Sa, 2015-04-25 08:42
Jerusalem (dpa)

Israelische Polizisten erschießen Palästinenser

Jerusalem (dpa) - Mitglieder der israelischen Grenzpolizei haben in der Nacht zum Samstag einen Palästinenser erschossen, der sie mit einem Messer bedroht haben soll. In einer Mitteilung der Polizei hieß es, der junge Mann habe nahe eines Kontrollpostens ein großes Messer gezogen und sei damit auf die Sicherheitsbeamten zugerannt. Als er auf Warnschüsse nicht reagiert habe, sei er erschossen worden.

Der Vorfall ereignete sich in der Nähe von Ost-Jerusalem. Dort war es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Ausschreitungen zwischen israelischen Beamten und zumeist jungen Palästinensern gekommen.

Sa, 2015-04-25 07:55
Berlin (dpa)

Überraschender «Tatort»-Schluss mit Thomalla und Wuttke

Ein Ex-Paar ermittelt zusammen - mit der Konstellation fiel das «Tatort»-Team Saalfeld und Keppler in der beliebten ARD-Krimireihe auf. Nun ist aber Schluss damit. Gibt es ein Happy End?

Berlin (dpa) - Mit einem überraschenden Finale geht der «Tatort» aus Leipzig nach sieben Jahren und 21 Fällen zu Ende. Mit dem Krimi «Niedere Instinkte» verabschiedet sich das Team Eva Saalfeld und Andreas Keppler, gespielt von Simone Thomalla (50) und Martin Wuttke (53), am Sonntag (20.15 Uhr, Das Erste) aus der beliebten ARD-Reihe. Leute, die den Krimi bereits gesehen haben, berichten von einem unerwarteten Schluss. Im Kriminalfall geht es um eine entführte Achtjährige und deren stark religiöse Eltern.

Schauspielerin Thomalla hatte betont, sie hätte gerne weitergemacht, ihr werde der Leipzig-Krimi fehlen. Sie will nun mehr Zeit mit ihrem Lebensgefährten, Handball-Star Silvio Heinevetter (30), verbringen. Das Team Saalfeld/Keppler war innerhalb der Reihe auffällig, weil hier die Ermittler als Ex-Paar agierten und sich stets kabbelten.

Das Duo war mit der «Tatort»-Folge 700 in der offiziellen Zählung angetreten. Der erste Fall hieß «Todesstrafe» - das war am 25. Mai 2008. Der letzte Fall am 26. April 2015 ist nun «Tatort» Nummer 945.

Als Leipzig-Nachfolge hat sich der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ein Team in Dresden ausgedacht. Es soll ab 2016 zu sehen sein. Es besteht im Vergleich zu Thomalla und Wuttke in erster Linie aus den weit jüngeren Schauspielerinnen Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase. Darsteller des Kommissariatschefs ist Martin Brambach.

Bei Martin Wuttke, der in Berlin ein Theater-Star ist, bleibt der «Tatort» übrigens in der Familie. Seine Lebensgefährtin Margarita Broich (54) wird am 17. Mai erstmals als neue Ermittlerin Anna Janneke für den Hessischen Rundfunk (HR) in Frankurt zu sehen sein. Sie spielt an der Seite von Wolfram Koch (53), dessen Rollenname Paul Brix lautet. Titel des ersten Films: «Kälter als der Tod».

Broich spielt eine Ermittlerin, die zuvor psychologische Beraterin der Polizei war, Koch kommt in seiner Rolle von der Sitte zur Mordkommission. Die beiden lösen Joachim Król ab, dessen letzter Fall als Frankfurter Ermittler Steier im Februar in der ARD lief. Król war bereits 2013 von seiner Kollegin Nina Kunzendorf verlassen worden.

Ein Wiedersehen mit Wuttke im «Tatort» ist übrigens abzusehen. In der kommenden Folge mit Ulrich Tukur als Felix Murot - ein wirrer Fall, in dem Tukur sowohl den LKA-Ermittler als auch den Schauspieler Tukur spielt - soll auch Wuttke auftreten sowie Margarita Broich.

Den «Tatort» gibt es als Krimireihe der verschiedenen Sendeanstalten seit 1970. Erzählt werden Fälle mit wiederkehrenden, alle paar Jahre wechselnden Teams in verschiedenen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Anfang Juni läuft der 950. Krimi in 45 Jahren.

Sa, 2015-04-25 06:58
Karlsruhe/Berlin (dpa)

Chemikerin und Pazifistin: Vor 100 Jahren verstummte Clara Immerwahr Von Peter Zschunke, dpa

Er trieb den Einsatz von Giftgas voran. Sie lehnte das entschieden ab und erschoss sich mit seiner Dienstwaffe. Die Forscher-Ehe von Fritz Haber und Clara Immerwahr gibt bis heute Rätsel auf.

Karlsruhe/Berlin (dpa) - Es ist Zeit, sich an Clara Immerwahr zu erinnern: Vor 100 Jahren nahm sich die heute kaum bekannte Chemikerin das Leben. Präsenter ist ihr Mann Fritz Haber, der die Entwicklung von Giftgas vorangetrieben hat. Nach ihm ist in Berlin das Fritz-Haber-Institut (FHI) der Max-Planck-Gesellschaft benannt - eine Ehrung, die immer wieder kritisiert wird.

Haber war nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 als Berater des Kriegsministeriums an der Entwicklung von Giftgaswaffen mit Chlor und Phosgen beteiligt. Er überwachte persönlich die Vergrabung von Chlorgasflaschen in Belgien und ihren ersten Einsatz am 22. April 1915. Seine Frau Clara wandte sich entschieden gegen diese Forschungen, die kürzlich im Blickpunkt eines internationalen Symposiums am Fritz-Haber-Institut standen.

«Wissenschaftliche Forschung sollte der Achtung vor dem Leben verpflichtet sein», sagt die Berliner Chemikerin Gudrun Kammasch, die sich seit Jahrzehnten mit Clara Immerwahr beschäftigt. «Das hat Clara Immerwahr sehr deutlich gesehen und darin liegt bis heute ihre bleibende Aktualität.» Die Frau Habers war entschiedene Gegnerin seiner Giftgasforschung. Das ihr zugeschriebene Zitat von der «Perversion der Wissenschaft» ist historisch allerdings nicht gesichert.

Clara Immerwahr kam am 21. Juni 1870 in der Nähe von Breslau zur Welt. Sie interessierte sich schon als Schülerin an der Höheren Töchterschule in Breslau für Naturwissenschaften. Schließlich schaffte sie es, 1896 zu Chemie-Vorlesungen an der Universität Breslau zugelassen zu werden. Mit einer Arbeit über «Löslichkeitsbestimmungen schwerlöslicher Salze des Quecksilbers, Kupfers, Bleis, Cadmiums und Zinks» wurde sie 1900 die erste Frau in Deutschland mit einem Doktortitel in Chemie.

Danach stimmte Immerwahr nach einigem Zögern der Ehe mit Haber zu, den sie in der Tanzschule kennengelernt hatte. Das Paar zog nach Karlsruhe, wo Haber seit 1898 Professor für Technische Chemie war. Dort wurde der Sohn Hermann geboren. Jetzt musste Clara ihre wissenschaftlichen Ambitionen hintenanstellen. Sie hatte sich um den Professorenhaushalt zu kümmern, um Empfänge, durfte allenfalls Vorträge vor Frauen über «Naturwissenschaften im Haushalt» halten.

Haber hingegen machte Karriere: Er wirkte ab 1904 an der Entwicklung eines chemischen Verfahrens zur Herstellung von Ammoniak mit. Dieses Haber-Bosch-Verfahren steht exemplarisch für «Dual Use» wissenschaftlicher Forschung, für die Verwendung sowohl zu zivilen als auch zu militärischen Zwecken. Die bahnbrechende Entdeckung kam sowohl bei der Produktion von Kunstdünger als auch von Sprengstoff zum Einsatz. Haber erhielt dafür den Chemienobelpreis 1918.

Haber und Immerwahr zogen 1910 nach Berlin, wo er im Jahr darauf Gründungsdirektor des Instituts wurde, das heute nach ihm benannt ist. Zeitzeugen schildern ihn als karrierebewussten Menschen. Clara - so ist es in Briefen belegt - litt hingegen darunter, dass ihr in der klaren Rollenzuordnung der Kaiserzeit kein Raum für eigene wissenschaftliche Arbeit blieb und dass sich ihr Mann ganz in den Dienst der Kriegsmaschinerie stellte. Wenige Tage nach dem ersten Einsatz von Giftgas erschoss sie sich am Morgen des 2. Mai 1915 mit der Dienstwaffe ihres Mannes.

«Die Frage, ob sich Clara Immerwahr in Verzweiflung über ihre Ehe oder aus Protest gegen die Giftgasforschung das Leben genommen hat, können wir heute nicht mehr sicher beantworten», sagt Kammasch. «Ich denke, beides kam da zusammen.»

So gibt die Beziehung des Chemiker-Ehepaars mit gemeinsamen jüdischen Wurzeln und gemeinsamer schlesischer Herkunft bis heute Rätsel auf. Ein Grund sei die schlechte Quellenlage, erklärt Kammasch. Die Familie habe nach dem Tod Immerwahrs alle Dokumente dazu vernichtet.

Als Mitveranstalter des Berliner Giftgas-Symposiums sagt der am FHI forschende Chemiker Martin Wolf, das Zusammenspiel von Wissenschaft, Militär und Industrie reiche bis in die Gegenwart. Habers Rolle bei der Entwicklung und dem Einsatz von chemischen Kampfmitteln im Ersten Weltkrieg sei nicht erst aus heutiger Sicht abzulehnen.

Mit der Namensgebung des Instituts verbinde sich aber keine einseitige Ehrung, sondern die kritische Würdigung eines exemplarischen Lebenslaufs. Sie sei Anstoß zum Nachdenken und zur Mahnung. Die Max-Planck-Gesellschaft lehnt eine Umbenennung des Fritz-Haber-Instituts ab.

Dort erinnert ein Gedenkstein an Clara Immerwahr - an diesem Ort erschoss sie sich. «Clara Immerwahr ist weder eine Heldin noch Friedenskämpferin im heutigen Sinn», heißt es in einer Würdigung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (ippnw). «Mit der ihr eigenen Sanftmut stand sie dem erdrückend nationalen Zeitgeist und dem militärisch-patriarchalen Selbstverständnis im wilhelminischen Kaiserreich fast wehrlos gegenüber.»

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Sa, 2015-04-25 07:53
Istanbul/Berlin (dpa)

Türkei nennt Gaucks Völkermord-Aussage unverzeihlich

Bundespräsident Gauck hat die Massaker an Armeniern vor 100 Jahren als Völkermord bezeichnet. Die Türkei reagiert scharf. Es ist nicht das erste Mal, dass Gauck beim EU-Beitrittskandidaten in Ungnade fällt.

Istanbul/Berlin (dpa) - Die Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum «Völkermord» an den Armeniern haben eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. «Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen», erklärte das Außenministerium des EU-Beitrittskandidaten am späten Freitagabend in Ankara. Gauck hatte die Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet.

Das deutsche Staatsoberhaupt hatte sich damit über Bedenken hinweggesetzt, diese Einordnung des damaligen Geschehens könnte die Beziehungen zum Nato-Partner Türkei beschädigen. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab.

Die Regierung in Ankara reagierte entsprechend scharf auf Gaucks Worte. Dieser habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die Regierung warnte vor «langfristigen negativen Auswirkungen» auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gauck in Ankara in Ungnade fällt: Ende April 2014 hatte er bei einem Staatsbesuch in der Türkei der Regierung von Erdogan, der damals noch Ministerpräsident war, Demokratiedefizite vorgehalten. Erdogan wies dies damals als «Einmischung in innere Angelegenheiten» zurück. Laut türkischen Medien sagte er, die Deutschen sollten lieber die NSU-Terrorserie und Anschläge auf Türken aufklären, als seiner Regierung Ratschläge zu geben. Gauck erwiderte damals noch in der Türkei, er sei in seiner Kritik «eher noch zurückhaltend gewesen».

Der Bundestag schloss sich am Freitag Gaucks Bewertung der Gräueltaten an den Armeniern an. «Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord», sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort. Noch vor der Sommerpause will der Bundestag eine Erklärung zu den Gräueltaten verabschieden.

Die Massaker im Osmanischen Reich hatten am 24. April 1915 mit der Verhaftung Hunderter Intellektueller in Konstantinopel (Istanbul) begonnen. Im Kampf gegen das christliche Russland warf die osmanische Regierung den Armeniern vor, mit dem Feind zu paktieren. Nach Schätzungen kamen zwischen 200 000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Armenier bezeichnen sich selbst als das weltweit älteste christliche Volk.

Sa, 2015-04-25 06:00
Waldenbuch (dpa)

Ritter Sport leidet unter Rubelverfall

Waldenbuch (dpa) - Der Schokoladenhersteller Ritter Sport fürchtet wegen der Krise in Russland und hoher Haselnusspreise 2015 Einbußen. «Russland ist unser größter Auslandsmarkt. Der Rubelverfall ist für uns natürlich problematisch», sagte Ritter-Sport-Chef Andreas Ronken der Deutschen Presse-Agentur. Russland trägt etwa 10 Prozent zum Umsatz bei und damit so viel wie kein anderer Auslandsmarkt.

Deutschland hat mit 60 Prozent den höchsten Anteil an den Erlösen, die Ronken zufolge nach 430 Millionen Euro im Vorjahr zwar auch 2015 weiter steigen dürften. «Vorsichtiger schauen wir aber auf das Ergebnis unterm Strich», sagte er. Grund seien auch gestiegene Rohstoffpreise. «Haselnüsse sind noch mal teurer geworden. Sie sind für uns nach Kakao der zweitwichtigste Rohstoff. Das hat einen negativen Effekt.» Konkrete Zahlen nannte Ronken aber nicht.

Sa, 2015-04-25 05:01
Erkelenz (dpa)

Der Braunkohletagebau Garzweiler II

Erkelenz (dpa) - Um den Braunkohletagebau Garzweiler II gibt es seit vielen Jahren politischen und juristischen Streit. Umweltschützer machen die rheinische Braunkohle für ein Drittel aller Treibhausgas-Emissionen Nordrhein-Westfalens verantwortlich. Tausende Menschen müssen ihre Heimatorte verlassen. Nach Plänen des Energiekonzerns RWE soll der Tagebau südlich von Mönchengladbach direkt und indirekt 35 000 Jobs sichern und auf Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leisten.

Der 2006 in Betrieb genommene Tagebau Garzweiler II war ursprünglich mit einer Größe von 48 Quadratkilometern geplant. Mit der Entscheidung der rot-grünen Landesregierung vom April, die Abbaugrenzen für den Tagebau zurückzunehmen, wird er kleiner. Etwa 300 Millionen der ursprünglich geplanten Fördermenge von 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle sollen nicht abgebaggert werden. In den vergangenen neun Jahren wurden aus dem Tagebau 140 Millionen Tonnen Braunkohle gewonnen.

Die Erkelenzer Ortschaft Holzweiler mit rund 1300 Einwohnern und die Ansiedlung Dackweiler sollen verschont bleiben. Die exakte neue Abbaulinie muss noch festgelegt werden. Erkelenz ist die durch den Tagebau am stärksten betroffene Kommune. Die Stadt verliert durch den Tagebau ein Drittel ihres Gebietes.

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Sa, 2015-04-25 05:55
Iqaluit (dpa)

Arktis-Staaten wollen sich für Stabilität in der Region einsetzen

Das alle zwei Jahre stattfindende Treffen des Arktischen Rates steht ganz im Schatten des Konflikts mit Russland. Der russische Außenminister Lawrow lässt sich vertreten. Eine unterzeichnete Erklärung klingt versöhnlich - bindend ist sie aber nicht.

Iqaluit (dpa) - Die acht Mitgliedsstaaten des Arktischen Rates wollen sich gemeinsam für Frieden und Stabilität in der Arktis einsetzen. Vertreter Kanadas, der USA, Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens, Russlands und Schwedens unterzeichneten am Freitag (Ortszeit) in der nordkanadischen Stadt Iqaluit ein entsprechendes Dokument. Darin sprechen sie sich für «konstruktive Zusammenarbeit» in dieser Hinsicht aus. Die Abkommen des Rates sind jedoch lediglich Empfehlungen und nicht bindend.

Bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Ministertreffen ging der Vorsitz des Rates turnusgemäß von Kanada auf die USA über. «Die Menschen in der Region sind unsere größte Priorität», sagte US-Außenminister John Kerry. «Sie sollen unseren Vorsitz prägen.» Es sei eine «entscheidende Zeit» für die Arktis und den Arktischen Rat, sagte Kerry weiter. Bei dem Treffen sprachen die Vertreter der Mitgliedsstaaten unter anderem auch über Wirtschafts-, Umwelt- und Infrastrukturthemen. Deutschland ist als Beobachter im Rat dabei.

Beobachter hatten vermutet, dass die Krise mit Russland wegen der Ukraine das Treffen überschatten werde. Russlands Außenminister Sergej Lawrow ließ sich durch Umweltminister Sergej Donskoj vertreten. Russland erhebt territoriale Ansprüche auf den Nordpol und baut derzeit seine Militärpräsenz immer weiter aus. Westliche Vorwürfe einer Militarisierung der Arktis weist das Land allerdings zurück. In der an Bodenschätzen reichen Region, die mit fortschreitendem Klimawandel innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte im Sommer eisfrei sein könnte, werden große unerschlossene Öl- und Gasvorkommen vermutet.

Sa, 2015-04-25 05:00
Birkenfeld (dpa)

Eismacher verkauft Leberwurst-Eis für Hunde

Birkenfeld (dpa) - Eine Eisdiele in Rheinland-Pfalz hat Besonderes im Angebot: Leberwurst-Eis für Hunde. «Es kommt sehr gut an», sagt Marco Vazzola, der das Eiscafé in Birkenfeld betreibt. Er habe schon seit Jahren gemerkt, dass Hundebesitzer gerade an heißen Tagen oft für ihren Hund eine extra Kugel Eis gekauft haben. So sei ihm die Idee für ein Vierbeiner-Eis gekommen.

Der Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen in Dortmund, Udo Kopernik, sagt, es sei eher selten, dass Eis für Vierbeiner in einer Eisdiele mit angeboten werde. Grundsätzlich spreche nichts dagegen, dass Hunde solch eine kühle Leckerei bekämen. Es komme aber auf die Menge an.

Sa, 2015-04-25 05:30
Birkenfeld (dpa)

Schoko, Vanille, Leberwurst... Eisdiele bietet auch Hunden etwas Von Birgit Reichert, dpa

Ein Leberwurst-Eis, bitte! In einem Eiscafé in Rheinland-Pfalz bekommen jetzt auch Hunde Eis zum Schlecken. Die neue Sorte hat dem Eismacher Marco Vazzola viele neue Kunden beschert.

Birkenfeld (dpa) - Geduldig wartet Damon in der Eisdiele, bis er dran ist. Endlich kommt sein Becher: mit Leberwurst-Eis. Hastig schleckt er los, die Eismasse - mit ein paar bunten Leckerlis verziert - ist im Nullkommanix aufgefuttert. Der Schäferhund-Labrador-Mischling gehört zu den neuesten Kunden von Eiscafé-Betreiber Marco Vazzola in Birkenfeld. In dem Städtchen in Rheinland-Pfalz macht er nicht nur Schoko, Vanille, Erdbeere und Co. für Zweibeiner, sondern auch Eis für Hunde. «Es kommt sehr gut an», sagt der 31-Jährige und spachtelt für den nächsten Kunden eine Portion Leberwurst-Eis in ein Hundeschälchen.

«Ich habe schon seit Jahren gemerkt, dass Hundebesitzer gerade an heißen Tagen oft für ihren Hund eine extra Kugel Eis gekauft haben», sagt Vazzola. Da kam ihm die Idee, ein eigenes Eis für Vierbeiner anzurühren. Letztlich den Ausschlag habe dann aber sein Mops Romeo gegeben, den er sich im vergangenen Jahr mit seiner Freundin zugelegt hat. «Er liebt Eis so sehr.»

Und das sollte für Hunde anders sein als für Menschen, hat der Eismacher bei Tierärzten recherchiert. Wichtig sei, dass viel weniger Zucker bei der Zubereitung verwendet werde. «Ich nehme nur Fruchtzucker und ein bisschen Honig.» Zudem komme bei ihm nur Reis- oder laktosefreie Milch in die Schüsseln für Hunde-Eis, da viele Tiere an Allergien litten. Sorten habe er schon einige ausprobiert.

«Banane und Vanille kamen gut an, Erdbeere nicht bei allen», sagt der gelernte Elektriker Vazzola, dessen Familie das Eiscafé Venezia seit 1972 betreibt. «Auch bei Hunden sind Geschmäcker eben verschieden.» Seine neueste Kreation Leberwurst scheine aber der Renner zu werden.

«Es ist schon etwas Besonderes», sagt Damons Herrchen, Stefan Mettler, aus Oberhambach im Kreis Birkenfeld. Mehr als ein Mal pro Woche sollten Hunde kein Eis bekommen, meint Hundebesitzerin Jaqueline Forster (22). Aber: «Als es neulich so heiß war, war das Eis wirklich erfrischend für meinen Hund.»

Nach Angaben des Verbandes für das Deutsche Hundewesen gibt es seit ein paar Jahren immer mal wieder einzelne Anbieter für Hunde-Eis. Dass aber Eis für Vierbeiner in einer Eisdiele mit angeboten werde, sei eher selten, sagt der Sprecher des Verbandes, Udo Kopernik, in Dortmund. Im Prinzip spreche nichts dagegen, dass Hunde Eis bekämen. Aber auf die Menge komme es an. «Wenn es in vernünftigen Dosen geschieht, ist es eine angenehme Abkühlung für das Tier», sagt Kopernik. Bei zu viel Eis könne der Hund jedoch eine Magenschleimhautentzündung durch Unterkühlung bekommen.

Bei Vazzola schlecken die Hunde teils gemeinsam mit ihrem Herrchen oder Frauchen im Eiscafé. «Am meisten wird aber «to go» geholt», sagt der Chef, der seit Anfang des Jahres für Hunde anrührt. An heißen Tagen gingen schon mal bis zu 50 Portionen am Tag weg. Wegen der besonderen Zutaten ist das Eis teurer: Ein Schälchen kostet 1,50 Euro.

Auch für den menschlichen Gaumen lässt sich Vazzola immer wieder Neues einfallen. 2014 nahm er mit seiner Kreation «Haselnussherz» an der Eis-Weltmeisterschaft im italienischen Rimini teil und belegte den vierten Platz. Auf der Fachmesse Internorga kam er jüngst bei einem Wettbewerb mit seinem «Schwarzen Papst», einem Schoko-Eis mit Tabak und Whiskycreme, auf Platz zwei.

Für Veganer hat er derzeit die Sorte Feige mit Walnüssen im Angebot. Und er feilt schon am nächsten Coup: einem Nationalpark-Eis zur Eröffnung des ersten Nationalparks in Rheinland-Pfalz und im Saarland an Pfingsten. Immerhin liege Birkenfeld mittendrin. Möglichst grün solle es werden. «Da will ich was mit Natur, mit Blättern oder Blumen machen.»

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Sa, 2015-04-25 05:00
Erkelenz (dpa)

Frau Irving kämpft gegen das «Loch» Von Elke Silberer, dpa

Der Tagebau Garzweiler ist so gigantisch, dass sich Menschen klein fühlen können. Gisela Irving lässt sich aber nicht klein machen von diesem Loch. Seit fast 30 Jahren ist sie im Widerstand.

Erkelenz (dpa) - Garzweiler II ist für Gisela Irving nicht der Braunkohletagebau. Irving spricht nur vom «Loch». Man könnte Verachtung aus ihrem Tonfall hören. Im November wird die Frau 80. Seit fast 30 Jahren ist sie im Widerstand gegen Garzweiler II, früher mit aller Kraft: «Wenn es um die Braunkohle ging, dann hörte alles Private auf und dann wurde sich gekümmert», erzählt sie am Küchentisch ihres Hauses in Holzweiler: Proteste, Flugblätter, Versammlungen, Gespräche - das ganze Programm.

In den ersten Jahren hatten die Menschen noch gehofft, zu verhindern. Jetzt hoffen sie, zu stoppen. Dafür wollen Tausende am Samstag mit einer Menschenkette eine Grenzlinie ziehen: Bis hierhin und nicht weiter. Irving ist eine Kämpferin der ersten Stunde.

Sie hat sich immer gewehrt, auch im Kleinen. Als NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im vergangenen Jahr im WDR-Fernsehen von der «tollen Heimat» schwärmte, wurde Irving vor dem Fernseher sauer: «Uns wird die Heimat unter dem Hintern weggebaggert und sie erzählt, wie toll die Heimat ist», dachte sie sich und schrieb Kraft einen persönlichen Brief.

Monate danach dann wie aus heiterem Himmel die Entscheidung der NRW-Landesregierung: Garzweiler wird kleiner, Irvings Heimatort Holzweiler bleibt verschont. Sie erfuhr es von einem Reporter, der in den Ort gekommen war. Einen Moment lang schien alles so leicht, sie hätte tanzen können.

Irving war in den Widerstand gegangen, da war sie längst verheiratet mit ihrem Mann aus Schottland und hatte zwei Kinder. Bei einer Bürgerversammlung 1987 erfuhr sie, dass sie später mal von dem schönen Fleckchen weg müssten aus Holzweiler, wegen der Braunkohle. Es drohte die Umsiedlung. Für sie ist es ein «Verbrechen», das Land zu zerstören - die wertvollen Böden, die Dörfer, die uralten Höfe.

Sie wurde für kurze Zeit Vorsitzende der Vereinten Initiativen gegen Garzweiler II. «Weil es sonst niemand machen wollte.» Danach kämpfte sie mit unbequemen, klaren Worten. Menschen aus aller Welt wollten Garzweiler sehen. Irving brachte sie zu diesem gigantischen Loch.

Sie zeigte ihnen diese trostlosen Geisterdörfer, die zum Abriss freigegebenen Kirchen, die Friedhöfe, auf denen die Toten nicht ewig ruhen dürfen, sondern umgebettet werden. In den ersten Jahren hat sie vor Erschütterung und Erschöpfung geheult, wenn sie nach Hause kam.

In ihrem Garten wuchs schon Bio, als das noch belächelt wurde. Sie bezieht Ökostrom und hat eine Pelletheizung. Dass die rot-grüne Koalition in NRW Garzweiler damals nicht verhindert hat, trägt sie den Grünen nicht nach: «Das sind die Leute hier schuld, die den Grünen nicht ihre Stimme gegeben haben. Mit zehn Prozent kann man nichts bewegen», sagt sie.

Ex-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) habe trotzdem sehr viel getan. «Und (Ex-Fraktionsvorsitzender der Grünen) Reiner Priggen war ein aufrichtiger Kämpfer für unser Problem.» Irving hadert eher mit der katholischen Kirche, die sich zuerst wehrte, sich dann aber widerstandslos von Grundstücken im geplanten Tagebau enteignen ließ. Mit Zustimmung des damaligen SPD-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement erteilte das Bergamt Düren 1997 die Abbaugenehmigung für Garzweiler. Es folgte eine schwere Regierungskrise.

Irvings Heimatort Holzweiler bleibt verschont. Manchmal, wenn sie mit ihrem Hund Tobi draußen ist, hört sie die Bagger aus dem Tagebau. Sie rücken näher und mit ihnen der Lärm, der Dreck, das Licht in der Nacht. «Wir müssen das aushalten. Das Aushalten-Müssen wird sehr schwer sein.»

Sa, 2015-04-25 04:00
Berlin (dpa)

IG-Metall-Chef wirft Gabriel «Kopf durch die Wand»-Politik vor

Berlin (dpa) - Im Streit um die geplante Klimaschutz-Abgabe für alte Kohlekraftwerke fordert der Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, ein Einlenken von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Gabriel müsse klar sein, dass die Strompreise nicht weiter steigen dürfen, sagte Wetzel der Deutschen Presse-Agentur. Es dürfe zudem nicht sein, «dass ganze Regionen wie beispielsweise Teile von Nordrhein-Westfalen oder die Lausitz von heute auf morgen in ihrer Existenz bedroht werden», kritisierte der Gewerkschaftsvorsitzende. «Deshalb ein Rat an Wirtschaftsminister Gabriel: mit dem Kopf durch die Wand wird keine erfolgreiche Energiewende gestaltet werden können.»

Für Samstag hat unter anderem die Gewerkschaft IG BCE zu einer Demonstration in Berlin aufgerufen, das Motto lautet: «Gegen den sozialen Blackout ganzer Regionen». Um bis 2020 das Ziel von 40 Prozent weniger CO2-Emissionen als 1990 in Deutschland noch zu schaffen, will Gabriel über 20 Jahre alte Kohlekraftwerke bei Überschreiten eines Kohlendioxid-Limits mit einer Abgabe von 18 bis 20 Euro je zusätzlich ausgestoßener Tonne CO2 belegen. Zuletzt deutete er an, dass er hier zu Korrekturen bereit ist.

SPD-Chef Gabriel ist ein gutes Verhältnis zu den Gewerkschaften sehr wichtig - selten stand er bisher von dieser Seite so unter Beschuss. So warnte Verdi-Chef Frank Bsirske vor dem Verlust von bis zu 100 000 Arbeitsplätzen - das Umweltbundesamt kommt in einer Analyse aber zu dem Schluss, dass im Braunkohlesektor maximal 4700 Arbeitsplätze gefährdet seien, auch durch den ohnehin stattfindenden Strukturwandel hin zu mehr erneuerbaren Energien, wo wiederum neue Arbeitsplätze entstehen können.

Sa, 2015-04-25 04:30
Nürnberg (dpa)

Piepen, summen, kreischen: Die fiesesten Geräusche Von Roland Beck, dpa

Die Mücke in der Nacht, das piepende Müllfahrzeug. Alltagsgeräusche können richtig nervig sein. Sogar Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem fiesen Lärm. Und es gibt meistens nur eine Abhilfe: Ohren zu!

Nürnberg (dpa) - Lärm macht selten Spaß. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) stellt er «eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Zeit dar». Als stärkste Belästigung werde Verkehrslärm empfunden, gefolgt von Fluglärm, wie die DEGA vor dem Internationalen Tag gegen Lärm am 29. April mitteilt. Auch diese Geräusche sind einfach unerträglich:

KREIDE TRIFFT AUF TAFEL: Generationen von Schülern mussten dieses Horror-Geräusch schon ertragen: Quietschende Kreide auf der Schultafel. Wenn dann auch noch die Fingernägel versehentlich - oder gar absichtlich! - zum Einsatz kommen, hilft nur noch Ohren zuhalten. Mindestens genauso schlimm: wenn Messer oder Gabel auf Glas oder Keramik kratzen. Auf diese Weise entstehen hohe Töne von bis zu 5000 Hertz. Das menschliche Gehirn verbindet damit ein Alarmsignal: Ähnliche Töne werden auch beim Kreischen in Gefahrensituationen erzeugt.

BEI DEM PIEPT ES DOCH: Eine enge Straße, ein großer Lastwagen und der Rückwärtsgang: Das sind die Zutaten für das durchdringende und scheinbar nie enden wollende «piep, piep, piep». Wer da noch ruhig bleibt, hat Nerven wie Drahtseile. Das Piep-Signal vom Lkw soll beim Rückwärtsfahren Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern verhindern. Der Nutzen ist umstritten: So können Kinder und Ältere das Signal oft nicht richtig deuten. Die Wirkung auf ruheliebende Menschen ist dagegen sehr eindeutig: einfach nervig!

SUMMENDE MÜCKEN: Forscher sind vom Summen fasziniert, die meisten von uns könnten dagegen auf dieses Naturphänomen getrost verzichten. Wenn Mücken im nächtlichen Schlafzimmer zum Angriff übergehen, entsteht das fiese Summen durch ein komplexes Zusammenspiel von winzigen Muskeln und schnellem Flügelschlag. Ausschalten lässt es sich nur durch einen gezielten Schlag mit der Fliegenklatsche. Die Suche nach den kleinen Biestern endet allerdings fast immer ergebnislos.

AKUSTISCHER TEUFELSKREIS: Test 1,2, quiiiiiietsch. Die Gäste im Saal halten sich die Ohren zu und verziehen die Gesichter. Die Rückkopplung eines Mikrofons kann die beste Konzertlaune in Millisekunden zunichtemachen. Schuld an dem fiesen Geräusch ist ein akustischer Teufelskreis: Der Schall aus dem Lautsprecher kommt übers Mikrofon wieder in die Verstärkeranlage und erneut aus dem Lautsprecher. Das Signal schaukelt sich immer weiter hoch. Das Ergebnis ist ein schmerzender Pfeifton.

DAS WISSENSCHAFTLICH SCHLIMMSTE GERÄUSCH: Der Akustik-Professor Trevor Cox von der britischen Universität Salford fragte Internet-Nutzer nach dem für sie schlimmsten Geräusch. Eine Million Antworten bekam er zurück. Auf Platz 1: Das Geräusch, wenn sich ein Mensch übergeben muss. Hartgesottene können sich die widerlichen Geräusche der Studie im Netz anhören: http://dpaq.de/PayzG

WENN GERÄUSCHE ANGST MACHEN: Für Menschen mit einer Phonophobie kann grundsätzlich jedes Geräusch zur Qual werden - selbst wenn es gar nicht laut ist. Meistens entsteht eine Phonophobie, wenn ein Geräusch mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung gebracht wird. Aber auch Stress kann zu einer Phonophobie führen. So stellten Wissenschaftler beispielsweise bei Kindergärtnerinnen fest, dass sie nach einem langen Arbeitstag am Abend ängstlich oder gestresst auf Kinderstimmen reagieren können. 

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

Keine Anzeige!

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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