Di, 2015-05-26 16:41
Berlin (dpa)

Ehe für alle - wieviel Wandel verträgt die Union? Von Kristina Dunz, dpa

Eine der letzten großen Traditionen von CDU und CSU ist der Schutz der Ehe - beschränkt auf Mann und Frau. Chancen auf Änderung dürfen sich Homosexuelle ausrechnen, wenn sich die Gesellschaft schneller wandelt als die Union. Dann kann die Kanzlerin Kehrtwenden.

Berlin (dpa) - Die Kanzlerin hat keinen Zweifel daran gelassen. «Ich persönlich werde jedenfalls nicht selber einen Gesetzentwurf einbringen für eine komplette Gleichstellung (...)», stellte Angela Merkel 2013 ihre Haltung zur Gleichberechtigung von Homosexuellen klar. Das war bei einem TV-Auftritt vor der Bundestagswahl. Die CDU-Vorsitzende hat Wort gehalten.

Kein Urteil des Bundesverfassungsgerichts für mehr Gleichberechtigung etwa im Steuer- oder Adoptionsrecht hat Merkel zur Aufgabe einer der letzten großen Traditionen der Union veranlasst. Den gesetzlichen Schutz der Ehe will sie weiter auf Mann und Frau beschränken und nicht auf Liebende gleichen Geschlechts ausdehnen.

Dabei gilt es in Teilen der Union als Frage der Zeit, wann Merkel nach Atomausstieg und Wehrpflicht-Ende auch bei diesem Thema die sich verändernde Gesellschaft mit der CDU-Position abgleichen wird. Jedenfalls sagte sie schon 2013: «Es kann auch sein, dass durch die gesamte gesellschaftliche Entwicklung, durch die Rechtsprechung sich das dann so entwickelt.» Ende des Jahres wird ein weiteres Urteil der Karlsruher Richter zum Adoptionsrecht erwartet.

Die Volksabstimmung im katholisch geprägten Irland für die völlige Gleichstellung homosexueller Paare wird die Debatte in der Union nun wieder beflügeln. In CDU und CSU machen längst auch Menschen Politik, die wie CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn (CDU) offen mit ihrer Homosexualität umgehen und sich Normalität wünschen, für die es erfahrungsgemäß einen gesetzlichen Rahmen braucht.

Doch ebenso ist es eine Erfahrung, dass das Zeit braucht. Selbst die Spitze der Unionsfraktion scheiterte schon mit einem vorsichtigen Vorstoß. Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer achten auf den Teil der Union und ihrer Anhänger, für die homosexuelle Paare immer noch als unnatürlich gelten und kein Vorbild für Kinder sind. Der sächsische CDU-Politiker Steffen Flath sagte einmal: «Gott hat uns geschaffen als Frau und Mann und ich glaube, dass er sich dabei etwas gedacht hat.»

Als Merkel 2013 den Wählern ihre Einstellung dazu deutlich machte, ging es vor allem um Adoptionen. Auf die Frage eines Mannes bei dem TV-Auftritt, warum sie ihm und seinem Partner das Recht verwehre, ein Kind zu adoptieren, antwortete die CDU-Chefin: «Es geht um die Frage des Kindeswohls.» Katrin Häußler, die mit ihrer Frau Sandra in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, läuft bei diesem Satz noch heute ein Schauer über den Rücken.

«Da kriege ich Gänsehaut - nicht vor Freude, sondern vor Beklemmung. Es unterstellt Homosexuellen, dass sie auch pädophil sind», sagt die 36-Jährige. Ihr Sohn wird an diesem Mittwoch vier Jahre alt. Sein Schwesterchen ist eineinhalb. «Wir haben die gleichen Pflichten und die gleichen Sorgen wie andere Familien auch. Aber die CDU will mich nicht per Gesetz schützen.» Die Adoptionen der von Sandra geborenen Kinder seien zeitlich und finanziell eine große Belastung gewesen. Von dem Kummer ganz zu schweigen. «Viele Menschen schauen uns immer noch schief an.» Die Psychologin mahnt: «Homosexualität ist etwas, das man sich nicht aussucht. Aber es ist keine Krankheit.»

Die SPD hätte bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union im Herbst 2013 schon gern Ehe und volles Adoptionsrecht für Homosexuelle durchgesetzt. Die rechtliche Gleichstellung müsse weitergehen, sagt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) heute. Mit der Union sei das aber schwer realisierbar. An diesem Mittwoch bringt er einen Entwurf zum «Lebenspartnerschaftsbereinigungsgesetz» ins Kabinett ein. Damit soll die rechtliche Gleichstellung von Lebensgemeinschaften schwuler und lesbischer Paare mit der Ehe auch im gesetzlichen Wortlaut gefördert werden. In 23 Gesetzen und Verordnungen sollen die Regeln für die Ehe auf Lebenspartnerschaften ausgedehnt werden.

Kein großer Wurf, bedauert der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lesben und Schwulen in der CDU (LSU), Alexander Vogt. Er kritisiert seine CDU via n-tv: «Es werden 23 Änderungen beschlossen, es gibt noch etwa 140 Ungleichheiten im Gesetz. Man hätte das mit einem Federstrich machen können, indem man die Ehe öffnet, aber die Union ist leider noch nicht so weit.»

Katrin Häußler sagt: «Ich werde es hoffentlich noch erleben.» Sie rechnet mit 10 bis 15 Jahren bis zur Normalität. Was das ist? «Wenn ich für das Finanzamt kein Sonderformular mehr ausfüllen muss, und meinen Kinder nicht gesagt wird, dass wir keine Familien seien, weil kein Vater da ist.»

Di, 2015-05-26 16:15
Lüneburg (dpa)

Zyklon B - Ein Schädlingsbekämpfungsmittel wurde zum Mordwerkzeug

Lüneburg (dpa) - Mit Zyklon B sollten eigentlich Läuse und andere Schädlinge in der Landwirtschaft bekämpft werden - doch die Nationalsozialisten machten das Blausäure-Gas zum Massenvernichtungsmittel. In den Gaskammern in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern ermordeten sie damit mehr als eine Million Menschen. Wird die Blausäure über die Atmung oder durch die Haut aufgenommen, blockiert sie beim Menschen die Zellatmung und führt innerhalb kurzer Zeit zu einem qualvollen Erstickungstod. Zyklon B war auch lange nach dem Krieg noch als Pflanzenschutzmittel im Handel erhältlich, allerdings unter dem Namen Cyanosil.

Di, 2015-05-26 16:19
Moskau (dpa)

Linken-Politiker sieht Einreiseverbot für Wellmann als Sanktionsfolge

Moskau (dpa) - Der Linken-Politiker Andrej Hunko hat in Moskau das russische Einreiseverbot für seinen CDU-Bundestagskollegen Karl-Georg Wellmann als mögliche Folge der Sanktionen der EU gegen Russland bezeichnet. Er sei mit Wellmann zur gleichen Zeit gelandet - anders als dieser aber durch die russische Passkontrolle gekommen, sagte Hunko am Dienstag der Staatsagentur Tass zufolge. Möglicherweise sei Wellmanns scharfe Kritik an Russland Grund für das Einreiseverbot.

Die Bundesregierung hatte Russland aufgefordert, die bis 2019 ausgesprochene Einreiseverweigerung für Wellmann zurückzunehmen.

Hunko sagte mit Blick auf Wellmann, dass Deutschland wegen der EU-Sanktionen zahlreiche russische Politiker ebenfalls nicht einreisen lasse. Wellmann hatte die Strafmaßnahmen des Westens gegen Russland im Ukrainekonflikt unterstützt. Er war am Montag nach einer Nacht im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo wieder nach Berlin gereist.

Nach Angaben von Tass berichtete Hunko über eine Spendensammlung der Linken für das ukrainische Kriegsgebiet Donbass. Dabei seien etwa 130 000 Euro zusammengekommen. Hunko und der Linken-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke hatten das Separatistengebiet im Februar bereist. Die Ukraine hatte den Besuch der deutschen Abgeordneten dort scharf kritisiert.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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der Woche
Di, 2015-05-26 16:36
Ludwigshafen (dpa)

Jugend forscht: Mehr Zentren für Schüler notwendig

195 Tüftler kämpfen in Ludwigshafen um den Sieg bei «Jugend forscht». Die Wettbewerbsträger sind mit den Leistungen der Nachwuchsforscher zufrieden, fordern aber mehr Fördereinrichtungen für sie.

Ludwigshafen (dpa) - Die Träger des Bundeswettbewerbs «Jugend forscht» stellen dem deutschen Wissenschaftler-Nachwuchs gute Noten aus. Sie fordern aber auch mehr Unterstützung für die Jungforscher. Bedauert wird nach wie vor ein vergleichsweise geringer Mädchenanteil, der beim diesjährigen Finale knapp 20 Prozent beträgt. Es gebe keinen Grund, damit zufrieden zu sein, sagte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung Jugend forscht, Sven Baszio, am Dienstag vor dem Start des 50. Bundeswettbewerbs in Ludwigshafen.

Von den Wettbewerbsergebnissen her könne man sich «durchaus auch international messen», ergänzte er. So habe Deutschland beim weltweit größten Schülerwettbewerb - der International Science and Engineering Fair - vor zwei Wochen 17 Preise abgeräumt.  

Die jungen Forscher bräuchten aber mehr Orte, an denen sie ihren Neigungen nachgehen könnten. Wenn Jugendliche in Deutschland Sport und Musik machen wollten, fänden sie überall Vereine, in denen sie gefördert würden. «Im naturwissenschaftlichen Bereich haben wir da massive Defizite.» Deshalb müsse es mehr Schülerforschungszentren geben. Derzeit gibt es laut Baszio etwa 30 dieser Einrichtungen, die von Vereinen, Kommunen oder Unternehmen getragen werden.

Am 50. Bundeswettbewerb, der am Mittwoch in die heiße Phase geht, nehmen 38 Mädchen und 157 Jungen mit insgesamt 113 Projekten in sieben Disziplinen teil. Den größten Anteil hat mit 23 Projekten der Bereich Mathematik/Informatik. Das habe überrascht, sei aber Zufall, sagte Baszio. 11 502 junge Menschen hatten sich angemeldet, 2014 waren es über 12 000.

Gastgeber ist zum dritten Mal der Chemiekonzern BASF, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert. Die Sieger werden am Samstag in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck geehrt.

Di, 2015-05-26 16:21
Schwerin/Pasewalk (dpa)

Jäger als «Rabauke» betitelt: Verband kritisiert Reporter-Urteil

Schwerin/Pasewalk (dpa) - Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat die Verurteilung eines Journalisten wegen Beleidigung durch das Amtsgericht Pasewalk (Kreis Vorpommern-Greifswald) kritisiert. Ein Richter dürfe einem Journalisten nicht vorschreiben, was er beruflich zu äußern habe, erklärte Corinna Pfaff als DJV-Landesgeschäftsführerin Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag in Schwerin. «Das Urteil erinnert an Zensur.» Der Reporter der Neubrandenburger Tageszeitung «Nordkurier» hatte einen Waidmann aus Vorpommern Mitte 2014 als «Rabauken-Jäger» bezeichnet, weil dieser ein totes Reh an einem Strick hinter dem Auto hergeschleift hatte. Dies wurde fotografiert. Der Jäger erstattete Anzeige. Der Journalist wurde am 21. Mai wegen Beleidigung zu rund 1000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Der Verlag kündigte bereits Rechtsmittel dagegen an. «Das Urteil scheint mir ein unzulässiger Eingriff in die Pressefreiheit zu sein, für so etwas ist der Presserat zuständig», sagte Pfaff. Den Vorfall,  das tote Reh bei Rathebur über die Bundesstraße 109 zu schleifen, hatte auch der Landesjagdverband kritisiert. Dies widerspreche allen Normen jagdlicher Ethik, erklärte ein Verbandssprecher. Rechtexperten erwarten eine Revision, da die Tatsachen klar seien. Dann müsste das Rostocker Oberlandesgericht klären, ob der Begriff «Rabauke» eine Beleidigung sei oder nicht.

Di, 2015-05-26 16:08
Berlin (dpa)

Medizin als millionenfaches Patientenrisiko - Fakten sollen helfen Von Basil Wegener, dpa

Ultraschall-Befunde, die zu unnötigen Operationen führen, Röntgenbilder, die außer Strahlung nichts bringen - Millionen Patienten lassen sich vom Arzt zu Angeboten ohne Sinn überreden. Experten und Kassen wollen aufklären.

Berlin (dpa) - Volkskrankheit Rückenschmerzen - sitzt man als akut Betroffener beim Orthopäden und kann sich kaum bewegen, ist man über jede Hilfe froh. Oft lässt der Arzt den Patienten erstmal röntgen, schließlich soll kein Knochenschaden als mögliche Ursache unentdeckt bleiben. Doch wie bei vielem anderen, was Patienten mit sich machen lassen - das Risiko ist dabei meist größer als der Nutzen.

In einer einschlägigen Untersuchung wurden Rückenschmerz-Patienten mit und ohne Röntgen-Untersuchung verglichen. Das Ergebnis: Nach neun Monaten hatten von denen mit Röntgenbild immer noch 65 Prozent einen anhaltenden Schmerz - und 57 Prozent von denen ohne solches Bild.

Die Röntgenaufnahme bringt dem Arzt äußerst selten Informationen über seine Untersuchung und Befragung hinaus. Solche Untersuchungen fördern höchstens meist kleinere Abnutzungen zutage, die Patienten zusätzlich verunsichern können. Aber auf Röntgenstrahlen und Computertomographie gehen jedes Jahr geschätzt rund 2000 Krebserkrankungen in Deutschland - bezogen auf alle Körperregionen - zurück. Angezeigt ist Röntgen bei Schmerzen nach Unfällen oder Verletzungen.

Es ist eines von mehreren Beispielen, bei denen das Internet leicht verständliche Informationen nach aktuellem wissenschaftlichen Stand über Diagnosen und Therapien bereithält: Seit Dienstag sind AOK-«Faktenboxen» online. Ähnliche Infos stellt etwa die Bertelsmann Stiftung bereit sowie das zur Max-Planck-Gesellschaft gehörende Harding-Zentrum, das auch die AOK-Boxen entwickelte. Nun fehlt es insgesamt nicht an Gesundheitsinformationen im Netz, in Medien und direkt beim Arzt oder Apotheker - was sollen also diese Angebote?

Wolf-Dieter Ludwig hält kritische, unabhängige Hinweise auf Nutzen und mögliche Schäden für unbedingt nötig - und bisher eher rar gesät. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft spricht von einem bisher vorherrschenden «Monopol der Desinformation». Aus seiner Sicht haben Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten viele Möglichkeiten, den Patienten zu ihren Produkten zu überreden - oft über Ärzte, die ihrerseits der Industrie wenig kritisch gegenüberstünden.

Beispiel Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Verglichen wurden in einer Untersuchung Frauen mit und ohne eine solche Früherkennung, die als Selbstzahlerleistung vom Arzt angeboten wird. Von jeweils 1000 Betroffenen starben jeweils drei. Das Risiko, an der Krankheit zu sterben, verringert sich durch Ultraschall also nicht.

Beispiel Prostata-Früherkennung durch PSA-Test und Tastuntersuchung. Auch hier ist laut Harding-Zentrum das Ergebnis niederschmetternd - die Todeszahlen sind der Gruppe mit und ohne Früherkennung gleich. Allerdings zeigt die Darstellung, dass von 1000 Männern mit Früherkennung 160 nach einer Gewebe-Entnahme erfahren, dass das Testergebnis ein Fehlalarm war. 20 von 1000 werden fälschlicherweise behandelt, etwa durch eine OP oder eine Strahlentherapie.

Was Angebote wie die Faktenboxen versprechen, ist eine Kombination aus aktuellster wissenschaftlicher Expertise zu einem Thema - und knapper, klarer Darstellung. Medizinische Fachausdrücke, die Laien mehr verwirren als aufklären, sind tabu. Entwickelt wurde die Form in den USA, wie der Direktor des Harding-Zentrums, Gerd Gigerenzer, erläutert. Doch zu den Patienten seien die Faktenboxen dort noch nicht gelangt. «Sie werden von etlichen Interessengruppen vehement bekämpft und sind deshalb noch nicht zum Einsatz gekommen.»

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Di, 2015-05-26 16:25
Bangkok (dpa)

Seelenaussauger und Motten-Schmuckstück: Skurrile Tierwelt Mekong

Tiere wie aus einem Märchen oder Science-Fiction-Film: Experten haben in der Mekong-Region in Südostasien ungewöhnliche Arten entdeckt.

Bangkok (dpa) - Die wundersame Tier- und Pflanzenvielfalt in Südostasien ist noch viel skurriler als bislang gedacht. Forscher haben dort im vergangenen Jahr 139 bislang unbekannte Arten entdeckt, wie die Umweltstiftung WWF am Donnerstag berichtete. Darunter sind eine Motte so hübsch wie ein Schmuckstück, ein Frosch mit Schmiergelpapierhaut, ein Klapperschlangen-Nachahmer und eine Wespe, die nach Kreaturen der Harry-Potter-Filme benannt ist.

Für Tier- und Pflanzenkundler ist die sogenannte Mekong-Region - von Myanmar über Thailand, Laos und Kambodscha bis Vietnam - eine wahre Fundgrube. Im Schnitt werden jeden Tag drei neue Arten entdeckt. Seit 1997 waren es insgesamt mehr als 2000. Von vielen gibt es nur wenige Exemplare. Der Lebensraum vieler Tiere ist bedroht: weil Plantagen angelegt und Staudämme gebaut werden, und weil die Städte wachsen. «Man fragt sich, wie viele Arten schon verschwunden sind, ehe sie überhaupt entdeckt wurden», meinte Carlos Drews vom WWF.

Eine Auswahl der jetzt entdeckten Tiere:

SIRINDHORNIA-MOTTE: Sie hat nur fünf Millimeter lange Flügel und wurde in Thailand entdeckt. Die Forscher interessieren sich vor allem für die Genitalien des hübschen Tierchens. Sie sind bei Motten höchst komplex. 53 Merkmale haben die Forscher bei den winzigen Motten gefunden, die sie von allen anderen unterscheiden und Aufschluss über die Evolutionsgeschichte geben.

FROSCH GRACIXALUS LUMARIUS: Den entdeckten zwei Studenten in Vietnam. Der Frosch ist nachts gelblich-pink, tagsüber eher braun. Wie er seine Farbe ändert, wissen die Forscher noch nicht. Ungewöhnlich ist auch die Beschaffenheit seiner Haut, die Sandpapier ähnelt. Gracixalus lumarius gehört auch zu den seltenen Fröschen, die in Baummulden laichen, wo die Kaulquappen fern von gefräßigen Raubtieren heranwachsen können.

WESPE AMPULEX DEMENTOR: Ein Insekt wie aus dem Horrorfilm: Diese Wespe lähmt ihre Beute mit einem einzigen Stich und verschlingt sie dann lebend. Opfer sind etwa Küchenschaben. Besucher des Naturkundemuseums Berlin durften über den Namen abstimmen und entschieden sich für Dementor, nach den Seelen aussaugenden Kreaturen der Harry-Potter-Serie.

SCHLANGE LYCODON ZOOSVICTORIAE: Das Reptil aus Kambodscha wird bei gefühlter Gefahr aggressiv. Es vibriert dann wie eine Klapperschlange mit dem Schwanz, ist aber ungiftig. Die Wissenschaftler fanden nur ein einziges Exemplar. Die Schlange verzehrt kleine Eidechsen.

Di, 2015-05-26 15:56
(dpa)

Vier Tote bei neuem Luftangriff auf die Farc in Kolumbien

Bogotá (dpa) - Bei einem neuen Luftangriff mit Unterstützung von Bodentruppen sind in Kolumbien vier Farc-Rebellen getötet worden. Unter den Gefallenen befinde sich ein Regionalchef der linksgerichteten Guerilla, berichtete die Zeitung «El Tiempo» am Dienstag. Der Angriff ereignete sich am Montag am Fluss Chimirindó im Bezirk Riosucio des an Panama grenzenden Departements Chocó.

Damit steigt die Anzahl der seit Donnerstag getöteten Rebellen auf 41. Die Farc tötete ihrerseits am Samstag einen Polizisten.

Der Konflikt eskaliert wieder, seit die Regierung nach einem nächtlichen Überfall der Farc auf Soldaten die Wiederaufnahme der Luftangriffe ankündigte und die Farc daraufhin ihre einseitige Waffenruhe beendete. Beide Seiten führen jedoch die Ende 2012 in Havanna aufgenommenen Friedensverhandlungen weiter.

Di, 2015-05-26 14:59
Tübingen (dpa)

Suche nach Stammzellspendern mit bundesweiten Aktionen

Tübingen (dpa) - Die Hilfe für Blutkrebspatienten wächst. Bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) haben sich seit der Gründung 1991 weltweit mehr als 5,3 Millionen Stammzellspender registriert, davon über 3,9 Millionen allein in Deutschland. Am Weltblutkrebstag an diesem Donnerstag (28. Mai) will die DKMS als größte Spenderdatei in Deutschland mit bundesweit mehr als 30 Aktionen auf den Kampf gegen die Krankheit aufmerksam machen.

Den Angaben zufolge erhalten weltweit 917 000 Menschen pro Jahr die Diagnose Blutkrebs, also alle 35 Sekunden ein Mensch.

Besonders notwendig sei es, möglichst viele Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern als potenzielle Stammzellspender zu motivieren, teilte die DKMS am Dienstag weiter in Tübingen mit. «Denn die Chance, dass ein passender Spender für einen Blutkrebspatienten gefunden wird, ist häufig höher, wenn die regionale Abstammung von Spender und Patient übereinstimmt.»

Die DKMS ist als gemeinnützige Gesellschaft in fünf Ländern vertreten, so auch in den USA. An dem von ihr im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen World Blood Cancer Day hätten sich damals mehr als 40 000 Menschen beteiligt.

Den insgesamt bislang 3 967 448 registrierten Spendern in Deutschland stehen den Angaben zufolge 44 782 tatsächliche Entnahmen gegenüber. In absoluten Zahlen stammen die meisten registrierten DKMS-Spender mit 917 450 aus Nordrhein-Westfalen (10 256 Entnahmen), gefolgt von Bayern 640 508 (7354) und Baden-Württemberg 617 707 (7389).

Di, 2015-05-26 15:41
Berlin (dpa)

Studie: Mehrheit deutscher E-Auto-Nutzer wohnt in Kleinstädten

Berlin (dpa) - Ein Großteil der Elektroauto-Fahrer in Deutschland lebt einer Studie zufolge in der Kleinstadt oder auf dem Land. Mehr als die Hälfte der privaten Nutzer von E-Autos wohnt in Gemeinden von weniger als 20 000 Einwohnern - so das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Nur etwa jeder Fünfte der Befragten lebt in einer größeren Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern.

Bislang werden reinen E-Autos vor allem in Städten Chancen eingeräumt, weil die Reichweite rein batteriebetriebener Autos nur für kurze Strecken ausreicht und dort öffentliche Ladestationen eingerichtet werden.

Doch die Mehrzahl der E-Auto-Nutzer ist darauf überhaupt nicht angewiesen. Mehr als die Hälfte gab an, in einem frei stehenden Einfamilienhaus zu wohnen. 92 Prozent der privaten Nutzer hatten so eine Lademöglichkeit auf dem eigenen Grundstück. Etwa ein Drittel (36 Prozent) der Befragten nutzt zusätzliche Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz. Für 80 Prozent der Befragten ist das E-Auto allerdings nur der Zweitwagen. Der durchschnittliche private E-Auto-Fahrer ist der Studie zufolge männlich, gebildet und 51 Jahre alt.

Di, 2015-05-26 15:20
Baden-Baden (dpa)

Buback-Sohn will weitere Strafverfahren gegen RAF-Mitglieder

Baden-Baden (dpa) - Michael Buback möchte zwei weitere Strafprozesse wegen der Ermordung seines Vaters erzwingen. Der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback hat beim Oberlandesgericht Stuttgart ein Klageerzwingungsverfahren gegen die früheren RAF-Terroristen Siegfried Haag und Roland Mayer angestrengt, wie der Sender SWR-Info am Dienstag berichtete. Michael Buback und sein Onkel möchten erreichen, dass gegen Haag und Mayer Strafverfahren eröffnet werden, obwohl der Generalbundesanwalt seine Ermittlungen gegen beide eingestellt hat.

Haag und Mayer galten als Führungsduo der Roten Armee Fraktion (RAF). Zum Zeitpunkt des Karlsruher Attentats 1977 saßen sie in Haft. Buback hält ihren Anteil an der Planung des Attentats nach Angaben des Senders aber für so gewichtig, dass es seiner Meinung nach zu weiteren Strafverfahren kommen muss.

Zuletzt hatte er einen Prozess gegen die ehemalige Terroristin Verena Becker angestrengt. Sie wurde 2012 wegen Beihilfe zum Mord zu vier Jahren Haft verurteilt. Wer 1977 Bubacks Vater, seinen Fahrer und einen Justizbeamten erschoss, ist bis heute allerdings nicht geklärt.

Di, 2015-05-26 15:20
Berlin (dpa)

Stiftung Warentest: Auf Lippenpflege mit Mineralöl verzichten

Berlin (dpa) - Kosmetika wie Vaseline und Lippenpflegeprodukte sind Untersuchungen der Stiftung Warentest zufolge unerwartet hoch mit kritischen Stoffen aus Mineralöl belastet. Vor allem von Lippenpflegestiften, die aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl (MOAH) enthalten, raten die Verbraucherschützer deshalb ab. MOAH stehen im Verdacht, bei langfristiger Nutzung möglicherweise Krebs zu erregen. Neue, eigentlich für Lebensmittel gedachte Analysemethoden, hätten die hohen Werte sichtbar gemacht, so Stiftung Warentest. Eigentlich sollten auf Mineralöl basierende Kosmetika keine MOAH mehr enthalten. Sie wurden jedoch in allen 25 getesteten Produkten von Gesichtscreme bis Körperöl nachgewiesen.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Risiken für Verbraucher durch die Aufnahme von Mineralölen über die Haut zu erwarten. Allerdings gebe es noch Datenlücken bei der Langzeitanwendung - und unter anderem «hinsichtlich einer möglichen oralen Aufnahme ...aus mineralölhaltigen Lippenstiften oder Handcremes», so das BfR in einer Stellungnahme vom Dienstag. MOAH-Gehalte in Kosmetika sollten deshalb vorsichtshalber auf «unvermeidbare Spurengehalte» reduziert werden, rät das BfR.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Di, 2015-05-26 15:54
Teheran (dpa)

Ruhani: Ära der Hardliner im Iran ist beendet

Teheran (dpa) - Die Zeit politischer Hardliner im Iran ist nach Worten des als moderat geltenden Präsidenten Hassan Ruhani zu Ende. «Wir wollen unsere Probleme mit dem Ausland nur noch mit Hilfe von Argumenten und Verhandlungen lösen», sagte er am Dienstag. Die Mehrheit der Iraner sei für eine Versöhnung mit der Welt, betonte der Präsident des Landes, das seit Jahrzehnten im Verdacht steht, Terrorismus weltweit zu fördern.

Aber es gebe «eine kleine Minderheit», die diesen Richtungswechsel zu verhindern suche. Wen er genau er damit meinte, sagte Ruhani nicht. Das letzte Wort in allen strategischen Fragen hat im Iran jedoch Ajatollah Ali Chamenei.

Gegner einer versöhnlicheren Außenpolitik hatten in den vergangenen Tagen insbesondere Ruhanis Atompolitik scharf kritisiert. Seinem Außenminister und Unterhändler bei dem Atomverhandlungen mit dem Westen, Mohammed Dschawad Sarif, warf ein Abgeordneter sogar «Volksverrat» vor. Sarif soll dem Westen Inspektionen von Militäranlagen zugesagt haben, monierten Vertreter einer harten Linie. Ajatollah Chamenei hatte das abgelehnt.

Der Iran und die fünf UN-Vetomächte sowie Deutschland wollen mehr als zwölfjährige Verhandlungen über eine Begrenzung des iranischen Atomprogramms bis Ende Juni erfolgreich abschließen. Der Westen will sicherstellen, dass der Iran keine Atomwaffen erlangt. Der Iran, der dies stets dementiert hat, will die Aufhebung lähmender Sanktionen.

Di, 2015-05-26 14:56
Bengasi (dpa)

Zivilisten in Bengasi dürfen Kampfgebiete nicht verlassen

Bengasi (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) fordert die Möglichkeit der sicheren Ausreise von Zivilisten aus Kampfgebieten in der libyschen Bürgerkriegsstadt Bengasi. Einheimische Familien und ausländische Bewohner seien in Teilen der Stadt eingeschlossen, teilte HRW am Dienstag mit. Die Zivilisten hätten der Organisation in den vergangenen Tagen mitgeteilt, dass die kämpfenden Milizen ihnen trotz immer schlechterer Lebensbedingungen nicht erlaubten, die Gebiete im Stadtzentrum zu verlassen. 

In der Hafenstadt seien Nahrung und Medizin knapp; zudem gebe es in den meisten Gebieten keinen Strom. «Die beteiligten Kräfte müssen alle denkbaren Vorkehrungen treffen, um die Schädigung von Zivilisten und ihres Eigentums zu minimieren», erklärte HRW-Vertreterin Sarah Leah Whitson.

Nach dem Sturz des Langzeitdiktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen nicht zur Ruhe gekommen. Seit Monaten toben in dem ölreichen Land Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen. In Bengasi kämpfen Anhänger der im östlichen Tobruk sitzenden international anerkannten Regierung gegen ein Islamistenbündnis.

Di, 2015-05-26 15:46
Duisburg (dpa)

Studie: Zulassungszahlen für Elektro-Autos zeigen nach unten

Für Mitte Juni ruft die Bundesregierung zur Nationalen Konferenz für die Elektromobilität nach Berlin. Das Ziel ist gesteckt: weg vom Öl, hin zum grünen Stromtanken. Doch das anspruchsvolle Vorhaben für eine Million E-Autos bis 2020 scheint kaum einzuhalten.

Duisburg (dpa) - Das politische Ziel für mehr per Steckdose ladbare Elektroautos in Deutschland ist einem Branchenexperten zufolge nur noch Träumerei. «Das Kanzlerwort von einer Million Elektroautos im Jahre 2020 ist definitiv nicht erreichbar. Wenn man es trotzdem behauptet, sagt man bewusst die Unwahrheit», sagte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen am Dienstag zu einer bis 2011 zurückreichenden Marktanalyse. Mitte Juni (15./16.) will die Bundesregierung in Berlin ihre jüngsten Erwartungen zu dem Thema präsentieren.

Laut Dudenhöffer schwächelt sowohl der Neuverkauf rein elektrischer Batterie-Fahrzeuge als auch sogenannter Plug-In-Hybride, die normale Verbrenner mit Elektro-Antrieben verbinden, deren Batterien sich per Steckdose aufladen lassen. «Der Markthochlauf der Plug-In-Hybride stockt auf niedrigem Niveau. Es zeichnet sich die gleiche Entwicklung ab wie bei den rein batterie-elektrischen Autos» sagte Dudenhöffer.

Laut Kraftfahrtbundesamt stagnierte der Anteil alternativer Antriebe am Pkw-Bestand 2014 im Vergleich zum Vorjahr bei 1,6 Prozent. Jedoch stellt darunter Flüssiggas mit knapp 500 000 Wagen nach wie vor den mit Abstand größten Anteil. Auch wenn Hybride mit 107 754 Einheiten im gesamten Bestand und Elektroantriebe mit 18 948 Fahrzeugen zuletzt auf sehr niedrigen Niveau kräftig zulegten, bleiben sie angesichts der rund 62,4 Millionen Wagen im gesamten Fahrzeugbestand praktisch unsichtbar - und liegen Längen entfernt vom Millionen-Ziel. Anfang 2015 betrug ihr Anteil 0,2 Prozent. Laut Vorhaben der Politik müssten es bis 2020 auf heutiger Bestandsbasis aber achtmal so viel werden.

Bislang werden E-Autos einer aktuellen Studie zufolge vor allem als Zweitwagen genutzt. Das gilt für 80 Prozent der Befragten einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mehr als die Hälfte der privaten Nutzer von E-Autos wohnen demnach in Gemeinden von weniger als 20 000 Einwohnern. Nur etwa jeder Fünfte der Befragten lebt in einer größeren Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern.

E-Autos werden bisher vor allem in Städten Chancen eingeräumt, weil die Reichweite rein batteriebetriebener Autos nur für kurze Strecken ausreicht und dort öffentliche Ladestationen eingerichtet werden. Doch die Mehrzahl der E-Auto-Nutzer ist laut Studie darauf überhaupt nicht angewiesen. Mehr als die Hälfte gab an, in einem frei stehenden Einfamilienhaus zu wohnen. 92 Prozent der privaten Nutzer hatten so eine Lademöglichkeit auf dem eigenen Grundstück.

Doch laut Dudenhöffer verlieren steckdosentaugliche Fahrzeuge zuletzt sogar - obwohl die Angebotspalette hierzulande mit 43 E-Modellen und 72 Hybriden aktuell so groß wie nie sei. Während der Pkw-Gesamtmarkt im April im Vergleich zum Vormonat saisonüblich 10 Prozent verlor, büßten reine E-Autos 23 Prozent ein und Plug-In-Hybride 21 Prozent. Auch der längere Zeitraum Januar bis Ende April zeige das Problem: Nach 0,32 Prozent Anteil an den Pkw-Neuzulassungen im Frühling 2014 kletterte der Anteil diesen Frühling gerade einmal auf 0,59 Prozent, obwohl zusätzliche Modelle, auch von deutschen Autobauern, dazukamen.

Das CAR-Institut ist mit seiner Mahnung nicht alleine. Auch weitere Branchenexperten halten das Millionen-Ziel ohne Kaufsubventionen für unrealistisch. Das Fraunhofer-Institut sieht Markthochlaufszenarien der E-Autos bis 2020 wegen vieler Unsicherheiten eher bei 150 000 bis maximal gut einer Million. Der Chef des Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart, hält das Millionenziel für «kaum mehr realistisch».

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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