Mo, 2015-05-25 16:03
Tunis (dpa)

Amokschütze tötet in Kaserne in Tunis sieben Kameraden

Tunis (dpa) - Ein Soldat hat in einer Kaserne in Tunis sieben Kameraden erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Das Motiv für den Amoklauf in der Bouchoucha-Kaserne im Zentrum der tunesischen Hauptstadt war zunächst unklar. Zehn weitere Soldaten erlitten Verletzungen. Das gab ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag in Tunis bekannt.

Einen terroristischen Hintergrund schloss der Militärsprecher aus. «Der Täter litt unter familiären Problemen und Verhaltensstörungen», sagte er auf einer Pressekonferenz in Tunis. «Er war zuvor in eine andere Einheit versetzt und vom Dienst an der Waffe befreit worden.» Es handle sich um einen «isolierten Zwischenfall».

Tunesische Medien hatten berichtet, dass dem Amokläufer die Erlaubnis, eine Waffe zu tragen, aberkannt worden war. Die Tatwaffe nahm der Soldat einem Kameraden weg. 

Die Bouchucha-Kaserne liegt nur einen Kilometer vom Bardo-Museum entfernt. Dort hatten Terroristen des Islamischen Staats (IS) bei einem Anschlag im März mehr als 20 Menschen getötet.

Mo, 2015-05-25 16:55
York/London (dpa)

Ölpreise uneinheitlich - Dünner Feiertags-Handel

New York/London (dpa) - Die Ölpreise haben sich am Montag in einem feiertagsbedingt dünnen Handel in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete zuletzt 65,48 US-Dollar. Das waren 17 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel hingegen um 49 Cent nach auf 59,43 Dollar.

Experten vermochten keine marktbewegenden Ereignisse auszumachen. Das Handelsvolumen sei gering, am Pfingstmontag bleiben viele europäische Wertpapierbörsen geschlossen. So wird in Frankfurt, London, Zürich und Wien erst wieder am Dienstag gehandelt. Auch in den USA bleibt die Wall Street geschlossen, hier wird der Memorial Day begangen.

Mo, 2015-05-25 16:06
Berlin (dpa)

65-Jährige nach Vierlingsgeburt wohlauf - Zustand der Kinder unklar

Siebenfache Oma und dreizehnfache Mutter zu sein, war Annegret R. nicht genug. Nun ist die 65-Jährige von Vierlingen entbunden worden - 14 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Wie es den Kleinen geht, ist bislang unklar. Die Mutter soll sich bereits erholt haben.

Berlin (dpa) - Nach der Frühgeburt von Vierlingen einer 65-Jährigen aus Berlin ist über den Gesundheitszustand der winzigen Babys noch immer nichts bekannt. «Die Situation kann sich jeden Tag ändern», sagte eine Sprecherin des Fernsehsenders RTL am Montag lediglich. Die nun 17-fache Mutter soll sich demnach bereits erholt haben. Annegret R. steht bei dem Kölner Privatsender exklusiv unter Vertrag. Er hatte mitgeteilt, dass die drei Jungen und ein Mädchen am Dienstag in der knapp 26. Schwangerschaftswoche mit einem Kaiserschnitt geholt worden seien. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen.

Die Säuglinge werden nun für etliche Wochen in speziellen Brutkästen versorgt. Experten attestieren ihnen gute Überlebenschancen, schätzen die Gefahr langfristiger Schäden allerdings als sehr hoch ein. «Die vier Kinder werden nicht alle gesund nach Hause gehen», sagte Mario Rüdiger vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Chronische Probleme drohten vor allem bei Lunge, Darm, Augen und Gehirn. Die Ärzte der Geburtsklinik von Annegret R. äußerten sich zunächst nicht zum Zustand der Frühchen, die bei der Geburt zwischen 655 und 960 Gramm wogen.

Die Englisch- und Russischlehrerin hatte sich in der Ukraine aus Eizell- und Samenspenden im Labor gezeugte Embryonen einpflanzen lassen. Den späten Kinderwunsch begründete sie damit, dass sich ihre neunjährige Tochter Lelia ein Geschwisterchen gewünscht habe. Die übrigen zwölf Kinder sind erwachsen - Annegret R. ist bereits siebenfache Oma.

Das Bekanntwerden der Schwangerschaft hatte im April bundesweit für Aufsehen und Unverständnis gesorgt. Auch Mediziner kritisierten das Verhalten als riskant und verantwortungslos. Mehrlinge kommen fast immer vor dem Geburtstermin zur Welt, ihr Risiko für damit verbundene Gesundheitsschäden ist deshalb höher.

Zwar könne die Medizin immer jüngere Frühgeburten retten, nicht aber deren gesundes Überleben sicherstellen, erklärte Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, nach der Vierlingsgeburt. Gerade vor diesem Hintergrund sei das Verhalten der 65-Jährigen unverantwortlich, kritisierte der Leitlinienkoordinator bei der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. «Vielleicht muss sie zwei behinderte Kinder pflegen, und mit 80 wird sie dann selbst zum Pflegefall.»

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-05-25 15:24
Damaskus/Washington (dpa)

IS-Terrormiliz sichert Eroberungen in Syrien und im Irak ab

Der Vorstoß der Dschihadisten im Zweistromland zieht Schuldzuweisungen nach sich. Washington bescheinigt den Irakern Mangel an Kamfeswillen. Die wehren sich.

Bagdad/Damaskus/Washington (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre jüngsten Eroberungen in Syrien und im Irak abgesichert und einen strategisch wichtigen Grenzübergang unter ihre Kontrolle gebracht. Washington und Teheran suchten nach Schuldigen für die demütigende Niederlage, die der IS den irakischen Regierungstruppen mit der Einnahme der Provinzhauptstadt Ramadi zufügte. 

«Die irakischen Truppen haben einfach keinen Willen zum Kampf gezeigt», erklärte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Sonntag in Washington. «Wir können sie ausbilden, wir können ihnen Ausrüstung geben, aber wir können ihnen keinen Willen zum Kampf geben», führte Carter in dem Interview des Nachrichtensenders CNN aus.

Der iranische General Ghassem Sulejmani, Kommandeur des Al-Kuds-Korps der Iranischen Revolutionsgarden, schob den Schwarzen Peter den USA zu. «Amerikanische Truppen sitzen unter dem Vorwand, der irakischen Nation zu helfen, nur ein paar Kilometer von Ramadi entfernt und tun verdammt nichts», zitierte die iranische Nachrichtenagentur Mehr am Montag den Kopf der mehr oder weniger verdeckten iranischen Militäreinsätze im Ausland.

«Was sollen wir davon halten?», fügte Sulejmani hinzu. «Die Amerikaner haben keinen Willen, gegen den IS zu kämpfen.» Der Iran unterstützt die schiitische Regierung in Bagdad mit Waffen und Militärberatern.

Der IS hatte Ramadi vor einer Woche erobert. Drei Tage später hissten die Dschihadisten ihre schwarze Flagge über der syrischen Stadt Palmyra, die sie nach Kämpfen gegen die Regierungstruppen aus Damaskus erobert hatten. Am Sonntag nahmen sie einen strategisch wichtigen syrisch-irakischen Grenzübergang ein, womit sie nun weite Teile der Route zwischen Bagdad und Damaskus kontrollieren. In Friedenszeiten war Al-Walid/Al-Tanf der Grenzübergang für Reisende auf der direkten Strecke Bagdad-Damaskus.

Nun kann der IS über diese Verbindung beliebig Soldaten und Waffen zwischen der westirakischen Provinz Anbar und der syrischen Provinz Homs verschieben. Die jüngsten IS-Eroberungen um Palmyra ließen wiederum die Terrormiliz näher an Damaskus heranrücken.

Nach Darstellung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte richtete der IS im Zusammenhang mit der Eroberung von Palmyra binnen neun Tagen mindestens 217 Menschen hin. Unter den Opfern seien mindestens 150 gefangene Regierungssoldaten sowie 67 Zivilisten, unter ihnen zwölf Frauen und 14 Kinder.

Die Angaben ließen sich unabhängig nicht bestätigen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Berichte von Aktivisten vor Ort. Weltweit große Sorge herrscht auch wegen des Zustands des historischen Erbes der alten Oasen- und Karawanenstadt Palmyra. Es wird befürchtet, dass IS-Kader die einmalige Tempel- und Ruinenstadt zerstören könnte wie zuvor Kulturdenkmäler im Nordirak. 

Derweil identifizierten Ermittler in Saudi-Arabien den Selbstmordattentäter, der am Freitag 21 Menschen in einer schiitischen Moschee getötet hatte, als saudischen Bürger mit Verbindungen zum IS. Die Extremisten hatten sich zu der Bluttat in Al-Kudaich nahe der Stadt Al-Katif bekannt.

Mo, 2015-05-25 15:31
Madrid (dpa)

Politische Wende in Spanien: Parteilose feiern Überraschungserfolge Von Hubert Kahl, dpa

Spanien steht vor dem Beginn einer neuen Ära. Die neue Linkspartei Podemos wird nach den Regional- und Kommunalwahlen bei der Regierungsbildung ein wichtiges Wort mitreden. Wie weit der Wandel gediehen ist, zeigt sich in den Metropolen Madrid und Barcelona.

Madrid (dpa) - Manuela Carmena und Ada Colau gehören keiner Partei an, aber sie lösten ein politisches Erdbeben in Spanien aus. Die beiden Frauen gewannen bei den Kommunalwahlen überraschend so viele Stimmen, dass sie die neuen Bürgermeisterinnen von Madrid und Barcelona werden könnten.

«Carmena und Colau sind die Symbole des politischen Wandels in Spanien», titelte die Zeitung «El País» am Montag. Beide kandidierten für Wahlbündnisse um die neue Linkspartei Podemos (Wir können).

Die 71-jährige Juristin Carmena hat gute Chancen, in der spanischen Hauptstadt der konservativen Volkspartei (PP) nach 24 Jahren das Amt des Stadtoberhaupts abzujagen. Dabei hatte «la abuela» (die Oma), wie die pensionierte Richterin genannt wird, eigentlich gar nicht kandidieren wollen. Der politische Wandel solle von den jungen Leuten ausgehen, sagte sie, ließ sich dann aber doch zu einer Kandidatur überreden.

Die Katalanin Ada Colau hatte lange Zeit eine Bürgerinitiative angeführt, die Zwangsräumungen von Wohnungen bekämpft. Nun steht die 41-Jährige kurz davor, selbst eine «Zwangsräumung» vorzunehmen: Sie könnte Barcelonas Bürgermeister Xavier Trias aus dessen Amtssitz verdrängen. Als Spitzenkandidatin einer von Podemos mitgetragenen Allianz gewann sie mehr Stimmen als Trias mit den katalanischen Nationalisten (CiU). Für ihre Wahl zur Bürgermeisterin benötigt Colau - ebenso wie Carmena in Madrid - allerdings die Unterstützung anderer Parteien.

Die vor gut einem Jahr gegründete Linkspartei Podemos wurde zum großen Gewinner der Kommunal- und Regionalwahlen vom Sonntag. Die aus der Protestbewegung gegen die Sparpolitik hervorgegangene Partei zog in zahlreiche Parlamente als drittstärkste Kraft ein. Von ihrem Ziel, der PP von Ministerpräsident Mariano Rajoy und den Sozialisten (PSOE) die führende Position streitig zu machen, blieb sie aber weit entfernt. Ihre größten Erfolge in Madrid und Barcelona feierte Podemos zudem nicht mit dem eigenen Markenzeichen, sondern im Bündnis mit Umweltschützern und anderen Gruppierungen der Linken.

Die Wahlen haben nicht nur einen drastischen Linksruck zur Folge, sondern auch eine Umwälzung der spanischen Parteienlandschaft. Rajoys PP, die bisher in 11 von 17 Regionen die Regierung und in fast allen Provinzhauptstädten die Bürgermeister stellt, erlitt so drastische Einbußen, dass sie einen großen Teil ihrer Macht - darunter in Hochburgen wie Madrid oder Valencia - abgeben muss.

«Rajoy ist mit seiner Strategie gescheitert», meinte die Zeitung «El Mundo». «Die PP-Führung vermied in der Wahlnacht jede Selbstkritik. Dies ist der beste Weg zu einer Katastrophe bei der Parlamentswahl im Herbst.»

In acht Regionen gewannen linke und liberale Parteien - rechnerisch - eine Mehrheit. Zur Regierungsbildung müssten sie sich zu Koalitionen zusammenschließen. Dies gestaltet sich in Spanien jedoch häufig schwierig, weil eine Kultur von Regierungsbündnissen nur wenig entwickelt ist. Podemos verlangt von den Sozialisten zum Beispiel eine «Kehrtwendung um 180 Grad».

Was nun auf Spanien zukommen könnte, deutete sich in Andalusien an: Die bevölkerungsreichste Region des Landes hatte am 22. März ein Regionalparlament gewählt. Aber zwei Monate später gibt es noch keine neue Regierung und man spricht bereits von möglichen Neuwahlen.

Mo, 2015-05-25 15:27
Luhansk/Kiew (dpa) 

Tod eines Separatistenführers in Ostukraine schürt Spannungen

Ein Jahr nach der Wahl von Präsident Poroschenko ist die Ukraine von Frieden weit entfernt. Im Kriegsgebiet Donbass wird ein Kommandeur der Separatisten bei einem Anschlag getötet. Wer steckt dahinter?

Luhansk/Kiew (dpa) - Ein tödlicher Anschlag auf einen Befehlshaber der prorussischen Separatisten im Kriegsgebiet Donbass verschärft die Spannungen zwischen Kiew und den Aufständischen. Der Kommandeur einer Kampfeinheit, Alexej Mosgowoj, sei im Gebiet Luhansk vermutlich von einer ukrainischen Spezialeinheit getötet worden, teilten die Separatisten mit. Die prowestliche Führung in Kiew wies die Anschuldigungen zurück. Die andauernde Gewalt in der Ostukraine überschattet den ersten Jahrestag der Wahl des prowestlichen Präsidenten Petro Poroschenko.

Die Tat sei nur für die Ukraine von Vorteil, denn sie bereite einen neuen Angriff im Donbass vor, behauptete Separatistenführer Igor Plotnizki am Montag in Luhansk. Beide Konfliktparteien berichteten von Gewaltexzessen mit insgesamt mindestens acht Toten am Wochenende in der Ostukraine.

Mosgowoj war als Anführer der Separatistengruppe «Prisrak» (Gespenst) bekannt. Der 40-Jährige galt als Anhänger eines unabhängigen Noworossija (Neurussland) im Donbass. Schon 2004 war er als Gegner der prowestlichen Orangenen Revolution in der Ukraine aufgetreten.

Nach Darstellung der Aufständischen gerieten Mosgowoj und seine Begleiter am Samstag zunächst in einen Hinterhalt mit einer Explosion. Dann eröffneten Angreifer das Feuer mit Maschinengewehren. Insgesamt wurden dabei demnach mindestens sechs Menschen getötet.

Mosgowoj sei das Opfer eines Machtkampfes in den Reihen der Separatisten geworden, behauptete Alexander Motusjanik vom Präsidialamt in Kiew. Bei Facebook bekannte sich indes eine Gruppe namens «Ten» (Schatten) zu der Tat. Im Donbass kämpfen zahlreiche Freiwilligenbataillone auf der Seite der ukrainischen Regierung.

Mitte Februar hatten die Konfliktparteien zwar eine Waffenruhe vereinbart. Diese ist aber brüchig. Die Militärführung in Kiew berichtete von einem getöteten Soldaten und mehreren Verletzten innerhalb von 24 Stunden. Auch die Aufständischen teilten mit, einer ihrer Kämpfer sei getötet worden.

Separatistenführer Eduard Bassurin behauptete, die Ukraine habe bis zu 45 000 Soldaten im Frontgebiet stationiert. Zudem sprach er von Hunderten Einheiten Kriegstechnik, darunter Panzer. Die Führung in Kiew wirft Moskau vor, die Aufständischen mit Tausenden Soldaten zu unterstützen. Russland dementiert dies.

Der Krieg im Donbass belastet die politische Bilanz von Staatschef Poroschenko ein Jahr nach seiner Wahl zum Präsidenten. Poroschenko habe kein zentrales Reformversprechen umsetzen können, sagte der Direktor des Instituts für globale Strategien, Wadim Karassjow, örtlichen Medien zufolge. Als Grund dafür nannte er neben dem Krieg ein nachlassendes Interesse des Westens an der Ex-Sowjetrepublik.

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Mo, 2015-05-25 15:29
Berlin (dpa)

Irisches Votum gibt deutschen Befürwortern der Homo-Ehe Auftrieb

Ausgerechnet die überwiegend katholischen Iren haben es vorgemacht: Ja zur völligen Gleichstellung homosexueller Paare. Was die können, sollten wir auch können, heißt es nun sogar aus der CDU. Doch ein Gesetzentwurf der schwarz-roten Regierung geht noch nicht so weit.

Berlin (dpa) - Das klare irische Votum für die Homo-Ehe stärkt auch in Deutschland die Befürworter einer Reform. Pläne der schwarz-roten Regierung, homosexuellen Paaren mit kleineren Änderungen im Zivil- und Verfahrensrecht das Leben zu erleichtern, seien «unzureichend», sagte die Antidiskriminierungs-Beauftragte Christine Lüders am Montag. «Es gibt keinen sachlichen Grund, gleichgeschlechtlichen Paaren die vollständige Öffnung der Ehe zu verwehren.»

Als erstes EU-Land hatte das katholisch geprägte Irland am Freitag in einer Volksabstimmung eindeutig für die völlige Gleichstellung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare gestimmt. Die Regierung des konservativen Premierministers Enda Kenny hatte sich vehement für die Zulassung der Homo-Ehe eingesetzt.

Die Bundes-Beauftragte Lüders forderte eine fraktionsübergreifende Bundestagsinitiative. «Das Recht auf Heirat für Lesben und Schwule ist ein Menschenrecht - das gehört nicht in die Parteipolitik. Ich fände es gut, wenn der Bundestag ohne Fraktionszwang darüber abstimmen würde.» Sie sei sicher, dass die große Mehrheit der Parlamentarier für die Homo-Ehe stimmen werde.

«Man sollte denken, was die katholischen Iren können, können wir auch», sagte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn der «Welt». «Die Bevölkerung ist in diesen Fragen oft weiter als wir denken.» Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) beklagt indes, das volle Eherecht für Homo-Paare sei in der Koalition mit CDU/CSU «schwer realisierbar». Deswegen glaubt auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) nicht an eine Gleichstellung homosexueller Paare noch in dieser Legislaturperiode, wie sie der «Tageszeitung» (taz) sagte.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erklärte: «Die Merkel-Union wird die Debatte um die Ehe für alle nicht einfach aussitzen können.» Deutschland sei mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001 Vorreiter der Gleichstellung gewesen. Inzwischen «hat uns sogar Irland überholt», kritisierte Göring-Eckardt in der «Welt». Volker Beck, der innenpolitische Sprecher der Grünen, verlangte einen Gruppenantrag im Bundestag. «Dann hätte das unwürdige Gewürge beim Lebenspartnerschaftsgesetz ein Ende.»

Union und SPD hatten sich bei ihren Koalitionsverhandlungen 2013 auf die Vereinheitlichungen geeinigt, jedoch nicht auf die volle Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Das Justizministerium will die rechtliche Gleichstellung von Lebensgemeinschaften schwuler und lesbischer Paare mit der Ehe nun überwiegend im gesetzlichen Wortlaut fördern.

«Wir werden in 23 verschiedenen Gesetzen und Verordnungen die Vorschriften für die Ehe auf Lebenspartnerschaft ausdehnen», sagte Maas der Deutschen Presse-Agentur zur Kabinettsvorlage am Mittwoch. Diese sei «ein weiterer Schritt auf dem Weg zur umfassenden Gleichstellung». In bisherigen Vorschriften vor allem des Zivil- und Verfahrensrechts, aber auch des sonstigen öffentlichen Rechts würden Ehe und Lebenspartnerschaft «unterschiedlich behandelt, ohne dass dafür ein überzeugender Grund ersichtlich wäre». Nun soll in Gesetzen dem Wort «Ehegatte» ein «oder Lebenspartner» hinzugefügt werden.

Beck sagte: «Etwa 150 Regelungen in 54 Gesetzen und Verordnungen unterscheiden noch zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft. Ganze 23 davon will Heiko Maas nun ändern. Selbst wenn man die Gleichstellung bei der Adoption wegen der Union für unerreichbar hielte, ist dies ein Gesetzesvorhaben der Halbheit.» Familienministerin Schwesig lobte hingegen in der «taz» Maas' Pläne: «Damit machen wir einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur umfassenden Gleichstellung.»

Mo, 2015-05-25 15:08
Kairo (dpa)

Kairo: Differenzen mögen Al-Sisis Berlin-Besuch nicht überschatten

Kairo (dpa) - Ägyptens Regierung will den bevorstehenden Deutschlandbesuch von Präsident Abdel Fattah al-Sisi nicht von Kritik über die Menschenrechtslage in dem Land überschatten lassen. Zwar gebe es Differenzen in verschiedenen Bereichen. Die Beziehung zur Bundesrepublik sei aber auch dadurch geprägt, «unterschiedliche Meinungen zu überbrücken und neue Wege für eine bessere Zusammenarbeit zu suchen», sagte Außenminister Samih Schukri am Montag in Kairo. Al-Sisi soll am 3. und 4. Juni in Berlin unter anderen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammentreffen.

Der Besuch ist in Deutschland umstritten. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte sein geplantes Treffen mit Al-Sisi in Berlin abgesagt.

Al-Sisi hatte als Militärchef im Juli 2013 den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt. Dieser wurde kürzlich von einem Gericht zum Tode verurteilt. Zehntausende Menschen sind in Ägypten aus politischen Gründen inhaftiert, Massentodesurteile sind häufig.

Schukri plädierte für ein größeres Verständnis der ägyptischen Verhältnisse in Deutschland. «Keine Gesellschaft möchte von einer anderen bewertet werden. Ich glaube, dass zum Beispiel die öffentliche Meinung in Deutschland nicht sehr freundlich wäre, wenn ägyptische Medien eine bestimmte Gerichtsentscheidung kritisieren würden.»

Mo, 2015-05-25 15:39
Washington (dpa)

US-Senat lehnt NSA-Reform ab - Umstrittener «Patriot Act» vor Aus?

Obamas Geheimdienstreform liegt auf Eis: Der von den Republikanern dominierte Senat hat das Gesetz erst mal gestoppt. Doch damit gerät das gesamte Anti-Terror-Gesetz «Patriot Act» - mitsamt vieler Ausspährechte - in Gefahr.

Washington (dpa) - Im Streit über die Zukunft des umstrittenen Ausspähgesetzes zur Terrorabwehr läuft dem US-Kongress die Zeit davon. Nachdem sich der Senat in der Nacht zum Samstag nicht auf eine Verlängerung des «Patriot Act» einigen konnte, der zum Juni ausläuft, musste der republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell eine Sondersitzung am 31. Mai einberufen. 

Im Zentrum des Konfliktes stehen die Pläne von US-Präsident Barack Obama, das Ausspähen von Amerikanern durch den Geheimdienst NSA zu beschränken. Die Senatoren in Washington stimmten in einer Nachtsitzung gegen ein neues Gesetz, das die massenhafte Speicherung der Telefondaten von Millionen US-Bürgern beenden soll. Eine vorübergehende Verlängerung des unveränderten «Patriot Act» ließen sie aber auch nicht zu.

Die Vorlage der Regierung für das neue Gesetz, der «USA Freedom Act», erhielt nur 57 Stimmen - nötig wären 60 gewesen. Das Repräsentantenhaus hatte in der Vorwoche noch mit großer Mehrheit dafür zugestimmt. Es sieht vor, dass die NSA künftig Telefon-Metadaten nicht mehr selbst speichern darf. Dies sollten die privaten Telefonunternehmen übernehmen. Eine Einschränkung der Spähtätigkeit im Ausland ist hingegen nicht vorgesehen.

Die Parlamentarier stehen nun unter immensen Zeitdruck, denn zum 1. Juni läuft die gesetzliche Erlaubnis zum massenhaften Abgreifen der Telefon- und Internetdaten durch den «Patriot Act» aus. Die Arbeit der NSA droht somit eingeschränkt zu werden - die Behörde bereitet sich laut Medienberichten bereits darauf vor.

Der «Patriot Act» war als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 beschlossen worden. Das Anti-Terror-Gesetz bildet die rechtliche Grundlage für die NSA, im großen Stile Daten zu sammeln.

Gegen eine Verlängerung der Ausspährechte sprach sich vor allem der republikanische Senator Rand Paul aus, der zur Präsidentenwahl 2016 antreten möchte. Regierungssprecher Josh Earnest hatte die Senatoren vergeblich zu raschem Handeln aufgerufen.

«Was in dieser Woche im Senat passiert ist, war eine Katastrophe», sagte der demokratische Abgeordnete und Geheimdienstexperte Adam Schiff in einer TV-Sendung. «Es sieht so aus, als würde das Programm (der Patriot Act) auslaufen.»

Das millionenfache Datensammeln war 2013 vom Whistleblower Edward Snowden enthüllt worden. Auch das Handy der Bundeskanzlerin Angela Merkel war im Visier der US-Geheimdienste. Präsident Obama hatte darauf eine Reform angestoßen, von der allerdings ausschließlich US-Amerikaner profitieren würden. Die Regierung will die extreme Datensammelwut zwar stoppen, mit der Reform aber gleichzeitig sicherstellen, dass Daten zum Schutz vor Terrorattacken begrenzt weiter gesammelt und genutzt werden können.

Mo, 2015-05-25 15:53
Leipzig (dpa)

21 000 Fans der schwarzen Szene beim Wave-Gotik-Treffen

Leipzig (dpa) - Schnürstiefel, Spitze und schwarze Zylinder: Das Wave-Gotik-Treffen hat rund 21 000 Fans aus aller Welt zu Pfingsten nach Leipzig gelockt. Insgesamt spielten 220 Bands an 50 Spielstätten. Geboten wurden etwa Szene-Konzerte mit Bands wie Blutengel oder Dark Funeral aber auch Fledermausführungen des Naturschutzbundes über den Leipziger Südfriedhof. «Die Stimmung war sehr entspannt - so wie wir das von unseren Gästen gewohnt sind», sagte Festivalsprecher Cornelius Brach am Montag.

Zusätzlich zu den diversen Veranstaltungen der schwarzen Szene kamen noch einmal gut 10 000 Leipziger, die über ein Tagesticket die Mittelaltermärkte besuchten. Bis in den Dienstagmorgen hinein ist in Leipzig noch Party angesagt. 2016 feiert das Festival 25. Geburtstag.

Mo, 2015-05-25 14:29
Dietenhofen (dpa)

Angler hat Schnappschildkröte am Haken

Dietenhofen (dpa) - Auf einen Karpfen hatte ein Angler gehofft - doch aus einem Weiher in bayerischen Dietenhofen fischte er eine 70 Zentimeter große Schnappschildkröte. Das Tier hatte sich mit dem Bein im Angelhaken verheddert, blieb aber unverletzt. Der überraschte 62 Jahre alte Angler rief am Sonntag schließlich die Polizei. Das Tier sei dann in die Reptilien-Auffangstation nach München gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Bislang ist unklar, wie die Schildkröte in den Weiher gelangen konnte.

Die als aggressiv geltenden Schildkröten kommen ursprünglich aus Amerika und dürfen in Deutschland normalerweise nicht gehalten und verkauft werden. Trotzdem tauchen sie immer wieder in Gewässern auf - im Juli 2014 etwa wurde ein Exemplar aus der Spree gefischt. Bis heute nicht gesichtet dagegen wurde «Lotti», die 2013 einen Sommer lang das schwäbische Irsee in Atem gehalten hatte. Die vergebliche Suche machte bundesweit Schlagzeilen. Gleiches gilt für eine Schildkröte, die im Vorjahr angeblich in einem Karpfenteich bei Erlangen beobachtet wurde - auch sie wurde nicht gefunden.

Mo, 2015-05-25 14:42
Kabul (dpa)

73 Verletzte nach Explosion von Lastwagenbombe in Afghanistan

Kabul (dpa) - Bei einem Anschlag mit einer Lastwagenbombe auf einem belebten Platz in der Nähe des Provinzrates in der südafghanischen Stadt Kalat sind mindestens 73 Menschen verletzt worden. Bei allen Verletzten handele es sich um Zivilisten, sagte ein Polizeisprecher in der Hauptstadt der Provinz Sabul. Vier der Opfer schwebten in Lebensgefahr. Unter den Verletzten seien 16 Frauen und Kinder.

Ein Augenzeuge sagte, zu der heftigen Detonation sei es gekommen, als Kinder am Montag auf dem Nachhauseweg von der Schule gewesen seien. Nach Polizeiangaben wurden die meisten Gebäude um den Anschlagsort herum beschädigt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-05-25 14:49
Paju (dpa)

Friedensaktivistinnen überqueren Grenze von Nord- nach Südkorea Von Dirk Godder, dpa

30 Frauen überqueren symbolisch die innerkoreanische Grenze. Es soll ein Marsch für den Frieden sein. Nordkorea schießt verbal quer.

Paju (dpa) - Vor dem 70. Jahrestag der Teilung Koreas haben 30 Aktivistinnen aus aller Welt die schwer bewachte Grenze zwischen Süd- und Nordkorea überquert. Die US-Frauenrechtlerin Gloria Steinem nannte die Überfahrt von Nord- nach Süd mit einem Bus am Sonntag nach der Ankunft in Südkorea einen «großen Triumph» für die Aussöhnung. 

Ihre Hoffnung, durch den Waffenstillstandsort Panmunjom über die Grenze marschieren zu können, hatte sich nicht erfüllt. Nach der Ankunft gingen die Frauen in der Zivilen Kontrollzone einen Kilometer am Sperrzaun entlang. Mit dabei: die Friedensnobelpreisträgerinnen Mairead Corrigan Maguire aus Irland und Leymah Gbowee aus Liberia.

Die Gruppe wehrte sich gegen den Vorwurf, sie habe sich vom kommunistischen Regime in Pjöngjang vereinnehmen lassen. In Nordkorea hatten die Frauen nach eigenen Angaben Bürgerinnen, jedoch keine Regierungsvertreter getroffen. «Wir hatten wirklichen menschlichen Austausch mit nordkoreanischen Frauen», sagte die 81-jährige Steinem. Sie hätten sich als «Bürger-Diplomaten» gefühlt.

Einen Bericht der nordkoreanischen Parteizeitung «Rodong Sinmun», Mitglieder der Gruppe hätten den als Staatsgründer verehrten früheren Präsidenten des Landes, Kim Il Sung, gepriesen, wies Steinem als «unwahr» zurück. Sie hätten gegen den Bericht protestiert. 

Die Frauen riefen beide Länder zu einem Friedensabkommen auf. Ein Friedensvertrag würde auch die Lage der Menschenrechte in Nordkorea verbessern, sagte Maguire. Man müsse sich gegenseitig achten. Beide Koreas befinden sich seit ihrem Bruderkrieg (1950-53) völkerrechtlich noch im Kriegszustand.

Nordkorea hatte jüngst seine Zustimmung für einen Besuch des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon im grenznahen innerkoreanischen Industriepark Kaesong zurückgenommen. Vor fast zwei Jahren hatten fünf Neuseeländer nach einer zweiwöchigen Motorradreise durch das sonst weithin abgeschottete Nordkorea die Landesgrenze nach Südkorea überquert und damit für Aufsehen gesorgt.

Mo, 2015-05-25 14:37
Dresden (dpa)

Amnesty fordert mehr Einsatz gegen Rassismus in Deutschland

Ausgerechnet in Dresden hält Amnesty sein Jahrestreffen ab. Rassismus sei nicht allein bei Rechtsextremisten zu finden, lautet eine Botschaft in der Hauptstadt der Pegida-Kundgebungen. Rassismus gebe es mitten in der Gesellschaft.

Dresden (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) hat mehr Engagement gegen Rassismus und einen besseren Schutz für Flüchtlinge gefordert. Die Politik müsse rassistischen Ressentiments mit einer eindeutigen Haltung entgegentreten, verlangte die deutsche Amnesty-Sektion am Montag zum Abschluss ihrer dreitägigen Jahrestagung in Dresden. «Rassismus ist nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft verbreitet», sagte die neue Vorstandssprecherin Gabriele Stein. «Der Einsatz gegen Rassismus ist eine demokratische und menschenrechtliche Grundaufgabe.»

Bereits zuvor hatte Amnesty die Regierung aufgefordert, ein Konzept zur Bekämpfung von Rassismus als Problem der gesamten Gesellschaft vorzulegen. Rassismus sei nicht einfach mit Rechtsextremismus gleichzusetzen, sagte die Generalsekretärin der deutschen Sektion, Selmin Caliskan, der Deutschen Presse-Agentur. Sie kündigte einen Bericht ihrer Organisation über Hassverbrechen in Deutschland an. Derzeit sei ein Ermittlerteam aus dem Londoner Amnesty-Zentrale in Deutschland unterwegs, um rassistische Übergriffe und Verfehlungen von Polizei und Justiz zu dokumentieren.

In einem Beschluss verlangten die Delegierten sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa und eine europäische Seenotrettung im Mittelmeer. Zugleich begrüßten sie den Vorschlag der EU-Kommission, eine Quote für die Übernahme von Flüchtlingen aus besonders stark belasteten Mitgliedstaaten einzuführen. Insgesamt fordert ai von der EU erheblich mehr Aufnahmeplätze für Flüchtlinge. Den Vorschlag, mit militärischen Mitteln gegen Schleuser und Fluchthelfer vorzugehen, lehnt die Organisation strikt ab.

An der Jahresversammlung in der Dresdner Messe nahmen rund 400 Delegierte teil. Sie wählten dabei turnusgemäß auch einen neuen Vorstand. Die Mathematikerin Gabriele Stein (58) aus Aachen ist neue Vorstandssprecherin, die Politologin Nadja Wenger (26) aus Erlangen ihre Stellvertreterin. Zwei Frauen und drei Männer komplettieren den Vorstand. Amnesty hat nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 130 000 Mitglieder und Unterstützer.

Mo, 2015-05-25 13:14
Berlin (dpa)

Brandflaschen-Angriff auf Gaucks Amtssitz - Verdächtiger wieder frei

Ein Brandstifter wirft einen Molotowcocktail gegen den Zaun des Schlosses Bellevue. Ein Tatverdächtiger mit möglicherweise rechtsextremistischem Motiv wird schnell geschnappt. Es ist aber nicht der erste vergleichbare Angriff.

Berlin (dpa) - Nach einem Brandflaschen-Angriff auf den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin hat die Polizei einen mutmaßlichen Tatverdächtigen festgenommen. Gegen den 50-Jährigen wurde jedoch kein Haftbefehl erlassen. Er gelte zwar weiter als Tatverdächtiger, sei aber wieder auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Der Mann soll in der Nacht zum Pfingstsonntag eine Brandflasche auf einen Zaun vor dem Schloss Bellevue geschleudert haben. Bundespolizisten hatten die Flammen sofort gelöscht. Bis auf Rußflecken am Sockel des Zauns sei kein nennenswerter Schaden entstanden, berichtete ein Sprecher der Bundespolizei. Bevor der Täter mit dem Fahrrad geflüchtet sei, habe er noch Flugblätter mit politischen Forderungen über den Zaun geworfen. Ihr Inhalt zeuge von einer rechtsextremen Gesinnung.

Rund eine Stunde später verständigte ein Zeuge die Polizei, weil er einen Mann auf einem Fahrrad von einem anderen Tatort davonfahren sah. Unmittelbar zuvor war in einer nahe gelegenen Straße ein Zigarettenautomat gesprengt worden. Die Polizei nahm daraufhin den 50-Jährigen fest. Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Nähe werde geprüft, ob er für beide Taten in Betracht komme, sagte der Sprecher. Er bestreite aber beide Taten.

Erst im April war auf das Paul-Löbe-Haus des Bundestags ebenfalls ein Brandanschlag mit einem sogenannten Molotowcocktail verübt worden. Auch dort wurden Flugblätter hinterlassen und ein flüchtender Radfahrer beobachtet. Im vergangenen Jahr hatte es ähnliche Anschläge auf die CDU-Bundeszentrale und auf den Reichstag gegeben. Gefasst wurde niemand. Die Polizei prüft nach Angaben des Sprechers, ob der vorübergehend Festgenommene auch für diese Taten verantwortlich ist.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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