Di, 2015-04-21 16:15
Hamburg/Brüssel (WWF)

Gelbe Karte für Thailands Fischerei

WWF und EJF unterstützen die Sanktionsandrohungen der EU gegenüber Thailand im Zusammenhang mit illegaler Fischerei

Wegen Verstößen gegen internationales Fischereirecht droht Fisch aus Thailands Fischerei ein Importstopp in die EU. WWF und EJF begrüßen die heute von der Europäischen Kommission in Form einer „gelben Karte“ verhängte Warnung an Thailand, das nur unzureichend gegen die illegale, nicht dokumentierte und nicht regulierte Fischerei (IUU-Fischerei) vorgeht. Thailand ist weltweit der drittgrößte Exporteur für Fischereierzeugnisse. 2013 importierte die Europäische Union Fischereierzeugnisse im Wert von 736 Millionen Euro aus Thailand.  Auch Deutschland ist ein wichtiger Markt, hierzulande  stammen ca. 14 Prozent der importierten Garnelen, 10 Prozent der importierten Tintenfische und 6 Prozent der Thunfischkonserven aus Thailand.

Trotz mehrmonatiger, bilateraler Verhandlungen mit der EU hat Thailand seine Defizite bei der Bekämpfung der IUU-Fischerei noch immer nicht in ausreichendem Maße behoben und steht im Verdacht, gegen internationales Fischereirecht zu verstoßen. Die gelbe Karte ist somit ein Weckruf für Thailand, in den kommenden Monaten geeignete Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, um die Verhängung einer roten Karte zu verhindern, die einen Importstopp für thailändische Fischereierzeugnisse in die EU zur Folge hätte. Obwohl nur Fisch mit Fangzertifikat aus Drittländern in die EU eingeführt werden darf, gelangen laut Studien jährlich etwa 500.000 Tonnen illegal gefangener Fisch mit einem Wert von 1,1 Milliarden Euro auf den europäischen Markt.

„Illegale Fischerei ist ein Geschäft, mit dem Milliarden verdient und die Meere geschädigt werden. Illegal gefangener Fisch gehört nicht auf die Teller. Die gelbe Karte ist ein wirksames Druckmittel, damit bestehendes Fischereirecht auch eingehalten wird“, sagt Catherine Zucco, Fischereiexpertin des WWF. „Thailand muss nun entsprechende Maßnahmen ergreifen und mit der Europäischen Kommission zusammenarbeiten, damit die Verwarnung zurückgenommen werden kann.“

„Die thailändischen Behörden üben nur eine sehr geringe Kontrolle über die Fischereifahrzeuge ihres Landes aus. Zahlreiche illegale Aktivitäten schädigen sowohl Fischbestände als auch Meeresumwelt. Damit einher gehen in hohem Maße ausbeuterische und unmenschliche Arbeitsbedingungen, unter anderem mit sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen und extremer Gewalt“, so Steve Trent, Executive Director der Environmental Justice Foundation (EJF).

Zwar hat Thailand vor kurzem Maßnahmen zum Schutz der Arbeitskräfte im Fischereisektor ergriffen, doch die eigentliche Herausforderung besteht darin, Gesetze und Regulierungen durchzusetzen. „Es besteht ein rascher Handlungsbedarf seitens der thailändischen Regierung, um die Kontrolle der thailändischen Flotte zu verstärken und dieser ökologischen und humanitären Katastrophe ein Ende zu setzen“, resümiert Steve Trent.

Parallel zur Verhängung der gelben Karte für Thailand hat die Kommission die Sanktionsandrohungen für Südkorea und die Philippinen aufgehoben.  Südkorea wurde im November 2013 mit einer gelben Karte verwarnt, die Philippinen im Juni 2014.
 

Di, 2015-04-21 15:42
Berlin (dpa)

Ausnahme Putin - Immer weniger Russen lernen Deutsch Von Christoph Sator, dpa

Alle fünf Jahre gibt es eine Studie, wie es weltweit mit der deutschen Sprache steht. Neuester Trend: Deutsch ist wieder im Kommen. In Russland allerdings geht es steil bergab. Warum?

Berlin (dpa) - Es gibt sie noch, die ausländischen Staatsmänner, die richtig gut Deutsch sprechen. Der rumänische Präsident Klaus Johannis gehört dazu, der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu, vor allem aber Wladimir Putin. Russlands Präsident hat Deutsch in der Schule gelernt, war für den sowjetischen Geheimdienstes KGB in Dresden und lange Zeit auch noch mit einer Deutschlehrerin verheiratet. Wie gut er die Sprache beherrscht, zeigt der Kremlchef bis heute gern.

Ausgerechnet Putins Russland ist nun jedoch das Land, in dem die Zahl der Deutschschüler so dramatisch zurückgeht wie nirgendwo sonst auf der Welt. Nach einer neuen Studie des Auswärtigen Amts, die am Dienstag veröffentlicht wurde, sind in dem 143-Millionen-Einwohner-Staat derzeit gerade noch 1,5 Millionen mit Deutschlernen beschäftigt. Vor fünf Jahren, als die Zahlen zuletzt erhoben wurden, waren es noch fast 800 000 mehr.

Für die Experten ist ein solcher Rückgang enorm - zumal Deutsch als Fremdsprache ansonsten eher wieder im Kommen ist. Zumindest wurde der Abwärtstrend nach einigen Jahren wieder gestoppt: Weltweit befinden sich derzeit etwa 15,4 Millionen Menschen an Schulen, Universitäten oder in Goethe-Instituten im Deutsch-Unterricht - etwa eine halbe Million mehr als 2010. Zur Jahrtausendwende lag die Zahl allerdings noch bei 20 Millionen.

Warum Russland sich so anders entwickelt, dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen gingen im größten Land der Welt über viele Jahre die Geburtenzahlen zurück. Dann wurden vor allem in der Provinz viele Schulen und Universitäten zusammengelegt, so dass es insgesamt weniger Fremdsprachenangebote gibt. Bei der ersten Fremdsprache entscheiden sich auch die Russen - anders als zu Zeiten, in denen es die DDR noch gab - mittlerweile in den allermeisten Fällen für Englisch.

Die Fachleute sind der Meinung, dass sich die Spannungen zwischen Deutschland und Russland infolge des Ukraine-Konflikts bislang auf das Interesse am Deutsch-Unterricht überhaupt nicht oder kaum auswirken. Der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, meint: «Das hat mit der politischen Situation nichts zu tun. Oder allenfalls nur sehr minimal.»

Manche vermuten aber, dass sich die Verschlechterung der Beziehungen mit etwas Verzögerung durchaus negativ bemerkbar machen wird. Im Staatsfernsehen wird seit der Annexion der Krim im vergangenen Jahr immer wieder auch gegen Deutschland und die Deutschen Stimmung gemacht. Das dürfte die Bereitschaft, sich mit deutscher Grammatik zu befassen, nicht gerade fördern.

In den meisten anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sieht es mit dem Deutsch-Unterricht übrigens ähnlich aus. Auch in Aserbaidschan, in Weißrussland und in Georgien lernen immer weniger Menschen Deutsch. Vielerorts legt man heute enorm viel Wert auf die Nationalsprachen, die zu Sowjetzeiten vernachlässigt wurden. In der Ukraine ging die Zahl der Deutschschüler übrigens auch zurück, um mehr als 50 000, auf jetzt noch 715 000.

Dabei hatte es nach dem Fall der Mauer noch große Hoffnungen gegeben, dass Deutsch in Mittel- und Osteuropa wieder wichtiger wird. Eines der Länder, wo sich die Hoffnungen erfüllt haben, ist Polen. Dort sind aktuell etwa 2,3 Millionen Menschen im Deutsch-Unterricht - mehr als irgendwo anders auf der Welt.

Wie viele Menschen weltweit Deutsch sprechen, dazu hat auch die Bundesregierung keine genauen Zahlen. Über die etwa 90 Millionen Muttersprachler - vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz - hinaus gibt es allein in der EU etwa 60 Millionen andere Europäer, die Deutsch können. Aber auch in Asien, Lateinamerika und in Afrika gehen die Zahlen gerade wieder nach oben.

Di, 2015-04-21 15:47
Istanbul (dpa) 

Türkei stoppt sechsköpfige britische Familie auf dem Weg zum IS 

Istanbul (dpa) - Die türkischen Behörden haben eine sechsköpfige Familie aus Großbritannien auf dem Weg zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Bürgerkriegsland Syrien gestoppt. Die 33 und 29 Jahre alten Eltern hätten ihre Kinder im Alter von eins bis sieben Jahren dabei gehabt und seien in Ankara festgenommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht zum Dienstag. Die Familie sei vermutlich über den Landweg aus Bulgarien eingereist.

Britische Behörden hatten die türkischen Sicherheitskräfte darüber informiert, dass die Familie auf dem Weg nach Syrien sei. Die Familie war zuletzt am 7. April im französischen Calais gesehen worden. Die Polizei hatte Videoaufnahmen von ihrer Ankunft mit der Fähre aus Großbritannien veröffentlicht. Britischen Medienberichten zufolge hatte der 33 Jahre alte Familienvater damit begonnen, Predigten von extremistischen Geistlichen beizuwohnen.

Á la Saison

Krautiger Kohlrabi

(brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

Á la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

Á la Saison

Querulante Quitte

(cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

Á la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2015-04-21 15:52
Berlin (dpa)

Lokführer lassen Güterzüge stehen

Es ist das siebte Mal in acht Monaten, dass die Lokführer bei der Bahn die Arbeit niederlegen. Der Tarifkonflikt ist völlig festgefahren. Am Mittwoch leiden darunter auch die Fahrgäste.

Berlin (dpa) - Mit einem Arbeitskampf im Güterverkehr hat die Lokführergewerkschaft den nächsten großen Streik bei der Bahn eingeläutet. Um 15.00 Uhr am Dienstag ließen die Mitglieder bundesweit die Güterzüge stehen. Die Bahn erwartet, dass die Hälfte ihres Angebots zusammenbricht. Sie will für die Versorgung wichtige Züge vorrangig besetzen.

Von 2.00 Uhr in der Nacht zu Mittwoch bis Donnerstag um 21 Uhr sollen dann auch Personenzüge stehen bleiben, Millionen Fahrgäste werden sich dann Alternativen suchen müssen. Betroffen sind Fernzüge ebenso wie der Regional- und S-Bahnverkehr. Erste Ausfälle gab es schon am Dienstag, weil Züge für Ersatzfahrpläne bereit gestellt wurden.

Mit dem siebten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer weiteren Druck auf die Deutsche Bahn machen. Die Arbeitnehmerseite hatte die Verhandlungen nach 16 Runden ein weiteres Mal für gescheitert erklärt.

Die Bahn erwartet, dass ein Drittel der Fernzüge nach Fahrplan fahren. Im Regionalverkehr will das Bundesunternehmen 50 bis 60 Prozent des regulären Fahrplans aufrechterhalten, wie Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Dienstag sagte. Die Konkurrenten der Bahn werden nicht bestreikt. Zumindest Verspätungen sind aber auch bei ihnen nicht auszuschließen, wenn Gleise wegen des Streiks bei der Bahn blockiert sind.

Fernbusbetreiber berichteten von einem Kundenansturm und kündigten an, zusätzliche Fahrer einzusetzen. Der Fahrgastverband Pro Bahn zweifelte jedoch daran, dass zusätzliche Busse auf die Straße kommen. «Flugzeug und Fernbus fallen als Ausweichverkehrsmittel nach Beobachtungen von Pro Bahn praktisch aus, weil deren Kapazitäten schon weitgehend erschöpft sind», teilte Sprecher Gerd Aschoff mit.

Die Industrie rechnet unterdessen mit deutlichen Produktionsausfällen durch den 66-stündigen Streik im Güterverkehr, der um 9.00 Uhr am Freitag enden soll. «Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag anwachsen», erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Auch der Außenhandelsverband BGA erwartet erhebliche Einbußen.

Besonders betroffen sind laut BDI die Gefahrguttransporte der Chemieindustrie, die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie und der Transport von neuen Autos in die Exporthäfen.

GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn eine Hinhaltetaktik vor. «Das Management will scheinbar gar kein Ergebnis erzielen», sagte Weselsky der «Passauer Neuen Presse» (PNP, Dienstag). Er kritisierte, auch nach 16 Tarifverhandlungsrunden fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte er eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Bahn-Personalchef Ulrich Weber widersprach. «Um das Wesentliche für unsere Kolleginnen und Kollegen da draußen ist es noch gar nicht gegangen.» Die Themen Geld und Arbeitszeiten hätten sich beide Seiten eigentlich für nächste Woche vorgenommen. Bislang sei es nur um die Struktur des künftigen Tarifgefüges gegangen. Weber nannte den Streik vollkommen überflüssig. «Ich bleibe dabei: Wir waren einen Meter vor der Ziellinie.» Weselsky hatte Weber am Freitag vorgeworfen, an dieser Stelle zu lügen.

Di, 2015-04-21 15:01
Leipzig (dpa)

Nach Rückgang legt Rotkäppchen-Mumm bei Absatz und Umsatz zu

Leipzig (dpa) - Der Getränkekonzern Rotkäppchen-Mumm hat im Jahr 2014 bei Absatz und Umsatz zugelegt und seine führende Position auf dem deutschen Sektmarkt weiter ausgebaut. Nach einem Rückgang im Jahr 2013 stieg der Absatz um 5 Prozent auf 246,5 Millionen Flaschen Sekt, Wein und Spirituosen, wie Vorstandschef Christof Queisser am Dienstag in Leipzig mitteilte. Mit 897,2 Millionen Euro wuchs der Umsatz auch dank Preiserhöhungen beim Sekt um 9 Prozent. Rotkäppchen-Mumm mit Hauptsitz im sachsen-anhaltischen Freyburg hat Produktionsstandorte in Hessen, Baden-Württemberg und Thüringen.

«Wir sind gut aufgestellt, um unsere Führungsposition weiter auszubauen», sagte Queisser. Allerdings belasteten hohe Rohstoffpreise die Branche. Jetzt müsse sich zeigen, ob der Erfolg bei den Innovationen im Jahr zwei nach der Markteinführung anhalte. «2014 haben wir den Markt überrascht.»

Wie andere in der Branche setzt auch Rotkäppchen-Mumm zunehmend auf Weinmischgetränke und brachte mehrere Frucht-Varianten auf den Markt. Der Marktanteil am deutschen Sektmarkt erreichte 2014 knapp 53 Prozent. Hauptwettbewerber sind Henkell und Schloss Wackerbarth. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Sekt liegt laut Queissser bei 4 Litern im Jahr; bei Wein sind es 20,2, bei Spirituosen 5,4 Liter.

Di, 2015-04-21 15:09
Athen (dpa)

Gazprom-Chef in Athen - große Energiepläne

Athen (dpa) - Athen und Moskau wollen künftig enger im Bereich Energie kooperieren. Aus diesem Grund kam der Chef des russischen Staatsmonopolisten Gazprom, Alexej Miller, am Dienstag mit dem griechischen Energieminister Panagiotis Lafazanis zusammen. Wie das griechische Staatsfernsehen (NERIT) weiter berichtete, stehen im Mittelpunkt der Gespräche die geplante Erweiterung einer Gas-Pipeline auf griechischen Boden sowie andere Energiethemen. Athen hofft zudem auf niedrigere Preise für russische Erdgaslieferungen. Am späten Nachmittag sollte der Gazprom-Chef auch den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras treffen.

Die Leitung wäre die Verlängerung der geplanten Pipeline Turkish Stream, durch die Russland ab 2017 Gas in die Türkei pumpen will. Die Verlängerung durch Nordgriechenland bis zur Grenze mit Mazedonien soll rund zwei Milliarden Euro kosten. Ob die beiden Seiten im Laufe des Tages eine Absichtserklärung dazu unterzeichnen werden, blieb unklar, berichtete das Staatsfernsehen. 

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Di, 2015-04-21 15:19
Hamburg/Schwerin (dpa)

Nachhaltigkeitssiegel für Herings-Schleppnetzfischerei in MV

Hering ohne Nachhaltigkeitszertifikat hat sich zuletzt nur schwer vermarkten lassen. Sieben Jahre lang haben die Ostseefischer auf das Siegel gewartet. Jetzt wurde es übergeben. Kritik kommt von Greenpeace.

Hamburg/Schwerin (dpa) - Die Schleppnetzfischerei auf Hering in der westlichen Ostsee hat ein Siegel für Nachhaltigkeit bekommen. Sieben Jahre nach der Beantragung wurde das MSC-Siegel am Dienstag in Schwerin an die Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer mit 18 Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern übergeben. Die Fischer und das EuroBaltic-Fischwerk in Sassnitz erwarten mit dem Siegel des Marine Stewardship Council eine bessere Vermarktbarkeit des Herings und höhere Erlöse.

«Mit Gültigkeit der MSC-Zertifizierung wird der Preis 2015 sechs Monate rückwirkend um circa 10 Cent je Kilogramm auf etwa 39 Cent je Kilogramm erhöht», erläuterte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Das bringe der Schleppnetzfischerei des Landes bereits in diesem Jahr einen um etwa 600 000 Euro höheren Umsatz. «Der Hering wird nicht mehr als minderwertiger Fisch verarbeitet», sagte der Minister.

Ausschlaggebend für die Zertifizierung seien eine nachhaltige Fischerei, der Grad der Umweltauswirkungen und das Fischereimanagement. Laut Backhaus sind nun 58 Prozent der deutschen Heringsfänge zertifiziert.

Kritik an der Zertifizierung kommt von der Umweltorganisation Greenpeace. «Der laichfähige Heringsbestand in der westlichen Ostsee ist nur noch ein Drittel so groß wie vor 25 Jahren», sagte der Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack. Schuld daran sei die Fischerei. «Deshalb ist die Vergabe des MSC-Siegels in diesem Fall ein irreführendes Signal an die Verbraucher und hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun.»

Ursache für die lange Laufzeit des Antragsverfahrens waren nach Angaben des Verbandes der deutschen Kutter- und Küstenfischer in Hamburg die unsichere Bestandslage sowie ein fehlendes, international abgestimmtes Managementsystem. Inzwischen erfülle der Bestand die Kriterien für ein nachhaltiges Management.

Die Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer ist nach Angaben ihres Geschäftsführers Kai-Arne Schmidt die einzige MSC-zertifizierte Erzeugerorganisation in Deutschland. Nach Seelachs in der Nordsee und Dorsch in der östlichen Ostsee sei die Heringsfischerei die dritte MSC-zertifizierte Fischerei in dem Unternehmen. «Damit wird der Ausrichtung auf ausschließlich bestandsschonenden und umweltgerechten Fischfang weiter Rechnung getragen», sagte Schmidt.

Die Schleppnetzheringe werden von den nun zertifizierten Betrieben ins Fischverarbeitungswerk EuroBaltic in Sassnitz/Mukran geliefert. Geschäftsführer Uwe Richter sagte: «Zumindest bei den Schleppnetzheringen haben wir nun die Absatzprobleme beseitigt. Deutsche Kunden fragen beim Hering mittlerweile ausschließlich MSC-zertifizierte Ware an.» EuroBaltic rechnet mit einer Anlandemenge von 6000 Tonnen Schleppnetzhering bis zum Abschluss der Frühjahrsheringssaison am 29. April.

Insgesamt fischen im Land laut Ministerium 250 Haupterwerbs- und 138 Nebenerwerbsbetriebe. Die Jahresdurchschnittserlöse der vergangenen fünf Jahre lagen bei 10 Millionen Euro. Auf die Heringsfischerei entfielen mit 3,7 Millionen Euro mehr als ein Drittel. In diesem Jahr dürfen 8020 Tonnen angelandet werden.  

Di, 2015-04-21 15:30
Eriwan (dpa) 

Armenien ruft zu weltweiter «Völkermord»-Anerkennung auf

Eriwan (dpa) - 100 Jahre nach den Massakern an den Armeniern hat das Parlament der Südkaukasusrepublik zu einer weltweiten Anerkennung der Gräueltaten als «Genozid» aufgerufen. Eine entsprechende Resolution nahmen die Abgeordneten in der Hauptstadt Eriwan am Dienstag in einer Sondersitzung einstimmig an. Darin appellierten sie an die Parlamente «aller Länder und an internationale Organisationen, den armenischen Völkermord durch das Osmanische Reich als schwerstes Verbrechen gegen die Menschheit» zu verurteilen. An diesem Freitag begeht die Ex-Sowjetrepublik den 100. Jahrestag des Beginns der Verfolgung mit einer großen Zeremonie.

Nach armenischen Schätzungen wurden damals bis zu 1,5 Millionen Menschen getötet. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches spricht von deutlich weniger Toten und lehnt den Ausdruck Genozid entschieden ab.

Mehrere Länder wie etwa die Schweiz und Frankreich erkennen den Völkermord an. In Deutschland wird darüber derzeit scharf debattiert. Zu der Gedenkveranstaltung am Freitag in Eriwan werden auch Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident François Hollande erwartet.

Di, 2015-04-21 15:39
Berlin (dpa)

Lokführer lassen Güterzüge stehen

Es ist das siebte Mal in acht Monaten, dass die Lokführer bei der Bahn die Arbeit niederlegen. Der Tarifkonflikt ist völlig festgefahren. Am Mittwoch leiden darunter auch die Fahrgäste.

Berlin (dpa) - Mit einem Arbeitskampf im Güterverkehr hat die Lokführergewerkschaft den nächsten großen Streik bei der Bahn eingeläutet. Um 15.00 Uhr am Dienstag ließen die Mitglieder bundesweit die Güterzüge stehen. Die Bahn erwartet, dass die Hälfte ihres Angebots zusammenbricht. Sie will für die Versorgung wichtige Züge vorrangig besetzen.

Von 2.00 Uhr in der Nacht zu Mittwoch bis Donnerstag um 21 Uhr sollen dann auch Personenzüge stehen bleiben, Millionen Fahrgäste werden sich dann Alternativen suchen müssen. Betroffen sind Fernzüge ebenso wie der Regional- und S-Bahnverkehr. Erste Ausfälle gab es schon am Dienstag, weil Züge für Ersatzfahrpläne bereit gestellt wurden.

Mit dem siebten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer weiteren Druck auf die Deutsche Bahn machen. Die Arbeitnehmerseite hatte die Verhandlungen nach 16 Runden ein weiteres Mal für gescheitert erklärt.

Die Bahn erwartet, dass ein Drittel der Fernzüge nach Fahrplan fahren. Im Regionalverkehr will das Bundesunternehmen 50 bis 60 Prozent des regulären Fahrplans aufrechterhalten, wie Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Dienstag sagte. Die Konkurrenten der Bahn werden nicht bestreikt. Zumindest Verspätungen sind aber auch bei ihnen nicht auszuschließen, wenn Gleise wegen des Streiks bei der Bahn blockiert sind.

Fernbusbetreiber berichteten von einem Kundenansturm und kündigten an, zusätzliche Fahrer einzusetzen. Der Fahrgastverband Pro Bahn zweifelte jedoch daran, dass zusätzliche Busse auf die Straße kommen. «Flugzeug und Fernbus fallen als Ausweichverkehrsmittel nach Beobachtungen von Pro Bahn praktisch aus, weil deren Kapazitäten schon weitgehend erschöpft sind», teilte Sprecher Gerd Aschoff mit.

Die Industrie rechnet unterdessen mit deutlichen Produktionsausfällen durch den 66-stündigen Streik im Güterverkehr, der um 9.00 Uhr am Freitag enden soll. «Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag anwachsen», erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Auch der Außenhandelsverband BGA erwartet erhebliche Einbußen.

Besonders betroffen sind laut BDI die Gefahrguttransporte der Chemieindustrie, die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie und der Transport von neuen Autos in die Exporthäfen.

GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn eine Hinhaltetaktik vor. «Das Management will scheinbar gar kein Ergebnis erzielen», sagte Weselsky der «Passauer Neuen Presse» (PNP, Dienstag). Er kritisierte, auch nach 16 Tarifverhandlungsrunden fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte er eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Bahn-Personalchef Ulrich Weber widersprach. «Um das Wesentliche für unsere Kolleginnen und Kollegen da draußen ist es noch gar nicht gegangen.» Die Themen Geld und Arbeitszeiten hätten sich beide Seiten eigentlich für nächste Woche vorgenommen. Bislang sei es nur um die Struktur des künftigen Tarifgefüges gegangen. Weber nannte den Streik vollkommen überflüssig. «Ich bleibe dabei: Wir waren einen Meter vor der Ziellinie.» Weselsky hatte Weber am Freitag vorgeworfen, an dieser zu lügen.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Di, 2015-04-21 15:30
London (Amnesty International)

Egypt: Verdict for ousted president points to sham trial

The sentencing of Mohamed Morsi to 20 years in prison today is a travesty of justice and demonstrates, once again, that the Egyptian criminal justice system appears to be completely incapable of delivering fair trials for members or supporters of the former president's administration and the Muslim Brotherhood, said Amnesty International.

The organization is calling for Mohamed Morsi to receive a fair re-trial in a civilian court in line with international standards, or to be released. “This verdict shatters any remaining illusion of independence and impartiality in Egypt’s criminal justice system,” said Hassiba Hadj Sahraoui, Deputy Middle East and North Africa Director at Amnesty International.

“Any semblance of a fair trial was jeopardized from the outset by a string of irregularities in the judicial process and his arbitrary, incommunicado detention. His conviction must be quashed and the authorities must order a full re-trial in a civilian court or release him."

Mohamed Morsi was convicted of “inciting violence” and detaining and torturing opposition protesters during clashes between his supporters and opponents outside the Federal Palace in Cairo in December 2012.
He and 14 others, many of whom are members or leaders of the Muslim Brotherhood or its political wing, the Freedom and Justice Party, had faced a catalogue of charges that included "murder", "incitement to murder", "violence” as well as "thuggery", "spreading rumours to disturb the work of judicial institutions" and “threatening civilians".  

Mohamed Morsi is also facing a number of other charges in four other trials. "Convicting Mohamed Morsi, despite fundamental flaws in the legal process and what seems to be at best flimsy evidence produced in court under a gag order, utterly undermines this verdict," said Hassiba Hadj Sahraoui.

Even before he appeared in court Mohamed Morsi’s prospects for a fair trial were deeply compromised. For months after he was ousted on 3 July 2013, security forces detained Mohamed Morsi and his aides incommunicado in conditions amounting to an enforced disappearance.  During this period, he was questioned by prosecutors without a lawyer present, violating his rights under Egypt’s constitution and international law to challenge the legality of his detention and to an adequate defence. His legal team were only able to obtain a copy of the 7,000-page casefile after making a substantial payment just days before the trial began on 4 November 2013.

Amnesty International also documented several irregularities during the trial itself. During the first hearing on 4 November 2013, the authorities barred several members of Mohamed Morsi’s self-appointed defence team from attending. The leading defence lawyer was only allowed to meet with Mohamed Morsi after the trial began. Investigations by the Public Prosecution into the December 2012 clashes between Mohamed Morsi’s supporters and opponents outside the Federal Palace in Cairo were also neither independent nor impartial. The Public Prosecution’s case focused entirely on abuses by his supporters, while ignoring violence by their opponents.

Di, 2015-04-21 13:04
Berlin (dpa)

Regierung schiebt Forschungsprogramm zum globalen Wandel an

Berlin (dpa) - Mit Milliarden-Beträgen will die Bundesregierung in den nächsten Jahren Forschung zum globalen Wandel und zum nachhaltigen Wirtschaften fördern. Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) stellte am Dienstag das entsprechende Rahmenprogramm FONA3 («Forschung für Nachhaltige Entwicklung») vor, das unter anderem mit den Themenfeldern Zukunftsstadt und Energiewende startet.

Ein Erfolg des Programms seien der Bau und Testbetrieb einer Demonstrationsanlage zur Herstellung von Treibstoff auf CO2-Basis, erklärte das Ministerium. Mit dem Beginn der Treibstoffproduktion habe «diese hoch innovative Technologie zur chemischen Nutzung von CO2 einen weiteren Schritt Richtung Anwendung gemacht». Die Frage sei: Kann der einstige Klimakiller CO2 ein Ersatz für Erdöl sein? Und können Autos ganz ohne fossile Brennstoffe auskommen?

Im Rahmen von FONA3 soll mehr als eine halbe Milliarde Euro in die weitere Erneuerung der Forschungsflotte und Großgeräte für die Klimaforschung investiert werden. Die Projektförderung für die Nachhaltigkeitsforschung wird ausgebaut, dafür stehen laut Ministerium in den kommenden fünf Jahren mehr als 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Di, 2015-04-21 13:20
Berlin (dpa)

«Bild»: Deutscher in Afghanistan verschwunden

Berlin (dpa) - Ein deutscher Entwicklungshelfer in Afghanistan ist in der nordafghanischen Stadt Kundus verschwunden. Die «Bild»-Zeitung berichtet unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise, der Mann arbeite für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Dienstag, ein Krisenstab befasse sich mit dem Fall. Eine Entführung des Deutschen wird nicht ausgeschlossen.

Laut «Bild» soll bereits ein Verhandlungsteam auf dem Weg sein. Die Polizei in Kundus wollte zunächst weder einen Entführungs- noch einen Vermisstenfall bestätigen. Die Bundeswehr war vor eineinhalb Jahren aus Kundus abgezogen. Die GIZ beschäftigt dort aber weiterhin internationale und einheimische Mitarbeiter. Seit dem Abzug der Bundeswehr hat sich die Sicherheitslage deutlich verschlechtert.

Zuletzt war im vergangenen Oktober in Afghanistan ein deutscher Entwicklungshelfer nach mehr als zweieinhalb Jahren Geiselhaft freigekommen. Der Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe war im Januar 2012 von Extremisten aus einem Haus in der ostpakistanischen Stadt Multan verschleppt worden.

Die «Bild»-Zeitung hatte damals zur Freilassung berichtet, der Deutsche sei einem Team des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Kabul übergeben worden. Die Soldaten hätten den Auftrag gehabt, den Deutschen nicht gewaltsam zu befreien. Unklar blieb, wie die Freilassung der Geisel erreicht wurde. In den vergangenen Jahren sind mehrere deutsche Entwicklungshelfer in Afghanistan getötet worden.

Di, 2015-04-21 14:14
Berlin (dpa)

Bund will Geldlücke für Tschernobyl-Sarkophag schließen

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung erhöht international den Druck, um eine Finanzierungslücke von 615 Millionen Euro für den neuen Sarkophag des zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl zu schließen. «Die bisherigen Zusagen und Absichtserklärungen werden für den sicherheitstechnisch erforderlichen Abschluss aller Maßnahmen nicht ausreichen», heißt es in einem Bericht des Umweltministeriums für den Bundestagsumweltausschuss, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Insgesamt wird für den Bau nun von Kosten in Höhe von 2,15 Milliarden Euro ausgegangen. Deutschland will im Rahmen der G7-Präsidentschaft die restlichen Gelder eintreiben, damit der Bau bis November 2017 vollendet werden kann. Es handelt sich um eine riesige, weltweit einzigartige Stahlhülle über den 1986 havarierten Reaktor 4 in dem ukrainischen AKW. Da der bisherige Betonschutz brüchig ist, wird zum Schutz vor Strahlung die neue Konstruktion gebaut.

Unter Vorsitz Deutschlands findet am 29. April bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London eine Geberkonferenz statt. 1997 hatten die sieben führenden westlichen Industriestaaten (G7) den Aufbau eines Fonds vereinbart - bisher haben sie und Russland 1,5 Milliarden Euro zugesagt.

Der Sarkophag soll 108 Meter hoch, 162 Meter lang und 257 Meter breit werden - in der Fläche fast dreimal so groß wie der Petersdom. Die Bundesregierung will in den nächsten Jahren rund 18 Millionen Euro zusätzlich geben. Der Großteil der noch fehlenden Finanzmittel könnte über die EBRD zur Verfügung gestellt werden.

Di, 2015-04-21 13:01
Berlin (dpa)

UNHCR vermutet zunehmende Zahl an Flüchtlingen in Libyen

Berlin (dpa) - Das UN-Flüchtlingswerk UNHCR rechnet mit steigenden Flüchtlingszahlen in Libyen. «Mit zunehmender Gesetzlosigkeit im Land ist der Grenzschutz immer schwächer», sagt die UNHCR-Beauftragte für Flüchtlingsschutz in Libyen, Sarah Khan, im Interview der Tageszeitung «taz» (Dienstag). Viele der Migrationsrouten seien weiter frequentiert.

Über genaue Zahlen kann Khan keine Angaben machen: «Wir mussten im Sommer letzten Jahres die Registrierung einstellen», sagt sie. Offiziell seien bis dahin 36 000 Flüchtlinge in Libyen registriert worden. Nach neuesten Schätzungen der EU-Kommission warten gegenwärtig zwischen 600 000 und einer Million Menschen in Libyen auf eine Möglichkeit zur Überfahrt nach Europa.

Die Lage in Libyen beschreibt Khan als «immer prekärer». Es werde immer schwieriger zu bleiben. «Wir versuchen, ein Mindestmaß an Versorgung zu leisten. Aber die Bedingungen dafür sind äußerst schwierig», sagt Khan.

Di, 2015-04-21 14:46
Berlin (dpa)

Kriegsende 1945: Ein tiefer Einschnitt ohne Stunde Null Von Christoph Driessen, dpa

Ein merkwürdiges Spannungsverhältnis kennzeichnet das Ende des Krieges vor 70 Jahren: Einerseits war der Nationalsozialismus schlagartig erledigt. Andererseits lief vieles einfach weiter.

Berlin (dpa) - Im März 1945 - Hitler lebte und plante noch - kam der britische Schriftsteller George Orwell als Kriegsreporter in das schon befreite Köln. Und wunderte sich. «Ausgesprochen seltsam» fand er die Erfahrung. «Man sieht sich umgeben von diesem Herrenvolk, das auf Fahrrädern seinen Weg zwischen den Trümmerhaufen sucht. Es ist schwer vorstellbar, dass es sich um die gleichen Menschen handelt, die gerade noch den europäischen Kontinent beherrschten.» Sie seien auch wirklich nicht alle «hochgewachsen, blond und arrogant». Insgesamt erschienen sie ihm «keineswegs besonders auffällig».

Diese Verwunderung ist bis heute nicht abgeklungen. Noch immer beschäftigen sich Historiker auf der ganzen Welt mit der Frage, wie das deutsche «Kulturvolk» sich den Nazis verschreiben, den schlimmsten aller Kriege vom Zaun brechen und einen Massenmord beispiellosen Ausmaßes verüben konnte. Und wie es dieselbe Nation dann fertigbrachte, zumindest im Westen des Landes innerhalb von einer Generation eine vorbildliche Demokratie aufzubauen. Antworten auf diese Frage können vielleicht auch eine Hilfestellung für Gesellschaften sein, die sich heute in einer Übergangsphase zwischen Diktatur und Demokratie befinden.

Es sei «eine merkwürdige Mischung» von Gefühlen, mit der man als Deutscher heute auf das Kriegsende vor 70 Jahren zurückschaue, meint der Berliner Historiker Paul Nolte. Einerseits fallen viele Konstanten ins Auge, andererseits markiert das Jahr 1945 auch eine klare Zäsur. Die Zeitgenossen sprachen damals von der «Stunde Null» und meinten damit einen völligen Neuanfang, sowohl politisch wie wirtschaftlich.

«Die Vorstellung eines absoluten Bruchs ohne Kontinuitäten erscheint heute geradezu abwegig», sagt der Bochumer Historiker Constantin Goschler. «Man fragt heute eher: Warum sprach man nach dem Krieg von einer Stunde Null?» Das Personal in Wirtschaft, Justiz und teilweise sogar in der Politik war nach dem Krieg das gleiche wie vorher. Und wenn auch die Zentren vieler deutscher Städte in Trümmern lagen, so waren die Wirtschaftsbetriebe doch noch zu mehr als der Hälfte intakt.

Vieles ging also weiter. Aber gleichzeitig veränderte sich Grundlegendes. Nolte hebt hervor: «Das nationalsozialistische Regime war mit einer Brutalität und Eindeutigkeit zuende, wie man es in der Geschichte selten erlebt hat. Viele haben das als Befreiung erlebt. Man kann wohl sagen, dass Erleichterung überwog.»

Was nicht bedeutet, dass die Kriegsgeneration fortan durch und durch demokratisch gewesen wäre. Nolte erinnert sich: «Bis in die 1980er Jahre konnte man ja von den Großeltern hören: «Unter Hitler war nicht alles schlimm - wenn er nur nicht mit dem Krieg angefangen hätte!» Diese Form der Kontinuität blieb tatsächlich noch drei bis vier Jahrzehnte bestehen.»

Erst schrittweise wurden sich die Deutschen des vollen Umfangs von Holocaust und Völkermord bewusst. Ein erster Meilenstein waren die von Fritz Bauer initiierten Auschwitz-Prozesse Anfang der 60er Jahre. Dann kam die massive Kritik der 68er an der Generation ihrer Eltern. Eine kaum zu unterschätzende Wirkung auf die Masse der Bevölkerung hatte 1979 der amerikanische Fernseh-Vierteiler «Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss». Aber es dauerte noch bis in die 90er Jahre, ehe sich die Erkenntnis durchsetzte, «dass wir den Krieg und das Geschehen des Holocaust zusammendenken müssen», wie Nolte es ausdrückt.

Auch damit ist die Entwicklung nicht zuende. Goschler meint: «Was Historiker machen, ist ja letztlich immer, die Vergangenheit aus der jeweiligen Perspektive der Gegenwart zu betrachten. Und dadurch, dass sich die Gegenwart verändert, stellt man auch neue Fragen an die Vergangenheit.»

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
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Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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