Mi, 2015-05-27 14:15
Köln (dpa)

Bayer baut auf gut gefüllte Pharma-Pipeline

Bayer-Chef Dekkers hofft, bereits im nächsten Jahr die Zulassung für ein weiteres, neues Krebsmedikament beantragen zu können. Neuentwicklungen der vergangenen Jahre sorgen bereits für Milliardenumsätze.

Köln (dpa) - Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer setzt große Hoffnungen auf seine gut gefüllte Entwicklungspipeline mit neuen Medikamenten. Konzernchef Marijn Dekkers sagte am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln, Bayer hoffe bereits im kommenden Jahr die erste Zulassung für ein weiteres, neues Krebsmedikament beantragen zu können, das bösartige Erkrankungen des Lymphsystems, sogenannte Non-Hodgkin-Lymphome (NHL), bekämpfen soll.

«Es wäre ein wichtiger Fortschritt in der Krebsbehandlung», sagte Dekkers. NHL sei weltweit die zehnthäufigste Krebserkrankung und für jährlich rund 200 000 Todesfälle verantwortlich. Erste klinische Studien des Wirkmoleküls Copanlisib seien vielversprechend verlaufen. Insgesamt hat Bayer Dekkers zufolge rund 50 potenzielle Medikamentenwirkstoffe in seiner Entwicklungspipeline, mehr als 15 davon in der fortgeschrittenen Phase drei.

Neuentwicklungen der vergangenen Jahre sorgen inzwischen bei Bayer für Milliardenumsätze. Der Gerinnungshemmer Xarelto, das Augenmedikament Eylea, die Krebsmedikamente Stivarga und Xofigo sowie Adempas gegen Lungenhochdruck erzielten zusammen 2014 bereits einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr erwartet Bayer hier eine Umsatzsteigerung auf mehr als 4 Milliarden Euro. Die Erfolge der vergangenen Jahre bei der Entwicklung neuer Medikamente hätten Bayer zu einem der am schnellsten wachsenden großen Pharma-Unternehmen der Welt gemacht, sagte Dekkers.

Bayer will sich künftig komplett auf die Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz konzentrieren. Die traditionsreiche Kunststoffsparte soll deshalb bis spätestens Mitte 2016 abgespalten und an die Börse gebracht werden. Dekkers erwartet durch diesen Schritt zusätzlichen Schwung für das Traditionsunternehmen. «Wir sind überzeugt, dass Bayer als reines Life-Science-Unternehmen exzellente Wachstumsperspektiven hat», sagte der Manager vor den Aktionären.

Bayer könne dann seine Stärken in Forschung, Entwicklung und Vertrieb besser ausspielen und von seiner Pipeline an innovativen Produkten profitieren. Die Erfolge der vergangenen Jahre bei der Entwicklung neuer Medikamente hätten Bayer inzwischen zu einem der am schnellsten wachsenden großen Pharma-Unternehmen der Welt gemacht. Auch die Kunststoffsparte MaterialScience werde als viertgrößtes Chemieunternehmen in Europa «hervorragende Aussichten auf nachhaltigen Erfolg» haben.

Dass das von Bayern nun forcierte Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten nicht gefahrlos ist, zeigt allerdings ein Blick in den Anhang des Geschäftsberichts. Dort berichtet der Konzern, dass er im Rechtsstreit um durch die Antibabypillen Yasmin und Yaz möglicherweise verursachte Gesundheitsschäden in den USA bereits Vergleiche mit etwa 9500 Klägerinnen in Höhe von insgesamt rund 1,9 Milliarden US-Dollar (1,75 Milliarden Euro) vereinbart hat. Tausende weitere Fälle sind noch offen.

Mi, 2015-05-27 14:00
Delhi (dpa)

Von der Leyen in der Goldgrube der Rüstungsexporteure Von Michael Fischer und Doreen Fiedler, dpa

Bisher hat sich Verteidigungsministerin von der Leyen nicht besonders beliebt bei der deutschen Rüstungsindustrie gemacht. Was sie bei ihrem Besuch in Indien sagt, könnte das Verhältnis zumindest leicht verbessern.

Neu Delhi (dpa) - Der indische Premierminister Narendra Modi und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen haben eins gemeinsam: Beide haben ein gewisses Talent, sich selbst in Szene zu setzen. Modi posierte im ersten Jahr seiner Amtszeit öffentlichkeitswirksam mit Koala-Bären in Australien oder Terrakotta-Soldaten in China. Die bekanntesten Bilder der ersten Oberbefehlshaberin der Bundeswehr zeigen sie vor einem «Transall»-Transportflugzeug im Morgengrauen und in Splitterschutzweste in Afghanistan.

Bei ihrem ersten Treffen begegnen sich beide dann tatsächlich im Partnerlook. Vielleicht war es gar kein Zufall, dass Modi bei der Wahl seiner indischen Kurta fast genau den Farbton des Anzugs der Ministerin traf. Der 64-Jährige wurde von US-Präsident Barack Obama als «Fashion-Ikone» bezeichnet, und stimmt seine Kleidung gerne auf den Anlass ab - auch wenn er sich dafür mehrmals am Tag umziehen muss. Als etwa Chinas Staatschef Yi Jinping zu Besuch war, trugen beide eine genau gleich geschnittene Weste.

Insgesamt wird von der Leyen in Indien große Aufmerksamkeit entgegengebracht. Das Programm gleicht dem eines Regierungschefs: Kranzniederlegung am 42 Meter hohen Torbogen India Gate, einem Denkmal für 90 000 Gefallene des Ersten Weltkriegs. Begrüßung mit militärischen Ehren. Besuch des Ortes, an dem der Freiheitskämpfer und Nationalheld Mahatma Gandhi 1948 ermordet wurde. Und dann das Gespräch mit dem Premierminister.

Als vor vier Jahren zuletzt ein Verteidigungsminister in Indien war, lief das noch anders ab. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steuerte statt der Hauptstadt Neu Delhi zuerst eine große Flugschau im 1700 Kilometer entfernten Bangalore an, um dort Werbung für den europäischen Kampfjet «Eurofighter» zu machen. «Indien ist natürlich ein gewaltiger Markt, und diesen Markt gilt es auch von unserer Seite mitzubestellen», sagte er damals zu den Potenzialen der deutschen Rüstungsindustrie auf dem Subkontinent.

Von der Leyen setzt andere Prioritäten. In Delhi besucht die frühere Ärztin zunächst ein Militär-Krankenhaus, schaut sich dort die neue Kardiologie mit Laborausstattung «made in Germany» an. Sie spricht von der «strategischen Partnerschaft» mit Indien, von «wirtschaftlicher Dynamik» und dem «pulsierenden Leben» in einem «faszinierenden Land».

Um das Rüstungsthema kommt aber auch sie aber nicht herum. Indien ist der größte Waffenimporteur. Die Atommacht steckt Milliarde um Milliarde in die Modernisierung ihrer Streitkräfte, im verzweifelten Versuch, mit dem deutlich stärkeren Nachbarn China mithalten zu können. Derzeit kauft Indien noch 70 Prozent seiner Waffen in Russland. Deutschland mischte auf dem Subkontinent bislang kaum mit - dabei könnte er eine Goldgrube für Rüstungsexporteure sein.

Das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt hat gegenüber anderen Großimporteuren wie China oder Saudi-Arabien den Vorteil, dass es eine Demokratie ist und die Achtung der Menschenrechte hier einen höheren Stellenwert hat. Auch nach den strengen deutschen Exportrichtlinien steht dem Verkauf von Kriegswaffen in das Land eigentlich nichts im Wege.

Außer vielleicht Indien selbst. Die geplante Modernisierung der Streitkräfte kommt einfach nicht in die Gänge, da es an Geld fehlt und Entscheidungen immer und immer wieder aufgeschoben werden. So zum Beispiel beim Kauf von 126 Kampfjets: Seit 2001 gab es unendliche Debatten, eine Ausschreibung, einen Zuschlag, und neue Debatten. Nun kaufte Indien 36 Rafale-Kampfjets. Der Rest? Unklar. Ein Helikopter-Deal über 750 Millionen Euro wurde wegen Korruptionsvorwürfen gleich komplett aufgekündigt.

Von der Leyen hat sich aus dem heiklen Thema Rüstungsexport bisher komplett herausgehalten - unter Verweis auf die Zuständigkeit von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Zudem hat sie sich mit ihrem harten Kurs bei der Reform der Beschaffungswesens der Bundeswehr nicht gerade beliebt bei der Industrie gemacht.

In Indien legt sie jetzt ein gutes Wort für deutsche Waffenschmieden ein. In ihrem Gespräch mit dem Verteidigungsminister Manohar Parrikar bekräftigte sie das deutsche Interesse an weiteren Gesprächen über den Export von «Eurofighter»-Kampfjets. Die Bundesregierung unterstütze zudem eine Kooperation zum Bau von U-Booten, sagt sie. Bei den «Eurofightern» ist Airbus mit im Boot, für den U-Boot-Bau käme ThyssenKrupp Marine Systems in Frage.

Bilder der Ministerin vor Kampfflugzeugen oder auf U-Booten wird es in Indien aber nicht geben. So weit geht ihre Exporthilfe dann doch nicht. Aber immerhin: Am Donnerstag lässt sie sich in Mumbai auf einem Kriegsschiff der indischen Marine blicken.

Mi, 2015-05-27 14:46
Berlin (dpa)

Die elektronische Gesundheitskarte

Berlin (dpa) - Seit Anfang des Jahres gilt nur noch die elektronische Gesundheitskarte. Welche Anwendungen sind konkret absehbar?

STAMMDATEN: Sie werden als eine der ersten Anwendungen online überprüft. So soll etwa die Adresse des Versicherten auf der Karte bei Bedarf automatisch anhand der bei der Krankenkasse hinterlegten Adresse aktualisiert werden. Die Karte muss dann nicht ausgetauscht werden.

ELEKTRONISCHE SIGNATUR: Mit einer solchen sicheren Signatur sollen Ärzte Abrechnungen oder Arztbriefe eindeutig elektronisch signieren und sicher versenden können.

NOTFALLDATEN: Im Notfall relevante Informationen wie Allergien, Arzneimittelunverträglichkeiten, Schwangerschaften, Implantate sollen auf der Karte gespeichert werden können. Auch die Aufnahme des Organspendeausweises ist vorgesehen.

ARZNEIMITTELSICHERHEIT: Mit Hilfe einer weiteren Anwendung sollen Wechselwirkungen von Medikamenten aufgedeckt und verhindert werden.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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PRODUKT
der Woche
Mi, 2015-05-27 14:12
Bagdad (dpa)

Irakische Armee schneidet dem IS Nachschubwege bei Ramadi ab

Bagdad (dpa) - Die irakischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben Nachschubwege der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Süden von Ramadi abgeschnitten. Dabei drängten sie die Dschihadisten aus den Ortschaften Al-Tasch und Al-Hamira zurück, bestätigte ein Sprecher des Polizeikommandos der Provinz Anbar am Mittwoch. Die irakischen Streitkräfte hatten am Vortag einen Einsatz begonnen, um Ramadi zurückzuerobern, das in der Vorwoche an den IS gefallen war. Die Provinzhauptstadt von Anbar liegt 110 Kilometer westlich von Bagdad.

Mi, 2015-05-27 14:42
Berlin (dpa)

Steinmeier geht auf Krisentour: Ukraine und Nahost

Berlin (dpa) - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bricht an diesem Freitag zu einer fünftägigen Reise auf, die ganz im Zeichen der Konfliktbegrenzung steht.

Zuerst reist er in die Ukraine, wo die Bemühungen um die Umsetzung der Friedensvereinbarungen von Minsk im Mittelpunkt stehen werden. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, sagte am Mittwoch in Berlin, Steinmeier werde Kiew und die östliche Stadt Dnipropetrowsk besuchen. Dies sei ein «Signal der Unterstützung für den Reformkurs» der Regierung. Die Minsker Vereinbarungen seien zwar mehr als nur eine Waffenstillstandsvereinbarung zwischen den Regierungstruppen und den pro-russischen Separatisten. Er betonte jedoch: «Ohne einen nachhaltigen Waffenstillstand ist alles nichts.»

Ab Samstag wird Steinmeier dann in Israel und den Palästinensergebieten erwartet. Dort will er nach Angaben des Sprechers ausloten, welche Perspektiven für eine Friedenslösung es nach der Bildung der neuen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gibt.

Die Reise des Ministers endet mit der Teilnahme an einem von Frankreich organisierten Treffen. In Paris geht es um die Situation im Irak und in Syrien, wo die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Mi, 2015-05-27 14:45
Sanaa (dpa)

20 Tote bei saudischem Angriff auf Hauptflottenstützpunkt im Jemen

Sanaa (dpa) - Bei der Zerstörung des Hauptflottenstützpunktes in Hodeida im Bürgerkriegsland Jemen sind mindestens 20 Menschen getötet worden. Durch Luftangriffe und Beschuss durch Kriegsschiffe der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition sei der Hafen an der Westküste des Landes am Mittwoch dem Erdboden gleich gemacht worden, sagte ein Vertreter der jemenitischen Streitkräfte. Mehr als 20 Seeleute und schiitische Huthi-Rebellen seien bei dem Angriff getötet worden.

Im Jemen, dem ärmsten Land Arabiens, kämpfen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Saudi-Arabien geflohenen Übergangspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Eine saudisch geführte Militärkoalition bombardiert seit März Stellungen der Huthis. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass bei den Kämpfen bislang knapp 2000 Menschen getötet und 8000 verletzt worden sind, darunter auch Hunderte Frauen und Kinder.

UN-Friedensgespräche, die eigentlich am Donnerstag starten sollten, waren am Dienstag von den Vereinten Nationen auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Generalsekretär Ban Ki Moon hatte vor einer Woche zu den Friedensgesprächen nach Genf geladen, die Exilregierung hatte aber gleich Bedingungen gestellt. Auch vonseiten der Rebellen gab es Vorbehalte.

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Mi, 2015-05-27 14:51
Berlin (dpa)

Berliner Verwaltung will Projekte gegen Islamisten vernetzen

Berlin (dpa) - Berlin will einzelne Projekte gegen gewaltbereite Islamisten in einem Landesprogramm zusammenführen. «Die zunehmende Radikalisierung ist nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern betrifft alle Bereiche des Berliner Lebens», sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Mittwoch. Er lud Innen-, Sozial-, Justiz-, Integrations- und Bildungsverwaltung sowie drei freie Träger zu einem Runden Tisch ein. Der Verfassungsschutz geht derzeit von 650 Salafisten in Berlin aus. Davon sollen 340 gewaltorientiert und über 90 nach Syrien ausgereist sein.

Mi, 2015-05-27 14:04
Berlin (dpa)

Wird der Patient gläsern? - Zäher Weg zur Digitalisierung der Medizin Von Basil Wegener, dpa

Kriegt der Arzt künftig auf einen Klick Einblick in die komplette Krankheitsgeschichte eines Patienten? Fließen die Infos schnell zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern? Ein Gesetz soll dabei helfen.

Berlin (dpa) - Immer mehr Menschen messen ihre Gesundheitsdaten mit Hilfe von Apple, Google und Co. digital - nur offiziell kommt die Digitalisierung der Medizin seit Jahren nicht erkennbar vom Fleck. Die Akteure im Gesundheitswesen und die Politik tun sich schwer. Nun will Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit dem Entwurf zu einem neudeutsch «E-Health-» genannten Gesetz «Tempo» machen, wie er sagt.

Der Kabinettsbeschluss vom Mittwoch markiert einen weiteren Versuch, die elektronische Gesundheitskarte (eGK) zu einer medizinisch sinnvollen Einrichtung zu machen. Vor zwölf Jahren wurde ihre Einführung beschlossen - Kostenpunkt: mittlerweile mehr als eine Milliarde Euro.

Schick kommt die Digitalisierung der Medizin nach offiziellem Muster bislang nicht daher. Außer dass sie ein Foto des Versicherten trägt, kann die eGK immer noch nicht viel mehr als die alte Versichertenkarte - im Gegensatz zur wachsenden Zahl der sogenannten Wearables, der am Körper tragbaren Minicomputer, die Kalorienverbrauch, Blutdruck, Zuckerwerte oder Muskelaktivitäten messen.

Doch zumindest in Punkto Datensicherheit meinen die Regierung und die in der Betreibergesellschaft Gematik versammelten Organisationen von Krankenkassen, Ärzten, Kliniken und Apothekern Entwarnung geben zu können. Die Patientendaten sollen verschlüsselt über spezielle Datenautobahnen etwa zwischen Praxis und Apotheke ausgetauscht werden - mit der eGK als Schlüssel. Zugriff gibt es dann, wenn etwa der Arzt mit seinem Heilberufeausweis und der Patient mit einem Pin-Code die Sperre öffnen.

Erst dann starten auch die eigentlich sinnvollen Anwendungen so richtig. Dass das noch immer Zukunftsmusik ist, liegt auch an Misstrauen und unterschiedlichen Interessen zwischen den Gematik-Betreibern. Viele Ärzte haben etwa Angst, dass immer mehr Daten elektronisch abgefragt werden und der Kontakt zu den Patienten leidet. Klappt der Arzt künftig sein Notebook auf und hat sofort die Krankheitsgeschichte seines Gegenübers vor sich? Wird der Patient gläsern?

Klare Fristen, finanzielle Anreize und Sanktionsdrohungen sollen den Akteuren im Gesundheitssektor nun Beine machen. Gröhe gibt sich markig: «Wer blockiert, zahlt künftig.» In wenigen Jahren sollen Daten durch das neue Kommunikationsnetz fließen. Der Gesundheitsminister verspricht: «Durch elektronische Entlassbriefe aus den Krankenhäusern und durch elektronische Arztbriefe werden wir sicherstellen, dass Information schneller beim nächsten Behandler ist, dass nicht Zeit verloren geht.»

Was eGK und E-Health-Netz künftig nützen, hängt auch davon ab, welche Programme private Firmen anbieten - auch über den reinen Datentransport hinaus. Beispiel Arzneisicherheit: Bereits der Gesetzentwurf sieht vor, dass Versicherten mit mindestens drei Medikamenten ab Oktober 2016 ein Medikationsplan zusteht, der später auch elektronisch abrufbar sein soll. Industrievertreter schwärmen aber auch schon von elektronischen Wechselwirkungsprüfungen und Vorschlägen zur Medikation, die Programme nach aktuellen wissenschaftlichen Standards machen.

Mi, 2015-05-27 14:54
Bonn (dpa)

Durst auf Mineralwasser ungebrochen

Bonn (dpa) - Der Durst auf Mineralwasser ist in Deutschland weiter ungebrochen. Wie der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) am Mittwoch in Bonn mitteilte, erhöhte sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Mineral- und Heilwasser im vergangenen Jahr weiter um 3,4 Liter auf 143,6 Liter. Zunehmend gefragt sei stilles Mineralwasser, so der Verband. Noch zur Jahrtausendwende hatte der Mineralwasserverbrauch in Deutschland lediglich bei rund 100 Litern pro Kopf und Jahr gelegen.

Insgesamt wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 15,3 Milliarden Liter an Mineralwasser und Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränken verkauft, davon mit knapp 14,2 Milliarden Litern der ganz überwiegende Teil aus heimischer Produktion. Die deutsche Mineralwasserbranche konnte ihren Umsatz 2014 um 3,8 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro erhöhen.

Mi, 2015-05-27 13:00
Berlin (dpa)

Feuerwehrmann missbrauchte Teenager - Knapp fünf Jahre Haft

Berlin (dpa) - Ein Feuerwehrmann ist wegen Missbrauchs von mehr als zehn Mädchen im Teenager-Alter, Vergewaltigung sowie schweren Menschenhandels zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Der 50-Jährige habe Jugendlichen Geld für Sex geboten und sie überreden wollen, sich zu prostituieren, urteilte das Berliner Landgericht am Mittwoch. Elf von 13 Geschädigten im Alter von 13 bis 17 Jahren seien Opfer sexueller Handlungen geworden. Eine Jugendliche habe der Mann vergewaltigt. Der 50-Jährige habe Mädchen mit zum Teil erheblichen Problemen für seine Interessen ausgenutzt, hieß es weiter im Urteil. Der suspendierte Feuerwehrmann hatte ein Geständnis abgelegt.

Mi, 2015-05-27 13:37
Berlin (dpa)

Muttermilch soll Mini-Vierlinge aufpäppeln Von Andrea Barthélémy, dpa

Drei winzige Jungen und ein Mädchen hat eine 65-jährige Berlinerin vor einer Woche geboren - gezeugt aus Samen- und Eizellspenden in der Ukraine. Die Sensation war groß, aber auch die Kritik.

Berlin (dpa) - Es geht ihnen gut, aber über den Berg sind sie noch lange nicht: Neeta, Dries, Bence und Fjonn, geboren mit zarten 655 bis 960 Gramm und nur 30 bis 35 Zentimeter lang, kämpfen sich ins Leben. Die Berliner Vierlinge sind weltweit einzigartig, weil ihre Mutter, die Berliner Lehrerin Annegret R., sie mit 65 Jahren zur Welt brachte - rund 15 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, berichteten die behandelnden Ärzte am Mittwoch.

«Die Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und eine intensive Behandlung», sagt Prof. Christoph Bührer, Neonatologie-Chef der Berliner Charité, wo das Vierlingsquartett versorgt wird. Eine Prognose ist schwierig, die Gefahr für bleibende Schäden oder Entwicklungsverzögerungen hoch. Eines bekommen sie aber jetzt schon: Muttermilch, tröpfchenweise und per Magensonde.

«Erstaunlicherweise funktionierte das bei der Mutter ganz ohne Hormongabe. Jetzt pumpt sie ab», berichtet Prof. Wolfgang Henrich, Direktor der Charité-Klinik für Geburtsmedizin. Generell habe die 65-Jährige, die bereits 13 große Kinder hat, die Schwangerschaft erstaunlich gut bewältigt. «Sie stellte sich uns nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel vor. Alles war völlig zeitgerecht und unauffällig.» Auch der große Ultraschall in der 22. Schwangerschaftswoche war noch völlig unauffällig.

«Wir wissen aber, dass das gesundheitliche Risiko bei Mehrlingsschwangerschaften deutlich höher ist, die Gefahr für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes oder Thrombosen gesteigert», berichtet Henrich. Am Tag vor der Geburt habe sich Annegret R. in der Klinik vorgestellt, weil es ihr nicht gut ging: Bluthochdruck. In der Nacht setzten dann vorzeitige Wehen ein. «Für uns blieb trotzdem noch genug Zeit, die Entbindung gründlich vorzubereiten», sagt Henrich.

Das heißt: Die Babys bekamen noch im Mutterleib ein Mittel zur Lungenreifung gespritzt, vier mehrköpfige OP-Teams mussten bereitgestellt werden. «Dann haben wir die vier am Dienstag um 11 Uhr im Minutentakt auf die Welt geholt», berichtet Henrich. Der Operationssaal und die Räume für die Babys wurden auf 37 Grad hochgeheizt. Alles lief gut, zwei der Kinder atmeten von Anfang an bereits spontan.

Annegret R. wurde nach der Entbindung zwei Tage auf der Intensivstation überwacht. «Sie hat sich exzellent erholt und ist heute mehrmals täglich bei ihren Kindern», berichtet Henrich. Die Kleinen werden in der Neonatologie versorgt, die auf Risikoschwangerschaften wie diese bestens vorbereitet ist.

«Vierlinge kommen im Mittel acht bis zehn Wochen zu früh zur Welt. Hier waren es fast 15 Wochen. Sie sind alle ganz zerbrechlich, aber ganz süß», sagt Bührer. Die Frist bis zum eigentlichen Geburtstermin werden sie voraussichtlich noch in der Klinik bleiben müssen. Wenn alles klar geht. Denn Risiken drohen weiterhin, dem kleinen Mädchen - laut Bührer «eigentlich die Fitteste von allen vieren» - mussten bei einer OP bereits kleine Löcher im Darm geschlossen werden.

Kritik an den Umständen der Vierlingszeugung wollen die Charité-Ärzte nicht üben. «Für uns steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt», betont Bührer. Auch Henrich möchte sich nicht negativ äußern. «Wir müssen aber eine gesellschaftliche Diskussion führen mit dem unbedingten Ziel, Frauen das Kinderkriegen in einer früheren Lebensphase zu erleichtern.» Hohe Nachahmungsgefahr sieht er für das aktuelle Beispiel nicht. «Das war in jeder Hinsicht ein Sonderfall.»

Ein Sonderfall wird möglicherweise auch die Bezahlung für den ärztlichen Großeinsatz. «Ich bin gespannt, wie sich die Krankenkasse gegenüber der Frau verhalten wird», sagt Henrich. Bei Einlingsschwangerschaften ultraspäter Mütter, wie sie an der Charité schon mehrfach vorkamen, habe es bislang keine Probleme mit der Kostenerstattung gegeben. Weder Eizellspende noch das Einsetzen von mehr als drei befruchteten Embryonen, wie hier passiert, ist in Deutschland jedoch legal. «Andererseits werden in Deutschland viel zu wenig Babys geboren», sagt Henrich. «Diese Frau hat viel dazu beigetragen, die Quote zu erhöhen.»

Mi, 2015-05-27 13:02
Berlin (dpa)

Regierung treibt Digitalisierung der Medizin voran - Kritik

Mittlerweile haben die Versicherten sie flächendeckend im Geldbeutel - die elektronische Gesundheitskarte. Die Digitalisierung des Medizinsektors blieb bisher aber aus. Das soll sich nun ändern.

Berlin (dpa) - Zwölf Jahre nach dem Beschluss zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte will die Regierung medizinisch sinnvolle Anwendungen erzwingen. Die Daten der Patienten sollen künftig über ein sicheres Kommunikationsnetz zwischen Ärzten, Kliniken und Apotheken ausgetauscht werden. Das Bundeskabinett verabschiedete dazu am Mittwoch in Berlin einen entsprechenden Gesetzentwurf. Die elektronischen Gesundheitskarte (eGK) soll als Schlüssel zum Datenaustausch dienen.

Das E-Health-Gesetz sieht Anreize, Strafen und Fristen vor, um die  elektronische Vernetzung nach jahrelangen Verzögerungen voranzubringen. Geplant sind Sonderzahlungen und Sanktionen etwa für Ärzte sowie Zeitvorgaben für die Betreibergesellschaft Gematik. Sie wird unter anderem vom Krankenkassen-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung getragen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte: «Viel zu lang wurde schon gestritten.» Nun gehörte der Nutzen der eGK in den Mittelpunkt.

Patienten mit mindestens drei Medikamenten sollen ab Oktober 2016 zudem Anspruch auf einen Medikationsplan haben. Er soll riskante Nebenwirkungen eindämmen.

Ein Online-Abgleich von auf der Karte gespeicherten Daten wie Namen und Geburtsdatum mit den bei der Kasse vorliegenden Angaben soll ab Mitte 2016 binnen zwei Jahren kommen. Ab 2018 sollen Daten etwa über Vorerkrankungen, Implantate oder Allergien auf der eGK gespeichert werden können - Notfallärzte sollen diese sofort einsehen können.

Ärzte, die Arztbriefe sicher elektronisch übermitteln, sollen 2016 und 2017 eine Vergütung von 55 Cent pro Brief bekommen. Ab 2018 sollen elektronische Briefe nur noch bezahlt werden, wenn für die Übermittlung das neue Datennetz genutzt wird.

Der Gesetzentwurf durchläuft nun das parlamentarische Verfahren. Die Einführung der eGK war 2003 für das Jahr 2006 beschlossen worden. Eingeführt wurde die eGK stufenweise ab 2011. Bis heute kann sie nicht viel mehr als die alte Versichertenkarte.

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink kritisierte das Gesetz als «Turbo für Geschäftemacher»: «Konkrete Ideen, wie Patienten die Hoheit über die sie betreffenden Gesundheitsdaten bekommen können, enthält der Gesetzentwurf keine.» Die Linke-Expertin Kathrin Vogler sagte: «Die e-Card verschlingt Milliarden Euro und gefährdet höchst sensible Daten der Versicherten.» Sie solle mit Zuckerbrot und Peitsche durchgedrückt werden.

Für AOK-Chef Jürgen Graalmann ist es unverständlich, «dass Ärzte noch zusätzliches Geld fürs E-Mail-Lesen und -Versenden kassieren sollen - nachdem ihre Funktionäre Jahre lang auf der Bremse standen». Der Kassen-Verband mahnte mehr Einfluss für die Versicherungen ein. «Eigentlich müsste bei dem ganzen Projekt gelten: Die Kassen, und damit die Beitragszahler, sind diejenigen, die bezahlen, also sind sie auch diejenigen, die bestimmen», sagte die Verbandschefin Doris Pfeiffer der Deutschen Presse-Agentur. Eine Gröhe-Sprecherin entgegnete, der Kassenverband habe bereits die Hälfte der Gematik-Anteile. Der Sachverstand etwa der Ärzte sei auch unverzichtbar.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mi, 2015-05-27 13:28
Damaskus (dpa)

Kurden erobern Gebiete der Terrormiliz IS in Nordsyrien

Damaskus (dpa) - Kurdische Kämpfer haben im Norden Syriens Gebiete der Terrormiliz IS erobert. Nach heftigen Gefechten rückten sie am Mittwoch in den Ort Mabrukeh nahe der Stadt Ras al-Ain an der türkischen Grenze vor, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Mabrukeh sei als regionales Verwaltungszentrum des Islamischen Staates wichtig für die Dschihadisten.

Die Einnahme von Mabrukeh ebne den Weg, um weiter Richtung Tel Abbajid vorzustoßen, dem IS-Hauptquartier am nördlichen Rand der Provinzhauptstadt Al-Rakka. Ein Vertreter der kurdischen Miliz bestätigte die Einnahme und kündigte an, dass seine Truppen weiter vorrücken würden.

In den vergangenen Wochen hatte der IS in Syrien und im Irak beträchtliche Gebietsgewinne verbuchen können. So nahmen die Extremisten unter anderem die vom Regime gehaltene Oasenstadt Palmyra in Zentralsyrien ein und vertrieben die irakische Armee aus der Provinzhauptstadt Ramadi westlich vom Bagdad. Im Norden Syriens dagegen konnten die Kurden nach der Befreiung der syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane stetig an Boden in der Region gewinnen.

Mi, 2015-05-27 13:32
Astana (dpa) 

Mehr als 120 000 seltene Saiga-Antilopen in Kasachstan gestorben

Astana (dpa) - Binnen weniger Tage sind Zehntausende vom Aussterben bedrohte Saiga-Antilopen in Kasachstan verendet. Seit Mitte Mai starben mehr als 120 000 Exemplare der gefährdeten Art in der Steppe, wie das Landwirtschaftsministerium in Astana am Mittwoch mitteilte. Die kasachischen Behörden gehen von einem Befall mit dem Erreger Pasteurella aus.

Vergangene Woche war noch von rund 20 000 toten Antilopen die Rede. 90 Prozent der verendeten Tiere seien Antilopenkühe. Nun soll nach Angaben des Ministeriums die Weltorganisation für Tiergesundheit mit einem Spezialistenteam helfen, die genauen Ursachen für das rasante Saiga-Sterben zu ermitteln. Der Nabu-Experte Til Dieterich vermutet Umweltfaktoren als Auslöser: «Die Steppe ist im Wandel, da viele Äcker brach liegen und dadurch bestimmte Frühjahrsblüher stellenweise massenhaft auftreten. In Kombination mit starken Regenfällen kann es dann unter anderem zu Vergiftungen kommen.»

Anfang der 1990er Jahre lebten in der kasachischen Steppe noch rund eine Million Saiga-Antilopen. Zwischenzeitlich sank die Population wegen Wilderei Berichten zufolge auf einige Zehntausend. Vor allem auf die Hörner der männlichen Tiere, die in der asiatischen Medizin zu Arznei verarbeitet werden, haben es Jäger abgesehen. Die Regierung hat die Saiga-Jagd vorerst verboten. Bis 2014 stieg die Zahl der Antilopen in Kasachstan nach Behördenangaben auf rund 300 000.

Mi, 2015-05-27 13:05
Rom (dpa)

UN-Bericht: Weniger hungernde Menschen in der Welt

Trotz Kriegen, trotz Naturkatastrophen und wirtschaftlicher Krisen leiden laut UN weniger Menschen an Hunger. Doch immer noch haben Millionen in Entwicklungsländern nicht genug zu Essen, während in reichen Ländern Nahrungsmittel im Müll landen.

Rom (dpa) - Die Zahl der hungernden Menschen in der Welt ist nach einem UN-Bericht weiter gesunken. Dennoch haben immer noch etwa 795 Millionen Menschen - das ist ungefähr jeder Neunte auf der Welt - nicht genug zu essen, wie aus dem Welthungerbericht 2015 von drei UN-Ernährungsorganisationen hervorgeht, der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde. Zu Beginn der 1990er Jahre habe die Zahl bei mehr als einer Milliarde hungernder Menschen gelegen.

Grund für die positive Entwicklung seien unter anderem Wirtschaftswachstum in Ländern wie China oder Indien und eine produktivere Landwirtschaft. Die meisten unterernährten Menschen lebten weiter in Asien und Afrika, dabei vor allem südlich der Sahara.

Viele Entwicklungsländer - 72 von 129 Ländern - hätten das sogenannte Millenniumsziel der Vereinten Nationen erreicht, den Anteil der hungernden Bevölkerung um die Hälfte zu reduzieren, heißt es in dem Bericht. «Die Tatsache, dass wir fast die Millenniumsziele zum Hunger erreicht haben, zeigt uns, dass wir die Geißel des Hungers ganz auslöschen können», sagte der Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), José Graziano da Silva.

Den Bericht stellten neben der FAO das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) vor. Zu der positiven Entwicklung sei es trotz politischer und wirtschaftlicher Krisen in vielen Ländern und einem Wachstum der Weltbevölkerung um 1,9 Milliarden Menschen seit 1990 gekommen.

Dass viele Länder das ehrgeizige Millenniumsziel, das die Vereinten Nationen im Jahr 2000 aufgestellt haben und bis 2015 erreichen wollten, nicht erfüllen, zeigt, dass die weltweite Lage immer noch prekär ist.

Die Welthungerhilfe hält die jüngsten Fortschritte für nicht ausreichend. Für den G7-Gipfel in Bayern im Juni forderte Präsidentin Bärbel Dieckmann eine Trendwende. Die staatlichen Mittel zur Hungerbekämpfung müssten deutlich erhöht werden - vor allem zugunsten von Kleinbauern: «Mit mehr Unterstützung können sie mehr produzieren und mehr Einkommen erwirtschaften und so den Hunger in ihren Ländern besiegen.»

Ein Problem ist auch die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln auf der Erde. «Fast ein Drittel der Lebensmittel für unseren Verzehr - etwa 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr - geht weltweit entweder verloren oder wird verschwendet. Die Verschwendung von Lebensmitteln in Haushalten und auch in der Gastronomie ist ein großes Problem in entwickelten Ländern wie Deutschland», sagte FAO-Chef da Silva der Deutschen Presse-Agentur.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
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Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

Keine Anzeige!

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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