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Di, 2016-05-24 14:16
Berlin (dpa) 

Telefondiplomatie im Ukraine-Konflikt - Neue Kämpfe im Kriegsgebiet

Bundeskanzlerin Merkel bemüht sich weiter um eine Beilegung des Ukraine-Konflikts. Mit Putin, Hollande und Poroschenko spricht sie über Wahlen im Kriegsgebiet. Dort aber sprechen weiter die Waffen.

Berlin (dpa) - Angesichts andauernder Gewalt in der Ostukraine hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Präsidenten Frankreichs, Russlands und der Ukraine über eine Befriedung des Konflikts gesprochen. Im Mittelpunkt des Telefonats mit François Hollande, Wladimir Putin und Petro Poroschenko standen nach deutschen Regierungsangaben Sicherheitsfragen und die Vorbereitung von Kommunalwahlen in den Konfliktgebieten.

Die Waffenruhe zwischen ukrainischer Armee und den prorussischen Separatisten ist seit Monaten brüchig, der Friedensprozess steckt in einer Sackgasse.

Kreml-Sprecher Dimitri Peskow betonte die Notwendigkeit direkter Kontakte zwischen der Führung in Kiew und den Separatisten. Die Gesprächspartner seien sich einig gewesen, ihre Zusammenarbeit bei beiden Themen zu intensivieren. Zudem müssten die im Februar 2015 getroffenen Vereinbarungen von Minsk endlich vollständig umgesetzt werden. Dabei geht es vor allem um eine Waffenruhe, den Abzug schwerer Waffen und eine Autonomie für die Rebellengebiete.

Bei neuen Kämpfen mit den Separatisten starben nach Angaben aus Kiew sieben ukrainische Soldaten. Neun weitere seien verletzt worden, sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Alexander Turtschninow, am Dienstag. Berichten zufolge fanden die Kämpfe nördlich der Großstadt Donezk bei Awdijiwka statt. Die Separatisten warfen der ukrainischen Armee im Gegenzug Angriffe im Westen von Donezk vor. Dabei sei ein Zivilist verletzt worden.

Turtschinow griff Moskau an. «Die Verantwortung für diese Provokation trägt die militärisch-politische Führung in Russland», sagte er.

Poroschenko rief Moskau auf, russische Soldaten aus der Ostukraine abzuziehen. Die Führung in Moskau bestreitet jedoch die Entsendung eigener Soldaten. Russland unterstütze die Aufständischen zwar, habe aber keine regulären Truppen im Einsatz.

Putin forderte beide Seiten zur Deeskalation auf. Putin habe Merkel sowie den Präsidenten Frankreichs und der Ukraine, François Hollande und Petro Poroschenko, in dem Telefonat unter anderem Vorschläge für Wahlen im Donbass gemacht, teilte der Kreml mit.

Di, 2016-05-24 14:30
Moskau (dpa)

Moskaus Militäreinsatz in Syrien

Moskau (dpa) - Russland ist eine wichtige Stütze des Regimes von Präsident Baschar al-Assad (50) in Damaskus. In Syrien herrscht seit rund fünf Jahren Bürgerkrieg. Jahrelang verhinderte Russland mit seiner Veto-Macht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) eine Verurteilung des Machthabers. Assads Gegner werfen ihm Unterdrückung und Massaker an der eigenen Bevölkerung vor. Dann beteiligte sich Moskau an diplomatischen Friedensbemühungen. Schließlich griff es auch militärisch in den Konflikt ein.

September 2015: Assads Verbündeter Russland beginnt Luftangriffe in Syrien. Neben Bombern und Kampfjets werden Hubschrauber und Marschflugkörper von Kriegsschiffen eingesetzt. Damit soll nach Kreml-Angaben die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft werden. Ein Großteil der Angriffe richtet sich jedoch, wie Kritiker immer wieder herausstellen, gegen Rebellen, die mit den Dschihadisten des IS verfeindet sind.

Oktober 2015: Das syrische Regime beginnt mit russischer Luftunterstützung eine Bodenoffensive gegen Rebellengruppen. Assads Einheiten erzielen in mehreren Provinzen Geländegewinne.

November 2015: In Wien einigen sich die Teilnehmer einer Syrien-Konferenz, darunter Russland, auf einen Friedensfahrplan. Er sieht auch eine Übergangsregierung vor.

November 2015: Die Türkei schießt ein russisches Kriegsflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien ab. Der Pilot stirbt. Manche fürchten eine Eskalation des Konfliktes zwischen dem Nato-Mitglied Türkei und Moskau. Als Vergeltung erlässt Präsident Wladimir Putin Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei.

Februar 2016: Die angesehene Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte macht Russland für Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser verantwortlich. Dabei sollen rund 50 Menschen getötet worden sein. Syriens Botschafter in Moskau hatte zuvor erklärt, US-Kampfflugzeuge hätten eine Klinik zerstört.

März 2016: Mit russischer Luftunterstützung erobert Assads Armee die antike Oasenstadt Palmyra vom IS zurück. Wladimir Putin befiehlt militärische Veränderungen, die Rede ist von einem Teilabzug. Nach Ansicht von Beobachtern nimmt die Zahl russischer Waffen und Soldaten zunächst aber kaum ab.

Mai 2016: Mit dem Konzert eines Symphonie-Orchesters aus St. Petersburg im Amphitheater von Palmyra zeigt Syriens enger Partner Russland demonstrativ seine starke Rolle im Bürgerkrieg.

Di, 2016-05-24 14:26
London (dpa)

Forscher fürchten zehn Millionen Tote jährlich durch resistente Keime

Wenn beispielsweise Antibiotika nicht mehr wirken, geht es zurück ins Mittelalter: Vor diesem Horrorszenario warnen britische Forscher. Resistente Erreger könnten zehn Millionen Menschen pro Jahr das Leben kosten, so ein neuer Bericht.

London (dpa) - Britische Forscher haben zum weltweiten Kampf gegen resistente Keime aufgerufen. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen könnten künftig zehn Millionen Menschen pro Jahr an Infektionen mit den resistenten Erregern sterben, berichten die Autoren einer Studie, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Auch Wirtschaftsleistung in Höhe von etwa 100 Billionen US-Dollar (rund 90 Billionen Euro) sei gefährdet. Die Regierung Großbritanniens hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Bereits heute kommen demnach 700 000 Menschen pro Jahr durch Ansteckung mit resistenten Keimen ums Leben. Bis zum Jahr 2050 könne sich diese Zahl mehr als verzehnfachen. Sollten Antibiotika wegen der Resistenz der Erreger ihre Wirksamkeit verlieren, könnten wichtige medizinische Verfahren wie Kaiserschnitte und andere chirurgische Eingriffe zu gefährlich werden, heißt es in dem Bericht.

Das Forscher-Team um den britischen Ökonomen Jim O'Neill fordert in einem Zehn-Punkte-Programm unter anderem, den Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft weltweit einzuschränken und alle Resistenzen stärker zu überwachen. Nötig sei zudem ein weltweiter Forschungsfonds und ein globaler Bund im Kampf gegen Resistenzen. Der könne mittels G20-Staaten und der Vereinten Nationen entstehen. Auch die Diagnostik von Krankheiten müsse verbessert werden. Innerhalb von zehn Jahren müssten bis zu 40 Milliarden US-Dollar ausgegeben werden, schätzten die Forscher.

Riesige Mengen von Antibiotika und anderer antimikrobieller Medikamente würden weltweit an Menschen und Tieren verschwendet, die diese nicht bräuchten, heißt es weiter. «Wir müssen auf verschiedenen Wegen auf der ganzen Welt darüber informieren, warum es entscheidend ist, dass wir aufhören, unsere Antibiotika wie Süßigkeiten zu behandeln», sagte O'Neill der BBC. «Wenn wir das Problem nicht lösen, steuern wir auf das Mittelalter zu.»

Seit Anfang des Monats müssen in Deutschland antibiotika-resistente Erreger umgehend gemeldet werden, sobald sie nachgewiesen werden. Zuvor waren die Keime erst beim Krankheitsausbruch angezeigt worden.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen nannte den Report einen «ersten Schritt in die richtige Richtung», er reiche aber nicht aus. Vor allem sollten Medikamente für mehr Menschen bezahlbar werden. «Das derzeitige Innovationssystem trägt nicht zur Entwicklung und Bereitstellung der Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente bei, die wir eigentlich bräuchten», sagte Marco Alves, Medikamentenexperte der Organisation. «Und wenn es doch welche gibt, sind sie oft unbezahlbar oder für den Gebrauch in Entwicklungsländern nicht geeignet.»

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Di, 2016-05-24 14:46
Warschau/Brüssel (dpa)

Vorerst keine Eskalation: Polen sieht Annäherung in Streit mit der EU

Der Streit über die Reformen der neuen Regierung Polens geht vorerst nicht in eine nächste Runde. Die EU-Kommission lässt eine Frist verstreichen. Und Warschau sieht sogar Anzeichen eine Annäherung.

Warschau/Brüssel (dpa) - In den Justizstreit zwischen der EU-Kommission und der nationalkonservativen polnischen Regierung ist Bewegung gekommen. Wie die Brüsseler Behörde am Dienstag mitteilte, wird im laufenden Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit in Polen vorerst nicht die angedrohte nächste Stufe eingeleitet. Hintergrund seien die aktuellen Gespräche über eine Lösung des Konflikts, sagte ein Sprecher.

Dieser dreht sich vor allem um Änderungen bei den Regeln zur Arbeit des polnischen Verfassungsgerichts, die die EU-Kommission für nicht vereinbar mit den europäischen Grundwerten hält. Die neuen Vorgaben für das Gericht behindern nach Auffassung von Kritikern dessen Arbeit massiv. Auch der Gerichtshof selbst hatte die neuen Regeln für verfassungswidrig erklärt.

Der polnische Europaminister Konrad Szymanski hatte kurz vor den Äußerungen in Brüssel von einer Annäherung gesprochen. «Heute scheint es, als seien wir einer Einigung nahe», sagte er. Am Nachmittag sollte es in Warschau ein Treffen der Regierungschefin Beata Szydlo mit Kommissions-Vizechef Frans Timmermans geben. Nach EU-Angaben wollte Timmermans zudem den Präsidenten des polnischen Verfassungsgerichts treffen.

Polen gehe es einerseits darum, seine Souveränität zu schützen, und andererseits, offen für eine Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen zu sein, betonte Szymanski. «Wichtig für gegenseitiges Vertrauen ist persönlicher Kontakt, das ist das Ziel dieses Treffens.»

Die EU-Kommission hatte Polen in der vergangenen Woche aufgefordert, bis Montag Bedenken an der umstrittenen Justizreform auszuräumen. Andererseits könne Timmermans am selben Tag die nächste Stufe im Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit einleiten, hieß es. Der Kommissions-Vizechef ließ die Frist dann aber verstreichen. Nun soll es vor einer Entscheidung neue Diskussionen unter Leitung von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker geben.

Bei einem Treffen der EU-Europaminister vermieden die Teilnehmer am Dienstag öffentliche Kommentare zum Streit über den Kurs der polnischen Regierung - obwohl der Dialog über die Rechtsstaatlichkeit in der EU offizielles Thema auf der Tagesordnung war. «Wir haben uns darauf verständigt, dass wir nicht einzelne Länder in den Mittelpunkt der Diskussion rücken», kommentierte der deutsche Europastaatsminister Michael Roth. «Ich habe volles Vertrauen darin, dass die Kommission gemeinsam mit der polnischen Regierung einen guten Weg finden wird, der die Rechtsstaatlichkeit und die Grundwerte in Europa stärkt.»

Di, 2016-05-24 14:20
Wiesbaden/Berlin (dpa)

Konjunktur unter Volldampf - Stärkstes Plus seit zwei Jahren

Kauflustige Verbraucher, mehr Unternehmensinvestitionen, Bauboom und ein milder Winter: Die Wirtschaft startet rasant ins Jahr 2016. Ökonomen gießen allerdings etwas Wasser in den Wein.

Wiesbaden/Berlin (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat ihr Wachstumstempo zum Jahresanfang mehr als verdoppelt, wird den Schwung Ökonomen zufolge aber nicht halten können. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) angetrieben von konsumfreudigen Verbrauchern, steigenden Unternehmensinvestitionen, Ausgaben des Staates für Flüchtlinge und dem Bauboom um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit am Dienstag eine erste Schätzung. Es war das stärkste Plus seit zwei Jahren. Ende 2015 war die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gewachsen.

Impulse kamen zum Jahresanfang vor allem aus dem Inland. Begünstigt durch den milden Winter zogen die Bauinvestitionen kräftig um 2,3 Prozent an. Die Unternehmen investierten zudem mehr in Ausrüstungen - zum Beispiel Maschinen, Geräte und Fahrzeuge. Angekurbelt wurde die Konjunktur auch von der Kauflust der Verbraucher und den Ausgaben des Staates für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge.

Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker. Sparen wird kaum noch belohnt, die gesunkenen Energiepreise entlasten die Haushalte, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig. «Das Kalkül der Konsumenten ist denkbar einfach: Wenn es auf dem Konto keine Zinsen gibt, wird eben die Einkaufstasche besonders gut gefüllt», erklärte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Schweizer VP Bank Gruppe.

Trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur exportierten die deutschen Unternehmen nach vorläufigen Berechnungen 1 Prozent mehr als im Vorquartal. Da die Importe noch stärker stiegen, dämpfte der Außenhandel unter dem Strich allerdings das Wachstum.

Die Konjunktursorgen vom Jahresanfang wegen der Abkühlung wichtiger Exportmärkte hätten sich als unbegründet erwiesen, erklärte BayernLB-Experte Stefan Kipar. Der Anstieg der Importe sei ein Zeichen für die Stärke der deutschen Binnenwirtschaft.

Ökonomen rechnen allerdings nicht damit, dass die deutsche Konjunktur das hohe Tempo halten wird - vor allem weil der positive Witterungseffekt wegfällt. Impulse dürften vor allem aus dem Inland kommen.

Alles in allem werde die Wirtschaft im zweiten Quartal voraussichtlich nur um rund ein Viertelprozent wachsen, erklärte die staatseigene Förderbank KfW. Ab dem Sommer dürfte sie wieder an Tempo gewinnen. «Alle Zutaten für eine Fortsetzung des soliden deutschen Aufschwungs sind vorhanden: Zur verlässlich guten Inlandsnachfrage wird sich nach und nach eine Aufhellung des außenwirtschaftlichen Umfelds gesellen», sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) fehlen derzeit allerdings die Wachstumstreiber - insbesondere beim Exportgeschäft. «Die zu Jahresbeginn aufgekommenen Exporthoffnungen verpuffen im Frühsommer größtenteils wieder.» Sonderfaktoren wie der niedrige Ölpreis, der Wechselkurs, das Zinstief und die Flüchtlingsausgaben wirkten weiter, entfalteten aber kaum noch zusätzliche Kraft.

Finanzexperten beurteilen die Konjunkturaussichten skeptischer, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervorgeht. «Dass sich die Wirtschaftslage in gleicher Geschwindigkeit weiter verbessern wird, ist aus Sicht der Experten nicht zu erwarten», erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Auch im Vorjahresvergleich wuchs die deutsche Wirtschaft von Januar bis März: Das preisbereinigte BIP stieg um 1,3 Prozent - kalenderbereinigt um 1,6 Prozent, weil es einen Arbeitstag weniger gab als ein Jahr zuvor.

Für das Gesamtjahr erwarten Bundesregierung und Internationaler Währungsfonds (IWF) ein BIP-Wachstum in der Größenordnung von 1,7 Prozent. Die Wirtschaftsweisen gehen von 1,5 Prozent aus.

Di, 2016-05-24 14:37
Berlin/Potsdam (dpa)

Unwetter halten Feuerwehr im Norden und Osten in Atem

Brände nach Blitzen, blockierte Gleise, überschwemmte Straßen: Gewitter und Sturm haben in Teilen Deutschlands zu zahlreichen Einsätzen der Feuerwehr geführt.

Berlin/Potsdam (dpa) - Heftige Unwetter mit Sturmböen und Starkregen haben die Einsatzkräfte im Norden und Osten Deutschlands auf Trab gehalten. Bäume knickten um und Keller liefen mit Regenwasser voll. In Hamburg rückte die Feuerwehr in der Nacht zum Dienstag insgesamt 78 Mal aus, in Berlin waren bis Dienstagmittag 38 Einsätze nötig. Im Süden von Schleswig-Holstein zählte die Rettungsleitstelle rund 200 Einsätze binnen zwei Stunden.

Stellenweise fielen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 25 Liter Regenwasser pro Quadratmeter und Stunde. Das Wasser lief in Keller und Tiefgaragen, bahnte sich durch die Kanalisation den Weg in Häuser und drückte Gully-Deckel auf die Straßen. Unter anderem kam es auf der Ostsee-Autobahn Hamburg-Lübeck zu Behinderungen. In Berlin wurden vier Brände nach Blitzeinschlägen gemeldet. Auch ein Wohnhaus in Brandenburg geriet in Brand, als ein Blitz einschlug.

Ein Unwetter in der sächsischen Schweiz legte neben der Bahnstrecke Prag-Dresden auch die Kirnitzschtalbahn bei Bad Schandau lahm. Eine Schlammlawine hatte sich über Straße und Gleise gewälzt, wie eine Sprecherin der Verkehrsgesellschaft sagte. Geröll blockierte die Gleise.

Bereits in der Nacht zum Montag hatte ein Sturm in Ostwestfalen erhebliche Schäden angerichtet. Ob es sich dabei um einen Tornado gehandelt habe, sei weiter unklar, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag mit. Indizien wie die Schäden sprächen dafür, sagte der Meteorologe DWD-Thomas Ruppert. «Doch uns fehlen die Beweise.»

Prognosen zu einem möglichen «Tornadosommer» lassen die jüngsten Unwetter nach Einschätzung des Meteorologen nicht zu. Schwere Gewitter mit möglichen lokalen Wirbelstürmen entstünden immer dann, wenn feuchtwarme Hochdruckluft von einem feuchtwarmen Atlantiktief abgelöst werde - wie häufig das in den kommenden Monaten der Fall sein könnte, lasse sich aber nicht vorhersagen.

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Di, 2016-05-24 14:25
Braunschweig (dpa)

Nordzucker schrammt an Jahresverlust vorbei - Besserung erwartet

Braunschweig (dpa) - Europas zweitgrößter Zuckerhersteller Nordzucker hat sich im Geschäftsjahr 2015/16 überraschend in den schwarzen Zahlen gehalten. Nach einem herben Gewinneinbruch im Vorjahr sank der Überschuss in den zwölf Monaten bis Ende Februar jedoch weiter um ein Viertel auf 15 Millionen Euro, wie der Südzucker-Rivale am Dienstag in Braunschweig mitteilte. «Das zurückliegende Geschäftsjahr war mehr als herausfordernd», sagte Vorstandschef Hartwig Fuchs. Nordzucker spürt eine weltweite Überproduktion und hohe Bestände innerhalb der EU. Im laufenden Jahr soll es beim Gewinn aber wieder aufwärts gehen.

Dass die Gesellschaft entgegen ihrer vor einem Jahr genannten Prognose 2015/2016 nicht in die roten Zahlen geriet, verdankte sie den Angaben zufolge Einsparungen im Betrieb und einer erfolgreich eingeklagten Zinsrückzahlung. Dabei musste der Zuckerhersteller einen merklichen Umsatzrückgang abfedern. Die Erlöse sanken um fast 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr 2016/17 erwartet die Nordzucker-Führung einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres. Weitere Einsparungen aus dem laufenden Effizienzprogramm, relativ niedrige Energiepreise und leicht verbesserte Zuckererlöse sollen den Gewinn unter dem Strich steigen lassen.

Die Zuckerbranche steht vor einer Liberalisierung und damit vor großen Umwälzungen. Ab 2017 entfallen die bisher von der EU verordneten Vermarktungsquoten für die Zuckerunternehmen und der Mindestpreis, den Landwirte für ihre Rüben erhalten.

Di, 2016-05-24 14:16
London (dpa)

Forscher fürchten zehn Millionen Tote jährlich durch resistente Keime

London (dpa) - Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen könnten weltweit künftig etwa zehn Millionen Menschen pro Jahr an resistenten Erregern sterben. Zu diesem Schluss kommt ein britischer Report, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Bereits heute kämen 700 000 Menschen pro Jahr durch Infektionen mit resistenten Keimen ums Leben. Bis zum Jahr 2050 könne sich diese Zahl mehr als verzehnfachen. Die Regierung Großbritanniens hatte die Studie einer Forschergruppe um den britischen Ökonomen Jim O'Neill in Auftrag gegeben.

In einem Zehn-Punkte-Programm fordert das Team unter anderem, den Gebrauch von Antibiotika in der Landwirtschaft weltweit einzuschränken und die Resistenzen stärker zu überwachen. Nötig sei zudem ein weltweiter Forschungfonds und ein globaler Bund im Kampf gegen Resistenzen.

Di, 2016-05-24 14:08
Leverkusen (dpa)

Bayer-Chef Baumann deckt sich mit Aktien ein

Leverkusen (dpa) - Bayer-Chef Werner Baumann hat das im Zuge der Milliarden-Offerte für den US-Saatgutspezialisten Monsanto gedrückte Kursniveau zum Aktienkauf genutzt. Allein seit Montag hat der erst seit gut drei Wochen amtierende Chef des Dax-Konzerns Aktien für fast eine Million Euro erworben, wie aus Stimmrechtsmitteilungen hervorgeht. Insgesamt kaufte Baumann 11 000 Bayer-Aktien. Der Kurs der Aktien ist seit den aufkommenden Spekulationen über eine Übernahme von Monsanto kräftig gesunken.

Am Montag hatte Bayer die 62 Milliarden US-Dollar schwere Kauf-Offerte öffentlich gemacht. Bayer bietet 122 US-Dollar in bar je Monsanto-Aktie. Händler und Analysten waren von der Höhe des Gebots überrascht. Baumann hatte am Montag für den Kauf geworben. Er zeigte sich von der industriellen Logik des Deals überzeugt und sprach von einer einzigartigen Gelegenheit.

Bayer würde mit dem Mega-Deal auf einen Schlag zur Nummer Eins im Markt für Agrarchemikalien aufsteigen. Für die Leverkusener wäre es nicht nur die größte Übernahme in der Firmengeschichte, sondern auch der bisher größte Zukauf eines deutschen Konzerns.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Di, 2016-05-24 14:15
Berlin (Oxfam)

Bundesregierung verpasst Chance zur Bildungsförderung

Globale Bildungskampagne kritisiert deutsche Zurückhaltung beim Fonds „Education Cannot Wait – Bildung kann nicht warten“

Ein beim Humanitären Weltgipfel in Istanbul neu aufgesetztes Hilfspaket zur Finanzierung von Bildung in Krisen und Konflikten muss vorerst ohne deutsche Beiträge auskommen: Die Bundesregierung hat für den Fonds „Education Cannot Wait – Bildung kann nicht warten“, der im Kontext humanitärer Hilfe die finanzielle Basis der Bildungsförderung stärken soll, keine Mittel zugesagt.

Jan-Thilo Klimisch, Sprecher der Globalen Bildungskampagne, kritisiert: „Die Bundesregierung hat die Chance verpasst, ihr Bekenntnis zu Bildungsförderung als Schwerpunkt ihrer humanitären Hilfe mit Taten zu untermauern. Jedem Kind eine Chance auf Bildung zu geben, wäre eine wichtige und zentrale Antwort auf die globale Flüchtlingskrise. Nach wie vor können 75 Millionen Kindern weltweit aufgrund von Krisen, Konflikten oder Flucht nicht zur Schule gehen – oft über Jahre hinweg. Dieser Zustand ist unhaltbar. Bildung ist ein Menschenrecht – egal wo Kinder aufwachsen. Deutschland tut zu wenig, um dieses Recht zu gewährleisten. Die Bundesregierung sollte ein klares Signal zur Mitfinanzierung des neuen Fonds senden und „Education Cannot Wait“ mit einer Anschubfinanzierung von mindestens 50 Millionen Euro unterstützen."

Di, 2016-05-24 13:18
Pirna (dpa)

Unwetter legt auch sächsische Straßenbahn lahm

Pirna (dpa) - Das heftige Unwetter in der sächsischen Schweiz hat neben der internationalen Bahnstrecke Prag-Dresden auch die Kirnitzschtalbahn bei Bad Schandau lahmgelegt. Eine Schlammlawine habe sich über Straße und Gleise gewälzt, sagte eine Sprecherin der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) am Dienstag. Geröll blockiere die schmalspurigen Gleise, ein Hang im Kirnitzschtal nahe der Ostrauer Mühle sei abgerutscht. Auch Busse müssen umgeleitet werden. Zuvor hatten verschiedene Medien darüber berichtet.

Di, 2016-05-24 13:06
Kabul (dpa)

Kämpfer, Gelehrter, Terrorist - Wer wird der neue Talibanchef?

Kabul (dpa) - Nach der Tötung des Talibanchefs Mullah Achtar Mansur am Samstag haben die Taliban Beratungen über seine Nachfolge begonnen. Hier die Namen jener, die Aussicht auf den Job haben:

1. DschalaluddinHakkani: Mullah Mansurs Stellvertreter für Militärisches. Die USA haben ein Kopfgeld von umgerechnet 4,45 Millionen Euro auf ihn ausgesetzt. Für ihn spricht, dass er als kompetent gilt und einige der öffentlichkeitswirksamsten (weil grausamsten) Anschläge der Taliban in Szene gesetzt hat. «Er hat auch dazu beigetragen, die zersplitterten Taliban mehr zu einen», sagt der Sprecher der Nato-Mission Resolute Support, Charlie Cleveland. Gegen ihn spricht, das er nicht aus dem Süden - dem Kernland der Talibanelite - kommt, sondern aus dem Osten. Eine weitere Überlegung gegen ihn könnte sein, dass die USA sehr auf seine Tötung drängen und möglicherweise, wie bei Mansur, wieder selber die Initiative ergreifen. Hakkani würden von Beginn zur Zielscheibe, und die Bewegung könnte in kurzer Zeit ihren dritten Anführer verlieren.

2. Mullah Amir Khan Mottaki: Während der Herrschaft der Taliban war Mottaki Bildungs- und Informationsminister. Laut dem deutschen Afghanistan-Experten Thomas Ruttig ist er einer der ältesten und einflussreichsten Mitglieder in der Talibanbewegung. Er genieße breites Ansehen. Ruttig, der ihn als UN-Vertreter im Jahr 2000 getroffen hat, meint, Mottaki «wäre keine schlechte Wahl». Seine Begründung: «Er denkt politisch und ist kein Hardliner. Er hat für die Taliban wichtige Verhandlungen geführt und das Ansehen von Mullah Omar genossen.» Auch er stammt allerdings nicht aus Kandahar, sondern aus Paktika.

3. Mullah Jakub, ältester Sohn des langjährigen, verstorbenen Talibanchefs Mullah Omar. Jakub, der eine Religionsschule in Pakistan besucht haben soll, steuert laut Mitteilungen Militärkommissionen der Taliban in 15 Provinzen Afghanistans. Mit Ende 20 oder Anfang 30 könnte er von vielen als zu jung für den Chefposten wahrgenommen werden. Er wird als «sehr emotional» beschrieben. Aber als Sohn des verehrten Mullah Omar ist er auch eine Figur, die zerstrittene Fraktionen wieder versöhnen könnte.

4. Mullah Abdul Manan Achund, jüngerer Bruder des verstorbenen Talibanchefs Mullah Omar. Manan war nie sehr prominent unter den Taliban. Eine Rolle auf dem Schlachtfeld soll er nicht gespielt haben. Erst jüngst kam er zu mehr Ansehen und wurde im April, nach einem Bericht des «Long War Journal», zum Chef der Kommission für «Predigt und Ratschlag» ernannt. Dass er eine nicht kontroverse Figur ist, könnte aber ein Vorteil sein.

5. Abdul Kajum Sakir: Sakir war lange Chef der Militärkommission der Taliban und einer der wichtigsten Kommandeure auf dem Schlachtfeld. Von 2001 bis 2007 war er im US-Terroristengefängnis Guantánamo Bay inhaftiert. Nach seiner Freilassung kehrte er auf das Schlachtfeld zurück. 2014 wurde er wegen Auseinandersetzungen mit Mullah Mansur als Chef der Militärkommission entlassen. Sakir stammt aus Helmand, wo die Taliban einen ihrer wichtigsten Kämpfe um mehr eigenes Territorium führen. Das könnte ein Pluspunkt für ihn sein.

6. HaibatullahAchundsada: Der zweite Mansur-Stellvertreter genießt als religiöser Gelehrter und hochrangiger Talibanrichter Achtung und Respekt unter vielen Taliban. Zudem stammt er aus dem Kernland der Talibanführung, der Südprovinz Kandahar. Es gibt aber Stimmen, die sagen, ihm fehle es an der nötigen Härte zu führen.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2016-05-24 13:15
Hannover/Braunschweig (dpa)

VW-Finanzsparte erhöht Gewinnprognose nach starkem Jahresstart

Neben China, Porsche und Audi ist die VW-Finanzsparte der Gewinnmotor bei den Wolfsburgern. Längst sind die Finanzdienstleistungen mehr als ein reiner Absatzförderer. Die künftige Mobilitätswelt geht über das Autokaufen weit hinaus.

Hannover/Braunschweig (dpa) - Nach einem starken Startquartal traut sich die Volkswagen-Finanzsparte im laufenden Jahr mehr zu. Die Konzerntochter rechne nun mit 1,9 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und damit mit rund 200 Millionen Euro mehr als bisher, sagte der Vorstandschef der Volkswagen Finanzdienstleistungen Lars Henner Santelmann am Montagabend in Hannover.

Damit liegt die neue Zielvorgabe auf dem Niveau des Rekordjahres 2015, das trotz Diesel-Krise Bestmarken brachte. Gut laufe das Geschäft in Europa, allen voran in Südeuropa, aber auch den Trend zu Mobilitätsdienstleistungen wie Wartung und Inspektion helfe.

Die VW-Finanzdienstleistungen vereinen bei Europas größtem Autobauer das Finanzieren von Händlernetzen und Neuwagenverkäufen, das Leasing, Versicherungs- und Service-Verträge für private und gewerbliche Kunden sowie die VW-Bank, eine der größten Banken in Europa.

Mit viel Nachdruck wolle die VW-Finanzsparte den Gebrauchtwagenmarkt erobern, hieß es. Ziel sei es, mit den rund 100 Millionen VW-Konzernfahrzeugen jüngerer Baujahre (Durchschnittsalter bis acht Jahre) mehr Geschäfte zu machen, etwa in der Finanzierung oder der Versicherung von Gebrauchten.

Mehr Wachstum bei Kundenverträgen will die Sparte einerseits über mehr Kunden und mehr Neuverträge schaffen, andererseits aber auch über längere Kontakte zu den vorhandenen Bestandskunden. Helfen solle dabei auch die komplette Digitalisierung der Produkte, damit künftig zum Beispiel jeder Vertrag auch online abgeschlossen werden kann.

Den Angaben zufolge gibt es im Konzern auch konkrete Pläne, den zwei führenden deutschen Online-Autobörsen mobile.de und autoscout24.de Konkurrenz zu machen. Details nannten die Manager nicht, aber eine Weiterentwicklung der Konzernmarken-Plattformen stehe auf der Agenda.

Zum Risiko, stärker ins Gebrauchtwagengeschäft einzusteigen, sagte Fiedler: «Sie verdienen da mehr Geld.» Es gebe bei den Krediten keine signifikant höhere Ausfallquote als im Neuwagengeschäft.

Die Digitalisierung werde die Finanzsparte «über die nächsten Jahre» etwa 500 Millionen Euro kosten, sagte Fiedler. Vieles davon zahle sich rasch aus, etwa wegen einer stärkeren Eigenleistung der Kunden.

Di, 2016-05-24 13:22
Istanbul (dpa)

Hilfsorganisationen sehen UN-Weltnothilfegipfel kritisch

Zwei Tage lang reden Vertreter von Staaten, Organisationen und Unternehmen in Istanbul über Mängel bei der Nothilfe. Appelle sind bei dem Treffen viele zu hören. Aber wird sich wirklich etwas ändern?

Istanbul (dpa) - Internationale Hilfsorganisationen ziehen ein kritisches Fazit des ersten UN-Weltnothilfegipfels in Istanbul. Nötig sei ein stärkerer Fokus auf notleidende Menschen in Krisengebieten, die nicht erreicht werden könnten, sagte der UN-Nothilfe-Experte und Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Jan Egeland, am Dienstag.

«Natürlich brauchen wir mehr Geld und eine bessere Organisation», erklärte er. Gleichzeitig gebe es aber Millionen Menschen in Not, die von Hilfe abgeschnitten seien.

Bei dem zweitägigen Gipfel mit rund 6000 Teilnehmern geht es darum, die oft unzureichende Versorgung Notleidender in Krisengebieten zu verbessern. Unter anderem soll die Finanzierung auf eine stabilere Basis gestellt werden. Mit dem Treffen reagieren die UN auf die weltweit stark gestiegene Anzahl von Krisen und Menschen in Not.

Egeland nannte als Beispiel die westirakische Stadt Falluduscha. Iraks Armee versucht derzeit, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von dort zu vertreiben. 50 000 Zivilisten seien von Hilfe abgeschnitten und könnten in die Schusslinie geraten, warnte Egeland. Er ist zugleich Nothilfe-Berater des UN-Syriengesandten Staffan de Mistura.

Der Präsident Peter Maurer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), beklagte, immer häufiger würden Zivilisten Ziel von Gewalt. Es gebe eine wachsende Lücke zwischen dem humanitären Völkerrecht und der Realität. Bei dem Gipfel könne jetzt Druck auf die Konfliktparteien ausgeübt werden, damit sie ihr Verhalten änderten.

Bereits am ersten Tag des zweitägigen Gipfels hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag die Einhaltung des Völkerrechts angemahnt. Sie kritisierte insbesondere, dass im Bürgerkriegsland Syrien und anderswo systematisch Klinken bombardiert und Ärzte getötet würden.

Der Vorsitzende der Welthungerhilfe, Till Wahnbaeck, sieht bei dem Gipfel Licht und Schatten. Einerseits gebe es keine konkrete Pläne, wie es nach dem Treffen konkret weitergehe. Andererseits sei ein Paradigmenwechsel weg von der Krisenreaktion hin zur Vorsorge eingeleitet worden. Als Beispiel nannte er Klimaschutzversicherungen, mit denen sich Betroffene vor den Folgen etwa von Dürren schützen könnten. «Ich gehe guten Mutes aus dem Gipfel heraus», sagte er.

Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, erklärte, der Gipfel habe die Aufmerksamkeit auf die internationale humanitäre Hilfe gelegt. Allerdings sei es negativ, dass außer Merkel nur wenige hohe Regierungsvertreter an dem Treffen teilgenommen hätten. Das deute darauf hin, dass die harte politischen Fragen offensichtlich nicht diskutiert werden sollten.

Schon im Vorfeld hatte es Kritik an dem Gipfel gegeben. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sagte ihre Teilnahme in Istanbul ab, weil sie das Treffen für ein «Feigenblatt» hält.

Di, 2016-05-24 13:22
Wien (dpa)

UN: Kriminelle handeln illegal mit Tausenden Arten

Wien (dpa) - Das Ausmaß des illegalen Handels mit Wildtieren und Wildpflanzen ist nach UN-Erkenntnissen größer als bisher befürchtet. Viel mehr Arten seien betroffen und die Kontrolle - von der Wilderei bis zum Verkauf - habe vor allem die organisierte Kriminalität, heißt es im ersten globalen Bericht des UN-Büros zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zu diesem Thema.

Für den am Dienstag in Wien veröffentlichten «World Wildlife Crime Report» wertete UNODC Daten von Naturschutzorganisationen sowie der Weltzollorganisation (WCO) zu mehr als 167 000 Beschlagnahmen im Zusammenhang mit Wildlife-Kriminalität in 120 Ländern aus. Sie zeigten, dass nicht allein das Überleben ikonenhafter Tiere wie Tiger, Elefant und Nashorn von grenzüberschreitend agierenden Banden bedroht ist. Fast 7000 Spezies seien betroffen. Zahlen zu Profiten des illegalen Handels nennt UNODC in der Studie nicht.

Die Wilderei und der Schmuggel von Tieren und Pflanzen, die unter anderem zu Modeartikeln, Nahrung oder Möbeln verarbeitet oder als Haustiere gehalten werden, sei nicht nur eine Gefahr für die Umwelt, erklärte UNODC-Leiter Juri Fedotow. Er schüre auch Konflikten an. Zur Bekämpfung müssten viele Staaten unter anderem Gesetzeslücken schließen und Verbote entschlossener durchsetzen.

Di, 2016-05-24 13:13
Kabul (dpa)

Kämpfer, Gelehrter, Terrorist - Wer wird der neue Talibanchef?

Kabul (dpa) - Nach der Tötung des Talibanchefs Mullah Achtar Mansur am Samstag haben die Taliban Beratungen über seine Nachfolge begonnen. Hier die Namen jener, die Aussicht auf den Job haben:

1. Dschalaluddin Hakkani: Mullah Mansurs Stellvertreter für Militärisches. Die USA haben ein Kopfgeld von umgerechnet 4,45 Millionen Euro auf ihn ausgesetzt. Für ihn spricht, dass er als kompetent gilt und einige der öffentlichkeitswirksamsten (weil grausamsten) Anschläge der Taliban in Szene gesetzt hat. «Er hat auch dazu beigetragen, die zersplitterten Taliban mehr zu einen», sagt der Sprecher der Nato-Mission Resolute Support, Charlie Cleveland. Gegen ihn spricht, das er nicht aus dem Süden - dem Kernland der Talibanelite - kommt, sondern aus dem Osten. Eine weitere Überlegung gegen ihn könnte sein, dass die USA sehr auf seine Tötung drängen und möglicherweise, wie bei Mansur, wieder selber die Initiative ergreifen. Hakkani würden von Beginn zur Zielscheibe, und die Bewegung könnte in kurzer Zeit ihren dritten Anführer verlieren.

2. Mullah Amir Khan Mottaki: Während der Herrschaft der Taliban war Mottaki Bildungs- und Informationsminister. Laut dem deutschen Afghanistan-Experten Thomas Ruttig ist er einer der ältesten und einflussreichsten Mitglieder in der Talibanbewegung. Er genieße breites Ansehen. Ruttig, der ihn als UN-Vertreter im Jahr 2000 getroffen hat, meint, Mottaki «wäre keine schlechte Wahl». Seine Begründung: «Er denkt politisch und ist kein Hardliner. Er hat für die Taliban wichtige Verhandlungen geführt und das Ansehen von Mullah Omar genossen.» Auch er stammt allerdings nicht aus Kandahar, sondern aus Paktika.

3. Mullah Jakub, ältester Sohn des langjährigen, verstorbenen Talibanchefs Mullah Omar. Jakub, der eine Religionsschule in Pakistan besucht haben soll, steuert laut Mitteilungen Militärkommissionen der Taliban in 15 Provinzen Afghanistans. Mit Ende 20 oder Anfang 30 könnte er von vielen als zu jung für den Chefposten wahrgenommen werden. Er wird als «sehr emotional» beschrieben. Aber als Sohn des verehrten Mullah Omar ist er auch eine Figur, die zerstrittene Fraktionen wieder versöhnen könnte.

4. Mullah Abdul Manan Achund, jüngerer Bruder des verstorbenen Talibanchefs Mullah Omar. Manan war nie sehr prominent unter den Taliban. Eine Rolle auf dem Schlachtfeld soll er nicht gespielt haben. Erst jüngst kam er zu mehr Ansehen und wurde im April, nach einem Bericht des «Long War Journal», zum Chef der Kommission für «Predigt und Ratschlag» ernannt. Dass er eine nicht kontroverse Figur ist, könnte aber ein Vorteil sein.

5. Abdul Kajum Sakir: Sakir war lange Chef der Militärkommission der Taliban und einer der wichtigsten Kommandeure auf dem Schlachtfeld. Von 2001 bis 2007 war er im US-Terroristengefängnis Guantánamo Bay inhaftiert. Nach seiner Freilassung kehrte er auf das Schlachtfeld zurück. 2014 wurde er wegen Auseinandersetzungen mit Mullah Mansur als Chef der Militärkommission entlassen. Sakir stammt aus Helmand, wo die Taliban einen ihrer wichtigsten Kämpfe um mehr eigenes Territorium führen. Das könnte ein Pluspunkt für ihn sein.

6. Haibatullah Achundsada: Der zweite Mansur-Stellvertreter genießt als religiöser Gelehrter und hochrangiger Talibanrichter Achtung und Respekt unter vielen Taliban. Zudem stammt er aus dem Kernland der Talibanführung, der Südprovinz Kandahar. Es gibt aber Stimmen, die sagen, ihm fehle es an der nötigen Härte zu führen.

Di, 2016-05-24 13:42
Kabul (dpa)

Regierung: Taliban-Gouverneur der umkämpften Provinz Helmand getötet

Kabul (dpa) - Der Taliban-Gouverneur der umkämpften Südprovinz Helmand ist nach Angaben der afghanischen Regierung getötet worden. Der Mann mit dem Kampfnamen Musamel sowie zwei seiner Kommandeure seien bei einer Operation afghanischer Spezialkräfte ums Leben gekommen, twitterte der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Seddiki, am Dienstag.

Ein Taliban-Sprecher, Kari Ahmadi, wies die Nachricht per Kurznachrichtendienst Twitter als «Propaganda» zurück. Keiner der Taliban-Kommandeure in Helmand sei tot. Es gehe allen gut.

Musamels Tod wäre nach der Tötung von Taliban-Chef Mullah Mansur am Samstag der zweite schwere Schlag für die Bewegung. Helmand steht neben den Nordprovinzen Kundus und Baghlan im Fokus ihrer Operationen. Die radikalen Islamisten wollen dort einen Staat im Staat für sich erkämpfen. Bisher kontrollieren sie mindestens 5 der 14 Bezirke der Provinz Helmand.

Helmand ist unter anderem wegen seiner riesigen Opiumfelder interessant für die Aufständischen. Die in diesem Jahr besonders ertragreiche Ernte geht gerade zu Ende und wird nach Ansicht von Experten die Kriegskasse der Taliban reich auffüllen.

Di, 2016-05-24 13:30
Leipzig (dpa)

Papst, Party, Politik: Der Katholikentag in Leipzig

Zum Jubiläum des Katholikentags haben sich die Veranstalter ein besonderes Umfeld ausgesucht. Christen stellen in Leipzig nur eine Minderheit. Für die Kirche ist das Glaubensfest auch ein Testlauf.

Leipzig (dpa) - Zehntausende Christen werden am Mittwoch zum 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig erwartet. Bis Sonntag wollen sie unter dem Motto «Seht, da ist der Mensch» gemeinsam diskutieren, beten und feiern. Die Deutsche Presse-Agentur hat die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Glaubenstreffen:

Was ist ein Katholikentag?

Katholikentage haben in Deutschland eine lange Tradition, es gibt sie seit 1848. Seit 1950 finden sie in der Regel alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt - im Wechsel mit den evangelischen Kirchentagen. Die aus der katholischen Laienbewegung entstandene Großveranstaltung dauert fünf Tage, an denen Zehntausende Katholiken und auch Gläubige anderer Religionen zusammenkommen. Sie wird nicht von der Amtskirche organisiert, sondern vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Das ist der höchste repräsentative Zusammenschluss der katholischen Laien in der Kirche in Deutschland.

Was ist das besondere beim Jubiläumstreffen?

Zum 100. Jubiläum haben sich die Veranstalter ausgerechnet eine Stadt ausgesucht, in der kaum es kaum Katholiken gibt. Gerade mal 4,3 Prozent der rund 570 000 Einwohner Leipzigs sind katholisch, hinzu kommen um die 10 Prozent evangelische Christen, rund 80 Prozent sind konfessionslos. Das ZdK spricht von einer ganz bewussten Standortentscheidung und sieht darin einen Testlauf dafür, wie Kirche trotz sinkender Mitgliederzahlen auch künftig in die Gesellschaft hineinwirken kann. Im übrigen sei es «höchste Zeit», dass nach 22 Jahren wieder ein Katholikentag im Osten stattfinde, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. 1994 war er in Dresden.

Was ist in Leipzig geplant?

An fünf Tagen gibt es etwa 1000 Veranstaltungen. Einen Schwerpunkt bilden Diskussionsforen zu politischen und gesellschaftlichen Themen unserer Zeit, etwa zur Integration von Flüchtlingen und zum Umgang mit dem Islam, zu Klimaschutz und Atomausstieg, zu nachhaltigem Wirtschaften und Armutsbekämpfung. Dazu haben sich viele Politiker angesagt, etliche Bundesminister kommen nach Leipzig. Bundespräsident Joachim Gauck, der schon bei der Eröffnung des Katholikentags am Mittwoch dabei ist, nimmt tags darauf an einem Podium «In welcher Gesellschaft leben wir» teil. Kritik an den Veranstaltern gab es, weil diese keine AfD-Vertreteter einluden. «Menschen auf ihre nationale Zugehörigkeit zu reduzieren, das ist unchristlich», sagte Sternberg dazu der «Zeit»-Beilage «Christ & Welt» (Mittwoch).

Geht es nur um politische Fragen?

Natürlich nicht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die internen Debatten, die die katholische Kirche derzeit prägen. Papst Franziskus, der seit 2013 amtiert, hat für ein offeneres Klima in der Kirche gesorgt und bei vielen Gläubigen Hoffnungen auf Reformen geweckt. Daher geht es in Leipzig etwa um das Familienbild der Kirche und ihre Sexualmoral, der selbst viele Christen nicht mehr folgen mögen. Auch der Umgang mit Homosexuellen oder die Frage, wie Frauen in der Kirche mehr Verantwortung übernehmen können, wird diskutiert. Hinzu kommt die Ökumene, also der Dialog mit den anderen christlichen Kirchen. Gut ein Jahr vor dem 500. Reformationsjubiläum geht es vor allem um das Verhältnis zur evangelischen Kirche. Und: Bei Katholikentagen darf natürlich auch das Feiern nicht zu kurz kommen, etwa bei Konzerten oder Straßenfesten.

Und was ist mit den Leipzigern, die keine Christen sind?

Die dürfen gerne mitfeiern. Zudem tragen die Veranstalter dem Umstand, dass der Katholikentag in der Diaspora stattfindet, mit besonderen Veranstaltungen Rechnung. «Selbstverständlich gibt es ganz besondere Programmangebote, die auf die Stadt reagieren», erläuterte Sternberg. «Wir haben einen eigenen Themenbereich «Leben mit und ohne Gott»». Die Veranstaltungen könne man auch ohne Katholikentags-Ticket besuchen. Auch stehen in der Stadt Kirchenbänke, auf denen jeder Interessierte mit Katholiken ins Gespräch kommen könne. Wie schwierig das nichtchristliche Umfeld in Leipzig ist, zeigt die Tatsache, dass es in der Messe-Stadt erstmals nicht gelang, genügend Privatquartiere für Katholikentagsbesucher zu finden. Einige hundert Teilnehmer kommen nun in einem leerstehenden Flüchtlingsheim unter.

Was kostet eigentlich so ein Katholikentag?

In Leipzig sind es rund zehn Millionen Euro. Für kontroverse Diskussionen sorgen vor solchen Kirchen-Veranstaltungen immer wieder die staatlichen Zuschüsse. Sie betragen für den 100. Katholikentag immerhin 4,5 Millionen Euro: Der Freistaat Sachsen steuert 3 Millionen bei, die Stadt Leipzig 1 Million Euro und das Bundesinnenministerium 0,5 Millionen Euro. Weitere Finanziers sind der Verband der Diözesen Deutschlands (1,5 Millionen) und die Diözese Dresden-Meißen (0,6 Millionen), hinzu kommen Eigenmittel etwa aus dem Verkauf von Tickets, Souvenirs oder einer Kollekte.
 

Di, 2016-05-24 13:37
Ramallah (dpa)

Valls hofft auf direkte Gespräche Israels mit Palästinensern

Ramallah (dpa) - Frankreich hofft darauf, mit einer internationalen Friedenskonferenz die von Israel geforderten direkten Gespräche mit den Palästinensern einzuleiten. Die Konferenz wolle entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, sagte Ministerpräsident Manuel Valls am Dienstag in Ramallah. «Frankreich wird gerne Gastgeber jeglicher Gespräche dieser Art sein.» Valls verwies dabei auf den seit zwei Jahren brachliegenden Friedensprozess.

Der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah kritisierte Netanjahus Vorschlag, sich zu einem bilateralen Gespräch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Paris zu treffen. «Netanjahu schlägt diese Treffen vor, um Zeit zu gewinnen», sagte Hamdallah. Ägypten versucht laut einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite «ynetnews» aktuell ebenfalls, beide Verhandlungspartner an einen Tisch zu bekommen.

Paris hat für den 3. Juni zu einer internationalen Konferenz zur Wiederbelebung des Friedensprozesses zwischen Israel und den Palästinensern eingeladen. Die Palästinenser haben die französische Initiative begrüßt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt einen internationalen Rahmen für Friedensverhandlungen als kontraproduktiv ab.

Di, 2016-05-24 13:45
Athen/Idomeni (dpa)

Flüchtlinge von Idomeni räumen das Feld

Tränengas, Blendgranaten, verängstigte Kinder, langes Anstehen für ein Stückchen Brot: Das waren immer wieder die Bilder von Idomeni. Jetzt haben das Leid, aber auch die Hoffnung der Menschen ein Ende.

Athen/Idomeni (dpa) - Monatelang harrten sie im Dreck aus in ihren kleinen Zelten, den Nato-Stacheldraht zur Grenze von Mazedonien fest im Blick. Nun wurde auch ihre letzte Hoffnung zerschlagen, die Grenze nach Mitteleuropa doch noch zu überqueren: Am Dienstag haben die Flüchtlinge und Migranten von Idomeni angesichts eines gewaltigen Aufgebots der griechischen Polizei begonnen, ihre Sachen zu packen und in staatliche Flüchtlingslager umzuziehen.

Endlose Müdigkeit und vor allem Resignation stehen den Menschen aus Ländern wie Syrien, Irak und Afghanistan ins Gesicht geschrieben. An den Wegen des Lagers türmen sich Berge von Gepäck - Rucksäcke, aber auch Einkaufstaschen und Mülltüten, in denen die Flüchtlinge ihr weniges Hab und Gut verstauen und zur Abreise bereitstellen. Zelte werden abgebaut, Busse bestiegen. Manche der unfreiwilligen Passagiere winken bei der Abfahrt.

Es geht in eines der neuen Auffanglager, die von der griechischen Regierung in Windeseile organisiert wurden. Dazu hat man im ganzen Land alte Industriegebäude angemietet und ehemalige Militärkasernen reaktiviert. Rund 54 000 Flüchtlinge und Migranten sind mittlerweile in Griechenland gestrandet. Immerhin stagniert die Zahl der Neuankömmlinge seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingspakts von EU und Türkei; derzeit setzen täglich nur ein paar Dutzend Menschen über, im Frühjahr waren es noch bis zu 3000 am Tag.

Knapp 9000 Flüchtlinge und Migranten lebten zuletzt im Camp von Idomeni und waren nicht zur Umsiedlung zu bewegen. Schlagzeilen gab es immer wieder: Mehrfach versuchten die Menschen, den Grenzzaun zu stürmen, mazedonische und griechische Grenzbeamte und Polizisten griffen mit Tränengas und Blendgranaten ein, es gab Verletzte. Beim Versuch, über einen reißenden Fluss nach Mazedonien zu gelangen, kamen sogar drei Afghanen ums Leben.

So wurde Idomeni zum traurigen Sinnbild für die Flüchtlingskrise und das Versagen europäischer Politik. Viele kamen, sich das Elend anzuschauen und zu mahnen. Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm verbrachte im März sogar medienwirksam eine Nacht in einem Flüchtlingszelt. «Bei Millionen, die in Not sind, wegzugucken», sagte er damals entsetzt, «was ist denn das für ein Europa?»

In Griechenland fragt man sich angesichts der reibungslos gestarteten Räumung von Idomeni vor allem eines: Warum nicht schon viel früher? Seit der Nachbarstaat Mazedonien die Grenze auf Drängen Österreichs im Februar endgültig dicht machte und mehr als 13 000 Flüchtlinge über Nacht vor verschlossenen Toren standen, nahm das Elend von Idomeni seinen Lauf. Sogar den Bahnübergang besetzten die verzweifelten Menschen - der griechischen Wirtschaft entstand durch die Unterbrechung des Warenverkehrs ein Schaden in Millionenhöhe.

Doch die Regierung wollte mit Blick auf die vielen Familien mit Kindern im Lager auf Gewalt verzichten. Und diese Maßgabe bleibt auch jetzt bestehen: Flankiert von Übersetzern streiften am Dienstagmorgen friedliche Beamte durch das Lager, um die Menschen zum Packen aufzufordern. Um das Camp herum: 1400 Bereitschaftspolizisten in voller Montur, die im Falle von Gegenwehr eingreifen sollten. Daneben: Viele Busse, die die Menschen in staatliche Auffanglager bringen sollen.

Bleibt die Frage, was die Flüchtlinge nun erwartet: Die griechischen Auffanglager stehen nicht gerade im Ruf, die besten Unterkünfte zu sein. Immer wieder treten dort Flüchtlinge in den Hungerstreik, um gegen die Zustände zu demonstrieren; in der Nähe der Stadt Larissa sammelten sie sogar Skorpione und Schlangen in Einmachgläsern, um auf die Zustände im Lager aufmerksam zu machen. Ramona Lenz von der Hilfsorganisation medico international kritisiert denn auch: «Die Räumung (von Idomeni) ist eine Bankrotterklärung der europäischen Flüchtlingspolitik. Es geht nicht darum die Lage der Gestrandeten zu verbessern, sondern sie unsichtbar zu machen.»
 

Di, 2016-05-24 13:30
Helsinki (dpa)

Technologiepreis fürs Nachahmen der Evolution im Labor

Helsinki (dpa) - Die US-amerikanische Wissenschaftlerin Frances Arnold ist für ihre Forschung zur sogenannten gerichteten Evolution mit dem Millennium-Technologiepreis für Innovationen zur Erhöhung der Lebensqualität ausgezeichnet worden. Das teilte die Technology Academy Finland (TAF) am Dienstag mit.

Bei der gerichteten Evolution werden Prozesse der natürlichen Evolution im Labor nachgeahmt, um neue und bessere Enzyme für verschiedene Anwendungen zu gewinnen. Im Prinzip werden die Enzyme nach dem Zufallsprinzip modifiziert und besonders nützliche Kandidaten herausgefiltert.

«Die Evolution ist das stärkste Entwicklungsverfahren der Welt, und das sollten wir nutzen, um neue biologische Lösungen für Probleme zu finden», sagte Arnold laut einer Mitteilung der Akademie. Die neue Technologie ersetze teure, toxische und nicht nachhaltige chemische Verfahren bei der Herstellung von Pharmazeutika, Kosmetika, Textilien, Lebensmittel und Papier.

Frances Arnold ist die erste Frau, die die Auszeichnung bekommt. Unter den früheren Preisträgern sind der Begründer des World Wide Web Sir Tim Berners-Lee und Shuji Nakamura, der Entwickler der blauen und weißen Leuchtdioden. Der Millennium-Technologiepreis ist mit einer Million Euro dotiert.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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