So, 2015-05-24 14:47
Magdeburg (dpa)

Haseloff: Bund-Länder-Finanzstreit festgefahren - Notfalls Klage

Seit langem ringen Bund und Länder um die künftige Verteilung der Steuereinnahmen. Die Zeit drängt. Kann es in letzter Minute noch eine Lösung geben?

Magdeburg (dpa) - Die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die künftige Verteilung der Steuereinnahmen stecken nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in einer Sackgasse. «Die Sache ist fachlich sehr verfahren», sagte Haseloff in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle weiter eine politische Lösung - schließe aber auch einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht nicht aus.

Die ostdeutschen Länder hätten klar aufgezeigt, dass sie auch nach dem Auslaufen des Solidarpakts II 2019 einen erhöhten Bedarf hätten. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums liegt die Steuerkraft pro Einwohner derzeit bei 55 Prozent des Bundesdurchschnitts. Alle Ostländer bräuchten noch sehr lange, bis dieser Prozentsatz wesentlich ansteige, erklärte Haseloff. «Momentan erkenne ich nicht, wie die verschiedenen Positionen in unserem Sinne aufgelöst werden können», sagte Haseloff. «Wir haben bisher ein Ausgleichssystem, das gut funktioniert hat. Alles was derzeit diskutiert wird, ist schlechter und kann von uns nicht hingenommen werden.»

Bund und Länder hatten vereinbart, bis Ende Juni einen Kompromiss zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen zu finden. Eine Einigung erst nach der Sommerpause gilt als noch schwieriger, weil dann Landtagswahlkämpfe anstehen und 2017 die nächste Bundestagswahl.

«Es muss eine akzeptable, grundgesetzkonforme Finanzausstattung aller Länder geben», betonte Haseloff. Dies bedeute, dass alle Länder in einer gewissen Spanne um den Mittelwert finanziell auszustatten seien. «Das ist eine aus dem Grundgesetz ableitbare Forderung», sagte Haseloff. «Alles andere wäre verfassungswidrig.» Derzeit klagen bereits die Geberländer Bayern und Hessen vor dem Bundesverfassungsgericht - weil sie allerdings künftig weniger Geld abgeben wollen.

Eine eigene Anrufung der Verfassungsrichter sei für ihn die letzte Option. «Ich glaube nicht, dass es notwendig sein wird. Aber wenn überhaupt nicht erkennbar ist, dass es zu einer Kompromissfindung kommt, dann ist eine abschließende Klärung durch das Verfassungsgericht in Karlsruhe hilfreich.» Die Richter könnten dann festlegen, wie ein Ausgleichssystem zwischen reicheren und ärmeren Bundesländern aussehen müsse und damit Planungssicherheit geben.

So, 2015-05-24 14:32
Luhansk/Kiew (dpa) 

Tod eines Separatistenführers in Ostukraine schürt Spannungen

Im Kriegsgebiet Ostukraine wird ein bekannter Kommandeur der Aufständischen bei einem Anschlag getötet. Die Separatisten sehen Kiew hinter der Tat. Droht eine neue Eskalation der Gewalt?

Luhansk/Kiew (dpa) - Ein tödlicher Anschlag auf einen bekannten Befehlshaber der prorussischen Separatisten im Kriegsgebiet Donbass schürt neue Spannungen zwischen Kiew und den Aufständischen. Der Kommandeur einer Polizeieinheit, Alexej Mosgowoj, sei im Gebiet Luhansk vermutlich von einer ukrainischen Spezialeinheit getötet worden, teilten die Aufständischen mit.

Die prowestliche Führung in Kiew wies die Anschuldigungen am Sonntag zurück. Beide Konfliktparteien berichteten von zunehmenden Kämpfen in der Ostukraine. Mehrere Menschen seien getötet worden.

Mosgowoj war als Anführer der Separatisten-Brigade «Prisrak» (Gespenst) bekannt. Der 40-Jährige galt als Anhänger eines unabhängigen Noworossija (Neurussland). Schon 2004 war er als Gegner der sogenannten Orangenen Revolution in der Ukraine aufgetreten.

Nach Darstellung der Aufständischen gerieten Mosgowoj und seine Begleiter am Samstag zunächst in einen Hinterhalt mit einer Explosion. Dann eröffneten Angreifer das Feuer mit Maschinengewehren. Insgesamt wurden dabei demnach mindestens sechs Menschen getötet.

Mosgowoj sei das Opfer eines Machtkampfes in den Reihen der Separatisten geworden, erklärte dagegen Alexander Motusjanik vom Präsidialamt in Kiew der Agentur Interfax zufolge. Bei Facebook bekannte sich indes eine Gruppe namens «Ten» (Schatten) zu der Tat. Im Donbass kämpfen zahlreiche Freiwilligenbataillone auf der Seite der ukrainischen Regierung.

Der Chef der selbsternannten Volksrepublik» Luhansk, Igor Plotnizki, räumte ein, dass es Meinungsverschiedenheiten mit Mosgowoj gegeben habe. Doch im Kampf für die Unabhängigkeit hätten sie «Seite an Seite» gestanden. Nur die Führung in Kiew könne ein Interesse an Mosgowojs Tod haben, sagte Plotnizki.

Beide Seiten warfen sich weitere Verstöße gegen die seit Mitte Februar geltende Waffenruhe im Frontgebiet vor. Die Militärführung in Kiew berichtete von einem getöteten Soldaten und mehreren Verletzten innerhalb von 48 Stunden. Zudem wurde Berichten zufolge ein Zivilist bei Beschuss der Ortschaft Awdijiwka nördlich von Donezk getötet.

Separatistenführer Eduard Bassurin behauptete, die Ukraine habe bis zu 45 000 Soldaten im Frontgebiet stationiert. Zudem sprach er von Hunderten Einheiten Kriegstechnik, darunter Panzer.

Der vor mehr als drei Monaten im weißrussischen Minsk vereinbarte Friedensplan für die Ostukraine sieht einen vollständigen Rückzug schwerer Waffen von der Front vor. Beide Seiten hätten dies noch nicht umgesetzt, sagen Beobachter. US-Außenminister John Kerry und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko forderten am Samstag in einem Telefonat erneut die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen.

So, 2015-05-24 14:05
Berlin (dpa)

Trockene Äcker und Tigermücke: Das bringt der Klimawandel Deutschland Von Katja Räther, dpa

Manch einer wünscht sich in diesen Tagen wohl etwas mehr von der allseits festgestellten Erderwärmung abzubekommen. Wenn auch eine Hitzewelle zu Pfingsten ausblieb: Der Klimawandel ist längst da, erste Folgen für den Alltag vielfach spürbar.

Berlin (dpa) - Ausgedehnte Wüstenflächen und Südseeinseln unter Wasser - viele Deutsche sehen in den erwarteten Auswirkungen des Klimawandels nur eine ferne Bedrohung. Doch die Folgen der Erderwärmung sind nach einem Bericht der Bundesregierung schon heute deutlich spürbar. So sei etwa die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad seit 1951 von drei auf acht pro Jahr gestiegen.

Von diesen Hitzewellen seien unter anderem die Energieversorgung, die Landwirtschaft und die Gesundheitsvorsorge betroffen, heißt es in dem am Wochenende erstmals vorgelegten «Monitoringbericht der Bundesregierung zur Anpassung an den Klimawandel».

Für das 258-Seiten-Papier haben Experten aus Ministerien, wissenschaftlichen Einrichtungen und privaten Institutionen genau hingeguckt. Welche Herausforderungen stellen die klimatischen Veränderungen für die Gesundheit der Menschen, für die Versorgung mit Wasser und Energie, für den Verkehr, für die Städteplanung und die Wirtschaft in Deutschland? Auch Urlaub und Freizeit werden wohl anders aussehen, wenn man für den Strandurlaub mit Sonnengarantie nicht mehr unbedingt ans Mittelmeer reisen muss.

Der Klimawandel zwingt zum Zwei-Fronten-Kampf: Die Bundesregierung setzt sich auf internationaler Ebene für anspruchsvolle Klimaschutzziele ein, um eine weitere Erderwärmung zu begrenzen. Zuhause bereitet sie zugleich die Grundlagen, um den Alltag an die veränderten Klimabedingungen in Deutschland anzupassen.

«Die Folgen des Klimawandels sind so vielfältig, dass kaum ein Bereich des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unberührt bleiben wird», stellen die Autoren des Berichts fest. Zwar seien bisher nur kleinere Gruppen, bestimmte Wirtschaftszweige oder Regionen konkret betroffen. Aber: Anpassung geht uns alle an. «Sich auf diese Veränderungen vorzubereiten, heißt, rechtzeitig und aktiv auf Klimaänderungen zu reagieren, die bereits nicht mehr vermeidbar sind.»

Neben der direkten Belastung etwa für ältere Menschen und chronisch Kranke schafft die Erwärmung auch neue Lebensräume für bislang in Mitteleuropa nicht heimische Tiere und Pflanzen - mit zum Teil erheblichen Gesundheitsrisiken. So breiten sich hoch allergene Pflanzen wie die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) aus, in bestimmten Regionen Süddeutschlands siedeln sich wärmeliebende Insekten wie die Tigermücke an. Sie können schwere Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber übertragen.

In der Landwirtschaft führten Extremereignisse wie Stürme, Starkregen, Hagel oder Trockenheit zu großen Qualitätsschwankungen und Ertragseinbußen. Hitzeperioden hätten 2003 und 2006 die Stromproduktion in Wärmekraftwerken wegen Kühlwassermangels teils massiv eingeschränkt. «Klimawandel findet auch in Deutschland statt», kommentierte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Ihr Ministerium verweist auf Maßnahmen, die sich heute schon bewähren: Durch den Aufbau eines Hitzewarnsystems können sich Pflegeeinrichtungen besser auf längere Perioden mit heißen Tagen einstellen, etwa mit entsprechenden Änderungen bei der Medikamentenvergabe.

In der Landwirtschaft werden neue Sorten erprobt, die sich besser an längere Trockenphasen anpassen. Durch neue öffentliche Investitionen in den Hochwasserschutz werden sich viele Städte und Gemeinden besser gegen Überschwemmung schützen können.

Der Monitoringbericht soll künftig alle vier Jahre vorgelegt werden und die Entwicklungen in 15 Handlungsfeldern - von Bauen und Boden bis zur Verkehrsplanung - nachzeichnen. So soll deutlich werden, wo sich die Folgen des Klimawandels besonders bemerkbar machen und neue und wachsende Herausforderungen die Politik entstehen.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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So, 2015-05-24 13:48
Abeba (dpa)

Wahlen in Äthiopien - Keine echte Konkurrenz für Regierungspartei

Addis Abeba (dpa) - Im ostafrikanischen Äthiopien wird seit Sonntagmorgen ein neues Parlament gewählt. In der Hauptstadt Addis Abeba war der Andrang in den meisten Wahllokalen am frühen Morgen groß. Ein haushoher Sieg der Regierungspartei EPRDF galt als sicher.

Die ehemalige Rebellenorganisation ist bereits seit 24 Jahren an der Macht und hatte bei der letzten Wahl 2010 rund 99,6 Prozent der Parlamentssitze gewonnen. Die Opposition bekam einen einzigen Sitz.

Menschenrechtler werfen der Regierung vor, politisch Andersdenkende zu unterdrücken. In punkto Meinungs- und Pressefreiheit belegt das Land einen der hinteren Plätze weltweit.

«Ich habe für die Opposition gestimmt, denn es ist wichtig, dass sie in Zukunft im Parlament besser vertreten ist», sagte die Studentin Sisay. «Wir wissen alle, dass die EPRDF gewinnen wird, aber wir brauchen eine stärkere Opposition.»

Es waren die ersten Wahlen im zweit-bevölkerungsreichsten Land des Kontinents (94 Millionen Einwohner) nach dem Tod des Langzeit-Ministerpräsidenten Meles Zenawi im Jahr 2012. Seither ist sein Vize Hailemariam Desalegn Regierungschef. Beobachter glauben, dass er das Amt weiterführen wird. Das Parlament benennt nach den Wahlen den Ministerpräsidenten.

Laut Wahlbehörde sind 36,8 Millionen Wähler registriert. Ein vorläufiges Ergebnis soll innerhalb von fünf Tagen vorliegen. Das Endergebnis wird am 22. Juni bekanntgegeben.

So, 2015-05-24 13:05
Bagdad/Damaskus (dpa)

IS kontrolliert strategischen Grenzposten zwischen Irak und Syrien

Bagdad/Damaskus (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat einen strategisch wichtigen Grenzübergang zwischen dem Irak und Syrien vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die irakischen Sicherheitskräfte zogen sich vom Grenzübergang Al-Walid komplett zurück. Das erklärte das irakische Militär am Sonntag in Bagdad.

«Sie haben die irakische Flagge runtergenommen und ihre eigene gehisst», sagte der Sprecher unter Bezug auf die schwarze Fahne des IS mit dem weißen Schriftzug, der das islamische Glaubensbekenntnis ausdrückt. Den Übergang Al-Tanf auf der syrischen Seite der Grenze hatte der IS vor drei Tagen erobert, nachdem er die antike Wüstenstadt Palmyra und andere Gebiete der Provinz Homs unter seine Kontrolle gebracht hatte.

Die vollständige Kontrolle über die irakisch-syrische Grenze an dieser Stelle ist von enormer strategischer Bedeutung. In Friedenszeiten war Al-Walid/Al-Tanf der Grenzübergang für Reisende auf der direkten Strecke zwischen Bagdad und Damaskus.

Nun kann der IS über diese Strecke beliebig Soldaten und Waffen zwischen der westirakischen Provinz Anbar und der syrischen Provinz Homs verschieben. Die jüngsten IS-Eroberungen um Palmyra ließen wiederum die Terrormiliz näher an Damaskus heranrücken.

So, 2015-05-24 12:05
Sanaa (dpa)

Schwere Kämpfe um strategisch wichtige Stadt im Zentraljemen

Sanaa (dpa) - Bei heftigen Angriffen der schiitischen Huthi-Rebellen auf die Stadt Tais im Zentraljemen sind Dutzende Menschen getötet und verletzt worden. «Die Huthis und ihre Verbündeten haben Tais seit dem Morgengrauen wie von Sinnen beschossen», sagte ein Anwohner am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Wie viele Menschen starben, war aufgrund der andauernden Gefechte zunächst nicht festzustellen.

Tais liegt an der Straße nach Aden, der zweitgrößten Stadt des Landes an der Südküste des Jemens. Eine Eroberung der Stadt würde den Rebellen zudem Zugang zur wichtigen Meerenge am Golf von Aden verschaffen.

In dem blutigen jemenitischen Bürgerkrieg im Süden der Arabischen Halbinsel kämpfen die Huthi-Rebellen gegen Anhänger des nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Ein saudisch geführtes Militärbündnis bombardiert seit Ende März die Huthis und ihre Verbündeten. Der saudischen Allianz gehören sunnitische Länder aus der Region an.

Am kommenden Donnerstag sollen in Genf unter UN-Schirmherrschaft Gespräche zur Beruhigung des Konflikts geführt werden.  Nach Angaben des arabischen Nachrichtenkanals Al-Arabija vom Samstag lehnt aber Präsident Hadi die Teilnahme seiner Regierung ab. Die Huthis dagegen wollen eigenen Aussagen zufolge Vertreter entsenden.

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So, 2015-05-24 12:50
Brüssel (dpa)

Ein Jahr Anschlag auf das Jüdische Museum Brüssel: Täter schweigt

Brüssel (dpa) - Auch ein Jahr nach dem islamistischen Anschlag mit vier Toten auf das jüdisches Museum in Brüssel schweigt der mutmaßliche Täter. Der Franzose Mehdi Nemmouche verweigere nach wie vor die Aussage über seine Motive, berichtete der belgische Nachrichtensender RTBF am Sonntag.

Am 24. Mai 2014 hatte der Mann in dem Museum ein israelisches Touristenpaar, eine Französin und einen Belgier erschossen. Der damals 29 Jahre alte mutmaßliche Täter war sechs Tage nach dem Verbrechen in Südfrankreich festgenommen und später nach Belgien ausgeliefert worden.

Der Mann soll nach Angaben der Ermittler als selbsternannter «Gotteskrieger» zuvor in Syrien gekämpft haben. Offen sei immer noch, ob er Mitglied einer größeren Gruppe war, wer ihn beauftragt und bezahlt habe, berichtete der Radiosender.

Das Museum hatte knapp vier Monate nach dem Attentat mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen wieder seine Tore geöffnet. Vor dem Jahrestag besuchte der belgische Innenminister Jan Jambon das Ausstellungshaus. «Dieses Museum ist eine permanente Erinnerung an die Gefahren, die uns immer noch bedrohen», sagte Jambon laut belgischer Nachrichtenagentur Belga.

In Belgien gibt es immer wieder islamistische Vorfälle. Zu Jahresbeginn hatten Spezialheiten der belgischen Sicherheitsbehörden in Verviers zwei mutmaßliche Dschihadisten erschossen.

So, 2015-05-24 12:26
Nairobi (dpa)

Model Nargis Fakhri setzt sich für seltene Nashörner ein

Nairobi (dpa) - US-Model Nargis Fakhri setzt sich für den Schutz stark vom Aussterben bedrohter Nashörner ein. Im kenianischen Wildtierreservat Ol Pejeta ließ sich die 35-jährige Bollywood-Schauspielerin am Wochenende mit «Sudan», dem weltweit letzten lebenden Bullen des Nördlichen Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum cottoni) ablichten. «Ich möchte helfen, auf dieses einmalig schöne Geschöpf aufmerksam zu machen», schrieb sie vor der Reise auf ihrer Facebook-Seite.

Weltweit gibt es nur noch fünf Exemplare der Unterart. Zwei Weibchen leben in einem Zoo in Tschechien, hinzu kommen Sudan und die beiden Weibchen Najin und Fatu in Ol Pejeta. Sie werden streng bewacht, um sie vor Wilderern zu schützen. Versuche, eine natürliche Vermehrung der Tiere zu erreichen, blieben bislang erfolglos.

So, 2015-05-24 12:40
Paju (dpa)

Friedensaktivistinnen überqueren Grenze von Nord- nach Südkorea

Paju (dpa) - Vor dem 70. Jahrestag der Teilung der koreanischen Halbinsel in diesem Jahr haben 30 Friedensaktivistinnen aus aller Welt die schwer bewachte innerkoreanischen Grenze überquert. Die US-Frauenrechtlerin Gloria Steinem nannte die symbolische Überfahrt von Nord- nach Südkorea mit einem Bus am Sonntag nach der Ankunft an einer südkoreanischen Transitstelle einen «großen Triumph» für Frieden und Aussöhnung. Zur Gruppe gehörten auch die beiden Friedensnobelpreisträgerinnen Mairead Corrigan Maguire aus Irland und Leymah Gbowee aus Liberia. 

In Nordkorea hatten die Frauen in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben Bürgerinnen, jedoch keine Vertreter des kommunistischen Regimes getroffen. «Wir hatten wirklichen menschlichen Austausch mit nordkoreanischen Frauen», sagte die 81-jährige Steinem. Sie hätten sich als «Bürger-Diplomaten» gefühlt. 

Die Gruppe traf mit dem Bus an der Grenzlinie innerhalb der vier Kilometer breiten demilitarisierten Zone (DMZ) an. Ihre Hoffnung, durch den sogenannten Waffenstillstandsort Panmunjom über die Grenze marschieren zu können, erfüllte sich nicht. «Wir fühlen uns sehr feierlich und positiv, dass wir eine Reise über die DMZ in Frieden und Aussöhnung gemacht haben, von der man sagte, sie sei unmöglich», sagte Steinem. 

So, 2015-05-24 11:49
Kairo (dpa)

Ägypten: Toter bei Bombenexplosion im Nildelta

Kairo (dpa) - Bei einer Bombenexplosion in der Nildelta-Provinz Scharkija ist ein Ägypter getötet worden. Acht weitere Menschen erlitten bei dem Anschlag in der Ortschaft Abu Hamad 90 Kilometer nördlich von Kairo Verletzungen. Das teilten die ägyptischen Gesundheitsbehörden in der Nacht zum Sonntag mit. Die Explosion ereignete sich in einem Tunnel unter dem Nil.

Behördenvertreter schilderten den Hergang in unterschiedlichen Versionen. Nach Angaben eines leitenden Polizeiermittlers starb der Fahrer eines Autos, das über einen im Tunnel ausgelegten Sprengsatz fuhr. Ein Beamter des Innenministeriums in Kairo sagte dagegen der Zeitung «Al-Youm Al-Saba», dass die Bombe in einem Fahrzeug explodiert sei. Der Fahrer des Wagens sei dabei ums Leben gekommen.

Bombenanschläge sind in Ägypten nicht selten. Sie werden von militanten Islamisten verübt. Ihre Aktivitäten konzentrieren sich auf den Norden der Halbinsel Sinai. Terrorzellen sind aber auch im Großraum Kairo, im Nildelta und in der Suezkanal-Region aktiv.

So, 2015-05-24 11:55
Berlin (dpa)

Politiker fordern: EU muss Verbraucher vor Klonfleisch schützen Von Anja Semmelroch, dpa

Das Klonschaf Dolly war in den 90er Jahren eine Sensation. Heute wird die hochumstrittene Technik nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Tierzucht eingesetzt. Politiker befürchten, dass das Ergebnis auch auf deutschen Tellern landen könnte.

Berlin (dpa) - Deutsche Politiker warnen parteiübergreifend vor zu laxen Regeln für den Umgang mit Klonfleisch in der Europäischen Union. «Der Verbraucher muss erkennen können, was er isst», sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. «Der Verbraucher will ein Steak vom Bauernhof, kein Klonfleisch aus dem Reagenzglas.» Auch die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, sagte der dpa: «Wir brauchen keine geklonten Tiere für die Lebensmittelproduktion.»

In einem auch mit den Stimmen der Linken verabschiedeten Antrag fordern Union, SPD und Grüne die Bundesregierung gemeinsam auf, sich auf EU-Ebene für ein dauerhaftes Verbot des Klonens von Tieren zur Produktion von Lebensmitteln einzusetzen. Klontiere und deren Fleisch dürften auch nicht importiert werden. Sollte ein Verbot scheitern, fordern die Parlamentarier Kennzeichnungspflichten und Kontrollen.

Die EU-Kommission plant derzeit weniger weitreichende Regelungen. Demnach dürften Nachkommen von Klontieren und Zuchtmaterial weiterhin ohne Beschränkung und Kennzeichnung importiert werden. Genau hier sehen die Parlamentarier eine gravierende Lücke: Denn weil das Klonen aufwendig und teuer sei, stellten gar nicht die Tiere selbst, sondern deren Sperma, Eizellen und Embryonen «das wirtschaftlich interessante Produkt der geklonten Tiere» dar. Sie befürchten, dass Nachkommen von Klontieren vor allem auf diesem Weg «schleichend Einzug in die europäische Nutztierzucht und Lebensmittelwirtschaft halten».

Der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge gibt es schon heute Indizien für einen globalen Handel mit Zuchtmaterial geklonter Tiere. Der Verein Testbiotech, der von unabhängiger Seite über die Risiken der Biotechnologie aufklären will, zeigt auf seiner Homepage Beispiele für den Online-Handel mit dem Sperma geklonter Rinder.

In welchem Umfang weltweit geklont wird, ist laut Testbiotech nicht bekannt. Nach Angaben der EU-Kommission aus dem Jahr 2013 hätten die USA, Kanada, Australien, Brasilien und Argentinien aber bestätigt, dass in ihrem Hoheitsgebiet Tiere geklont würden. In der EU wird die Klontechnik nach Angaben der 28 Mitgliedstaaten derzeit nirgendwo in der Landwirtschaft oder Lebensmittelproduktion eingesetzt, heißt es in dem Antrag der Fraktionen. «Die Bundesregierung kann jedoch nicht ausschließen, dass bereits Nachkommen von Klontieren Eingang in die deutsche Nutztierzucht und Lebensmittelproduktion gefunden haben.»

Umfragen zeigen laut Connemann, dass knapp drei Viertel (71 Prozent) der Bundesbürger geklontes Fleisch ablehnen, auch aus ethischen Gründen. «Klonen bedeutet für Tiere Leid und Qual», sagte Connemann. Rund 90 Prozent der eingesetzten geklonten Embryonen sterben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge spätestens kurz nach der Geburt. Tiere, die überleben, altern laut Connemann schneller, haben Krankheiten oder Missbildungen.

Aus Sicht von Foodwatch können Kennzeichnungspflichten aber nicht wirksam vor dem Verzehr von Klonfleisch schützen. Im Hackfleisch eines Hamburgers etwa seien so viele Fleischsorten vereint, dass dies praktisch kaum möglich sei, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Er fordert deshalb ein umfassendes Importverbot.

So, 2015-05-24 11:30
Elmau (dpa)

Der Gipfel der Idylle Von Sabine Dobel, dpa

Die Welt schaut nach Elmau. Zum G7-Gipfel herrscht Ausnahmezustand. Maschendrahtzaun, gesperrter Luftraum. Menschen können nicht überall auf den Bergen ungestört herumwandern. Selbst für manches Schaf heißt es: Zuhause blieben im Stall - Weide zu turbulent.

Elmau (dpa) - Das Wettersteinmassiv mit Zugspitze und Alpspitze. Eine majestätische Kulisse, fast zum Greifen nah. Der G7-Tagungsort Schloss Elmau liegt spektakulär. Deutschlands höchste Gipfel umrahmen das Treffen der sieben führenden westlichen Industrienationen am 7. und 8. Juni.

Die schroffen Felsen könnten natürliches Bollwerk gegen Angriffe sein - oder ein Hinterhalt für Überfälle oder Proteste. Ein Gleitschirm mit kühner Parole, ein Segelflieger mit einem verunglimpfenden Transparent? Gewaltbereite Demonstranten, die aus dem Unterholz brechen? Oder gar islamistische Terroristen? Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) macht keinen Hehl daraus, dass die Behörden beide Gefahren bedenken: Den internationalen Terror und die Globalisierungsgegner, die kürzlich bei der Einweihung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt wüteten.

Kein anderes Luxushotel sei so leicht zu sichern wie Elmau, sagt Schlossherr Dietmar Müller-Elmau. Nicht umsonst bauten allerdings die meisten Fürsten ihre Schlösser lieber hoch auf Felsen; nicht umsonst waren Berge in Kriegen als strategisch wichtige Orte umkämpft.

Das Schloss liegt auf 1000 Metern Höhe, in einem idyllischen Tal, per Auto öffentlich zugänglich nur über eine Mautstraße. «Auf den ersten Blick erscheint das alles als taktischer Vorteil», sagt der Sprecher des G7-Planungsstabes, Hans-Peter Kammerer. «Bei genauerem Hinsehen ist die Tatsache, dass dieses Schloss in einem Tal in einem alpinen Bereich liegt, mit besonderen Herausforderungen für die Einsatzkräfte verknüpft. Um diesen Ort entsprechend abzusichern, bedarf es einer Vielzahl von Kräften und gleichzeitig einer technischen Sicherung.»

Von Almwiesen, Kuppen, Scharten und Gipfeln gibt es immer wieder einen freien Blick auf Schloss Elmau: vom Wamberger Rücken, oder von der alpinen Felskette des Wettersteingebirges. Früher schlichen hier Schmuggler durch. Auch von der zehn Kilometer Luftlinie entfernten Alpspitze (2628 m) sieht man Elmau. «Wenn einer wirklich überlegen würde, auf eine so weite Entfernung eine Gefahr zu setzen, wäre die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden, extrem groß», sagt Kammerer.

Alpin geschulte Polizeikräfte werden in dem unwegsamen Gebiet in Schichten rund um die Uhr unterwegs sein. Auch 80 Bergretter stehen bereit. «Es ist ein großer Einsatz, ein besonderer Einsatz. Es werden außergewöhnlich viele Menschen im Gebiet unterwegs sein, Wanderer, Demonstranten und Polizisten», sagt Bergwachtsprecher Roland Ampenberger.

Der Sicherheitsgürtel um das Schloss ist 16 Kilometer lang, über sieben Kilometer bildet ein drei Meter hoher Zaun ein Bollwerk. Es handele sich um «einfachen Maschendrahtzaun, der auch schützt gegen Berggeröll» und der «ganz leicht anschließend wieder einrollbar ist», sagt Herrmann. Trotzdem sind Naturschützer auf den Barrikaden.

Der Zaun werde mit einem 12 Millimeter dicken Stahlseil an Bäumen verspannt, sagt der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, Axel Doering. «Wenn er nur rumstehen würde, ginge es ja noch - aber er ist in der Nacht beleuchtet.» Auerhühner, Kitze und Rotwild würden beeinträchtigt. In der Gegend brüte ein seltenes Steinadlerpärchen. Nicht zu reden von den Buckelwiesen mit ihrem Artenreichtum. «Dem Enzian ist egal, ob er von einem Polizeistiefel zusammengetreten wird oder von einem Demonstrantenschuh.» Dass zu einem solchen Ereignis Demonstranten kämen, sei klar - nun bekämen sie den Schwarzen Peter zugeschoben.

Seit Wochen sind in dem Gebiet Polizisten unterwegs. Wer dort radelt, wandert, klettert, wird mitunter mehrfach angehalten. Ab 30. Mai wird der Sicherheitsbereich gesperrt und rundum noch stärker kontrolliert. Das Schachenhaus, bei dem König Ludwig II. ein prunkvolles Schloss schuf, ist nur mit Anstieg über die Partnachklamm erreichbar. Der dortige Botanische Garten mit über 800 Pflanzen aus Hochgebirgen weltweit öffnet erst Mitte Juni. «Die Empfehlung für Wanderer ist schon, dass man sich überlegt, ob man in dem Bereich unterwegs ist. Man wird natürlich immer wieder kontrolliert», sagt Kammerer.

Auch auf zwei Dutzend Ziegen und gut 600 Schafe von Barbara Maurer strahlt der Gipfel aus. Sie dürfen bei dem hohen Besuch nicht am Schloss grasen. Da ist überall Polizei. «Wenn etwas ist, komm ich nicht jederzeit zu meinen Tieren.» Maurer lässt sie lieber zuhause.

Das Ganze kostet ein dreistellige Millionensumme. Dabei kommen Angela Merkel, Barack Obama und ihre Kollegen nur für etwa 24 Stunden in die Alpenidylle.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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So, 2015-05-24 11:23
Monaco/Stuttgart (dpa)

Daimler und Qualcomm: Zusammenarbeit beim vernetzten Fahrzeug

Monaco/Stuttgart (dpa) - Daimler will bei der Fahrzeugvernetzung mit dem US-Chipspezialisten Qualcomm zusammenarbeiten. Dabei wollen die beiden Konzerne nach einer Mitteilung der Daimler AG vom Wochenende Möglichkeiten suchen, welche Technologien in zukünftigen Fahrzeugen zum Einsatz kommen können. Im Gespräch seien beispielsweise 3G/4G Mobilfunkverbindungen oder kabellose Ladeoptionen.

Die Kooperation werde sich auf die Entwicklung eines Ladeprozesses für Elektroautos konzentrieren. Die von Qualcomm entwickelte Halo WEVC Technologie ermögliche es, Fahrzeuge zu laden, ohne an eine Ladesäule fahren zu müssen. Darüber hinaus erlaube die sogenannte WiPower Technologie kabelloses Laden elektronischer Geräte im Auto.

So, 2015-05-24 10:50
Berlin (dpa)

Nahles will Bundesprogramm für Jobmarkt-Integration von Flüchtlingen

Die Asylbewerberzahlen steigen - und die Arbeitgeber fordern leichteren Zugang von Flüchtlingen auf den deutschen Jobmarkt. Doch die Mittel reichen aus Sicht der Bundesarbeitsministerin nicht aus.

Berlin (dpa) - Angesichts steigender Flüchtlingszahlen und großen Arbeitskräftebedarfs macht sich Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für ein Bundesprogramm zur Jobmarkt-Integration stark. «Es geht um die finanziellen und personellen Voraussetzungen in den Jobcentern, die Flüchtlinge in Arbeit bringen zu können», sagte Nahles am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Diese Investition in die Zukunft ist bislang unterfinanziert, hier brauchen wir zusätzliches Geld.»

Allein bei technischen, IT-, naturwissenschaftlichen oder mathematischen Berufen fehlen den Unternehmen derzeit laut einer vor wenigen Tagen vorgestellten Studie der Wirtschaft mehr als 137 000 Arbeitskräfte. Die Arbeitgeber forderten deshalb bessere Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in Deutschland.

Infolge des jüngsten Flüchtlingsgipfels von Bund und Ländern tagt an diesem Dienstag eine Arbeitsgruppe von Bundesministerien und den Ländern. Sie verhandelt über mehr Sprachkurse, Bildung und Berufsvorbereitung. Dies dient der Vorbereitung des nächsten Bund-Länder-Flüchtlingstreffens am 11. Juni.

Nahles sagte, über die laufenden Mittel des Europäischen Sozialfonds hinaus «brauchen wir ein eigenständiges Bundesprogramm». Mehr Geld sei nötig für berufsbezogene Sprachkurse und Eingliederung in Arbeit.

«Die Zahl der Flüchtlinge steigt und viele Menschen werden aufgrund der Situation in ihren Herkunftsländern dauerhaft in Deutschland bleiben», so Nahles. «Wenn wir am Anfang in die Menschen investieren, vermeiden wir dauerhafte Sozialausgaben und ermöglichen ihnen ein eigenständiges Leben.»

Die Anerkennungsverfahren für Flüchtlinge sollen bereits beschleunigt werden, so Nahles. Anerkannte müssten dann aber auch auf den Arbeitsmarkt integriert werden. «Deshalb halte ich erhebliche Anstrengungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik, bei allgemeinen und berufsbezogenen Sprachkursen und der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen für nötig.»

Die Ministerin erinnerte unter anderen daran, dass die Wartefrist für den Arbeitsmarktzugang von Flüchtlingen bereits auf drei Monate verkürzt wurde. In diesem Ausbildungsjahr werde zudem mit der «assistierten Ausbildung» begonnen - auch Geduldeten und anerkannten Flüchtlingen stehe dies offen.

So, 2015-05-24 10:34
Kabul (dpa)

Aufständische stürmen Kontrollposten - zehn Polizisten getötet

Kabul (dpa) - Bei einem Angriff Aufständischer auf Kontrollposten afghanischer Sicherheitskräfte sind in der südafghanischen Provinz Helmand mindestens zehn Polizisten getötet worden. 16 weitere Polizisten seien verwundet worden, sagte ein Polizeisprecher in Helmand. Dutzende Aufständische hätten die Sicherheitskräfte am Sonntagmorgen im Distrikt Sangin angegriffen. «Wir haben Verstärkung angefordert, um die Checkpoints wieder unter Kontrolle zu bringen.»

Bei einem Bombenanschlag in der ostafghanischen Provinz Wardak wurden am Sonntag zwei Zivilisten getötet und sechs weitere verwundet. Das Fahrzeug der Opfer sei in eine Sprengfalle geraten, sagte der Sprecher der Provinzregierung, Attaullah Khogjani.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

Keine Anzeige!

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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