Di, 2015-05-26 07:34
Singapur (dpa)

Ölpreise kaum verändert

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben sich am Dienstag im frühen Handel kaum verändert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete zuletzt 65,53 US-Dollar. Das war ein Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte um acht Cent auf 59,80 Dollar.

Die Ölpreise würden einerseits durch den Konflikt im Irak gestützt, sagten Händler. Andererseits verhindere das weiterhin hohe Angebot an Rohöl merkliche Kursgewinne.

Di, 2015-05-26 06:23
Saltillo/Washington (dpa)

13 Tote bei Tornado in Mexiko - 5 Tote in Texas und Oklahoma

Saltillo/Washington (dpa) - Bei einem Tornado im Norden Mexikos sowie bei Unwettern in den US-Bundesstaaten Texas und Oklahoma sind seit dem Wochenende mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. In Mexiko wurden am Montag bei dem Wirbelsturm in Ciudad Acuña im nördlichen Bundesstaat Coahuila nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen getötet und 229 weitere verletzt. Der Sturm zerstörte zudem rund 750 Gebäude und zahlreiche Fahrzeuge. Das Innenministerium rief den Notstand aus.

«Autos liegen auf den Häusern, tote Menschen auf den Straßen», sagte eine Anwohnerin der mexikanischen Zeitung «La Jornada». «Es ist das totale Chaos.» Fotos, die über Twitter und lokale Medien verbreitet wurden, zeigten das Ausmaß der Katastrophe. Rund 80 Gebäude wurden nach Behördenangaben komplett zerstört. 

Die Rettungsarbeiten dauerten noch an, schrieb Acuñas Bürgermeister Evaristo Lenin Pérez auf Twitter. Mexikos Präsident Enrique Peña wollte mit Vertretern seines Kabinetts in das Katastrophengebiet an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas zu reisen, um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen.

In Texas und Oklahoma wurden bei Tornados am Samstag und Sonntag mindestens fünf Menschen getötet, berichtete die Zeitung «USA Today» am Montag (Ortszeit). Nach massiven Überschwemmungen im Bezirk Hays County südlich von Austin wurden mindestens 12 Menschen vermisst. Dort trat der Blanco-Fluss über die Ufer und riss Autos und Häuser mit. Gouverneur Gregg Abbott sagte vor Journalisten, das Wasser habe die Wucht eines Tsunamis gehabt. «Man kann das nicht mit Zuckerguss zukleistern: Es ist wirklich gewaltig.» Er rief für 37 Bezirke den Notstand aus. Rund 2000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Di, 2015-05-26 06:15
Potsdam (dpa)

Kameras sollen Wald vor Bränden schützen

Die Gefahr ist groß: Ein Drittel aller Waldbrände in Deutschland ereignen sich laut Statistik allein in Brandenburg. Ein Kamera-System soll frühzeitig warnen - auch über Landesgrenzen hinweg.

Potsdam (dpa) - Mit der andauernden Trockenphase steigt die Waldbrandgefahr in Deutschland. Besonders betroffen ist Brandenburg mit seinen ausgedehnten Kiefernwäldern und leichten Sandböden. «Meist löst fahrlässige Brandstiftung das Feuer aus», sagte der Waldbrandschutz-Beauftragte Raimund Engel der Deutschen Presse-Agentur. Ob unerlaubtes Grillen in Waldnähe oder weggeworfene Zigarette - das Kamera-System «Fire Watch» soll die Gefahr bannen.

Frage: Wie funktioniert das System?

Antwort: Wir haben ab dem Jahr 2000 die herkömmlichen Feuerwachtürme durch eine Überwachungstechnik mit optischen Sensoren ersetzt. Landesweit gibt es 108 solcher Sensoren. Diese scannen das Gebiet um sich herum in einem Winkel von 360 Grad ab und melde jede Rauchwolke, die über einer Baumkrone sichtbar ist. Das hat den Vorteil, dass man auch sehen kann, wenn in der Nähe eines Waldes verbotenerweise gegrillt wird. Im Abstand von 50 Metern ist dies untersagt.

Frage: Was geschieht, wenn eine Rauchwolke gemeldet wird? 

Antwort: Die zuständige Feuerwehr wird sofort alarmiert und rückt aus. Um eine Ausbreitung zu vermeiden, sind dabei direkt mehrere Wagen im Einsatz. Für jemanden, der ein Feuer in Waldnähe macht, kann das richtig teuer werden. Wir dokumentieren das und die Aufnahmen werden gespeichert. Es wird Anzeige erstattet.

Frage: Gibt es das System nur in Brandenburg? 

Antwort: Nein, das gleiche System ist auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt installiert. So können wir uns bei der Suche nach dem Brandort unterstützen. Egal, wie die Landesforstverwaltungen jeweils strukturiert sind - alle arbeiten eng zusammen. Darüber hinaus gibt es weltweit großes Interesse an dem System, das seinen Ursprung in der Raumfahrt hat. Eine Berliner Firma hat es zusammen mit uns zu einem Früherkennungssystem weiterentwickelt. Inzwischen ist es beispielsweise in den baltischen Ländern im Einsatz. Es gibt eine Reihe von Ländern, in denen es Pilotprojekte gibt. Auch in den USA wird es getestet.

Frage: Wie groß ist die Waldbrandgefahr derzeit? 

Antwort: Am Pfingstmontag galt landesweit mit der Stufe 3 eine mittlere Waldbrandgefahr, für sechs Landkreise die zweithöchste Warnstufe 4. Das ist in Brandenburg für die Jahreszeit nicht außergewöhnlich. In diesem Jahr wurden jedoch bereits 69 Brände gemeldet, bei denen 72 Hektar Wald zerstört wurden. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 117 Brände mit 27,4 Hektar zerstörtem Wald. Das war ein Regenjahr - und der Schaden damit geringer.

Frage: Wie sah es in den Jahren zuvor aus?

Antwort: 2013 gab es 163 Brände, denen 45 Hektar Wald zum Opfer fielen. Im Jahr zuvor wurden 235 Feuer gemeldet mit 76 Hektar Wald. In dem sogenannten Jahrhundertsommer 2003 lagen die Zahlen deutlich höher: Damals gab es 679 Brände, bei denen 600 Hektar Wald zerstört wurde.

ZUR PERSON: Der gelernte Förster Raimund Engel (51) hat das Frühwarnsystem in Brandenburg mitaufgebaut. Seit 2010 ist er Waldbrandschutz-Beauftragter des Landes.
 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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PRODUKT
der Woche
Di, 2015-05-26 06:13
Gütersloh (dpa)

Studie: Lange Asylverfahren verhindern Integration

Asylbewerber dürfen schon nach drei Monaten in Deutschland eine Arbeit annehmen. So schnell werden Asylverfahren aber selten abgeschlossen - für Arbeitgeber sind die unsicheren Aussichten der Flüchtlinge eine hohe Hürde.

Gütersloh (dpa) - Die lange Ungewissheit beim Asylverfahren verhindert nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die schnelle Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Zwar habe die Bundesregierung die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot für Asylbewerber auf drei Monate verkürzt. Während der Wartezeit aber bleibe der Weg in den Job versperrt. Arbeitgebern sei die Unsicherheit zu hoch, stellt Studienautor Professor Dietrich Thränhardt in der am Dienstag veröffentlichen Untersuchung fest.

Im Schnitt dauere das Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlingen (BAMF) 7,1 Monate. Eritreer mit einer hohen Quote bei der Anerkennung aber warteten schon im dritten Quartal 2014 im Durchschnitt 10,1 Monate, Afghanen 16,5 Monate und Pakistani sogar 17,6 Monate.

Eine große Mehrheit der Deutschen befürwortet eine schnellere Aufnahme von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt. Laut Studie sprechen sich 84 Prozent der Bundesbürger dafür aus. Bei der selben von TNS Emnid erstellten Umfrage äußerten 40 Prozent der Befragten allerdings die Meinung, dass Deutschland bereits jetzt an seine Belastungsgrenze bei der Aufnahme von Flüchtlinge stoße.

«Die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine wichtige humanitäre Aufgabe», sagt Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. «Je erfolgreicher und schneller die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, desto eher können Bedenken entkräftet werden.»

Die Studie empfiehlt der Politik ein ganzes Maßnahmen-Bündel, um die Integration zu beschleunigen. Vorrang müsse haben, den Bearbeitungsstau bei den Asylverfahren aufzuheben. Die Studie beklagt, dass in keinem anderen EU-Land dieser Stau so lang sei. Bis Ende Februar 2015 sei die Zahl der offenen Anträge auf 243 820 angewachsen. Dräger begrüßt zwar die Ankündigung, dass das zuständige Bundesamt 2000 zusätzliche Stellen bekommt. Die Qualität der Entscheidungen müsse aber auch verbessert werden. 13 Prozent der Asylbescheide würden von den Gerichten korrigiert.

Bereits während der Wartezeit sollten die Asylbewerber Deutsch lernen können, laut Studie ist das aber bislang nur in fünf Bundesländern möglich. Zusätzlich sollten Ausbildungsstand, Arbeitserfahrung und Berufsperspektiven erfasst und an die Bundesanstalt für Arbeit weitergereicht werden. So könne, so die Studie, spätestens nach drei Monaten die aktive Arbeitsvermittlung starten.

Di, 2015-05-26 06:00
Gütersloh (dpa)

Studie: Lange Asylverfahren verhindern Integration

Gütersloh (dpa) - Die lange Ungewissheit bei Asylverfahren verhindert nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die schnelle Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Im Schnitt dauert das Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlingen (BAMF) 7,1 Monate. Zwar habe die Bundesregierung die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot für Asylbewerber auf drei Monate verkürzt. Während der Wartezeit aber bleibe der Weg in den Job versperrt. Arbeitgebern sei die Unsicherheit zu hoch, stellt Studienautor Professor Dietrich Thränhardt in der am Dienstag veröffentlichen Untersuchung fest. Eine große Mehrheit der Deutschen befürwortet dagegen eine schnellere Aufnahme von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt. Laut Studie sprechen sich 84 Prozent der Bundesbürger dafür aus.

Di, 2015-05-26 05:05
Potsdam (dpa)

Waldbrandgefahr hoch wegen Trockenheit - Kamera-System warnt

Potsdam (dpa) - Die Waldbrandgefahr in Deutschland steigt mit der andauernden Trockenphase in vielen Regionen. Besonders betroffen ist Brandenburg mit seinen ausgedehnten Kiefernwäldern und leichten Sandböden. «Meist löst fahrlässige Brandstiftung das Feuer aus», sagte der Waldbrandschutz-Beauftragte Raimund Engel der Deutschen Presse-Agentur. Ob unerlaubtes Grillen in Waldnähe oder weggeworfene Zigarette - das Kamera-System «Fire Watch» soll die Gefahr schnell erkennen. Die Überwachungstechnik mit optischen Sensoren ersetzt die herkömmlichen Feuerwachtürme.

Das System, das seinen Ursprung in der Raumfahrt hat, ist laut Engel auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt installiert. Darüber hinaus gebe es weltweit großes Interesse und eine Reihe von Ländern mit Pilotprojekten.

Für Brandenburg herrscht bislang keine außergewöhnliche Waldbrandgefahr. Allerdings wurden den Behörden zufolge bereits 69 Brände gemeldet, die 72 Hektar Wald zerstörten. Im vergangenen Jahr - einem Regenjahr - gab es insgesamt 117 Brände mit 27,4 Hektar zerstörtem Wald. In «Jahrhundertsommer» 2003 lagen die Zahlen laut Waldbrandschutz-Beauftragtem deutlich höher: Damals gab es 679 Brände, bei denen 600 Hektar Wald zerstört wurde.

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Di, 2015-05-26 05:30
Hamburg (dpa)

Shell und HEM nutzen transparenten Benzinmarkt für neue Rabattmodelle

Eigentlich sollte die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes dem Verbraucher die billigste Tankstelle aufzeigen. Nun nutzen auch Anbieter die offiziellen Daten, um sich im Wettbewerb zu profilieren.

Hamburg (dpa) - Die Tankstellenkette Shell führt an ihren 2000 Stationen in Deutschland ein neues Preis- und Rabattmodell ein, das auf den Daten der amtlichen Markttransparenzstelle aufsetzt. An der Kasse werden die gerade gültigen Preise der Shell-Tankstelle mit den Preisen der zehn nächstgelegenen Stationen verglichen und für den Kunden so angepasst, dass er höchstens zwei Cent je Liter mehr zahlt als beim günstigsten Anbieter in der Umgebung.

«Damit wollen wir den Kunden die Garantie bieten, dass sie fair und günstig tanken», sagte Tankstellenchef Patrick Carré in Hamburg. Das Angebot richtet sich an die rund sechs Millionen Inhaber der Shell-Rabattkarte ClubSmart. Es gilt nicht für andere Tank- und Flottenkarten und kann nicht mit anderen Rabattangeboten kombiniert werden. ADAC-Mitglieder können demnach bei Shell entweder einen Cent je Liter billiger tanken oder den automatischen Preisvergleich mit der ClubSmart-Karte in Anspruch nehmen, aber nicht beides.

Der zweitgrößte Anbieter im deutschen Kraftstoffmarkt reagiert damit auch auf die häufigen und starken Preisschwankungen an den Tankstellen. Die Preise ändern sich bis zu acht Mal täglich und schwanken um bis zu 20 Cent. «Wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die Kunden dadurch verunsichert sind», sagte Carré. «Sie verstehen nicht mehr, wie die Preise zustande kommen.» Zu einer Prognose, ob das Shell-Modell zu einer Beruhigung des hektischen Marktes beitragen kann, wollte sich der Tankstellenchef nicht bewegen lassen. «Das wäre reine Spekulation.»

Shell ist der größte, aber nicht der einzige Anbieter im deutschen Markt, der die Daten der Markttransparenzstelle nutzt. Das Internetportal clever-tanken.de und die Tamoil-Gruppe mit ihrer Tankstellenmarke HEM sind eine Kooperation eingegangen. Wer über die App von clever-tanken bei der Tankstellensuche eine HEM-Tankstelle unter den Treffern hat, kann bei dieser den Tiefstpreis im Umkreis von fünf Kilometern geltend machen. Der Preis wird in der App gespeichert und muss innerhalb von 30 Minuten eingelöst werden. Dafür ist keine Anmeldung oder Mitgliedschaft erforderlich.
 

Di, 2015-05-26 05:00
Köln (dpa)

Ruhestand im Zoo - Wenn Tiere ins Rentenalter kommen

Die Zähne fallen aus, die Augen werden schwächer - auch Zootiere kommen ins Rentenalter. Tierpfleger kümmern sich mit viel Aufwand um ihre greisen Schützlinge.

Köln (dpa) - Chico reißt sein Maul auf. Viele Zähne hat er nicht mehr in seinem Gebiss. Seine Finger sind krumm, sein rötliches Fell wirkt schütter - Chico ist ein echter Brüllaffen-Senior. Mit seinen 29 Jahren hält er den Rekord, sagt Kurator Alexander Sliwa. Früher hat Chico als Leierkastenaffe auf Teneriffa gearbeitet, heute verbringt er seinen Ruhestand im Kölner Zoo.

Arthrose, Bandscheibenschäden, Zahnprobleme, grauer Star. Tiere bekommen im Alter die gleichen Beschwerden wie Menschen. «Manche werden sogar etwas kauzig», sagt Sliwa. Der Luxus im Zoo: Pflegenotstand gibt es eher nicht, denn hier kümmert sich ein Tierarzt um die Altersleiden der Tiere. Erfolgreich. Im Schnitt werden Tiere in der Natur nur halb so alt wie im Zoo.

«Alle wollen immer nur klein und niedlich», beschreibt Sliwa das Dilemma der Zoos. Die Tierbabys seien die Stars. Ein alter Klunkerkranich von 48 Jahren, träge Krokodilsenioren oder ein alter Orang-Utan seien dagegen nicht so beliebt. Tilda ist mit ihren knapp 50 Jahren schon eine reifere Orang-Utan-Dame. Sie bewegt sich langsam, und auf ihren Fingern zeichnen sich schon die Altersflecken ab. Im Kölner Zoo ist Tilda von den anderen Orang-Utans getrennt. «Die Jüngeren würden Sie nicht in Ruhe lassen», sagt Kurator Sliwa.

Alte Tiere seien weniger flexibel, nicht mehr so wendig. Bei den Roten Varis bemerkt Sliwa, dass das älteste Vari-Weibchen Tanja den Kopf ständig schief hält. «Die hat bestimmt einen Schlag bekommen», vermutet er. Varis sind Halbaffen aus Madagaskar. Tanja ist noch dort geboren. Jetzt lebt die 30-Jährige mit ihrem 29-jährigen Mann Trouble getrennt von den jüngeren Varis im Kölner Zoo.

Eine Senioren-WG gibt es auch bei den Elefanten im Allwetterzoo Münster. Die drei Asiatischen Elefantenkühe Rada (48), Kanaudi (49) und Tefi (49) leben mit drei jüngeren Elefanten zusammen. «Wenn ein Elefant 60 wird, ist das ein echtes Highlight», erklärt Kurator Dirk Wewers. Das wäre mit einem über 100-jährigen Menschen vergleichbar. Das Alter merke man den Dickhäutern aber nicht an. «Nur Rada sieht ein bisschen eingefallener aus», sagt Wewers.

Saftiges Fleisch ohne viel Knochen gibt es für das betagte Löwenpaar (beide 17) im Zoo Duisburg. Normalerweise würden Raubkatzen nur etwa 15 Jahre alt, erklärt Biologe Volker Grün. Im Zoo gibt es deswegen altersgerechte Nahrung. «In der Natur kriegen die alten Tiere das, was die anderen ihnen übriglassen», sagt Grün.

Vielen Tieren sehe man ihr hohes Alter gar nicht an. Der Siamang Jupp sei mit seinen 40 Jahren immer nach aktiv und aufmerksam, erzählt Grün. Die alten Tierpfleger kennen den Affen, seit sie vor Jahrzehnten im Zoo angefangen haben.

Dabei muss über die Jahre hinweg nicht immer eine enge Freundschaft entstehen: Manche Tierpfleger mag Brüllaffe Chico einfach nicht, erzählt Wolfgang Schmiedeberg im Kölner Zoo. Auch ihn, normalerweise einer von Chicos Lieblingspflegern, begegnet der Brüllaffe an manchen Tagen mit Drohgebärden. «Dann sage ich: Ich bin's doch. Und dann erkennt er mich», erzählt Schmiedeberg, während er mit seiner Kollegin das Essen für die Affen vorbereitet. Für den alten Chico wird natürlich auch ein bisschen weiches Gemüse dabei sein.
 

Di, 2015-05-26 04:30
Nürnberg (dpa)

«Nah am Kunden»: In offenem Labor können Nutzer Produkte entwickeln

Viele Verbraucher würden sich gerne an der Entwicklung von Produkten beteiligen. Auch für viele Unternehmen ist eine solche frühe Kundenbindung nützlich. Online ging das schon länger. In Nürnberg kann man neue Produkte nun beim Einkaufsbummel testen und bewerten.

Nürnberg (dpa) - An der Kamera sitzt der Auslöser an der falschen Stelle, die Tastatur des Handys ist für die Finger zu klein oder die Sitzbezüge im Auto gibt es nur mit grässlichen Mustern: Oft ärgern sich Kunden über Details von Produkten. Manche wünschen sich dann, dass sie schon bei der Entwicklung ein Wörtchen hätten mitreden können. Und immer mehr Firmen machen sich genau das zunutze.

Im Internet gibt es schon länger viele Möglichkeiten, sich in Produktentwicklungen einzumischen. In einem kleinen Laden in der Nürnberger Innenstadt kann man Prototypen oder Dienstleistungen in die Hand nehmen, testen und seine Meinung dazu abgeben. Das «Josephs» wird an diesem Mittwoch (27. Mai) ein Jahr alt.

Namensgeber für das vom Wirtschaftsministerium geförderte Projekt des Fraunhofer-Instituts und der Universität Erlangen-Nürnberg war Joseph von Fraunhofer. Die Idee hinter dem etwa 400 Quadratmeter großen offenen Labor erklärt Projektleiter Frank Danzinger so: «Der Nutzer sagt, was er gerne hätte.» Die Unternehmen könnten ihre Produkte dadurch bereits in einem sehr frühen Stadium besser auf die verschiedenen Bedürfnisse zuschneiden und Fehler ausmerzen.

Derzeit gibt es im «Josephs» bereits die fünfte «Themenwelt». Unter dem Motto «Zukunft Handel» präsentieren sich eine Hand voll Unternehmen. Eines hat eine Einkaufsberater-App entwickelt, die etwa Allergiker auf mögliche Unverträglichkeiten in Lebensmitteln hinweist. Eine andere Firma arbeitet mit elektronischen Werbetafeln, die sich per Kamera und Gesichtserkennung auf den jeweiligen Betrachter einstellen.

Die Voraussetzung für eine Präsentation im «Josephs» ist, dass die Besucher etwas anfassen, ausprobieren, mit dem Produkt interagieren können. «Es soll nicht nur das bloße Anschauen wie auf einem Messestand sein», sagt Danzinger. Manche Firmen haben auch extra Fragebögen entwickelt, die die Besucher ausfüllen können. Für alles, was dort keinen Platz findet, gibt es Klebezettel. Die Gäste geben etwa an, ob sie das Produkt überhaupt nutzen würden oder welchen Preis sie dafür bezahlen würden. Etwa 30 Besucher zählt das «Josephs» im Schnitt pro Tag. Samstags kommen die meisten. Und sie bleiben zwischen 30 und 60 Minuten. Am Ende der dreimonatigen Themenwelt bekommen die Firmen dann eine Auswertung der Erkenntnisse.

Gerade für neue kleine Firmen ist das ein Service, den sie sich sonst nicht leisten könnten - wobei sie auch für die Zeit im «Josephs» einen erklecklichen Betrag bezahlen müssen. Thomas Harmes vom Duisburger Startup Mifitto ist dennoch mit der Zeit im «Josephs» zufrieden: «Für uns war das optimal.» Mit einer Mannschaft von damals sechs Leuten hätte er nicht so leicht ein paar Mann für die Marktforschung abstellen können. Die Firma bietet Größenberatung bei Kleidung und Schuhen an - unter anderem mit einem Fußscanner. «Durch das Josephs haben wir herausgefunden, dass die Kunden immer an eine Ecke des Scanners stoßen. Die haben wir dann weg gemacht.» Auch die Software sei danach verändert worden.

Genau auf diese Rückmeldungen von Kunden wollen immer weniger Firmen verzichten. Denn die frühe Einbindung lässt nicht nur Schwachstellen von Produkten früh zutage treten; auch die Bindung des Verbrauchers an das Unternehmen wächst. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Produkt kauft, das man selbst mitentwickelt hat, ist groß. BMW etwa lädt in seinem Co-Creation Lab im Internet zum Mitentwickeln ein und auf der Web-Plattform «Unseraller» können Verbraucher über Nagellack-Kollektionen abstimmen oder ihre Ideen für den Innenraum eines Fords abgeben. Und Haribo ließ über Gummibärchen abstimmen.

«Die Idee ist es, nah am Kunden zu sein», sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Angela Roth von der Uni Nürnberg. «Man will nicht im stillen Kämmerlein ein Produkt entwickeln, das dann vielleicht hilft, vielleicht aber auch nicht.» Der Vorteil des «Josephs» im Vergleich zu Online-Plattformen sei, dass man hier auch Leute erreiche, die nichts mit dem Internet am Hut haben oder ganz zufällig vorbei kommen. Man könne so auch ganz neue Kunden erreichen. Im Internet beteiligten sich meist nur Menschen, die ohnehin schon Fans einer Marke sind.

Die Gegenstrategie des absolut geheimen Entwickelns, wie etwa Apple sie betreibt, funktioniere nur bei großen Namen und mit einer gezielten Strategie, die einen Hype um ein Produkt aufbaut. «Das funktioniert für Apple, aber nicht bei einem unbekannten Start-Up.»
 

Di, 2015-05-26 03:30
Hamburg (dpa)

Shell nutzt Markttransparenz für neues Preismodell an Tankstellen

Hamburg (dpa) - Die Tankstellenkette Shell führt an ihren 2000 Stationen in Deutschland ein neues Preis- und Rabattmodell ein, das auf den Daten der amtlichen Markttransparenzstelle aufsetzt. An der Kasse werden die gerade gültigen Preise der Shell-Tankstelle mit den Preisen der zehn nächstgelegenen Stationen verglichen und für den Kunden so angepasst, dass er höchstens zwei Cent je Liter mehr zahlt als beim günstigsten Anbieter in der Umgebung. Damit wolle Shell den Kunden die Garantie bieten, dass sie fair und günstig tanken, sagte Tankstellenchef Patrick Carré in Hamburg. Das Angebot richtet sich an die sechs Millionen Inhaber der Shell-Rabattkarte ClubSmart.

Di, 2015-05-26 02:40
Berlin/Brüssel (dpa)

Hilfsorganisation: Deutschland muss mehr für die Ärmsten der Welt tun

Berlin/Brüssel (dpa) - Die Hilfsorganisation ONE fordert von Deutschland mehr Unterstützung für die ärmsten Länder der Welt. Die Bundesregierung solle bis 2020 die Hälfte ihrer Mittel für Entwicklungszusammenarbeit an die am wenigsten entwickelten Länder geben, verlangt die Hilfsorganisation in einem Bericht am Dienstag. Der Deutschland-Direktor von ONE, Tobias Kahler, sagt: «Die Ärmsten - und dabei vor allem Frauen und Mädchen - müssen in den Mittelpunkt aller Entwicklungsbemühungen gestellt werden.»

Die EU-Entwicklungsminister wollen am heutigen Dienstag in Brüssel eine gemeinsame Position für die Internationale Konferenz über Entwicklungsfinanzierung im äthiopischen Addis Abeba Mitte Juli festlegen. Die knapp 50 ärmsten Länder der Welt liegen vor allem in Afrika und Asien; die Liste reicht von Afghanistan bis zum südpazifischen Inselreich Vanuatu.

Deutschlands Entwicklungshilfe für diese Länder ist laut dem ONE-Bericht in den vergangenen Jahren stetig gesunken. 2012 seien noch 26 Prozent der gesamten Mittel dorthin gegangen, dies entsprach 3,432 Milliarden Euro. Ein Jahr später seien es nur noch 24 Prozent gewesen (3,428 Milliarden Euro). Für das vergangene Jahr liege die entsprechende Zahl noch nicht vor; insgesamt habe die Bundesregierung rund 16 Milliarden für Entwicklungshilfe ausgegeben. Mit einer Aufstockung der Mittel könne Deutschland Vorreiter sein für die G7-Verhandlungen im Juni in Bayern.

ONE ist eine internationale Hilfsorganisation, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten in Afrika einsetzt. Sie hat nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Unterstützer.

Di, 2015-05-26 01:30
Kathmandu (dpa)

«Nägel aus Schutthaufen»: Menschen in Nepal bauen wieder auf

Das große Erdbeben in Nepal vor einem Monat hat vielen Menschen den Boden unter den Füßen weggezogen. Sie verloren Angehörige, Häuser, Erinnerungsstücke. Im Schutt suchen sie nach den Überresten des alten Lebens - und bauen sich ein neues auf.

Kathmandu (dpa) - Irgendwo zwischen den ungeheuren Mengen an kaputten Ziegelsteinen, zerbröckeltem Lehm und zersplittertem Holz stand einmal das Zuhause von Manbhadur Tamang. «Das Haus hatten wir von unserem Vater geerbt. Und jetzt ist es einfach weg», sagt er. Mehr als 200 der rund 250 kleinen Häuschen in seinem Dorf Ramkot in Nepal stürzten bei dem Himalaya-Erdbeben vor einem Monat ein. Der ganze Bergrücken gleicht seitdem einem Trümmerfeld.

Unter den Tausenden Toten der Tragödie waren auch Tamangs Bruder und seine Schwägerin. Dennoch schöpfte er bald wieder Hoffnung. Denn das ein Jahr alte Baby der beiden überlebte. Es hing während des Erdbebens am 25. April gegen die Mittagzeit in einem Weidenkorb vom Dachsims - und wurde mehrere Stunden nach dem Hauseinsturz aus den Trümmern gezogen. «Es war wie ein Wunder», sagt Tamang.

Der Bauer machte sich - wie Tausende andere in Nepal - an den Wiederaufbau. Vor der Stelle, wo einst sein Haus stand, haben er und freiwillige Helfer aus der Hauptstadt Kathmandu einen Stahlrahmen errichtet. Der Ingenieur Ashish Mallik erklärt, die neue Konstruktion halte einem Erdbeben eher stand als Lehm und Ziegel. Und selbst wenn sie einfiele, würden die Bewohner weniger schwer verletzt, weil die Materialien leichter sind. «Wir bauen die Häuser aus einem Stahlrahmen, Wellblechdach und Bambuswänden», sagt er.

Zu den zahlreichen Anpackern gehört auch Binod Chaudhary, der einzige Milliardär in dem bitterarmen Land. Er finanziere den Bau von 1000 Häusern und treibe Geld für 9000 weitere Häuser von anderen Reichen in den Nachbarländern ein, sagte er dem Magazin «Forbes». Die Zeit drängt. In zwei bis drei Wochen beginnt die Regenzeit, dann werden alle Bauarbeiten ruhen müssen. «Wenn der Monsun vorbei ist, folgt direkt der Winter», erklärt Michael Frischmuth von der Diakonie Katastrophenhilfe.

Johanna Mitscherlich von der Hilfsorganisation Care beschreibt die Schwierigkeiten bei dem Wettlauf gegen die Zeit: «Manche Gebiete in Nepal sind so abgelegen, dass nur Helikopter hinkommen. Oder wir wandern selber, mit lokalen Trägern, die wir anstellen», sagt sie. Dabei treffe sie in den Dörfern auf Menschen, die von früh bis spät arbeiten und überall mit anpacken. «Die Überlebenden holen sogar einzelne Nägel aus den Schutthaufen, um sie wiederzuverwenden.»

Manche Bauern wie Tamang in Ramkot bestellen derzeit die Felder, um das Aussetzen der Reissetzlinge im Monsun vorzubereiten. Wird dieses Jahr kein Reis geerntet, werde das Millionen von Menschen langfristig von Nahrungsmittelhilfe abhängig machen, erklärten die Vereinten Nationen. Während Tamang pflanzt, versorgen die Nonnen des nahe gelegenen Seto-Gumba-Klosters die Menschen mit Reis, Salz, Öl und Planen. Eigentlich sind die Nonnen für ihre Kung-Fu-Künste bekannt, nun aber leisten sie Nachbarschaftshilfe.

Nepal steht beim Wiederaufbau vor einer gewaltigen Aufgabe. Nach offiziellen Angaben sind mehr als eine halbe Million Häuser eingestürzt. Viele weitere Gebäude haben so schwere Schäden, dass sie unbewohnbar sind. Dazu gehört auch das Haus von Dipa Thapa in Kathmandu, das nun auf Nachbarhäuser zu stürzen droht. «Ich hatte mein Haus vor sieben Jahren mit Hilfe eines Kredits gebaut», erzählt er. «Nun verlangen die Bauarbeiter 700 000 Rupien (6300 Euro) für den Abriss. Deswegen bin ich auf der Suche nach einem Kredit, um das Haus einzureißen, das ich damals gebaut habe.»
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Di, 2015-05-26 01:30
Münster (dpa)

Multiple Sklerose - die «Krankheit der 1000 Gesichter»

Zum Welt-MS-Tag am 27. Mai schauen die Forscher vorsichtig optimistisch auf diese Krankheit. Das Risiko von Nebenwirkungen von helfenden Medikamenten wird immer besser beherrschbar. Heilbar ist die Krankheit aber noch nicht.

Münster (dpa) - Maria Eifrig hat Multiple Sklerose (MS). Die 59 Jahre alte Programmiererin sitzt im Rollstuhl. Spastiken durchzucken ihren Körper. Mit 43 Jahren bekam sie die Diagnose. Bis ins Jahr 2007 ging es rapide bergab. Die Krankheit griff ihr Nerven- und Immunsystem an. Dank ihres elektrischen Rollstuhls aber ist sie viel beweglicher geworden. «Ich kann mich mit ihm aufrichten, ja sogar stehen. Ich mache sogar Sport damit», sagt Maria stolz. Mit Sport meint sie aber nicht das, was Gesunde beim Joggen oder Fußballspielen machen.

Maria Eifrig richtet sich mit Hilfe ihres schwenkbaren Rollstuhls auf und bewegt möglichst viele Muskelgruppen. Maria strahlt. Für sie ist selbst das Tippen am Computer Training. Maria gehört zur MS-Selbsthilfegruppe in Münster. Bei der Krankheit entzünden sich Teile des Nervensystems im Rückenmark oder Gehirn. In Deutschland sind geschätzt rund 200 000 Menschen an MS erkrankt. Kaum ein Fall gleicht dem anderen, wie Experten zum Welt-MS-Tag am 27. Mai betonen.

«Die meisten Menschen denken, dass MS automatisch in den Rollstuhl führt, das ist natürlich Quatsch», sagt eine Besucherin des MS-Sonntags-Cafés. Ein Blick in die Runde bei Kaffee und Kuchen gibt ihr Recht. MS hat den Beinamen «Krankheit der 1000 Gesichter». An diesem Tag sind Besucher aus dem ganzen Münsterland gekommen. Christoph Carstensen (50) hat die Diagnose mit 27 Jahren erhalten. Nur wenn es ganz blöd läuft, sitzt er mal im Rollstuhl. Er nutzt auch einen Stock oder Rollator als Gehhilfe. Es geht aber auch ganz ohne. Das beweist auch die Krankengeschichte von Thomas Nienhaus. Der 54-Jährige lebt seit 21 Jahren mit der Krankheit.

Er hat pro Jahr zwei Schübe. Seine Therapie mit Interferon aber schlägt gut an. Das ist für die Mediziner bei MS immer die Krux. Wie wirkt ein Mittel? Und wenn es wirkt, welche Nebenwirkungen kann es haben? «Wir wollen diese Erkrankung bestmöglich kontrollieren. Aber die Patienten müssen für sich entscheiden, ob sie bereit sind, zum Beispiel eine tödliche Virus-Infektion im Gehirn zu riskieren. Das Risiko dafür ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen 1:100 und 1:10 000», sagt Prof. Heinz Wiendl von der Uniklinik Münster. Dann könnte die sehr wirksame Therapie tödlich enden. Grund: Das Medikament schwächt das Immunsystem.

Nach seiner Meinung macht die Forschung gerade in dieser Frage aktuell große Fortschritte. «Mit Hilfe von bestimmten Biomarkern im Blut können wir das Risiko für einen Patienten besser einschätzen», sagt Wiendl. Damit wird die Frage, welches Medikament ist für welchen Patienten das richtige, einfacher zu beantworten. Als Wissenschaftler und Vorsitzender der Stiftung Neuromedizin will er diese Entwicklung vorantreiben.

«Ich habe mich vor über 20 Jahren entschieden, an einer Studie teilzunehmen. Damals konnte mir niemand sagen, ob das Mittel hilft», sagt Nienhaus. Heute weiß er, dass seine Entscheidung richtig war. Beherrschbar ist MS noch nicht. Neurologe Wiendl glaubt: «In 10, vielleicht 20 Jahren sind wir soweit.»

«Die MS-Diagnose ist längst kein Todesurteil mehr. Neuen Patienten kann sehr effizient geholfen werden und sie können mit MS sehr lange leben», sagt Prof. Burkhard Becher von der Universität Zürich. Nach seiner Meinung ist die Forschung zwar sehr weit weg von einer endgültigen Heilung der MS und bei der Entwicklung eines Impfstoffes sieht er ebenfalls schwarz. Klar sei aber, dass über 100 ermittelte MS-Risikogene für die Steuerung des Immunsystems verantwortlich sind. Daher sei die Krankheit in erster Linie eine Immunerkrankung, die im zweiten Schritt zu Schäden im Gehirn führt. Burkhard Becher forscht in der Schweiz am Institut für Experimentelle Immunologie.

Becher nutzt gerne das Bild von der Karies. «Beim Gang zum Zahnarzt haben Sie anschließend auch nicht den Karies besiegt. Aber der Arzt konnte Ihnen mit einer Behandlung den Schmerz nehmen, in dem er zum Beispiel ein Loch mit einem Ersatzstoff gefüllt hat.» Vergleichbar sei das auch bei der MS. Als großen Fortschritt bezeichnet der Forscher, dass Patienten nicht mehr wie früher täglich Injektionen über sich ergehen lassen müssen. Wirksame Medikamente gibt es heute als Tabletten oder monatlichen Injektionen.

«Die Zukunft gehört den Forschern, denen die sogenannte Neuroprotektion gelingt, wenn also zerstörtes Gewebe wieder hergestellt werden kann», sagt Becher. Bislang sei das aber noch nicht einmal im Ansatz gelungen. Becher warnt da vor falschen Hoffnungen.
 

Di, 2015-05-26 01:31
Münster (dpa)

Multiple Sklerose

Münster (dpa) - Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei der Entzündungen im Rückenmark und Gehirn auftreten. Diese Entzündungen verhindern, dass Signale sinnvoll innerhalb des Körpers übertragen werden. Dabei treten mehrere, also multiple, Entzündungsherde auf. Vernarbtes Nervengewebe wird als sklerosiert bezeichnet - daher der Name Multiple Sklerose.

Am Anfang der MS steht allerdings eine Erkrankung des Immunsystems. Über 100 MS-Risikogene sind identifiziert, die für die Steuerung des Immunsystems verantwortlich sind. Deshalb wird MS auch als Auto-Immunerkrankung bezeichnet.

Betroffen von der Diagnose sind in der Regel Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft trifft es Frauen doppelt so häufig wie Männer. In Deutschland sind rund 200 000 MS-Patienten betroffen.

Der Krankheitsverlauf ist höchst unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von einem gutartigen Verlauf mit abgeheilten Entzündungen bis zum schubförmigen Verlauf, bei dem sich die Situation des Patienten über Jahre verschlechtert. Der Verlauf der MS ist allerdings nicht vorhersehbar. Das ist für Patienten und Angehörige eine zusätzliche, hohe psychische Belastung.

Di, 2015-05-26 00:26
Washington (dpa)

Nach Kritik der Militärs: Biden lobt irakische Soldaten

Washington (dpa) - Nach der Schelte von US-Verteidigungsminister Ashton Carter wegen des mangelnden Kampfeswillens irakischer Soldaten hat sich Vizepräsident Joe Biden am Montag um Schadensbegrenzung bemüht. In einem Telefonat mit dem irakischen Regierungschef Haidar al-Abadi lobte er die «enormen Opfer und Tapferkeit» der irakischen Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Wie das Weiße Haus weiter mitteilte, sagte Biden dem Irak die weitere Unterstützung der USA im Kampf gegen den IS zu.

Am Vortag hatte Carter mit Blick auf den irakischen Rückzug aus der Provinzhauptstadt Ramadi vor anrückenden, zahlenmäßig schwächeren IS-Einheiten den mangelnden Kampfeswillen der irakischen Soldaten kritisiert. «Die irakischen Truppen haben einfach keinen Willen zum Kampf gezeigt», sagte Carter. «Wir können sie ausbilden, wir können ihnen Ausrüstung geben, aber wir können ihnen keinen Willen zum Kampf geben», führte Carter in dem Interview des Senders CNN aus.

Regierungschef Al-Abadi entgegnete auf diese ungewöhnlich harsche öffentliche Kritik, dass Carter wohl «mit falschen Informationen gefüttert» worden sei. Er kündigte die Rückeroberung von Ramadi «innerhalb von Tagen» an, berichtete der Sender BBC. Der IS hatte Ramadi vor knapp einer Woche erobert.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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