Di, 2015-07-07 09:51
Kabul (dpa)

Schwere Explosion in afghanischer Hauptstadt Kabul

Kabul (dpa) - Eine schwere Explosion hat die afghanische Hauptstadt Kabul erschüttert. Das Innenministerium bestätigte am Dienstag eine Detonation im Distrikt Schah Schahid. Augenzeugen berichteten von einem Sprengsatz, der einem Konvoi ausländischer Truppen gegolten habe. Über Opferzahlen war zunächst nichts bekannt.

Di, 2015-07-07 09:39
Nairobi (dpa)

Islamisten töten Steinbrucharbeiter in Kenia

Nairobi (dpa) - Bei einem mutmaßlichen Islamistenanschlag auf Arbeiter eines Steinbruchs sind im Norden Kenias mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Elf weitere seien teilweise schwer verletzt worden, teilte Polizeichef Joseph Boinnet im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Es werde vermutet, dass die somalische Al-Shabaab-Miliz verantwortlich sei.

Die Täter hätten in der Nacht zum Dienstag Sprengstoff gezündet und anschließend auf die Männer geschossen, sagte ein örtlicher Sicherheitsbeamter. Der Angriff ereignete sich in Soko Mbuzi im Bezirk Mandera an der Grenze zu Somalia. Die Arbeiter hätten wegen der großen Hitze in der Region im Freien geschlafen.

Im Dezember waren bei einem ähnlichen Blutbad in der Region Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Al-Shabaab verübt immer wieder Anschläge in Kenia. Sie fordert den Abzug kenianischer Truppen aus Somalia.

 

Di, 2015-07-07 08:41
Washington (dpa) 

Obama verspricht langen Militäreinsatz gegen Terrormiliz IS 

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat die Notwendigkeit eines langjährigen internationalen Einsatzes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien bekräftigt. «Dies wird nicht schnell gehen», sagte Obama am Montag (Ortszeit) nach einem Treffen mit ranghohen Militärs im Verteidigungsministerium in Washington. «Der IS ist opportunistisch und geschickt.» Es werde Fortschritte, aber auch Rückschläge geben, sagte Obama.

Bislang habe die aus rund 60 Staaten bestehende internationale Koalition mehr als 5000 Luftschläge gegen IS-Stellungen ausgeführt, sagte Obama. Panzer, Fahrzeuge, Bombenfabriken und Trainingslager seien zerstört sowie Tausende Kämpfer getötet worden - unter ihnen auch Führungskräfte der Extremisten.

Die Koalition verstärkt nach den Worten von Obama derzeit ihre Anstrengungen in Syrien. Sie nehme zunehmend die Öl- und Gasanlagen ins Visier, mit denen die Terroristen ihren Feldzug finanzierten. Man werde auch in aller Welt gegen deren illegale Finanzierung vorgehen. Die Koalition bietet nach den Worten von Obama Luftunterstützung und Ausbildung, auf dem Boden müssten lokale Kräfte gegen den IS kämpfen.

Die Terrormiliz hat nach Einschätzung von Obama mehrere strategische Schwächen. Sie sei von Ländern umringt, die sich die Zerstörung der Terrormiliz auf die Fahnen geschrieben hätten. Kein Land unterstütze den IS, die Miliz habe auch keine Luftwaffe. Ihre zügellose Brutalität verschrecke oft Menschen in ihrem Herrschaftsbereich sowie Mitstreiter und schaffe neue Feinde.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Di, 2015-07-07 07:00
Stuttgart (dpa)

Vom Sauerstofflieferanten zum Snack - Algen im All  Von Marco Krefting, dpa

Mit Zuchtanlagen für Algen wollen Wissenschaftler Weltraummissionen neue Möglichkeiten eröffnen. Die Mikroorganismen sollen den Astronauten gleich in doppelter Hinsicht Lebensgrundlagen schaffen: mit ihrer Sauerstoffproduktion und als Nahrungsmittel.

Stuttgart (dpa) - Rot und blau funkeln die Leuchtdioden. Grünliches Wasser wabert dazwischen durch ein Röhrensystem in zwei Plexiglasplatten. Ventilatoren surren kaum hörbar. Schläuche führen aus der Box. Sie ist der Prototyp eines Fotobioreaktors - ein Behälter, in dem Mikroorganismen leben und zur Energieproduktion Licht nutzen. Algen sollen hier gedeihen. Damit wollen die Forscher am Institut für Raumfahrtsysteme an der Universität Stuttgart nicht viel weniger als künftige Weltraummissionen revolutionieren. «Die Algen sollen das Kohlendioxid der Astronauten vervespern und Sauerstoff produzieren», sagt Projektleiter Stefan Belz. Und damit nicht genug: Sie könnten auch als Nahrungsmittel dienen.

Die Forschung mit sogenannten Lebenserhaltungssystemen ist erst wenige Jahre alt, wie Norbert Henn vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sagt. Zuvor ging es jahrzehntelang um das Studium des Verhaltens von Pflanzen unter Schwerelosigkeit und Strahlung. Seit den 1970er Jahren sei dem Thema bei Fluggelegenheiten wie Höhenforschungsraketen, Satelliten und Parabelflügen viel Beachtung geschenkt worden. Neuerdings gehe es auch um Sauerstoff und Nahrung für Raumfahrer. «Man fand, dass biologische Systeme eine lohnende Ergänzung zu chemisch-physikalischen Lebenserhaltungssystemen sein können.»

Grundlegende Probleme sind Platz- und Ressourcenmangel im All sowie hohe Ausgaben: Bis zu 30 000 Dollar (27 000 Euro) koste etwa der Transport pro Kilo Ware zur internationalen Raumstation ISS, sagt Jens Bretschneider von der Uni Stuttgart. Daher tüfteln Wissenschaftler an Möglichkeiten, Wasser, Nahrung und Sauerstoff in geschlossenen Systemen herzustellen. «Wasser ist mit dem Stand der Technik zu 95 Prozent wiederverwertbar», erklärt Bretschneider. Bei Sauerstoff und Nahrung ist noch Luft nach oben - hier soll die Algenanlage Abhilfe schaffen.

Mehrere Tests mit Reaktortypen hat das Stuttgarter Team schon gemacht. Gerade feilen die Forscher an dem idealen Verhältnis von blauen und roten Leuchtdioden, die die Algen zum Wachsen brauchen. Auch das Kohlendioxid muss wohldosiert sein. Durch gasdurchlässige Membranen an den Plexiglasscheiben gelangt es ins Wasser und so an die Algen - auf demselben Weg kann der produzierte Sauerstoff nach außen weichen. Eine wichtige Frage ist dabei laut Bretschneider auch: «Wie kann ich Sicherheit garantieren?» Im All darf nichts schiefgehen, nichts nach draußen weichen, aber auch kein Fremdstoff das System kontaminieren.

Die Blaualgen (Cyanobakterien) namens Spirulina, mit denen die Forscher unter anderem arbeiten, schmecken in getrockneter Form salzig. Aus Expertensicht eignen sie sich etwa im Nudelteig gut als Nahrungsergänzung. Mit 50 bis 60 Prozent sei der Proteingehalt hoch, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der Anteil unentbehrlicher Aminosäuren, die der menschliche Körper nicht selber herstellen kann, sei zudem sehr groß. Verwendet werden Algen schon heute in der Lebensmittelindustrie, etwa zum Blaufärben von Weingummi. DLR-Mann Henn sagt: «Zirka 30 Prozent der Astronautennahrung könnten aufgrund des hohen Proteingehalts durch Algenbiomasse ersetzt werden.» Im Moment fokussieren sich die Stuttgarter auf die Süßwasseralge Chlorella.

2018 wollen sie ihren Fotobioreaktor auf die Internationale Raumstation ISS schicken. Ein Astronaut soll dann rund alle zwei Wochen größere Mengen Algen abschöpfen und Nährstofflösung nachfüllen. 150 bis 180 Tage sollen sich die kleinen Lebewesen vermehren und Sauerstoff produzieren. Zurück auf der Erde untersuchen die Forscher unter anderem, wie sich die kosmische Strahlung auf die Organismen ausgewirkt hat. Ob die Alge oder die Technik der größere Risikofaktor sein wird, da sind sich selbst die Stuttgarter Wissenschaftler uneinig - je nachdem, ob man den Ingenieur oder den Biologen fragt.

Di, 2015-07-07 07:00
Manila (dpa)

WHO: Hohe Tabak-Steuern eines der effektivsten Mittel gegen Rauchen

Trotz Anti-Raucher-Politik sterben jedes Jahr mehr Menschen an den Folgen des Rauchens. Die Weltgesundheitsorganisation fordert drastische Maßnahmen. Besonders effektiv: höhere Steuern.

Manila (dpa) - Ohne drastische Maßnahmen gegen den Tabakkonsum sterben im Jahr 2030 bereits acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Davor hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem neuen Welt-Tabak-Bericht gewarnt. Heute sterben jedes Jahr sechs Millionen Menschen durch Tabakkonsum - alle sechs Sekunden einer, berichtete die WHO am Dienstag in der philippinischen Hauptstadt Manila. Das sind mehr Tote als durch HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Obwohl in vielen Ländern weniger geraucht wird, steigt die Zahl der Raucher weltweit durch das Bevölkerungswachstum.

Hohe Steuern auf Tabak könnten nach WHO-Angaben Menschenleben retten. Viel zu wenig Länder nutzten diese effektive Maßnahme, um das Rauchen einzudämmen. Weltweit erheben den Angaben zufolge nur 33 der 194 WHO-Länder so hohe Steuern auf Rauchwaren, dass das Dreiviertel des Verkaufspreises ausmacht. Das ist die Höhe, die die WHO für angemessen hält. «Die Steuern auf Tabakprodukte zu erhöhen ist eine der wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Methoden, den Konsum von tödlichen Produkten einzudämmen und deutliche höhere Steuereinkünfte zu erzielen», teilte WHO-Direktorin Margaret Chan mit. 

Deutschland erreicht die 75-Prozent-Marke fast. Die Preiserhöhungen und die Tatsache, dass Zigaretten und Tabak seit 2009 nicht mehr an Jugendliche unter 18 verkauft werden, hätten die Raucherquote bei Jugendlichen massiv reduziert, sagt Kirsten Schotte von der WHO.

Der Anteil der Raucher bei den 12- bis 17-Jährigen hat sich nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in den letzten zehn Jahren von 23 auf 10 Prozent halbiert. Unter den Erwachsenen raucht in Deutschland jeder vierte. Als neue Gefahr sehen viele Experten aber die E-Zigaretten oder E-Shishas.

Die WHO zählt Rauchen zu den Risikofaktoren für die weit verbreiteten nichtansteckenden Krankheiten, darunter Krebserkrankungen, Herz- und Lungenleiden sowie Diabetes. Daran sterben nach WHO-Angaben 16 Millionen Menschen vorzeitig, das heißt, vor ihrem 70. Lebensjahr. 80 Prozent der weltweit rund eine Milliarde Raucher leben nach WHO-Angaben in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen.

Die WHO lobte die philippinische Regierung, weil sie die Steuern auf Tabak stetig erhöht hat. Die US-Handelskammer soll nach einer Untersuchung der «New York Times» versucht haben, die Regierung davon abzubringen. Höhere Steuern öffneten nur Schmugglern Tür und Tor, habe die Kammer an die Regierung geschrieben. Die Zeitung zeigte demnach Verflechtungen der Handelskammer mit der Tabakindustrie auf. «Wir lassen uns nicht einschüchtern», zitierte die Zeitung den philippinischen Finanzstaatssekretär Jeremias Paul.

Di, 2015-07-07 07:30
Singapur (dpa)

Ölpreise steigen etwas

Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Dienstag etwas gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Morgen 57,15 US-Dollar. Das waren 61 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 48 Dollar auf 53,01 Dollar.

Händler erklärten den Anstieg der Ölpreise mit der jüngsten Entwicklung der Verhandlungen im Atomstreit zwischen den westlichen Industriestaaten und dem Iran. Am Markt werde nicht ausgeschlossen, dass die Gespräche am Ende doch noch scheitern könnten.

Kurz vor Ablauf der Frist laufen die Bemühungen zur Beilegung des Atomstreits zwar auf Hochtouren. Den Diplomaten in Wien bleiben aber nur noch wenige Stunden für einen Durchbruch. Sollten die Gespräche scheitern, bleiben die Wirtschaftssanktionen gegen das wichtige Ölförderland bestehen. Der Iran wird seine Ölexporte dann nicht ausweiten dürfen.

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Di, 2015-07-07 07:46
York (dpa)

Wettpumpen am Ölmarkt: Ohne Rücksicht auf Verluste Von Hannes Breustedt, dpa

Der Kampf um Marktanteile im Ölgeschäft geht weiter - die Opec hält den Druck auf die Konkurrenz hoch. Die US-Förderer lassen sich bislang nicht kleinkriegen und pumpen weiter am Limit. Aber wenn die Preise nicht bald anziehen, könnte das dicke Ende noch kommen.

New York (dpa) - Der Preiskrieg am Ölmarkt nimmt kein Ende: Das Opec-Kartell mit Saudi-Arabien an der Spitze produziert weiter auf Hochtouren und macht so der US-Konkurrenz das Leben schwer. Doch Amerika hält dagegen - US-Firmen fördern inzwischen soviel Öl wie seit 1971 nicht mehr - das Land hat Saudi-Arabien und Russland als weltgrößter Energieproduzent überholt. Die Fracking-Industrie behauptet sich im Kampf um Marktanteile erstaunlich gut. Aber die Rechnung könnte noch kommen und teuer werden.

Dabei erklären einige Experten die USA bereits zum Sieger im Wettpumpen: «Statt die Schieferöl-Industrie zu killen, haben die Saudis sie nur stärker gemacht», meint Mark Perry vom American Enterprise Institute in Washington. Der US-Wachstumsmotor Fracking - die ökologisch umstrittene Fördermethode, bei der Schiefergas und -öl mit Chemikalien gelöst werden - sei nun effizienter denn je.

Saudi-Arabien, so Perry, habe sich beim Versuch, die Ölpreise unter die Gewinnschwellen der US-Wettbewerber zu treiben, ins eigene Fleisch geschnitten. Mark Mills vom Manhattan Institute schlägt ähnliche Töne an: «Dank des technischen Fortschritts sieht die US-Schieferölindustrie einem langen Boom entgegen.» Letztlich könnten die Fracking-Firmen wie die saudische Konkurrenz bei Ölpreisen von unter 20 Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter) profitabel werden.

Das dürfte noch ein weiter Weg sein - aber die Richtung stimmt, daran besteht kein Zweifel. Vor einem Jahr noch galt die Faustregel, dass sich die meisten Schieferöl-Förderer nur bei einem dauerhaften Preisniveau von mehr als 80 Dollar über Wasser halten können. Seitdem sind die Ölpreise von über 100 auf zuletzt etwa 55 Dollar gefallen. Die US-Firmen stellten sich radikal neu auf - Tausende Jobs und Milliarden an Investitionen wurden gestrichen.

Die von zahlreichen Beobachtern prophezeite Pleitewelle in der teilweise stark verschuldeten und häufig über hochverzinste Anleihen finanzierten Branche blieb aus. Lediglich eine Handvoll Unternehmen meldete bislang Insolvenz an. «Zu den Überraschungen des Halbjahres zählt, wie robust sich die US-Ölförderung zeigte», sagt LBBW-Analyst Frank Klumpp. Das könnte sich aber ändern, wenn die Ölpreise nicht wieder steigen.

Denn tatsächlich tickt für etliche US-Förderer die Uhr. Noch ist es viel zu früh davon zu sprechen, dass die Branche gestärkt aus dem Härtetest hervorgeht. Absicherungsgeschäfte gegen sinkende Ölpreise laufen aus, Anleihen werden fällig, neue Schulden teurer. «Vom Aussterben bedroht», schrieb das Fachblatt «Oil & Gas Journal» vor kurzem über die US-Frackingindustrie. «Es wird Blut fließen», kommentiert der «Economist» in seiner aktuellen Ausgabe.

Steigende Ölpreise wären die Rettung, doch darauf deutet derzeit wenig hin. «In Anbetracht des vorhandenen Überhangs am Ölmarkt halten wir einen deutlichen Preisanstieg vorerst für unwahrscheinlich», heißt es im jüngsten Marktausblick der Großbank Unicredit. Mit der Aussicht auf einen finalen Atom-Deal zwischen dem Westen und dem Iran, der dessen Ölexporte steigen lassen würde, fielen die Preise zuletzt sogar auf den tiefsten Stand seit April.

«Ich sehe nichts, was den Ölmarkt in den nächsten Wochen beflügeln könnte», sagt Scott Bauer vom Handelshaus Trading Advantage. Auch wenn die Zahl der aktiven US-Bohranlagen dem Branchendienstleister Baker Hughes zufolge in der letzten Woche erstmals seit Dezember wieder stieg - zum Feiern ist es zu früh. «Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer», warnt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.

Di, 2015-07-07 06:00
Hannover (dpa)

Mops im Anzug und Tag des Duftes: Verbände setzen auf «Welt-Tage» Von Ralf E. Krüger, dpa

Die Liste der Gedenk- und Feiertage wird immer länger - und auch kurioser. Neben den UN-Thementagen setzen auch zunehmend Verbände und Lobbygruppen auf die Wirkung solcher Tage. Mediale Aufmerksamkeit soll sich auszahlen. Für Unternehmen ist das allerdings schwierig.

Hannover (dpa) - Am kommenden Samstag (11. Juli) steht der von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltbevölkerungstag an. Am 25. Juni dagegen gab es den «Weltdufttag» - behauptet zumindest der Initiator des Aktionstages und Geschäftsführer des Berliner Parfümhändlers Unique, Matti Niebelschütz. Er «möchte die Menschen dazu anregen, die Welt der Düfte bewusster wahrzunehmen», hieß es in einer Erklärung seines Unternehmens. Verwunderung darüber gab es bei einem der weltgrößten Aromen- und Duftstoffhersteller, dem niedersächsische Symrise-Konzern in Holzminden. «Bei uns ist zwar ganzjährig Weltdufttag - aber von so einem Tag haben wir noch nie gehört», so Sprecherin Christina Witter.

Kein Wunder: Neben den offiziell von den Vereinten Nationen beschlossenen Thementagen entdecken nun auch Unternehmen und vor allem Verbände bei ihren Marketingstrategien das PR-Instrument des «Welt-Tages». Er soll medienwirksam Akzente setzen, um das Interesse an der eigenen Branche oder dem eigenen Produkt anzukurbeln.

So rief etwa der Europäische Windenergie-Verband EWEA schon vor Jahren den «Weltwindtag» aus. Der in den USA für den 14. Januar ausgerufene «Zieh-Dein-Haustier-an-Tag» - bei dem Haustiere in lustige Kleidung gesteckt werden - gilt ebenfalls als Branchen-Erfindung. Vom Vanilleeis-Tag bis hin zum Dekolleté-Tag reicht die Liste der mitunter skurrilen Aktionstage. «Das ist ein dankbares Thema für die Social Media», sagt Sandra Schwarz von der Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends.

Sie verweist auf den «Welt-Jogginghosen-Tag», bei dem sich am 21. Januar viele Unternehmen originell ins Gespräch bringen. «Der wirtschaftliche Nutzen dürfte dabei allerdings fraglich sein», meint Schwarz, «da kann sich dann eher die Branche als das Unternehmen profilieren.» Sie verweist zudem auf das Problem, dass es an jedem Tag des Jahres mittlerweile etwas zu feiern, würdigen oder gedenken gibt: «Da würde auch ein Welt-Feinrippshirt-Tag kaum noch auffallen.»

Die Faktenlage zu den Ursprüngen dieser Tage ist meist eher dünn. Vor allem in den USA riefen Lobby-Gruppen popkulturelle Aktionstage ins Leben. Denn Gedenktage kann eigentlich jeder erklären - ob sie dann entsprechend gewürdigt werden, ist eine Frage der Werbung. Ein Internet-Projekt listet sie auf - vom «Weltkuscheltag» bis zum «Mach-früher-Feierabend-Tag» reicht die Spanne. Viele PR-Aktionen - wie der in Südafrika von einem Unternehmen ausgerufene «Welt-Dekolleté-Tag» - verselbstständigten sich später auch: im konkreten Fall als Aktionstag einer Brustkrebs-Opferhilfe.

«Ich habe auch mitbekommen, wie zunehmend obskure Tage ausgerufen werden», sagt Thorsten Völker von der Hamburger Marketingagentur Walking Brands. Von einem echten Trend will er aber nicht sprechen. «Das ist nichts anderes als eine Verkaufsförderung-Aktion», meint auch der Trendforscher Thomas Kirschmeier vom Rheingold-Institut in Köln. Solche PR-Aktionen habe es schon früher gegeben, wenn auch nicht in der Dichte: «Das ist wie der Valentinstag am 14. Februar: da hat man sich als Mann früher ja kaum nach Hause getraut ohne Blumen».

Der Blumenversandhändler Fleurop bestätigt den verkaufsfördernden Einfluss solcher Tage. «Wir haben diese Tage aber nicht selbst gesetzt, sondern nur besetzt», sagt Sprecherin Melanie Schindler. «Unserer Erfahrung nach ist es sehr schwer, selbst ernannte Anlasstage durchzusetzen, da der heutige Kunde sehr traditionsbewusst und aufgeklärt ist», meint sie. «Initiierte Anlässe ohne eine historisch verwurzelte oder emotionalisierbare Geschichte werden daher schnell als verkaufsfördernd identifiziert und eher kritisch aufgenommen.»

Bei den Initiatoren des «Weltdufttages» sieht man das anders. «Das Interesse an unserem Weltdufttag nimmt von Jahr zu Jahr zu», sagt Unique-Sprecherin Sheila Erike. Als Erfolg wertet sie dabei nicht nur die Zahl der Medienartikel zum Tag, sondern auch Firmen, die auf ihrer Homepage anlässlich des Tages entsprechende Parfüm-Vorschläge machen. Warum ausgerechnet der 27. Juni? Erike: «Das war willkürlich gewählt; wir wollten den Tag gerne in einen der schönsten Monate für Blumen und Früchte legen.» Der Aufwand, sagt sie, war dabei eher überschaubar: «Eine Anmeldung bei Wikipedia reichte.»

Di, 2015-07-07 06:30
Stuttgart (dpa)

Biologische Forschung fürs All

Stuttgart (dpa) - Die meisten biologischen Forschungsprojekte fürs All befassen sich mit den Folgen der fehlenden Schwerkraft auf Lebewesen. Das berichtet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). «An Langzeitversuchen kann man mögliche Auswirkungen der erhöhten Strahlenbelastung testen», erklärte Norbert Henn vom DLR-Raumfahrtmanagement. Es gibt unter anderem Versuche mit Algen, Insekten, Fischen, aber auch mit höheren Pflanzen wie Salat.

Derzeit kommen mehr und mehr Projekte hinzu, die Astronauten einmal mit Atemluft und Nahrung versorgen sollen. 2016 will das DLR bei der Mission Eu:Cropis zwei Gewächshäuser ins Weltall schicken mit Bakterien, Tomaten und einzelligen Algen. Künstlicher Urin soll als Dünger dienen, ein Satellit mit seiner Rotation um seine Achse die Schwerkraft von Mond und Mars simulieren.

Algen waren in der Forschung nach Angaben Henns anfangs beliebt, wegen des kleinen Experimentvolumens. Zudem seien sie leicht beherrschbar und trotzdem aussagekräftig in Bezug auf die Auswirkungen von Schwerelosigkeit und Strahlung. Als Bestandteil biologischer Lebenserhaltungssysteme seien sie seit 2007 Teil der Forschung, so Henn. Das DLR plant zusammen mit der Universität Stuttgart in der Internationalen Raumstation ISS ein Experiment mit einem Algen-basierten Fotobioreaktor. Er soll helfen, in einem geschlossenen chemisch-physikalischen System die Sauerstoffproduktion zu erhöhen und die benötigte Nachschubmasse an Wasser zu verringern.

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Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Di, 2015-07-07 06:22
Guayaquil (dpa)

Der «Papst der Peripherie» verspricht besseren Wein Von Juan Garff und Georg Ismar, dpa

30 Jahre war kein Papst mehr in Ecuador. Und dann kommt der erste Südamerikaner auf dem Stuhle Petri. Ein klares Signal: Die Menschen an der Peripherie stehen für Franziskus im Fokus. Doch lassen sich seine Versprechen vom guten Wein, der kommen wird, einlösen?

Guayaquil (dpa) - «Hoch die Herzen, hier kommt das Papamobil.» Und: «Es lebe der Papst.» Mächtig stolz sind sie in Ecuador, dass Franziskus als erster Papst seit 30 Jahren dem Land am Äquator einen Besuch abstattet. Tausendfach schallen ihm begeisterte Gesänge entgegen. Die Nacht über hatten sie auf dem freien Feld campiert, wo der Papst im Parque Los Samanes der Hafenstadt Guayaquil die erste Messe auf seiner ersten großen Südamerikareise feiert.

Er streichelt über die Köpfe der Kinder, und in seiner Predigt sagt er gleich drei Mal: «Der beste Wein kommt noch.» Niemand sei unnütz, mahnt er - er ist hier der Papst aller. Gott nähere sich immer den Peripherien derer, «die ohne Wein geblieben sind, die nur Mutlosigkeit zu trinken haben». Entscheidend für das Überwinden von Krisen sei die Kraft der Familie. «Die Familie ist das nächstgelegene Krankenhaus, die erste Schule der Kinder, die unverzichtbare Bezugsgruppe für die jungen Menschen, das beste Heim für die alten Menschen.» Sie sei wie eine häusliche Kirche.

Das sind die zwei Seiten des Franziskus. Da der progressive Papst, der raus zu den Rändern geht, Umweltzerstörung in einer eigenen Enzyklika («Laudato si») geißelt und gegen die Auswüchse des Kapitalismus wettert. Und da der konservative Katholik, um dessen Gunst Ecuadors linker Präsident Rafael Correa sichtbar bei der Visite buhlt - beide sind sie klare Abtreibungsgegner.

Franziskus hält aber bei aller Freundlichkeit etwas Distanz zu seinem Gastgeber. «Ich danke Ihnen für die Übereinstimmung mit meinen Gedanken, Sie haben mich zu sehr zitiert», sagte er bei der Begrüßung in Quito, nachdem Correa zahlreiche Papstzitate mit seiner Klage gegen die «unmoralische Weltordnung» zusammenfließen ließ. Und immer wieder ruft er zum Dialog und zur Einheit ohne Ausgeschlossene auf, im Gegensatz zum konfrontativen Kurs, den Correa in der Innenpolitik seines Landes führt.

Dass der Papst hier in Ecuador ist, wo das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit knapp 6000 Dollar im Jahr rund acht Mal geringer ist als in Deutschland, ist ein klarer Fingerzeig. Nicht in sein Geburtsland Argentinien führt ihn seine erste große Südamerikareise in seinen Heimatkontinent, sondern in die wenig beachteten Staaten Ecuador, Bolivien und Paraguay. Der Jesuit schärft damit sein Profil: Er versteht sich als Papst der Peripherie und der Ausgegrenzten.

Auf dem Programm stehen Besuche bei Alten, Kranken, Gefangenen und Treffen mit Indio-Gruppen. Seine Mission ist aber auch: Die Erosion des katholischen Kontinents zu stoppen. 40 Prozent der Katholiken weltweit leben hier. Offiziell gilt als Katholik, wer getauft ist. Doch das ist wenig aussagekräftig. Viele lassen sich heute von Menschen- und Geldfängern der Pfingstkirchen einlullen.

Ein besonderes Dilemma: Zwar geißeln Correa und Boliviens indigener Präsident Evo Morales die Umwelt- und Klimazerstörung durch die Industriestaaten - und zu lang hätten sich die früher herrschenden Eliten auf Kosten der Armen bereichert. Aber sie weiten wiederum auch selbst die Öl- und Gasförderung trotz Protesten indigener Gruppen in sensiblen Regionen wie dem Amazonasgebiet aus. Ende letzten Jahres verweigert Correa sogar Bundestagsabgeordneten die Einreise, sie wollten sich über die ab 2016 geplante Ölförderung im Yasuni-Nationalpark informieren.

Das stößt sich mit Franziskus' Kampf gegen eine weitere Ausbeutung der Erde - zugleich wollen die Präsidenten die Einnahmen dazu nutzen, ihrer Bevölkerung bessere Lebensbedienungen zu verschaffen. In Bolivien etwa wird massiv in Sozialprogramme und Infrastruktur investiert. So ist Franziskus' Wein-Versprechen ein schwieriger Spagat. Der 78-Jährige preist das wunderbare Land mit den Gipfeln des Chimborazo, den Küsten des Pazifiks, dem Urwald des Amazonas bis hin zu den Galápagosinseln. Es ist auch eine Mahnung, dieses Geschenk zu achten. Ob sein Besuch hier nachhaltig sein wird? 

Die nächste Station ist Bolivien, Hunderte Helfer zupfen bereits Unkraut, selten war La Paz so sauber. Präsident Morales grüßt auf Plakaten mit Franziskus - er versucht im Fahrtwind des Jesuiten zu segeln, obwohl er sich mit den heimischen Bischöfen gerne anlegt. Der Aufenthalt auf 3600 Metern wird für Franziskus, der nur eine voll funktionstüchtige Lunge hat, ein Kraftakt. Sicherheitshalber ist im Papamobil ein Sauerstoffgerät an Bord. 

Di, 2015-07-07 06:00
Frankfurt/Main (dpa)

Junikäfer nach Sonnenuntergang im Anflug - Harmlose «Torkelkäfer»

Frankfurt/Main (dpa) - Junikäfer schwirren derzeit zu hunderten in einigen Regionen Deutschlands in der Dämmerung aus. Weil die Verwandten des Maikäfers sehr unkoordiniert fliegen, werden sie auch Torkelkäfer genannt, wie Rainer Michalski vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen erläutert. «Sie landen auch schon mal aus Versehen auf der Fensterscheibe, dem Grill oder im Bier.» Dadurch und weil die behaarten Tiere beim Flug brummen, entstünde bei manchem der Eindruck, er werde angegriffen. «Sie sind aber völlig harmlos.» Klaus-Dieter Klaas vom Senckenberg Forschungsinstitut betont ebenfalls: «Sie beißen und stechen nicht.»

Als Junikäfer werden nach Einschätzung der Fachleute mehrere mit dem Maikäfer verwandte Arten bezeichnet. Am häufigsten und bekanntesten ist der Gerippte Brachkäfer (Amphimallon solstitiale) aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), wie Insektenfachmann Bernd Hannover vom Nabu erläutert. Die erwachsenen Käfer sind von Juni bis August zu beobachten und sterben bereits nach einigen Wochen. Die Dämmerung wählen sie - wie viele Insekten - aus Schutz vor Vögeln für ihre Paarungsflüge. Die Käfer legen die Eier im Boden ab, die meiste Zeit leben die Tiere als Larve. Ihre Entwicklungsdauer bis zum Käfer beträgt nach Einschätzung von Experten durchschnittlich zwei Jahre, ist aber regional unterschiedlich.

Di, 2015-07-07 06:02
Frankfurt/Main (dpa)

Junikäfer auf Paarflug irritieren Städter - «Harmlose Torkelkäfer» Von Ira Schaible, dpa

Am Kölner Rheinufer, im Frankfurter Grüngürtel oder auf dem Tempelhofer Feld in Berlin: Junikäfer schwärmen bei den hochsommerlichen Temperaturen abends zu hunderten aus. Die brummenden Verwandten des Maikäfers sind auffällig, aber völlig harmlos.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit der Dämmerung wird die idyllische Abendstimmung auf der Wiese plötzlich getrübt: Hunderte große, brummende Käfer tauchen wie aus dem Nichts auf und fliegen scheinbar unkoordiniert umher. Vor allem in Großstädten sind Menschen irritiert, ängstlich oder laufen den Insekten mit Schmetterlingsnetzen kreischend hinterher. Die sogenannten Junikäfer sind Verwandte der Maikäfer und auf Paarsuche. «Wir sind eine Millionenmetropole, da irritiert manchmal alles, was Natur ist», sagt Derk Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung schmunzelnd. «Sie beißen und stechen aber nicht», betont Klaus-Dieter Klaas vom Forschungsinstitut Senckenberg in Dresden.

«Junikäfer sind völlig harmlos», sagt Rainer Michalski vom Naturschutzbund Nabu Hessen. «Sie landen aber schon mal aus Versehen auf der Fensterscheibe, dem Grill oder im Bier.» Wegen ihres unkoordinierten Flugs würden sie auch «Torkelkäfer» genannt. Deshalb und wegen des brummenden Flügelschlags der behaarten Käfer entstünde bei manchem der Eindruck, er werde angegriffen.

Die Insekten orientierten sich bei ihrem Schwarmflug am Horizont und flögen auf etwas Hohes wie Bäume oder Häuser zu, sagt Käferspezialist Günter Hofmann aus dem unterfränkischen Stockstadt am Main. Da könne es auch schon mal passieren, dass sie bei einem Erwachsenen in den Haaren landeten.

Als Junikäfer werden nach Einschätzung von Fachleuten eine ganze Reihe von mit dem Maikäfer verwandte Arten bezeichnet. Am häufigsten und bekanntesten sei der Gerippte Brachkäfer. Acht Arten dieses Amphimallon solstitiale seien in Deutschland nachgewiesen, sagt Lutz Behne vom Institut Senckenberg. Die meiste Zeit lebten sie als Larven in der Erde, eine Delikatesse für Wildschweine. Die Entwicklungsdauer der Käfer betrage im Durchschnitt zwei Jahre, hänge aber von der Bodenart und den Temperaturen ab.

«Sie werden erst als Rentner so richtig hübsch und fliegen aus», beschreibt es Ehlert. Von Juni bis August sind die erwachsenen Käfer zu beobachten. «Wenn sie Glück haben, leben sie drei bis vier Wochen. Im Juli werden es schon schlagartig weniger», sagte Michalski vom Nabu. Wie viele Insekten wählten die Junikäfer - aus Schutz vor Vögeln - die Dämmerung für ihre Paarungsflüge. Aufgabe der Käfer sei es, sich zu paaren und die Eier im Boden abzulegen, bevor sie sterben. Dabei fressen sie vor allem Blätter von Laubbäumen.

«Die Larven fressen andauernd, die Käfer nicht mehr viel», sagt Bernd Hannover vom Nabu Hessen. Anders als der Maikäfer finde sich der Gerippte Brachkäfer eher auf Wiesen und im Brachland. Trockener Rasen könne ein Zeichen für die Larven sein. Ihre Fraßschäden hielten sich aber in Grenzen.

Ob die Käfer 2015 häufiger sind als sonst, können die Fachleute nicht sicher sagen. «Es gibt immer wieder Jahre, in denen das ein bisschen kulminiert», sagt Käferforscher Hofmann. Möglicherweise hätten die vergangenen milden Winter einfach mehr Larven überleben lassen. Außerdem gebe es erhebliche regionale und lokale Unterschiede. Fest steht, dass den Tieren die Klimaerwärmung zu gute kommt. «Sie fliegen erst ab einer bestimmten Temperatur», sagt Käferforscher Behne. «Und nicht bei Regen», ergänzt Hofmann: «Der heiße Sommer ist für sie genial.»

Di, 2015-07-07 06:00
Stuttgart (dpa)

Stuttgarter Forscher wollen Algen ins All schicken

Stuttgart (dpa) - Für Tests mit Algen im All entwickelt ein Team der Universität Stuttgart ein Minilabor. In dem sogenannten Fotobioreaktor sollen die Mikroorganismen mit roten und blauen Leuchtdioden bestrahlt werden, um zu wachsen. Der Plan ist, dass die Algen irgendwann bei Weltraummissionen in einem geschlossenen System das Kohlendioxid der Astronauten verwerten und Sauerstoff produzieren. Zudem könnten sie als Nahrungsergänzung dienen. Wie Jens Bretschneider vom Institut für Raumfahrtsysteme sagte, soll der Reaktor 2018 auf der internationalen Raumstation ISS erprobt werden.

Di, 2015-07-07 05:50
Berlin (dpa)

Schluss mit Durchatmen: Es wird noch mal heiß und gewittrig

Nach angenehmen Temperaturen am Montag und einer klaren Nacht steht Deutschland ein weiterer Hitzetag bevor. Erneut drohen heftige Gewitter - auch einzelne Tornados sind nicht auszuschließen.

Berlin (dpa) - Nach einer kleinen «Verschnaufpause» müssen sich die Deutschen wieder auf hohe Temperaturen einstellen - und in Teilen des Landes auch auf Starkregen, Hagel und Orkanböen. Während die Temperaturen an den Küsten auf 27 Grad steigen, kommen vor allem die Menschen im Südwesten bei mehr als 35 Grad noch einmal richtig ins Schwitzen. Bis zu 37 Grad heiß soll es dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge am Oberrhein werden.

Nachmittags bilden sich laut DWD vor allem über dem Bergland - etwa auf der Alb in Baden-Württemberg - einzelne kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial. Am Abend ziehen dann von Südwesten her teils schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen auf. Lokal seien Unwetter möglich, in Oberfranken und in der nördlichen Oberpfalz seien einzelne Tornados nicht auszuschließen.

Nach etlichen Unwettereinsätzen von Feuerwehr und Polizei am Sonntag und in der Nacht zum Montag blieb es bis zum frühen Dienstagmorgen ruhig, wie verschiedene Sprecher sagten. Auch die Züge der Deutschen Bahn fahren wieder - es komme lediglich in Nordrhein-Westfalen rund um Essen auch am Morgen noch zu Umleitungen und zu Verspätungen, sagte ein Sprecher. Auf den Strecken rund um Hannover, nach Berlin und im Norden Deutschlands, die wegen umgestürzter Bäume blockiert oder gesperrt waren, könnten die Züge wieder normal fahren.

Ein Wetterumschwung in der Nacht zum Mittwoch sorgt dann für Aufatmen bei den Hitzegeplagten: Die Höchsttemperaturen sollen am Mittwoch von nur noch 19 Grad an der Nordsee und in höheren Mittelgebirgslagen bis zu 27 Grad im Süden reichen. Auch am Donnerstag bleibt es dem DWD zufolge mit Tageshöchsttemperaturen von 16 Grad im Norden bis zu 25 Grad im Süden vergleichsweise frisch. An beiden Tagen ist mit Schauern und Gewittern zu rechnen.

Di, 2015-07-07 05:00
Berlin/Belgrad (dpa)

Viele Konflikte und eine Krise - Merkel auf Balkan-Reise Von Thomas Brey und Anja Semmelroch, dpa

Im Schatten der Griechenland-Krise besucht die Kanzlerin mehrere Balkan-Staaten. Auf der Europäischen Union, die gerade auf ihre schwerste Bewährungsprobe zusteuert, ruhen hier Zukunftshoffnungen.

Berlin/Belgrad (dpa) - Keine 800 Kilometer sind es von Albaniens Hauptstadt Tirana bis nach Athen, aber selbst am anderen Ende der Welt könnte die Kanzlerin dem Schatten der Griechenland-Krise in diesen Tagen nicht entkommen. Eilig wurden nach dem Nein der Griechen zu den Sparvorgaben der Gläubiger ein deutsch-französisches Krisentreffen und ein Sondergipfel in Brüssel eingeschoben. Und so überlagert die Über-Krise des Euro die vielen inner- und zwischenstaatlichen Konflikte des Balkans, wenn Angela Merkel (CDU) an diesem Mittwoch und Donnerstag (8./9. Juli) nach Albanien, Serbien und Bosnien-Herzegowina reist.

Bei allen Fortschritten - nach dem Auseinanderbrechen des jugoslawischen Vielvölkerstaats in den Bürgerkriegen der 1990er Jahre brennt es hier immer noch an allen Ecken und Enden. Das klingt auch an in der aktuellen Video-Botschaft der Kanzlerin, in der sie offen anspricht, «dass es nach wie vor sehr, sehr große Probleme gibt». Im Verhältnis zwischen Serbien und dem Kosovo: «noch extrem viel zu tun». Die Annäherung von Albanien und Serbien: «noch ein mühevoller und langwieriger Prozess». Bosnien-Herzegowina, das Sorgenkind: «weil dort auch die politische Situation noch sehr stagniert».

Erst am Wochenende haben die Serben in dem multi-ethnischen Staat wieder damit gedroht, ihre Landeshälfte von dem anderen, von muslimischen Bosniaken und Kroaten kontrollierten Teil abzuspalten. Auch wollen sie ihre Abgeordneten aus dem Bundesparlament in Sarajevo abziehen. Außerdem droht schon im September der Bankrott, nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) wegen Reformunwilligkeit der zerstrittenen Politiker den Geldhahn zugedreht hatte.

In Serbien schwelt der Dauerkonflikt mit der ehemaligen Provinz Kosovo. Eine neue EU-Vermittlung im Streit um die Integration der serbischen Minderheit in dem fast nur noch von Albanern bewohnten Staat war Ende Juni an Maximalforderungen beider Seiten gescheitert. Albanien, eines der ärmsten Länder Europas, kann da mit seinen Korruptions- und Kriminalitätsproblemen fast noch als unverfänglichste Station gelten.

Wie tief die Wunden sind, die für dauerhaften Frieden und Stabilität in der Region erst vernarben, dann heilen müssen, zeigt symbolhaft bereits der Zeitpunkt der Kanzlerinnen-Reise. Zum 20. Mal jährt sich in diesem Juli das Massaker von Srebrenica, das schlimmste Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.

Offiziell gedacht wird der rund 8000 Männer und Jungen, die bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 innerhalb von acht Tagen ermordeten und in Massengräbern verscharrten, am 11. Juli - ohne Merkel. Aber sie besucht in Sarajevo eine Dauerausstellung. Und trifft Angehörige der «Mütter von Srebrenica», jener Frauen, die auch zwei Jahrzehnte nach dem Massaker für späte Gerechtigkeit kämpfen.

Die Kanzlerin hat mehr als einmal deutlich gemacht, wo sie den Schlüssel zur Versöhnung der Volksgruppen sieht: «Wir haben allen Ländern des westlichen Balkans eine Beitrittsperspektive für die Europäische Union gegeben. Und wir glauben auch, dass nur so die Konflikte zwischen diesen Ländern gelöst werden können», unterstreicht sie in ihrer Video-Botschaft.

Serbien und Albanien haben bereits Kandidatenstatus, Bosnien-Herzegowina ist ein Beitritt bei Erfüllung bestimmter Bedingungen zumindest in Aussicht gestellt. «Es liegt in der Hand und in der Kraft der Länder, wann und wie sie beitreten können», sagte Merkel im August 2014, als die Regierungschefs der sieben Nachfolgestaaten Jugoslawiens und von Albanien auf Einladung der Bundesregierung zur Westbalkan-Konferenz nach Berlin reisten. Bis 2018 soll das Format fortgesetzt werden, diesen Sommer in Wien. Auch darüber soll in Tirana, Belgrad und Sarajevo gesprochen werden.

Und spätestens bei den Pressekonferenzen dürfte es immer um das eine gehen: Griechenland, Griechenland, Griechenland. Denn dass nur ein Europa Stabilität geben kann, das solche auch ausstrahlt, liegt auf der Hand. So hängen Griechenland-Krise und Balkan-Konflikte womöglich doch mehr zusammen, als manchem lieb sein dürfte.

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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