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Fr, 2016-05-06 13:13
Berlin (dpa)

Schwere Zeiten für so manche «Konzernkommune» Von André Stahl, dpa

Nicht nur der Dividendenausfall macht kommunalen Eignern des Energiekonzerns RWE zu schaffen. Angesichts der Probleme auch anderer Versorger stellt sich die Frage: Wie stabil ist das Konstrukt «Stadtkonzern»?

Berlin (dpa) - Der Schritt kommt eigentlich ein paar Jahre zu spät - und die Stadtoberen wissen das. Mehrere Ruhrgebietsstädte stellen ihre Beteiligung an dem angeschlagenen Energiekonzern RWE auf den Prüfstand. Sie machen ein weiteres Engagement von den Perspektiven des einstigen Goldesels und Börsenschwergewichts abhängig.

Die Perspektiven sind derzeit aber mehr als ungewiss. Da waren Ex-RWE-Eigner wie Düsseldorf und Gelsenkirchen womöglich cleverer. Sie hatten ihre Aktien schon vor Jahren zu weit besseren Preisen verkauft, damit Schulden abgebaut, in städtische Dienstleistungen investiert - und wurden seinerzeit von anderen Stadtkämmerern dafür beschimpft oder belächelt.

«Bis Ende Juni streben wir eine Ratsentscheidung an, die uns auch die Option des Ausstiegs ermöglicht», sagte nun kürzlich Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». Der Fall RWE offenbart erneut die gegenseitige Abhängigkeit von Unternehmen und Kommunen. Die historisch gewachsene Beteiligung am international agierenden Konzern ist eher untypisch. Und sie ist nicht vergleichbar mit Stadtwerken, ausgelagerten Aufgaben oder der kommunalen Trägerschaft bei Sparkassen.

Wenn es um Energieversorger geht, ist großen wie kleinen gemein: Die Zeiten, als die gern als «Tafelsilber» gelobten Aktien für üppige Dividenden und attraktive Posten in den Gremien sorgten, sind vorbei. Das als stabil geltende Konstrukt «Konzernkommune» gerät ins Wanken.

Spätestens seit der Energiewende geht die Rechnung nicht mehr auf. «Häufig versäumen es kommunale Eigner, den Unternehmenskurs ihrer Beteiligungen zu beeinflussen», kritisiert Bernhard Lorentz von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Beteiligung heiße immer auch, als Aktionär Einfluss zu nehmen: «Dafür sind Kommunen nicht das geeignete Vehikel.»

Die einstige «Cash Cow» Versorgung funktioniert nicht mehr. Nicht nicht nur wegen ausbleibender Ausschüttungen - Geld, das Kommunen in ihren Haushalten regelmäßig eingeplant haben. Es geht auch um massive Wertberichtigungen. Lange rechneten sich Kommunen reicher, als sie tatsächlich waren, und führten etwa RWE-Aktien zu den hohen Werten der Vergangenheit in ihren Büchern. Abschreibungen setzen den ohnehin hoch verschuldeten Kommunen schwer zu.

Das wissen auch diejenigen Städte, die jetzt einen Ausstieg aus RWE erwägen. Zum wirtschaftlichen Engagement gehört zwar immer ein Risiko. Die Frage aber ist, inwieweit riskante Käufe zulässig sind - auch von Aktien eines neu aufgestellten RWE-Konzerns.

Kommunen dürfen nicht uneingeschränkt Unternehmen gründen und betreiben. Der Rahmen ist vorgegeben: Versorgungsaspekt und öffentliche Leistungen sind entscheidend. Eine Kommune darf sich nicht verheben. «Letztlich ist jede wirtschaftliche Beteiligung eine Risikoabwägung», sagt Helmut Dedy vom Deutschen Städtetag.

Oft gehe es Kommunen darum, Standortbedingungen und Attraktivität zu verbessern und Angebote zu machen, die sonst keiner übernehme, so Kommunalrechtsexperte Janbernd Oebbecke von der Uni Münster. Früher sei es die Stromversorgung gewesen, heute vielleicht das schnelle Internet.

Gewinne kommunaler Unternehmen sind erwünscht, aber nicht das eigentliche Ziel des «Stadtkonzerns». Oebbecke: «Verdient eine Kommune mit ihrer wirtschaftlichen Betätigung Geld, ist es das Schwierige, den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg zu finden.»

Mit der Liberalisierung des Energiemarktes in den 1990er Jahren wurde der Einstieg von Kommunen ins Strom- und Gasgeschäft vorangetrieben. Stromversorger waren lange profitabel und ermöglichten es im Zuge des steuerlichen Querverbundes, defizitäre Bereiche zu finanzieren - etwa den Nahverkehr oder Bäderbetriebe. Nicht umsonst entfallen von den etwa 1400 Mitgliedern des Verbandes kommunaler Unternehmen rund 900 auf die Energiesparte, der Rest auf die Abfall- und Wasserwirtschaft.

Eine Studie des Instituts für den öffentlichen Sektor von 2015 ergab, dass von 93 Stadtkonzernen bei einem Viertel die Risiken besonders groß seien. Die Finanzlage sei dort so angespannt, dass sich im Krisenfall das angeschlagene Stadtwerk nicht auf die notleidende Kommune als Retterin verlassen kann. Nur in sechs Fällen seien sowohl die Kommune als auch deren Stadtwerke-Unternehmen gut aufgestellt.

Auf einem anderen Blatt steht die Re-Kommunalisierung - wenn also Städte wieder stärker in der kostendeckenden Abfall- und Wasserwirtschaft mitmischen oder Gas- und Stromnetze erwerben. Der Netzbetrieb wirft Geld ab - bei überschaubarem Risiko.

Angesicht der Finanznöte rückt auch das Beziehungsgeflecht zwischen Sparkassen und kommunalen Eigentümern stärker in den Fokus. Oft wird beklagt, die Institute zeigten sich eher als edle Spender, anstatt Gewinn auszuschütten. Niedersachsens Landesrechnungshof fordert, die Träger sollten ihre Sparkassen bei der Erfüllung kommunaler Aufgaben stärker in die Pflicht nehmen und auf höhere Ausschüttungen pochen. Dafür aber müssten Lokalpolitiker näher hinschauen.

Fr, 2016-05-06 13:42
Prag (dpa)

Russischer Korrespondent in Prag wehrt sich: Ich bin kein Spion

Prag (dpa) - Ein russischer Journalist, dessen Akkreditierung in Prag nicht verlängert worden ist, hat den tschechischen Regierungschef Bohuslav Sobotka um Nachsicht gebeten. «Ich bin weder ein Spion noch ein Desinformator», beteuerte der 69-jährige Alexander Kuranow in einem Brief an den Sozialdemokraten, aus dem die Zeitung «Pravo» am Freitag zitierte. Eine Reaktion gab es zunächst nicht.

Der Journalist des staatlichen Medienkonzerns Rossija Sewodnja sprach demnach von einer persönlichen «Lebenstragödie» für sich und seine Familie. Neben Kuranow hatte auch Wladimir Snegirjow von «Wetschernaja Moskwa» (Moskauer Abendblatt) die Akkreditierung verloren. Das Außenministerium in Moskau sprach daraufhin von «Zensur» und drohte mit Vergeltungsmaßnahmen.

Nach Angaben des tschechischen Inlandsgeheimdienstes BIS hält sich eine anhaltend «hohe Zahl» russischer Spione in dem EU- und Nato-Mitgliedsstaat auf. Darunter seien sowohl aktive Agenten als auch sogenannte «Schläfer».

Fr, 2016-05-06 13:07
Washington (dpa)

USA verbieten Verkauf von E-Zigaretten an Jugendliche unter 18

Washington (dpa) - Der Verkauf von elektronischen Zigaretten an Jugendliche unter 18 Jahren wird in den USA verboten. Wie die Lebensmittel- und Arzneimittelaufsicht FDA am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte, müssen Hersteller die Packungen künftig auch mit einer Warnung versehen. Daraus müsse hervorgehen, dass E-Zigaretten süchtig machendes Nikotin enthalten könnten. Das Verkaufsverbot soll im August in Kraft treten, für die übrigen verschärften Regelungen gilt eine längere Übergangsfrist.

Die FDA zeigte sich alarmiert angesichts der zunehmenden Beliebtheit von E-Zigaretten, besonders unter jungen Menschen. Nach Zahlen von 2015 konsumierten rund drei Millionen Schüler E-Zigaretten, etwa eine halbe Million mehr als im Jahr zuvor. «Wir können nicht zulassen, dass die riesigen Fortschritte auf dem Weg zu einer tabakfreien Generation von Produkten untergraben werden, die unsere Gesundheit und unsere Wirtschaft derart treffen», sagte Gesundheitsministerin Sylvia Burwell.

E-Zigaretten verdampfen Flüssigkeiten zum Inhalieren. In Deutschland dürfen E-Zigaretten und E-Shishas seit dem 1. April nicht mehr an Kinder und Jugendliche verkauft werden - damals traten entsprechende Änderungen im Jugendschutzgesetz in Kraft.

Fr, 2016-05-06 13:50
Genf (dpa) 

UN-Menschenrechtskommissar verurteilt Angriffe auf Flüchtlingscamp

Genf (dpa) - Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte hat die Angriffe auf ein syrisches Flüchtlingscamp mit rund 30 Toten scharf verurteilt. Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass die tödlichen Attacken nur ein zufälliger Unfall gewesen seien, meinte Said Raad al-Hussein am Freitag in Genf. «Es ist viel wahrscheinlicher, dass sie beabsichtigt waren und einem Kriegsverbrechen gleichkommen.»

Das Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden des Bürgerkriegslands habe existiere bereits seit Wochen und sei deshalb klar aus der Luft zu erkennen gewesen. Die UN würden hart daran arbeiten, die Luftangriffe zu untersuchen. «Wir werden nichts unversucht lassen», um Beweise zu sammeln, sagte al-Hussein. Erste Berichte darüber, dass die Attacken von der syrischen Regierung durchgeführt wurden, müssten laut UN-Kommissar erst bestätigt werden.

Fr, 2016-05-06 13:32
Damaskus (dpa)

Weltweit Entsetzen über Luftangriff auf syrisches Flüchtlingslager

Die Menschen im syrischen Lager Kammuna waren eigentlich vor der Gewalt im Bürgerkrieg geflohen. Doch Bomben treffen ihr Camp, rund 30 Menschen sterben. Syriens Regime weist jede Verantwortung zurück.

Damaskus (dpa) - Der verheerende Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Nordwesten Syriens mit rund 30 Toten hat international scharfe Kritik und Empörung ausgelöst. Die Bundesregierung verurteilte die Bombardierung am Freitag scharf. «Wer so handelt, gefährdet alle Grundlagen einer friedliche Lösung des Konflikts», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts. Auch UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien zeigte sich entsetzt und sprach von einem möglichen Kriegsverbrechen, sollte das Camp bewusst als Ziel ausgesucht worden sein.

Bei dem Angriff auf das Flüchtlingslager Kammuna waren am Donnerstag nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen, darunter Kinder. Rettungshelfer vor Ort meldeten mehr als 30 Tote und 80 Verletzte. Videos, die die Opposition und Aktivisten im Internet verbreiteten, zeigten verkohlte Leichen und niedergebrannte Zelte.

Zunächst gab es keine unabhängigen Erkenntnisse darüber, wer für den Luftangriff verantwortlich ist. Syriens Opposition machte das Regime für die Bombardierung verantwortlich. Syriens Militär wies hingegen jeden Verantwortung für den Luftangriff zurück. Entsprechende Meldungen «tendenziöser Medien» seien nicht richtig, erklärte die Armeeführung nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Vielmehr gebe es Informationen, dass «Terrororganisationen» in letzter Zeit absichtlich zivile Ziele attackiert hätten.

Das Lager liegt in der Provinz Idlib, die bisher im wesentlichen von Syriens Luftwaffe und ihrem engen Verbündeten Russland angegriffen wurde. Die US-geführte internationale Koalition ist normalerweise weiter im Osten gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Einsatz. Syriens Opposition besitzt keine Luftwaffe.

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland und die russische Luftwaffe in Syrien benähmen sich äußerst verantwortungsvoll, um der brüchigen Atmosphäre des Waffenstillstands nicht zu schaden. «Russland hat das mehrfach gezeigt und ruft alle Seiten zu einem vorsichtigen Herangehen auf», sagte Peskow.

Laut den Menschenrechtsbeobachtern gehört das bombardierte Lager zu einer Region unter Kontrolle der Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. «Dies gibt aber niemandem das Recht, Zivilisten anzugreifen, wo auch immer sie sich aufhalten», sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, erklärte, es gebe keine Rechtfertigung für einen solchen Angriff auf Zivilisten. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einer schweren Verletzung humanitären Völkerrechts.

Der Luftangriff erschwert internationale Bemühungen um eine Rückkehr zu einem landweiten Waffenstillstand. Erst in dieser Woche hatten sich die USA und Russland auf eine neue Feuerpause für die schwer umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo geeinigt, nachdem die Gewalt dort in den vergangenen zwei Wochen eskaliert war. Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt hatte Syriens Opposition die ins Stocken geratenen Genfer Friedensgespräche mit Vertretern des Regimes verlassen.

Fr, 2016-05-06 13:53
Hongkong (dpa)

Studie in Hongkong: Luftverschmutzung erhöht Krebsrisiko erheblich

In einer Langzeitstudie haben Forscher in Hongkong nachgewiesen, wie gefährlich Feinstaub sein kann. Das Risiko, an verschiedenen Krebsarten zu sterben, steigt demnach durch schlechte Luft stark.

Hongkong (dpa) - Ältere Menschen, die dauerhaft einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, sterben einer Studie zufolge deutlich wahrscheinlicher an Krebs. Das erhöhte Risiko gelte für eine ganze Reihe von Tumorarten, wie ein Team aus Hongkong und Großbritannien im Journal «Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention» berichtet. Als Basis ihrer Langzeituntersuchung dienten die Daten von 66 280 Menschen ab 65 Jahren in Hongkong.

Als Feinstaub gelten winzige Partikel bis zu einer Größe von 10 Mikrometern. Ursprung der Schadstoff-Teilchen können etwa Dieselruß, Reifenabrieb oder Abgase von Industrie-, Kraftwerks- oder Heizungsanlagen sein. Im Fokus der aktuellen Studie standen Teilchen mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM2,5), die sich tief in den Bronchien und Lungenbläschen festsetzen oder sogar ins Blut übergehen können. Die Forscher erhoben die Feinstaubwerte an den Wohnorten der Menschen.

Ergebnis: Je 10 Mikrogramm erhöhter Konzentration von Feinstaub pro Kubikmeter Luft stieg demnach das Risiko, an Krebs zu sterben, um insgesamt 22 Prozent. Für Tumoren im oberen Verdauungstrakt stellten die Experten einen Anstieg um 42 Prozent fest. Das Sterberisiko durch Krebs an Leber, Pankreas oder Gallenblase nahm laut Studie um 35 Prozent zu. Bei Frauen stieg das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, sogar um 80 Prozent, wie die Forscher erläutern.

Während die Verbindungen zwischen Feinstaubbelastung und einem erhöhten Lungenkrebsrisiko bereits gut dokumentiert sind, war die gemeinsame Studie von Forschern der Universitäten Birmingham und Hongkong eine der ersten Untersuchungen, die auch einen Zusammenhang von Luftverschmutzung und anderen Krebs-Erkrankungen belegte. Die Studie mache deutlich, dass Feinstaub in Großstädten weltweit «so viel und so schnell wie möglich reduziert werden muss», sagte Neil Thomas von der Universität Birmingham.

Für die Auswirkungen der Feinstaubbelastung auf verschiedene Krebsarten gibt es nach Meinung der Forscher mehrere mögliche Erklärungen: Sie reichen von Veränderungen der Immunabwehr über Einflüsse auf die DNA-Reparatur bis hin zu Entzündungen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine jährliche Feinstaubelastung von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter gerade noch unbedenklich. Vor allem in Asien überschreiten viele Großstädte diesen Grenzwert jedoch deutlich. Hongkong liegt laut WHO-Zahlen bei einer jährlichen Durchschnittsbelastung von 21 Mikrogramm. In Peking sind Menschen durchschnittlich 67,7 Mikrogramm Feinstaub ausgesetzt.

«Es ist alarmierend, dass Feinstaub neben Lungenkrebs in Verbindung mit einer so großen Vielzahl von Krebserkrankungen steht», sagte Lauri Myllyvirta von Greenpeace. Nach Angaben der Umweltorganisation führt Feinstaub jährlich zu einer Million Todesfälle in China. In Indien sterben demnach rund 600 000 Menschen jährlich an schlechter Luft. In Europa seien es immerhin rund 100 000 Menschen.

In China gelten dreckige Kohlekraftwerke und der dichte Autoverkehr in Großstädten als Hauptursache für gefährliche Luftverschmutzung. Die Regierung geht zwar seit einiger Zeit gegen Smog vor, erzielte dabei allerdings durchwachsene Ergebnisse: Laut Greenpeace-Angaben ging die Luftverschmutzung in den ersten drei Monaten des Jahres landesweit um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. In immerhin 91 von 355 untersuchten Städten nahm die Luftverschmutzung aber weiter zu.

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Fr, 2016-05-06 12:23
München/Mainz (dpa) 

Kardinal Lehmann: AfD ist «Partei in der Pubertät»

München/Mainz (dpa) - Kardinal Karl Lehmann hält die AfD aus christlicher Sicht nicht für wählbar. «Für mich ist das eine Partei in der Pubertät», sagte der scheidende Mainzer Bischof der «Süddeutschen Zeitung» (Online: Donnerstag, Print: Freitag). Der Satz im Parteiprogramm, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sei mit einem modernen Verfassungsverständnis unvereinbar. «Und wer Rassismus und Nationalismus propagiert, ist für mich als Christ nicht wählbar.» Dahinter stecke aber ein Protest, der auf das Defizit verweise, dass ein vernünftiger Begriff von Heimat und kultureller Identität fehle.

Mit Blick auf die Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus warf der Kardinal der EU vor, sich zu sehr auf Wirtschaft und Handel und zu wenig um die kulturelle und emotionale Verankerung des Europa-Gedankens bei den Bürgern zu konzentrieren. «Er kann Europa daran erinnern, dass es eine Aufgabe in der Welt hat, und dass wir dieser Aufgabe manchmal so schlecht nachkommen, dass wir schamrot werden müssten», sagte Lehmann. Er warb um Geduld mit Ländern wie Polen, Ungarn und Tschechien: «Es ist auch ein Problem, dass die EU zu rasch zu viele Länder aufgenommen hat.»

Lehmann wird am 16. Mai 80 Jahre alt. Er hat Papst Franziskus gebeten, seinen Dienst als Mainzer Bischof zu beenden.

Fr, 2016-05-06 12:29
Magdeburg (dpa)

Weiße Löwenbabys in Magdeburg vorgestellt

Magdeburg (dpa) - Zwei weiße Löwenbabys sind im Magdeburger Zoo zum ersten Mal öffentlich vorgestellt worden. «In ganz Europa gibt es nur 70 weiße Löwen», sagte Zoodirektor Kai Perret am Freitag. «Insofern sind die zwei Neulinge natürlich etwas Besonderes.» Zehn Tage nach ihrer Geburt sind die flauschigen Löwinnen kleiner als Hauskatzen und bringen jeweils rund zwei Kilo auf die Waage.

Die noch namenlosen Zwillinge schliefen 22 Stunden am Tag, sagte Tierpfleger Konstantin Ruske. Nach kritischen ersten Tagen, in denen nicht klar war, ob die unerfahrene Löwenmutter Kiara sich genügend um die Babys kümmern würde, stünden ihre Chancen nun gut.

Die dreijährige Mutter Kiara und ihr Partner Madiba haben zum ersten Mal Nachwuchs bekommen - zur Überraschung der Tierpfleger. «Man hat Kiara nicht angesehen, dass sie trächtig war», sagte Ruske. Erst seit Herbst 2014 lebt das weiße Löwenpaar im Magdeburger Zoo. In freier Wildbahn kommt die seltene Farbvariante nur im Timbavati-Gebiet in Südafrika vor.

Fr, 2016-05-06 12:03
Salzgitter (dpa)

BfS will Suche nach Zwischenlager nahe der Asse fortsetzen

Salzgitter (dpa) - Die Suche nach einem Zwischenlager für den radioaktiven Müll aus dem Atomlager Asse soll fortgesetzt werden. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) habe die nötige fachliche Klarheit gebracht, sagte BfS-Sprecherin Ina Stelljes am Freitag. Die Suche war im Sommer 2014 auf Eis gelegt worden.

Hintergrund sind Querelen zwischen dem BfS und der Asse-2-Begleitgruppe, die die Interessen der Region und der Bürger vertreten soll. Während das Bundesamt ein Zwischenlager in der Nähe der Asse bevorzugt, will die Begleitgruppe das Gebiet ausdehnen, in dem ein Standort gesucht wird.

Aus der Asse sollen schwach- und mittelradioaktive Abfälle geborgen werden. Bis ein Endlager zur Verfügung steht, sollen die Fässer in ein Zwischenlager kommen.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Fr, 2016-05-06 12:15
Berlin (dpa)

Fürsorge ohne Ende: Viele Tiermütter liebevoller als gedacht

Von wegen Rabenmutter! Die Vögel kümmern sich weitaus besser um ihre Jungen als das Schimpfwort vermuten lässt. Und nicht nur sie.

Berlin (dpa) - Zum Muttertag hätten auch Jungtiere Anlass, ihren fürsorglichen Mamas etwas zu schenken. «Die Aufzucht der Nachkommen ist für die Art überlebenswichtig, entsprechend hohe Opfer bringen viele Tiermütter», sagt Arnulf Köhncke, Artenschutzreferent bei der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Selbst Vorurteile geraten ins Wanken. Denn auch Rabenmütter kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs. Zwar erscheinen ihre Jungen nach Verlassen des Nests oft unbeholfen und allein. In Wirklichkeit aber füttern die Vögel - inklusive Rabenvater - ihre Sprösslinge noch einige Wochen lang und schützen sie vor Feinden. Andere Beispiele:

MAMA MIT SPITZEN ZÄHNEN: Hinter finster-lauernden Blicken verbergen sich sehr liebevolle Krokodilmütter. Viele Riesenechsen bewachen ihre im Sand vergrabenen Eier hartnäckig, um sie vor Räubern zu schützen. Sobald ein Junges von innen an die Schale klopft, hilft ihm Mama Kroko ganz vorsichtig aus dem Ei. Danach trägt sie das Jungtier im Maul bis ins Wasser. Krokodilmütter achten penibel darauf, dass ihre spitzen Zähne den Nachwuchs dabei nicht verletzen.

ALLE ARME VOLL ZU TUN: Oktopus-Weibchen kümmern sich aufopferungsvoll um ihr Gelege. Während der Brutzeit befächern sie ihre Eier stets mit frischem Wasser. Sie gehen fast nie auf Nahrungssuche, um die Brut nicht allein zu lassen. Eierräuber wie Krebse schlagen sie heldenmutig in die Flucht. Erst wenn die Nachkommen schlüpfen, verlassen die Weibchen ihr Versteck - oft, um vor Erschöpfung zu sterben. Eine besonders hingebungsvolle Oktopus-Mutter entdeckten Forscher 2007 vor der kalifornischen Küste: Sie bewachte ihre Bruthöhle vier Jahre lang. Vermutlich hatten die kalten Temperaturen in der Tiefsee die Brutzeit verlängert. Normal sind wenige Monate.

SPINNEN-TAXI: Während der Brutzeit hat die Wolfsspinne ihren Nachwuchs mit allen acht Augen stets im Blick. Sie schleppt die Eier in einem Kokon mit sich herum. Nach dem Schlüpfen klettern die Spinnchen auf ihren Rücken und halten sich an Mamas Haaren fest. Um die Sprösslinge keiner Gefahr auszusetzen, gehen Wolfsspinnen nicht jagen und fasten acht Tag lang. Ihre Jungen füttern sie mit dem Dotter der geplatzten Eier.

LANGZEIT-MÜTTER: Tigerweibchen sind alleinerziehend. Über ein Jahr lang gehen sie jagen, um ihre Jungen durchzufüttern. Gorillamütter bekommen nur alle fünf Jahre ein Baby, weil die Jungen nur langsam heranwachsen und permanent Hilfe benötigen. Ungeschlagen bleiben Elefantenmütter. Ihre Fürsorge dauert ein Leben lang, weil sie noch ihre erwachsenen Töchtern beim Aufziehen der Enkel unterstützen.

Fr, 2016-05-06 12:05
Berlin (dpa)

Bundesregierung entsetzt über Angriff auf Flüchtlinge in Syrien

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat den Angriff auf ein Flüchtlingslager in Syrien mit rund 30 Toten scharf verurteilt. «Wer so handelt, gefährdet alle Grundlagen einer friedliche Lösung des Konflikts», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin. Nachdem sich USA und Russland auf eine Waffenruhe auch für Aleppo geeinigt hatten, habe man die Nachricht mit «umso größerem Entsetzen» gehört und verurteile den Angriff «auf das Allerschärfste».

Alle Seiten müssten ihr Verpflichtungen «ohne wenn und aber» gerade in Aleppo erfüllen, da die nordsyrische Stadt zu einem Symbol für die Lage im ganzen Land geworden sei, sagte der Sprecher weiter. «Wir hoffen sehr, dass Vernunft obwaltet und die Waffenruhe für Aleppo auch über den heutigen Tag hinaus verlängert wird.»

Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte es sich bei dem Luftangriff auf das Flüchtlingscamp in dem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden des Landes um ein Kriegsverbrechen handeln, falls es bewusst als Ziel ausgesucht wurde.

Fr, 2016-05-06 12:56
Damaskus (dpa) 

Syrien weist Verantwortung für Angriff auf Flüchtlingslager zurück

Damaskus (dpa) - Syriens Regime hat jede Verantwortung für den Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Nordwesten des Landes mit rund 30 Toten zurückgewiesen. Entsprechende Meldungen «tendenziöser Medien» seien nicht richtig, erklärte die syrische Armeeführung am Freitag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Vielmehr gebe es Informationen, dass «Terrororganisationen» in letzter Zeit absichtlich zivile Ziele attackiert hätten.

Syriens Regimegegner hatten zuvor Kräfte der Regierung für den Angriff am Donnerstag verantwortlich gemacht. Dieser stelle einen «eklatanten Verstoß» gegen internationale Konventionen dar, erklärte das Exil-Oppositionsbündnis Syrische Nationale Koalition.

Das Lager liegt in der Provinz Idlib, die bisher im wesentlichen von Syriens Luftwaffe und ihrem engen Verbündeten Russland angegriffen wurde. Die US-geführte internationale Koalition ist normalerweise weiter im Osten des Landes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Einsatz. Syriens Rebellen besitzen keine Luftwaffe.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2016-05-06 12:14
Stuttgart/Berlin (dpa) 

Prüfer auf dem Prüfstand: Wie unabhängig sind Tüv & Co? Von Annika Grah, dpa

Im Zuge des Abgasskandals wächst das Misstrauen. Auch die Abgasprüfungen neuer Modelle stehen in der Diskussion. Denn sie messen als erste, ob Autos die Grenzwerte für Stickoxide und CO2 auch wirklich einhalten.

Stuttgart/Berlin (dpa) - Im Zuge des VW-Abgasskandals in der Autoindustrie sind auch die Abgastests vor der Erstzulassung neuer Modelle in die Kritik geraten. Die sogenannten Prüfdienste - Dekra, Tüv oder GTÜ, sind nicht nur für die in der Regel alle zwei Jahre fällige Hauptuntersuchung zuständig, sondern auch für die Abgasprüfung bei der so genannten Typgenehmigung neuer Modelle. Sie checken also, ob die Modelle grundsätzlich Grenzwerte für Stickoxide und CO2 einhalten. Doch was ist daran auszusetzen?

Wer sucht die Prüfdienste aus?

Die Prüfdienste werden vom Kraftfahrtbundesamt benannt und bekommen die Freigabe von der Deutschen Akkreditierungsstelle. Wer allerdings welches Modell vor der Erstzulassung überprüft entscheiden die Autohersteller selbst. Sie beauftragen den jeweiligen Prüfdienst, wenn sie ein neues Modell auf den Markt bringen wollen.

Wer bezahlt die Prüfdienste?

Das sind ebenfalls die Autohersteller. Sie tragen als Auftraggeber die Kosten für die Überprüfung vor einer Typgenehmigung.

Wo werden die Autos geprüft? 

Sofern die Technischen Dienste eigene Abgaslabore haben, findet der Check dort statt. Sie machen aber auch Hausbesuche: Im Rahmen einer so genannten «Witness-Prüfung» beim Hersteller vor Ort begutachten die Technischen Dienste auch die Labore. «Die Labore müssen bestimmten Standards entsprechen», erklärt Andreas Kohlhas vom Technischen Dienst der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

Werden die Prüfdienste noch einmal kontrolliert? 

Die zuständige Behörde ist das Kraftfahrtbundesamt (KBA), heißt es beim Tüv Nord. Es überwache kontinuierlich die Arbeit der Technischen Dienste. Das KBA überprüft die Technischen Dienste, deren Labore und auch Herstellerlabore regelmäßig im Rahmen der Benennungsaudits, sagt Kohlhas vom GTÜ. Das KBA könne auch zur Überprüfung bei der Typgenehmigung hinzukommen. «Ich persönlich habe das noch nicht erlebt», so Kohlhas. Kämen Zweifel an den Messungen auf, könne das KBA jederzeit auch einen zweiten Technischen Dienst beauftragen, erklärt ein Sprecher des Tüv Süd. Ihm seien solche Fälle allerdings nicht bekannt.

Werden die Werte in der Typgenehmigung noch einmal kontrolliert? 

Die Hersteller sind gesetzlich zu regelmäßigen Überprüfungen verpflichtet, heißt es beim Tüv Nord. So soll sicher gestellt werden, ob ihre Fahrzeuge auf dem Band stets so produziert werden, wie in der Typprüfung gemessen. «Die so genannte Serienüberwachung (CoP) wird vom Hersteller selbst durchgeführt beziehungsweise beauftragt und muss vom KBA regelmäßig kontrolliert werden.»

Gibt es Zweifel an diesem Verfahren? 

Umweltverbände wie Greenpeace kritisieren die Nähe zwischen Technischen Diensten und Industrie. «Das ist ein Geschäftsmodell, in dem die Technischen Dienste abhängig sind», sagt Tobias Austrup von Greenpeace. Er sieht darin ein strukturelles Problem.

Was sind Gegenvorschläge? 

Die EU-Kommission hatte im Januar den Vorschlag gemacht, das Vergütungssystem der Prüfdienste zu ändern, «um finanzielle Verbindungen zwischen technischen Diensten und Herstellern zu vermeiden, die zu Interessenkonflikten führen». Außerdem schlug die Kommission eine Überprüfung durch unabhängige Stellen und gegenseitige Kontrollen durch nationalen Behörden vor. Die Benennung von technischen Diensten könne künftig ausgesetzt werden. Nach Meinung von Greenpeace-Experte Austrup sollten unabhängige Dritte wie das Umweltbundesamt in den Prüfprozess eingebunden werden. Die EU-Kommission könnte zudem mit Hilfe ihrer Forschungsabteilung die Testergebnisse nationaler Stellen nachprüfen. Bis das allerdings durchgesetzt wird, müssen EU-Parlament und die einzelnen EU-Mitglieder zustimmen.

Was halten die Prüfdienste davon? 

Die betonen, zur Transparenz beitragen zu wollen, melden aber Zweifel an einer zentralen Prüfstelle an. «Eine zentrale Prüfstelle wäre sehr aufwendig», sagt GTÜ-Experte Kohlhas. «Der Prozess der Abgasprüfung für die Typgenehmigung ist so etabliert, dass er aus meiner Sicht, ohne Inkaufnahme großer zeitlicher und kostenmäßiger Nachteile, nicht mehr anders vorstellbar ist.»

Fr, 2016-05-06 11:49
Kabul (dpa)

Die Frauen der Toten und ihre Zuflucht - Kabuls Witwenhügel Von Christine-Felice Röhrs, dpa

Zehntausende afghanische Männer sind in den vergangenen Jahren im Krieg umgekommen. Aber was wird aus ihren Frauen? Der Staat hilft Witwen selten. Und das Klischee vom Klan-Zusammenhalt stimmt auch nicht immer. Die einzige Zuflucht: Sanabad, der Witwenhügel.

Kabul (dpa) - Vor ein paar Wochen hat Nadija Mehl gebraucht. Es war kein Geld im Haus, kein einziger Afghani, und ihre sieben Töchter waren hungrig. Nadijas Mann ist vor vier Monaten von einer Bombe zerrissen worden, bei einem Anschlag der Taliban auf einen belebten Platz in Kabul. Er hatte sich am Straßenrand als Tagelöhner angeboten. Am Ende des Tages waren seine Frau und seine Töchter allein, ganz auf sich gestellt.

Wäre Nadija irgendwo anders gewesen, hätte sie leicht verhungern können. Eine afghanische Frau ohne Mann ist eine Frau ohne Stimme, Rechte oder Ressourcen. Aber Nadija lebt in Sanabad, Kabuls Frauenstadt. Witwenhügel könnte man auch sagen zu der dichten Ansammlung krummer Lehmziegelhäuschen an engen Schlammwegen auf einer Bergkuppe im Südwesten der Millionenstadt. Nadija ist also zur Nachbarin gegangen, die andere Frauen zu Hilfe gerufen hat. Und jede hat Nadija eine faustvoll Mehl gegeben. Am Abend gab es Brot für Nadijas Töchter.

Der Witwenhügel von Kabul ist eine einzigartige Gemeinde. Sie ist Zuflucht für 500 oder mehr afghanische Frauen ohne Männer. Sie leben alleine, verdienen ihr eigenes Geld und beschützen sich gegenseitig.

Wann genau die Siedlung entstanden ist, weiß keiner mehr so genau, sagt die afghanische Frauenrechts-Analystin Nahid Ehsar, die die Gemeinde lange für ein Rechercheprojekt begleitet hat. Vermutlich irgendwann in den 90er Jahren, nachdem der Aufstand gegen die russische Besatzung und der Bürgerkrieg zwischen den Mudschahedin-Fraktionen Zehntausende Witwen geschaffen hatten.

Und die Gemeinde wächst noch immer. Mittlerweile kommen Frauen sogar aus anderen Provinzen. Aus Logar, Kunar, Kandahar - stark umkämpfte Ecken des Landes. Die Witwen helfen den Neuen dabei, eine Lehmhütte hochzuziehen, bringen Essensspenden, erklären, wie man in Kabul - wenigstens ab und zu - an Geld kommt.

Wie viele Witwen es in Afghanistan gibt, bleibt verschwommen. Aus dem zuständigen Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer heißt es, man habe diese Zahl nicht. Die Frauenorganisation der Vereinen Nationen, UN Women, sprach vor ein paar Jahren von allein von rund zwei Millionen Kriegswitwen. Die US-NGO «Beyond the 11th», die afghanische Witwen unterstützt, hat ihre Gesamtzahl auf 2,5 Millionen geschätzt. Bei einer wiederum geschätzten Bevölkerungszahl von um die 25 bis 30 Millionen wären das sieben bis zehn Prozent aller Afghanen.

Sicher ist: Jeden Tag verwitwen mehr Frauen, denn der Krieg in Afghanistan ist wieder voll entflammt. Allein im vergangenen Jahr sollen nach unterschiedlichen Angaben 5500 bis mehr als 7000 Soldaten und Polizisten bei Gefechten gestorben sein. Dazu kamen mehr als 3200 zivile Männer. Sie alle haben gemeinsam: die Frauen, die sie hinterlassen - oft allein in einer Gesellschaft, in der die Frau an sich nicht zählt, in der sie wenig Bildung bekommt und es als verwerflich gilt, wenn sie außerhalb des Hauses arbeitet.

Die treibende Kraft in der Frauenstadt war jahrzehntelang Bibi Koh, die Großmutter vom Berg, die sich um solche Konventionen nicht geschert hat. Bibi Koh hat jede Witwe, die sie sah, eingeladen, auf den Berg zu kommen und die Gemeinde so auf eine Größe gebracht, die Macht bedeutet und Widerstand ermöglicht. Sie war eine große, schwere Frau mit wirrem rot gefärbtem Haar, einem herabgesunkenen rechten Augenlid, das ihr etwas piratenhaftes gab - und schnellen Fäusten. Wenn ihr etwas nicht passte, schlug sie zu. Auch auf das Kinn der Enkelin, den Arm einer Nachbarin. Der Witwenhügel ist keine Kuschelgemeinde. Die Gewalt, die die Frauen erlebt haben, hat Spuren hinterlassen.

Bibi Koh ist im März gestorben, aber bei einem Besuch im Herbst hatte sie von ihrem Leben erzählt. Zwei Mal hatte sie ihren Mann verloren. «Kopfesser» - «kala-khor» - nannten die Verwandten sie irgendwann. Bibi Koh bringt den Tod, hieß es, und so wurde sie eines Tages samt ihren fünf Kindern aus dem Dorf geworfen. «Das zu erleben, hat mich sehr wütend und stark gemacht», hat sie damals gesagt.

Nach ihrem Tod hat nun ihre Tochter Anisa die inoffizielle Leitung übernommen. Anisa ist Polizistin. Dass sie eine Waffe trägt - und das auch jedem sagt -, hat ihre Schützlinge enorm beruhigt.

Denn der Staat hilft den Witwen nicht. Der Aufbau eines funktionierenden Sozialsystems stand nie im Mittelpunkt der internationalen Aufbaubemühungen. Das zuständige Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer gehört, mit anderen «sozialen» Ministerien wie dem Flüchtlingsministerium, zu den am schlechtesten organisierten des Landes. Kein Geld, wenig Motivation, noch weniger Fachwissen.

Ruft man dort an und fragt nach dieser großen Gruppe der Opfer - eine der verwundbarsten sozialen Gruppen des Landes, wie humanitäre Helfer sagen -, dann heißt es, man habe «gute Programme» für Witwen. Aber wie viele daran teilhaben, das wisse man gerade nicht.

Aus einer UN-Umfrage unter Kriegswitwen aus 2014 ging allerdings hervor, dass nur ein Drittel der befragten Frauen staatliche Unterstützung bekam - und dass die meisten von ihnen mit einer kleinen Einmalzahlung abgespeist worden waren statt eine regelmäßige Zuwendung zu erhalten. Die meisten anderen sagten, sie wüssten nicht, wie und wo sie sich um solche Unterstützung bewerben sollten.

Was bleibt, ist die Familie. Das Klischee besagt, dass in Afghanistan der Klan die staatliche Fürsorge ersetzt. Aber wer den Geschichten der Frauen vom Witwenhügel zuhört, lernt, dass dies kein verlässliches Netz ist. Auch Verwandte können grausam sein. Verwandte haben manchmal selber zu wenig zum Leben. Mitunter haben Verwandte Angst, die neue Frau im Haus könnte der Hausherrin ihren Einfluss oder sogar den Mann wegnehmen.

Jede vierte der von der UN befragten Witwen erzählte von Gewalt innerhalb der eigenen Familie. Sie seien beschimpft, geschlagen, zur Wiederheirat gezwungen oder ausgestoßen worden. Witwen, sagt Analystin Ehsar, werden zu «Frauen ohne Identität und Schutz». Deg-e be-sarposch - Topf ohne Deckel - würden sie verächtlich auch genannt.

Nausi zum Beispiel. Bei einem Besuch der Witwengemeinde im April sitzt sie im Hof einer Nachbarin. Auf dem gestampften Erdboden liegt eine Plastikplane als Teppichersatz, Schuhe stehen aufgereiht davor, in der Ecke ein Haufen Schutt und verrostete Dinge, die für irgendwas sicher nochmal zu gebrauchen sind. Hühner und Kinder überall.

Nausi ist eine zierliche Dame Mitte 50 im zerrissenen Kopftuch und mit tiefen Falten im schüchternen Gesicht. Ihr Mann war ums Leben gekommen, als Mitte der 90er Jahre Raketen auf ihr Haus fielen. Die erste Rakete traf nur sein Bein, und er beschwor seine Familie ohne ihn zu fliehen. Als Nausi am nächsten Morgen zurückkehrte, konnte sie nur noch seinen zerschmetterten Körper bergen. In der Stadt bekriegten sich damals die Mudschahedin-Gruppen, die zuvor vereint die Sowjets aus dem Land getrieben hatten und stritten, wer nun über die Hauptstadt herrschen durfte. Die Frauen vom Witwenhügel sind ein lebendiges Lexikon der Krisen, Konflikte und Kriege in Afghanistan.

Nach dem Tod ihres Mannes hat Nausi monatelang mit einem Schubkarren ihre Besitztümer, drei kleine Söhne und vier noch kleinere Töchter von Haus zu Haus geschoben - niemand wollte sie. «Du kommst mit acht Mäulern, was erwartest Du?», sagten sie zu ihr.

Den Witwenhügel nennt sie ein Gottesgeschenk. Sie denkt nicht gerne an die Zeit davor zurück. Sie bekommt Kopfschmerzen davon. Sie habe sich «wie eine Verrückte» gefühlt. Immer nur weinen, weinen. Bleierne Beine. Aber die Hügel-Frauen waren so stark. Bauten Häuser, besiegten die Polizisten, die kamen, um die illegal gebauten Häuschen wieder einzureißen, gingen raus und fanden Arbeit als Autowäscherinnen oder Besenbinderinnen. «Hier habe ich meine Füße wiedergefunden», sagt Nausi.

Bibi Mehru, ihre Freundin, die um die 60 ist, beschreibt es ähnlich. Ihr Mann ist bei einer Explosion gestorben. Sie blieb zurück mit vier Töchtern und Verwandten, die kamen, wenn es Essen gab und wegblieben, wenn sie Hilfe brauchte. «Manchmal haben wir in einem Zelt gelebt, und ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil ich Angst hatte, Männer wollen hinein zu meinen Mädchen», sagt Mehru.

Sie habe immer Angst vor Menschen gehabt, sagt sie, aber auf dem Hügel sei sie klug und stark geworden. Von den anderen «frechen Frauen» habe sie gelernt, mit Menschen zu sprechen.

Trotz des Schutzes, den die weibliche Gemeinde bietet - das Leben der Witwen vom Hügel ist nicht leicht. Nausis Kinder und Enkel verkaufen hartgekochte Eier und bringen etwa 300 Afghani, vier Euro, am Tag nach Hause. Aber ein Sohn hat Tuberkulose. Die Flasche Medizin, die für zwei Wochen reicht, kostet 650 Afghani, umgerechnet etwa zehn Euro. Als es schlimmer wurde, wurden die Kinder aus der Schule genommen, damit sie mehr arbeiten konnten.

Nadija verdient gar kein Geld. Sie ist abhängig von Verwandten, die sie daheim nicht haben wollen, aber ab und zu Essen oder Geld bringen. Und von den Nachbarinnen. Vor kurzem hat jemand ihr angeboten, die jüngste der sieben Töchter zu kaufen. Mariam, acht Monate, war kurz vor dem Tod von Nadijas Ehemann zur Welt gekommen. Du kannst ihr doch sowieso kein gutes Leben bieten, hat die Frau gesagt. Aber Nadija bringt es nicht über sich. Noch nicht.

Einige der Töchter von Witwen haben geheiratet. Es sind jetzt wieder mehr Männer auf dem Hügel. Mehr Beschützer. Aber es kommen immer neue Witwen hinzu. Denn nun sterben wieder Tausende Männer in Afghanistan.

Fr, 2016-05-06 11:22
Hamburg (dpa)

Energie und Rohstoffe erneut teurer

Hamburg (dpa) - Energie und Rohstoffe haben sich im April zum dritten Mal in Folge auf breiter Basis verteuert. Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) erhöhte sich auf Dollar-Basis um 6,6 Prozent, wie die Forscher am Freitag in Hamburg mitteilten. Die Ölpreise entfernten sich weiter von ihrem Tiefpunkt aus dem Januar, als der Preis für die europäische Leitsorte Brent auf den niedrigsten Stand seit 2004 gefallen war.

Mit durchschnittlich 43,22 Dollar je Barrel (159 Liter) lag der Preis im April laut HWWI-Index um 8,6 Prozent höher als im März. Das ist aber immer noch rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Teurer wurden auch Industrierohstoffe mit einem Anstieg um 3,2 Prozent sowie Nahrungs- und Genussmittel mit einem Plus von 3,7 Prozent. Auf Euro-Basis fallen die Steigerungen jeweils etwas geringer aus, weil sich der Euro-Kurs gegen den Dollar festigte.

Fr, 2016-05-06 11:49
Hamburg (dpa)

Energie und Rohstoffe werden wieder teurer - Verbraucher spüren es Von Eckart Gienke, dpa

Nach einem jahrelangen Abwärtstrend haben sich die Preise für Energie und industrielle Rohstoffe gedreht. Nicht nur Rohöl ist seit Januar wieder teurer geworden - sondern auch Erze, Metalle und Agrargüter.

Hamburg (dpa) - Der Verbraucher merkt es an der Tankstelle und beim Heizölkauf: Er muss wieder tiefer in die Tasche greifen. Der Preis für 100 Liter Heizöl bei Abnahme von insgesamt 3000 Litern (inklusive Mehrwertsteuer) kratzt an der Marke von 50 Euro, wo er zuletzt im vergangenen Dezember notierte. Ein Liter Diesel kostete nach einer Analyse des Portals «Clever Tanken» im April im Durchschnitt 1,02 Euro je Liter und hat damit die Preiszone unterhalb von einem Euro verlassen. Und für Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland 1,25 Euro je Liter bezahlen, fünf Cent mehr als im Monat zuvor.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) betrachtet die steigenden Preise noch nicht unbedingt als eine Trendwende. «Dazu müssten die Steigerungen noch einige Zeit anhalten», sagte HWWI-Rohstoffexperte Leon Leschus.

Der Rohstoffpreis-Index des Instituts kletterte im April abermals um 6,6 Prozent, nachdem das HWWI schon im März ein sehr kräftiges Plus von 14,6 Prozent gemessen hatte. Im Januar hatte der Index seinen tiefsten Stand seit zwölf Jahren erreicht; seitdem geht es wieder aufwärts.

Das betrifft nicht allein Energie, also vor allem Öl und Gas. Viele andere Rohstoffpreise hatten ihre Tiefpunkte in den vergangenen Monaten und erholen sich nun wieder. Eisenerz kostete im Dezember weniger als 40 Dollar je Tonne, jetzt sind es mehr als 60 Dollar.

Auch Nichteisen-Metalle wie Zink, Nickel und Aluminium zogen an. Der Index stieg im April um 3,2 Prozent, für Eisenerz und Stahlschrott sogar um 13,6 Prozent. Auch Agrarrohstoffe verteuerten sich: Kaffee, Zucker, Soja und Kakao legten auf den Weltmärkten zu. Der entsprechende Index erhöhte sich im April um 3,7 Prozent.

Dass fast alle Rohstoffe gleichzeitig teurer werden, deutet nach dem Eindruck von Leschus auf ein gewisses Maß an Spekulation auf den Märkten hin. Zudem zieht der Ölpreis auch die anderen Preise nach oben. «Beim Abbau von Metallen wird Energie benötigt, und in der Landwirtschaft verteuern sich die Kosten für Kraftstoffe und Dünger», sagte der Rohstoffexperte.

Die Autofahrer nutzten die günstige Situation zum Jahresbeginn und kauften viel Sprit, auch weil die guten Straßenverhältnisse es zuließen. Der Mineralölverbrauch in Deutschland stieg nach Angaben des zuständigen Bundesamtes BAFA in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 3,0 Prozent - ganz gegen den langfristigen Trend.

Allein der Absatz von Diesel nahm um 8,0 Prozent zu, bei den Otto-Kraftstoffen waren es 3,7 Prozent. Höhere Spritpreise könnten nun auch den Absatz von Ölprodukten wieder dämpfen.

Doch hält der Trend zu steigenden Energie- und Rohstoffpreisen überhaupt an? «Das glaube ich nicht», sagte Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. «Der Markt scheint mir ziemlich fest.» Nach dem Jahreshoch in der vergangenen Woche sei der Preis für Rohöl schon wieder etwas zurückgegangen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitag ungefähr 45 Dollar und damit gut 50 Prozent mehr als beim Tiefstand im Januar.

«Damit haben wir von einem übertrieben tiefen Niveau aufgeholt auf ein immer noch günstiges Niveau», sagte Wiek. Weder sei ein deutlicher Rückgang der Förderung noch eine anziehende Nachfrage in Sicht. Von den alten Höchstständen von mehr als 100 Dollar je Barrel wie vor zwei Jahren ist der Brent-Ölpreis noch weit entfernt. «Wir werden die heutigen Preise vermutlich noch eine ganze Weile sehen», meinte Wiek.

Fr, 2016-05-06 11:47
Tripolis (dpa)

Medien: IS erobert Stadt in Libyen

Tripolis (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Medienberichten zufolge in Libyen eine Stadt westlich ihrer Hochburg Sirte eingenommen. Nach Kämpfen mit örtlichen Milizen hätten die Dschihadisten die Stadt Abugrein unter ihre Kontrolle gebracht, meldete die libysche Nachrichtenseite Al-Wasat am Freitag. Eine unabhängige Überprüfung des Berichts war nicht möglich. Abugrein liegt rund 140 Kilometer westlich der Hafenstadt Sirte.

Libyen ist seit dem mit westlicher Militärhilfe erreichten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahre 2011 nicht mehr zur Ruhe gekommen. Eine neue von den Vereinten Nationen vermittelte Einheitsregierung hatte zuletzt ihre Amtsgeschäfte in Tripolis aufgenommen. Sie soll zwei rivalisierende Regierungen in dem Land ersetzen, hat sich aber bisher noch nicht durchgesetzt. Der IS beherrscht derzeit einen wichtigen Küstenstreifen des ölreichen Staates rund um die zentrallibysche Küstenstadt Sirte.

Fr, 2016-05-06 11:07
Hamburg (dpa)

Energie und Rohstoffe erneut teurer

Hamburg (dpa) - Energie und Rohstoffe haben sich im April zum dritten Mal in Folge auf breiter Basis verteuert. Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) erhöhte sich auf Dollar-Basis um 6,6 Prozent, wie die Forscher am Freitag in Hamburg mitteilten. Die Ölpreise entfernten sich weiter von ihrem Tiefpunkt aus dem Januar, als der Preis für die europäische Leitsorte Brent auf den niedrigsten Stand seit 2004 gefallen war.

Mit durchschnittlich 43,22 Dollar je Barrel (159 Liter) lag der Preis im April laut HWWI-Index um 8,6 Prozent höher als im März. Das ist aber immer noch rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Teurer wurden auch Industrierohstoffe mit einem Anstieg um 13,6 Prozent sowie Nahrungs- und Genussmittel mit einem Plus von 3,7 Prozent. Auf Euro-Basis fallen die Steigerungen jeweils etwas geringer aus, weil sich der Euro-Kurs gegen den Dollar festigte.

Fr, 2016-05-06 10:47
Pjöngjang (dpa)

Bericht: Nordkorea beginnt ersten Parteikongress seit 1980

Pjöngjang (dpa) - Inmitten zunehmender Spannungen wegen seines Atomprogramms hält das weithin isolierte Nordkorea den ersten Kongress der herrschenden Arbeiterpartei seit 1980 ab. Der Parteitag habe offensichtlich Beratungen begonnen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Demnach könnte der Kongress mehrere Tage dauern.

Beobachter gehen davon aus, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den Kongress nutzen wird, um seine Stellung zu festigen und Richtlinien für die Politik und Wirtschaft auszugeben. Erwartet wurden außerdem personelle Veränderungen in der Führungsriege der Partei. Nordkoreas Staatsmedien hüllten sich zunächst über Dauer und Programm der wichtigsten Versammlung im Einparteiensystem des Landes zunächst in Schweigen. 

Im Zentrum von Kims Politik steht eine Strategie, den Bau von Atomwaffen und gleichzeitig die Entwicklung der maroden Wirtschaft voranzutreiben. Der Kurs wird in Südkorea und im Westen stark kritisiert. 

Fr, 2016-05-06 10:41
Luxemburg (dpa)

Stahlriese ArcelorMittal rutscht weiter ab - Aussichten bessern sich

Billigpreise in China und Überkapazitäten in den Industrieländern: Die Stahlbranche steckt weiter in der Krise. Beim weltgrößten Hersteller hinterlässt das tiefe Spuren. Es gibt aber etwas Hoffnung.

Luxemburg (dpa) - Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal ist angesichts des dramatischen Preisdrucks im ersten Quartal weiter abgerutscht. Der Umsatz ging verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel auf 13,4 Milliarden US-Dollar zurück, wie der Konzern am Freitag in Luxemburg mitteilte. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen brach um ein Drittel auf 927 Millionen Dollar ein. Für das Gesamtjahr prognostizierte der Vorstand hier einen Rückgang auf gut 4,5 Milliarden Dollar. Schon 2015 war das Ergebnis um rund zwei Milliarden auf 5,2 Milliarden Dollar abgesackt.

Unter dem Strich kam bei ArcelorMittal wegen hoher Abschreibungen im vorigen Jahr ein Rekordverlust von fast acht Milliarden Dollar zusammen. Die Aktien des Konzerns legten seit Jahresbeginn angesichts wieder steigender Stahlpreise aber bereits um mehr als 50 Prozent zu.

«Unsere Ergebnisse spiegeln noch die sehr schweren Bedingungen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wider», sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal. Inzwischen gibt er sich wieder etwas optimistischer: «Die Erholung der Preise wird unsere Ergebnisse in den nächsten Quartalen verbessern.» Allerdings werde sich das bessere Umfeld erst in der zweiten Jahreshälfte voll in den Zahlen niederschlagen.

Die aktuelle Erholung sei brüchig. An den massiven Überkapazitäten in China habe sich nicht geändert, auch wenn dort die Preise zuletzt angesichts wieder besserer Aussichten rasant angesprungen seien. Unklar ist nach Einschätzung von ArcelorMittal, wie nachhaltig die Entwicklung ist. Zudem hätten im ersten Quartal die Ausfuhren von Stahl aus China weiter über dem Vorjahreswert gelegen. «Wir müssen deshalb wachsam vor der Gefahr von unfairem Handel bleiben.»

2015 waren die Stahlpreise weltweit eingebrochen, weil China angesichts der Wirtschaftsabkühlung im eigenen Land dazu überging, seine Ausfuhren zu erhöhen. Die Konkurrenz in Europa und Amerika wirft den Chinesen Preis-Dumping vor und fordert Schutzmaßnahmen.

Die USA und die EU führten inzwischen Strafzölle ein. Aber in Europa wünschen sich viele Hersteller ein aktiveres Vorgehen. Sie fürchten um ihre Existenz. In den vergangenen Monaten machten die europäischen Konzerne mobil und demonstrierten mit Tausenden Stahlarbeitern.

In Deutschland sind bei ArcelorMittal derzeit keine Einschnitte vorgesehen. Der Konzern beschäftigt hierzulande gut 9000 Mitarbeiter. Beim zweitgrößten deutschen Stahlhersteller Salzgitter war im ersten Quartal nach vorläufigen Berechnungen der Vorsteuergewinn von 51,8 auf 3,1 Millionen Euro eingebrochen. Die deutsche Nummer eins, Thyssenkrupp, legt am Dienstag (10. Mai) ihre Zwischenbilanz vor.

Fr, 2016-05-06 10:56
Athen (dpa)

Fähren, Bahnen, Schulen: Griechen streiken gegen neues Sparpaket

Die Griechen sollen noch mehr sparen - und wehren sich mit heftigen Streiks. Auf Initiative der Gewerkschaften gehen Menschen auf die Straße, im Verkehr läuft fast nichts mehr. Dem Land droht weiter die Pleite.

Athen (dpa) - Aus Protest gegen ein neues Sparprogramm mit Rentenkürzungen haben die griechischen Gewerkschaften am Freitag das ganze Land mit umfangreichen Streiks lahmlegt. Die meisten Ägäis-Fähren blieben in den Häfen, die Eisenbahner legten ihre Arbeit nieder, der Nahverkehr in Athen und anderen Städten brach zusammen. Auch staatliche Schulen in Griechenland blieben geschlossen.

Die meisten Ausstände sollen durch das gesamte Wochenende andauern. Am späten Sonntagabend soll das Parlament die neuen Sparmaßnahmen billigen. Neben Rentenkürzungen von 1,8 Milliarden Euro sind 1,8 Milliarden Euro an Steuererhöhungen vorgesehen.

Der Gewerkschaftsverband des privaten Bereichs GSEE bezeichnete die Rentenkürzungen als «Grabstein» des Rentensystems. Wer ab Montag in die Rente geht, solle bis zu 30 Prozent weniger Geld bekommen, hieß es. Die Staatsbediensteten-Gewerkschaft ADEDY sprach von einem «Überfall auf die Renten» und rief zum Widerstand auf.

Die wichtigsten Auswirkungen des Generalstreiks, wie die Gewerkschaften ihn nennen: Der Ausstand der Seeleute im Fährverkehr zu den Ägäis-Inseln soll bis zum Dienstagmorgen dauern, die Eisenbahner streiken drei Tage lang, Busse und Bahnen fuhren in Athen und anderen Städten am Freitag nicht. Auf den Zufahrtsstraßen der Ballungszentren entstanden gewaltige Staus. Die Menschen versuchten, mit dem Auto oder Taxi zur Arbeit zu fahren.

Die Streiks im Nahverkehr sollen am Samstag weitergehen. Auch die staatlichen Schulen blieben am Freitag geschlossen. Die Müllabfuhr soll für drei Tage bestreikt werden.

«Nieder mit den neuen Gesetz - Fallbeil für unsere Renten», skandierten Hunderte Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME im Zentrum Athens, wie Reporter berichteten. Am Samstag und Sonntag sind weitere Demonstrationen in der Hauptstadt und anderen Städten geplant. Auch Journalisten legten die Arbeit für zwei Tage nieder. Im Radio und Fernsehen gab es nur Musik und Filme. Lediglich eine private Radiostation sendete ein Not-Nachrichtenprogramm, das nur über die Streiks und die Reformen berichtete.

Der griechische Flugverkehr lief dagegen normal, teilte der Flughafen Athen mit. Auch Supermärkte und Läden sowie die meisten antiken Stätten waren geöffnet.

Mit der Billigung des Sparpakets solle Finanzminister Euklid Tsakalotos zu einem am Montag in Brüssel angesetzten Treffen der Eurogruppe gestärkt reisen, hieß es aus Regierungskreisen. Die Abstimmung der Parlamentarier soll am späten Sonntagabend stattfinden, teilte das Parlamentspräsidium am Freitag mit.

Ursprünglich war mit dem Votum erst am kommenden Mittwoch gerechnet worden. Die Abstimmung gilt als erneute Kraftprobe für die Links-Rechts-Koalition unter Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Zahlreiche Regierungsabgeordnete hatten sich wiederholt negativ zu den Sparvorhaben geäußert. Tsipras' Regierung verfügt über eine knappe Mehrheit von 153 Abgeordneten bei insgesamt 300 Sitzen. «Heißes Wochenende im Parlament», meinte die Athener Zeitung «Ta Nea» am Freitag. Die Sparmaßnahmen sind Voraussetzung für weitere Hilfen für das von der Pleite bedrohte Land.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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