremen stärken und kritisiert den von Rot-Grün verordneten Sparzwang.

Wirtschaftliche Kompetenz, ein neues Gesicht und ein Hauch Glamour - LENCKE STEINER soll die FDP in Bremen wieder in den Landtag bringen. Die 29-Jährige ist Chefin eines Familienunternehmens und Vorsitzende des Verbandes «Die Jungen Unternehmer», aber kein Parteimitglied. Die TV-Show «Die Höhle des Löwen», wo sie als Jury-Mitglied über Geschäftsideen von Firmengründern entschied, machte sie bundesweit bekannt. Gemeinsam mit ihren Parteikolleginnen Katja Suding und Nicola Beer posierte sie in der «Gala» als sexy Actionheldin, angelehnt an die Serie «Drei Engel für Charlie».

Der Innenarchitekt CHRISTIAN SCHÄFER ist der Spitzenmann der Alternative für Deutschland (AfD). Der 51-Jährige stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen. Denkverbote und Ideologien lehnt er eigenen Angaben nach ab. Sein Motto: Bewährtes immer wieder infrage stellen und ungewohnte Lösungen in Betracht ziehen.

Die Wählervereinigung Bürger in Wut (BIW) tritt mit ihren beiden Bürgerschaftsabgeordneten JAN TIMKE (44) und MARTIN KOROL (69) an. Der frühere Bundespolizist Timke steht in Bremerhaven zur Wahl, der ehemalige Sozialdemokrat Korol, der während der Legislaturperiode zur BIW wechselte, in Bremen. Er steht auch auf der Gesamtliste auf Platz 1. Bei den letzten beiden Bürgerschaftwahlen gelang der BIW der Einzug ins Parlament über die Bremerhavener Landesliste.

Die Piratenpartei geht mit dem Altenpfleger ROBERT BAUER an der Spitze in den Wahlkampf. Der 43-Jährige setzt sich unter anderem für mehr Bürgerbeteiligung, eine dezentrale Energiewende sowie kostenloses Bus- und Bahnfahren ein. Mehr von sich gibt er nicht bekannt. Auf der Homepage heißt es schlicht: «Das Private bleibt privat.»

Mo, 2015-04-27 03:05
Berlin (dpa)

Koalition vertagt Mindestlohnstreit - Keine greifbaren Beschlüsse

Getagt haben sie lange, herausgekommen ist kaum etwas Greifbares: Bei zentralen Streitpunkten tritt die Koalition aus CDU, CSU und SPD auf der Stelle. Es bleibt viel Arbeit.

Berlin (dpa) - Die große Koalition hat wichtige Streitpunkte etwa beim Mindestlohn oder den Bund-Länder-Finanzen vertagt. Beim Thema Mindestlohn seien die strittigen Punkte gemeinsam identifiziert worden, hieß es am frühen Montagmorgen nach insgesamt sechsstündigen Beratungen im Kanzleramt aus Koalitionskreisen in Berlin. Damit bleibt es vorerst bei den Regelungen zur seit Anfang des Jahres geltenden Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde. Auch bei anderen Themenfeldern wurden demnach keine greifbaren Ergebnisse erzielt.

Während die SPD-Seite das Gesetz und die Regelungen zur Umsetzung des Mindestlohns unangetastet lassen will, pocht die Union weiter auf Nachbesserungen zugunsten der Unternehmer etwa bei den Dokumentationspflichten. Man wolle das Thema in einem Paket lösen und nicht einzelne Fragen herausbrechen, hieß es nach dem Spitzentreffen. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gab der Runde bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Bericht zur Umsetzung der Neuregelungen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte vor dem Treffen in der ARD gesagt: «Wir werden am Gesetz überhaupt nichts ändern.» CSU-Chef Horst Seehofer mahnte in der «Bild am Sonntag» dagegen substanzielle Änderungen an und kritisierte «das Dokumentationswirrwarr beim Mindestlohn».

Im Zusammenhang mit den Flüchtlingsdramen im Mittelmeer bekräftigten die Koalitionsspitzen, Deutschland werde sich an der verstärkten Seenotrettung im Mittelmeer beteiligen. Auch bei der Bekämpfung der Schlepperbanden seien deutsche Beiträge möglich. Die Bundesregierung biete Italien und Griechenland personelle und Sachhilfe bei der Aufnahme und Registrierung von Flüchtlingen an. Bei der Aufnahme von Flüchtlingen liege die Priorität bei Menschen aus den Krisengebieten, ,insbesondere aus Syrien und dem Irak.

Konkret soll das Thema bei einem Bund-Länder-Gipfel am 8. Mai in Berlin beraten werden. Aus der Spitzenrunde hieß es, man wolle sich bis dahin einen Überblick über die in diesem Jahr zu erwartenden Flüchtlingszahlen verschaffen.

Ergebnislos verlief auch die Diskussion über die bis Sommer geplante Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen. Es seien weitere Gespräche auf Spitzenebene mit den Partei- und Fraktionschefs notwendig. An dem Treffen hatte auch der SPD-Länder-Koordinator für Finanzthemen, Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz, teilgenommen. Zur Neuordnung der Finanzbeziehungen gehört auch die Zukunft des Solidaritätszuschlags («Soli»), den die Union bis 2029 schrittweise abschaffen will.

Ein Streit über Neuregelungen beim Arbeitsschutz, die vom Nahles-Ressort geplant waren, blieb ebenfalls ungelöst. Man wolle bei dieser Arbeitsstättenverordnung weiter nach Lösungen suchen und auf einen Konsens mit den Arbeitgeberverbänden hinarbeiten.

Bei den Verhandlungen waren neben den Partei- und Fraktionschefs von Union und SPD auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dabei.

Auch wichtige Entscheidungen zum Stromnetzausbau wurden vertagt. Die Runde bekräftigte demnach das von Merkel gewollte Ziel von 40 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990. Bei der von Wirtschaftsminister Gabriel geplanten Abgabe auf alte Kohlekraftwerke gab es noch keine Einigung.

Mo, 2015-04-27 02:22
Berlin (dpa)

Koalition: Zunächst keine Änderungen beim Mindestlohn

Berlin (dpa) - Die schwarz-rote Koalition lässt die Regelungen zum Mindestlohn vorerst unangetastet. Das betreffe vorerst auch die damit verbundenen Verordnungen etwa zur Dokumentation der Arbeitszeit, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montagmorgen nach einer Sitzung des Gipfels von CDU/CSU und SPD aus Koalitionskreisen erfuhr.

Einzelne Streitpunkte wurden vertagt. Es seien Fragen identifiziert worden, an denen weiter gearbeitet werde, hieß es weiter.

Wirtschaft und Union hatten gefordert, dass es weniger bürokratische Lasten geben solle. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gab den Koalitionsspitzen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Nacht dem Vernehmen nach eine ausführliche Bestandsaufnahme zur Umsetzung der 8,50-Euro-Lohnuntergrenze.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-04-27 00:00
Berlin (dpa)

Chef des Flüchtlingsbundesamtes für Kosovo als sicheres Herkunftsland

Berlin (dpa) - Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, fordert angesichts des zuletzt starken Anstiegs der Asylbewerberzahlen aus Kosovo und Albanien auch diese Staaten zu sicheren Herkunftsländern zu erklären. «Es gibt dort keine systematische Verfolgung und damit keinen Grund für Asyl», sagte Schmidt der «Süddeutschen Zeitung» (Montag).

Im Bundesamt wisse man, dass die Sozialleistungen in Deutschland Asylbewerber aus den Balkanländern anzögen. Aus den Krisenländern Syrien, Irak oder Eritrea dagegen «kommt kein Flüchtling wegen 352 Euro monatlich nach Deutschland».

Die Zahl der Asylbewerber aus dem Kosovo war Anfang des Jahres sprunghaft gestiegen. Zuletzt nahm der Zustrom aber wieder deutlich ab. Die Asylgesuche werden bis auf einzelne Ausnahmen abgelehnt, weil die Behörden Kosovaren nicht als politisch verfolgt ansehen.

So, 2015-04-26 23:49
Aviv (dpa)

Israelische Armee tötet mutmaßliche Terroristen an syrischer Grenze

Tel Aviv (dpa) - Die israelische Armee hat an der Grenze zu Syrien eine Gruppe mutmaßlicher Terroristen getötet. Die Männer hätten sich am Sonntag auf den Golanhöhen der Grenze mit einem Sprengsatz genähert, mit dem israelische Grenzpatrouillen angegriffen werden sollten, berichtete eine Armeesprecherin. Ein Kampfflugzeug habe mehrere der Angreifer getötet.

Armeesprecher Peter Lerner erklärte, es habe sich um drei oder vier Männer gehandelt, die ihre Bombe östlich des Grenzzauns verstecken wollten, der aber bereits auf israelischem Gebiet liegt.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte laut einem Bericht der «Times of Israel» den Soldaten für ihr «schnelles und präzises» Eingreifen. Jeder Versuch, das Militär oder israelische Zivilisten anzugreifen, werde entschlossen beantwortet.

So, 2015-04-26 22:47
Aviv (dpa)

Israelische Armee tötet mutmaßliche Terroristen an syrischer Grenze

Tel Aviv (dpa) - Die israelische Armee hat an der Grenze zu Syrien eine Gruppe mutmaßlicher Terroristen getötet. Die Männer hätten sich am Sonntag auf den Golanhöhen der Grenze mit einem Sprengsatz genähert, mit dem israelische Grenzpatrouillen angegriffen werden sollten, berichtete eine Sprecherin. Ein Kampfflugzeug habe mehrere der Angreifer getötet.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Erschienen in Ausgabe 3.15

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Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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