Mi, 2015-05-06 07:30
Singapur (dpa)

Ölpreise erreichen neue Jahreshöchststände

Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Mittwoch weiter gestiegen und haben neue Jahreshöchststände erreicht. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Morgen 68,38 US-Dollar. Das waren 86 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,03 Dollar auf 61,43 Dollar.

Am Markt wurden die jüngsten Gewinne mit neuen Lagerdaten aus den USA begründet. Das private Forschungsunternehmen American Petroleum Institute (API) hatte am Dienstagabend von rückläufigen Rohölvorräten berichtet. Damit mehren sich die Hinweise, dass sich das hohe überschüssige Angebot in den USA zumindest etwas verringern könnte. Die Rohölförderung hält sich dagegen trotz zahlreicher Schließungen von Bohrlöchern auf hohem Niveau.

Mi, 2015-05-06 07:24
Rostock/Bützow (dpa)

Bild der Verwüstung in der Kleinstadt Bützow bei Rostock

Der Schock steht den meisten Bützowern noch ins Gesicht geschrieben. Fassungslos stehen sie am Morgen vor den Trümmern, die der schwere Sturm hinterlassen hat.

Rostock/Bützow (dpa) - Am Tag nach dem schweren Sturm in der Kleinstadt Bützow bei Rostock hat sich ein Bild der Verwüstung geboten. Die Hauptstraße wie auch die gesamte Innenstadt war am Mittwoch morgen gesperrt, überall auf den Straßen liegen Tausende Ziegel von abgedeckten Dächern. Auch an den Dächern der Kirche und des Rathauses waren schwere Schäden zu sehen. Der obere Teil des Kirchdachs ist in großen Teilen abgedeckt.

Zerstörte Autos mit zertrümmerten Scheiben stehen in der Nähe des Marktplatzes und der Kirche. In dem kleinen Park an der Kirche liegen umgestürzte Bäume.

Ein Polizeisprecher in Rostock sagte: «Es gilt da erst mal wieder ein ziviles Leben aufzubauen, über die Schadenshöhe hat noch niemand nachgedacht.» Mehr als 150 Einsatzkräfte waren bis tief in die Nacht damit beschäftigt, Trümmerteile von den Straßen zu entfernen. Die Hauptstraße ist weitgehend geräumt, in Seitenstraßen liegen jedoch noch teilweise die Trümmer.

Für den frühen Morgen hatten sich die Verantwortlichen von Stadt und Behörden zu einem Krisentreffen verabredet. Experten wollten am Mittwoch prüfen, inwieweit schwer betroffene Häuser noch bewohnbar sind.

Bei dem Unwetter waren nach Angaben von Landrat Sebastian Constien (SPD) vom Vorabend etwa 30 Menschen durch umherfliegende Trümmerteile leicht verletzt worden.  

Mi, 2015-05-06 06:16
Hamburg (dpa)

Umfrage: Zwei Drittel der Deutschen lehnen «Zuckersteuer» ab

Viel Süßkram zu essen, ist der Gesundheit nicht förderlich. Das wissen die meisten - und naschen trotzdem weiter. Sollte der Staat darum Schokolade und Bonbons teurer machen? Diese Idee kommt im Volk nicht gut an, wie eine Umfrage zeigt.

Hamburg (dpa) - Die große Mehrheit der Deutschen hat sich in einer repräsentativen Umfrage gegen die Einführung einer sogenannten Zuckersteuer ausgesprochen. Nur 30 Prozent der Befragten unterstützen Überlegungen aus der SPD-Bundestagsfraktion, auf Süßwaren die volle Mehrwertsteuer von 19 Prozent zu erheben, 68 Prozent lehnen dies ab. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit. Bislang gilt für Schokolade und Bonbons wie bei den meisten Lebensmitteln der ermäßigte Satz von 7 Prozent.

Hintergrund der Überlegungen ist die starke Zunahme übergewichtiger Menschen in Deutschland. Nach Angaben der Krankenkasse mussten 2013 bundesweit mehr als 18 000 Menschen wegen Adipositas oder sonstiger Überernährung im Krankenhaus behandelt werden. Das sei ein Anstieg von 154 Prozent im Vergleich zu 2005, teilte die DAK-Gesundheit in Hamburg mit.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Elvira Drobinski-Weiß hatte in der vergangenen Woche der «Saarbrücker Zeitung» gesagt, für ihre Partei sei die Einführung einer Zuckersteuer denkbar.

Über die Frage, ob sich die Politik um die Ernährungsgewohnheiten der Bürger kümmern sollte, zeigten sich die Menschen in der Umfrage gespalten. 49 Prozent sehen das als Aufgabe des Staates, 43 Prozent meinten, die Politik sollte sich aus diesem Bereich heraushalten.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mi, 2015-05-06 06:40
Rostock/Bützow (dpa)

Bild der Verwüstung in der Kleinstadt Bützow bei Rostock

Rostock/Bützow (dpa) - Am Tag nach dem schweren Sturm in der Kleinstadt Bützow bei Rostock hat sich am frühen Mittwoch ein Bild der Verwüstung geboten. Die Hauptstraße durch den Ort war gesperrt, überall auf den Straßen lagen Ziegel von abgedeckten Dächern. Auch an den Dächern der Kirche und des Rathauses waren schwere Schäden zu sehen. Ein Polizeisprecher in Rostock sagte: «Es gilt da erst mal wieder ein ziviles Leben aufzubauen, über die Schadenshöhe hat noch niemand nachgedacht.» Bei dem Unwetter waren nach Angaben von Landrat Sebastian Constien vom Vorabend etwa 30 Menschen durch umherfliegende Trümmerteile leicht verletzt worden.

Mi, 2015-05-06 05:35
London (dpa)

Die wichtigsten Köpfe im britischen Wahlkampf

London (dpa) - Bei den britischen Unterhauswahlen am Donnerstag werden sich die konservativen Tories und die Labour-Partei laut Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Hier die wichtigsten Protagonisten:

David Cameron (48/Tories): Geschickter Schachzug oder keine gute Idee? Schon vor der Wahl hat Premierminister David Cameron von den konservativen Tories gesagt, er stehe nur noch für eine Amtszeit zur Verfügung. Cameron ist seit 2005 Parteichef und seit 2010 Hausherr in der Downing Street Nummer 10. Seither tut er sich schwer, den richtigen Weg zwischen Hardlinern in seiner eigenen Konservativen Partei, dem liberalen Koalitionspartner und übergeordneten Interessen zu finden. Cameron ist verheiratet und bekam mit seiner Frau vier Kinder. Der erstgeborene und schwerbehinderte Sohn Ivan starb im Jahr 2009. Zu Camerons Hobbys zählen Tennis und Reiten.

Ed Miliband (45/Labour): Es ist noch gar nicht so lange her, da forderte selbst seine eigene Partei Miliband auf, doch endlich mal Politik zu machen. Lange galt der Labour-Chef, der an Heiligabend Geburtstag hat, in Großbritannien als Spitzenkandidat, den keiner will. Die Briten hielten ihn für ungeeignet: schlecht am Rednerpult, unbeliebt bei den Wählern. Inzwischen ist das anders. Miliband, der politisch lange im Schatten seines Bruders David stand und unter Premier Gordon Brown Energieminister war, hat sich Respekt verschafft und wird inzwischen ernst genommen. Ganz nebenbei avancierte er auch noch zum Teenie-Schwarm. Er gilt dem linken Parteiflügel zugehörig. Miliband ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Nick Clegg (48/Liberal Democrats): Bei der Wahl 2010 wurde Clegg als Chef der Liberaldemokraten Juniorpartner von Premier Cameron, zum Königsmacher, und läutete eine neue Ära ein: Erstmals seit rund 70 Jahren gab es in Großbritannien eine Koalitionsregierung. Clegg gilt als moderner und europafreundlicher Politiker. Für einen Briten ungewöhnlich, spricht der ehemalige Europaabgeordnete vier Fremdsprachen - neben Deutsch auch Niederländisch, Spanisch und Französisch. Bei jungen Leuten kommt Clegg gut an, bei der Arbeiterklasse tut der Mann aus bestem Hause sich allerdings schwer. Wie Tory-Chef Cameron besuchte er Elite-Schulen, studierte in Cambridge. Clegg ist mit einer Spanierin verheiratet. Nach der Geburt des jüngsten Sohnes nahm er Vaterzeit. Seine drei Söhne haben keine englischen Namen, sondern spanische: Antonio, Alberto und Miguel.

Nicola Sturgeon (44/SNP): Die Chefin der Scottish National Party tritt nicht bei den Unterhauswahlen an, könnte aber zur Königsmacherin werden. Laut Umfragen könnte ihre Partei fast alle der 59 schottischen Sitze im Londoner Parlament bekommen. Sturgeon ist die Exotin in diesem Wahlkampf - nicht nur, weil sie aus Schottland kommt und eine Frau ist - sondern vor allem, weil sie ein Kind der Arbeiterklasse ist. Sie wurde als älteste von zwei Töchtern eines Elektrikers im schottischen Irvine geboren. In Glasgow, wo sie mit ihrem Mann lebt, arbeitete sie als Anwältin. Ihre politischen Anfänge hat sie als Atomwaffen- und Thatcher-Gegnerin. «Ich hasste alles, wofür sie stand», sagte sie einmal. Sturgeon übernahm die Führung in der SNP, nachdem Parteichef Alex Salmond nach dem verlorenen Unabhängigkeitsreferendum zurückgetreten war.

Nigel Farage (51/UKIP): Das frühere Mitglied der Konservativen wurde Anfang der 1990er Jahre Mitbegründer der UK Independence Party (UKIP), die sich für einen EU-Austritt Großbritanniens einsetzt. Sein wichtigstes politisches Ziel: ein Referendum über den Verbleib von Großbritannien in der Europäischen Union. Premier Cameron bezeichnete die UKIP-Mitglieder einst als «Spinner, Irre und heimliche Rassisten».

Mi, 2015-05-06 05:53
Berlin (dpa)

Vierlinge mit 65: Wie geht es der werdenden Mutter? Von Andrea Barthélémy, dpa

65 Jahre alt und schwanger mit Vierlingen: Die Nachricht von der ultraspäten werdenden Mutter in Berlin erregte bundesweit Aufsehen und Kritik. Ihre jüngste Tochter hat sich ein Geschwisterchen gewünscht.

Berlin (dpa) - Jetzt zählt jeder Tag: Die werdende Berliner Vierlingsmutter Annegret R. (65) ist auch in der 25. Schwangerschaftswoche noch wohlauf und munter. «Ihr geht es gut und wir lassen sie komplett in Ruhe», sagte RTL-Sprecherin Heike Speda. «Sie wird engmaschig von diversen Ärzten überwacht und die jüngsten Befunde sind überaus erfreulich. Alle Kinder sind sehr gut entwickelt.» Die schwangere Lehrerin hat bereits 13 Kinder im Alter zwischen 44 und 10 Jahren sowie sieben Enkel. Sie hatte sich aus Eizell- und Samenspenden im Labor gezeugte Embryonen in der Ukraine einpflanzen lassen.

«Wir werden erst dann wieder berichten, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Wir richten uns dabei unbedingt nach den Empfehlungen der Ärzte und dem persönlichen Befinden der Mutter», sagte Speda. Der Sender hat für die Exklusivrechte für die Berichterstattung bezahlt. Bei der Geburt werde RTL jedoch keinesfalls im Kreißsaal dabei sein, betonte Speda. «Wir haben für die weitere Berichterstattung noch keinen Plan A, B oder C - hoffen aber natürlich, dass alles gut geht und Mutter und Kinder auch weiterhin wohlauf sein werden.» Derzeit sei die Geschichte, bis zur Geburt, erstmal erzählt, aber das ein oder andere Follow Up über den Lebensstart der Vierlinge werde hoffentlich möglich. Dies hänge jedoch vom weiteren Geschehen ab. «Und wir planen derzeit kein serielles Format im Anschluss.»

Die Geschichte der alleinerziehenden Mutter und Großmutter hatte in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Viele Zuschauer und Leser warfen der 65-Jährigen Selbstsucht und Verantwortungslosigkeit vor. Auch Mediziner kritisierten die Entscheidung als immens riskant und gefährlich für Mutter und Kinder. Annegret R. hatte sich dagegen gewehrt: «Ich rede anderen Leuten nicht in ihr Leben rein, und ich erwarte, dass meins genauso akzeptiert wird.» Sie begründete ihre Schwangerschaft damit, dass ihre Tochter Lelia (10) sich sehnlichst ein Geschwisterchen gewünscht habe.

Auch 2005 nach der Geburt von Lelia - die nach Angaben der Mutter auf natürlichem Wege entstand - war Annegret R. mit ihrer großen Familie bereits bei RTL aufgetreten. Für die exklusiven Berichterstattungsrechte an der jetzigen Vierlingsschwangerschaft erhielt sie von dem Sender eine unbekannte Summe. «Außerdem unterstützen wir die Familie auf freiwilliger Basis. Zwei Kolleginnen stehen als ständige Ansprechpartner zur Verfügung und leisten praktische Lebenshilfe», sagte Speda. Das reiche von der Suche nach einer Haushaltshilfe bis hin zu Maklertelefonaten.

In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz Eizellspenden. In anderen Ländern, wie etwa der Ukraine, Tschechien oder Spanien sind sie jedoch möglich. Auch Frauen aus Deutschland nutzen dieses Angebot und lassen sich oft gleich mehrere Embryonen einpflanzen, um die Chance für eine Schwangerschaft zu erhöhen. Mehrlinge kommen wegen Platzmangels in der überbeanspruchten Gebärmutter oder Unterversorgung jedoch oft viel zu früh zur Welt, viele haben dadurch bleibende Behinderungen. Ärzte versuchen deshalb, die Schwangerschaft zumindest bis über die kritische 24. Woche hinaus aufrechtzuerhalten.

Laut deutschem Register In-vitro-Fertilisation (IVF) gab es von 2000 bis 2012 in Deutschland 18 Vierlingsgeburten nach künstlicher Befruchtung. Bei nur einer davon war die Mutter über 40 Jahre alt. Prof. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin um Uniklinikum Leizpig, hatte jüngst die späte Schwangerschaft von Annegret R. aus medizinischer Sicht als «die absolute Katastrophe» bezeichnet. «Man kann die Risiken dieser Schwangerschaft nicht mehr seriös abschätzen.» Zumindest im Augenblick scheint die Berlinerin diese düsteren Prognosen noch Lügen zu strafen.

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Mi, 2015-05-06 05:45
Berlin (dpa)

«Wir vergessen nicht» - Der Umgang mit der deutschen Schuld Von Kristina Dunz, dpa

Deutsche haben im Zweiten Weltkrieg Millionen von Menschen umgebracht. Bundesregierung und Bundespräsident wollen, dass sich die Deutschen dazu bekennen und Verantwortung übernehmen. Auf ewig.

Berlin (dpa) - Die Schuld der Deutschen im Zweiten Weltkrieg ist für die Bundeskanzlerin so etwas wie eine Erbsünde. Wenn Angela Merkel über die Gräueltaten der Nazis spricht, formuliert sie es so, dass niemand an der Verantwortung Deutschlands zweifeln soll. Sie sagt: «Wir». Etwa so: «Wir Deutschen haben hier eine besondere Verantwortung, aufmerksam sensibel und auch kundig mit dem umzugehen, was wir in der Zeit des Nationalsozialismus angerichtet haben.»

Für die Christdemokratin ist es unumstößlich, dass die Aufklärung über den Krieg und die Judenvernichtung von Generation zu Generation weitergegeben werden muss. «Ich sage, dass es kein Schlussstrich unter Geschichte gibt (...) Das muss man auch den jungen Menschen sagen», erklärt sie zum 70. Jahrestag des Kriegsendes. Die Erinnerung an Krieg und Holocaust müsse wachgehalten werden, damit so etwas «nie wieder» passiert. Das sei keine Floskel.

Das Gedenken an das Kriegsende im Mai 1945 ist überschattet vom Ukraine-Konflikt, in dessen Verlauf viele prowestliche Ukrainer und prorussischen Kräfte starben. Der überwunden geglaubte Kalte Krieg mit Russland bricht sich gerade wieder Bahn. Bürger sorgen sich um den Frieden in Europa.

Kremlchef Wladimir Putin ist wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und der Solidarität mit prorussischen Separatisten im Kreis der westlich ausgerichteten Staaten isoliert. Zum Gipfel der wichtigen Industrienationen (G7) im Juni in Deutschland darf er nicht kommen. Und die meisten Staats- und Regierungschefs der EU sowie US-Präsident Barack Obama boykottieren die großen Feiern in Russland am 9. Mai zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland.

Auch Merkel bleibt fern. Es sei undenkbar, heißt es in Berlin, dass die Kanzlerin in Moskau zuschaut, wie bei der Militärparade Panzer vorbeirollen, die vor kurzem noch in der Ostukraine eingesetzt worden seien. Es sei aber völlig klar, dass Merkel das Zerwürfnis mit Putin von dem Gedenken an die vielen Millionen russischen Opfer im Zweiten Weltkrieg und den Anteil der Roten Armee an dessen Ende trenne.

Deshalb reist sie am 10. Mai nach Moskau und legt gemeinsam mit Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Ob sie anschließend über eine Lösung des Ukraine-Konflikt sprechen werden? Mancherorts sind die Erwartungen hoch. Niemand will eine Eskalation des Konflikts. Merkel gilt als wichtige Gesprächspartnerin Putins - trotz aller Differenzen.

Das Kriegsende 1945 wertet die Bundesregierung so wie es Bundespräsident Richard von Weizsäcker vor 30 Jahren getan hat: «Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.(...) Wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen.» Die Welt horchte damals auf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht von «epochemachenden wie erlösenden Worten».

Die Befreiung bedeute eine historische Verantwortung und Verpflichtung für Deutschland, beschrieb Steinmeier jüngst bei der Eröffnung der Ausstellung «1945 - Niederlage. Befreiung. Neuanfang» in Berlin. Deutschland sei in den vergangenen 70 Jahren ein anerkannter Teil der neuen Weltordnung geworden. «Nicht zuletzt deshalb, weil viele Opfer dem Land der Täter die Hand gereicht haben. (...) Deutschland, dereinst Brandstifter und Anstifter von Unordnung, muss heute in besonderem Maße Stifter von Ordnung sein; muss - mehr als andere - engagiert sein für politische Lösungen in Konflikten und den Erhalt von friedenssichernden Strukturen.»

Merkel setzt ein Zeichen mit ihrer Kranzniederlegung in Moskau, Steinmeier mit einer Reise nach Wolgograd (früher Stalingrad), Bundespräsident Joachim Gauck unter anderem mit einem Besuch einer Kriegsgräberstätte in Brandenburg. Am 8. Mai gibt es eine gemeinsame Gedenkstunde von Bundestag und Bundesrat. Gauck sagte in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung»: «Am 8. Mai sind wir befreit worden - nicht nur, aber auch durch die Völker der Sowjetunion. Deshalb schulden wir ihnen Dankbarkeit und Respekt.» Die Erinnerung an die Sowjetarmee sei aber ambivalent. Die Soldaten seien bis 1945 Befreier und nach 1945 Garanten der Diktatur gewesen.

Am 3. Mai erklärte Merkel bei einer Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau, was noch deutsche Staats- und Bürgerpflicht ist: «Wir alle sind unablässig dazu aufgerufen, unmissverständlich klarzumachen, dass jüdisches Leben Teil unserer Identität ist.» Zuvor hatte sie es als Schande bezeichnet, dass jüdische Einrichtungen in Deutschland von Polizisten bewacht werden müssten. Merkel mahnte, Diskriminierung, Ausgrenzung und Antisemitismus dürften in Deutschland keinen Platz haben. «Das sind wir den Überlebenden schuldig. Und das sind wir uns allen schuldig.» Sie versprach: «Wir vergessen nicht.»

Mi, 2015-05-06 05:00
Essen (dpa)

Essen wird Energiehauptstadt - Aufschwung für Ruhr-Metropole Von Rolf Schraa, dpa

Seit der Kohle- und Stahlkrise ging es in Essen lange bergab. Doch seit einigen Jahren wächst die Wirtschaft der Ruhr-Metropole wieder. Mit dem Umzug von Eon hofft die Stadt auf weiteren Schwung.

Essen (dpa) - Schlechte Luft und wenig Geld - so lauten hartnäckige Vorurteile gegen das Ruhrgebiet und seine Metropole Essen. Tatsächlich hat die industrielle Kernregion Deutschlands mit der Kohle- und später der Stahlkrise Hunderttausende Stellen und viel von ihrem alten Reichtum verloren. Der Strukturwandel nach den Goldenen Zeiten der Montanindustrie ist ein mühsames Geschäft, die Arbeitslosenzahlen liegen bis heute mit rund 12 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Doch seit etwa zehn Jahren wächst die Ruhrwirtschaft wieder deutlich. Die Unternehmen in der Region haben sich neu formiert. Bereits 2010 kam der Stahlriese ThyssenKrupp zurück an den einstigen Essener Krupp-Stammsitz in eine spektakuläre neue Firmenzentrale. Jetzt hat sich der größte deutsche Energiekonzern Eon für den Umzug mit der Mehrheit der Mitarbeiter an die Ruhr entschieden. Bei der Eon-Hauptversammlung an diesem Donnerstag (7.5.) dürfte dieses Thema die Gespräche der Aktionäre bestimmen.

Fast gleichzeitig mit Eon kündigte der weltgrößte Chemikalienhändler Brenntag seinen Wechsel von Mülheim nach Essen an. Die Stadt beherbergt damit künftig sechs der 50 umsatzstärksten Konzerne Deutschlands (Eon, RWE, ThyssenKrupp, Aldi Nord, Hochtief, Schenker) und die renditestarken MDAX-Unternehmen Brenntag und Evonik. Essen mit seinen knapp 578 000 Einwohnern spielt so als Wirtschaftsstandort zusammen mit Frankfurt, München und Hamburg bundesweit in der ersten Liga.

Vor allem für die Energiewirtschaft wird die Stadt zum Maß aller Dinge, wenn neben der Nummer Zwei der Branche, RWE, ab 2016 auch die Nummer Eins Eon ihren Sitz in Essen hat, hoffen die Stadtoberen. Lokalpolitiker und Wirtschaftsförderer sprechen schon von der «Energiehauptstadt Essen». Schließlich sitzt auch noch der große deutsche Energieerzeuger Steag in der Stadt. Hinzu kommt Deutschlands größter Gasnetzbetreiber OGE mit über 1600 Mitarbeitern.

Der große Vorteil der Region liegt in ihrer Ballung, sagt der zuständige Essener IHK-Geschäftsführer Heinz-Jürgen Hacks: Mehr als fünf Millionen Menschen leben hier auf engem Raum mit vergleichsweise guten Verkehrsverbindungen. «Kunden und freie Arbeitskräfte - beides ist schon reichlich da.» In manchen Regionen Süddeutschlands mit Quasi-Vollbeschäftigung müssten neue Unternehmen Mitarbeiter dagegen am besten gleich mitbringen, sagt Hacks. Auf dem Markt gebe es dort keine.

Die Struktur an der Ruhr ist längst nicht mehr so einseitig schwerindustriell wie einst, hat eine Untersuchung der IHK Essen ergeben. Vor allem rund um die Universitäten haben sich vielfach kleine Unternehmen mit insgesamt gerechnet respektablen Beschäftigtenzahlen angesiedelt. Beim Wachstum, gemessen am Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zwischen 2002 und 2012, liegt Essen sogar im Vergleich der zehn größten deutschen Städte an der Spitze und rangiert damit vor Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund und Bremen, wie die Stadt vor kurzem stolz verkündete.

Dass Eon an die Ruhr kommt, ist für Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) nicht nur ein «starkes Symbol» für den Standort, wie er offiziell erklärte. Die Stadt kann sich auch auf zusätzliche Gewerbesteuer und Zuzüge von Mitarbeitern freuen, denen das Pendeln etwa aus Düsseldorf auf Dauer zu langwierig wird. Die Preise für modernen Wohnraum in Essen locken zum Umzug: Laut offizieller Statistik ist die Neubau-Doppelhaushälfte an der Ruhr mehr als 200 000 Euro günstiger als in der Landeshauptstadt (533 000 Euro Düsseldorf, 328 000 Euro Essen).

Mi, 2015-05-06 05:31
Berlin (dpa)

Künftiger 65-jähriger Vierlingsmutter geht es gut

Berlin (dpa) - Die ultraspäte Vierlings-Schwangerschaft der 65-jährigen Berlinerin Annegret R. verläuft unerwartet gut. Auch in der 25. Woche ist die alleinerziehende Lehrerin, die bereits 13 Kinder und sieben Enkel hat, noch wohlauf. «Sie wird engmaschig von diversen Ärzten überwacht und die jüngsten Befunde sind überaus erfreulich. Alle Kinder sind sehr gut entwickelt», sagte RTL-Sprecherin Heike Speda. Der Kölner Privatsender hat die Exklusivrechte für die Berichterstattung. Annegret R. hatte sich die aus Eizell- und Samenspenden im Labor gezeugten Embryonen in der Ukraine einpflanzen lassen. Das Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft hatte bundesweit für Aufregung und auch Kritik gesorgt.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mi, 2015-05-06 04:15
Berlin (dpa)

Deutschland will beim G7-Gipfel für Klimarisiko-Versicherungen werben

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung will die großen Industrienationen für die Subventionierung von Klimarisiko-Versicherungen gewinnen. Diese Versicherungen sollen dazu dienen, Bauern und anderen Betroffene nach Überschwemmungen oder Dürre-Perioden schnell und preiswert über Versicherungen zu helfen, anstatt später große UN-Hilfsprogramme aufzulegen. Ein Beispiel, das die Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel im Juni in Bayern von dieser Idee überzeugen soll, ist eine afrikanische Versicherungsgesellschaft, die im Falle einer Dürre Notfallprogramme finanziert.

Die African Risk Capacity war 2014 mit jeweils 50 Millionen US-Dollar Startkapital aus Deutschland und Großbritannien gegründet worden und hat bisher vier Kunden: Mauretanien, Kenia, Niger und Senegal. Die Versicherungsgesellschaft hatte laut Entwicklungsministerium nach der Dürre in der Sahelzone Ende 2014 rund 26 Millionen US-Dollar an Mauretanien, Niger und Senegal ausgezahlt. Damit konnten nach Angaben des Ministeriums neues Saatgut, Nahrung und Futter für das Vieh beschafft werden. Auch Gambia, Burkina Faso, Malawi, Mali und Simbabwe sollen inzwischen Interesse an der Versicherung bekundet haben. Die Bundesregierung sähe ähnliche Versicherungsprodukte gerne auch in anderen Regionen - zum Beispiel in Zentralamerika.

Mi, 2015-05-06 04:42
Bremen/Bützow (dpa)

Fast alle Unwetterschäden beseitigt - «Massive Schäden» in Bützow

Die Schäden des kräftigen Gewitters im Norden Deutschlands hielten die Einsatzkräfte lange auf Trab. In Bützow werden zahlreiche Bewohner nach dem Tornado wohl erst am Wochenende in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Hamburg/Bremen/Bützow (dpa) - Die Folgen des schweren Unwetters in Norddeutschland haben die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei bis zum frühen Mittwochmorgen beschäftigt. In der Kleinstadt Bützow bei Rostock sollen die Aufräumarbeiten nach dem Tornado am Mittwochmorgen fortgesetzt werden. Die Hamburger Feuerwehr hatte mehr als 500 Einsätze und war noch in der Nacht damit beschäftigt, Bäume von den Straßen zu räumen. Bei dem kräftigen Gewitter war ein 26-Jähriger in Hamburg getötet worden. In Bremen, Lübeck, Oldenburg und Stade konnten die Einsatzkräfte die Aufräumarbeiten in der Nacht abschließen.

Kaum ein Ort war so stark von dem Unwetter betroffen wie die 8000-Einwohner-Stadt Bützow. Mehr als 150 Einsatzkräfte waren bis tief in die Nacht damit beschäftigt, Trümmerteile von den Straßen zu entfernen. Die Innenstadt von Bützow soll bis mindestens 6.00 Uhr am Mittwoch gesperrt bleiben. Der Unterricht in zwei Schulen fällt aus. Bei den Unwettern waren nach Angaben von Landrat Sebastian Constien etwa 30 Menschen durch umherfliegende Trümmerteile leicht verletzt worden. Bürgermeister Christian Grüschow sprach von «massiven Schäden».

Für Betroffene waren zwei Sporthallen zu Notunterkünften umfunktioniert worden. Wegen der zum Teil stark beschädigten Gebäude können zahlreiche Bewohner wahrscheinlich erst am Wochenende in ihre Häuser zurückkehren. «Davon ist in den meisten Fällen auszugehen. Zunächst werden bei Tageslicht alle Schäden gesichtet», sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle Bad Doberan am frühen Mittwochmorgen. Ab 7 Uhr wollen die Einsatzkräfte ihre Arbeit fortsetzen.

In Hamburg hatten Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern und Starkregen Bäume und Äste auf Straßen und Autos stürzen lassen. Ein 26-Jähriger war am Hamburger Fischmarkt durch ein einstürzendes Vordach getötet worden. Drei weitere Menschen seien in ihren Wagen eingeklemmt worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Wohnhäuser mussten nicht evakuiert werden.

Am Burchardkai im Containerhafen in Hamburg-Waltershof rissen sich durch den heftigen Sturm fünf Containerschiffe los. Sie trieben aufeinander zu und berührten sich, sagte der Polizeisprecher. Dabei sei Schaden in unbekannter Höhe entstanden. Schlepper mussten die Schiffe zurück an die Kaianlagen bugsieren.

Rund 300 Fahrgäste eines Metronom-Zuges mussten in Bremen einen ungeplanten Stopp einlegen, weil ein Baum auf eine Oberleitung gefallen war. Bis zum späten Abend hatte die Feuerwehr in der Innenstadt den Notstand ausgerufen. Verletzt wurde niemand.

Auch in Schleswig-Holstein war die Feuerwehr wegen überfluteter Keller und umgestürzter Bäume verstärkt im Einsatz. «Lübeck hat davon am meisten abbekommen», sagte ein Feuerwehrmann am frühen Mittwochmorgen. Starkregen drang auch in das Holstentor ein und überflutete Teile des Museums. Die Einsatzkräfte pumpten das Wasser aus den Gebäuden. Am Nordlandkai stürzte ein Hafenkran auf ein Containerschiff. Menschen wurden nicht verletzt, hieß es.

Mi, 2015-05-06 04:08
York (dpa)

UN: Zwei tote Blauhelmsoldaten bei Rebellen-Angriff im Kongo

New York (dpa) - Bei einem Rebellen-Angriff im Osten des Kongo sind nach UN-Angaben zwei Blauhelmsoldaten ums Leben gekommen. Vier weitere Soldaten würden noch vermisst, 13 seien verletzt worden, teilten die Vereinten Nationen in der Nacht zum Mittwoch in New York mit. Der Konvoi der Blauhelme sei von Rebellen überfallen und beschossen worden. Dabei seien die zwei aus Tansania stammenden Soldaten ums Leben gekommen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff und die anhaltenden Attacken der Rebellen der Gruppe «Alliierte Demokratische Kräfte» (ADF) auf die Zivilbevölkerung in der Gegend scharf. Die Soldaten waren Teil der vom Deutschen Martin Kobler geleiteten Monusco-Mission, die seit rund 15 Jahren für Frieden und Stabilität im Kongo sorgen soll.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Bier, Auto, Umwelt.
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Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Erschienen in Ausgabe 2.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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