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kampagne / 02.Sep 2015

Müllflut stoppen: „Werde ein Becherheld!“

Wer sich seinen Coffee to go in einen mitgebrachten Mehrwegbecher füllen lässt, ist laut Deutscher Umwelthilfe ein „Becherheld“. Um die Müllflut durch den Unterwegs-Konsum zu stoppen, schlägt sie eine 20-Cent-Abgabe pro Becher vor.

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der Woche
Mi, 2015-09-02 17:42
London (dpa)

Cameron bleibt in der Flüchtlingsfrage hart

In Calais setzt Großbritannien auf Zäune und Polizei, um Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Südengland zu stoppen. Forderungen, mehr Menschen ins Land zu lassen, erteilt Premier Cameron eine Absage. EU-politisch tut er sich damit wohl keinen Gefallen.

London (dpa) - Großbritanniens konservative Regierung hält die Aufnahme von mehr Menschen nicht für den richtigen Weg in der Flüchtlingskrise. Am wichtigsten sei es, für Stabilität und Frieden im Nahen Osten zu sorgen, sagte Premierminister David Cameron am Mittwoch. «Ich glaube nicht, dass es eine Lösung gibt, zu der man kommt, indem man einfach mehr und mehr Flüchtlinge aufnimmt.» Die Opposition fordert, deutlich mehr geflohene Menschen ins Land zu lassen als bisher.

Während Deutschland in diesem Jahr mit 800 000 Asylsuchenden rechnet, haben in Großbritannien dem Innenministerium zufolge in den 12 Monaten bis Ende Juni lediglich 25 771 Menschen Asyl beantragt. Das Land gehört nicht zum Schengenraum und kontrolliert seine Grenzen.

Die harte Haltung in der Asylpolitik kann nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion im Bundestag Londons Interessen in EU-Reformverhandlungen schaden: Wenn die britische Regierung beim Standpunkt bleibe, sich nicht an der Verteilung der Lasten zu beteiligen, könne dies das deutsch-britische Verhältnis belasten, zitierte die britische «Times» am Mittwoch CSU-Politiker Stephan Mayer.

Auch der Plan von Premierminister David Cameron, Großbritanniens Verhältnis zur EU vor einem Referendum über den Verbleib des Landes in der Union neu auszuhandeln, könne Schaden nehmen, sagte Mayer. Freizügigkeit und Kontrolle über die eigenen Grenzen ist eines der Themen in den Verhandlungen über EU-Reformen. Spätestens Ende 2017 stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen.

Europa nehme traditionell Flüchtlinge auf, sagte der deutsche Botschafter in London, Peter Ammon, dem BBC Radio 4. Deutschland betrachte die europäischen Länder als Partner, die Verantwortung und Lasten teilen sollten. Insofern gebe es auch Erwartungen an Großbritannien.

Mi, 2015-09-02 17:02
Berlin (dpa)

Grüne fordern Kaufprämien für E-Autos - Klimaschutzgesetz verlangt

Berlin (dpa) - Die Grünen wollen den Umstieg auf klimafreundliche Fahrzeuge mit staatlichen Kaufanreizen ankurbeln. Im Rahmen einer «ökologischen Verkehrsreform» sollten unter anderem Prämien von 5000 Euro für den Kauf von Elektroautos und von 2000 Euro für Hybridfahrzeuge gewährt werden. Das fordert der Parteivorstand in einem am Mittwoch verabschiedeten Aktionsprogramm. Darin verlangen die Grünen auch ein nationales Klimaschutzgesetz, in dem die deutschen Klimaziele bis 2050 verbindlich festlegt werden.

«Drei Monate vor der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Paris muss sich die deutsche Klimapolitik ehrlich machen und neu ausrichten», sagte Parteichefin Simone Peter. Mit ihrem jetzigen Kurs werde die Bundesregierung das nationale Klimaschutzziel von 40 Prozent Emissionsminderung bis 2020 krachend verfehlen. Die deutschen Pro-Kopf-Emissionen gehörten immer noch zu den höchsten der Welt. Während Länder wie die USA oder China ihre Klimaziele anheben, falle das einstige Vorreiterland Deutschland zurück.

In dem Programm machen sich die Grünen erneut für den Kohleausstieg Deutschlands stark. Bis zum Jahr 2020 müssten mindestens sechs Gigawatt an alten, ineffizienten Braunkohle-Kraftwerken vom Netz genommen werden. Dies entspreche etwa 10 bis 15 mittelgroßen Kohleblöcken. Klimaschädliche Subventionen müssten abgebaut werden. Öko-Strom solle stärker ausgebaut und der Schienen- und Nahverkehr gestärkt werden.

Mi, 2015-09-02 17:49
London/Wien (dpa)

Ölpreise geben nach starken US-Rohöllagerbeständen weiter nach

New York/London/Wien (dpa) - Die Ölpreise sind am Mittwoch nach überraschend großen US-Lagerbeständen erneut unter Druck geraten. Besonders stark fiel bis zum späten Nachmittag der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober. Der Preis sank um 1,27 Dollar auf 44,16 Dollar. Zwischenzeitlich war er sogar unter die Marke von 44 Dollar gesunken. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel auf 48,90 US-Dollar. Das waren 66 Cent weniger als am Dienstag.

Verantwortlich für die Rückgänge waren unerwartet große Rohöllagerbestände in den USA. Sie weisen auf ein großes Angebot am Ölmarkt hin und drücken dadurch die Preise nach unten. Die Bestände seien um 4,7 Millionen auf 455,4 Millionen Barrel (je 159 Liter) geklettert, hatte das Energieministerium am Nachmittag mitgeteilt. Volkswirte hatten nur einen Anstieg um 0,9 Millionen Barrel erwartet.

«Die Achterbahnfahrt bei den Ölpreisen hält an», kommentierten die Analysten der Commerzbank. Einem Preisanstieg um mehr als 25 Prozent innerhalb von drei Handelstagen war bereits am Dienstag ein starker Rückgang gefolgt. «Verlässliche Vorhersagen über die kurzfristige Preisentwicklung sind daher im Augenblick kaum zu treffen.»

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist gestiegen. Das Opec-Sekretariat meldete am Mittwoch, dass der Korbpreis der Ölsorten des Kartells am Dienstag bei 47,77 US-Dollar pro Barrel gelegen habe. Das waren 76 Cent mehr als am Montag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Mi, 2015-09-02 17:16
Berlin (dpa)

Merkels Flüchtlingspolitik - Internationales Vorbild oder Bedrohung?

Wie sich das Blatt wenden kann: Während der Griechenland-Krise hagelte es für Deutschland Kritik, jetzt kommen die Lobeshymnen. International wird die Bundesrepublik von vielen als Paradebeispiel für die Flüchtlingsaufnahme gehandelt - teilweise auch als Bedrohung.

Berlin (dpa) - Für viele Asylsuchende ist Deutschland die Anlaufstelle Nummer eins. Nicht zuletzt wegen der scharfen Kritik der Bundeskanzlerin am Fremdenhass und der Ansage, syrische Flüchtlinge nicht mehr in andere EU-Länder zurückzuschicken. Der Bundesrepublik und Angela Merkel bringt das international viel Lob ein. Gleichzeitig sorgt die Haltung Deutschlands in manchen Ländern für Irritationen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

In GROSSBRITANNIENS eher links orientierten Medien gibt es viel Lob für Deutschland und die Kanzlerin: Sie führe endlich, wo bisher vor allem gezankt wurde, schreibt etwa der «Guardian». Sie erinnere an die Werte, auf deren Grundlage Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengewachsen sei. Konservative Blätter wie die «Times» und der «Telegraph» empfinden Deutschlands Rolle eher als Bedrohung, die noch mehr Menschen nach Europa locken und Großbritannien unter Druck setzen könnte, von seiner restriktiven Asylpolitik abzurücken. Premierminister David Cameron handelte sich letztens scharfe Kritik ein, als er sagte, Flüchtlinge kämen in «Menschenschwärmen» übers Mittelmeer. In Calais setzt Großbritannien auf Zäune und Polizei, um Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Südengland zu stoppen.

In FRANKREICH bekommt die Haltung Deutschlands viel Zustimmung. «Auf der anderen Seite des Rheins begleitet die Zivilgesellschaft die politischen Entscheidungen, und das ist bemerkenswert», schreibt die Zeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace». Obwohl es viele Diskussionen und zum Teil gewalttätige Gegenbewegungen gebe, sei «ein Kosens spürbar». Damit sei Deutschland «ein Vorbild, dem man folgen sollte». «Le Journal de La Haute Marne» interpretiert eine Botschaft der Flüchtlinge: «Ihr Traum von Europa heißt Deutschland.» In «L'Alsace» heißt es: «Die deutsche Regierung hat schneller gehandelt als alle anderen. Wir sollten diesen Vorstoß nutzen und gemeinsam mit Deutschland in humanitärer Hinsicht den Motor Europas wieder anwerfen.»

ÖSTERREICH sitzt als Land mit einer hohen Zahl an Flüchtlingen in einem Boot mit Deutschland. Die österreichische Idee, nicht-hilfsbereiten EU-Staaten Fördergelder zu streichen, wird durchaus geteilt. Allerdings war Wien irritiert über die politischen Signale aus Berlin, wonach Syrer keine Abschiebung befürchten müssten. So etwas führe nur zu einem noch höheren Transferdruck von Ungarn nach Deutschland, so die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Dass Österreich seinerseits die Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland nur «durchwinke», lässt sie nicht gelten. Es werde stichprobenartig kontrolliert. Die Medien sind sich weitgehend einig: Beide Länder haben das Problem lange Zeit unterschätzt.

In der SCHWEIZ findet die Flüchtlingspolitik Deutschlands viel Anerkennung. Hervorgehoben wurde in der Presse die Entscheidung der Bundesregierung, syrische Bürgerkriegsflüchtlinge nicht nach Ungarn oder in andere EU-Länder zurückzuschicken. Die Bundesrepublik bekenne sich in ihrer Migrations- und Außenpolitik zu jener «gestalterischen Rolle, die führende Politiker seit geraumer Zeit einfordern», hieß es in der «Neuen Zürcher Zeitung». Dabei sieht die Schweiz aber für sich selbst keinen Nachholbedarf, denn gemessen an der Einwohnerzahl bearbeite sie mehr Asylanträge als Deutschland und die meisten anderen Staaten Europas.

Die Meinung in den USA: Sehr, sehr spät habe sie das Wort ergriffen, dann aber gut und mächtig - der jüngste Auftritt der Kanzlerin wurde in den USA anerkennend kommentiert. Europäische, erst recht deutsche Themen spielen dort sonst kaum eine Rolle, anders das Thema Flüchtlinge. Seit Tagen präsent in Briefings des Außenministeriums, prominent beleuchtet in den Qualitätsmedien. Deutschland kommt dabei überwiegend gut weg, wird sehr nüchtern beleuchtet. Wieder einmal sei Berlin gezwungen oder verpflichtet, die Führungsrolle in Europa zu übernehmen. Auch, wenn Deutschland das - wieder einmal - nicht passe.

In ITALIEN war bis vor kurzem Angela Merkel die Politikerin, die die armen südeuropäischen Länder zum Sparen zwang. Doch mit der Flüchtlingskrise hat sich das Bild gewandelt und es gibt anerkennende Worte für die Bereitschaft, in diesem Jahr 800 000 Menschen aufzunehmen. «Mit dieser Verpflichtung ist die Kanzlerin zur politischen und moralischen Führerin Europas geworden», schreibt die linksliberale Zeitung «La Repubblica». Die Merkel-Karikatur mit der «Pickelhaube à la Bismarck» sei passé, befindet das Blatt. Auch der Mailänder «Corriere della Sera» lobt die Tatkraft der Kanzlerin: «Das Neuwort «merkeln» - zögern, bummeln, um keine Entscheidungen zu treffen - ist bisher nicht in den Wortschatz der Migranten eingegangen.»

In SPANIEN war es vor allem mit Lob aufgenommen worden, dass Merkel und andere Politiker nach den Ausschreitungen in Heidenau eindeutig gegen Rechtsextremisten und Rassisten Stellung bezogen. Die Zeitung «El País» forderte die Madrider Regierung auf, sich an Deutschland, Italien und Frankreich ein Beispiel zu nehmen und bei der Aufnahme von Flüchtlingen mehr Solidarität zu zeigen. Das Portal «El Confidencial» konstatierte: «Der Zustrom von Flüchtlingen bringt das Beste und das Schlechteste von Deutschland ans Tageslicht.» Mit dem Besten meint das Blatt die Welle der Solidarität mit Flüchtlingen, mit dem Schlechtesten die gewaltsamen Aktionen von Neonazigruppen.

Mi, 2015-09-02 16:54
Berlin (dpa)

Grüne: Job-Beschränkungen für Flüchtlinge dauerhaft streichen

Berlin (dpa) - Die Grünen haben sich dafür ausgesprochen, die Job-Beschränkungen für Flüchtlinge in Deutschland dauerhaft zu streichen. Parteichef Cem Özdemir begrüßte am Mittwoch den Vorstoß der Bundesagentur für Arbeit (BA), damit Asylbewerber künftig auch ohne die sogenannte Vorrangprüfung in Deutschland arbeiten dürfen. Die Regelung, die bisher Deutsche und EU-Bürger bei der Vergabe von Jobs gegenüber Asylsuchenden bevorzugt, soll für zwei Jahre ausgesetzt werden, hatte BA-Chef Frank-Jürgen Weise vorgeschlagen.

Özdemir sagte nach einer Klausur des Parteivorstandes: «Die allermeisten Flüchtlinge wollen anpacken, die Ärmel hochkrempeln und der Gesellschaft, die sie aufnimmt, ihre Dankbarkeit zeigen.» Daher sei es zu begrüßen, wenn die Vorrangprüfung ausgesetzt werde: «Wir Grünen fordern dies bereits seit langem und wollen, dass die Vorrangprüfung nicht nur vorrübergehend, sondern dauerhaft abgeschafft wird.» Diese mache den Flüchtlingen das Leben schwer und sei eine Last für die Wirtschaft.

Hintergrund des BA-Vorschlages ist die gute Arbeitsmarktsituation und die Vielzahl offener Stellen.

Co-Parteichefin Simone Peter forderte mehr Personal beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Es müsse in Deutschland möglich sein, über Asylanträge in drei Monaten zu entscheiden. Nötig sei zudem eine unbürokratische Altfall-Regelung für Asylsuchende, die schon länger als ein Jahr im Verfahren ausharren.

Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern mit fast hundertprozentiger Anerkennungsquote sollten aus dem aufwendigen Asylverfahren herausgenommen und über eine Kontingentlösung zügig anerkannt werden, sagte Peter. Außerdem sollten die zeitraubenden Widerrufs- und Dublin-Verfahren ausgesetzt werden.

Mi, 2015-09-02 17:49
Washington (dpa)

Obama sichert sich entscheidende Zustimmung im Senat zu Iran-Abkommen

Erbitterten Widerstand gegen den Iran-Atomdeal haben die Republikaner im Kongress angekündigt. Doch jetzt sieht es ganz so aus, als ob Präsident Obama die eigenen Reihen geschlossen halten kann. Dem historischen Abkommen stünde damit nichts mehr im Wege.

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat im Ringen um die umstrittene Atomvereinbarung mit dem Iran die entscheidende Hürde genommen. Im Senat sicherte er sich am Mittwoch die 34. Stimme und kann damit eine Ablehnung des Iran-Kompromisses verhindern. Die Senatorin Barbara Mikulski teilte mit, sie werde für den vor allem von Israel scharf kritisierten Deal stimmen. Die Republikaner haben zwar in beiden Kongresskammern die Mehrheit, sie können aber mit einer entsprechenden Sperrminorität der Demokraten das Abkommen nicht mehr verhindern.

Gegen das gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China und Russland ausgehandelte Atomabkommen hatte es auch in Obamas Partei Widerstand gegeben. Mehrere Demokraten kritisierten, die Befugnisse der internationalen Kontrolleure seien zu schwach, um den Bau einer Atomwaffe im Iran in den kommenden Jahren tatsächlich verhindern zu können. Unangekündigte Inspektionen aller Atomanlagen sind wegen der bürokratischen Regeln fast nicht umsetzbar. Zudem werden Hunderte Uranzentrifugen nur eingemottet und können leicht reaktiviert werden.

Obama erwiderte seinen Kritikern, das Abkommen halte den Iran auf absehbare Zeit davon ab, Atomwaffen zu erlangen. Dieser Zeitgewinn sei ohne «einen weiteren Krieg» erreicht worden. US-Außenminister John Kerry versprach am Mittwoch, der Vertrag mache die Welt sicherer, auch die USA und den Nahen Osten. «Dieses Abkommen ist eine der wichtigsten politischen Entscheidungen unserer Zeit», sagte Kerry bei einer Rede in Philadelphia.

Der US-Kongress hatte sich beim Atomdeal mit dem Iran gesetzlich ein Mitspracherecht gesichert. Die Prüffrist für den Kongress läuft am 17. September ab. Während dieser Zeit darf Obama dem Gesetz zufolge keine Sanktionen gegen den Iran aussetzen, aufheben oder verringern. Stimmt nach Ablauf der Frist eine Mehrheit der Abgeordneten und Senatoren gegen das Abkommen, kann Obama diesen Schritt binnen zehn Tagen mit seinem Veto zurückweisen. Er hat bereits angekündigt, dass er von diesem Recht Gebrauch machen wird, sollte der Kongress sich gegen den Atomdeal sperren.

Nach einem Veto bliebe dem Parlament wiederum zehn Tage Zeit, Obama zu überstimmen. Dazu wäre aber eine Zweidrittelmehrheit in Abgeordnetenhaus und Senat nötig, die mit den angekündigten 34 Stimmen aus dem Lager der Demokraten im Senat aber nicht zustande kommen würde.

Das Obama-Lager will nun auch noch versuchen, insgesamt 41 Stimmen im Senat auf sich zu vereinen. Damit ließe sich bereits eine erste Abstimmung gegen das vom Präsidenten mit ausgehandelte Abkommen verhindern. Die Demokraten halten 44 der insgesamt 100 Sitze im Senat.

Ist die Kongress-Prozedur abgeschlossen, muss Obama nach der gesetzlichen Vorgabe dem Kongress alle 90 Tage bescheinigen, dass der Iran keine Terrororganisationen unterstützt. Das US-Außenministerium zählt den Staat zu den Sponsoren der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas und der libanesischen Hisbollah-Miliz.

Mi, 2015-09-02 17:15
Berlin (dpa)

Zahl der Übergriffe auf Flüchtlingsheime steigt auf fast 340

Berlin (dpa) - Die Zahl rechter Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte ist erneut gestiegen. Die Polizei zählte von Jahresbeginn bis Ende August 337 Straftaten gegen Asylunterkünfte, die als rechtsmotiviert eingestuft wurden oder bei denen eine rechte Motivation noch nicht sicher ausgeschlossen werden könne. Das teilte das Bundesinnenministerium am Mittwoch in Berlin mit. Überwiegend handele es sich dabei um Sachbeschädigungen, Propagandadelikte und Volksverhetzungen.

Die Zahlen sind zuletzt sprunghaft gestiegen. Im vergangenen Jahr registrierten die Behörden insgesamt 198 solcher Delikte. Diese Zahl war im laufenden Jahr bereits nach sechs Monaten erreicht. Nun hat sich der Trend im Juli und August noch einmal verstärkt. In den vergangenen Wochen sorgten zahlreiche Brandstiftungen und Ausschreitungen vor Flüchtlingsunterkünften bundesweit für Schlagzeilen.

Mi, 2015-09-02 17:01
Kiew (dpa)

Nach Explosion in Kiew Verdächtiger in Haft

Kiew (dpa) - Nach den blutigen Krawallen vor dem ukrainischen Parlament hat ein Kiewer Gericht für den mutmaßlichen Werfer einer Granate zwei Monate Untersuchungshaft angeordnet. Zudem gebe es einen Haftbefehl gegen vier weitere Verdächtige, meldeten Agenturen am Mittwoch. Für einige weitere Festgenommene stand die Entscheidung noch aus.

Bei den Ausschreitungen am Montag vor der Obersten Rada waren nach jüngsten Behördenangaben 3 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet und mehr als 130 Menschen verletzt worden. Nationalisten hatten gegen eine geplante Verfassungsreform protestiert.

Mi, 2015-09-02 16:07
Berlin (dpa)

Regierung will Flüchtlings-Gesetzespaket binnen Wochen durchbringen

Lange sah die Bundesregierung nur zu, wie sich die Flüchtlingslage zuspitzte. Nun hat sie es eilig: Innerhalb weniger Wochen soll ein großes Paket mit Gesetzesänderungen und Milliardenhilfen stehen. Wird auch am Grundgesetz geschraubt?

Berlin (dpa) - Angesichts krisenhafter Zustände in der Flüchtlingspolitik drückt die Bundesregierung nun aufs Tempo und will bis Ende Oktober ein milliardenschweres Paket mit zahlreichen Gesetzesänderungen auf den Weg bringen. Das kündigte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin nach einer Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses an. «Der Zeitplan ist ehrgeizig», sagte er, betonte aber: «Wir haben keine Zeit zu verlieren. Die Sache verlangt schnelle Entscheidungen.» Geprüft würden dabei auch Grundgesetzänderungen an mehreren Stellen.

Der Bund rechnet in diesem Jahr mit rund 800 000 Asylbewerbern in Deutschland. Das wären viermal so viele wie im vergangenen Jahr. Flüchtlingsunterkünfte sind angesichts der Entwicklung heillos überfüllt, Behörden überlastet. Auch die Zahl rechter Proteste und Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte ist sprunghaft gestiegen.

De Maizière hat zahlreiche Änderungen vorgeschlagen, um zügig neue Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen, die Asylverfahren zu beschleunigen und abgelehnte Asylbewerber schneller in ihre Heimat zurückzuschicken. Unter anderem sollen Asylsuchende künftig bis zum Abschluss ihres Verfahrens in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben und mehr Sach- als Geldleistungen bekommen. Weitere Balkan-Staaten sollen als «sichere Herkunftsländer» eingestuft werden, um Asylsuchende von dort schneller abzuweisen. Vor allem geht es aber auch um mehr Geld vom Bund für die Flüchtlingsversorgung.

Die Koalitionsspitzen beraten an diesem Sonntag über das weitere Vorgehen. Am 24. September kommt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten zusammen, um umfangreiche Änderungen und die Lastenteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu vereinbaren.

De Maizière sagte, Ziel sei, das Gesamtpaket bei diesen beiden Treffen zu verabschieden und das gesamte Gesetzgebungsverfahren möglichst noch im Oktober abzuschließen. Auch Grundgesetzänderungen würden geprüft. Unter anderem werde diskutiert, die Einstufung «sicherer Herkunftsstaaten» künftig direkt an eine besonders niedrige Anerkennungsquote für Asylbewerber aus diesen Ländern zu knüpfen. Auch bei der Frage der Finanzströme zwischen Bund, Ländern und Kommunen sei eine Grundgesetzänderung nicht ausgeschlossen.

Der Bund kann den Kommunen bislang nicht direkt Geld auszahlen, sondern nur den Ländern. Der Bund beklagt aber, dass die Länder Geld für die Flüchtlingsversorgung in sehr unterschiedlichem Maße an die Kommunen weitergeben. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka, sagte, es dürfe keine Grundgesetzänderung um ihrer selbst willen geben. Wenn eine vernünftige Finanzstruktur zwischen Bund, Ländern und Kommunen nur so zu schaffen sei, werde er sich einem solchen Schritt aber nicht versperren.

Zur möglichen Summe der künftigen Bundesbeteiligung wollte sich de Maizière nicht äußern. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sprach von einem immensen Finanzbedarf: «Mit ein, zwei Milliarden ist es nicht getan. Da werden wir gewaltige Summen mobilisieren müssen.»

Der Innenausschuss beriet in seiner Sondersitzung auch über die wachsende Zahl an Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. «Das ist Volksverhetzung, was auf den Straßen stattfindet», sagte der Grünen-Politiker Volker Beck. Die Linke-Politikerin Petra Pau sprach von Rechtsterrorismus. De Maizière sagte, die Sicherheitsbehörden beobachteten die Entwicklung mit großer Sorge. Hinweise auf organisierte rechtsterroristische Strukturen gebe es aber nicht.

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mi, 2015-09-02 16:46
Berlin/Düsseldorf (dpa)

Konzerne sollen dauerhaft für Atomausstieg-Kosten haften

Der Bund wappnet sich gegen böse Überraschungen beim teuren Abschied von der Kernenergie. Mögliche Tricksereien der Konzerne bei der Haftung sollen unterbunden werden.

Berlin/Düsseldorf (dpa) - Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will mit einem neuen Gesetz verhindern, dass die Energiekonzerne sich vor den Kosten für den Atomausstieg drücken. Das geht aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Gesetzentwurf hervor, der gerade zwischen den Ministerien abgestimmt wird und noch im September vom Kabinett beschlossen werden soll. Deutschlands größter Energiekonzern kündigte an, gegen die Pläne voraussichtlich vor Gericht zu ziehen.

Mit der Einführung einer «Nachhaftung» will der Bund sicherstellen, dass die Konzerne auch dann dauerhaft für die Milliardenkosten beim AKW-Rückbau und der Endlagerung des Atommülls aufkommen, selbst wenn sie ihr Atomgeschäft in Tochterfirmen ausgliedern. «Ziel ist es daher, durch eine gesetzliche Neuregelung eine langfristige Konzernhaftung für die nukleare Entsorgung zu gewährleisten und somit die Risiken für die öffentlichen Haushalte zu reduzieren», heißt es in dem Gesetz.

Eon hält die zeitlich und in der Höhe unbegrenzte Haftung bis in alle Ewigkeit für angreifbar: «Der Entwurf für ein sogenanntes Konzernnachhaftungsgesetz dürfte einer verfassungsrechtlichen Überprüfung nicht standhalten», sagte ein Eon-Sprecher. «Sollte es in dieser Form verabschiedet werden, müssten wir aller Voraussicht nach Rechtsmittel einlegen.» Auch RWE, EnBW und Vattenfall werden die Pläne juristisch zu prüfen.

Eon hat sein Geschäft mit Atom, Gas und Kohle in die Gesellschaft Uniper abgespalten, um sich auf das Ökostrom-Geschäft zu konzentrieren. Ohne das neue Gesetz würde die gesamtschuldnerische Nachhaftung von Eon fünf Jahre nach der Abspaltung enden.

Die Atom-Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW haben insgesamt 35,8 Milliarden Euro an Rückstellungen für den AKW-Rückbau und die Endlagerung gebildet. Zusätzlich zum Haftungsgesetz will Gabriel eine Kommission einsetzen, die nach Alternativen bei der Finanzierung des Atomausstiegs sucht. Im Gespräch sind ein Stiftungsmodell und ein Fonds. Spätestens im Jahr 2022 soll das letzte deutsche Kernkraftwerk abgeschaltet werden.

Mi, 2015-09-02 16:45
Brüssel (dpa)

Wissenschaftler warnen vor riesigen Bodenverlusten durch Erosion

EU-Forscher blicken mit Besorgnis auf die riesigen Bodenverluste durch Erosion. Eine neue Studie zeigt das Ausmaß der Entwicklung in Europa und warnt vor noch dramatischeren Zahlen in der Zukunft.

Brüssel (dpa) - Regenfälle schwemmen in den EU-Staaten schätzungsweise 970 Millionen Tonnen lockeren Boden pro Jahr ab. Mit der Menge an Erde könnte die ganze Stadt Berlin um einen Meter angehoben werden, schreiben Wissenschaftler des EU-Forschungszentrums JRC zu einer am Mittwoch vorgestellten Studie. Weil deutlich weniger neuer Boden gebildet werde, gebe das Ausmaß der Erosion Anlass zur Sorge. Einem durchschnittlichen Verlust durch Abtrag von 2,46 Tonnen pro Hektar stehe nur eine durchschnittliche Bodenneubildung von 1,4 Tonnen pro Hektar und Jahr gegenüber.

Nach Angaben der Forscher sind vor allem Italien, Slowenien und Österreich stark von der Bodenerosion durch Wasser betroffen. Dort gingen im Schnitt sieben beziehungsweise in Italien sogar mehr als acht Tonnen pro Hektar und Jahr verloren. In Deutschland wird der Verlust hingegen nur auf 1,25 Tonnen pro Hektar und Jahr geschätzt.

Mehr als zwei Drittel des Bodens wird laut der Studie von landwirtschaftlichen Flächen wie Äckern abgetragen (68,3 Prozent). Auf Äckern fehlt zum Beispiel direkt nach der Aussaat eine schützende Pflanzendecke. Die wirtschaftliche Nutzung verstärkt deswegen den natürlichen Prozess der Erosion. Negative Auswirkungen hat das auch auf benachbarte Flächen, Flüsse, Seen und Meere. Sie können durch den abgetragenen Boden verunreinigt werden.

Um die besorgniserregenden Bodenverluste einzudämmen, empfehlen die Forscher spezielle Schutzmaßnahmen. Dazu könnte die finanzielle Förderung von Landbewirtschaftungsmethoden zählen, die Flächen weniger anfällig für Wassererosion machen. Dazu zählt zum Beispiel die Minimierung der Zeitspannen ohne Bepflanzung.

Die zukünftige Entwicklung dürfte nach Einschätzung der Wissenschaftler allerdings auch davon abhängen, wie der Klimawandel voranschreitet. Szenarien zeigten, dass die Bodenverluste wegen stärkerer Regenfälle bis 2050 noch einmal um 15 bis 20 Prozent zunehmen könnten, schreiben sie.

Mi, 2015-09-02 15:58
München (dpa)

«Glanzlicht-Deutschland» - München heißt Flüchtlinge willkommen Von Christoph Trost, dpa

Jahrelang war «Weltstadt mit Herz» der Slogan der bayerischen Landeshauptstadt. Am Hauptbahnhof machen Münchner diesem Namen alle Ehre - mit einer Welle der Hilfsbereitschaft für tausende Flüchtlinge. In den Medien und auf Twitter wird München gefeiert.

München (dpa) - Es sind Bilder, die um die Welt gehen: Berge von Lebensmitteln, Wasserflaschen, Windeln und Hygieneartikeln, die sich vor dem Münchner Hauptbahnhof türmen. Kisten mit Stofftieren für Kinder aus Syrien oder Afghanistan, die nach einer langen Flucht per Zug endlich in München angekommen sind. Ein Polizist, der einem Flüchtlingskind seine Mütze aufsetzt. Die Züge mit tausenden Asylsuchenden, sie haben am Montag und Dienstag eine Welle der Hilfsbereitschaft in der bayerischen Landeshauptstadt ausgelöst. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, er sei ausgesprochen stolz.

Hunderte Spender brachten Lebensmittel, Kleidung, Zahnbürsten, Windeln und andere Geschenke zum Hauptbahnhof. Und nicht nur das: Zahllose freiwillige Helfer verteilten sie zusammen mit Beamten und Hilfsorganisationen an die Flüchtlinge. «Wir finden das super!!!», schrieb die Polizei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter - bis es dann sogar zu viel wurde. Schließlich teilte sie auf Twitter mit: «Bitten euch aktuell keine Sachen mehr zu bringen.» Die Spenden reichten aus.

Auf Facebook und Twitter wird München seither gefeiert. «Es gibt viele Gründe, München zu lieben. Gestern ist ein weiterer dazu gekommen», lautete am Dienstag eine von vielen Kurznachrichten. Und auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, jubelt, sie sei zutiefst beeindruckt, bewegt und «überwältigt von dem herausragenden Einsatz der Münchnerinnen und Münchner». «Die Welt sieht jetzt auf wunderbare Weise, was «Weltstadt mit Herz» bedeutet», betont sie. Knobloch erfindet sogar eine neue Bezeichnung: «Glanzlicht-Deutschland».

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass München durch solche Aktionen positiv von sich reden macht: Kundgebungen des bayerischen Pegida-Ablegers stellten sich im vergangenen Jahr stets Gegendemonstranten entgegen. Und Anfang Februar bildeten 15 000 Menschen eine Lichterkette durch die Innenstadt - als Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Am Dienstag übertrumpfte die Münchner Hilfsbereitschaft alle anderen Nachrichten, die in Sachen Flüchtlingspolitik aus dem Freistaat kamen: etwa Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dem im Fernsehen das Wort «Neger» über die Lippen kam. Oder Sozialministerin Emilia Müller (CSU), die bei der Eröffnung des bundesweit ersten Aufnahmezentrum speziell für Balkan-Flüchtlinge vor laufenden Kameras zu einem Vater von zwei Kinder sagte: «Sie wissen aber, dass Sie zurück müssen.» Doch um die Welt gingen am Dienstag vor allem die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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