Mo, 2015-07-06 16:13
Tallinn (dpa)

Estland erteilt ehemaligen Guantánamo-Häftling Aufenthaltsgenehmigung

Tallinn (dpa) - Estland hat einem ehemaligen Häftling aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo eine befristete Aufenthaltserlaubnis erteilt. Dem nicht verurteilten Mann sei am 1. Juli internationaler Schutz und ein einjähriges Aufenthaltsrecht gewährt worden, sagte eine Sprecherin der Polizei- und Grenzschutzbehörde am Montag. Für Reisen in andere Länder müsse der ehemalige Gefangene allerdings noch ein Reisedokument beantragen. Erst damit könne er die Reisefreiheit des Schengener Abkommens in Anspruch nehmen und Visa beantragen, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Estland hatte im Oktober 2014 einer Anfrage der USA zugestimmt, einen nicht verurteilten Häftling aus dem Lager Guantánamo aufzunehmen.

Mo, 2015-07-06 16:06
Aviv (dpa)

Google-Dienst Waze startet Mitfahr-App in Israel

Tel Aviv (dpa) - Googles Navigationsdienst Waze testet eine Mitfahr-App in Israel. Die Anwendung RideWith soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden, die eine ähnliche Strecke haben, wie der in Israel gegründete Dienst Waze am Montag mitteilte. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Das Projekt wird zunächst in den israelischen Städten Tel Aviv, Herzlija und Raanana eingeführt. Später solle es eventuell auch global ausgeweitet werden. Ziel der Fahrgemeinschaften sei, Kosten zu sparen, den Verkehr zu entzerren und die Luftverschmutzung durch Abgase zu verringern.

Die Zahl der Fahrten pro Person soll zunächst auf zwei am Tag beschränkt werden. Der Fahrer muss sich registrieren und dabei Wohnort, Fahrziel und Fahrzeiten angeben. Diese Informationen werden mit denen potenzieller Mitfahrer abgeglichen, so dass es möglichst wenig Abweichungen von der Strecke gibt. Der Mitfahrer zahlt dann einen Preis, der deutlich geringer als Taxikosten sein soll. Die über Android-Geräte verfügbare App soll auch einen Höchstpreis für die Fahrdienste festlegen. Bei Mitfahr-Apps gilt grundsätzlich, dass der Tarif nicht die Betriebskosten übersteigen soll.

Google hatte Waze vor zwei Jahren gekauft, nach Medienberichten für über eine Milliarde Dollar. Bereits im Februar hatte der Finanzdienst Bloomberg berichtet, dass Google an einer App zur Fahrten-Vermittlung arbeite. Es war auch von einer internen Mitfahr-App für Mitarbeiter die Rede.

Mo, 2015-07-06 16:01
Berlin (dpa)

Syrien-Rückkehrer zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Berlin (dpa) - Ein Syrien-Rückkehrer muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Berliner Kammergericht sprach den 28-Jährigen am Montag der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland schuldig. Der Angeklagte habe in Syrien operierenden Terrorgruppen insgesamt 8550 Euro sowie einen Geländewagen zukommen lassen, heißt es im Urteil. Er sei 2013 nach Syrien gereist, weil er geglaubt habe, vor Ort Hilfe leisten zu müssen. Dabei habe er Mitglieder der Terrorgruppe Junud al-Sham getroffen. Dass der aus Frankfurt am Main stammende Angeklagte auch Mitglied wurde, sei nicht nachgewiesen worden. Der 28-Jährige hatte im Prozess gestanden.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-07-06 16:06
Mainz (dpa)

Klimawandel macht Weine schwerer - Forscher halten dagegen Von Peter Zschunke, dpa

Die zunehmende Sonneneinstrahlung verändert den Wein, erhöht seinen Alkoholgehalt. Mit der Züchtung neuer Rebsorten oder neuer Hefen steuern Önologen dagegen. Gentechnik soll in Deutschland keine Rolle spielen.

Mainz (dpa) - Neue Schädlinge und mehr Alkohol: Der Klimawandel macht den Winzern gleich doppelt zu schaffen. «Der Wein bekommt mit der Sonne immer mehr Zucker», erklärt Marie-Madeleine Caillet-Desmarest am Montag auf dem Weinweltkongress in Mainz. «Damit steigt auch der Alkoholgehalt, vor allem bei Rotweinen aus Südeuropa. Wir überlegen, wie sich das verringern lässt, entweder durch das Ausfiltern von Zucker vor der Fermentierung oder durch Alkoholreduktion danach.»

Die Önologin aus der Champagne ist eine von mehr als 450 Wissenschaftlern, Verbands- und Regierungsvertretern aus 46 Ländern, die unter dem Dach der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) bis Freitag über neue Herausforderungen durch den Klimawandel beraten. Dieser sei nicht nur schädlich, sagt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU). In nördlichen Gebieten könnten mit höheren Temperaturen bisher nicht mögliche Facetten des Weinanbaus erkundet werden. «Wein ist auch Emotion, Lebensgefühl, Kulturlandschaft.»

Im Kampf gegen Krankheiten und Schädlinge setzen die USA, Australien oder Frankreich auf die Gentechnik. Auch in der Pfalz wurden 1999 gentechnisch veränderte Weinreben gepflanzt, in der pfälzischen Gemeinde Siebeldingen, wo das Julius-Kühn-Institut (JKI) als Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen seinen Sitz hat. «Wir haben uns aus zwei Gründen davon verabschiedet», erklärt JKI-Leiter Reinhard Töpfer. Zum einen gebe es inzwischen neue Möglichkeiten in der traditionellen Kreuzungszüchtung. Zum anderen würden transgene Pflanzen von der Öffentlichkeit mehrheitlich abgelehnt.

So haben die JKI-Experten gerade erst eine neue Rebsorte vorgestellt, Caladis Blanc, die mehrere Resistenzen kombiniert: gegen die Pilzkrankheiten Echter und Falscher Mehltau, Botrytis (Schimmelbefall) und Schwarzfäule. «Damit lassen sich schöne, spritzige, leichte Sommerweine produzieren», sagt Töpfer. Die Züchtung neuer Rebsorten könne auch eine Antwort auf steigende Temperaturen zu sein.

Schädlinge wie die Kirchessigfliege, Rebzikaden und Eichenprozessionsspinner profitierten von höheren Temperaturen, erklärt die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Ulrike Höfken (Grüne) auf dem Kongress. Gentechnik kommt für sie aber nicht in Frage. Sie setzt auf biologische Schädlingsbekämpfung, etwa mit Lockstoffen. Im Kampf gegen den Traubenwickler werde das Verfahren mit solchen Pheromonen nach Angaben Höfkens bereits auf mehr als der Hälfte der rheinland-pfälzischen Rebflächen mit Erfolg eingesetzt.

Kongressbesucher aus Lateinamerika wundern sich, wie heiß es in Deutschland ist. Mit dem Klimawandel ließen sich schon jetzt dramatisch steigende Alkoholgehalte feststellen, etwa bei griechischen Weinen, sagt die Leiterin des Instituts für Önologie an der Hochschule Geisenheim im Rheingau, Monika Christmann. An ihrem Institut forschen Mikrobiologen an Hefepilzen, die weniger Alkohol produzieren. Bei einer Reduzierung um 2,5 Prozentpunkte, etwa von 15 auf 12,5 Volumenprozent Alkohol, sei geschmacklich kein Unterschied spürbar. Bei einer stärkeren Reduzierung stelle sich dann aber die Frage, ob das Ergebnis noch als Wein bezeichnet werden könne.

In der EU ist ein Alkoholgehalt von mindestens 8,5 Volumenprozent Voraussetzung für die Bezeichnung als Wein. Mara Fernandes Moura vom Instituto Agronômico de Campinas (IAC) in Brasilien findet, dass es mindestens 11 Prozent sein müssten. «Ohne Alkohol haben wir noch nur Saft.»

Mo, 2015-07-06 16:15
Berlin (dpa)

Flüchtlingszustrom wirkt sich auf HIV-Neudiagnosen aus

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen ist in Deutschland gestiegen. Dafür gibt es mehrere Gründe - auch die steigenden Flüchtlingszahlen.

Berlin (dpa) - Die steigende Zahl von Flüchtlingen in Deutschland zeigt sich auch bei den HIV-Neudiagnosen. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor. Demnach wurden dem RKI 2014 bundesweit 3525 neue Diagnosen gemeldet - ein Anstieg um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

«Ein großer Teil von ihnen stammt aus Ländern, in denen HIV besonders häufig ist», teilte die Deutsche Aids-Hilfe mit. Die Übertragung habe meistens im Herkunftsland stattgefunden. «Hier spiegeln sich steigende Flüchtlingszahlen in den HIV-Diagnosezahlen», erklärte die Organisation. Das erkläre auch den vergleichsweise starken Anstieg in der Gruppe der Heterosexuellen. Die Zahl der Neudiagnosen war bei ihnen im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen.

Nach RKI-Angaben wuchs der relative Anteil der Neudiagnosen bei Menschen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara zudem von 10 auf 15 Prozent. Die Mehrheit der Infektionen, die sich Betroffene im Ausland zugezogen haben, ereignete sich demnach ebenfalls dort.

Der relative Anteil an HIV-Neudiagnosen bei Menschen deutscher Herkunft fiel demnach von 68 auf 64 Prozent. Im bundesweiten Vergleich wurde das Virus in Berlin im vergangenen Jahr am häufigsten neu diagnostiziert. Dort kamen 12,9 Fälle auf 100 000 Einwohner - so viele wie in keinem anderen Bundesland. Am niedrigsten war der Wert in Thüringen (1,9). Bundesweit waren es im Schnitt 4,4.

Der Anstieg der gemeldeten Neudiagnosen ist laut RKI zum Teil auch auf Verbesserungen bei der Datenerhebung zurückzuführen.

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen darf den Experten zufolge nicht mit der Zahl der Neuinfektionen verwechselt werden. Sie lässt keinen direkten Rückschluss auf das Infektionsgeschehen in Deutschland zu, sondern gibt nur an, wie viele Menschen erstmals HIV-positiv getestet wurden. Die meisten von ihnen haben sich schon vor Jahren infiziert.

Die Zahl der Neuinfektionen kann laut RKI nur geschätzt werden. Die Schätzung für 2014 wird zum Welt-Aids-Tag (1.12.) veröffentlicht.

Mo, 2015-07-06 16:38
Bagdad (dpa)

Irakische Luftwaffe bombardiert versehentlich Hauptstadt Bagdad

Bagdad (dpa) - Die irakische Luftwaffe hat versehentlich die Hauptstadt Bagdad bombardiert. Sieben Menschen seien bei dem unbeabsichtigen Angriff getötet und weitere 13 verletzt worden, teilte die Polizei mit. Anwohner berichteten, dass in dem Wohnviertel Nairija imd Stadtbezirk Neu-Bagdad eine Reihe von Häusern zerstört worden sei. Das Unglück geht nach Polizeiangaben auf eine technische Panne im Flugzeug zurück. Die irakische Luftwaffe fliegt momentan Angriffe auf die Terrormiliz IS, die weite Teile im Westirak besetzt hält.

Zuletzt hatte es Diskussionen um die Kampfmotivation und die Qualität der irakischen Truppen gegeben. Regierungssoldaten flüchteten beispielsweise im Mai vor dem IS aus der Provinzhauptstadt Ramadi. Bagdad wird vollständig von der Regierung kontrolliert.

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Mo, 2015-07-06 16:21
Freital (dpa)

Sachsens Innenminister fordert Sicherheit für Flüchtlinge in Freital

Freital (dpa) - Sachsens Innenminister Markus Ulbig will bei der Unterbringung von Flüchtlingen nicht vor menschenfeindlichen Protesten einknicken. Das sagte der CDU-Politiker der «Lausitzer Rundschau» vor einer am Montagabend in Freital bei Dresden geplanten Bürgerversammlung zum Thema Asyl. In Freital waren Proteste eskaliert, als ein als Flüchtlingsunterkunft genutztes ehemaliges Hotel in eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber mit zusätzlich 280 Plätzen umgewidmet wurde.

Es sei klar, dass die Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen vor Herausforderungen stünden, sagte Ulbig. «Wir helfen, wo wir können. Aber ich halte es für notwendig, dass auch die Vertreter vor Ort daran mitwirken, um Flüchtlingen einen Zufluchtsort in Sachsen zu geben - und dieser Platz auch sicher ist.»

Bei der Einwohnerversammlung soll etwa 380 Bewohnern die Möglichkeit gegeben werden, Fragen zu stellen und Probleme zu diskutieren. Zugelassen sind nur Einwohner Freitals. Es ist bereits der zweite Anlauf zu einer Bürgerversammlung. Eine erste geplante Zusammenkunft war im März aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.

Mo, 2015-07-06 14:55
Stuttgart/Lahr (dpa)

DNA-Test: Totes Tier in Baden-Württemberg war Wolf Von Anika von Greve-Dierfeld, dpa

Das tote Tier sah aus wie ein Hund und war doch keiner: Ein Wolf hat es zurück in den Südwesten geschafft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dort das erste lebende Exemplar gesichtet wird.

Stuttgart/Lahr (dpa) - Erstmals seit etwa 150 Jahren ist wieder ein Wolf in Baden-Württemberg nachgewiesen worden. Eine DNA-Untersuchung des Forschungsinstituts Senckenberg zeigt: Ein Tier, das vor zwei Wochen im Schwarzwald überfahren worden war, war tatsächlich ein Wolf. Das teilte der Naturschutzminister des Bundeslandes, Alexander Bonde (Grüne), am Montag in Stuttgart mit.

Lange war der Wolf in Deutschland ausgerottet, erst nach dem Fall der Mauer kam er aus Osteuropa zurück. Mittlerweile leben nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) wieder rund 30 Rudel, vier Paare und mehrere Einzeltiere in der Bundesrepublik, dauerhaft zum Beispiel in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen. Schon lange wird der Wolf auch in Baden-Württemberg zurückerwartet.

Der jetzt bei Lahr entdeckte Rüde ist nach Angaben des Nabu der erste im Südwesten nachgewiesene Wolf seit seiner Ausrottung dort vor gut 150 Jahren. Das bislang letzte bekannte Exemplar in Württemberg war 1847 erlegt worden, das letzte badische 1866 bei Zwingenberg im Odenwald. Die in Mitteleuropa meist etwa 40 Kilogramm schweren Tiere sind bundesweit nun streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden.

Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob der Wolf aus der Schweiz oder aus Frankreich eingewandert ist. Das tote Tier war am Rande der Autobahn 5 gefunden worden. Es liefen auch noch Tests zu Alter und Gesundheitszustand des Tieres, sagte Bonde. Das Land werde als nächsten Schritt «die Koordinationsgruppe Wolf» einberufen. In der Arbeitsgruppe sind die Naturschutzbehörden wie auch Naturschutz-, Jagd- und Landnutzerverbände vertreten.

«Ich freue mich, gleichzeitig treibt es uns auch die Sorgenfalten auf die Stirn», sagte der Vorsitzende des Nabu Baden-Württemberg, André Baumann. Vor allem die Sorgen der Schäfer müssten ernst genommen werden, ebenso wie Bedenken der Bürger. «Die Angst vor dem Märchenwolf sitzt tief in der deutschen Volksseele.» Der Wolf sei aber weder böser Märchenwolf noch Kuscheltier. Er sei ein Wildtier, das sich von Rehen und Wildschweinen ernähre.

Es gelte nun, sich auf den ersten lebenden Wolf im Land einzurichten, sagte Baumann. Wichtig sei dann vor allem, Schaden von den Schäfern abzuwenden. Herdenschutzzäune müssten errichtet und Schäfer mit speziellen Herdenschutzhunden ausgerüstet werden, die Schafe im Zweifelsfall vor Angriffen verteidigen könnten.

Mo, 2015-07-06 15:04
Athen (dpa)

Realität holt Griechen nach Triumph der «Nein»-Sager ein Von Hubert Kahl und Takis Tsafos, dpa

Nach der Feier ist vor der Realität: Das Referendum ist entschieden, viele Griechen stehen wieder Schlange. Und Regierungschef Tsipras muss erklären, inwieweit das «Nein» eigentlich «Ja » heißt.

Athen (dpa) - Auf die ausgelassene Siegesfeier folgte die große Ernüchterung. Nach dem deutlichen «Nein» der Griechen zu neuen Spar- und Reformschritten standen viele Menschen am Montag in Griechenland wieder in langen Warteschlangen vor den Geldautomaten an, um die zugelassene Tagesration von 60 Euro abzuheben. Die Banken blieben geschlossen. Wann die Geldinstitute wieder zur Normalität zurückkehren und die Kunden wieder frei über ihre Guthaben verfügen können, vermochte niemand zu sagen.

Am Vorabend waren Tausende Athener auf dem Syntagma-Platz zusammengeströmt und hatten bis tief in die Nacht den Erfolg der Reformgegner in der Volksabstimmung gefeiert. Fast hätte man meinen können, ein Athener Fußballclub habe die Champions League gewonnen. Die Anhänger des Linksbündnisses Syriza von Ministerpräsident Alexis Tsipras schwenkten griechische Flaggen, tanzten auf dem Platz vor dem Parlament und brannten Feuerwerkskörper ab.

Wenige Stunden später wurden die Griechen von der bitteren Realität eingeholt. Die Warteschlangen vor den Geldautomaten waren am Montag sogar noch deutlich länger als an den Vortagen. In Griechenland ging die Angst um, dass der Höchstbetrag von 60 Euro am Dienstag gesenkt werden oder es gar kein Geld mehr geben könnte. Vizefinanzministerin Nadja Valavani brachte gar die Idee ins Spiel, auch die Entnahme von Bargeld aus den Schließfächern der Banken könnte gestoppt werden.

Das «Nein» zur Sparpolitik im Referendum war ein Erfolg für Tsipras, der die Reformvorschläge der Geldgeber abgelehnt hatte. Für die Regierung begann aber nach der Abstimmung erst die eigentlich schwere Aufgabe. Athen muss nun die EU-Partner davon überzeugen, dass das «Nein» im Referendum keinen Bruch mit der Europäischen Union und kein Verlassen der Euro-Zone bedeutete.

«Tsipras muss den Geldgebern beibringen, dass das Nein in Wirklichkeit Ja bedeutete», meinte die liberale Zeitung «Ta Nea». «Das Votum der Griechen lautete in Wirklichkeit: nein, das heißt: wir meinen ja.» Die große Mehrheit der Griechen ist jedenfalls für den Erhalt der Gemeinschaftswährung Euro.

Tsipras wird in den anstehenden Gesprächen mit den Geldgebern einen extrem engen Verhandlungsspielraum haben. «Die Brücken des Vertrauens sind eingerissen», beklagte die konservative Zeitung «Kathimerini». «Wenn es nicht sehr rasch eine Einigung mit den Gläubigern gibt, bleibt Griechenland nur noch die Rückkehr zur Drachme.»

Mit ihrem «Nein» haben die Griechen nicht nur die Sparpolitik der EU abgelehnt, sondern auch mit der etablierten Politik im eigenen Land radikal abgerechnet. Alle Politiker, die in den vergangenen Jahren in Griechenland Rang und Namen hatten - darunter die früheren Regierungschefs Konstantinos Mitsotakis (1990-1993), Kostas Simitis (1996-2004), Kostas Karamanlis (2004-2009), Giorgos Papandreou (2009-2011) und Antonis Samaras (2012-2015) -, hatten für ein «Ja» geworben. Die große Mehrheit der Griechen erhörte sie nicht.

Samaras zog noch in der Nacht nach dem Debakel die Konsequenzen und trat als Parteichef der konservativen Nea Dimokratia (ND) zurück. In der griechischen Opposition ist kein Politiker in Sicht, der es mit Tsipras aufnehmen könnte.

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Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
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Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-07-06 14:57
(dpa)

Iraner hoffen mit Atomeinigung auf eine Wende im Gottesstaat Von Farshid Motahari, dpa

Eine Atomeinigung wäre für die Iraner mehr als nur ein internationaler Vertrag. Sie wäre ein Hoffnungsschimmer für bessere Zeiten nach jahrelanger Isolierung.

Teheran/Wien  (dpa) -  Der Supermarktbesitzer Resa M. in Nordteheran hat seinem Lieferanten mitgeteilt, dass er ihm diese Woche nur noch das Nötigste bringen sollte. «Nicht, dass die auf einmal in Wien zu einer (Atom-)Einigung kommen, und alles wird dann billiger», sagt er. Sein Optimismus ist zwar voreilig und unrealistisch, das Wunschdenken aber teilen viele Iraner - nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich.

Präsident Hassan Ruhani hat den Iranern bei seinem Amtsantritt Versöhnung mit der Welt sowie ein Ende der Isolierung und der damit verbundenen Wirtschaftskrise versprochen. Dafür haben ihn die Iraner gewählt. Aber das Versprechen kann er nur dann einlösen, wenn die Atomeinigung mit dem Westen unter Dach und Fach ist. Vor allem muss er die lähmende Wirtschaftskrise im Zusammenhang mit den internationalen Sanktionen beenden. Wegen des Öl-Embargos und der fehlenden Einnahmen war die nationale Währung Rial zwischenzeitlich nur noch die Hälfte wert.

«Eine Atomeinigung mit dem Westen, besonders mit den USA, wird große politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben», sagt der Ökonom Mehdi Taghavi. Nach Ansicht von Beobachtern würde allein die Aufhebung der Öl- und Bankensanktionen die Staatskassen schnell wieder füllen. Auch geopolitisch würde Teheran in der Region nach Jahren wieder einmal eine positive Rolle spielen. Mit dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamistischer Staat (IS) im Nachbarland Irak würde das Land auch dem Westen - einschließlich des Erzfeindes USA - einen großen Dienst erweisen.

Arabische Staaten wie Saudi-Arabien befürchten dagegen, dass der Iran den Zwist zwischen Schiiten und Sunniten schüren und die Region weiter destabilisieren könnte.

Auch innenpolitisch kann es zu einer wichtigen strategischen Wende kommen. Bei einer Einigung hätte die Pro-Ruhani-Fraktion gute Chancen, die Parlamentswahlen am 26. Februar 2016 gegen die Hardliner zu gewinnen. Dann wäre auch eine Wiederwahl Ruhanis 2017 nur noch Formsache. «In dem Fall wären die Hardliner bis mindestens 2021 weg von der politischen Bühne», prophezeit ein Politologe in Teheran.

Vor allem die Jugendlichen im Iran freuen sich auf eine mögliche Einigung. Sie hatten in den letzten Jahren, vor allem in der achtjährigen Amtszeit von Präsident Mahmud Ahmadinedschad (2005-2013), kaum Anlass zu rosigen Zukunftsträumen. Die meisten waren arbeitslos und konnten wegen der astronomischen Inflation kein eigenes Leben aufbauen. Ihre Hoffnungen und Erwartungen an Ruhani sind dementsprechend hoch. «Eine Einigung würde auch die Gesellschaft wieder aufheitern», sagt der Soziologe Amanollah Moghaddam.

Schon im April gab es nach der Grundsatz-Einigung von Lausanne spontane Straßenfeste in Teheran. Hauptsächlich Jugendliche feierten nicht nur Ruhani und Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, sondern auch US-Präsident Barack Obama. Für sie hat Obama die bilateralen Verhandlungen überhaupt erst ermöglicht. Auf Freudentänze und Musik wurde damals natürlich nicht verzichtet, trotz Verbots und strenger Sittenpolizei.

Aber diesmal will das Innenministerium genau das unbedingt verhindern. Einerseits ist am Mittwoch, also dem Tag nach Fristablauf für eine Einigung, ein islamischer Trauertag im Iran. Da ziemen sich Feiern und Musik und Tanzen gar nicht. Außerdem sollte es - nach mehr als 35 Jahren Feindseligkeit mit den Amerikanern - nicht wieder «Obama, Obama»-Sprechchöre geben. «Aber egal, ob es einigen gefällt oder nicht», prophezeit der Politologe, «bei einer Einigung gehen Obama und Ruhani in die iranische Geschichte ein».

Mo, 2015-07-06 15:12
Dresden (dpa)

Dresdner Zoo trauert um Publikumsliebling - Leistenkrokodil Max tot

Dresden (dpa) - Trauer im Dresdner Zoo: Leistenkrokodil Max ist tot. Mit dem fast 60 Jahre alten und seit Wochen schwer kranken Reptil hat der Tierpark am Montag einen Publikumsliebling verloren. Max' Fans erfuhren das auch auf Facebook über einem Schwarz-Weiß-Bild aus besseren Tagen. «Er lag am Morgen leblos im Gehege», sagte eine Sprecherin am Montag.

Das Reptil hatte an einer entzündlichen Verletzung im rechten Vorderfuß laboriert. Ärzte hatten bei einer Untersuchung Anfang Juni auch Probleme mit der Niere vermutet. Woran Max starb, ist derzeit aber unklar. Der Kadaver wird im Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin untersucht, um auch die genaue Todesursache zu klären. Mit Ergebnissen rechnet der Zoo erst in einigen Tagen.

Das fast fünf Meter lange und rund 400 Kilogramm schwere, imposante Reptil war 1958 als 60-Zentimeter-Jungtier in dem Tierpark gekommen und schnell zum Besuchermagneten avanciert. Vertreter der in Asien, Australien und Ozeanien beheimateten größten lebenden Krokodilart können bis zu 70 Jahre alt werden. Max aber war zuletzt lethargisch und schwach geworden, hatte Futter verweigert und Bewegungsstörungen gezeigt. Eine Therapie mit Antibiotikum und Schmerzmittel wirkte nicht.

Mo, 2015-07-06 15:29
Mainz (dpa)

Deutschlands Weinproduktion wächst - gegen den globalen Trend

Mainz ist eine Woche lang Welthauptstadt für Rebe und Wein: Experten aus 46 Ländern beraten über Herausforderungen durch den Klimawandel und neue Markttrends.

Mainz (dpa) - Weltweit ist die Weinproduktion im vergangenen Jahr um sieben Prozent zurückgegangen, die deutschen Winzer aber konnten ihren Ertrag um neun Prozent auf 9,2 Millionen Hektoliter steigern. Damit festigte Deutschland seinen zehnten Platz bei den Erzeugerländern, wie der Generaldirektor der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV), Jean-Marie Aurand, am Montag auf dem Weltkongress der Organisation in Mainz mitteilte. Beim Weinkonsum stehen die Menschen in Deutschland mit 20 Millionen Hektolitern auf Rang vier, hinter den USA, Frankreich und Italien. Der deutsche Wert ist seit 2010 unverändert.

Weltweit jedoch sei der Weinkonsum seit 2008 ständig zurückgegangen, von 250 auf 240 Millionen Hektoliter, teilte Arnaud mit. Im Außenhandel mit weltweit 104 Millionen Hektolitern Wein ist Deutschland beim Volumen das größte Importland vor Großbritannien und den USA, bei den Exporten nimmt Deutschland immerhin Rang sieben ein, hinter Frankreich, Italien, Spanien, Chile, Australien und den USA.

Die OIV setzt Standards für internationale Bezeichnungen und gibt Empfehlungen für den Weinanbau. Mehr als 450 Wissenschaftler, Verbands- und Regierungsvertreter aus 46 Ländern kamen in Mainz zu 140 Fachvorträgen und Beratungen zusammen, bei denen es vor allem um neue Herausforderungen durch den Klimawandel geht.

Die scheidende Präsidentin der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV), Claudia Inés Quini, sagte, der Klimawandel stelle die Önologie, die Wissenschaft vom Wein, vor große Herausforderungen. Wegen der starken Sonneneinstrahlung und des zunehmenden Zuckergehalts von Trauben suchen die Experten etwa nach Wegen, um den Alkoholgehalt von Wein zu begrenzen.

«Wir setzen auf Qualität, Originalität und Regionalität statt auf Quantität», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU), zur Eröffnung des Kongresses. Die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Ulrike Höfken (Grüne) sprach sich gegen die Verwendung gentechnisch veränderter Rebsorten aus und stellte Erfolge bei der biologischen Schädlingsbekämpfung im Weinbau heraus.

Die OIV wählt am Freitag eine neue Präsidentin. Einzige Kandidatin ist die Leiterin des Instituts für Önologie an der Hochschule Geisenheim im Rheingau, Monika Christmann.

Mo, 2015-07-06 15:09
München (dpa) 

Siemens braucht Endspurt im vierten Quartal

München (dpa) - Der Elektrokonzern Siemens muss sich anstrengen, um sein angepeiltes Margenziel im laufenden Geschäftsjahr zu erreichen. Man gehe aber davon aus, dass es einen Endspurt im Schlussquartal 2014/15 (30. September) geben werde, verlautete am Montag aus Unternehmenskreisen in München. Konzernchef Joe Kaeser hatte sich im industriellen Geschäft eine Marge von zehn bis elf Prozent vorgenommen - im zweiten Quartal waren allerdings lediglich neun Prozent vom Umsatz übrig geblieben.

Den Gewinn von zuletzt rund 5,5 Milliarden Euro will Siemens im Geschäftsjahr um mindestens 15 Prozent steigern. Allerdings hatte der Elektrokonzern Milliarden beim Verkauf von Unternehmensteilen eingestrichen. Der Umsatz soll in etwa auf dem Vorjahresniveau von 72 Milliarden Euro gehalten werden. Für das kommende Jahr peilt Siemens dann wieder Wachstum an. Falls der Markt schrumpft, will das Unternehmen zumindest Marktanteile gewinnen.

Vom Griechenland-Drama sieht sich Siemens materiell nicht betroffen. Die Aktivitäten dort beschränkten sich hauptsächlich auf Serviceleistungen für bestehende Anlagen, dagegen gebe es wenig Neugeschäft, die Umsätze für Siemens in dem hoch verschuldeten Land seien minimal. Man hoffe aber nicht, dass es zu einem Ausstieg aus der Eurozone komme, hieß es.

Erst kürzlich hatte der Konzern milliardenschwere Großaufträge für Gaskraftwerke und Windparks in Ägypten an Land gezogen. Zu dem Auftragsvolumen von rund acht Milliarden Euro sei nun noch ein Serviceauftrag hinzugekommen, dessen Umfang aber zunächst nicht beziffert wurde. Das Unternehmen prüft derzeit auch den Bau einer Fabrik für Windkraftanlagen in Deutschland. Dort könnten bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen, wurde am Montag bekräftigt. Die Standortentscheidung soll bis September fallen, als wahrscheinlich gilt aus logistischen Gründen ein Standort in Norddeutschland. Deutschland müsse zudem in neue Speichertechnologien investieren, hieß es in den Unternehmenskreisen.

Mo, 2015-07-06 15:36
München (dpa)

Bundesanwaltschaft fordert lange Haftstrafe für Münchner Islamisten

München (dpa) - Eine Haftstrafe von 13 Jahren und 6 Monaten hat die Bundesanwaltschaft für den Angeklagten im Münchner Islamisten-Prozess gefordert. Beim Sturm auf das Zentralgefängnis von Aleppo in Syrien habe er sich des gemeinschaftlichen Mordes in sieben Fällen, des versuchten Mordes und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig gemacht, sagte Bundesanwalt Bernd Steudl am Montag in seinem Plädoyer vor dem Oberlandesgericht München.

Als strafmildernd wertete der Anklagevertreter die umfassende Aussage von Harun P. In der islamistischen Szene werde er als Verräter bezeichnet, weil er auch in anderen Prozessen in Düsseldorf und Berlin Vorwürfe gegen mutmaßliche Terroristen erhob.

Der Sohn afghanischer Einwanderer hatte gestanden, sich im Oktober 2013 einer terroristischen Vereinigung angeschlossen zu haben, um in den Dschihad zu ziehen. Am Montag gab sich der Angeklagte reumütig und geläutert und distanzierte sich vom radikalen Islamismus. «Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich den Seelenschmerz wiedergutmachen soll, den ich einigen angetan habe», sagte er.

Er schäme sich für das, was er getan habe, sagte er und sprach von einer «dreckigen Ideologie». Er wolle vor «diesem Abschaum» warnen. Die Ideologie der Salafisten gleiche einer «Gehirnwäsche». «Sollten die sich weiterhin Muslime nennen, muss ich sagen: Ich schäme mich, Muslim zu sein.» Das Urteil soll voraussichtlich am 15. Juli verkündet werden.

Mo, 2015-07-06 14:56
London/Berlin (dpa)

Amnesty: Merkel muss Flüchtlings-Elend auf dem Westbalkan ansprechen

London/Berlin (dpa) - Die Not von Flüchtlingen in Mazedonien, Serbien und Ungarn muss aus Sicht von Amnesty International ein Thema der Balkan-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein. Asylsuchende, die auf dem Weg in die EU auf dem Westbalkan festsäßen, würden dort häufig von Behörden und kriminellen Banden misshandelt und erpresst, heißt es in einem am Dienstag in London veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Ihnen drohten willkürliche Festnahmen und Haft.

«Sie haben keine Chance auf ein faires Asylverfahren, das ihnen nach internationalem Recht zusteht», erklärte Selmin Çaliskan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Diesen Missstand müsse die Kanzlerin auf ihrer Balkan-Reise ansprechen, die sie auch nach Serbien führt. Zudem dürfe die Europäische Union sich nicht weiter abschotten und Verantwortung auf ihre Nachbarstaaten abschieben, sondern müsse sichere Zugangswege für Flüchtlinge schaffen.

Amnesty zufolge wollen die meisten Flüchtlinge derzeit von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn in die EU reisen, um den Weg von Libyen über das Mittelmeer nach Italien zu vermeiden. «Wenn die Flüchtlinge es schaffen, nach Ungarn zu kommen, droht ihnen weitere Gewalt und Abschiebung», hieß es in der Mitteilung.

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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