Sa, 2015-05-23 09:05
Washington (dpa)

US-Senat lehnt Gesetz zur NSA-Reform ab

Washington (dpa) - Der US-Senat hat das Gesetz zur Einschränkung der massiven Ausspähung von Amerikanern durch den Geheimdienst NSA am frühen Samstagmorgen gestoppt. Sollte bis Ende Mai keine Einigung erreicht werden, würde die rechtliche Basis für einen großen Teil der Überwachungsaktivität des Geheimdienstes entfallen.

Statt der erforderlichen 60 Senatoren stimmten nur 57 für die Vorlage der Regierung. 42 Senatoren stimmten dagegen, wie US-Medien am Samstag berichteten. Zuvor hatte das Repräsentantenhaus mit überraschend klarer Mehrheit für die NSA-Reform gestimmt.

Der sogenannte USA Freedom Act sieht vor, dass die NSA künftig Telefon-Metadaten nicht mehr selbst speichern darf. Dies sollten die privaten Telefongesellschaften übernehmen. Eine Einschränkung der Späh-Aktivität im Ausland war nicht vorgesehen.

Regierungssprecher Josh Earnest hatte die Senatoren vergeblich zu raschem Handeln aufgerufen. Sollte es im Senat an diesem Wochenende keine Einigung geben, drohe die Arbeit der NSA lahmgelegt zu werden. Vor 1. Juni müssten die Spähbefugnisse der Geheimdienste erneuert werden. Am 31. Mai wollen die Senatoren erneut eine Einigung suchen.

Das millionenfache Datensammeln war 2013 durch den Whistleblower Edward Snowden enthüllt worden. Auch das Handy der Bundeskanzlerin Angela Merkel war im Visier der US-Geheimdienste. Präsident Barack Obama hatte darauf eine Reform angestoßen, von der allerdings ausschließlich US-Amerikaner profitieren würden.

Sa, 2015-05-23 09:55
Moskau (dpa) 

Moskau wirft Washington «Jagd» auf Russen im Ausland vor

Moskau (dpa) - Russland hat den USA vorgeworfen, «Jagd» auf russische Bürger im Ausland zu machen - und eine Warnung an seine Staatsangehörigen ausgesprochen. Es bestehe weiter die Gefahr, dass Russen auf Reisen auf Veranlassung amerikanischer Sicherheitsorgane festgenommen würden, behauptete das Außenministerium in Moskau nach einem Bericht des Radiosenders Echo Moskwy am Samstag.

Die Behörde berief sich auf mehr als ein Dutzend Fälle. Damit bekräftigte die russische Führung ähnliche Reisewarnungen aus den Jahren 2014 und 2013. Das Verhältnis zwischen Russland und den USA ist vor allem wegen der Ukrainekrise zerrüttet.

Sa, 2015-05-23 08:49
Karlsruhe (dpa)

Länderchefs verteidigen im Verfassungsgericht NPD-Verbotsantrag

Karlsruhe (dpa) - Die Regierungschefs von Hamburg und Sachsen, Olaf Scholz (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU), haben den Verbotsantrag des Bundesrats gegen die rechtsextreme NPD verteidigt. Bei einer Veranstaltung im Bundesverfassungsgericht sagte Scholz im Beisein des für das Verfahren zuständigen Gerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle, der Verbotsantrag sei «nicht aus einer politischen Laune heraus entstanden». Es gehe darum, einer Partei den Schutz des Parteienprivilegs zu entziehen, die die Demokratie gefährde.

Auch Sachsens Ministerpräsident Tillich sagte bei der Podiumsdiskussion am Freitagabend in Karlsruhe: «Ich halte den Antrag nach wie vor für richtig.»

Die Länder hatten den NPD-Verbotsantrag 2013 beim Bundesverfassungsgericht gestellt. Im Mai haben sie auf Veranlassung des Zweiten Senats neuen Beweise dafür vorgelegt, dass die Geheimdienstinformanten in den Reihen der NPD vor Beginn der Materialsammlung gegen die Partei abgeschaltet wurden. «Ich glaube, wir haben sehr gute Arbeit gemacht», sagte Scholz dazu.

Die Podiumsdiskussion zur wehrhaften Verfassung fand im Rahmen der «Karlsruher Verfassungsgespräche» statt. Diese werden alljährlich von der Stadt Karlsruhe und dem Bundesverfassungsgericht veranstaltet und finden traditionell in Räumlichkeiten des Gerichts statt.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Sa, 2015-05-23 07:45
Berlin (dpa)

BKA-Chef: Polizei kommt bei Islamismus an Kapazitätsgrenzen

Hunderte gefährliche Islamisten, Hunderte Ermittlungsverfahren: Die Polizei hat mit der Bedrohung durch islamistischen Terror alle Hände voll zu tun. An einigen Stellen gebe es schon Engpässe, sagt der BKA-Präsident. Und auch bei der Prävention sei noch viel zu tun.

Berlin (dpa) - Die Sicherheitsbehörden stoßen angesichts der islamistischen Bedrohung an personelle Grenzen. «Natürlich gibt es einen Ressourcenengpass», sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Zahl der islamistischen Gefährder wachse, mittlerweile gebe es mehr als 500 Ermittlungsverfahren gegen Islamisten. Das BKA bekomme zwar mehr Stellen für den Kampf gegen den islamistischen Terror. Die Mitarbeiter müssten aber erst eingestellt und ausgebildet werden. «Das heißt, wir werden in den nächsten Jahren auch zulasten anderer Bereiche Personal umverteilen müssen, um den Kampf gegen den Islamismus zu verstärken. Wir müssen Prioritäten setzen.» Auch einige Länder seien sehr belastet durch die Bedrohung aus der Islamisten-Szene.

Die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland liegt inzwischen bei rund 300. Dies sind Mitglieder der Islamisten-Szene, denen Polizei und Geheimdienste zutrauen, dass sie einen Anschlag begehen könnten. Bislang sind rund 680 Islamisten aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist. Etwa ein Drittel davon ist wieder zurückgekehrt. Bundesweit laufen derzeit mehr als 500 Ermittlungsverfahren gegen 800 Beschuldigte aus dem islamistischen Spektrum.

Münch sagte, es werde immer schwieriger, die steigende Zahl von Ermittlungsverfahren zu stemmen. «Wir kommen da an Grenzen.» Es sei auch nicht möglich, alle 300 Gefährder rund um die Uhr polizeilich zu überwachen. Das gehe schon aus rechtlichen Gründen nicht, aber auch personell sei das nicht machbar.

In einzelnen Ländern gebe es bereits Engpässe bei den Observationskräften, erklärte der BKA-Chef. «Dann muss man entscheiden, ob man in einem Verfahren zur Organisierten Kriminalität Observationskräfte abzieht, weil man sich um einen islamistischen Gefährder kümmern muss.» Einige Länder seien dabei, ihre Spezialkräfte auszubauen, damit nicht mittelfristig die Arbeit in anderen Kriminalitätsfeldern leide. Aber das brauche Zeit. Wichtig sei deshalb, dass sich die Polizei im Verbund gegenseitig unterstütze und Kräfte austausche.

«Wir sind insgesamt gut aufgestellt bei der Zusammenarbeit», sagte Münch. Aber die Bedrohung durch den islamistischen Terror sei eine große Herausforderung. «Wir tun alles, um dem gerecht zu werden.»

Vor wenigen Wochen hatte die Polizei in Hessen zwei Terrorverdächtige festgenommen. Das Paar steht im Verdacht, einen islamistischen Anschlag auf ein großes Radrennen um Frankfurt geplant zu haben. «Gerade die jüngsten Ereignisse zeigen, dass wir die Bedrohung sehr ernst nehmen müssen», sagte Münch. In dem Fall in Hessen habe die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden sehr gut funktioniert. Er räumte aber ein: «Wir können nicht jeden kennen. Immer mal wieder stoßen wir auf Personen, die wir vorher nicht auf dem Zettel hatten.»

Münch forderte deutlich mehr Anstrengungen bei Prävention und De-Radikalisierung. «Wir haben einige gute Projekte und Ansätze in Deutschland, benötigen aber ein übergreifendes System», sagte er. «Wir brauchen einen Masterplan - den sehe ich im Moment noch nicht.»

Sa, 2015-05-23 06:30
Offenbach (dpa)

Mai-Regen bleibt aus - fast überall viel zu trocken

Offenbach (dpa) - Es grünt und blüht in Gärten und Parks, aber allmählich gehen die Wasservorräte im Boden zur Neige. Seit April hat es in Deutschland zu wenig geregnet. Und im Mai sei eine Woche vor Monatsende erst gut die Hälfte des Monatssolls erreicht, sagte Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach der Deutschen Presse-Agentur. «Dabei gibt es enorme regionale Unterschiede.»

Vor allem die Mitte Deutschlands habe zu wenig Mai-Regen abbekommen, während es im Süden örtlich sehr nass sei. In Erfurt seien in den ersten drei Wochen des Monats erst fünf Liter Regen pro Quadratmeter gefallen - weniger als zehn Prozent des Monatssolls. In Baden-Württemberg wurden dagegen an manchen Messstationen in der selben Zeit 160 Liter pro Quadratmeter registriert.

Insgesamt wird der meteorologische Frühling, der die drei vollen Monate März, April und Mai umfasst, nach Einschätzung des DWD zu trocken ausfallen. Während der März-Niederschlag noch im Durchschnitt blieb, war auch der April in Deutschland mit 42 Litern Regen pro Quadratmeter zu trocken - normal sind im April 58 Liter pro Quadratmeter.

Sa, 2015-05-23 05:05
York/Riad (dpa)

UN-Sicherheitsrat verurteilt IS-Terroranschlag in Saudi-Arabien

Die Terrormiliz Islamischer Staat verbreitet weiter Angst und Schrecken. Sie bekennt sich zu einem blutigen Anschlag an einem hohen Feiertag der Schiiten. Der Iran und der UN-Sicherheitsrat fordern nachdrücklich die Bekämpfung der Dschihadisten.

New York/Riad (dpa) - Der UN-Sicherheitsrat hat den Terroranschlag auf eine schiitische Moschee in Saudi-Arabien mit mehr als 20 Toten scharf verurteilt. Den Angehörigen der Opfer sprachen die Vertreter der 15 Mitgliedsländer laut einer am Freitag (Ortszeit) von den Vereinten Nationen in New York verbreiteten Mitteilung ihr Beileid aus. Die Verantwortlichen für die Bluttat müssten zur Rechenschaft gezogen und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die sich zu dem Anschlag bekannt hatte, müsse besiegt werden, forderte der Rat.

Der Iran verurteilte das Attentat scharf. «Die Verantwortlichen für den Tod der unschuldigen Gläubigen sollten schnellstens gefunden und bestraft werden», sagte die iranische Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Freitag. Gleichzeitig kritisierte sie auch die saudischen Angriffe auf die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen in Jemen. Alle Staaten in der Region sollten gemeinsamen die Terrormiliz Islamischer Staat bekämpfen, so die Sprecherin laut Nachrichtenagentur IRNA.

Bei einem Selbstmordanschlag in dem Ort Al-Kudaich nahe der Stadt Al-Katif kamen nach letzten Angaben mindestens 21 Menschen ums Leben, 81 weitere Menschen wurden verletzt, berichtete der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija am Freitagabend. Demnach zündete der Attentäter seinen Sprengstoffgürtel mitten im Freitagsgebet.

Zu der Bluttat bekannte sich die international operierende Terrormiliz Islamischer Staat. Anschließend zogen aufgebrachte Menschen auf die Straße und riefen pro-schiitische Parolen. Videos und Bilder, die im Internet auftauchten, zeigten in Tücher gehüllte Leichen sowie Ambulanzwagen, die am Schauplatz des Anschlags vorfuhren.

In seiner Bekennerbotschaft beschimpft der IS die Opfer als «Ketzer und Ungläubige». Das Terrornetz hängt einer fundamentalistischen Ideologie an, die die geringste Abweichung von einem verklärten sunnitischen Ur-Islam als «Abfall vom wahren Glauben» brandmarkt. Der Schia-Islam entstand als eigene Variante des Islam im 7. Jahrhundert.

Die Schiiten begingen am Freitag den Geburtstag des Imams Hussein, den sie als Heiligen verehren. Praktisch zur gleichen Zeit explodierte in Sanaa, der Hauptstadt des Nachbarlandes Jemen, ein Sprengsatz vor einer schiitischen Moschee. Zehn Menschen hätten Verletzungen erlitten, teilten Augenzeugen mit. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich der IS. 

Die Terrormiliz kontrolliert weite Gebiete im Nord- und Westirak und im Osten Syriens. In der nordirakischen Stadt Mossul zerstörten IS-Kader am Freitag eine schiitische Moschee und ein jesidisches Heiligtum. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass Extremisten in der Stadt die Kreuze an der Außenfassade einer syrisch-orthodoxen Kirche abgeschlagen hätten, berichtet die Gesellschaft für bedrohte Völker unter Berufung auf Informanten vor Ort.

In Saudi-Arabien bilden die Schiiten eine Minderheit, die konzentriert in der Region um Al-Katif lebt. Im Jemen hängt die Gemeinschaft der Huthis einer schiitischen Strömung an.

Im ölreichen Osten von Saudi-Arabien kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den Schiiten und der sunnitischen Mehrheit im Land. Im vergangenen November hatten Attentäter in eine Menge schiitischer Gläubiger geschossen und sieben Menschen getötet. Sicherheitskräfte machten dafür die Terrormiliz IS verantwortlich.

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Sa, 2015-05-23 05:45
Dresden (dpa)

Amnesty fordert Anti-Rassismus-Konzept - Bericht über Hassverbrechen

Das Thema Rassismus kommt nicht von ungefähr: Bei der Jahrestagung der deutschen Sektion von Amnesty International in der Pegida-Geburtstadt Dresden will die Menschenrechtsorganisation Flagge gegen Diskriminierung zeigen.

Dresden (dpa) - Amnesty International (ai) hat von der Bundesregierung ein Konzept zur Bekämpfung des Rassismus gefordert. Dabei sei Rassismus nicht mit Rechtsextremismus gleichzusetzen, sondern als gesamtgesellschaftliches Problem anzuerkennen, sagte die Generalsekretärin der deutschen Sektion, Selmin Caliskan, der Deutschen Presse-Agentur vor der ai-Jahresversammlung am Samstag in Dresden. Zugleich kündigte sie einen Bericht ihrer Organisation über Hassverbrechen in Deutschland an. Derzeit sei ein Ermittlerteam aus dem Londoner ai-Zentrale in Deutschland unterwegs, um rassistische Übergriffe und Verfehlungen von Polizei und Justiz zu dokumentieren.

«Unter anderem wird der NSU-Skandal auch noch mal von Amnesty beleuchtet werden. Der Bericht mit den Ergebnissen wird aber erst Anfang nächsten Jahres veröffentlicht», sagte Caliskan. Einzelheiten wollte sie noch nicht nennen. «Nur so viel: Im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei ist es sehr schwer, Menschen zu finden, die bereit sind, darüber zu sprechen.»

Rund 500 Amnesty-Mitglieder aus ganz Deutschland wollen bis Pfingstmontag in Dresden über Rassismus diskutieren. Gerade in der Pegida-Stadt müsse eine Organisation wie Amnesty Flagge zeigen, sagte Caliskan. «Pegida ist für mich nicht Ursache für, sondern Konsequenz aus einem gesellschaftlichen Problem, nämlich dem Rassismus.»

Sie verwies auf die gestiegene Zahl von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte und dass sich die Bundesregierung nicht konsequent genug von Pegida abgegrenzt habe. «Das wird dann aus der Bevölkerung heraus auch als Legitimation dafür genommen, dass es richtig ist, zu denken, dass man Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund oder eine andere Religion haben oder auf der Flucht sind, diskriminieren oder sogar gewalttätig gegen sie vorgehen darf.»

Deshalb brauche es ein umfassendes politische Konzept zur Bekämpfung des Rassismus «auch in der Mitte der Gesellschaft - also dem Alltagsrassismus, dem institutionellen Rassismus und den unbewussten Rassismen». Als Beispiel nannte sie die interkulturelle Öffnung der Institutionen und die Bekämpfung des Rassismus innerhalb der Institution Polizei. «Diskriminierende Polizeikontrollen sind immer noch an der Tagesordnung und gehören abgeschafft.»

Ein weiteres Thema der nicht öffentlichen Jahresversammlung sind die Menschenrechte im digitalen Zeitalter. Dazu wird auch die Frau des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi erwartet. Zudem finden bei der Jahresversammlung Vorstandswahlen statt. Amnesty hat nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 130 000 Mitglieder und Unterstützer.

Sa, 2015-05-23 05:00
Berlin (dpa)

Genom von Internet-Kätzchen Lil Bub wird entschlüsselt Von Andrea Barthélémy, dpa

Lil Bub ist ein Internet-Phänomen: Das Kätzchen mit den großen grünen Augen und der heraushängenden Zunge hat eine riesige Fangemeinde. Nun zeigen auch Forscher an ihm Interesse.

Berlin (dpa) - Nein, Lil Bub ist keine gewöhnliche Katze. Sie hat eine eigene Talkshow, in der jüngst die amerikanische First Lady zu Gast war. Und Michelle Obama präsentierte, zugeschaltet auf einem historischen TV-Gerät und charmant lächelnd, ihr Fünf-Punkte-Fitness-Programm für Kinder. Außerdem gibt es Lil-Bub-Fotos mit Robert De Niro und eine preisgekrönte Filmdokumentation über ihr Leben. Ein Teil ihrer Beliebtheit mit Hunderttausenden Anhängern auf Facebook, Youtube und Instagram hat das Katzenfräulein körperlichen Besonderheiten zu verdanken, die auf diverse genetische Anomalien zurückgehen. Und diese wollen Forscher aus Berlin nun aufschlüsseln.

Weit aufgerissene grüne Augen, die aus einem zahnlosen Mäulchen heraushängende Zunge und verkürzte Beine mit je sechs Krallen an den Pfoten sind eine Art Markenzeichen von Lil Bub und lassen sie aussehen, als sei sie geradewegs aus einem Manga-Comic herausmarschiert. Ursache dafür ist jedoch unter anderem eine seltene Knochenkrankheit, die Osteoporose, bei der sich das Knochengewebe stark verdichtet und verkrümmt. Außerdem hat die sechskrallige Lil Bub Polydaktylie - auch manche Menschen haben diese Anlage für überzählige Finger oder Zehen in ihrem Erbmaterial.

«Als wir im Internet über Videos von Lil Bub stolperten, waren wir sofort dabei», erzählt der Biologe Daniel Ibrahim vom Max-Planck-Institut für Molekulargenetik in Berlin. In seiner Forschungsgruppe sucht er nach genetischen Faktoren, die die Entwicklung von Gliedmaßen und Knochen steuern. «Solche Fehlbildungen, wie Lil Bub sie hat, kannten wir von Menschen. Aber wir wussten bisher nicht, dass sie auch zusammen auftreten können.» Von der Sequenzierung des Kätzchengenoms und dem Vergleich mit gesunden Katzen erhoffen sie sich nun Aufschluss über die konkreten Mutationen. «Wenn wir diese kennen, können möglicherweise auch Therapien zielgerichteter eingesetzt werden», sagt Ibrahim. «Aber zunächst ist das alles Grundlagenforschung.»

Konkreten Nutzen sehen die Wissenschaftler dennoch: «Wir wollen den gesamten Arbeitsprozess transparent und öffentlich machen.» Die Internet-Berühmtheit von Lil Bub sieht Ibrahim ebenso wie seine Teamkollegen Dario Garcia-Lupianez und Uschi Symmons als einzigartige Chance. «Wir können einer breiten Öffentlichkeit unsere komplizierte Arbeit nahe bringen», sagt Ibrahim. Deshalb hat das Trio sein Projekt auch über eine Crowdfunding-Plattform finanziert: In weniger als einem Monat hatten sie am 19. Mai die erforderlichen 6500 Euro zusammen.

«Als klassisches Projekt mit DFG-Finanzierung, das hätte nicht gepasst. Aber so haben wir eine bunte Mischung an Unterstützern begeistern können», erzählt Ibrahim. Forscher, Katzenfreunde und vor allem die große Lil-Bub-Gemeinde griffen ins Portemonnaie und spendeten im Durchschnitt 34 Euro.

Auch Lil Bubs Herrchen - der Musiker und Produzent Mike Bridavsky, der das Katzenbaby 2011 in einem Werkzeugschuppen im ländlichen Indiana gefunden hatte - musste nicht lange davon überzeugt werden, wie wichtig mehr Aufklärung über Osteoporose sein kann. Schließlich hatte Lil Bub 2012 nur durch Zufall von einer speziellen, selten angewandten Elektro-Puls-Therapie profitiert, als ihre Gelenke komplett zu versteifen drohten.

Bridavsky schickte den Forschern eine Blutprobe von Lil Bub nach Berlin, eisgekühlt liegt sie nun im Institut zur Sequenzierung bereit. Ein paar Wochen werde dies dauern, kündigen die Biologen an. Bis die Crowdfunding-Frist in wenigen Tagen ausläuft, wollen sie weiter Geld sammeln - und mit dem Überschuss das Projekt einer Kollegin zur Erforschung von Katzenkrankheiten unterstützen. Denn Katzenfans, so bekunden sie, seien sie alle drei.

Sa, 2015-05-23 04:59
Berlin (dpa)

Berliner Forscher schauen Internet-Kätzchen in die Gene

Berlin (dpa) - Biologen in Berlin wollen das Genom des amerikanischen Internet-Kätzchens Lil Bub sequenzieren. Das Geld dazu haben sie über eine Crowdfunding-Plattform binnen weniger Wochen gesammelt. «Als wir im Internet über Videos von Lil Bub stolperten, waren wir sofort dabei», sagt Daniel Ibrahim vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Das Kätzchen, das mit weit aufgerissenen Augen, stets heraushängender Zunge und kurzen Beinchen eine große Fangemeinde im Netz hat, leidet an mehreren genetisch bedingten Erkrankungen. Diese wollen die Wissenschaftler über die Sequenzierung klären.

Sa, 2015-05-23 05:31
Dresden (dpa)

Amnesty fordert Bundesregierung zu Konzept gegen Rassismus auf

Dresden (dpa) - Amnesty International (ai) hat von der Bundesregierung ein Konzept zur Bekämpfung des Rassismus gefordert. Dabei sei Rassismus nicht mit Rechtsextremismus gleichzusetzen, sondern als gesamtgesellschaftliches Problem anzuerkennen, sagte die Generalsekretärin der deutschen Sektion, Selmin Caliskan, der Deutschen Presse-Agentur vor der ai-Jahresversammlung am Samstag in Dresden. Zugleich kündigte sie einen Bericht ihrer Organisation über Hassverbrechen in Deutschland an. Derzeit sei ein Ermittlerteam aus dem Londoner ai-Zentrale in Deutschland unterwegs, um rassistische Übergriffe und Verfehlungen von Polizei und Justiz zu dokumentieren.

Sa, 2015-05-23 05:30
Berlin (dpa)

BKA-Chef: Polizei kommt bei Islamismus an Kapazitätsgrenzen

Berlin (dpa) - Die Sicherheitsbehörden stoßen angesichts der Bedrohung durch islamistischen Terrorismus an personelle Grenzen. «Natürlich gibt es einen Ressourcenengpass», sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Zahl der islamistischen Gefährder wachse, mittlerweile gebe es mehr als 500 Ermittlungsverfahren gegen Islamisten. Das BKA bekomme zwar mehr Stellen für den Kampf gegen den islamistischen Terror. Die Mitarbeiter müssten aber erst eingestellt und ausgebildet werden. «Das heißt, wir werden in den nächsten Jahren auch zulasten anderer Bereiche Personal umverteilen müssen, um den Kampf gegen den Islamismus zu verstärken. Wir müssen Prioritäten setzen», sagte er. Auch einige Länder seien sehr belastet durch die Bedrohung aus der Islamisten-Szene.

Sa, 2015-05-23 05:55
Münster (dpa)

Städte kämpfen gegen abgestellte Fahrräder

Tausende herrenlose Fahrradwracks blockieren sowieso knappen Parkraum für Zweiräder in Großstädten. Ob sie noch jemandem gehören? Diese Frage müssen sich auch Ordnungsämter stellen, bevor sie durchgreifen.

Münster (dpa) - Platte Reifen, rostige Ketten, fehlende Sattel: Tausende Schrottfahrräder rotten in Städten vor sich hin - zum Ärger von Ordnungsämtern und Radfahrern auf der Suche nach einem freien Platz im Fahrradständer. So wurden in Berlin im Jahr 2014 mehr als 2500 sogenannte Radleichen aus dem Verkehr gezogen, in Hamburg waren es 3000, in Köln mehr als 1800, die Studentenstadt Münster entsorgt jährlich rund 900 Räder, mehr als 200 Schrottexemplare waren es in der Radl-Stadt Freiburg, wie eine dpa-Umfrage ergab.

In einigen Städten versuchen die Ordnungsämter den Kampf gegen die kaputten Fahrräder daher inzwischen mit Warnaufklebern zu gewinnen: Darauf wird eine Abschlepp-Aktion angekündigt. Bleibt die Banderole am Rad, wird es nach Ablauf einer Frist eingesammelt, verschrottet oder weiterverwertet.

Diese Methode habe sich mancherorts bewährt, sagt René Filippek, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Allerdings können auf diese Weise nur Räder aus dem Verkehr gezogen werden, die eindeutig nicht mehr fahrbereit sind. Weiteres Problem: «Die Banderolen werden manchmal auch als Aufforderung zum Plündern missverstanden», sagt Filippek.

Der Umgang mit Schrotträdern sei für die Kommunen ein großer verwaltungs- und damit personalintensiver Aufwand, heißt es beim Städte- und Gemeindebund.

«Man kann nur an die Leute appellieren, nicht gebrauchte Räder nicht einfach irgendwo abzustellen. Durch solche Unachtsamkeit entstehen ja schließlich Kosten. Das Geld fehlt dann am anderen Ende etwa für sichere Abstellanlagen oder mehr oder bessere Radwege», sagt Timm Fuchs, Beigeordneter für Verkehr bei dem kommunalen Spitzenverband. «Zusätzlich blockieren diese Räder auch Parkplätze für andere.»

Parkraum für Räder sei vielfach sowieso schon viel zu knapp, kritisiert auch Ulrike Saade, Fahrradexpertin und Geschäftsführerin der Dienstleistungsagentur Velokonzept. An stark frequentierten Fahrradständern in Bahnhofsnähe oder vor studentischen Einrichtungen müsse daher über eine zeitliche Begrenzung der Parkdauer nachgedacht werden. «Räder, die länger als zwei Wochen dort stehen, könnten dann abgeschleppt werden, ohne dass sie schrottreif sind», sagt Saade.

Dies ist in der Straßenverkehrsordnung bislang nicht vorgesehen. «Insbesondere brauchen wir aber mehr Platz für sicheres Parken, etwa in bewachten Parkhäusern und auf umgewidmeten Autoparkplätzen», sagt Saade. Dort seien auch länger abgestellte Räder gegen Wetter und Vandalismus geschützt und würden erst gar nicht zu schrottreifen Exemplaren.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Sa, 2015-05-23 04:25
Münster/Berlin (dpa)

Städte kämpfen gegen Schrottfahrräder

Münster/Berlin (dpa) - Tausende Fahrräder rotten in vielen Städten vor sich hin - zum Ärger von Ordnungsämtern und Radfahrern auf der Suche nach einem freien Platz im Fahrradständer. Laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub (ADFC) hat sich in einigen Städten der Einsatz von Warnaufklebern bewährt, die an wohl ungenutzte Räder geklebt werden. Darauf wird eine Abschlepp-Aktion angekündigt. Bleibt die Banderole am Rad, wird es nach Ablauf einer Frist eingesammelt.

Solche Aufräumaktionen kommen beispielsweise in Köln, Hamburg, Freiburg und einigen Berliner Bezirken zum Einsatz im Kampf gegen die Fahrradwracks, wie eine dpa-Umfrage ergab. Dabei können allerdings nur Räder aus dem Verkehr gezogen werden, die eindeutig nicht mehr fahrbereit sind. Eine Parkzeitbegrenzung für fahrtüchtige Räder sieht die Straßenverkehrsordnung nicht vor.

Sa, 2015-05-23 04:00
Deuselbach (dpa)

Wo Natur wild sein kann: Deutschland hat einen neuen Nationalpark Von Birgit Reichert, dpa

Er ist der einzige, der in Deutschland in diesem Jahr dazukommt: Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Nach Ansicht von Experten schließt er eine wichtige Lücke. Und dürfte für längere Zeit der letzte neue im Bundesgebiet sein.

Deuselbach (dpa) - Im Hunsrück schleichen noch um die 1000 bedrohte Wildkatzen durch die Wälder. Über den Wiesen schweben seltene Schwarzstörche. Und im Dickicht stehen jahrhundertealte Buchen. All das soll auch so bleiben, sogar noch wilder werden. Aus diesem Grund haben Rheinland-Pfalz und das Saarland ein gemeinsames Schutzgebiet ausgewiesen: den Nationalpark Hunsrück-Hochwald, in dem gilt: «Natur Natur sein lassen.»

Es ist nicht nur der besondere Mix aus Mooren, Buchen- und Lindenwäldern sowie Nasswiesen, mit dem der gut 100 Quadratkilometer große länderübergreifende Park punktet. «Er schließt auch in der deutschen Nationalpark-Landschaft im Westen eine wichtige Lücke», sagt Franz August Emde vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn zur Eröffnung des 16. deutschen Nationalparks in Deutschland am Pfingstwochenende.

Und er ist sicher: «Hier entsteht was ganz Tolles.» Was genau, das lässt sich noch nicht vorhersagen. Aber sicher werde sich die heimische Buche Ländereien zurückerobern. Und im Holz von alten Bäumen könnten Lebewesen Platz finden, deren Lebensraum sonst immer knapper werde: «Pilze, Flechten und Käfer.»

Das habe etwa der Nationalpark Bayerischer Wald vorgemacht, der 1970 als erster deutschlandweit an den Start ging. «Da hat es eine Explosion der Natur gegeben», sagt Emde. Die Wälder seien zum Refugium für Pflanzen und Tiere geworden, die in der Fläche selten geworden sind. Und: Der Waldbestand habe sich nicht nur ausreichend verjüngt, er sei auch messbar gewachsen und vielschichtiger geworden, berichtet der Leiter der Nationalparkverwaltung, Franz Leibl. Der Bayerische Wald lockt im Jahr knapp 800 000 Besucher an.

Es gebe in Europa immer mehr Regionen und Regierungen, die die wachsende Bedeutung solcher Parks erkennen würden, sagt Petra Schultheiß. Sie ist Projektmanagerin bei der Föderation Europarc mit rund 380 Mitgliedern in 36 Ländern. Ganz deutlich merke man dies seit fünf bis zehn Jahren, sagt die Geografin in Regensburg. «Die Menschen haben erkannt: Ohne Natur und Grün geht es nicht. Das ist unsere Lebensgrundlage.»

Am europaweiten Aktionstag der Parks von Europarc an diesem Sonntag (24. Mai) sind Veranstaltungen quer über den Kontinent geplant. Dabei solle auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass Schutzgebiete nicht nur nötig und nützlich sind, sondern sich auch rechnen können. «Wir gehen davon aus, dass im Schnitt pro investiertem Euro eine Wertschöpfung von 9 bis 10 Euro möglich ist», sagt Schultheiß. Auch der Nationalpark im Hunsrück hofft langfristig auf jährlich rund 350 000 zusätzliche Besucher.

Die Ausweisung eines Schutzgebietes sei stets «ein großer Balanceakt», sagt die Europarc-Expertin. Dabei habe sich gezeigt, «dass es deutlich besser läuft, wenn man die Bevölkerung vor Ort miteinbezieht». Im Hunsrück ist dies geschehen: Kommunen, Verbände und Menschen vor Ort wurden früh mit ins Boot geholt - am Ende hatten die Gemeinden aus vier Landkreisen überwiegend Ja gesagt. 90 Prozent des Parks liegen in Rheinland-Pfalz, 10 im Saarland.

Eine wissenschaftliche Untersuchung in drei deutschen Nationalparks habe gezeigt, dass das Prädikatssiegel Nationalpark einer Region zu einer deutlichen Wertschöpfung verhilft, sagt Emde.

Vorreiter waren die Deutschen bei den Nationalparks aber nicht. 1872 wurde in den USA der Yellowstone Nationalpark ausgerufen, der als ältester der Welt gilt. Als erste Europäer zogen 1909 die Schweden nach: Sie proklamierten zunächst neun Nationalparks.

In Deutschland argumentierten Gegner von Nationalparks lange Zeit mit einem Mangel an Platz und der großen Bevölkerungsdichte. Mittlerweile machen die Nationalparks nicht mehr als 0,6 Prozent des Bundesgebietes aus. «Ein weiterer ist noch nicht in Planung», sagt Emde.

Bevölkerungsarme Länder tun sich leichter. In Finnland etwa machen die 38 Nationalparks rund 18 Prozent des Staatsgebietes aus. 2,25 Millionen Besucher werden dort pro Jahr gezählt. Und die Finnen rechneten aus, dass Besucher dort insgesamt 33 Millionen Kilometer jährlich zu Fuß liefen.

Für Schultheiß ist klar: «Schutzgebiete sind ein wichtiger Betrag zum Erhalt der Artenvielfalt.» In Deutschland etwa könnten Wildkatze und Auerhuhn so besser überleben. In den Alpen und den Karpaten seien es Wolf, Bär und Luchs - und in Spanien beispielsweise Geier.

Sa, 2015-05-23 02:59
York (dpa)

UN-Sicherheitsrat in Sorge um Bewohner von Palmyra nach IS-Einnahme

New York (dpa) - Nach der Einnahme von Palmyra durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist der UN-Sicherheitsrat in tiefer Sorge um die tausenden Bewohner der syrischen Oasenstadt. Zivilisten müssten in Sicherheit aus der historischen Karawanenstadt fliehen können, forderten die 15 Mitglieder des Rates in einer am Freitag (Ortszeit) von den Vereinten Nationen in New York verbreiteten Mitteilung. Auch um das Unesco-Weltkulturerbe zeigte sich das Gremium zutiefst besorgt. Die Einnahme von Palmyra und die anderen «barbarischen Terrorakte» des IS verurteilte der Sicherheitsrat scharf. Die Terrormiliz müsse besiegt werden.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Erschienen in Ausgabe 3.15

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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